Zur Person

Ein wenig von mir

Einige Eckdaten zu mir: Jg. 51, verheiratet seit 1974, drei Kinder, seit 2015 auch ein Enkelkind, Lehrerin in Grund- und Hauptschulen, u.a. für katholische Religion, seit 2014 i.R. Ich lebte zwei Jahrzehnte in einer vielfältig gewalttätigen Familie. Mit 20 Jahren verlor ich meine Erinnerungen an diese Zeit. Als psychosomatische Erkrankungen sich häuften, begann ich eine Therapie. Einige Erinnerungen tauchten auf. Der therapeutische Prozess dauerte - mit Unterbrechungen - 11 Jahre und endete vorläufig in einer sechsjährigen Psychoanalyse bei Frau Dr. B., der ich es verdanke, dass ich gelernt habe, mit den andauernden Traumafolgen zu leben.
Schmerzlich vermisst habe ich in diesen Jahren der Re-Vision meines Lebens seelsorgliche Begleitung durch einen Mitchristen/eine Mitchristin. Daher machte ich mich auf die Suche nach anderen gewaltüberlebenden Christinnen, die miteinander nachschauen, wie ihr Glaube an den in Jesus heruntergekommenen Gott ihnen eine Hilfe sein kann im Leben mit den Traumafolgen. Diese Suche führte mich dann u.a. hier ins Internet.
Begleitet und unterstützt wurde dieser Weg von den ersten Anfängen an von Dr. J. Sieger, bis 2014 Pfarrer (
kath.) in Bruchsal, inzwischen in der Flüchtlingsarbeit der Cartias im Erzbistum Freiburg tätig (http://www.joerg-sieger.de), Frau Gallinat-Schneider, Gemeindereferentin der Pfarrei St. Peter in Bruchsal (http://www.joerg-sieger.de/gallinat/) und anderen Menschen aus dieser Pfarrei. Ich fand bis Ende 2014 in dieser Gemeinde eine Nische, in der ich mit meiner Gegenwart und Vergangenheit sein darf - ein heilsamer Schritt aus der Einsamkeit und dem Gefühl der Nichtzugehörigkeit zur Gemeinschaft von Menschen und zur Gemeinschaft der ChristInnen. Diese Solidarität stärkte meine Hoffnung auf Gott als eine/n auch mit uns Verbündete/n. Sie gibt mir Kraft, gegen Widerstände und Ängste mitzuhelfen, dass Betroffene Ort, Sprache, vielleicht Heimat da finden können, wo vom Evangelium Jesu Christi die Rede ist.
Freundinnen, Freunde und Verbündete kamen hinzu. Mir bleibt, der Gemeinde und den Menschen, die sich solidarisch zeigten, herzlich zu danken. Ihnen ist vielleicht nicht immer bewusst, wie wichtig für mich eine interessierte Nachfrage, ein Mitlesen und auch kritisches Mitdenken, ein wohlwollendes Zuhören sind. Ich lebe von dieser wohlwollenden, aber auch kritischen Solidarität.
Und schließlich sei einmal auch hier meinem Mann und unseren Kindern gedankt. Sie haben manche Last solidarisch mitgetragen, mich oft getröstet und mir ebenso oft Mut gemacht - und sie haben meine Freude geteilt.

Bild 2004 entstanden an einem Sonntagmorgen im Juli 2004, unterwegs mit FreundInnen
Im Frühsommer 2006 wurde ich krank und für Monate arbeitsunfähig. Zum ersten Mal war nicht mehr daran zu denken, die Situation ambulant bewältigen zu können. Ich begab mich in eine psychotherapeutische Klinik. Danach war ich wieder arbeitsfähig. Der Klinikaufenthalt war eine große Unterstützung im Leben mit Traumafolgen. Zur weiteren Stabilisierung habe ich noch einmal eine Psychotherapie begonnen - bei meiner bisherigen Analytikerin :-).  Im Unterschied zur ersten therapeutischen Phase von 1991 - 2002 kann ich heute auf seelsorgliche Unterstützung zurückgreifen. Außerdem habe ich inzwischen - nicht zuletzt dank dieser HP - ein Netz von Menschen, die sich mir auch in der Not solidarisch zeigen. Es besteht also Grund zur Dankbarkeit :-)

Erika Kerstner im Januar 2007


Bild 2006
  entstanden auf dem "roten Sofa" in der Klinik des Sommers 2006
Im Januar 2012 erhielt ich das Bundesverdienstkreuz für die Arbeit mit Gewaltlüberlebenden, das ich stellvertretend für so viele Betroffene (jede/r 8. in Deutschland) entgegengenommen habe.
Im Februar 2016 erschien das Buch "Damit der Boden wieder trägt. Seelsorge nach sexuellem Missbrauch" (Schwabenverlag, 1. Auflage 2016, 240 Seiten, ISBN: 978-3-7966-1693-8, 19,99 €), das eine ökumenische Gemeinschaftsarbeit von Dr. Barbara Haslbeck, Annette Buschmann und mir ist. Es wendet sich an Betroffene, die Halt im christlichen Glauben suchen und an SeelsorgerInnen, die mit Missbrauchsopfern seelsorglich arbeiten. Geschrieben wurde es im Austausch und im Gespräch mit Betroffenen. Es thematisiert theologisches Nachdenken über den Umgang mit Menschen, die "unter die Räuber gefallen" sind, benennt die spezifischen Lebens- und Glaubensschwierigkeiten von Missbrauchsopfern und gibt Hinweise für einen hilfreichen und solidarischen Umgang mit Betroffenen. Für Betroffene kann es eine Hilfe sein bei ihrer Suche nach Sinn; ChristInnen in den Gemeinden kann es anregen, der Frage nachzugehen, wie Solidarität mit vielfach verwundeten Menschen aussehen kann. Eine Leseprobe finden Sie hier.
Unterschrift

April 2002; ergänzt jeweils am 5.9.2002; 19.10.2003; 12.2.2004; Februar 2015, Februar 2016

Seitenanfang