2.Gewalt

Hinweise zum Umgang mit Opfern

  • Opfer sind mitten unter uns – auch in der Gemeinde, dem Sportverein, der Gesprächsgruppe, …. Es ist wichtig, wahrzunehmen, dass Gewaltopfer überall sind, ohne dass sie sich kenntlich machen.

  • Drei Viertel aller Opfer von Menschen leiden lebenslänglich unter den Gewaltfolgen. Es ist wichtig, das Leid der Opfer wahrzunehmen und die Gewaltfolgen nicht zu verharmlosen.

  • Es ist wichtig, Widerstand gegen Opferbeschuldigungen zu leisten („Selber schuld!“)

  • Der Umgang mit Opfern kann Angst und Unsicherheit hervorrufen. Es ist wichtig, die eigenen Gefühle wahrzunehmen. Angst und Unsicherheit können sich verkleinern im alltäglichen Umgang mit Opfern.

  • Jede Kontaktperson mit Opfern hat das Recht auf Abstand und die Berücksichtigung der eigenen Belastbarkeit.

  • Wer mit Opfern in Kontakt ist, darf nicht in Aktionismus verfallen. Die Opfer sind auch bisher ohne Ihre Unterstützung ausgekommen.

  • Dennoch darf niemand die eigenen Möglichkeiten im Kontakt mit Opfern unterschätzen.

  • Es ist legitim, sich Hilfe zu holen (Wildwasser, Ombudsstellen, Beratungsstellen)

  • Wenn Opfer reden wollen, kann der Zuhörer/die Zuhörerin helfen, Worte zu finden.

  • Wer mit Opfern spricht, sollte nicht von Tätern reden – es sei denn, die Opfer wünschen es.

  • Ein Opfer ist immer mehr als nur ein Opfer: Berufskollegin, Nachbar, Mitglied im Sportverein, Vater/Mutter…. Nicht auf die Opferrolle festnageln.

  • Wenn ein Opfer bei Ihnen sprechen will, ist es wichtig, dass Sie nicht mehr versprechen als Sie auch halten können. Besser einen langfristigen, verbindlichen Kontakt anbieten, der den Helfer nicht überfordert als einen kurzen, allzu intensiven und unzuverlässigen.

  • Bei Störungen der Kommunikation Klärung herbeiführen. Dabei ist es wichtig, absolut ehrlich zu bleiben – Opfer sind zu oft belogen worden und spüren atmosphärische Störungen sehr genau.

  • Sich als Mann oder Frau im Umgang mit einem männl. oder weibl. Opfer Rechenschaft ablegen über inadäquate Nähebedürfnisse.

  • Die Schutzbedürfnisse des Opfers ernst nehmen; nicht zum Erzählen drängen

  • Die Ressourcen des Opfers bemerken und stärken.

  • Religiöse Interpretationen vermeiden – keine Vergebungsforderung!

  • Gleichzeitig spirituelle Präsenz entwickeln – vielleicht braucht das Opfer ein Deutungsangebot oder ein Mutwort.

  • Die eigene spirituelle Verankerung pflegen, um nicht der Hoffnungslosigkeit des Opfers zu erliegen



Literaturempfehlungen
Herman Judith Lewis: Die Narben der Gewalt. Traumatische Erfahrungen verstehen und überwinden, München 1993
Lehner-Hartmann, Andrea: Wider das Schweigen und Vergessen, Tyrolia Verlag 2002
Barbara Haslbeck: Sexueller Missbrauch und Religiosität. Wenn Frauen das Schweigen brechen: eine empirische Studie, Münster 2007  (ISBN 3-8258-9449-5)
Steins, Georg: (Hg.): Schweigen wäre gotteslästerlich. Die heilende Kraft der Klage, Würzburg 2000
Burkert Elinor, Bruni Frank: Das Buch der Schande. Kinder und sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche, Regensburg 1995

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