3.Missbrauch

Chronologie der Ereignisse rund um den Riekofener Missbrauchsfall
(von unten nach oben zu lesen)

22.3.2008 Gleich in zwei Interviews äußerte sich der Apostolische Nuntius Dr. Jean-Claude Périsset zum Fall Riekofen. In der pnp fragt der Interviewer: "Wenige Tage vor Ihrem Besuch fand der Prozess gegen einen hiesigen Priester statt, der Jungen sexuell missbraucht hat. Wie stark belastet das Thema sexueller Missbrauch das Ansehen der katholischen Kirche?"
Périsset: "Das ist ein trauriges Beispiel mit Folgen für die Missbrauchten, die Hilfe brauchen, aber auch für junge Männer, die Priester werden wollen und diese Schwachheit sehen. Dennoch sollte man die Hoffnung nicht verlieren. Ich bete regelmäßig für diese Mitbrüder, die gefallen sind, um Gottes Erbarmen, aber auch um menschliches Erbarmen. Sie brauchen unsere Hilfe, damit sie irgendwie wiederhergestellt werden. Was sollte man sonst tun? Sie lebenslang einsperren? Das geht nicht, auch wenn sie ein Verbrechen begangen haben. Es gibt nicht einfach hier die Guten und dort die Bösen, die weg müssen. Man muss ihnen helfen, nicht sie wegschicken."

20.3.2008 Im Interview mit der Mittelbayerische Zeitung sagte der Apostolischer Nuntius Dr. Jean-Claude Périsset zum Fall Riekofen: "Ich denke an das Kind, das missbraucht wurde, aber auch an den Priester, der so schwach blieb. Ich bin sehr traurig, wenn ich das höre. Aber ich glaube, es gibt auch für die Sünder immer eine Erlösung. In diesem Fall hat, so weit ich weiß, das Gericht schon früher gesagt, er könne wieder normal eingesetzt werden. Ich glaube nicht, dass man die Strafen noch verschärfen muss. Sicher wird man noch stärker auf die Ausbildung und Weiterbildung und auf die innere Haltung der Priester achten müssen. Die Bischöfe und der Heilige Stuhl wollen hier nicht nur mit Strafe, sondern auch mit Blick auf die Erlösung reagieren."

Kommentar: Dem Opfer gilt in beiden Interviews jeweils ein Halbsatz des Nuntius. Die restlichen Äußerungen betreffen den Täter. Dieser Befund entspricht ziemlich genau dem, was Opfer von Gewalt im kirchlichen und gesellschaftlichen Kontext auch erleben - das Interesse gilt dem Täter.

16.3.2008 Richter erhebt schwere Vorwürfe gegen Bistum Regensburg Welt.de
15.3.2008 Das Bistum Regensburg stellt offengebliebene Fragen nach dem Abschluss des Strafverfahrens gegen den Ex-Priester von Riekofen
Bistum Regensburg - nicht mehr online
15.3.2008 Auch die Justiz schaute lange weg - Augsburger Allgemeine über den Riekofener Missbrauchsfall
14.3.2008 Verliert jetzt auch die Kirche das Vertrauen der Bürger? kath.de Kommentar
14.3.2008 Radio Vatikan veröffentlicht die Stellungnahme des Bistums Regensburg zur Verurteilung des Riekofener Ex-Pfarrers. Das Bistum Regensburg spricht von einer „beispiellosen, bundesweiten Diffamierungskampagne“.
 13.3.2008 Die Stellungnahme des Bistums Regensburg zur Verurteilung des Riekofener Ex-Pfarrers wegen Kindesmissbrauchs (nicht mehr online)

13.3.2008 Der Ex-Pfarrer von Riekofen ist wegen sexuellen Missbrauchs im Wiederholungsfall zu drei Jahren Gefängnis und Sicherungsverwahrung verurteilt worden.  In der Verhandlung entschuldigte sich der Angeklagte mehrfach bei seinem Opfer und dessen Eltern. Der psychiatrische Gutachter Bernd Ottermann  stellte dar, dass der Angeklagte sich in den 10-jährigen Jungen verliebt habe und nie das Gefühl hatte, dem Kind zu schaden.
Offiziell war der 1999 schon einmal Verurteilte in einem Altenheim tätig. Tatsächlich jedoch hatte er bereits 2 Jahre vor Ende seiner Bewährungszeit, die ihm den Kontakt mit Kindern verbot, die gesamte Seelsorgearbeit in Riekofen übernommen und sich besonders um die Ministranten gekümmert. Offiziell erfolgte der Einsatz in Riekofen erst ab 2004.
Quelle: Augsburger Allgemeine
Bislang hatte das Bistum Regensburg gesagt, es habe seitens des Ordinariats "keinerlei Beaufgtragung zu Aushilfseinsätzen in der Gemeinde- und Ministrantenarbeit in der Pfarre Riekofen" gegeben.
Die Welt jedoch berichtet: 'Aus der von der Polizei beschlagnahmten Personalakte des Pfarrers geht allerdings hervor, dass die Diözesanleitung zu jeder Zeit über die Arbeit des vorbestraften Priesters in Riekofen informiert war. So wurden auch Zeitungsartikel gesammelt, die über die Aktivitäten des Geistlichen mit Jugendlichen berichteten. Nachdem der zuvor zuständige Pfarrer gestorben ist, war der Angeklagte praktisch bereits während seiner Bewährungszeit als Pfarrer verantwortlich.'
Quelle: welt.de
Dass ihn sein Dienstvorgesetzter, also die Diözese, wieder einsetzte und damit die Taten ermöglicht habe, habe sich bei der Strafzumessung zugunsten des Angeklagten ausgewirkt, sagt der Richter. Das bisherige Gutachten von Herrn Ottermann hatte bereits 2000 festgestellt, dass Peter K. eine "Kernpädophilie und homoerotische Veranlagung" habe. Laut Richter Iglhaut hätte sich die Diözese dieses Gutachten besorgen können, aus dem hervorgeht, dass K. keinesfalls mehr mit Kindern hätte arbeiten dürfen. Ein Vermerk auf dieses Gutachten fand die Polizei denn auch in K.s kirchlicher Personalakte. Und auf den Internetseiten der Diözese ist nachzulesen, der Justitiar des Bischofs sei "in groben Zügen" über Ottermanns Gutachten informiert gewesen.
(Quelle: SZ)
26.1.2008 Im Bistum Regensburg wurde Anklage gegen den der Pädophilie verdächtigen früheren Pfarrer von Riekofen erhoben. Die Anklage geht von 20 Übergriffen auf einen 13-jährigen Messdiener aus. In einem Gutachten wird dem Angeklagten "homoerotische Kernpädophilie" bescheinigt.
Quelle: Süddeutsche
28.12.2008 "Bis heute hoffen die Riekofener auf einen Besuch des Bistumsoberhauptes. Pfarrgemeinderatsvorsitzende Rosemarie Meßner hat erst kürzlich mit Pfarrer Dachauer über eine Visite des Bischofs gesprochen. Bis jetzt gibt es aber noch keinen Termin. „Es würde uns sehr helfen, wenn der Bischof zu einem guten Gespräch bereit wäre“, sagt die Pfarrgemeinderatsvorsitzende. Es gebe viele offene Wunden bei den Gläubigen. Vor allem bei den Eltern, die Pfarrer K. jahrelang ihre Kinder anvertraut haben, sei das Vertrauen in die Kirche verloren gegangen. Viele hinterfragten auch ihr Engagement, berichtet Meßner. „Wir müssen im neuen Jahr hart daran arbeiten, dass die Pfarrgemeinde nicht auseinander bricht. Und dass endlich wieder Ruhe in Riekofen einkehrt.“
Quelle: Mittelbayerische.de

27.10.2007 Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller lehnt eine Entschuldigung für den sexuellen Kindesmissbrauch durch einen seiner Pfarrer weiter ab. "Es geht nicht darum, mich zu entschuldigen oder Fehler einzugestehen", sagte Müller im Radiosender Bayern2. Nach seiner Ansicht sei im Umgang mit dem bereits einschlägig vorbestraften Geistlichen getan worden, "was menschenmöglich war“. Der Bischof, der bislang nicht mit den Christinnen in Riekofen sprach - und mit dem Opfer auch nicht -, warb um Mitgefühl für die Eltern des beschuldigten Geistlichen.
Quelle: br2
Zur Kritik an seiner Amtsführung sagte der Regensburger Bischof, er brauche keine "Belehrungen von Leuten, die in der Pastoral gar nichts zu tun haben". Der einzige Vorgesetzte eines Bischofs sei der Papst, "und von dieser Seite habe ich noch keine Kritik gehört", sagte Müller.
Quelle: SZ
Eine Kritik des Papstes gibt es nicht, stattdessen wird Bischof Müller am 21.12.2007 vom Papst in die Glaubenskongregation berufen.
Aufgabe der Kongregation für die Glaubenslehre ist es, "die Glaubens- und Sittenlehre in der ganzen katholischen Kirche zu fördern und schützen", so Papst Johannes Paul II. im Jahr 1988.
13.10.2007 Riekofen und kein Ende. Heute geht durch die Presse, dass das Bistum Regensburg nach eigener Aussage des zuständigen Pfarradministrators H.G. ihn nicht über die Vorgeschichte des pädophilen Pfarrers informierte. Als der heute 73-jährige Pfarradministrator den Aushilfspriester als seinen Nachfolger ins Gespräch brachte, wurde ihm vom Personalreferenten des Bistums geantwortet, man wisse nicht, ob dieser dazu gesundheitlich in der Lage sei - "Herz-Lungen-Geschichten". Vom Missbrauch in Viechtach wurde nicht gesprochen.
Auch der damals zuständige Dekan erfuhr erst 2003, dass "es da was gegeben" hätte in Viechtach (offensichtlich ist das Wort "sexueller Missbrauch" unaussprechlich). Über Auflagen wurde der Dekan nicht informiert. Der Generalvikar G. bat den Dekan jedoch, ein bisschen aufzupassen. Und nichts vom Aufpassen zu erzählen. Ein solcher Appell kann alles Mögliche bedeuten: Frauengeschichten, homosexuelle Beziehungen, Irregularitäten bei den Finanzen, Alkoholprobleme, Suchtprobleme....
9.10.2007 Der Pfarrgemeinderat von Riekofen äußert gegenüber der Mittelbayerischen Zeitung, dass der Ex-Pfarrer von Riekofen Erstkommunion-Kinder und Firmlinge betreute. 2002 schrieb die Pfarrei 2 Briefe an das Ordinariat, in dem die Arbeit des Kaplans gelobt wurde. Das Bistum Regensburg will nach eigenen Angaben jedoch nichts gewusst haben.
2007-09-21 Der Vatikan nimmt Stellung zum Riekofener Missbrauchsfall
Rosemarie Meßner, PGR-Sprecherin, berichtet, dass der Angeschuldigte bereits im Herbst 2000 mit Aushilfsdiensten begonnen hatte - wenige Monate nach seiner Verurteilung wegen Missbrauchs. Im Januar 2001 habe der Angeschuldigte alle Aufgaben in der Pfarrei übernommen. Vom 10. Mai 2001 existiert ein Foto mit 16 Erstkommunionkindern und dem Pfarrer. PGR und Bürgermeister schrieben im Januar und März 2002 an das Ordinariat. Die Antwort datiert vom 10.4.2003 (!) und enthielt die Aussage, dass die derzeitige pastorale Situation durch die Mithilfe von Kaplan K. sehr befriedigend und deswegen nicht änderungsbedürftig sei.
Das Bistum besteht darauf, dass es von einem Kontakt zu Kindern und Jugendlichen nichts gewusst habe, wie der Bistumssprecher Schötz sagte: "Aus den Briefen aus Riekofen ging nicht hervor, dass er in der Jugendseelsorge tätig war." (Anm.: Da das Bistum die Riekofener Gemeinde nicht über die Vergangenheit ihres Aushilfspfarrers informiert hatte, hatte die Gemeinde keinen Anlass, ein besonderes Augenmerk auf die Kinder- und Jugendarbeit zu richten - die Sakramentenpastoral mit Kindern und Jugendlichen und die Messdiener-Arbeit gehören einfach zum Gemeindealltag.)

Bistumssprecher Schötz gab jedoch zu erkennen, dass dem Bistum bereits 2001 bekannt war, dass der Angeschuldigte in seiner Bewährungszeit liturgische Aushilfsdienste leistete - in Absprache mit dem Personalreferenten des Bistums und dem Therapeuten.
Quelle: Mittelbayerische Zeitung
Anm: Offensichtlich wird die Wahrheit nur in kleinsten Portionen sichtbar. Eckhard Bieger beschrieb die Sitaution so: "Erst abwiegeln, dann Pressekonferenzen und Besuche verschieben, den Gerichten nicht alle Unterlagen zur Verfügung stellen. Das Entscheidende aber, was den Motor immer wieder mit Sprit speist: Möglichst keine Fehler eingestehen. Was alleine bei einem solchen Vorfall hilft: Alles sofort auf den Tisch legen und die Öffentlichkeit umfassend informieren." Nur so können Opfer und ihre Familie - vielleicht - glauben lernen, dass Kirche auf der Seite der Opfer steht. Und nebenbei wird dann auch nur so ein zusätzlicher Kollateralschaden von der Kirche abgewendet - als sei der Schaden, der aufgrund des sexuellen Missbrauchs durch einen Priester entstanden ist, immer noch nicht groß genug.
Der Priesterrat im Bistum Regensburg hat sich am 8.10.2077 sich bei den Gläubigen in Riekofen entschuldigt dafür, "dass einer aus ihrer Mitte das Vertrauen der beiden Gemeinden und des Bischofs aufs Bitterste enttäuscht hat." Das tiefste Mitempfinden des Priesterrates haben die möglichen Opfer, die Familien und die Pfarrgemeinden.
Quelle: Mittelbayerische Zeitung
7.10.2007 Die Kriminalpolizei prüft, ob der wegen pädophiler Übergriffe festgenommene Riekofener Pfarrer während seiner Bewährungszeit gegen Auflagen verstieß, indem er wieder in Kontakt mit Kindern und Jugendlichen kam bei einer nicht angeordneten Aushilfstätigkeit in Riekofen. Die Kriminalpolizei prüft, ob dem Bischof der Verstoß bekannt war.
Bistumssprecher Jakob Schötz bestätigte, dass der Pfarrer freiwillig bei "liturgischen Diensten" in der Dorfkirche von Riekofen geholfen habe, das Bistum habe davon aber nichts gewusst.
Quelle: Süddeutsche
Anm.: Auf der Pressekonferenz des Bischofs vom 21.9.2007 hatte der Bischof die Pfarrei-Übernahme des vorbestraften Priesters begründet mit dem Satz: "Viele Pfarrangehörige wollten den Priester als Pfarrer, nachdem sie ihn durch gottesdienstliche Aushilfen kennen gelernt hatten. Es wurden denn auch nie Klagen und Beschwerden über ihn laut. Er war allgemein sehr beliebt und als Seelsorger anerkannt."  Der Bischof gab in dieser Konferenz nicht zu erkennen, ob er über den Zeitraum der Aushilfstätigkeit Bescheid wusste. In Riekofen ist bekannt, dass der vorbestrafte Pfarrer seit 2001 in der Gemeinde arbeitete.
6.10.2007 Stellungnahme des Bistums Regensburg: Das Ottermann-Gutachten habe dem Bistum nicht vorgelegen. Wörtlich: "Vom Gericht wurde kein Gutachten ausgehändigt. Auch bei der telefonischen Rückfrage des Justiziars im Februar 2004 bzgl. des Wiedereinsatzes von Peter K. und evtl. Auflagen wurde nicht auf gerichtsinterne Gutachten verwiesen.
Es widerspricht jeder Logik, zu verlangen, dass der Entscheidung des Ordinariats, Peter K. wieder in der Pfarrseelsorge einzusetzen im September 2004 gerichtsinterne Gutachten zu Grunde gelegt werden sollten, die nur dem Gericht vorlagen und dem Ordinariat für die Entscheidungsfindung nicht in Erinnerung gebracht wurden."
Kommentar: Der Begriff "etwas in Erinnerung bringen" setzt voraus, dass etwas schon einmal gewusst war und nur noch erinnert werden muss. Bedeutet also die Formulierung des Bistums, dass der Kirche das Ottermann-Gutachten bekannt war - und nur "vergessen" worden ist?
5.10.2007 Christian Eckl stellt im Regensburger Wochenblatt die Frage, ob der Bischof von Regensburg im Fall des Riekofener Pfarrers, der unter Missbrauchsverdacht verhaftet wurde, die Unwahrheit sagte. Das Bistum hatte mehrfach von einem Gutachten des behandelnden Therapeuten gesprochen; u.a. in der Presseerklärung des Bischofs -  wörtlich: "Das siebenseitige sehr detaillierte Fachgutachten, das der gerichtlich angeordnete, keineswegs kirchlich bestellte Therapeut zum Abschluss vorlegte, bescheinigte, dass der Geistliche keine pädophile Fixierung habe und dass die Tat in Viechtach auf ein einmaliges, regressives Verhalten zurückzuführen sei. Es bestünden keine Bedenken gegen einen Wiedereinsatz". Dr. Andreas Quentin, Justizsprecher des Oberlandesgerichts Nürnberg sagte dem Regensburger Wochenblatt jedoch: „Wir sprechen nur dann von Gutachten, wenn ein vom Gericht bestellter Gutachter eingesetzt wird”. Der Therapeut des angeschuldigen Pfarres war jedoch nicht vom Gericht bestellt, sondern vom Personalreferenten des Bistums ausgesucht worden.
Das Wochenblatt schreibt, dass es jedoch ein Gutachten von Seiten der Justiz sehr wohl gab. Es wurde von Dr. Bernd Ottermann, einem anerkannten Fachmann auf dem Gebiet der Forensik, erstellt. Dr. Ottermann äußerte, dass er damals klar gesagt habe, "dass ein Einsatz in der Jugendseelsorge für Herrn K. auf keinen Fall mehr in Frage kommen darf”. Gerichtssprecher Quentin sagte, auf dieses Gutachten fußte auch das Kontaktverbot für K.: „In der Bewährungsauflage heißt es, während der Dauer der Bewährungszeit [bis 2003?] ist es dem Verurteilten in keiner Weise gestattet, in der Jugendseelsorge und in der Jugendarbeit tätig zu werden”.
Die Riekofener hatten berichtet, dass der Angeschuldigte bereits ab 2001 bei ihnen wieder mit der Ministrantenarbeit begonnen habe. Das bedeutet, dass er - unbemerkt von Justiz, Bistum und Therapeut - gegen Bewährungsauflagen verstoßen hat; vorausgesetzt diese Informationen sind richtig.
3.10.2007 Eckhard Bieger, SJ, zu der Frage: "Wie inszeniert man einen Skandal?"
Bieger hat Recht. Fragwürdig scheint mir jedoch folgende Äußerung: "Die Öffentlichkeit, wie sie sich in der Moderne herausgebildet hat, kennt dagegen diesen [Täter-] Schutz nicht. Sie hat kein Mitleid mit dem Täter. Sie streitet für die Opfer, weil das die Sympathie der Leser garantiert." Es mag sein, dass Opfer-orientierte Berichterstattung die Quote steigert. Quotensteigerung ist jedoch nicht mit einem wirklichen Interesse an wirklichen Opfern zu verwechseln. Die veröffentlichte Meinung kann sehr schnell auch Opfer zu Tätern machen - wie im Fall der Eltern der vermissten Madelaine oder auch im Fall von Natascha Kampusch zu studieren ist.
2.10.2007 Das Schulamt des Landkreises Regensburg kritisiert das Bistum Regensburg, weil ein als Missbrauchstäter vorbestrafter Priester vom Bistum an eine Grundschule in Sünching geschickt wurde. Für die Einstellung der Religionslehrer ist das Bistum verantwortlich. Bei einem Lehrer, der vom Staat eingesetzt wird, wäre dies nicht möglich gewesen. Straftaten diesen Ausmaßes tauchen im Führungszeugnis auf und verhindern eine Einstellung in einem vergleichbaren Fall. Das Bistum wollte sich zu der Kritik nicht äußern.
Quelle: pr-inside
30.9.2007 Der Spiegel berichtet, dass Bischof Müller, Regensburg, sich im mutmaßlichen Missbrauchsfall Riekofen über den richterlichen Rat hinweggesetzt habe. Das Oberlandesgericht Nürnberg habe einen weiteren Einsatz befürwortet, aber nur unter der Bedingung, dass der verurteilte Missbrauchstäter keinen Kontakt zu Kindern mehr habe. Diese ergänzende Information hat der Bischof bislang der Öffentlichkeit vorenthalten. Er sprach nur davon, dass das Gericht keine Einwände gegen einen erneuten Einsatz des Riekofener Pfarrers in der Seelsorge habe.
Quelle: Der Spiegel
Das Bistum Regensburg dementiert den Spiegel-Bericht, der die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung zitiert hatte. Das Bistum schreibt u.a. :"Am 11.09.2007 traf ein Brief des Direktors des Amtsgerichts Viechtach im Bischöflichen Ordinariat ein, worin mitgeteilt wurde, dass die Richterin damals telefonisch keine Bedenken gegen einen pastoralen Wiedereinsatz von Peter K. gehabt habe, wenn dieser nicht mit Kindern und Jugendlichen zusammenkomme und unter Aufsicht sei. Inhaltlich steht nun die damalige Telefonnotiz des Justitiars gegen die jetzige Aussage der Richterin dreieinhalb Jahre danach. Das Bistum betont nochmals, dass es im Falle auch nur geringster Zweifel nach erfolgreichem Abschluss der vierjährigen Psychotherapie einen neuerlichen Einsatz in der allgemeinen Seelsorge ausgeschlossen hätte.

28.9.2007 Kardinal Lehmann sagte zum Abschluss der Herbstkonferenz der Deutschen Bischöfe in Fulda: "....und sind entschlossen, alles zu tun, um sexuellen Missbrauch mit allen Kräften aufzudecken. Wir bedauern zutiefst alle Schäden, die bei den Opfern und ihren Familien entstehen. Es gibt die grundsätzliche Bereitschaft, therapeutische Maßnahmen zu unterstützen, auch materiell. Im Blick auf die Vergehen selbst können wir jedoch die ethische Verantwortlichkeit nicht vom Täter nehmen. Im Falle einer Verurteilung wegen sexuellen Missbrauchs kann ein Einsatz in einem seelsorglichen Bereich mit Kindern und Jugendlichen auf keinen Fall erfolgen. In der Aussprache hat sich gezeigt, wie differenziert, verletzlich und anfällig dieser gesamte Bereich ist. Wir bitten deshalb alle an diesen Vorgängen Interessierten, besonders die Medien, bei allem berechtigten Interesse zur Offenlegung von Vergehen, mit der notwendigen Sensibilität und dem Respekt vor der Personwürde eines jeden Menschen vorzugehen. Die Sorge für die Opfer liegt uns dabei besonders am Herzen."
Quelle: DBK
Die Frage eines Journalisten, ob verurteilte Täter grundsätzlich nicht mehr als Priester eingesetzt werden dürfen, wurde - laut afp - vom Kardinal nicht beantwortet. Die Bischofskonferenz habe keinerlei Befugnisse zum Eingreifen und könne einzelne Vorfälle in den Diözesen auch nicht überprüfen, sagte Lehmann.

Die Westfalenpost berichtet: "Die 71 Bischöfe und Weihbischöfe hatten den Missbrauchsfall nicht auf ihrer Tagesordnung. Lehmann berichtete, dass zu Beginn der Tagung keiner seiner Amtsbrüder einen Antrag gestellt habe, das Thema auf die Tagesordnung zu setzen. Auch nicht "auf mehrfache Nachfrage". Trotzdem sei am Donnerstag über zwei Stunden darüber diskutiert worden."

Kommentar: Man wird gespannt sein dürfen, was die Routine-Äußerung von der 'Sorge für die Opfer, die den Bischöfen besonders am Herzen liege' real bedeutet, wenn die Bischofskonferenz keinerlei Befugnisse zum Eingreifen in einzelne Diözesen hat. Bereits 2002 war die Rede davon: "Die Fürsorge der Kirche gilt zuerst dem Opfer." Nach Auskunft der letzten Opfer in Regensburg kam die Fürsorge der Bischofskonferenz nicht bei ihnen an. Ob sich das mit der Wiederholung der Absichtserklärung ändern wird, wird sich zeigen.
Zu fragen ist natürlich auch, was Richtlinien der DBK, deren Einhaltung weder von den Bischofskollegen noch vom Papst ("Null-Toleranz" - zur Erinnerung) kontrolliert wird, für einen praktischen Wert haben.
Dass die Bischöfe das Thema nicht auf die Tagesordnung setzten, auch nicht nach mehrmaliger Nachfrage, zeigt, wie hilflos und realitätsverleugnend sie damit umgehen, dass Menschen Kinder missbrauchen. Das Thema "Gewalt im Nahbereich", und dann auch von Priestern, ist hochnotpeinlich und zerstört die eigenen vermeintlichen Sicherheiten. Für mich wird da auch nochmal verständlicher, dass die Hälfte meiner Kontaktversuche mit kirchl. Seelsorgestellen erst gar nicht beantwortet werden und ein weiteres Viertel meiner Anfragen mit spitzen Fingern weitergereicht wird, bis es im Nirgendwo versandet. Den Preis dieser Realitätsverleugnung zahlen - die Opfer. Auffällig ist, dass vom Ansehen des Bischofs, von den Zuständigkeiten der Bischöfe und der Bischofskonferenz, von Dementis nach Presseberichten und und und die Rede ist - nur vom Opfer nicht.
Rika
26.9.2007 Micha Hilgers, Psychoanalytiker, spricht Klartext im Regensburger Missbrauchsfall. Erfrischend, den Artikel zu lesen. "Es ist geradezu bizarr, ihn  [den Pfarrer, der wg. Missbrauch bereits verurteilt wurde] wieder in die deliktnahe Situation hineinzubringen", sagte Hilgers, der seit vielen Jahren pädophile Straftäter betreut, der Deutschen Presse-Agentur. Abwegig sei es auch, wenn der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller davon spreche, der Priester sei nach einer Therapie als "geheilt" betrachtet worden: Pädophilie sei nicht heilbar, höchstens kontrollierbar.
Hilgers räumt auch mit dem Mythos auf, dass jemand pädophil werde, weil er zölibatär lebe. Umgekehrt sei es richtig zu sagen, der Zölibat ziehe Pädophile an.
Quelle: Stern
25.9.2007 Nun soll es doch eine Stellungnahme der DBK, die gerade in Fulda tagt, zum jüngsten Missbrauchsfall in Regensburg geben. Quelle: heute.de
24.9.2007 Die Phalanx des kirchlichen Schweigens über die Bewertung des Einsatzes von einem Priester, der schon einmal Kinder missbrauchte und erneut in einer Gemeinde eingesetzt wurde, scheint zu bröckeln. Der Fuldaer Bischof äußert seine Meinung im Vorfeld der Fuldaer Bischofskonferenz. Er meint, die Konferenz müsse sich mit dem Regensburger Fall beschäftigen.
Quelle: Rhein-Neckar-Zeitung

Nachtrag: Die Freude war verfrüht. Es bleibt dabei: Der Regensburger Bischof wird keine persönlichen Konsequenzen ziehen. Er hat richtig gehandelt, wenn er einen missbrauchenden Priester erneut in der Seelsorge u.a. mit Ministranten einsetzte. Der Bischof hat auch richtig gehandelt, wenn er sich auf ein Gutachten stützte - dass das Gutachten kein unabhängiges, sondern eines des behandelnden Therapeuten war, ficht den Bischof sichtlich nicht an.
Er hat vermutlich auch richtig gehandelt, wenn er sich bisher weder bei dem jüngsten Opfer noch bei der betroffenen Kirchengemeinde hat sehen lassen.
Fazit: So also sieht aus, was die Richtlinien der DBK vorsehen: «Die Fürsorge der Kirche gilt zuerst dem Opfer». Die Glaubwürdigkeit der Kirche - und damit die Glaubwürdigkeit des Evangeliums - wird sich nicht an der lateinischen Sprache in der Messe entscheiden - sie entscheidet sich am Umgang mit jenen Menschen, die unter die Räuber fielen und daran, ob die Kirche Kinder oder Täter schützt. Auf der Konferenz in Fulda wird der Umgang mit der lateinischen Sprache ausgiebig diskutiert werden. Eine Diskussion des Umgangs mit Täter und Opfern im Bistum Regensburg wird es nicht geben.

21.9.2007 Heute will der Regensburger Bischof Müller zum Missbrauchsfall in Riekofen Stellung nehmen. Bekanntlich hat sich dort ein bereits wegen Missbrauch vorbestrafter Priester jahrelang an einem Ministranten vergangen. Ende August wurde er verhaftet. Der Bischof hat seine Teilnahme an der 3. Ökumenischen Versammlung in Sibiu abgesagt, um in dieser schwierigen Situation bei den Gläubigen von Riekofen zu sein. Allerdings hat er einen dort zunächst angekündigten Besuch ebenfalls abgesagt und auf später verschoben.
Quelle: mehrere
Nachtrag: Die Pressekonferenz hat stattgefunden. Der Bischof weist jede Verantwortung für das Verhalten des Täters zurück. Seine Entscheidung nannte er „verantwortet“, doch sei das „wohlbegründete Vertrauen auf schreckliche Weise missbraucht“ worden. Wörtlich sagte er laut Radio Vatikan: „Für mich gibt es hier null Toleranz.“ - In der Pressekonferenz betonte der Bischof, dass er dem als nicht-pädophil diagnostizierten Pfarrer eine zweite Chance habe geben wollen. Dass er den Opfern keine einzige Chance gab, ließ er unerwähnt.
Die routinemäßige Feststellung "Den Opfern gilt meine ganze Sorge" kann auf ihren Wirklichkeitsgehalt überprüft werden: Wann ist der Bischof mit den Opfern (dem Kind/Jugendlichen und der gesamten Kirchengemeinde) zusammengetroffen? Der angekündigte Besuch des Bischofs in Riekofen am 23.9. wurde abgesagt, ein neuer Termin ist unbekannt.
Pikant ist eine Formulierung, die möglicherweise auf schludrigen Sprachgebrauch zurückzuführen ist, aber möglicherweise der Wahrheit sehr nahe kommt: "Darum ist das Entsetzen bei dem schlimmen Vergehen gegen die Keuschheit durch einen geweihten Diener Gottes um so empörender."
Bedeutet diese Formulierung, dass der Bischof empört darüber ist, welches Entsetzen Kindesmissbrauch durch Kleriker hervorruft?
18.9.2007 Das Bistum Regensburg dementiert (SZ) die Behauptung des Spiegel, dass das Schweigen der Familie des Viechtacher Opfers mit Geld erkauft worden sei. Die ca 6500.- Euro habe der Täter selbst gezahlt, nicht das Bistum. Das Schweigen sei mit der Familie vereinbart worden - zum Schutz der Kinder. In einem Interview ("Der Kaplan war so komisch unruhig") berichtet die Mutter, dass sie von niemandem beraten wurde und vom Bistum über den Tisch gezogen wurde. - Dies bedeutet auch, dass die Fragwürdigkeit offen zutage tritt, die darin besteht, dass die Ombudsstelle der Bistümer nicht notwendigerweise mit neutralen Fachleuten besetzt wird, sondern mit Kirchenangehörigen. Wie die Besetzung der Gruppe "Missbrauchsbeauftragte" im Bistum Regensburg vorgenommen wurde und wer AnsprechpartnerIn ist, versuchte ich mit Anfrage vom 29.8.2004 rauszufinden. Die Anfrage wurde nie beantwortet. - Wer sich mit der psych. Verfassung von Missbrauchsopfern und deren Familien auskennt, weiß, dass sie keine zweite Frage an das Bistum stellen werden. Vermutlich sind also beide Darstellungen richtig: Die des Spiegel und der Mutter der Opfer von Viechtach trifft die Wahrheit - und das Bistum hat ebenfalls Recht, Letzteres allerdings nur der Form nach.
Wir sind Lichtjahre davon entfernt, dass Opfer in der kath. Kirche wirklich und wahrhaftig gehört werden. Das gilt bevorzugt für Missbrauchsopfer von Priester-Tätern. Es gilt aber auch für Opfer von Gewalt im Nahbereich, d.h. auch in sog. gut-katholischen Familien.
17.9.2007 "Dem SPIEGEL liegen Dokumente vor, die belegen, dass sein Ordinariat (gemeint ist Regensburg) - hart an der Grenze der Legalität - versucht hat, Kindesmissbrauch zu vertuschen: Schweigen sollte mit Geld erkauft werden. Einer der missbrauchten Jugendlichen wirft den Kirchenmännern vor: 'Es geht ihnen nicht um die Opfer, sondern vor allem darum, dass nichts an die Öffentlichkeit kommt. Das tut weh.' "
So formuliert der Spiegel.
Der Bischof hatte vor einigen Tagen formuliert, dass der "Vorfall eine Tragödie für die mutmaßlichen Opfer, aber auch für den verhafteten Geistlichen" sei. In einem Zeitungsinterview äußerte er, die Kritiker würden den Fall des Pfarrers missbrauchen und als Trittbrettfahrer ohne Rücksicht auf die Betroffenen agieren. "Wir lassen uns nicht verleumden und wenn das nicht aufhört, werden wir auch rechtlich dagegen vorgehen", wird der Bischof zitiert.
Quelle: br-online.de
Kommentar:
Als "Tragödie" wird ein Vorgang bezeichnet, der einen sittlich guten Charakter das Umschlagen von Glück ins Unglück erleben lässt; und zwar nicht, weil der Mensch schlecht oder gemein wäre, sondern weil er einen Fehler macht, der in der Regel aus mangelndem Wissen resultiert.
Interessant ist eine weitere Äußerung des Regensburger Bischofs. Er habe das Foto des jungen Mannes aus Viechtach in der Zeitung gesehen. "Er macht auf mich einen sympathischen Eindruck, und ich kann nur sagen, dass mir sehr leid tut, was ihm passiert ist."
Da stellt sich die Frage, was der Eindruck des Bischofs vom Opfer mit dem Missbrauch zu tun hat. Ist ein Missbrauch schlimmer, wenn das Opfer sympathisch ist - und weniger schlimm, wenn das Opfer unsympathisch ist? Oder ist es umgekehrt?
Ungeklärt scheint auch, dass das Ordinariat den verurteilten Pfarrer zwar "überwachte", ihn jedoch - bereits während seiner Psychotherapie und vor der Feststellung seines behandelnden Therapeuten, dass keine Gefahr mehr von ihm ausginge - freiwillig und ohne kirchl. Auftrag in der Gemeinde Riekofen aushelfen ließ, wo er in Kontakt mit Kindern/Jugendlichen kam.
Wie das Bistum Regensburg davon sprechen kann, dass die Leitlinien der Bischofskonferenz im Umgang mit pädophilen Priestern eingehalten wurden, entzieht sich meinem Verständnis. Und warum das Bistum sich auf die Antworten des Pfarrers, ob er rückfällig geworden sei, verließ, ist schleierhaft. Es dürfte bekannt sein, dass Sexualstraftäter es bekanntermaßen mit der Wahrheit nicht so ernst nehmen.
14.9.2007 Oh nein, nicht schon wieder, möchte ich gerne sagen. "Regensburg" reicht und ist erneut zu viel. Aus Italien kommen jedoch erneut makabre Mitteilungen. Ein bekannter Pater, Piero Gelmini (82), der sich um Zehntausende von Drogenabhängigen kümmerte, wird beschuldigt, 60 und mehr Menschen missbraucht zu haben. Unter ihnen sind auch Menschen, die in seinen inw. 164 Entzugsanstalten in Italien bzw. 74 ausländischen Anstalten leb(t)en. Gelmini ist Gründer der "Comunita incontro", die sich u.a. um HIV-Positive und Aids-Kranke Jugendliche kümmert. Er betonte seine vollkommene Unschuld.
Quelle: Der standard.at und
13.9.2007
Matthias Drobinski sagt in der SZ zum mutmaßlich neuesten Missbrauchsfall im Bistum Regensburg Folgendes: Das Gutachten über den pädophilen Priester, der bereits 2000 verurteilt wurde und dem nach der Therapie Unbedenklichkeit bescheinigt wurde, stammt vom Therapeuten des Priesters. Es scheint also gar kein unabhängiges Gutachten zu geben.
Nebenbei wird öffentlich, dass das zuständige Gremium, das auch im Bistum Regensburg existiert, bislang kein einziges Mal zusammentrat.
12.9.2007 In Wolfsburg darf ein Arzt, der wegen sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen, sexueller Nötigung von Patientinnen, Beleidigung und Körperverletzung seit Ende letzten Jahres in Haft saß, wieder in Wolfsburg praktizieren. Die Bezirksstelle Braunschweig der Ärztekammer war nicht zu einer Stellungnahme gegenüber der Presse bereit. Kollegen des verurteilten Arztes sind entsetzt und protestieren. Kommentar: Da fragt man sich, wo die Kollegen von priesterlichen Missbrauchstätern protestieren.
Quelle: newsclick.de
9.9.2007 Der Regensburger Bischof hat zum "Fall Riekofen" gemeint, Kindesmissbrauch sei  "schreiender Widerspruch zum priesterlichen Dienst“. Er äußerte die Hoffnung, dass die möglichen Opfer mit Hilfe von Seelsorgern die "furchtbaren Vorgänge" überwinden könnten.
Quelle: Mittelbayerische Zeitung
Kommentar: Wer weiß, wie schwer es für Menschen mit Gewalterfahrungen ist, vor Ort SeelsorgerInnen zu finden, die sich mit man-made-desaster/Traumatisierung auskennen, weiß auch, dass vor der Wirklichwerdung der bischöflichen Hoffnung noch viel Zeit vergehen wird und manche Fortbildung der SeelsorgerInnen nötig ist.
8.9.2007 Das Bistum Regensburg weist die von unterschiedlichen Stellen vorgetragene Kritik im Zusammenhang mit Missbrauchsvorwürfen gegen den Pfarrer von Riekofen erneut zurück. Das psychologische Gutachten habe eine pädophile Fixierung ausgeschlossen. Zudem habe es während der Arbeit des Pfarrers in einem Altenheim keinerlei Beauftragung für diesen gegeben, in der Gemeinde- und Ministrantenarbeit in Riekofen mitzuarbeiten.
Quelle: mehrere
6.9.2007 Die Augsburger Allgemeine berichtet, dass die Bistumsleistung von Regensburg den Riekofener pädophilen Priester bereits 2001, d.h. in der laufenden Bewährungszeit, wieder in der Gemeindeseelsorge eingesetzt habe. Bislang sprach das Bistum lediglich von seiner Beschäftigung im Altenheim. Der Pfarrgemeinderat nennt den Einsatz des pädophilen Priesters ein «grausames Experiment mit den Seelen unserer Kinder». Er fühlt sich hintergangen und getäuscht und fordert vom Bischof wenigstens jetzt die volle Verantwortung düe die damalige falsche Entscheidung.
Quelle: Augsburger Allgemeine
3.9.2007 Am Rande bemerkt: In dem Dorf Riekofen, Landkreis Regensburg, wurde am Sonntag für den Pfarrer gebetet, der wegen des Verdachts, ein Kind missbraucht zu haben, verhaftet wurde. Ein Gebet für das missbrauchte Kind gab es nicht - so berichtet es die Süddeutsche. Wer sich ein wenig in der täterschützenden Szene auskennt, versteht auf Anhieb, dass in der Gemeinde Unterschriften für den Pfarrer gesammelt wurden. Unvergessen ist ein Fall von Kindesmissbrauch in Uznach/Schweiz im Juli 2003. Dort solidarisierten sich gar die Eltern des Opfers mit dem Missbrauchstäter - gegen die eigenen Kinder. Der Pfarrer erhielt ca 1000 Solidaritätsbekundungen, das Opfer keine einzige.
Wenn Kirche bei den Missbrauchsopfern Glaubwürdigkeit wiedergewinnen will, wird sie einiges tun müssen.
3.9.2007 Pfarrer Georg Schmucki, Dekanat St. Gallen, fordert, dass Seelsorgende mit Pädokriminalität konfrontiert werden müssen. Er mahnt eine offene Gesprächskultur an, um die Gefahr von Übergriffen in der Seelsorge zu minimieren. "Bistümer, die sich bei diesem Thema in Schweigen hüllen, handeln fahrlässig", sagte Schmucki.
Quelle:  kath.ch
1.9.2007 Kommentar zur Nachricht vom 31.8.2007: Eigentlich müsste sich so langsam rumsprechen, dass Pädophilie nicht heilbar ist. Fachkreise - TherapeutInnen und PsychiaterInnen - müssten es wissen, katholische Kirche sollte es dringend wissen und dann auch beherzigen. Aus vier Gründen dürfte nicht passieren, was im Bistum Regensburg geschah und gestern öffentlich wurde:
Erstens und am allerwichtigsten: wegen der Opfer. In deren gesamtem Leben wird durch Missbrauch durch Kleriker ein entsetzliches Chaos angerichtet und  nicht so selten Gott für immer gemordet - vorsichtig formuliert
2. wegen der Täter. Ein Bistum, das einem verurteilten pädophilen Pfarrer ermöglicht, beruflich erneut durch den Einsatz in einer Kirchengemeinde mit Kindern in Kontakt zu kommen, verletzt seine Fürsorgepflicht auch gegenüber dem pädophilen Mitarbeiter. Die Fürsorgepflicht für einen gefährdeten Mitarbeiter würde es gebieten, ihn im verantwortlichen Umgang mit seiner irreversiblen und andere Menschen/Kinder vernichtenden Neigung zu unterstützen, statt ihm Kinder auszuliefern
3. wegen der Botschaft der Befreiung, die Kirche zu vermitteln hätte. Bucher's Artikel in Concilium über "Gottes Niederlage" ist mir unvergessen, weil sie hilfreich klar und eindeutig ist
4. wegen jener kirchlichen Mitarbeiter, die treu und redlich ihren nicht selten frustigen Job mit Überzeugung und Geradlinigkeit verrichten und durch Ereignisse wie derzeit und schon lange (?) in Regensburg und andernorts (?) kompromittiert werden - das haben diese redlichen Menschen nicht verdient
meint Rika - und mag ihr Entsetzen über die Vorgänge im Bistum Regensburg nicht verbergen
31.8.2007 Ein wegen Kindesmissbrauch vorbestrafter kath. Pfarrer im Landkreis Regensburg wurde nach neuen Vorwürfen verhaftet. Die Staatsanwaltschaft beschuldigt den 39-Jähringen, sich jahrelang an einem Ministranten sexuell vergangen zu haben. Im Juli erst war bekannt geworden, dass das Bistum Regensburg den Pfarrer trotz einschlägiger Vorstrafe wieder - zum Entsetzen nicht nur der bisherigen Opfer - in der Seelsorge eingesetzt hatte. Das Bistum hatte dazu erklärt, der Vorbestrafte sei nach einer Therapie geheilt. Überdies sei diese Prognose von einem psychiatrischen Gutachten bestätigt worden. Nunmehr zeigt sich das Bistum "schockiert".
Quelle: br-online

28.8.2007 German Robledo war bis 2004 Vorsitzender des Kirchengerichtes im Erzbistum Cali, Kolumbien. Im Februar 2006 legte er alle kirchlichen Ämter nieder, um freier über Missstände berichten zu können. Er beschuldigt den Klerus des Erzbistums Cali des massiven moralischen Versagens. Die US-amerikanische katholische Nachrichtenagentur CNS listet die Beschuldigungen auf: zahlreiche Priester unterhielten dauerhafte sexuelle oder homosexuelle Beziehungen und zweigten Spendengelder für die Versorgung der eigenen Kinder ab. Weiterhin seien Gelder dafür verwandt worden, Vermittler von Kindern zu bezahlen, die anschließend von den Geistlichen missbraucht wurden. Robledo seien Dutzende von Kindern bekannt, die Erpressungsgelder verlangt hätten, weil sie sexuelle Kontakte zu Priestern gehabt hätten. Schließlich seien Geistliche, die in den USA des sexuellen Missbrauchs von Jungen und Mädchen angeklagt gewesen seien, in der Erzdiözese Cali eingesetzt worden. Robledo beschuldigt den zuständigen Erzbischof Juan Sarasti Jaramillo, schon lange über die Vorwürfe informiert zu sein, aber nicht zu handeln. An die Öffentlichkeit sei Robledo gegangen, weil auch nach mehrmaliger Information des Erzbischofs nichts geschehen sei.
Quelle: kipa
17.8.2007 In der gestrigen Panorama-Sendung der ARD erhob ein ehemaliger Ministrant gegen den Würzburger Bischof den Vorwurf, die sexuellen Übergriffe durch einen Priester verschleiert zu haben. Der Bischof habe dem Opfer geraten, keine Anzeige zu erstatten, damit nichts an die Öffentlichkeit gelange. Laut br-online weist der Bischof die Vorwürfe zurück.
In einer (1.) Pressemeldung vom 16.8., von KNA verbreitet und auf der HP des Bistums eingestellt, wird der ARD-Bericht als falsch zurückgewiesen. Der Würzburger Leitende Oberstaatsanwalt Clemens Lückemann bezeichnete die Behauptung der sexuellen Nötigung auf Anfrage als "definitiv falsch". In der Pressemeldung wird auf Zeitungsberichte verwiesen, die nach dem Selbstmord des Angeschuldigten schrieben, der damals 22-jährige Mann habe mit dem Priester ein sexuelles Verhältnis gehabt und dieses beenden wollen. Er sei aber erst zur Polizei gegangen, als der Geistliche gedroht habe, sich umzubringen. Das Bistum Würzburg hatte nach dem Suizid des Priesters bereits erklärt, dass die Vorgänge innerkirchlich untersucht worden seien. Noch vor der Selbsttötung sei die Ablösung des Pfarrers beschlossen und vorbereitet worden. Der junge Mann habe eine ihm vom Bistum angebotene Therapie abgelehnt, so Hillenbrand.
Kommentar: Die Berichterstattung ist eher verwirrend als klärend. Warum die Pressemeldung von einem sexuellen Verhältnis (und dann ja wohl einvernehmlich) zwischen dem Angeschuldigten und dem Ankläger berichten und br-online zugleich schreiben kann, Generalvikar Hillenbrand habe Panorama gegenüber gesagt, dass sich in dem kirchenrechtlichen Verfahren der Untersuchungskommission "der Verdacht" gegen den Geistlichen erhärtet habe, ist unverständlich. Ja - was stimmt denn nun? Und um welchen Verdacht geht es eigentlich? Und warum - um Himmels willen - beteiligt sich ein Bistum an der unterschwelligen Opferbeschuldigung durch Veröffentlichung des o.a. Beitrages?
 
Nachtrag: Inzwischen gibt es eine Pressemeldung des Bistums Würzburg, datiert ebenfalls auf den 16.8.  Die 1. Pressemeldung der KNA ist auf der Internetoberfläche des Bistums Würzburg nicht mehr aufzufinden. In dem nun vorliegenden Statement des Generalvikars wird auf einen Hinweis auf Zeitungsberichte verzichtet, die das Opfer zum Täter machen.
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Deutlicher ist da der Bericht des Schweizer Fernsehens vom 18.7.2007: Pädophilie: Wie ein Priesterschüler zum Opfer wurde. Im katholisch geprägten Italien werden jedes Jahr durchschnittlich zehn Priester wegen sexueller Übergriffe auf Kinder verurteilt. In Palermo führt ein Opfer, Marco Marchese, heute eine Hilfsorganisation für andere Pädophilieopfer.
Quelle: http://www.sf.tv/sf1/10vor10/index.php. Im Archiv den 18.Juli 2007 aufsuchen. Der Film ist online.
Er beschreibt die häufigen Reaktionen: Die Kirche ist nicht zu einer Stellungnahme bereit; angesprochene Pfarrer verweigern das Gespräch; nur einer, ein Militärpfarrer, meint, diese Fälle werden aufgeblasen, er kenne jedenfalls keine pädophilen Kollegen. Der inzw. verurteilte Täter fragte nach dem Prozess sein Opfer, ob die Anzeige denn nötig gewesen sei. Ebenfalls nach dem Prozess erhielt Marco Marchese eine Rechnung des Bischofs von Agricento über Euro 200.000, weil er das Ansehen der Kurie beschmutzt habe. Die Rechnung wurde nach öffentlichem Protest zurückgezogen.
Zugleich es gibt dort einen Pfarrer, Fortunato di Noto, der Anzeige gegen drei Kollegen erstattete, die Kinder missbrauchten.

30.7.2007 Die Passauer Neue Presse berichtet, dass Generalvikar Michael Fuchs, Diözese Regensburg, gestern im Sonntagsgottesdienst die Gemeinde über die Sexualstraftat ihres Pfarrers informierte und betonte, es läge keine pädophile Fixierung vor und deshalb werde der Pfarrer weiterhin in der Gemeinde eingesetzt. Die Strafe hatte 12 Monate Freiheitsentzug betragen und war auf 3 Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Laut Presseberichten hat der Verurteilte kein Gespräch mit der Familie seiner Opfer geführt.
Abs. 12 der Leitlinien der Bischofskonferenz "Zum Vorgehen bei sexuellem Missbrauch Minderjähriger durch Geistliche im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz" besagt: "Nach Verbüßung seiner Strafe werden dem Täter keine Aufgaben mehr übertragen, die ihn in Verbindung mit Kindern und Jugendlichen bringen."
In einer Stellungnahme des Bistums Regensburg heißt es u.a.: "10. Das Bischöfliche Ordinariat bedauert, dass der Vorfall bei den Betroffenen auch nach der langen Zeit noch nicht abschließend aufgearbeitet ist, und steht nach wie vor zu der in der Vereinbarung (EK: mit den Eltern) zugesicherten Übernahme der Kosten für ärztlich indizierte therapeutische Begleitung."
Kommentar: Hier wird die Erwartung an die Opfer formuliert, dass doch irgendwann einmal "der Vorfall" vergessen sein muss. Diese Erwartung zeugt von anhaltender und profunder Unkenntnis über die Folgen sexueller Gewalt.
26.7.2007 Die Passauer Neue Presse berichtet, dass ein Kaplan, der zwei Brüder missbrauchte, inzwischen als Pfarrer eingesetzt wurde. Das Bistum Regensburg hält den Pfarrer für geheilt.
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