Buecher
Rezension
Carola Moosbach: Bereitet die Wege. Poetische Kommentare zu Bachs geistlichen Kantaten
München 2012

In bester Tradition der Wahrheits-Sagerin

Das Buch ist leicht handhabbar. Es ist nach dem Kirchenjahr gegliedert und mit zwei Registern versehen, die sowohl die Bachkantaten als auch die kommentierenden Texte schnell auffindbar machen.

Handhabbar und harmlos kommt das Buch daher – und hat es doch in sich. Moosbach hat zu den Texten der Bachkantaten ihre eigenen Gedanken, Kommentare, Gegenreden, Aktualisierungen formuliert – und dies in bester Sprach-Tradition der Wahrheits-SagerInnen. Mit ihren Texten legt sie die Finger in die Wunden unserer Zeit; benennt die Nöte; blickt auf die, die sonst von niemandem beachtet werden; erzählt ungeschönt von den Erfahrungen der ZweiflerInnen mit dem Glauben - und rechnet dennoch mit Gott.

Das ist Gebetssprache, die einem heutigen Menschen möglich ist, der sein Leben in Not und Freude bestehen will und mit einem Gott noch rechnet, der sich immer wieder verbirgt.

Zugleich machen Moosbachs „poetische Kommentare“ Lust auf die alten Kantatentexte und auf Bachs Musik, beleuchten die alten Texte ganz neu, bringen sie auch für Heutige zum Sprechen, ziehen  den Leser/die Beterin ins Gespräch mit Bach und mit Moosbach und ins Hören auf Bach’s Musik. Die Texte sind oft mehrstimmig und haben – wie die Kantaten auch – immer wieder dialogischen Charakter. So gelingt es Carola Moosbach, die LeserInnen  zu verwickeln: Über die Jahrhunderte hinweg in einen Austausch mit einem alten Meister; in den Zorn über die Verhältnisse, wie sie sind; in den unwiderstehlichen Wunsch, die Wahrheit zu sagen; in die Hoffnung und in die Stille, die mit allem rechnet, auch mit Gott.

Johann Sebastian Bach nahm als mittelloser 14-Jähriger seine Geige mit, als er in eine Lüneburger Schule kam. Carola Moosbach nimmt ihre Sprache mit. Wir brauchen beides.
30.10.2012


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