Kirche
                      und Missbrauch
Dokumentation sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche
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Sexuelle Gewalt in der katholischen Kirche 2002

Christliche Initiative Romero 4/2002: Inzest und sexueller Missbrauch in Nicaragua


2002 Kinderpornografie als wachsender Wirtschaftszweig.
Quelle: Weltwoche

ORF 31.1.2002: Die katholischen Orden in Irland entschädigen Missbrauchsopfer in kirchlichen Heimen mit 128 Mill. Euro.

5.2.2002 Die Ombudsstelle in Wien hat in den vergangenen sechs Jahren 53 Missbrauchsfälle durch Priester und kirchliche MitarbeiterInnen behandelt. Das berichtet Helmut Schüller, der Leiter der Wiener Ombudsstelle. Er geht von einer hohen Dunkelziffer aus, auch wenn jährlich nur etwa 10 Fälle durch Kirchenmitarbeiter bekannt werden. Außerdem weist er darauf hin, dass die Qualitätsprüfungen für Priesteramtsanwärter höher angelegt werden müssen, auch wenn es weniger Bewerber gebe.
Quelle: ORF

11.2.2002 Die US-Diözese Long Island ignorierte Anzeichen von Kindesmissbrauch jahrelang und schritt nicht ein, wenn es Alarmsignale gab, die auf Vergewaltigungen und andere Formen des Missbrauchs hindeuteten. Die Verantwortlichen haben die Anzeichen wissentlich ignoriert und die mutmaßlichen Täter, Priester, in andere Gemeinden versetzt. Verantwortlichen sei z.B. bekannt gewesen, dass Kinder in den Privaträumen von Priestern übernachteten und Alkohol verabreicht bekamen.
Quelle: ORF

22.2.2002 Das Verfahren gegen den Pariser Weihbischof Di Falko wird nach Informationen der Erlanger Nachrichten (S. 10) wegen Verjährung eingestellt.

1.3. 2003: 15 Jahre Haft für US-Priester wegen sexuellen Missbrauchs. Im US-Bundesstaat Missouri ist ein katholischer Priester wegen sexuellen Missbrauchs zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Sein Opfer, ein heute zehn Jahre alter Junge, war über einen Zeitraum von drei Jahren wiederholt von dem Priester missbraucht worden.
Quelle: dpa 

20.3.2002 Katholische Kirche erschüttert
21.3.2002 Papst erschüttert

28.3.2003 Polnischer Erzbischof Paetz zurückgetreten Er bezeichnete sich als Opfer von Falschinterpretationen seiner Freundlichkeit und Spontaneität. Den Medien warf er geschmacklose und lügnerische Attacken und Beschuldigungen vor. Eine Zeitung hatte berichtet, dass mehrere Priester und Kleriker Paetz der sexuellen Belästigung beschuldigten. Der Rücktritt, der wohl nicht freiwillig war, wurde vom Papst angenommen.

 14.1.2002 Der deutsche Franziskanerbruder Alexander Nicolaus W. (35) sowie ein Touristenpaar wurden wegen sexuellen Missbrauchs eines achtjährigen Jungen in Brasilien festgenommen. Der Franziskaner arbeitete in Joao Pessoa, Paraiba, seit Jahren mit Kindern armer Familien.
Quelle: welt.de

4. 4.2002 Selbstmord nach Missbrauchsvorwurf: In den USA hat eine Frau gegen den katholischen Priester Don Rooney den Vorwurf erhoben, sie vor 22 Jahren sexuell missbraucht zu haben. Damals war sie noch minderjährig. Der Priester wurde von der Erzdiözese Cleveland zu einem Gespräch einbestellt, erschien nicht und wurde schließlich mit einer Schusswunde im Kopf in seinem Auto auf einem Parkplatz gefunden.

4. 4.2002 Klage gegen Vatikan hat durchaus Erfolgschancen
In den USA haben zwei Männer den Vatikan und römisch-katholische Diözesen wegen der Vertuschung von Missbrauchsfällen verklagt. Völkerrechtsexperten räumen der Klage teilweise Erfolgschancen ein.
Der Kläger Rick Gomez, 28, wurde nach seinen Angaben als 14-jähriger Schüler einer katholischen Schule in Florida wiederholt von zwei Geistlichen missbraucht. Einer der mutmaßlichen Täter soll bis heute in New Jersey im Amt sein. Der Anwalt der Kläger, Jeffrey Anderson, warf der Kirche vor, die beiden Geistlichen immer wieder über Staatsgrenzen hinweg versetzt zu haben, um sie vor der Strafverfolgung zu schützen. Ein anderer Priester soll in Irland Kinder missbraucht haben und wurde in die USA versetzt. Auch dort sollen in den 60er Jahren Minderjährige sexuell belästigt haben.
Auch Papst Johannes Paul II. hat vor kurzem zum Thema sexueller Missbrauch durch Priester Stellung genommen. Er verurteilte die Priester, die "ihr Gelübde gebrochen haben" und erklärte, die Kirche stehe den Opfern nahe. Die jüngsten Vorfälle "werfen einen dunklen Schatten des Verdachts auf alle anderen Priester, die ihr Amt ehrlich und keusch ausüben", meint der Papst.

8.4.2002 Der irische Bischof Oliver Comiskey hat seinen Rücktritt eingereicht. er gab öffentlich zu, den Priester, dem sexueller Missbrauch von Kindern vorgeworfen worden war, nicht sofort von seinen Aufgaben entbunden zu haben.
Quelle: ORF
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9. 4.2002 Bostoner Kirche - Bischof Law hat Missbrauch jahrelang gedeckt

10.4.2002 ORF berichtet: Immer wieder haben sich Priester sexuell an Minderjährigen vergangen. Die Folge: Bischofsrücktritte in Polen und Irland - Milliardenzahlungen an Missbrauchsopfer in den USA: Katholiken klagen an.  
Der irische Priester Sean Fortune soll in den vergangenen 20 Jahren mehr als hundert Jugendlichen sexuelle Gewalt angetan haben, in mehr als 70 Fällen kam es zu einer Anzeige. Ebenso lange waren seine Vergehen den Kirchenoberen bekannt, ohne dass diese wirksam reagierten.   
Drei Männer schildern ihre Erfahrungen mit Pater Fortune: wie er sie verführte, vergewaltigte, einschüchterte und oft für ihr weiteres Leben schwer verstörte; wie niemand darüber zu sprechen wagte und wie die zuständigen Bischöfe die Angelegenheit herunterspielten, als schließlich doch die ersten Beschwerden kamen. Ein amerikanischer Priester, der selbst aktiv im Widerspruch zur bisherigen Kirchenpolitik stand, kritisiert die Abgehobenheit und Arroganz der Macht, mit der Kirchenobere bisher gelegentlich die strafbaren Verfehlungen ihrer Priester deckten.
Seit Jänner 2002 verfolgt der Vatikan eine neue Politik: sobald derartige Verfehlungen bekannt werden, müssen sie umgehend und direkt nach Rom gemeldet werden, wo die weitere Vorgangsweise beschlossen wird. Die ersten Auswirkungen dieser Politik sind offenbar bereits zu spüren: Am Gründonnerstag trat ein polnischer Bischof zurück, der selbst ins Kreuzfeuer von Missbrauchsvorwürfen gelangt war. Am Ostermontag übernahm einer beliebtesten Bischöfe Irlands, Brendan Oliver Comiskey die Verantwortung für die jahrelange Vernachlässigung der Opfer im dokumentierten Fall des Iren Sean Fortune und trat ebenfalls zurück.

11.4.2002 Missbrauch in Wald (D) "Über diesen und ähnliche Fälle wurde in der römisch-katholischen Kirche bislang meist geschwiegen. Das soll sich nun ändern. Noch in diesem Monat wollen die deutschen Bischöfe über den angemessenen Umgang mit pädophilen Priestern beraten. Das Thema kam auf die Tagesordnung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), nachdem in den vergangenen Wochen in den USA, in Polen und in Irland spektakuläre Fälle von Kindesmissbrauch durch Priester bekannt wurden."
16.4.2002 Weihbischof tritt zurück (D) Der Mainzer Weihbischof Franziskus Eisenbach hat seinen Rücktritt eingereicht. Er war von einer Frau, deren Seelsorger er war, des sexuellen Missbrauchs und der Körperverletzung beschuldigt worden. Das Bistum Mainz hatte eingeräumt, dass es zu "körperlichen Zuwendung" gekommen sei.
Quelle: ORF 

16.4.2002 Krisensitzung im Vatikan In den USA wird der Kirche vorgeworfen, viele Fälle von Kindesmissbrauch durch Geistliche  über Jahre vertuscht zu haben. Sechs US-Bischöfe sollen von dem Missbrauchstäter John Geoghan, dem Missbrauch von über 130 Menschen vorgeworfen wird, gewusst haben, der 30 Jahre lang von Gemeinde zu Gemeinde versetzt wurde. Die Diözesen in den Bundesstaaten Kalifornien, Maine, New Hampshire und Pennsylvania haben Priester wegen Kindesmissbrauchs ausgeschlossen.


17.4.2002 Law bleibt im Amt (USA)
22.4.2002 US-Bischöfe wollen Konsequenzen aus Sex-Skandalen ziehen
23.4.2002 Wachsende Kritik an katholischer Kirche in den USA
23.4.2002 Katholische Kirche hat für US-Sex-Skandale schon teuer bezahlt

23.4.2002 Deutsche Bischöfe gegen schärfere Sanktionen bei Kindesmissbrauch durch Priester (D) Der Ständige Rat der Bischofskonferenz hat beschlossen, keinen einheitlichen Sanktionskatalog einzuführen. Die Maßnahmen sollen von den einzelnen Bistümern beschlossen werden.

24.4.2002 H.E.Richter über Pädokriminalität. Sexueller Missbrauch durch Priester kann nach Einschätzung des Gießener Psychoanalytikers Horst-Eberhard Richter bei den Opfern "schwere und langwierige Folgeschäden" hervorrufen. "Der Täter stellt für Kinder eine geistig-moralische Autorität dar, so dass ihre Widerstandskraft von vornherein beeinträchtigt und eine Verarbeitung dieser Vergewaltigung besonders erschwert wird", sagte Richter am Mittwoch in einem Gespräch mit der Deutschen Presse- Agentur (dpa). 

Sexuelle Übergriffe von Kirchenmännern könnten bei Burschen Zweifel an der eigenen sexuellen Identität und an der eigenen Männlichkeit wecken. "Es ist ganz schwer, sich von den Schuldgefühlen zu befreien, dass man mitgemacht und geduldet hat", berichtete der Wissenschafter. Das könne Störungen des Selbstwertgefühls und schwere Hemmungen zur Folge haben. Auch das Gottesbild der Opfer nehme gewaltigen Schaden: "Wenn sich die Kirche als Vermittlerin der religiösen Wahrheit als verlogen und kriminell entlarvt, werden Kinder in ihrem Glauben irritiert, wenn ihre religiöse Überzeugung nicht gar ganz zerstört wird."


23.4.2002 Null - Toleranz (USA)
23.4.2002 Papst verurteilt Pädokriminalität als Verbrechen
24.4.2002 Entlassung? (USA)

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24.4.2002 Pressestimmen
24.4.2004  Christ in der Gegenwart  - Entschädigung bei sexuellemMissbrauch durch Geistliche
25.4.2002 US-Bischöfe wollen Missbrauch durch Priester ausmerzen (USA)

25.4. 2002: Lob aus dem Ausland für Entschuldigung der US-Kardinäle
Dublin (AP) Die Entschuldigung der US-Kardinäle für ihr Fehlverhalten im Skandal um sexuelle Verfehlungen von Priestern ist in anderen, ebenfalls von derartigen Fällen betroffenen Ländern verhalten positiv aufgenommen worden. Die in Dublin erscheinende «Irish Times» schrieb am Donnerstag von einem «wegweisenden Schritt», der die Mauer des Schweigens und des Leugnens durchbrochen habe.
Eine Vereinigung von 800 Opfern priesterlicher Misshandlungen in Irland bezeichnete die Reaktion der Kirche jedoch als nicht weitgehend genug. «Letztlich sagt der Papst, dass Priester im Amt bleiben können, bis ihnen nachgewiesen wurde, dass sie eine ganze Reihe unschuldiger Kinder missbraucht haben», erklärte John Kelly, Vorsitzender der Irischen Überlebenden von Kindesmissbrauch.
Die italienische Zeitung «La Stampa» überschrieb ihren Artikel über das zweitägige Treffen von Papst Johannes Paul II. mit den US-Kardinälen mit den Worten «Öffentlich schmutzige Wäsche gewaschen». Der «Corriere della Sera» hielt es den US-Medien zugute, den Papst und die Kardinäle zu bislang ungekannter Offenheit gezwungen zu haben. «Etwas Neues passiert im Vatikan: sich direkt mit einer skandalösen Realität zu befassen und öffentlich darüber zu sprechen», schrieb die Zeitung.
In Österreich wiesen Kirchenvertreter einen Zusammenhang zwischen dem Zölibat und sexuellen Verfehlungen einer Minderheit von Pfarrern zurück. Bischof Egon Kapellari aus der Diözese Steiermark erklärte, viele Fälle von Kindesmissbrauch geschähen in Familien, wo das Zölibat keine Rolle spiele.
Der in London erscheinende konservative «Daily Telegraph» schrieb, viele Kritiker richteten sich gegen die katholische Kirche an sich: «Eine Minderheit will die Kirche zerstören und wird (den Skandal der) "Pädophilie" als praktische Waffe nutzen, um dies zu erreichen.» Weiter schrieb das Blatt: «Ein Mann wird nicht pädokriminell, weil ihm eine Frau fehlt. Es ist unter Psychologen allgemein anerkannt, dass ein typischer Kinderschänder kein im Zölibat lebender Geistlicher ist, sondern ein verheirateter Mann.»

April 2002, Irish Times: Kirche in Irland will zahlen
Auch in Irland setzen sich Opfer sexuellen Missbrauchs zur Wehr. Sie wollen in der von der Bischofskonferenz geplanten Untersuchungskommission vertreten sein. Die Zeitung «Irish Times» berichtete gestern, die Bischofskonferenz sei auch mit der Forderung konfrontiert, Ordensgeistliche in die Untersuchung miteinzubeziehen. Bereits im Januar hatten katholische Orden in Irland erklärt, sie wollten Opfer von sexuellem Missbrauch in kirchlichen Heimen mit 128 Millionen Euro entschädigen.

24. April 2002: Sexskandal auch in der katholischen Kirche der Bahamas
Nassau (AP) Nach dem ersten Tag des Krisentreffens amerikanischer Bischöfe mit Papst Johannes Paul hat auch die katholische Kirche der Bahamas mehrere Fälle von sexueller Gewalt gegen Kinder eingeräumt. Bei der Aufdeckung der Straftaten habe es personelle Konsequenzen bis hin zur Entlassung von Priestern gegeben, teilte Erzbischof Lawrence Burke am Dienstag in Nassau mit. Die katholische Kirche des Karibikstaats habe schon 1994 strenge Richtlinien für den Umgang mit sexuellem Missbrauch erlassen. «Ich persönlich sehe dies auch als Chance für die Kirche, in eine Zeit der Erneuerung einzutreten», sagte der Geistliche zu der öffentlichen Kontroverse über den Missbrauch von Kindern durch Priester in den USA.

25.4.2002 Katholische Kirche am selbstverschuldeten Pranger

25.4.2002 Bischof entschuldigt sich per Inserat für Missbrauchsfälle (USA)

25.4.2002: Task Force in der Schweiz
Auch in der Schweiz sorgten in den letzten Wochen sexuelle Übergriffe von Priestern für Schlagzeilen. Die Schweizer Bischöfe wollen in den nächsten Monaten eine Task Force aus Juristen, Psychologen und Vertretern der Kirche einsetzen. Zudem soll mit einer Broschüre dem Kindsmissbrauch durch Seelsorger präventiv vorgebeugt werden. (Quelle: KIPA ?)

2. 5.2002 Interview mit U. Rauchfleisch über Missbrauch 
Drei Dinge schlägt Rauchfleisch vor:
1. Die Opfer müssen als solche anerkannt werden und Hilfe finden. Dabei reichen finanzielle Wiedergutmachungen nicht aus.
2. Opfer und damit therapeutischer Hilfe bedürftig sind aber auch die Täter, die in einem sie schädigenden, ihre Persönlichkeit "verbiegenden" System leben, das sie gerade dann im Stich lässt, wenn Hilfe am dringendsten angesagt ist.
3. Letztlich ist eine effiziente Änderung der Situation und die Verhinderung weiterer Übergriffe aber nur möglich, wenn die Leitenden in der Kirche bereit sind, überholte (Macht-)Strukturen und lebensfeindliche Postulate kritisch zu hinterfragen und zu verändern.

2. 5.2002 Missbrauch in Italien
In Italien sind in den vergangenen Jahren 7 Priester wegen pädokrimineller Taten zu Haftstrafen verurteilt worden. In Norditalien gibt es 2 Zentren zur Behandlung pädophiler und psychisch gestörter Priester - in Intra und in Trient. Der Präsident einer italienischen Organisation zum Minderjährigenschutz, Antonia Marziale sagt, auch in Italien sei Kindesmissbrauch durch Geistliche relativ verbreitet, sie würden allerdings mehr noch als in den USA verschwiegen.

3. 5.2002 Kalifornischer Priester verhaftet
Pater Paul Shanley wurde in San Diego festgenommen. Ihm werden drei Missbrauchsfälle zwischen 1983 und 1990 zur Last gelegt. Einen heute 24-Jährigen habe er sieben Jahre lang sexuell missbraucht. Zu Beginn war das mutmaßliche Opfer sechs Jahre alt. Die Erzdiözese Boston hatte Dokumente veröffentlicht, in denen Shanley beschreibt, dass er sich regelmäßig wegen sexuell übertragbarer Krankheiten behandeln ließ.

  6. 5.2002 Boston: Steigende Missbrauchsklagen Inzwischen ist von 150 Fällen die Rede.
  6. 5.2002 Boston zieht Entschädigungszusagen zurück
  7 .5.2002 Law muss aussagen
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8.5.2002 Täter im Talar -  Die katholische Kirche ist weltweit in Verruf geraten, weil sich Priester an Kindern vergehen. Auch in Deutschland ermitteln Staatsanwälte wegen des Verdachts der Pädophilie. Ein Blick in den Abgrund von Christian Schuele
Derzeit laufen 13 (staatliche) Verfahren gegen kath. Priester in Deutschland.
Quelle: Zeit  zeit.de

17.5.2002 US-Kardinal Roger Mahony, Los Angeles, übernimmt Verantwortung für pädokriminelle Priester  Er gibt zu, den heute 56-jährigen Michael Stephen Baker, der seine pädophilen Neigungen zugegeben hat, mehrfach von einer Pfarrei in eine andere versetzt zu haben.

Renate Bühn, Künstlerin, erzählt in den Verdener Nachrichten vom 30.5.2002: Von 2000 Sexualtätern "werden nur 100 angezeigt und wiederum nur 15 tatsächlich angeklagt. Drei davon werden freigesprochen, zehn bekommen eine Bewährungsstrafe und nur zwei müssen tatsächlich mit einer Haftstrafe rechnen." Renate Bühn nennt sexuellen Missbrauch ein "sicheres Verbrechen". (s. auch: http://www.frau-lot.de/frame.htm) Zur Illustration ist in den unten angeführten Presseberichten zu studieren, wie mit einem Opfer üblicherweise umgegangen wird. Vielleicht wird hier verständlicher, warum Opfer lieber schweigen als sich der Isolation auszusetzen. Im statistischen Mittel muss ein Mensch sechs Menschen vergeblich um Hilfe gebeten haben, bevor ein siebter Mensch ihm Gehör und Glauben schenkt. Vielleicht können Sie ein wenig ermessen, wie schwer es ist, auch nur EINEN Menschen um Hilfe zu bitten und wie schwer es ist, nach sechs vergeblichen Anfragen bei der siebten Bitte um Hilfe noch einen Rest Hoffnung bewahrt zu haben.

3. 6.2002 Tatort Kirche
Quelle: SWR

13. 6.2002 Kardinäle sprachen mit Missbrauchsopfern. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Wilton Gregory, warnte seine Mitbrüder vor dem Versuch, eventuelle weitere Fälle von sexuellem Missbrauch durch Priester in ihren Diözesen zu verbergen. Wer jetzt noch von einem Fall Kenntnis habe und gegen alle Hoffnung glaube, dass dieser nicht ans Tageslicht kommen werde, gehöre "zu den Bedauernswertesten aller Menschen", sagte Gregory vor Journalisten. Er betonte, das Treffen von Dallas sei aus seiner Sicht "das bedeutsamste Treffen, das die US-Bischofskonferenz jemals hatte". Es sei der erste Schritt, um die Glaubwürdigkeit zwischen den Bischöfen und den Gläubigen wieder herzustellen. In Dallas gehe es vor allem darum, die Menschen davon zu überzeugen, dass die Bischöfe ihre Fehler bereuten und fest entschlossen seien, ihr Verhalten zu ändern.
Quelle: ORF

14.6.2002 US-Bischöfe haben mit Missbrauchsopfern gesprochen. Dabei - so US-Nachrichtenagenturen - hatten viele Bischöfe Tränen in den Augen. Bei der Frühjahrstagung der rund 280 katholischen US- Bischöfe in Dallas (US-Bundesstaat Texas) sagte der amtierende Vorsitzende der Bischofskonferenz, Wilton Gregory, am Donnerstag: "Ich biete hiermit jedem von Ihnen, die von einem Priester oder einem Kirchenangestellten Leid erfahren haben, meine tiefstempfundene Entschuldigung an." Gregory fügte hinzu. "Was wir Bischöfe getan und was wir unterlassen haben, hat zu dem Missbrauch beigetragen. Wir werden jede Anstrengung unternehmen, die Kirche durch Ihre (der Missbrauchten) Augen zu betrachten." Auch die Opfer pädophiler Priester kamen auf der Tagung zu Wort: "Die Kirche muss das Ausmaß des Schadens erkennen, der den Opfern zugefügt wurde", sagte Craig Martin aus Minnesota, der als Bub von einem Priester sexuell missbraucht worden war. "Alle Geistlichen, die sich an Minderjährigen vergangen haben, müssen aus der Kirche entfernt werden", verlangte Michael Bland. Während die Opfer in drastischen Worten über ihre seelischen und körperlichen Qualen berichteten, schwiegen die fast 300 Bischöfe gebannt, viele mit Tränen in den Augen.
Quelle: ORF
Kommentar: Ich glaube, dass in diesen Gesprächen tatsächlich etwas Entscheidendes geschehen ist. Kirche hat Opfer selbst zu Wort kommen lassen UND ihnen zugehört. Kirchenleute, denen es möglich ist, Mit-Leid zu fühlen (Com-Passion), werden hoffentlich anders mit Menschen umgehen können, die unter die Räuber gefallen sind, als dies bislang üblich war. Es bleibt zu hoffen, dass das BEispiel der amerikan. Bischofskonferenz Schule macht.

15.7.2002 Vertuschen und Versetzen - vom Umgang mit sexueller Gewalt in der katholischen Kirche.
Quelle: Spiegel

22.7.2002 Essen: 1980 verübte der Direktor einer Essener Behinderteneinrichtung Missbrauch an einem Jugendlichen. Der Täter wurde entpflichtet und in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Weihbischof Grave betonte, es sei ihm ein "persönliches Anliegen, zu einer gerechten und offensiven Behandlung von Pädkriminalitäts-Fällen vorzustoßen und jegliches Zögern bei der Einleitung der notwendigen Schritte zu vermeiden." Der verantwortliche Personalleiter für die Geistlichen des Ruhrbistums, Prälat Martin Pischel, berichtete vor der Presse, dass der missbrauchte Jugendliche von damals selbst Priester geworden ist. Er fühlte sich in seiner pastoralen Tätigkeit überfordert und suchte deshalb das Gespräch mit Pischel. In diesem Zusammenhang sei das Vergehen erneut zur Sprache gekommen. 1993 habe es Gespräche mit den damals Verantwortlichen der Diözese gegeben, die aber zu keinen Konsequenzen geführt hätten. Zwischen dem 13. und 18. Lebensjahr des Opfers habe sich aus einem Betreuungs- ein freundschaftliches und dann ein sexuelles Verhältnis entwickelt, das dann aber durch das Opfer abgebrochen wurde.
Quelle: Kirchensite

17.9.2002 Bischof Grave sagte zu sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche, dass etwa jeder 60.-90. Priester verstrickt sei. Der Mainzer Bischof Karl Lehmann erwartet neue Vorwürfe gegen Priester wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch. "Nüchtern betrachtet muss man wohl mit weiteren Enthüllungen dieser Art rechnen", schreibt er in einem Beitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Nach Angaben des Essener Weihbischof Grave sind von den insgesamt 18.000 Priestern in Deutschland zur Zeit 200 bis 300 in Fälle von Pädokriminalität verwickelt. Die Vorfälle träfen die "Kirche in diesem Land ähnlich wie in den Vereinigten Staaten ins Mark". Sexuellen Missbrauch gebe es auch in anderen Berufsgruppen. "Aber die Kirche stellt sich hier selbst unter einen besonderen Anspruch; deshalb wiegt jede Schwäche um so schwerer. Wir müssen uns jetzt selbstkritisch fragen, ob es uns immer gelungen ist, dem Handlungsanspruch in einzelnen Fällen gerecht zu werden."
Quelle: Gazette
...... Bernd Hans Göhrig, Bundesgeschäftsführer der Initiative "Kirche von unten" in Bonn, hat Lehmann inzwischen zum Rücktritt aufgefordert. Als Vorsitzender der Bischofskonferenz habe er von einigen Missbrauchs-Fällen gewusst und nicht die notwendigen Konsequenzen gezogen. Der Kardinal lasse zudem nicht das "nötige Unrechtsbewusstsein für die eigene Kirche" erkennen. Gleichzeitig warnte Göhrig vor einer pauschalen Verdächtigung aller Priester. Die Mehrzahl handele in der Jugendarbeit korrekt und mit großem Idealismus.


21.9.2002 Brandbrief nach Rom. Der Kirche in Deutschland wird vorgeworfen, nicht ausreichend und nicht schnell gegen Missbrauchstäter vorzugehen.
Quelle: Spiegel

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27.9.2002 Chronologie der Maßnahmen gegen sexuellen Missbrauch in der kath. Kirche

1.10.2002: Vatikan nimmt Rücktritt von argentinischem Erzbischof an
Der Vatikan hat am Dienstag das Rücktrittsangebot des argentinischen Erzbischof Edgardo Storni angenommen. Dem 66-jährigen Geistlichen wurde vorgeworfen, mindestens 47 junge Männer seines Priesterseminars sexuell missbraucht zu haben. Sein Rücktrittsangebot verband der Erzbischof von Santa Fe in der vergangenen Woche mit der Erklärung, dass sein Entschluss keinerlei Schuldeingeständnis bedeute. Die Vorwürfe gegen Storni wurden in einem Buch mit dem Titel «Nuestra Santa Madre» erhoben. Die Autorin Olga Wornat schreibt darin, dass der Vatikan schon 1994 Untersuchungen von sexuellen Übergriffen an dem Priesterseminar eingeleitet, diese aber wegen mangelnder Beweise nicht mehr weiterverfolgt habe.
Quelle: AP - Buenos Aires 

USA: Kardinal Bernard Law will ins Kloster
Der als Erzbischof zurückgetretene Bostoner Kardinal Bernard Law will sich in ein Kloster außerhalb der Erzdiözese zurückziehen. Seine Verpflichtungen als Kardinal wolle er jedoch weiter wahrnehmen, kündigte Law vor Journalisten in Boston an. Dazu zählt vor allem das Papstwahlrecht. Law will zudem der Justiz bei der Aufklärung der Missbrauchsfälle zur Verfügung stehen. Erneut entschuldigte sich der 71-Jährige, der wegen des Umgangs mit pädokriminellen Priestern in die Kritik geraten war, bei den mutmaßlichen Missbrauchsopfern.
Papst Johannes Paul II. hatte am Freitag das Rücktrittsgesuch des Erzbischofs angenommen. Der Kardinal verzichtete damit auf die Leitung der Erzdiözese Boston, die mit zwei Millionen Katholiken zu den größten der USA zählt. In einer Erklärung entschuldigte sich Law bei allen, "die wegen meiner Unzulänglichkeiten und Fehler gelitten haben". Er äußerte laut "Kathpress" die Hoffnung, dass die Erzdiözese nun die so dringend nötige Versöhnung und Einheit finden könne.

5.11.2002: Revidierte Normen zu Missbrauchsfällen

6.11.2002 18 Monate bedingt für Rudersdorfer Pfarrer. Das Urteil im Prozess gegen den Rudersdorfer Pfarrer ist gefallen. Es lautet: 18 Monate bedingt auf drei Jahre. Dem Pfarrer wurden sexueller Missbrauch und Verletzungen des Suchtgiftgesetzes vorgeworfen. Er zeigte sich in allen Punkten geständig. Der 35-jährige Pfarrer gab mit dem Geständnis zu, mit Jugendlichen im Rudersdorfer Pfarrhaus gemeinsam derbe und sexuelle Gespräche geführt zu haben, sie auch zu sexuellen Handlungen aufgefordert zu haben und ihnen Haschisch gegeben zu haben.  Sein Anwalt Herbert Lienhart riet ihm, vor Gericht keine Aussagen mehr zu machen. Dennoch versuchte der 35-Jährige seine Taten zu erläutern. Er führte seine schwer angeschlagenen Psyche ins Treffen wie auch sein Alkoholproblem, dass er zum Zeitpunkt der Ereignisse gehabt hätte. Vor rund einem Jahr wurde der Pfarrer vom Dienst suspendiert und kurz darauf in U-Haft genommen. Diözesanbischof Paul Iby zeigte sich damals in einer Reaktion "sehr betroffen" über die Entwicklungen im Zusammenhang mit der Verhaftung des suspendierten Seelsorgers. Iby hatte den Pfarrer nach dem Aufkommen erster Vorwürfe im Dezember 2001 in Schutz genommen.
Quelle: ORF
Bischof Iby stellt sich hinter Pfarrer
Nach einem persönlichen Gespräch mit dem überraschend beurlaubten Pfarrer von Rudersdorf und Dobersdorf (Bezirk Jennersdorf) reagierte Diözesanbischof Paul Iby Samstag Nachmittag und nahm zu den Vorwürfen Stellung. Ausgelöst wurde die ganze Angelegenheit durch einen anonymen Anrufer, der den Pfarrer des Drogenmissbrauchs und homosexueller Handlungen beschuldigte. Bischof Iby stellt sich nach dem Gespräch jedoch hinter seinen Priester. Er habe den Eindruck, dass hier Anschuldigungen "zusammengedacht seien, die nicht der Wahrheit entsprechen", meinte der Bischof in einem Interview mit "Burgenland Heute". Beim Anrufer handle es sich seiner Meinung nach um den Zustand einer Person, die "nicht ganz nüchtern war". Bei der Arbeit mit schwierigen Jugendlichen sei es in Rudersdorf öfters zu Spannungen gekommen. Vorläufig bleibt der Priester noch beurlaubt von seinen Aufgaben in den beiden Pfarren. Bischof Iby möchte noch das Ergebnis der Untersuchung abwarten. "Ich hoffe, dass das Ergebnis bringt, dass er schuldlos ist, und dann kann er als Priester wieder tätig werden", meint der Bischof.
Ins Rollen gekommen war die Sache durch einen anonymen Telefonanruf bei Generalvikar Johannes Kohl Ende November. Anfang Dezember kam es zu einem Gespräch zwischen Kohl und dem aus dem Nordburgenland stammenden Pfarrer. Der katholische Priester von Rudersdorf und Dobersdorf wurde dann am Mittwoch vom Dienst beurlaubt. Der Grund waren die schweren Vorwürfe im Zusammenhang mit Drogen und Homosexualität. Der Pfarrer bestreitet aber diese Vorwürfe. 
Diözesanbischof Paul Iby hatte den Priester zunächst zwar seines Amtes enthoben. Doch Bischof und Generalvikar betonen, dass nach wie vor die Unschuldsvermutung zu gelten habe. Der Pfarrer selbst bestreitet alle Vorwürfe und spricht von einer Kampagne gegen seine Person.
Drei Wochen lang saß der Pfarrer damals in Untersuchungshaft. Er wurde mit der Auflage entlassen, zu keinem, der Zeuge war oder ist, Kontakt aufzunehmen.

Vor Richter Wolfgang Rauter zeigte sich der 35-Jährige in allen Punkten, die ihm vorgeworfen wurden, geständig. Die Anklage stützte sich auf die Aussagen einiger Burschen, die zum Zeitpunkt der betreffenden Handlungen zwischen 14 und 16 Jahre alt waren. Zu Zeugenaussagen kam es vor Gericht nicht. Sie wurden unter Ausschluss der Öffentlichkeit nur verlesen. Dem Hauptbelastungszeugen schließlich wurde nur eine geringe Glaubwürdigkeit unterstellt. Am Nachmittag fiel das Urteil: 18 Monate bedingt auf drei Jahre. Der Pfarrer nahm das Urteil zwar an, es ist aber noch nicht rechtskräftig. Die Staatsanwältin hat sich noch nicht dazu geäußert. Wie die berufliche Zukunft des Pfarrers nun aussieht, weiß derzeit noch niemand.
Quelle: ORF

20.11.2002 Sexueller Missbrauch im Stift Seitenstetten
Im Stift Seitenstetten soll sich ein Frater jahrelang an Ministranten sexuell vergangen haben. Es handelt sich um 53 Straftatbestände. Die 8 Missbrauchsopfer waren zur Tatzeit unter 14 Jahre. Die Taten wurden zwischen 1986 und 1989 verübt, sind mithin verjährt.
Die mittlerweile erwachsenen Männer sprechen nicht nur von Belästigungen, sondern von sexuellem Missbrauch. Der Frater hat die Taten gestanden. Der Abt des Stiftes Seitenstetten, Berthold Haigl, entschuldigt sich: "Es lässt sich vieles nicht gutmachen. Wir haben auch unser tiefstes Bedauern und unsere Bitte um Vergebung mitgeteilt im Gespräch. Und sie möchten nicht, dass das jetzt in der Öffentlichkeit abgehandelt wird, das ist gerichtlich abgehandelt worden."

Quelle: ORF

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2.12.2002 Bischof Bernard Genoud bittet um Verzeihung
Bischof Bernard Genoud hat in einem Interview mit der Sonntagszeitung «dimanche.ch» alle Opfer eines pädokriminellen Schweizer Ordensmannes um Verzeihung gebeten.
«Ich ersuche die Opfer sehr demütig und schmerzlich um Verzeihung für das Böse, das ihnen einer unserer Priester angetan hat», erklärt Bernard Genoud, Bischof von Lausanne, Genf und Freiburg, im Interview. Darin kommt er auf die Sendung «Temps présent» des Westschweizer Fernsehens vom 19. September zurück, die auch einem Mann das Wort gab, der in den späten 80er Jahren in Freiburg von einem Schweizer Ordensmann sexuell missbraucht worden war. Der Geistliche war darauf von seinen Ordensobern in eine Niederlassung nach Frankreich versetzt und zu einer psychologischen Behandlung verpflichtet worden.
Bischof Bernard Genoud, damals noch nicht im Amt, weist im Zeitungsinterview den Vorwurf zurück, der Fall sei seinerzeit von der Kirche unter den Teppich gekehrt worden: «Das Bistum und die Ordensverantwortlichen haben sofort die nötigen Massnahmen ergriffen.»
Zum Thema «Sexuelle Übergriffe in der Seelsorge» stellen die Schweizer Bischöfe am kommenden Donnerstag in Bern ein Schreiben sowie eine neu eingesetzte Fachgruppe vor.
Quelle: Freiburger Nachrichten, 02.12.2002

8. 12. 2002 Bistum Essen beurlaubt Priester
Essen (AP) Wegen des Verdachts auf ein strafbares Fehlverhalten gegenüber einem Kind ist ein 37 Jahre alter Priester des Bistums Essen mit sofortiger Wirkung von seinem Dienst beurlaubt worden. Das teilte das Bistum Essen am Sonntag mit. Der Kaplan habe sich bei der zuständigen weltlichen Behörde selbst angezeigt, hieß es in der Erklärung. Weitere Angaben machte die bischöfliche Pressestelle nicht.
Quelle: Yahoo-Nachrichten

12.12. 2002: Pädokriminalität: Wollte Vatikan verschleiern? In den USA wird der Vorwurf geäußert, dass der Papst in einem Brief vom 25. Mai 1999 empfohlen hatte, dass Missbrauchstäter in eine Gegend ziehen sollen, wo ihre Vergehen nicht bekannt sind. Sollte jedoch die Anwesenheit des BEtroffenen am ursprünglichen Wohnort keinen Skandal hervorrufen, müsse kein Umzug getätigt werden. Einer der mit Entschädigungsklagen mutmaßlicher Missbrauchsopfer befassten Anwälte, Roderick MacLeish, sieht in dem römischen Schreiben einen Beweis dafür, dass es der katholischen Kirche auch 1999 noch in erster Linie um "die Vermeidung von Skandalen ging" und nicht vordringlich um Opferschutz. Quelle: ORF

13.12.2002 Law zurückgetreten
Bostons Kardinal Law zurückgetreten: Der umstrittene Erzbischof von Boston, Kardinal Bernard Law, ist zurückgetreten und bittet um Vergebung für "Unzulänglichkeiten und Fehler". Law hatte pädokriminelle Priester geduldet.
Quelle: ORF


17.12.2002 Vier Jahre Haft für Priester wegen Missbrauch 
Dortmund. Wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes muss ein katholischer Priester, der Ende der 90er Jahre als Vikar im westfälischen Holzwickede tätig war, vier Jahre ins Gefängnis. Dieses Urteil fällte die IX. Strafkammer am Dortmunder Landgericht am Dienstag (17.12.02). Sie ging damit über das Strafmaß von dreieinhalb Jahren hinaus, das die Staatsanwältin gefordert hatte. Weitere Missbrauchsfälle, die dem Geistlichen in der Vergangenheit zur Last gelegt worden sind, müssen strafrechtlich ungesühnt bleiben, weil die Jungen zur Tatzeit bereits das 14. Lebensjahr vollendet hatten. Der mittlerweile suspendierte Priester hatte zu Beginn des Verfahrens Anfang Dezember gestanden, drei Jugendliche sexuell missbraucht zu haben.
Die Begründung des Richterspruchs glich einer Ehrenerklärung für das heute 18-jährige Opfer, das jahrelang als verlogen und rachsüchtig verleumdet wurde und aus Gemeinde und Klassenverband ausgegrenzt war. Der Geistliche war bereits vor der Priesterweihe in Verdacht geraten, hatte 1999 im Paderborner Generalvikariat Kindesmissbrauch eingestanden, dies aber später als Missverständnis dargestellt. Der Vikar war nach Bekanntwerden der Anklagevorwürfe von Holzwickede nach Dortmund strafversetzt worden. Auch dort sind laut Prozess Jugendliche weiterhin bei ihm ein- und ausgegangen, ebenso wie später in Paderborn. In seiner Urteilsbegründung kritisierte der Vorsitzende Richter, dass weder der Angeklagte, noch die Menschen, die das Opfer ausgegrenzt hatten, ein Wort der Entschuldigung gefunden hätten.
Quelle: Kirchensite
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