Betroffene
Opferbeschuldigungen
Kommentierte Dokumentation 2010 - 2013: Wie in der katholischen Kirche noch immer abgewiegelt und verharmlost wird. Wie die Täter gerechtfertigt und die Taten verharmlost werden und wie die Opfer diskriminiert werden. Und wie man Schuld überall sucht, nur nicht im eigenen Haus.


9.10.2013 Der Vorsitzende der polnischen Bischofskonferenz hält die Kinder für verantwortlich, wenn sie missbraucht werden. Missbrauch werde oftmals hervorgerufen, wenn das Kind Liebe suche, dann verlöre es sich selbst und zöge noch den anderen Menschen mit hinein.
Quelle: polen-heute.de

26.2.2013 Der frühere Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Levada, wies Opfergruppen zurecht, die Kardinal Mahony auffodern, nicht an der Papstwahl teilzunehmen. Levada sagte: "Es gibt ein paar Opfergruppen, denen genug nie genug ist." Mahony habe sich ja für Fehlentscheidungen, "die gemacht wurden", entschuldigt. Herr Levada vergisst zu erwähnen, dass die Fehlentscheidungen darin bestanden, dass Kardinal Mahony von 1985 bis 2011 pädophile Priester systematisch vor Strafverfolgung geschützt hat und damit auch weitere Verbrechen ermöglicht hat. Mahony wurde von seinem Nachfolger, Erzbischof Gomez, von seinen Aufgaben, die ihm nach Rücktritt von der Kirchenleitung der Erzdiözese Los Angeles verblieben waren, entbunden. Kardinal Mahony ist derzeit auf dem Weg nach Rom. Er schreibt in seinem Blog, er "bete für jene, die ihm seine früheren Vergehen nicht verzeihen könnten, und für Journalisten, die ihn beständig verleumdeten."
Quelle: kath.web
Kommentar: Schämen sollten sich die Kardinäle Levada und Mahony. Das tun sie aber nicht. Statt dessen beschimpfen sie die Opfer. Sie haben nichts dazugelernt.

2.2.2013 Erzbischof Müller, Chef der Glaubenskongregation, macht vor allem in den USA und in Europa eine Pogromstimmung gegen die katholische Kirche aus und beklagt gezielte Diskreditierungs-Kampagnen gegen die katholische Kirche.
Quelle: Spiegel
Kommentar: Die Perspektive der Opfer einnehmen bedeutet nicht, sich erstmal selber zum Opfer zu erklären. Wer über Pogromstimmung spricht, wenn es um die Aufdeckung von Wahrheit geht, hat nicht verstanden, was ein Pogrom ist.

15.11.2012 Wie mit Menschen umgegangen wird, die sich in der katholischen Kirche für Gewaltopfer engagieren, ist einem Zeit-Interview mit Pater Mertes, SJ, zu entnehmen. Er berichtet, dass er geschnitten wird von seiner Kirche. Bis heute hat niemand aus der Kirchenhierarchie den Dialog mit ihm gesucht. So lud ihn seine Diözese beim Papstbesuch vorigen Herbst zur offiziellen Begegnung mit Kirchenleuten im Freiburger Konzerthaus gar nicht erst ein. Ihm geschieht auch, dass ein örtlicher Pfarrer ihn nach einer Intervention der Bistumsleitung wieder ausladen muss oder dass die Bischofskonferenz ihn als geistlichen Beirat eines Verbandes ablehnt. Als Mertes den Bürgerpreis der SPD in Berlin erhielt, war niemand vom Erzbistum Berlin da. Zum Auftakt des Dialogprozesses in Mannheim war er nicht eingeladen.  Auch zur Internationalen Konferenz über sexuellen Missbrauch von Minderjährigen in der katholischen Kirche letztes Jahr in Rom war Mertes nicht geladen.

Erzbischof Müller war erst wenige Monate im Amt des Präfekten der Glaubenskongregation, als er im September 2012 gefragt wurde: „Auf Ihrem Schreibtisch liegen auch andere unschöne Dinge, so gehört auch die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in die Glaubenskongregation. Wie weit ist Ihrem Eindruck nach der Vatikan dabei?“  Seine Antwort: „Wie immer sind wir an der Spitze: Es muss immer und überall um die Menschen gehen, die Opfer solcher furchtbaren Übergriffe geworden sind. Es muss auch um die Täter gehen, um vorbeugend – soweit das überhaupt möglich ist – tätig zu sein. Trotzdem muss auch die Würde des Täters gewahrt werden. Was in der Öffentlichkeit im Sinne von Lynchjustiz gefordert wird, das ist eine Rechtsvorstellung, die auf dem Niveau von Hexenprozessen stehen geblieben ist. In Sachen Missbrauch gehen unsere Glaubenskongregation und in vielen Ländern die einzelnen Bistümer sehr konsequent vor, und hier sind wir, wie ich glaube, beispielhaft.


31.8.2012 Der New Yorker Fernsehpfarrer, Franziskaner der Erneuerung (CFR) Benedict Groeschel arbeitet mit Priestern, die an Missbrauchsfällen beteiligt waren. Zur Frage der Verantwortung für den Übergriff sagte er: "Angenommen, Sie haben einen Mann mit einem Nervenzusammenbruch, und ein Jugendlicher sucht seine Nähe. In vielen Fällen ist der Jugendliche - 14, 16, 18 Jahre alt - der Verführer." Außerdem plädierte er dafür, dass alle (?) Beteiligten "für ihre erste Straftat nicht ins Gefängnis sollten, weil es nicht ihre Absicht war, ein Verbrechen zu begehen". Groeschels Denken hat Tradition. So zeigte er in einem Interview auch Verständnis für Jerry Sandusky, einen ehemaligen Football-Trainer der Penn State University, der wegen sexuellen Missbrauchs an zehn Jungen verurteilt worden war. Er bezeichnete Sandusky als "armen Kerl".
Quelle: Spiegel
Kommentar: Groeschel sagt im Grunde das, was nicht Wenige - und nicht nur unter den Katholiken - denken.

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12.5.2012 Das spielt sich hinter den Kulissen ab: "Statt auf die bis dato bekannten Opfer und deren Familien demütig zuzugehen und ein intensives seelsorgerisches Gespräch mit den Geschändeten zu suchen, hätten sich die meisten Kirchenführer [in den USA] schnell hinter "Verteidigungslinien" zurückgezogen und seien mit einer zum Teil unvorstellbaren Aggressivität auf die Opfer und deren Anwälte losgegangen, bedauert der Dominikaner. Als "geldgierige Prozess-Hähne" und "Kirchenfeinde" hätten sie die Opfer beschimpft, mit Verleumdungsklagen hätten sie gedroht und hätten eiskalt gelogen, wenn es galt, die klerikalen Straftäter zu decken. Vielerorts hätten sie die Kinderschänder klammheimlich in neue Pfarreien und schulische Einrichtungen versetzt und hätten dadurch skrupellos weitere sexuelle Gewalt an Tausenden von Jugendlichen in Kauf genommen. Typisch für das zynische Verhalten vieler "Würdenträger", so Doyle, sei nicht nur der Meineid gewesen, den Kardinal Roger Mahony von Los Angeles in einem Prozess schwor. Auch die feige Flucht zweier anderer amerikanischer Kardinäle vor den Opfern, sei in- und außerhalb der Kirche mit sprachlosem Entsetzen registriert worden: Der eine erklärte, er habe "Wichtigeres zu tun". Der andere gestand, er habe "Angst beschimpft zu werden"!
Quelle: imprimatur

19.4.2012 Das Bistum Regensburg schützt die Opfer. Deswegen erhalten Opfer, die einen Antrag auf Geld in Anerkennung des Erlittenen gestellt haben, einen Brief, in dem die Nicht-Anerkennung als Opfer und die Nicht-Zahlung von Geld mitgeteilt wird. Aus Gründen des Opferschutzes wird in dem Brief kein Grund für die Ablehnung des Antrages genannt. Um eine Retraumatisierung der Opfer zu vermeiden, werden sie jedoch in diesem Brief zu einem Gespräch eingeladen - mit einem Juristen, der im Auftrag des Bistums die Anträge geprüft hat. In dem Gespräch sollen dann die Ablehnungsgründe genannt werden. Der Jurist stellt dann fest, ob ein sexueller Missbrauch vorliegt oder nicht. In einem Fall steht Aussage gegen Aussage. Der beschuldigte Priester bedauerte in einem Gespräch, dass dem Opfer Schlimmes passiert sei, aber die konkreten Vorwürfe weist er zurück. Eine Strafanzeige wegen Verleumdung wurde bislang gegen das Opfer nicht gestellt - auch das gehört ja zum Repertoire von Tätern, die von ihrer Kirche geschützt werden. Das Bistum Regensburg veröffentlicht - wiederum aus Gründen des Opferschutzes - die Zahl der Anträge und die Zahl der an die DBK weitergeleiteten Anträge nicht. Die DBK - vom br befragt - versichert, dass die Sorge um die Opfer oberste Priorität habe.
Quelle: br.de

23.2.2012 In Eudenbach, einem Dorf, in dem ein früherer kath. Pfarrer des Missbrauchs angezeigt wurde, stellt sich die kfd hinter den mutmaßlichen Täter: "Wir glauben nicht, dass Pfarrer W. ein Täter war", heißt es dazu. kfd-Mitglieder sprechen vom "angeblichen" Opfer. Offensichtlich sind sie auch nicht umzustimmen durch die Tatsache, dass das Opfer sowohl im jetzt amtierenden Pfarrer einen Menschen fand, der ihr glaubt, als auch bei den Kirchenverantwortlichen im Bistum Glauben fand und beim Papst, den sie im Rahmen der Papstreise im September 2011 in Erfurt traf.
Quelle: general-anzeiger-bonn.de/
Kommentar: Was dem Opfer hier zugemutet wird, ist die übliche Spaltung einer Gemeinde nach Aufdeckung eines Missbrauchsfalles. Es ist nicht selten, dass eine Gemeinde oder maßgebende Christen in einer Gemeinde sich hinter den Täter und nicht hinter das Opfer stellen. Es bleibt zu hoffen, dass die Pfarrgemeinde lernbereit ist und kundige Hilfe vom Bistum erhält. 

22.2.2012 Opfer berichten mir, dass Täter sich für unschuldig halten und ohne Reue sind. In diesem Beitrag der Kirchenzeitung von Sachsen wird ein Hintergrund dieser Opfer-Erfahrung aufgezeigt. Der Gefängnisseelsorger berichtet nämlich, dass er die Straftaten der Täter, die in einer Psychiatrie untergebracht sind, nicht bewertet. Zugleich sagt der Seelsorger, dass er es für schwierig hält, neben den Tätern auch die Opfer in seine Seelsorgearbeit einzubeziehen. Er glaube, dass der Wunsch nach Vergeltung nur kurzzeitig entlaste, während Vergebung langfristig frei machen könne: "Vergebung bedeutet nicht, dass ich die Tat des anderen vergesse, sondern dass ich lerne, das Geschehene loszulassen und nach vorn zu schauen", sagt der Seelsorger.
Quelle: Der Sonntag - Sachsen
Kommentar: Der Gefängnisseelsorger unterstellt Opfern Vergeltungswünsche - ich kann mich an keines der über 500 Opfer erinnern, das Vergeltungswünsche hatte. Wenn Opfer als rachsüchtig dargestellt werden, ist es Unbeteiligten leichter möglich, sich von ihnen fernzuhalten. Der Gefängnisseelsorger konfrontiert Täter nicht mit ihren Taten. Jesus hat das anders gehandhabt. Jesus hat die Sünden bei ihrem Namen genannt. Nur die Wahrheit macht frei, sagt der Evangelist Johannes. Das gilt sicher nicht nur für Opfer, es gilt auch für Täter. Wer Tätern nicht hilft, ihre Wahrheit zu erkennen, versperrt ihnen den Weg zu Umkehr, Buße und Neuanfang. Dem Seelsorger scheint bewusst zu sein, dass er nicht zugleich für Straftäter und Opfer zuständig sein kann - nicht bewusst ist ihm, dass die Ursache darin liegt, dass die Opfer und deren Wahrheit bei einer solchen Gefangenen-Seelsorge auf der Strecke bleibt. Dem Gefängnisseelsorger scheint darüber hinaus unbekannt zu sein, dass Traumatisierung durch Menschengewalt das Geschehen im alltäglichen Erleben der Opfer präsent hält; dass es Opfern also mit einem "Willensakt" nicht möglich ist, das Geschehene loszulassen. Er weiß nicht, dass für viele Gewaltopfer die Zukunft dunkel ist, sehr dunkel.

Anfang Februar 2012 Kardinal Marc Quellet leitet den sog. Bußgottesdienst im Rahmen des römischen Symposions "Auf dem Weg zur Heilung und Erneuerung" und spricht in diesem Kontext von einem "angeblichen" Skandal.
Quelle: missbit

16.6.2011 Ein katholischer Priester wurde wegen Stalking in Österreich zu 1800 Euro Geldzahlung verurteilt. Seine frühere Gemeinde will ihn zurück haben. Ein derzeitiges Pfarrgemeinderatsmitglied formuliert: "Das, was unser Pfarrer gemacht hat, ist eine Lappalie."
Quelle: berchtesgadener-anzeiger.de

11.6.2011 Der Journalist Matthias Matussek hat die Debatte um sexuelle Gewalt gegen Heranwachsende als massiv antikirchlich kritisiert. „Ich halte die Diskussion um Missbrauch für eine der größten Entgleisungen, Verzerrungen und Kirchenkampfkampagnen, die man sich nur vorstellen kann“, sagte der „Spiegel“-Autor. „Seit dem Missbrauchsskandal ist jeder, der sich als katholisch outet, pädophilieverdächtig."
Quelle: Welt.de

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9.6.2011 "Hat sich die Diskussion über sexuellen Missbrauch inzwischen weiterentwickelt? Hat man mehr verstanden?
Gallwitz: Ich persönlich glaube das nicht. Von dem Moment an, wo das wieder aus der täglichen Berichterstattung herausgenommen wurde, ist man wieder in die normale Denkweise zurückgegangen. Wenn ich mir vorstelle: Ich habe vor einigen Monaten Natascha Kampbusch getroffen und sie hat erzählt, dass erwachsene Leute in Wien vor ihr auf der Straße ausspucken. Da sehen Sie, dass Menschen wenig beeindruckt sind durch kurzfristige Hypes in der Berichterstattung. Was man nie glauben wollte, glaubt man einfach nicht. Es steckt immer die Vermutung dahinter, dass viele Kinder und junge Menschen die Opferschaft provoziert haben.
Die alte Ausrede: Das Kind hat mich verführt.
Gallwitz: Richtig.
Und die Opfer sind selber schuld.
Gallwitz: Ja. Das ist am einfachsten. Dann sind meine Nachbarn keine potentiellen Täter und damit ist die Welt wieder in Ordnung."
Quelle: planet-interview.de
Kommentar: Das ist ein zutreffender Ausschnitt aus einem Interview mit dem Polizeipsychologen Adolf Gallwitz. Es fehlt noch immer allerorten an Mitgefühl mit den Opfern. Das Krisenjahr 2010 hat nach meinen Erfahrungen daran nichts Entscheidendes geändert.

23.5.2011 Pater B. von den niederländischen Salesianern war Mitglied bei der Vereinigung "Martijin", eine Gruppe, die die Entkriminalisierung von Pädophilie anstrebt. Sein Orden distanzierte sich von Pater B. ebenso wie vom niederländischen Salesianer-Oberen Herman Spronck. Spronck hatte Verständnis für die Haltung von Pater B. geäußert.
Quelle: Radio Vatikan

28.4.2011 In einem Spiegelartikel wird anlässlich der Seligsprechung von Papst Johannes Paul II. durch Papst Benedikt XVI. berichtet, dass die Genannten Marciel Maciel Degollado, der Gründer des Ordens der "Legionäre Christi" geschützt haben. Degollada hat viele Kinder und Jugendliche missbraucht. Die Missbräuche waren dem Vatikan  seit 1956 bekannt.  Missbrauchsopfer protestieren gegen die Seligsprechung des Papstes. In einem Forumsbeitrag schreibt jemand dazu: ... "Das jetzige Vorbringen ist - ohne damit die Opfer sexuellen Fehlverhaltens durch kirchliche Mitarbeiter und Geistliche in irgendeiner Weise beleidigen zu wollen - als kleinlich zu bezeichnen."
Quelle: Spiegel

17.4.2011 Der Vatikanist Paolo Rodari schreibt zu den Zahlen, die der Erzbischof Dolan veröffentlichte: "Das Geschäft mit Pädophilie-Anzeigen gegen katholische Priester geht in den USA zu Ende." Der Bericht spricht von 7 Anzeigen, die glaubwürdig gewesen seien.
Quelle: katholisches.info

15.4.2011 Roger Vangheluwe, ehemaliger Bischof von Brügge, Belgien, hat in einem Fernsehinterview gesagt, er habe einen zweiten Neffen missbraucht. Gewalt habe er nicht angewandt. Es sei "ein Spiel" gewesen. Sein Priesteramt wolle er deswegen nicht aufgeben. Vangheluwe bezeichnete die Vorgänge als "ein bisschen Intimität", für das er mehrere zehntausend Euro an einen der Neffen gezahlt habe. Zudem habe er die Vorgänge regelmäßig gebeichtet.
Zu beichten muss einfach genügen - und für ein Spiel und ein bisschen Intimität viel Geld hinzulegen, das ist fast schon eine Gnade.
Jesus kommentiert das Spiel des ehemaligen Bischofskonferenzvorsitzenden nach Lk 17,2 so: Es wäre besser für ihn, man würde ihn mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer werfen, als dass er einen von diesen Kleinen zum Bösen verführt (λυσιτελεῖ αὐτῷ εἰ λίθος μυλικὸς περίκειται περὶ τὸν τράχηλον αὐτοῦ καὶ ἔρριπται εἰς τὴν θάλασσαν ἢ ἵνα σκανδαλίσῃ τῶν μικρῶν τούτων ἕνα.)"
Welche menschlichen, theologischen und seelsorglichen Qualitäten ein solcher Bischof hat, kann sich jede/r selbst ausrechnen. Wenn selbst ein Bischof die Beichte missbraucht, um "sich zu entschuldigen" und fröhlich weiterhin Kinder zu missbrauchen, dann hat er dieses Sakrament nicht verstanden. Laut Domradio fühlte sich Jürgen Mettepenningen, belgischer Theologe und für kurze Zeit im vergangenen Jahr Sprecher der Belgischen Bischofskonferenz, nach eigenem Bekunden nach dem Interview des Herrn Vangheluwe kotzübel. Damit steht er nicht alleine. Interessanterweise distanzieren sich die belgischen Bischöfe von ihrem Kollegen mit der Begründung, das Gespräch sei extrem verletzend für die Opfer und ihre Familien und eine Ohrfeige für die Gläubigen. Dass auch Opfer Gläubige sein können, scheint den belgischen Bischöfen nicht bewusst zu sein. Opfer sind offensichtlich immer noch "die Anderen", die nicht zur Kirche dazugehören.
Quelle: heise.de

12.4.2011 Der emeritierte Bischof Mixa will seine Auszeit, in der er nachdenken sollte, beenden. Er plant eine Glaubensoffensive via Internet und möchte vor allem Jugendliche ansprechen. Sein größter Fehler sei gewesen - nein, nicht etwa das Ohrfeigen von Kindern - , dass er zu gutmütig war. Ohrfeigen seien Ohrfeigen und keine Prügelstrafe, sagt Mixa. Offensichtlich ist ihm im Jahr seines Schweigens nichts Richtigeres aufgefallen.

11.4.2011 Manchmal braucht es nur eine herzlose und völlig inadäquate Reaktion, um Opfer gründlich abzuschrecken. Da sind Beschuldigungen der Opfer gar nicht mehr nötig.  So erging es einem der Opfer von Oberharmersbach aus dem Erzbistum Freiburg, Helmut K.. Er berichtet von einem Gespräch mit Erzbischof Zollitsch: "Wir waren im Ordinariat in Freiburg. Es war der Sekretär mit dort. Es war also eine angemessene Atmosphäre. Wir haben, jeder, unsere Geschichte erzählt, im Kurzformat. Wir haben auch Schreiben, die wir aufgesetzt haben, ihm (Zollitsch) gegeben und so weiter. Mir saß der Erzbischof gegenüber. Ich hatte das Gefühl, also mein Gefühl war: Der sitzt da, hört sich das an, so in der Art: 'Das geht mir doch am Ding vorbei! Was interessiert mich, was die da erzählen!' So saß er da. Und die anderen zwei haben am Schluss auch gesagt: 'Der Erzbischof saß da, wie wenn ihn das gar nichts angeht. Für mich war's zwar eine wichtige Sache, aber trotzdem war's eine Sache, wo ich gedacht habe: Du bist umsonst dahin gefahren, das ist unnötig, das brauchst du nicht. Zum Schluss hat er gesagt: 'Ja, Ihre Geschichte ist sehr tragisch, aber da hat Ihnen Gott eine Prüfung auferlegt und ich werde für Sie beten.' Mehr hatte er leider nicht für mich."
Quelle: Michael Albus, Ludwig Brüggemann (Hg.): Hände weg! Sexuelle Gewalt in der Kirche, Kevelaer 2011; S. 221-222
(Das Titelbild ist verunglückt - es zeigt finstere Männer, wo wir doch wissen, dass die Täter nicht an ihrem Äußeren zu erkennen sind....)

22.3.2011 Cornelius Hell fällt die Opferbeschuldigung des mutmaßlichen Missbrauchstäters - eines Salzburger Dompredigers - auf. Der mutmaßliche Täter vermutet, die Klägerin habe durch ihre Erkrankung eine psychische Veränderung durchgemacht und würde sich jetzt Dinge zusammenfantasieren.
Quelle: die Presse

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21.3.2011 Im Bistum Fulda hat ein Pater den sexuellen Missbrauch eines Kindes gestanden, das er im Bistum Würzburg missbrauchte. Der Pater vom Deutschen Orden offenbarte sich dem Missbrauchsbeauftragten des Ordens, Michael Ling, Mainz. Ling sagte: „Im schlimmsten Fall droht ihm bei den Sanktionen die Entfernung aus dem Kleriker-Stand. Das kommt dann einer Vernichtung seiner Existenz gleich. Er hat ja nichts anderes gelernt." Über die existenzschädigenden bis  vernichtenden Folgen für das Opfer sagte Herr Ling nichts. Er übersah auch, dass nicht das Opfer die Verantwortung für die Folgen trägt, die dem mutmaßlichen Täter aus seinem Verhalten entstehen.
Quelle: FR

11.3.2011 Der Anwalt des Ettaler Opfervereins, Stephan Lang, wies darauf hin, dass zahlreiche frühere Ettaler Schüler die Missbrauchsopfer als Lügner und Nestbeschmutzer beschimpften.
Quelle: ORF und Ettaler Opfer

9.3.2011 Der Chef der Salzburger Ombudsstelle für kirchl. Missbrauchsopfer, Prälat Hans Reißmeier, erklärt, dass er sich im Fall des salzburger Dompredigers einen Missbrauch gar nicht vorstellen könne, weil das Opfer den Domprediger/Missbraucher als Priester für die eigene Hochzeit und die Taufe der eigenen Kinder gewählt habe. Der standard spricht von "erbarmungswürdiger Ahnungslosigkeit und Inkompetenz". Er hat Recht. Offensichtlich hat dieser Ombudsmann überhaupt nichts von Trauma, Identifikation mit dem Aggressor.... verstanden. Ich halte es für fahrlässig, einen solchen Prälaten als Ombudsmann für Missbrauchsopfer einzusetzen. Der zerschlägt jedes Porzellan und schreckt Opfer ab.
Quelle: standard.at

2.2.2011 Aber warum wartet man 40, 50 Jahre und erhebt dann noch anonym Anklage? Die immerwährend genannte Scham kann ich nicht gelten lassen. Wieso braucht ein unschuldiges Kind, dem so etwas angetan wurde, sich zu schämen?...Ferner frage ich mich heute, nachdem Entschädigungen im Raum stehen, wer wirklich Opfer war und wer nur Trittbrettfahrer ist?
Quelle: Volksfreund

5.1.2011 "Wo es Geld gibt kriechen habgierige Möchtegernopfer, geldgierige Opferanwälte und mediengei... Opferhilfsvereine aus ihren Löchern." Das ist einem Kommentar auf kath.net zu entnehmen. Dort wird behauptet, dass viele Missbrauchsanschuldigungen falsch seien.

Dezember 2010 In einem Weihnachtsbrief an die Altettaler schreibt der Abt u.a.; "Umso schmerzlicher ist es aber für uns, wenn innerhalb Altettals aufgrund der Ereignisse der vergangenen Monate ein Zwiespalt entsteht und insbesondere Geschädigte in ihrem berechtigten Anliegen nach Aufarbeitung nicht ernst genommen oder gar angefeindet werden. Ein solcher Zwiespalt ist für uns alle schädlich und würde auch nicht dem Bemühen um Aufarbeitung gerecht werden."
Quelle: Kloster Ettal
Kommentar: Diese Aussage macht nur Sinn, wenn Geschädigte angefeindet werden und nicht ernst genommen werden. Sie wirft ein Licht darauf, dass Opfer, die inzwischen von der Institution ernst genommen werden, noch lange nicht von anderen Menschen ernst genommen werden.

13.12.2010 Im Focus sind die üblichen Opferbeschuldigungen gleich reihenweise nachzulesen. "ernha" formuliert: "ie Sache scheint mir faul zu sein, denn die Opfer haben jahrzehntelang aus Scham geschwiegen. Jetzt hat es den Eindruck, die Scham ist total verflogen, denn es geht um Geld, viel Geld. Mit Geld kann man offensichtlich alles vergessen, oder???
Ikuta fragt, ob die Opfer  "Womöglich zu gierig?" seien und fährt fort: "Mein Gefühl sagt mir, daß man hier nur eine scheinbar günstige Gelegenheit ausnutzen will, um tüchtig die Hände aufzuhalten. Niemand kann mehr wirklich stichhaltig nachweisen, was seinerzeit tatsächlich geschah oder nur aufgebauschte Selbstdarstellung ist. Ich bin auch der Meinung, daß die Anerkennung ansich schon ein großer Erfolg ist, welcher den generellen Willen zu einer Zahlung noch gekrönt wurde. Es ist ebenso unschön wie kontraproduktiv, da in einer seltsamen Anwandlung nun nochmal obendrauf Kasse machen zu wollen."

3.12.2010 Der Osnabrücker Bischof Bode hat am 1. Advent in einem Bußgottesdienst um Vergebung für die sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche durch katholische Priester und KirchenmitarbeiterInnen gebeten. Von einigen Menschen, auch einigen Opfern, wird er dafür gelobt. Andere hingegen kritisieren den Bischof. In dem Blog „fortes fide“ hat der Kommentator „Der Aquinate“ die Bemerkung hinterlassen: „Dieses Missbrauchsgeschwafel geht mir auf den Senkel.“ Weiterhin wird Bode "pol´pulistisches Theater" vorgeworfen, von "Missbrauchs-Wahn" und vom "Niedergang des Bistums Osnabrück" ist die Rede in den Internetforen.
Quelle: noz und noz

24.11.2010 In Bobingen wurde der Stadtpfarrer Albert M. verabschiedet. Er hatte "unangemessene Berührungen" eingeräumt, die die Justiz als Straftaten bewertete. Der Pfarrgemeinderat zeigt sich betroffen - vom Weggang des Pfarrers. Und er dankte dem Pfarrer für all seine Mühe. - Der Bericht übermittelt nicht, wie die Opfer vom Weggang des Pfarrers und von seiner Verabschiedung durch den Pfarrgemeinderat denken.
Quelle: Augsburger Allgemeine

24.11.2010 Heute Abend wird in Fritzlar für die Priester und Ordensschwestern gebetet, die in dieser Stadt in Hessen gearbeitet haben.  Ebenfalls am heutigen Tag wird der Prozess gegen den geständigen Ordensmann der Prämonstratenser, der elf Jahre lang in 164 Fällen Kinder/Jugendliche missbrauchte, eröffnet.
Von einem Gottesdienst, in dem für die Opfer gebetet wird, wurde nichts bekannt.
Quelle: FR

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28.10.2010 "Auf die Frage eines Mitarbeiters der Sendung “Questions à la une” nach seiner Ansicht  zur Bestrafung des von Priestern begangenen  sexuellen Missbrauchs sagt der Vorsitzende der belgischen Bischofskonferenz Léonard:"Sexuelle Straftäter sind auch Menschen. Natürlich müssen sie sich dessen bewusst werden, was sie getan haben, doch wenn sie nicht mehr im Amt sind und folglich keine Verantwortung mehr tragen, dann frage ich mich, ob ein Racheakt gegen sie, zumal er kein konkretes Ergebnis mehr hätte, eine menschliche Lösung ist."
Quelle: BRF online
Kommentar: Mit Racheakt meint der Bischof eine von einem Gericht ausgesprochene Strafe.

5.9.2010 Noch immer wird auf der Internetseite des Erzbistums Freiburg im "Birnauer Fall" von einem  m u t m a ß l i c h e n  Opfer gesprochen, obwohl das Opfer erwiesenermaßen ein wirkliches Opfer ist.
Quelle: Erzbistum Freiburg
Übernommen wurde diese falsche Formulierung auch vom Domradio, von evangelisch.de, von katholisch.de, von den ad-hoc-news, domradio.mobil

14.8.2010 "Wegen eines Missbrauchsfalles aus den 60er Jahren und dem erneuten Auftauchen eines Paters im Kloster Birnau in den 80er Jahren recherchiert die BZ nun auch im Stadtarchiv von Überlingen. Sie lässt also nicht locker, zu ermitteln, wer was wann gewusst haben muss und wer wofür zuständig war. Sind diese Einzelheiten heute noch so wichtig? Muss dafür ein US-Kirchenrechtler eingeschaltet werden? Hat die BZ damals Hinweise auf sexuellen Missbrauch immer ernst genug genommen? Muss darauf nun auch das Archiv der BZ durchsucht werden?" So formuliert ein Leserbriefschreiber.
Quelle: Badische Zeitung

3.8.2010 Aus einem Leserbrief: "das Thema wird medial ausgeschlachtet, aber eigentlich gibt es keinen Skandal, weil Missbrauch usw. bei Priestern eigentlich sogar noch viel seltener vorkommt als sonst und deshalb sehe ich auch keinen Grund der Kirche etwas übel zu nehemn oder gar aus ihr auszutreten."
28.7.2010 Im Forum des AKO zitiert eine Gesprächsteilnehmerin aus der Totenrede über P. Stüper, gehalten von P. Ulrich Rabe SJ bei den Exequien am 27. Juli 2010: “In den letzten Jahren ist aber auch Schatten auf seine Person gefallen. Mit Erschrecken hat er zur Kenntnis genommen, dass sein früheres Fotografieren in manchen Dingen unangebracht war. Er hat zur Kenntnis genommen, dass man jugendliche Seelen auch durch solches unbedachtes Tun verletzten kann. Er hat sich bei einigen Betroffenen entschuldigt. Er hat einen Brief an den Provinzial geschrieben, wo er das auch nochmal dargelegt hat und versichert hat, dass er zu keiner Zeit weitergreifende Übergriffe vollzogen hat. Es hat ihn bedrückt. Er hat darunter gelitten, weil Vergebung ihm letztlich nicht genügend gegeben worden ist.”
Quelle: Eckiger Tisch
Kommentar: Es sind die Opfer diejenigen, die dem Täter, der ein paar relative Harmlosigkeiten ein wenig gesteht, nicht vergeben. Böse Opfer!

26.7.2010 Die Stuttgarter Nachrichten berichten von einem Pfarrer, der sich darüber beklagt, dass heutzutage alles "Fehlverhalten" gleich zum sexuellen Missbrauch erklärt würde. Und ein Gemeindemitglied ergänzt, dass die Aussagen des Pfarrers im Gemeindeblatt "friedensstiftend" seien. Die Gemeinde ist nach zahlreichen Einzelgesprächen einvernehmlich zu der Haltung gekommen, "sdass es keinem etwas bringt, wenn wir ein Tribunal errichten." Schließlich seien Christen grundsätzlich davon überzeugt, dass es Vergebung gebe.
Kommentar: Offensichtlich kann eine Gemeinde, der ein neuer Priester zugewiesen wurde, der schlimmstenfalls wegen "Fehlverhalten" vom Bischof suspendiert wurde, ohne Berücksichtigung von Opfern vergeben. Bei Fehlverhalten ist ja auch Vergebung nicht gar so schwer. Und wer nicht betroffen ist, kann ohnehin leicht und schnell vergeben.

22.7.2010 Der Pressesprecher des Erzbistums Freiburg sagt über das Opfer von Birnau, das bislang vergeblich um sein Recht kämpft:  " 'Man hat mit raffinierten Methoden versucht, ein Medienecho zu generieren.' Unabhängig davon bietet das Erzbistum dem offenbar verzweifelten Opfer weiter Hilfe an."
Quelle: Stuttgarter Zeitung
Kommentar: Zuerst gewährt man dem wirklichen (nicht nur mutmaßlichen) Opfer keine ausreichende Unterstützung und dann stellt man es als "verzweifelt" dar, was fast so klingt wie "unzurechnungsfähig". Und schließlich bietet man ihm - im Kontext des Vorwurfs, raffinierte Methoden anzuwenden - großzügig weiterhin Hilfe an, die bislang - so sie denn vorhanden war - offensichtlich beim Opfer nicht ankam. Es ist ein Leichtes, einem Menschen Hilfe zu verweigern und ihn dann zu beschimpfen, wenn er entsprechend verzweifelt ist.Der Vorgang zeigt, wie "garstig tief der Graben" noch immer ist, der zwischen Täterschützern und Opfern klafft.

18.7.2010 Anlässlich erneuerter Vorwürfe gegen den Erzbischof von Freiburg schreibt ein Leserbriefschreiber: "18.07.10 18:04. "Jetzt reicht's langsam. Ich bin zwar evangelisch, aber trotzdem reicht diese Schlammschlacht langsam. Hier werden sich doch mittlerweile Opfergeschichten zusammengelogen"

15.7.2010 Für den Vatikan ist die Priesterweihe für Frauen so schlimm wie sexuelle Gewalt. Quelle: Tagesanzeiger
14.6.2010 Im Bistum Hildesheim gab es eine Fortbildung für 50 ReligionslehrerInnen. Dort sagte eine Expertin: "Furchtbare Folge von sexuellem Missbrauch: 'Ein Opfer strebt danach, Täter zu werden, so wie jeder Täter einmal Opfer war'. Indem es einen schwächeren Menschen missbrauche, könne ein ehemaliges Opfer für einen kurzen Moment seine eigene Macht spüren und sein Minderwertigkeitsgefühl überspielen, behauptet die Expertin." So veröffentlichte das Bistum Hildesheim die Opferbeschuldigung und so wurde sie auch vom Merkur weitergegeben. Mein Protest bei den Missbrauchsbeauftragten gegen diese Opferbeschreibung wurde schnell gehört.
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11.6.2010 Der Papst hat sich bei den Missbrauchsopfern entschuldigt. Er sagte: „Es war zu erwarten, dass dem bösen Feind das neue Leuchten des Priestertums nicht gefallen würde... So ist es geschehen, dass gerade in diesem Jahr der Freude über das Sakrament des Priestertums die Sünden von Priestern bekannt wurden – vor allem der Missbrauch der Kleinen, in dem das Priestertum als Auftrag der Sorge Gottes um den Menschen in sein Gegenteil verkehrt wird. Auch wir bitten Gott und die betroffenen Menschen inständig um Vergebung und versprechen zugleich, dass wir alles tun wollen, um solchen Missbrauch nicht wieder vorkommen zu lassen; dass wir bei der Zulassung zum priesterlichen Dienst und bei der Formung auf dem Weg dahin alles tun werden, was wir können, um die Rechtheit der Berufung zu prüfen, und dass wir die Priester mehr noch auf ihrem Weg begleiten wollen, damit der Herr sie in Bedrängnissen und Gefahren des Lebens schütze und behüte.“
Quelle: Radio Vatikan
Kommentar: Die Sprache ist kaum verständlich. Der Leserin ist unklar, wer der "böse Feind" ist, der verantwortlich für das Bekanntwerden der Sünden  ist -  nicht für die Sünden selbst. Ob da wohl der Teufel gemeint ist? Oder die Opfer, die die Sünden der Kirchenmänner bekannt machten? "Das "neue Leuchten des Priestertums" habe ich nicht registrieren können, das dem bösen Feind nicht gefallen hat.

11.6.2010 „Wir sind hinabgestoßen worden, durch diverse Priesterskandale, in die Gossen der Welt. Das ist nicht unser Platz.“ Das sagte der Kölner Erzbischof beim Priestertreffen in Rom.
Quelle: domradio
Frage: Sind die Opfer, die von den Skandalen betroffen sind, auch in den Gossen der Welt? Und hätte Jesus ihnen gesagt: "Das ist nicht mein Platz"?

10.6.2010 „Missbrauchsopfer kommt nicht gut an. Man ekelt sich auch vor Wunden.“ Das sagt ein anonymes Opfer des AKO. Auf Facebook wurde unter „aloisius. das akonews magazin“ auch ein WDR-Bericht über den „2. Eckigen Tisch“ in Oberdollendorf eingestellt. Darunter stehen Mitte Mai zwei Kommentare. Ein Ex-AKO-Schüler schreibt: „Missbrauchsopfer der katholischen Kirche könnte glatt zum Ausbildungsberuf werden, so inflationär, wie sich vermeintliche Opfer melden.“ Der andere Kommentar: „Können die nicht endlich mal Ruhe geben?“
Quelle: Merkur
Kommentar: Die Kommentare geben vermutlich wieder, was viele Menschen - auch in der katholischen Kirche - denken.

30.5.2010 „Ich und viele Bekannte können es nicht mehr hören, wie die katholische Kirche angegriffen wird. Sie ist für viele Menschen ein Hort der Geborgenheit. Die aus der Kirche austreten, haben für ihre Seele keine Heimat mehr und es ist wie eine Wüste ohne Kamele. Jesus sagte bei der bevorstehenden Steinigung der Ehebrecherin: ,Wer von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.‘ Lasst also Ruhe in den Herzen der Menschen einkehren, in dieser von Unheil zerrütteten Welt!“ Hilde J., Passau
Quelle: pnp
So schreibt Hilde J. - Es sind also wieder einmal die Opfer, die anderen die Kirche als "Hort der Geborgenheit" madig machen. Und die Opfer müssen sich den Satz um die Ohren schlagen lassen: "Wer von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein!" Natürlich kann man die Bibel so benutzen. Und man kann den Satz Jesu von den Mühlsteinen einfach unterschlagen und sogar die gesamte prophetische Tradition übersehen, die immer wieder Unrecht aufgedeckt hat. Ach ja, und am Ende kann man den Opfern vorwerfen, sie verhinderten die "Ruhe in den Herzen der Menschen". 

30.5.2010 Der Vatikansprecher Federico Lombardi sagt, die Missbrauchskrise sei noch nicht überwunden. Dieser Hinweis macht nur dann Sinn, wenn es schon jetzt verstärkt Stimmen gibt, die die Krise für überwunden erklären wollen.
Quelle: Kleine Zeitung

18.5.2010 Der Forensiker Hans-Ludwig Kröber ist unzufrieden. Er ist unzufrieden mit der medialen Aufbereitung des Themas "Sexueller Missbrauch in der Kirche".  Er übersieht dabei, dass eine jahrzehntelang hörunfähige Kirche offensichtlich erst durch die veröffentlichte Meinung veranlasst werden kann, den Blick auf die Opfer zu richten. Ob diese - meine - Kirche damit lediglich politisch korrekt handelt oder ob sie sich wirklich zu jenen Menschen bekehrt, die unter die Räuber fielen, ist für mich noch längst nicht ausgemacht. Wir werden sehen. Das, was ich derzeit wahrnehme, stimmt mich nicht zuversichtlich.
Kröber hält auch für falsch, dass Missbrauchsopfer als "Überlebende" dargestellt werden und er warnt vor ihrer "Sakralisierung". Er übersieht, dass Opfer von Menschengewalt in der Regel ihre eigenen Schwächen mehr als gut kennen - und dennoch und zu Recht stolz darauf sind, dass es ihnen bislang gelang, die Folgen der Menschengewalt halbwegs in Schach zu halten und zu überleben. Nicht allen ist das gelungen - und um die Menschen, die diese Chance des Überlebens nicht hatten, trauern wir. Und um die Menschen, die am Ende ihrer Widerstandskraft sind, sorgen wir uns.
Kröber fragt sich auch, warum jeden Monat tausende Minderjährige vor allem aus der Unterschicht Missbrauch anzeigen, während Schüler von Eliteinternaten Jahrzehnte zu diesem Schritt bräuchten. Dafür gibt es gute und viele Gründe. Ob jemand wie Kröber sie hören möchte, bezweifle ich.
Ach ja, und am Ende meint Herr Kröber, dass "Weinen kein Beweis" sei. Natürlich hat er Recht damit. Dass ein Mensch weint, beweist rein gar nichts. Es zeigt nur, dass dieser Mensch sehr traurig, vielleicht verzweifelt, ist. Und es zeigt, dass er noch weinen kann. Ich kenne nicht wenige Opfer von Menschengewalt, denen diese "Gabe der Tränen" versagt ist. Was gäben sie darum, endlich, endlich weinen zu dürfen. Aber sowas ist so jemandem wie Herrn Kröber nicht vermittelbar.

8.5.2010 In einem Forum ist zu lesen: "Mir ist es mittlerweile egal, ob die erneuten Anschuldigungen wahr oder falsch sind. Ich kann diese  ganzen Berichte aus dem katholischen Morast nicht mehr ertragen - auch nicht von angeblich Geschädigten, die augenscheinlich so verklemmt sind, dass sie keine Traute haben und ihr Umfeld vorschieben."
Kommentar: Noch immer ist offensichtlich nicht in der Bevölkerung angekommen, was Traumatisierung durch Menschengewalt bedeutet und welche Folgen sie hat.

30.4.2010 Eine katholische Internetseite, die ich um einen Link auf GottesSuche bat, hat abgelehnt. Begründung: Es gebe keinen aktuellen Anlass.
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30.4.2010 Der Generalsekretär der italienischen Bischofskonferenz hat sich gegen eine Verharmlosung sexueller Missbrauchsfälle unter katholischen Klerikern gewandt.
Quelle: Radio Vatikan
Kommentar: Diese Nachricht macht nur Sinn, wenn katholische Kleriker in Italien sexuellen Missbrauch verharmlosen. Es geschieht ja auch in Deutschland.

29.4.2010 In Bad Godesberg hat ein Kaplan gemeint, zum Schweigen aufrufen zu müssen. Vermutlich kann er das Opfergeschrei nicht mehr hören.

28.4.2010 "Das war wohl der wahre Sinn der Sendung: zu zeigen, wie lange es noch dauern wird, bis diese Gewalt wirklich im Bewusstsein der Gesellschaft angekommen sein wird." So beschreibt Matthias Drobinsky in der Süddeutschen die Diskussion bei Beckmann. (Vorsicht: Triggergefahr bei Beckmann!)
Kommentar: Wie weit entfernt Kirche noch immer von den Opfern ist, zeigt sich an der Sprache des  Vatikans. Da ist von "sexuellen Vergehen" die Rede. Gemeint jedoch ist sexualisierte Gewalt. Im Papstbrief zum Priesterjahr 2009 war noch von den "Schwächen der Priester" die Rede. So gesehen, ist die neue Sprachregelung direkt ein Fortschritt. Immerhin werden nun aus den "Schwächen" wenigstens "Vergehen". Bis zum korrekten Begriff "Verbrechen" scheint noch ein weiter Weg zu sein.
27.4.2010 Die Missbrauchsdebatte bei "Beckmann" hat sich in der Verharmlosung verloren, kritisiert der Spiegel.
Quelle:  Spiegel
Der Beitrag ist noch einige Tage online zu sehen. Vorsicht - Triggergefahr. Hier geht's zum Beitrag Die TeilnehmerInnen sprechen so, als wüssten sie nichts von sexualisierter Gewalt.

Kardinal Lehmann warnt vor generellen finanziellen Entschädigungen von Opfern. Er weist darauf hin, dass mit Geldzahlungen  eine grundlegende Verkennung des ethischen Schwergewichts der Verbrechen einhergehe. Scharf kritisierte er, dass die unübersehbare Verantwortlichkeit der Täter konstant ignoriert werde. Und schließlich führte er an, dass auch die "Begehrlichkeit nach Geld" nicht übersehen werden dürfe.
Nach Angaben des SWR formulierte Kardinal Lehmann: Der beinahe ausschließliche Ruf nach finanzieller Entschädigung sei darüber hinaus "verräterisch". Da sexueller Missbrauch schwerste Schäden anrichten könne, sei die Forderung "Ich will endlich Geld sehen, viel Geld" eine Verkennung "des ethischen Schwergewichts einer solchen Verfehlung und auch der Formen möglicher Wiedergutmachung".
Quelle: Radio Vatican
Kommentar: Kardinal Lehmann unterstellt Opfern die Aussage "Ich will endlich Geld sehen, viel Geld". Das ist sein Versuch, Opfer moralisch als "geldgierig" zu diskriminieren. Wir lernen: Opfer sind begehrlich nach Geld. Natürlich geht Opferbeschuldigung auch so. Diese Variante ist mir neu.

Bischof Mixa wird nach seinem Rücktritt als "Sündenbock" angesehen. Üblicherweise sind Sündenböcke unschuldig - wie Jesus z.B. Sie tragen die Schuld der anderen, obwohl sie selbst ohne Schuld sind. Dass dies auch für Bischof Mixa gelten solle, wird hier im Kommentar von kath.de dargelegt. 24.4.2010

Ein 53-jähriger Mann hatte eine Mahnwache vor der Birnau gehalten und damit darauf hingewiesen, dass er in den 60er Jahren von Pater G. missbraucht wurde. Pater G. hatte gestanden. Es besteht der Verdacht, dass es weitere Opfer gibt. Ein Mitarbeiter der Birnau, Herr Fröhlich, verwies das Opfer des privaten Terrains der Kirche. Gegenüber dem SÜDKURIER sagte Fröhlich, der nicht als Sprecher des Priors von Birnau auftrat, sondern seine persönliche Meinung äußern wollte: „Diese Ereignisse schmerzen jeden Christen. Im Sinne der Botschaft der Liebe von Jesus Christus geht man aber anders mit solchen Dingen um als mit einer Aktion, die einfach nur Ärger hervorruft, vor allem Ärger bei unserem Herrn Jesus Christus. Es gibt gewisse Dinge, die man nicht so an den Haaren an die Öffentlichkeit reißt, sondern die man dort regeln sollte, wo man sie regeln kann. Unter Christen ist das möglich.“
Quelle: Missbrauch in der Kirche
Kontakt über: ein.opfer@web.de
Kommentar: Dass Jesus verärgert wäre, wenn ein Opfer den Mut hat, zu sich und zu seiner schmerzlichen Wahrheit zu stehen, muss aus vielen guten Gründen doch sehr bezweifelt werden. Zumal es leidvolle Erfahrungen von Opfern gibt, die mit einer täterschützenden und vertuschenden Kirche zu tun haben. Da wurde im Interesse der Täter "geregelt".

Der Kurienkardinal Hoyos verteidigt die frühere Praxis von Bischöfen, pädophile Priester nicht in jedem Fall anzuzeigen. Das wäre doch so gewesen, als ob man jemanden zwänge, vor Gericht gegen ein Familienmitglied auszusagen, sagte der langjährige Kurienkardinal am Donnerstag in einem Radiointerview. „Das Recht in entwickelten Staaten sieht nicht vor, dass jemand gegen sein Kind oder gegen seinen Vater aussagt“, so Hoyos wörtlich: „Warum sollte man das dann von der Kirche verlangen? Das ist ungerecht.“  Gleichzeitig bestehe aber kein Zweifel daran, „dass die Kirche an der Seite derer steht, die wirklich Opfer waren“.
Quelle: Radio Vatikan
Kommentar: Zur "Familie" gehören die Täter, die Opfer offenbar nicht. Der Ausdruck "wirkliche Opfer" transportiert den Verdacht, es gebe auch vermeintliche Opfer und solche, die sich zu Opfern erklären, ohne es zu sein. Solches Denken konterkariert jegliches Bemühen der Kirche, sich an der Seite der Opfer zu positionieren. Die größten Feinde der katholischen Kirche scheinen ihre ranghöheren Mitglieder zu sein.

Die Homosexuellen haben Schuld. Das sagte Kardinal Bertone, als er in Chile war. Tarcisio Bertone gilt als Vertrauter des Papstes, ist Kardinalstaatssekretär und die Nummer Zwei im Vatikan.
Quelle: Süddeutsche

Bischof Overbeck nutzt die Debatte um sexualisierte und körperliche Gewalt, um zu erklären, dass Homosexualität eine Sünde sei.
Quelle: Tagesanzeiger
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Der frühere vatikanische Justizminister Julian Herranz, 80, Opus-Dei-Kardinal, sieht die Angriffe auf Papst Benedikt XVI. auch in Zusammenhang mit dessen Eintreten für den Lebensschutz. Die internationalen Medien hätten das Oberhaupt nicht nur wegen pädophiler Priester ins Visier genommen, sondern auch wegen „der Verteidigung ethischer Werte, angefangen mit dem Nein zur Abtreibung“, sagte der spanische Kardinal in einem Interview der italienischen Tageszeitung „La Repubblica“.
Quelle: Radio Vatikan
So entwickeln sich Märtyrerlegenden...

Der persönliche Prediger des Papstes, Cantalamessa, hat im Karfreitagsgottesdienst 2010 in Rom Vorwürfe gegen die Kirche in der Missbrauchsaffäre in die Nähe des Antisemitismus gerückt und gesagt, der kath. Kirche ginge es so, wie es den Juden in Deutschland ergangen sei.
Quelle: heute.de

Die Juden haben Schuld, sagte Giacomo Babini, emeritierter Bischof von Grosseto, am Freitag auf  Ponitfex.Roma mit Blick auf die Diskussion um Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche. Mit Blick auf den irischen Missbrauchsskandal empfiehlt er den Anglikanern, sich zu entschuldigen: “Da viele von ihnen beschlossen haben, katholisch zu werden, hoffe ich nur, dass wir uns damit nicht eine nette Dosis Homosexueller einfangen.” Bischof  Babini hat nämlich keinen Zweifel, dass die “Homosexuellen-Lobby” die Fälle des sexuellen Missbrauchs in den Reihen katholischer Priester für eine Kampagne gegen die katholische Kirche nutzt: „Sie ziehen über die Kirche her, wo sie nur können.”
Quelle: marx-blog

Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller hat den Medien in Zusammenhang mit den Missbrauchsfällen eine "Kampagne gegen die Kirche" vorgeworfen. Der Bischof rückte die laufende Berichterstattung in die Nähe der kirchenfeindlichen Haltung der Nationalsozialisten. Quelle: Fürther Nachrichten

"Die sogenannte sexuelle Revolution, in deren Verlauf von besonders progressiven Moralkritikern auch die Legalisierung von sexuellen Kontakten zwischen Erwachsenen und Minderjährigen gefordert wurde, ist daran sicher nicht unschuldig", sagte Mixa.
Quelle: der standard

Pater Eberhard von Gemmingen, SJ, bis vor Kurzem Leiter der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan, hat in der Heilbronner Stimme nach Angaben des Spiegels und der SZ die Situation des Jesuitenordens, in dessen Schutz sexueller Missbrauch stattgefunden hat und der derzeit im Blickpunkt der Öffentlichkeit steht, mit der Situation der Juden in der Hitlerzeit verglichen. Wörtlich: "Es ist fatal, nun den ganzen Orden schlechtzumachen. Ich muss einen Vergleich ziehen: Mit den Juden ist es so losgegangen, dass vielleicht der ein oder andere Jude Unrecht getan hat. Dann aber hat man schlimmerweise alle angeklagt und ausrotten wollen. Man darf nicht von einzelnen Missetaten ausgehen und eine ganze Gruppe verurteilen. Und die Gefahr, dass das passiert, ist groß."

Hans-Ludwig Kröber, Deutschlands bekanntester Kriminalpsychiater, sagte in Cicero: "Deshalb sollten Betroffene zuallererst zur Kripo gehen. Auch, weil damit die Hemmschwelle für Leute steigt, die sich eigentlich nur wichtig machen wollen. Das kommt leider auch oft vor."
Quelle: cicero

9.4.2010 In einem Leserbrief heißt es: "Ohne den Opfern zu nahe treten zu wollen: Was Schmidt hier einseitig-boshaft zuspitzt, trifft den Nerv Vieler, die langsam die Nase voll haben von Enthüllungs-Stories über sexuellen Missbrauch."
Quelle: otz

9.4.2010 Das Ausmaß von Missbrauch an Kindern ist auch wegen der häufigen Verdrängung statistisch kaum zu erfassen. Manche Menschen glauben auch nur irrtümlich, Missbrauch erlebt zu haben, wie Studien über sogenannte „False Memories“ belegen. Wissenschaftlichen Studien zufolge liegt die Missbrauchsquote bei Mädchen zwischen zehn und 15 Prozent, bei Jungen zwischen fünf bis zehn Prozent. Rund 95 Prozent der Täter kommen aus dem Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis. Der Vater-Tochter-Inzest ist die vermutlich häufigste Form.
Quelle: Domradio
Kommentar: Dass das false-memory-Syndrom nun auch von Domradio.de zitiert wird, zeigt, wie wenig kritisch und wie wenig informiert mit dem Thema Traumatisierung durch Menschengewalt hierzulande - auch von der Kirche! - umgegangen wird. Informationen zu den sogenannten "False-Memory-Studien" sind hier nachzulesen:
http://www.falsche-erinnerungen.de/index.htm
http://www.false-memory-syndrome.de/#Fazit
http://www.aufrecht.net/utu/echtheit_erinnerungen.html
Ausführlich beschäftigt sich Martha Schallek, ("Rotkäppchens Schweigen", 2006) mit dem Versuch, gerade die am schwersten Betroffenen, die einer Amnesie unterliegen, als unglaubwürdig hinzustellen. Diese vermeintlich wissenschaftlich abgesicherte Theorie ist nicht belegt. Sie ist auch keine psychische oder medizinische Aussage, sondern eine juristische. Sie hat das Ziel, Täter vor Gericht frei zu bekommen.
Mehr unter false-memory-syndrome  und unter socialnet
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11.4.2010 Die Kardinäle der Weltkirche wollen indes am 19. April - dem fünften Jahrestag der Wahl von Joseph Ratzinger zum Papst - ein außerordentliches Treffen in Rom abhalten, um sich hinter den Pontifex zu stellen. Sie wollen ihre Solidarität mit dem Papst nach den scharfen Attacken wegen der Missbrauchsfälle ausdrücken, berichtete die römische Tageszeitung "La Repubblica" am Sonntag. Am 13. Mai soll zudem auf dem Petersplatz eine große Kundgebung mit Hunderttausenden Demonstranten zur Unterstützung des Papstes stattfinden.
Quelle: Kleine Zeitung

Um den 1.4.2010 Opferbeschimpfungen
„Ich bin zutiefst erschüttert über die Anschuldigungen, die mir gegenüber erhoben werden. Ich versichere nochmals, dass ich zu keiner Zeit gegen Kinder und Jugendliche körperliche Gewalt in irgendeiner Form angewandt habe. Ich bin gerne bereit, mit Männern und Frauen, die in ihrer Jugendzeit im Kinderheim St. Josef in Schrobenhausen gelebt haben, über ihre Erinnerungen, Erlebnisse und Vorwürfe zu sprechen, um zuzuhören und zu erfahren, was sie in ihrer Kindheit belastet hat. Die Sorge um das Wohl und die Zukunft von Kindern, Jugendlichen und Familien ist ein vorrangiges Anliegen meiner seelsorglichen Arbeit seit eh und je.“
Quelle: Bistum Augsburg
Kommentar: Wie um Himmels willen sollen Opfer mit jemandem reden wollen, der ihnen bereits vor dem Gespräch sagt, sie würden lügen!

4.4.2010 Kardinal Sodano wirft denen, die sexuelle Gewalt durch katholische Priester aufdecken, "Geschwätz" vor.
Kommentar: So beleidigt man Menschen, die jahre- und jahrzehntelang um ihre Wahrheit kämpfen müssen, bevor sie an die Öffentlichkeit gehen können.

19.3.2010 Pater Gregor Müller, dessen bekannte (!) Verbrechen in Birnau und Mehrerau verjährt sind, wird von seiner Gemeinde in Schübelbach vermisst. Er hat diese Gemeinde Hals über Kopf im März 2010 verlassen, war zunächst in einem Kloster und ist inzwischen (auf jeden Fall bis Ende Juli 2010) untergetaucht, jedenfalls nicht mehr auffindbar. Eine Frau sagte dem Blick:  "Ich empfinde Wut." Aber nicht auf den Priester! Sondern: «Weil sie ihn jetzt fertigmachen." Und sie ergänzt: "Er ist so ein lieber Mensch." Jetzt sei sein Leben kaputt.
Eine andere Frau sagt: "Es ist so schade, dass er nicht mehr da ist. Darüber bin ich viel mehr schockiert." Mehr als über die Kindsmissbräuche.
Quelle: blick.ch

16.3.2010 Hier ist nachzulesen, wie Gemeinden reagieren, wenn "ihr" Pfarrer des Missbrauchs verdächtigt wird oder nachweislich Kinder/Jugendliche missbraucht hat. Sie sagen:
"Halt's Maul!"
'das will ich nicht hören!',
„Über unsere Kirche ist eine große Dunkelheit gekommen und große Schuld“ (Pfarrer)
„Richtet nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werdet“ und natürlich die Geschichte vom verlorenen Sohn.
'Hätte man nicht noch drei Jahre bis zum Ruhestand des Täters warten können mit der Öffentlichmachung?'

12.3.2010 "Ich bedaure zutiefst alle Missbrauchsfälle, die in der Vergangenheit im Kloster Mehrerau stattgefunden haben und bitte alle Opfer um Vergebung. Es liegt nicht in meiner Macht, das Unrecht der Vergangenheit ungeschehen zu machen, aber ich kann allen Opfern die Hand reichen und ihnen Gespräch, Offenheit und Versöhnung anbieten."
Kommentar: Das schreibt der Abt des Klosters Mehrerau. Ich glaube, er verwechselt hier Opfer und Täter. Es ist das Opfer/es sind die Opfer, die Versöhnung anbieten (wenn sie das wollen und wenn sie das können). Versöhnung anzubieten hat nicht derjenige, in dessen Institution der Täter geschützt wurde.
Quelle: Abtei Mehrerau

Juni 2009 - Eine päpstliche Opferbeschimpfung steht im Brief des Papstes zum Beginn des Priesterjahres: "Leider gibt es auch Situationen, die nie genug beklagt werden können, in denen es die Kirche selber ist, die leidet, und zwar wegen der Untreue einiger ihrer Diener. Die Welt findet dann darin Grund zu Anstoß und Ablehnung. Was in solchen Fällen der Kirche am hilfreichsten sein kann, ist weniger die eigensinnige Aufdeckung der Schwächen ihrer Diener, als vielmehr das erneute und frohe Bewußtsein der Größe des Geschenkes Gottes, das in leuchtender Weise Gestalt angenommen hat in großherzigen Hirten, in von brennender Liebe zu Gott und den Menschen erfüllten Ordensleuten, in erleuchteten und geduldigen geistlichen Führern."
Kommentar: Verbrechen nennt der Papst "Schwächen". Wer Verbrechen aufdeckt, wird als "eigensinnig" diskriminiert. Und natürlich wird vom Leid der Kirche gesprochen, nicht jedoch vom Leid der Opfer. Das wirkliche Opfer ist also die Kirche.
Mein Protest, den über 50 Menschen unterschrieben, hat die Deutsche Bischofskonferenz mit der Empfehlung beantwortet, lieber den englischen als den deutschen Text zu benutzen. Im Englischen heißt die inkriminierte Stelle: "Am hilfreichsten ist nicht nur ein freies und vollständiges Eingeständnis/Anerkenntnis... sondern auch...."

Lauryn Hill verlas beim Weihnachtskonzert im Vatikan einen selbstverfassten Text über den Umgang mit pädosexuellen Priestern innerhalb der katholischen Kirche: «Was soll man von jenen Familien sagen, die von den Menschen verraten wurden, an die sie glaubten? Was kann man über jene im Körper und Geist missbrauchten Kinder sagen?» Bischof Rino Fisichella, der das Konzert organisiert hatte, warf der Sängerin vor, sie habe den Zuschauern die Weihnachtsstimmung ruiniert.
Quelle: Sängerin schockiert Vatikan mit Appell gegen Pädophilie. Neue Zürcher Zeitung, Nr. 291, 15.12.2003.

Und dies schreibt im April 2010 eine Frau, die die "Steinhartherzigkeit" kaum noch aushalten kann - und sie ist nicht die einzige.


Deine Steinhartherzigkeit, Kirche, regt mich
nicht mehr auf. Mir scheint' s, so verbohrt, wie ihr euch
gebet, bleibt auch ihr in des Höchsten Hand, habt
Teil ihr am Heilsplan.

Schmerzlich seh'n wir euch: ihr verhaltet euch so,
heuchelnd, wie wir's kennen von Kind auf. Nur: wer
würde uns je glauben, wenn plötzlich Umkehr
And'res euch tun hieß?

Leugnet, lügt, deckt Frevel nur weiter zu! Euch
wird geglaubt, nicht uns! Und so reden wir wahr!
Unser Anseh'n schützt ihr; und dumm steht ihr da
– nämlich gar: weltweit.

Dennoch, Gott, lass Heimat uns werden, gieß neu
heil'gen Geist aus. Mitleid bestimme neu: Tun,
Reden, jedwed' Denken in deinem Haus! Bleib!
Zeig uns dein Antlitz!

Möge uns einander doch gut tun dein Recht!
Einsicht schenk letztendlich doch allen. In Ehr'n
halt, die jetzt schon Wärme verschenken, dein Reich
künden, die Zukunft!

Susanne J.
30.4.2010
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