2


... die unter die Räuber gefallen sind”

  Sexueller Missbrauch und wie Christinnen und Christen aus ihrem Glauben heraus mit Opfern/Überlebenden umgehen können

Sonntag, 18.7.2010, 10.30 Uhr - Eucharistiefeier mit der Gruppe "Wir sind Kirche - Karlsruhe", in Karlsruhe, Hirschsstraße 103, in der Kapelle des Karl-Rahner-Hauses

Begrüßung und Einführung

Wie ihr im Evangelium  hören werdet, sind die Worte aus Lk 10, 25-37. Es erzählt den Vorfall, in dem einem Menschen etwas Schlimmes passiert, und alle wegschauen. Als in letzter Zeit immer mehr Missbrauchfälle bekannt wurden, hatte ich die Idee, Frau Kerstner und Frau Gallinat-Schneider  einzuladen. Beide arbeiten mit Frauen, die Missbrauch in der Kirche erlebt haben. Ich bin Ihnen dankbar, dass Sie gekommen sind. Ich weiß, dass Sie viel zu diesem Thema zu sagen haben und bewundere Ihren Mut und ihre Beharrlichkeit. Auch möchte ich Herrn Pfarrer Rheinfelder herzlich begrüßen, der mit uns den Gottesdienst jetzt beginnt:

Pfr. Rheinfelder:

So wollen wir also den Gottesdienst beginnen
Im Namen Gottes, der hier in unserer Mitte ist
Im Namen Gottes, der Hüterin Israels, die für die Entrechteten eintritt.
Im Namen Gottes, des Schutzschildes der Menschen, die von niemand geschützt würden.
Dieser Gott, Hüterin und Schutz, sei mit uns allen  heute und in Ewigkeit. Amen

Schuldbekenntnis

Wir sagen nichts, wenn Menschen überfordert und depressiv gemacht werden.
Wir sagen nichts, wenn Menschen blind und sprachlos vor Not gemacht werden.
Wir wollen lernen, Nein zu sagen, wenn Menschen fertig gemacht werden.
Herr, erbarme dich.

Wir sagen nichts wenn Menschen zerstört werden
Wir sagen nichts, wenn Menschen geknechtet werden.
Wir wollen lernen, Nein zu sagen, wenn Menschen fertig gemacht werden.
Herr erbarme dich.

Wir sagen nichts, wenn Menschen schwach gemacht werden.
Wir sagen nichts, wenn Menschen verängstigt und verzagt gemacht werden.
Wir wollen lernen, Nein zu sagen, wenn Menschen fertig gemacht werden.
Herr erbarme dich.

Fragen

Warum wird das erst jetzt bekannt? fragen viele.
Warum habe die sich nicht schon länger gemeldet?
Wollte es denn jemand hören?
Wer beschäftigt sich freiwillig mit dem Thema Missbrauch?
Eigentlich wissen wir schon lange, dass sehr viele Menschen sexuellen Missbrauch und Gewalt erleben müssen. Kinder, Frauen und Männer, in der Familie, in der Nachbarschaft, in Schulen, im Sportverein und   um was es heute geht,   im kirchlichen Rahmen.
Für mich sind diese Verbrechen so schlimm, weil sie das Vertrauen zu sich, zu anderen Menschen und zu Gott massiv beeinträchigen, manchmal sogar ganz verhindern.
Die Folgen von Missbrauch können ein ganzes Leben zerstören oder vieles nicht mehr  möglich machen. Es braucht oft Jahre bis ein „Opfer“ sich selber wieder trauen kann und  das Erlebte wahrnehmen kann.  Sie/Er mußte ja lernen, sich nicht mehr zu spüren um nicht verrückt an dem Entsetzlichen zu werden.
Wie Menschen einen Missbrauch überleben können und mit welchen Folgen,  können sie in ausliegenden Büchern oder auch im Internet nachlesen.
Heute wollen wir hinschauen und hinhören und nicht mehr wegschauen. Wir wollen ins Gespräch kommen mit den Betroffenen und nicht über sie reden.

Lied: In  Ängsten die einen und die andern leben………
    "Geschunden die einen…" - kurze Überleitung zum Evangelium

Evangelium Lukas 10, 25-37

Predigtgespräch nach einer kurzen Vorstellung von Marieluise und mir - unter Einbeziehung der Gottesdienstgemeinde

Kurzvorstellung Erika: Ich arbeite seit 10 Jahren mit Frauen, die in ihrer Familie, im Nahbereich, auch in der Kirche körperliche, seelische und sexualisierte Gewalt erlebt haben. Diese Frauen treffen sich in einer Vor-Ort-Gruppe monatlich in Bruchsal oder täglich in einer geschützten Mailingliste. Sie versuchen, die Ressourcen des christlichen Glaubens im Leben mit den Traumafolgen durch Menschengewalt zu nutzen. Es zeigt sich immer wieder, dass Traumaüberlebende zwei große Wünsche haben: Der eine Wunsch ist der Wunsch nach Sinn. In der Gewalt ist kein Sinn zu finden – aber in der Bewältigung und in jedem Schritt in Richtung Leben und Lebendigkeit ist Sinn zu finden. Und ein zweiter großer Wunsch Betroffener ist der Wunsch nach Solidarität.

Faktisch werden Gewaltopfer bei uns ausgegrenzt. Jeder hat Angst, mit einem Opfer in Berührung zu kommen. Die Solidarität wird in der Regel verweigert. Es ist wie im Evangelium: Die Menschen gehen zu oft vorbei. Nicht selten haben sie Angst vor dem Kontakt mit Gewaltüberlebenden. Vielleicht können wir darüber miteinander ins Gespräch kommen.

Com-Passion wünschen sich die Betroffenen von uns, Mitleid und Ernstgenommen werden, damit sie sich selber wieder spüren können. Dann kann es dazu kommen, dass sie sich, wenn auch unter großen Schmerzen wieder spüren und vielleicht Heilung oder Linderung  erfahren. „Den Schmerz, den wir in der Konfrontation mit dem Leiden erleben, zeigt uns die Rückkehr unserer Gefühls- und Liebefähigkeit. Er ist ein Vorbote einer anderen besseren Wirklichkeit, auch wenn wir sie jetzt nur als brennende Wunde und Sehnsucht nach einem besseren, ganz anderem Leben erfahren“, schreibt eine Frau, die Missbrauch erlebt hat.

Fürbitten: Einleitung (Rosen mit Dornen  stehen in der Mitte und werden mit den Fürbitten auf den Altar gelegt.)
Ich bitte für die Opfer von Menschengewalt, die niemandem mehr trauen können: Lass sie Menschen finden, die vor dieser ihrer Not nicht weglaufen
Ich bitte für die Opfer von Menschengewalt, die sich vergeblich an andere gewandt haben: Lass sie nicht aufgeben in ihrer Suche nach unserer Solidarität   .......
Lied dazu: Herr erbarme dich…

Eucharistiefeier: Pfr. Rheinfelder

Lied: wo Menschen sich …(Liedblatt)

Vater unser

Segen:
Gott segne uns.
Sie lasse uns wissen,
dass sie stärker ist als der Tod.
Er berühre die angstversiegelten Lippen
Sie breche auf das Schweigegefängnis.
Gott lasse uns Menschen finden und Menschen sein
Die einander zuhören
Und füreinander da sind in der Not
Gott sammle alle Tränen wie Kostbarkeiten
Und verwandle sie in Kraft  zu  neuem Leben
Er führe uns vom Tod zum Leben in Gerechtigkeit
Abschlusslied: Wir wollen aufstehn zum Leben

Ankündigungen und Hinweise zum Umgang mit Opfern

Seitenanfang