Missbrauch und
                Kirche
Dokumentation sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche
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Sexuelle Gewalt in der katholischen Kirche 2017



16.10.2017 Das Bistum Hildesheim veröffentlicht das Gutachten zu Missbrauchsfällen, nennt Versäumnisse und gibt Empfehlungen für die Zukunft. Der Missbrauchsbeauftragte der Bischofskonferenz nimmt Stellung dazu. Dem Gutachten des IPP zufolge tragen Verantwortliche des Bistums Hildesheim und des Jesuitenordens eine Mitverantwortung am sexuellen Missbrauch von Kindern in den vergangenen Jahrzehnten. Die Gefährdung von Kindern sei von Bistum und Jesuitenorden "wissentlich in Kauf genommen worden", heißt es in dem Gutachten, das von gravierenden Versäumnissen spricht. Im Fall des Priesters Peter R., dem elf Fälle sexualisierter Gewalt im Bistum Hildesheim nachgewiesen wurden, werfen die Münchener Experten dem Bistum ein "Muster des Wegschauens" vor. Peter R. stand im ZEntrum der sexuellen Gewalt im Canisius-Kolleg mit über 100 Opfern. Der Jesuitenorden habe den Täter loswerden wollen und das Bistum Hildesheim habe ihn inkardiniert. Laut IPP waren dem Bistum sechs Fälle sexualisierter Gewalt im Zeitraum von 1989-1997 durch Peter R. bekannt. Inzwischen wurden ihm elf Fälle nachgewiesen. Das Gutachten formuliert: "Der damalige Umgang des Bistums Hildesheim mit diesen Fällen ist von einem Muster der Naivität, Verantwortungslosigkeit und unklaren Kommunikation geprägt." Vor allem lasteten sie dem Bistum an, den Priester nach intern bekannt gewordenen Missbrauchsfällen immer wieder in andere Gemeinden versetzt zu haben, ohne über den tatsächlichen Grund zu informieren.
Der Missbrauchsvorwurf gegen den 1988 verstorbenen Hildesheimer Ex-Bischof Heinrich Maria Janssen lässt sich laut Gutachten nicht mehr abschließend aufklären.
Quellen:
bistum-hildesheim.de   NDR

16.10.2017 Der Livestream zum Gutachten Bistum Hildesheim ist unter https://www.bistum-hildesheim.de/ erreichbar, bzw. unter https://www.youtube.com/watch?v=16RJW9gEQnc oder beim NDR
14.10.2017 Am Montag, 16.10. um 11 Uhr wird das Bistum Hildesheim das Gutachten zu den Missbrauchsvorwürfen gegen den verstorbenen Bischof Heinrich Maria Janssen und den pensionierten Priester Peter R. (Canisius-Kolleg) vor.
Quelle: NDR

12.10.2017 Der Mitarbeiter der Vatikanbotschaft in Washington, der Kinderpornografie in einem kirchlichen Computer in Kanada heruntergeladen und verbreitet hat, wird mit Haftbefehl gesucht. Er hält sich im Vatikan auf, soll jedoch nicht ausgeliefert werden. Der Vatikan soll die Überstellung mit Verweis auf die diplomatische Immunität abgelehnt haben. Das vatikan. Pressemant reagierte nicht auf die Bitte um eine Stellungnahme.
Quelle: katholisch.de


11.10.2017 In Leipzig war die zweite öffentliche Anhörung zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs in der DDR. Für die Expertise wurden 250 Fälle gesichtet und 150 genauer ausgewertet, sagte Mitautorin Stefanie Knorr. Die Expertise sei jedoch nur ein Anfang. „Es muss weiter gearbeitet werden, sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen gehört zu den weißen Flecken in der Wahrnehmung der DDR-Geschichte“. Corinna Thalheim, Vorstandsvorsitzende der Betroffeneninitiative "Missbrauch in DDR-Heimen" sagt, dass sexuelle Gewalt in den Heimen der DDR noch kaum Beachtung finde. Sie fordert eine Gleichstellung mit anderen Opfern des DDR-Regimes.
Quelle: Sächsische Zeitung  bmfsfj.de  Eine Frau berichtet - Triggergefahr!

11.10.2017 Am Rheinbacher Konvikt der Pallottiner gab es Anfang der 1960er Jahre mindestens drei Fälle des sexuellen Missbrauch. Ein Täter soll sein Opfer im Jahr 2009 mit 50.000 Euro abgefunden haben. Das geht aus einer eidesstättlichen Erklärung des inzwischen verstorbenen Opfers hervor. Der Provinzial habe das Geld im Gegenzug zu einem „Stillschweigen über die Sachverhalte des Vergleichs“ gezahlt. Der Opferverteter Prof. Becker sagt, der Betroffene habe diese notarielle Vereinbarung als Schweigegeld verstanden. Der Pallottiner Norbert Possmann bestätigte den Sachverhalt, will die Zahlung aber anders verstanden wissen: Es sei nicht üblich und auch damals nicht üblich gewesen, Geld zu zahlen und Schweigen zu vereinbaren. Dies sei nur in diesem einen Fall geschehen, man habe sich auf Anraten des Anwaltes auf diesen Passus geeinigt. „Ich wollte, dass die Leute reden und den Tätern die Macht über sie nehmen“, so Possmann weiter.
Quelle: Generalanzeiger
Kommentar: Wie soll das gehen: Jemand will, dass die Opfer reden und erlegt zugleich Schweigen auf?

11.10.2017 Vier Wochen nach (!) der Veröffentlichung des Berichts über Missbrauchsfälle am Collegium Josephinum in Bad Münstereifel hat das Erzbistum Köln einen Geistlichen, der zuletzt im Rhein-Sieg-Kreis tätig war, wegen früherer sexueller Übergriffe aus dem Dienst genommen. Der Pressesprecher des Erzbistums sagte, dass unter Verdacht auf Missbrauch stehende Priester mitunter noch viele Jahre seelsorgerisch tätig sein, liege daran, dass man zunächst den Hinweisen nachgehe. Erst wenn die Hinweise konkret genug seien, seien personalrechtliche Konsequenzen möglich, die aber bestimmte Voraussetzungen erfüllen müssten.

Quelle: Generalanzeiger  Rundschau online

10.10.2017 Vor zehn Jahren wurde der Prozess gegen zwei Männer in dem bayerischen 200-Seelen-Dorf Eschenau (Unterfranken) wegen Kindesmissbrauchs eröffnet. Der eine Beschuldigte beging Selbstmord, der andere wurde zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Die Opfer, ihre Familien und die Menschen, die sich mit ihnen solidarisch zeigten, wurden beschimpft, verachtet, bedroht, des Rufmords beschuldigt, mit "Haus- und Hofverbot" belegt. Viele von ihnen zogen fort. Heute sind die Gräben noch immer da, obwohl Mediatoren eingeschaltet wurden. Der Bürgermeister stellt fest: "Nach zehn Jahren muss ich leider sagen, dass es mir und uns allen nicht gelungen ist, die sogenannten Opferfamilien wieder so im Dorf zu integrieren, dass auch deren Leistung – und es war eine mutige Leistung, das damals publik zu machen – dass das von allen honoriert wird. Es gibt viele, die das mutig fanden, die das mir auch sagen, die das auch die Familien spüren lassen, aber es ist doch noch ein Graben da, der noch nicht ganz zugeschüttet ist.“ Der Bürgermeister sagte, er habe versucht, die Menschen zu bewegen, wieder auf die Opfer und ihre Familien zuzugehen. Das aber sei schwierig.
Quelle: br.de

9.10.2017 Der Hollywood-Produzent Harvey Weinstein hat mutmaßlich über Jahre hinweg wiederholt Frauen sexuell belästigt und sich in mindestens acht Fällen außergerichtlich mit ihnen auf eine Entschädigung geeinigt. Bemerkenswert sind die Leserbriefe zu dem Artikel über Harvey Weinstein. Sie erklären, warum Frauen noch immer schweigen, statt über die sexuelle Gewalt zu sprechen und Anzeige zu erstatten.
Quelle: welt.de

7.10.2017 In Argentinien wurden seit 2002 bislang 66 kath. Priester wegen sexueller Missbrauchsvergehen angeklagt. Neun wurden verurteilt.
Quelle: batimes.com.ar

7.10.2017 Bischof Ackermann, Missbrauchsbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz, sagt, die Prävention sei weiterhin Chefsache. Aber es gebe Ermüdungserscheinungen. Die Kirche habe eine große Lerngeschichte hinter sich.
Quelle: radiovaticana.va
Kommentar: Die Lerngeschichte der kath. Kirche, d.h. ihrer VertreterInnen, aber auch der Gläubigen an der Basis, reicht nach meiner Erfahrung nicht sehr weit. Bislang war es nicht einmal möglich, in Deutschland den vom Vatikan empfohlenen Gebetstag für Missbrauchsopfer durchzuführen. Wenn überhaupt, dann sind bei den Kirchenleitenden Opfer von Klerikern im Blick, noch gar nicht im Blicke sind jene MitchristInnen und Mitmenschen, die in ihren Familien oder im Nahbereich sexuell missbraucht wurden. Ich denke, sie müssen wahrgenommen werden, wenn Kirche von einer "Lerngeschichte" sprechen will. Dass es in Deutschlad auch nicht den vom Vatikan empfohlenen Gebetstag für Missbrauchsopfer gab, müsste eigentlich nachdenklich machen. Darüber hinaus sind es nicht die Bischöfe, die beurteilen können, ob für die Opfer, die keine Prävention mehr erreicht, genug Hilfreiches getan wurde. Nur: Sie müssten gefragt werden.Das geschieht m.W. jedoch nicht oder nur ausnahmesweise.   

6.10.2017 In der "Erklärung von Rom" hat der Weltkongress "Child Dignity in the Digital World" vom 3.-6.10. an der Gregoriana in Rom folgende Institutionen aufgefordert, alles zum Schutz von Kindern zu tun: Führungspersönlichkeiten weltweit, Führer der Weltreligionen, Parlamente in der Welt, Führungskräfte in IT- Unternehmen, Gesundheitsminister und Leitungsmitglieder von NGOs, Regierungsbehörden, Zivilgesellschaft und Strafverfolgungsbehörden, medizinische Einrichtungen, Regierungen und private Institutionen, Gesetzgebungsorgane, private Unternehmen weltweit. Sie müssen über Schwere und Ausmaß von Missbrauch und Ausbeutung informieren und Führungspersönlichkeiten zum Handeln auffordern, Gesetze effektiver gestalten, neue Technologien entwickeln, die die Verbreitung von Missbrauchsbildern im Internet bekämpfen, Hilfen für minderjährige Missbrauchsopfer stärken und Behandlungsprogramme - auch im Dunklefeld -  verbessern, Strafverfolgungsorganisationen müssen ihre Zusammenarbeit erweitern, medizinisches Fachpersonal verbessern, Forschung intensivieren, Kinder und Jugendliche zum verantwortungsvollen Umgang mit dem Internet befähigen.
Quelle: childdignity2017.org

6.10.2017 Kardinal Luis Antonio Tagle, Erzbischof von Manila und Präsident von Caritas Internationalis, fordert mit Blick auf die Kindheit einen Kulturwandel in Asien, eine "ernsthafte Auseinandersetzung mit der Kindheit und der Würde des Kindes". Auf den Philippinen hätten die meisten Missbrauchsfälle einen familiären Bezug. Außerdem forderte Tagle, die Stimme der Opfer hörbarer zu machen.
Quelle: Radio Vatikan
s. auch Die Hölle von St. Philomena


6.10.2017 Unter der Überschrift "Kirche strebt Führungsrolle bei Kinderschutz an" berichtet das Internetportal katholisch.de, dass der Papst beim Kongress "Child Dignity in the Digital World" gesagt habe, man habe das Thema in den eigenen Reihen tabuisiert und vertuscht. Mittlerweile zeige sich die Kirche jedoch sensibilisiert und bemühe sich, eine internationale Führungsrolle beim Schutz von Kindern einzunehmen.
Quelle: katholisch.de

6.10.2017 Bei der Papst-Audienz des Kongresses der Gregoriana "Child Dignity in the Digital World" nannte der Papst drei Wege, um die durch das Internet vermittelten Missbrauchsmöglichkeiten anzugehen: 1. Müsse man die Schwierigkeiten sehen und nicht unterschätzen; zweitens dürfe man nicht nur von technischen Lösungen Hilfe erwarten und drittens dürfe das Internet nicht als eine Welt ohne Regeln und ohne Grenzen angesehen werden. Die Kirche, sagte der Papst, habe aus ihren Fehlern gelernt und fühle sich daher besonders stark verpflichtet, sich für den Schutz Minderjähriger und ihrer Würde im Inneren der Kirche, in der Gesellschaft und in der ganzen Welt einzusetzen.
Quelle: Radio Vatikan   press.vatican.va   https://www.youtube.com/watch?v=yYTlpv4Aw00

6.10.2017 Das Amtsgericht in Melbourne hat festgestellt, dass das gegen Kardinal George Pell vorgelegte Beweismaterial die Eröffnung einer Anhörung - terminiert auf 5. März 2018 - rechtfertige. Am Ende der Anhörung wird nach ca 4 Wochen entschieden werden, ob es zu einem Hauptverfahren kommt. Pell wird sowohl die Vertuschung von Missbrauchsfällen als auch sexueller Missbrauch von männlichen Jugendlichen vorgeworfen. Pell war eine zentrale Figur im Bistum Ballarat - sowohl als jemand, der an der Vertuschung beteiligt war als auch als jemand, der gegen sexuellen Missbrauch kämpfte. 2002 war Pell von einem Kirchengericht der Erzdiözese Melbourne aus Mangel an Beweisen von dem Vorwurf, einen Jungen sexuell missbraucht zu haben, freigesprochen worden. Pell bestreitet die Vorwürfe.
Quelle: kath.ch  orf  domradio  katholisch.de

5.10.2017 Marie Collins, ehemaliges Mitglied der Päpstlichen Kinderschutzkommission, die aus Frust über die Behinderung der Arbeit zurückgetreten ist, äußert sich besorgt über die Umstrukturierungspläne der Kommission. Opfer sollen in Zukunft nicht mehr Mitglieder der Kinderschutzkommission sein, sie sollen in ein Beratungsgremium ausgelagert werden. Collins ist besorgt, dass die Überlebenden dann nur noch gehört werden, wenn die Kommission es für angebracht hält. Die sonstige Arbeit würde dann ohne Zutun von Überlebenden stattfinden.
Darüber hinaus schlägt Collins vor, dass die Kommission befugt werden sollte zu prüfen, wie der Vatikan die Empfehlungen der Kommission nach ihrer Genehmigung durch den Papst umsetzt. Besorgt ist Collins auch darüber, dass das Vatikanische Büro der Kommission bei der Entscheidungsfindung eine zu große Rolle spielen könne.
Quelle: ncronline.org

5.10.2017 Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Rörig, appelliert an die künftigen Koalitionspartner, jetzt ein neues Kapitel im Kampf gegen sexuellen Kindesmissbrauch aufzuschlagen und sich deutlich hinter den Schutz der Kinder und Jugendlichen vor sexueller Gewalt zu stellen. Er fordert den Deutschen Bundestag u.a. auf, noch im Jahr 2018 ein „Kindesmissbrauchsbekämpfungsgesetz“ zu verabschieden und das Opferentschädigungsgesetz zu reformieren.
Quelle: beauftragter-missbrauch.de


30.9.2017 Die kanadische Justiz hat Haftbefehl gegen einen Vatikandiplomaten erlassen. Der Geistliche ist ranghoher Mitarbeiter der Botschaft des Heiligen Stuhls in Washington. Ihm wird Konsum und Verbreitung von Kinderpornografie über einen kirchlichen Rechner vorgeworfen. Die Straftat ereignete sich zwischen dem 24. und 27.12.2016 in Windsor/Ontario in Kanada. Ein Festnahmeersuchen an den Vatikan, wo sich der Beschuldigte aufhält, hat Kanada nicht gestellt. Der Vatikan hat strafrechtliche Ermittlungen aufgenommen.
Quelle: http://religion.orf.at/stories/2869516/

30.9.2017 Im Bistum Würzburg wurde ein Priester angestellt, der sich als Missbrauchstäter mit langer Vorgeschichte entpuppte. Hier ist die Geschichte der mutmaßlichen Vertuschung durch kirchliche Stellen und der Förderung eines pädophilen Priesters durch kirchliche Stellen nachzulesen. Zuvor hatte sich auch die politische Gemeinderätin Teresa Arrieta (PUK Bürgerliste Klosterneuburg) in einem Offenen Brief an das Stift Klosterneuburg gewandt.
Quelle: profil.at

29.9.2017 Die italiensiche Bischofskonferenz hat eine Arbeitsgruppe gegen sexuellen Missbrauch eingerichtet. Leiter des neuen Arbeitskreises ist mit Lorenzo Ghizzoni der Erzbischof von Ravenna.
Quelle: de.radiovaticana.va

28.9.2017 Der Kongress "Child dignity in the digital world" wird vom Kinderschutzzentrum der Gregoriana, Rom, ausgerichtet. Rund 150 Fachleute tagen vom 3.-6. Oktober. Der Initiator, Pater Zollner, hat die Fachleute auf höchster Ebene, Wissenschaft, Regierungen, NGOs wie UNICEF, Polizei, Medienvertreter und Medienfirmen und Vertreter verschiedener Religionen an einen Tisch bekommen. Die Teilnahme am Kongress erfolgt auf persönliche EInladung. "Die Stimme von Opfern sexuellen Missbrauchs eröffnet die Veranstaltung. 'Wir werden mit einem kleinen Video beginnen, in dem dargestellt wird, welchen Schaden sexueller Missbrauch bei Kindern und Jugendlichen anrichtet. Wir haben uns entschieden, keine direkten Opfer einzuladen, weil es sich ja auch um sehr junge Menschen handeln würde und wir eine Retraumatisierung verhindern möchten.' Stattdessen werden zehn Studierende aus verschiedenen Ländern und Universitäten, die in Rom ansässig sind, in den zehn Arbeitsgruppen ihre Sicht auf die digitale Welt einbringen", heißt es im Bericht von Radio Vatikan. Die Konferenz wird im Internet übertragen über http://childprotection.unigre.it/.
Quelle: Radio Vatikan

26.9.2017 In den USA wird die Opferinitiative SNAP ("Survivors Network of those Abused by Priests"), die seit 29 Jahren Missbrauchsopfer von Priestern begleitet, von den katholischen Bischöfen als Bedrohung für die katholische Kirche angesehen. Die Gründungsmitglieder David Clohessy und Barbara Blaine (gest.24.9.2017) weisen den Vorwurf der Kirche, SNAP füge der Kirche "unsäglichen Schaden" zu, zurück. Man könne von SNAP nicht behaupten, der Verein füge den Missbrauchsopfern und deren Familien "die ja schließlich genauso wie die Bischöfe zur Kirche gehörten, irgendwelchen Schaden zu. Richtig beschädigt hätten die Bischöfe die Kirche durch ihr ruchloses Verhalten im Umgang mit den von Priestern begangenen Sexualverbrechen.
Quelle: imprimatur

25.9.2017 Die Päpstliche Kinderschutzkommission hat derzeit ihre letzte Vollversammlung nach 3 Jahren Arbeit. Ziel der Arbeit ist, die Stimme der Opfer von Missbrauch durch Kleriker noch besser als bisher hörbar zu machen, weiter an den Richtlinien für die lokalen Bischofskonferenzen zu arbeiten und bei der Aufklärung und Ausbildung von Kirchenmitarbeitern und Geistlichen zu arbeiten. Die Kommission hat dem Papst den Vorschlag gemacht, eine Art Opfer-Beirat einzurichten. Bislang waren zwei Opfer Mitglied der Kommission.
Quelle: radiovaticana.va
Der ncronline.org machte bereits im August darauf aufmerksam, dass mit der Neustrukturierung der Kommission Ende 2017 Missbrauchsopfer ihre direkte Rolle in der Päpstlichen Kinderschutzkommission verlieren werden - faktisch ist mit der Suspendierung von Peter Saunders (2/2016) und dem Ausstieg von Marie Collins (3/2017) schon jetzt kein Opfer mehr in der Kommission.
Kommentar: Wenn keine Opfer mehr in der Päpstlichen Kinderschutzkommission sind, besteht die Gefahr, dass der Opfer-Beirat nur dann gehört wird, wenn die Kommission das möchte. Eine Mitbestimmung bei Entscheidungen ist dann nicht mehr möglich. Wenn zugleich betont wird, dass Opfer mit der Einrichtung eines Beirates noch besser als bisher gehört werden, ist das eine Doppelbotschaft - und solche Doppelbotschaften sind Missbruchsopfern sehr vertraut.
23.9.2017 Norbert Lüdecke im Gespräch mit Christoph Fleischmann über die Studie der australischen königlichen Missbrauchskommission und die Missbrauchsstudie am Collegium Josephinum in Münstereifel. Lüdecke stellt fest, dass die australische Studie von ehemaligen Priestern, also Kennern des Systems, durchgeführt wurde. ... "Denn wer nach spezifischen Merkmalen von Missbrauch in der Kirche sucht, und das muss man, wenn Prävention nicht blind und bloße PR bleiben soll, der muss das katholische System, also sein Ideengebäude und seine rechtliche Struktur verstehen....Der Pflichtzölibat funktioniert weithin nicht .. Es ist ein dysfunktionaler Zölibat, der das Problem ist. ... Der Pflichzölibat ist keine lineare Ursache für Kindesmissbrauch... Er ist EIN Faktor, der in Kombination mit anderen Risikofaktoren... riskant werden kann... Wer Fragen ausblendet, gewinnt m.E. verlorene Glaubwürdigkeit nicht zurück...Es muss eine offene Auseinandersetzung darüber stattfinden, dass viele Forscher den nicht funktionierenden Pflichtzölibat als ein Problem ansehen, ... das relevant sein kann für die Missbrauchsproblematik. Das reicht doch schon, um sich damit auseinanderzusetzen. Das aber regelmäßig damit abzublocken, dass man sagt, es kann hier keinen Zusammenhang geben, dann brauche ich auch keine Untersuchung, wenn ich die Antworten immer schon vorher kenne."
Quelle: wdrmedien-a.akamaihd.net
23.9.2017 Der Pfarrer, der im Bistum Würzburg einen Minderjährigen missbrauchte, hatte bereits 1993 im Stift Klosterneuburg einen Messdiener missbraucht. Nach Angaben des Stiftes brach der Kontakt zw. dem Kloster und dem Täter 1994 ab. Der Täter war jedoch bis 1996 in Klosterneuburg gemeldet und bis 1998 in einer Wohnung in Wien, die dem Stift gehört.
Quelle: profil.at  noe.orf.at

23.9.2017 Nach kirchenrechtlichen Voruntersuchungen wird dem früheren Pfarrer der katholischen Gemeinde Freisen Missbrauch von Minderjährigen in mehreren Fällen vorgeworfen. Das Bistum werde dem Vatikan empfehlen, ein kirchenrechtliches Strafverfahren einzuleiten. Weiterhin dürfe der 63-Jährige keine Messe feiern. Staatsanwaltliche Ermittlungen waren u.a. wegen Verjährung eingestellt worden.
Quelle: sr.de
Wie es denen erging, die Opfer waren oder den Opfern beistanden, ist hier nachzulesen.
s. auch saarbruecker-zeitung.de 13.7.2016  zeit.de 3.5.2017  epochtimes.de 3.5.2017

22.9.2017 Papst Franziskus sagte "Avvenire", dass er sich zu Beginn seiner Amtszeit bei der Begnadigung eines Priesters nach sexuellem Missbrauch geirrt habe. Das werde er nie wieder tun. Der "Osservatore Romano" berichtete davon nichts. Der "Osservatore Romano" informierte lediglich, der Papst habe zusätzlich zum offiziell verteilten Redetext vor der Päpstlichen Kinderschutzkommission auch eigene Überlegungen ohne Manuskript vorgetragen. Franziskus bezog sich auf den Priester Don Mauro Inzoli, genannt "Don Mercedes", der im Dezember 2012 unter Papst Benedikt aus dem Priesterstand entlassen wurde. 2014 wurde ihm nach seinem Einspruch lediglich ein zurückgezogenes Leben in Gebet und demütiger Zurückhaltung auferlegt. Nach seiner staatlichen Verurteilung 2016, die Taten zwischen 2004 und 2008 ahndete, wurde er erneut aus dem Priesteramt entlassen. - Der Papst hatte davon gesprochen, dass Inzoli zwischen 2014 und 2016 erneut straffällig geworden wäre. Die Anwälte Inzolis korrigierten den Papst, der sei wohl schlecht informiert gewesen.
Quelle: orf  katholisch.de

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21.9.2017 Pater Hans Zollner, SJ, berichtet, dass der Vatikan seine Kommunikation mit Missbrauchsopfern vertiefen wolle, denn es brauche mehr als eine Eingangsbestätigung. Der Vatikan arbeite an einem System und wolle ein Modell entwickeln, "wie man auf die Anfragen von Missbrauchopfern in zig Sprachen an verschiedene Stellen im Vatikan per Brief und E-Mail reagieren" könne, sagte Zollner.
Quelle: domradio.de
  religion.orf.at katholisch.de

21.9.2017 Der Papst hat vor der Päpstlichen Kinderschutzkommission die Null-Toleranz-Politik des Vatikans im Umgang mit kirchlichen Missbrauchsfällen bekräftigt und gesagt, die Kirche habe spät auf den Missbrauch reagiert. Die Päpstliche Kinderschutzkommission will bis zum Sonntag über einen opferzentrierten Ansatz bei der Aufarbeitung und in der Präventionsarbeit sprechen und eine Bilanz ihrer bisher geleisteten Arbeit ziehen.
Quelle: radiovaticana.va
Hinweis: Auf der Internetseite der Päpstlichen Kinderschutzkommission wird Peter Saunders weiterhin als Mitglied geführt. Saunders wurde suspendiert ("eine Auszeit nehmen"). - Nach Angaben der Kommission fanden acht Treffen statt:
Das Gremium tagte am 6.-7.2.2015 zum ersten Mal. Das zweite Treffen fand vom 9.-11.10.2015 statt, ein drittes 7-tägiges Treffen war im Februar 2016, vom 5.-11.9.2016 fand ein viertes Treffen statt und vom 24.-26.3.2017 war die achte Vollversammlung. Über das 5.-7. Treffen liegen mir keine Informationen vor.

21.9.2017 Der katholische Bischof der Diözese Crookston, Michael Hoepner, steht vor Gericht, weil er Informationen über Missbrauch zurückgehalten hat. Ein Opfer von Monsignore Roger Grundhaus, Vasek, sagt, er sei von Bischof Hoepner bedroht und eingeschüchtert worden, um über den sexuellen Missbrauch zu schweigen. Der Bischof habe gedroht, Vasek am Diakonen-Amt zu hindern.
Quelle: wday.com

21.9.2017 Ärzte arbeiten an einem Handbuch für den Umgang mit Missbrauchsverdacht. Es soll Ende 2018 erscheinen.
Quelle: aerzteblatt.de

20.9.2017 Anlässlich des Weltkindertages sagt der Bundesbeauftragte Missbrauch: "Kindern eine Stimme geben, heißt auch, dass es Erwachsene braucht, die diese Stimmen hören und entsprechend handeln!"
Quelle: beauftragter-missbrauch.de

20.9.2017 Daniel Pittet wird interviewt. Erneut wird Vergebung genannt, was Pittet so definiert: "Die Vergebung bedeutet, dass ich in meinem Peiniger einen Menschen sehe, der Verantwortung trägt." Der Kommentator meint: "Für die katholische Kirche wäre Daniel Pittet ein Glücksfall, wenn das bei dem, was ihm angetan wurde, möglich wäre. Er macht seiner Kirche keinen Vorwurf, in deren Schoß der Täter, der mehr als 20 weitere Kinder vergewaltigt hat, lange gedeckt wurde." Hans Zollner spricht davon, dass klar werden muss: "Menschen, die verwundet worden sind durch uns, in unseren Institutionen, müssen Platz finden." - Die EU geht davon aus, dass 20% aller Kinder sexuelle Gewalt erleben.  
Quelle: Deutschlandfunk
s. auch: blick.ch  Teil 2 blick.ch

20.9.2017 Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung weist anlässlich des Weltkindertages darauf hin, dass das Sprechen über sexuelle Gewalt in unserer Gesellschaft noch immer aus Angst und Scham für viele unmöglich ist. Dieses Schweigen müsse überwunden werden, sagt Rörig. Dazu brauche es personelle und finanzielle Ressourcen und der Schutz von Kindern und Jugendlichen müsse ins ZEntrum politischer Entscheidungen gerückt werden.
Quelle: beauftragter-missbrauch.de


19.9.2017 Erzbischof Barbarin, Lyon, stand bereits im Februar 2017 vor Gericht wegen Nichtanzeige von sexuellen Übergriffen gegen Minderjährige und wegen unterlassener Hilfeleistung. Er wurde freigesprochen. Nun jedoch haben zehn Opfer des Priesters, der vor mehr als 25 Jahren Pfadfinder sexuell missbrauchte und der Ende August 2015 seines Amtes enthoben wurde, einen anderen Rechtsweg eingeschlagen. Damit ist ein Prozess möglich geworden. Außer Barbarin werden sich sechs weitere Kirchenvertreter vor Gericht verantworten müssen. Der Prozess findet 2018 statt.
Quelle: business-panorama.de   epochtimes.de  katholisch.de

19.9.2017 Die Augustiner-Chorherren des Stiftes Klosterneuburg weisen den Vorwurf der Vertuschung eines Missbrauchsfalles zurück. Aus dem Priesterseminar Trier hätten sie nichts darüber erfahren, was eine Aufnahme des Bewerbers als Novize verhindert hätte.
Quellen: stift-klosterneuburg.at  religion.orf.at
Kommentar: Die Informationen sind widersprüchlich: Einmal heißt es, die Augustiner-Chorherren hätten nicht im Priesterseminar nachgefragt (s.
mainpost.de), warum der Kandidat das Priesterseminar verlassen hat. Der Regens soll den Bewerber für ungeeignet für das Priestertum gehalten haben. Dann heißt es, die Stellungnahme des Regens' des Priesterseminars wäre einer Aufnahme ins Noviziat der Augustiner-Chorherren nicht im Wege gestanden.

17.9.2017 "Nicht alle Menschen – Opfer, Überlebende, Beteiligte – können über ihre Erfahrung und ihre Geschichte sprechen. Was sagt er [Daniel Pittet] diesen Menschen? „Ich sage ihnen, dass es manchmal besser ist, zu schweigen. Es ist sehr hart, wenn man spricht. Ich habe viele Briefe bekommen, die das erzählen. Zum Beispiel in der Familie, die Menschen müssen weggehen, weil ihnen nicht geglaubt wird. Der Onkel, der Vater, die Mutter, ja auch Mütter, damit kann man nachher nur sehr schwer leben. Sprechen kann man mit guten Freunden und mit dem Psychiater, ansonsten muss man fast schweigen.“ Das sagt Daniel Pittet, Missbrauchsopfer eines Jugendpfarrers, eines Kapuziners. Und er fährt im Interview fort: „Ja, ich hoffe, dass er mit mir zusammen in den Himmel kommt. Er hat eine Abhängigkeit, er hat nichts daran machen können. Wenn er ein Kind gesehen hat, hat er immer sofort geschaut, wie er es bekommen könne. Er hat geglaubt, dass das gut ist und dass er etwas Gutes tut.“ Pittet habe gar nicht gewusst, wie sehr auch die Täter litten: "Man kann nicht aufhören, das ist das Schlimmste."
Quelle: de.radiovaticana.va
Kommentar: Dass ein kirchliches Opfer anderen Opfern Schweigen empfiehlt, dient nicht den Opfern - es dient lediglich dem Schutz der Täter und ihrer Helfer. Vielleicht ist das der Grund, weswegen der Papst ein Vorwort zum Buch Pittets geschrieben hat und dieses Buch in kirchlichen Kreisen so gelobt wird. Das Verständnis Pittets für Missbrauchstäter ist unerträglich - und vermutlich nur als traumatypische Identifikation mit dem Aggressor zu erklären.

17.9.2017 Der Jesuit Hans Zollner, Mitglied der Päpstlichen Kinderschutzkommission und Leiter des Kinderschutzzentrums der Gregoriana, stellt fest, das eine "Theologie im Angesicht von Missbrauch, eine Theologie der Kindheit" fehle. Obwohl seit ca 30 Jahren sexueller Missbrauch in der Kirche bekannt sei, gebe es keine theologische Auseinandersetzung mit dem Thema. - Vom 3. - 6. Oktober 2017 findet in Rom der Weltkongress "Child Dignity in the Digital World" statt. 140 Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Zivilgesellschaft, Politik und Religion werden neuen Gefahren (Trolling, Cyber-Bullying, sexuelle Erpressung und Cyber Grooming) nachgehen. Am Ende soll eine "Erklärung zum Schutz der Würde von Kindern in der digitalen Welt" stehen.
Quellen: domradio.de  domradio.de  kath.ch

16.9.2017 Ein Psychologe erklärt einem nordamerikanischen Bischof, was geschehen muss, bevor Vergebung möglich ist: Entschuldigung, Strafe, Entschädigung und Versöhnung. Mit einer billigen Bitte um Vergebung sei es nicht getan, sagte der Psychologe Arthur McCaffrey.
Quelle: ohio.com

16.9.2017 Das Stift Klosterneuburg hat zugegeben, dass ein Augustiner Chorherr 1991 einen minderjährigen Ministranten missbrauchte. Die Mutter des Opfers wollte keine Anzeige erstatten. Nach dem Übergriff wohnte der Täter noch mehrere Jahre in einer Wohnung des Stiftes. 1996 wurde der ehemalige Chorherr in Rumänien zum Priester geweiht. Die Umstände der Weihe sind ungeklärt. Bernhad Backovsky, damaliger Novizenmeister, habe sich noch 1997 für den Täter eingesetzt. - Im Jahr 2000 bekam der Pfarrer im Bistum Würzburg eine Gemeinde und missbrauchte einen weiteren Minderjährigen.
Quelle: profil.at noe.orf.at

15.9.2017 Ein in Washington akkreditierter Priester im diplomatischen Dienst des Hl. Stuhles wurde in den Vatikan zurückgerufen. US-Behörden verdächtigen den Priester des Besitzes kinderpornografischer Bilder. Der Vatikan lehnte es am 21.8.2017 ab, die diplomatische Immunität des Priesters aufzuheben. Nun prüfen die Vatikanischen Staatsanwälte die Vorwürfe.
Quelle: Radio Vatikan 
bloomberg.com  deutschlandfunk.de
Kommentar: In den in Deutschland geltenden Leitlinien für den Umgang mit sexuellem Missbrauch Minderjähriger ist die Meldung an die staatliche Strafverfolgungsbehörde vorgesehen, wenn sich tatsächliche Anhaltspunkte ergeben und wenn die Opfer nicht widersprechen. Für Vatikan-Mitarbeiter in den Botschaften und Nuntiaturen scheint diese Regelung nicht zu gelten - sie werden zurückgeholt und damit der staatlichen Gerichtsbarkeit entzogen.


15.9.2017 Gisbert Schneider, von 1959 bis 1966 Schüler im „Collegium Josephinum“, hat am Forschungsprojekt teilgenommen. Nach seiner Einschätzung hätte sich die Kirche längst offensiv mit ihrer Sexualmoral oder dem priesterlichen Zölibat befassen müssen.
– Quelle: http://www.ksta.de/28408306 ©2017
Quelle: ksta.de

14.9.2017 Von den Machtkämpfen im Vatikan berichtet Christ in der Gegenwart.
Quelle: christ-in-der-gegenwart.de

14.9.2017 Im Erzbischöflichen Konvikt "Collegium Josephinum" in Bad Münstereifel wurde gegen zwei der Verdächtigen kirchenintern vorgegangen, wie Oliver Vogt, der Interventionsbeauftragte des Bistums mitteilte. In beiden Fällen wurde die ZCelebrationserlaubnis entzogen, ein Priester in den vorzeitigen Ruhestand geschickt. Alle Verdächtigen würden dabei seelsorgerisch und psychologisch betreut. Ein Schuldeingeständnis habe in den Gesprächen keiner abgegeben, wohl aber sei Betroffenheit zu spüren. Vogt bestätigte, dass einer der beschuldigten Priester noch im aktiven Dienst ist. Dabei dürfte es sich um einen Priester handeln, der 1982 nach sexuellen Übergriffen in Bad Münstereifel versetzt worden war und anschließend noch zweimal die Stelle wechseln musste. Er hat zwar keine eigene Pfarrei mehr, zelebriert aber noch Messen, Hochzeiten und Beerdigungen und lebt in einem Pfarrheim im Rhein-Sieg-Kreis.
Quelle: general-anzeiger-bonn.de
s. auch: ksta.de/  rundschau-online.de

14.9.2017 Unter dem Titel "Missbrauchsopfer Daniel Pittet vergibt seinem Täter" schreibt Johannes Bernhard in der Kirchenzeitung "Kirche und Leben" zum Buch des Missbrauchsopfers Daniel Pittet, zu dem Papst Franziskus ein Vorwort geschrieben hat. J. Bernhard hält sich damit an den Titel des Buches "Pater, ich vergebe Euch!", das so im Vatikan-Verlag, in einem französischen Verlag und im dt. Herder-Verlag betitelt wurde.
Quelle: kirche-und-leben.de
Kommentar: Im Interview zitiert Christoph Fleischmann (
www1.wdr.de) Daniel Pittet zu dessen Verständnis von Vergebung so: "Die Vergebung bedeutet, dass ich in meinem Peiniger einen Menschen sehe, der Verantwortung trägt." Nun bedeutet die Übergabe der Verantwortung an den Täter für sein Tun gerade nicht Vergebung, sondern Verantwortlich-Machen für eine Schuld. Dies geschieht in der Regel im Kontext der Erkenntnis des Opfers, selbst an der Gewalt keine Schuld zu tragen, nachdem Missbrauchsopfer üblicherweise lange Zeit davon ausgehen, der Missbrauch sei ihre Schuld gewesen und nicht die Schuld des Täters. Wenn der Autor, die verschiedenen Verlage und die Kirchenpresse dieses Verantwortlich-Machen als "Vergebung" bezeichnen, so benutzen sie den Begriff Vergebung nicht richtig. Der Begriff "Vergebung" - losgelöst von der Bedeutung, die Pittet ihm gibt -  ist geeignet, (andere) Opfer unter Druck zu setzen.   

13.9.2017 Eine Studie der RMIT University in Melbourne untersuchte systemische Ursachen sexuellen Missbrauchs von Kindern in der kath. Kirche. Die Autoren - Peter Wilkinson und Desmond Cahil - sehen vor allem zwei Ursachen: Den Zölibat und die große Zahl kirchlicher Waisenhäuser. Das Risiko, Opfer zu werden, trifft vor allem in Wohnzusammenhängen zu, zu denen psychosexuell unreife und/oder sexuell benachteiligte zölibatär Lebende Zugang haben. Der Bericht verweist auf die niedrigere Zahl von Missbrauchsfällen in den katholischen Ostkirchen, die keinen Pflichtzölibat kennen.
Quelle: Radio Vatikan
Der Report
Kommentar: Es wird also allerhöchste Zeit, über den Pflichtzölibat in der röm.-kath. Kirche zu sprechen und Änderungen einzuleiten - um Kinder und Jugendliche zu schützen. Und nach wie vor: Um Gerechtigkeit auch für Frauen herzustellen. Es bleibt abzuwarten, ob diese Stimme gehört wird.

13.9.2017 Die Studie über jahrzehntelangen körperlichen, psyhchischen und sexuellen Missbrauch im erzbischöflichen Konvikt "Collegium Josephinum" in Bad Münstereifel ergab u.a., dass sechs Priester und eine weitere Fachkraft sexuelle Gewalt ausübten. An der Ausübung körperlicher Gewalt waren zwölf Fachräfte, darunter vier Priester beteiligt.
Vier der beschuldigten Priester leben noch. Strafrechtlich seien die Fälle aber verjährt. Um kirchenrechtlich gegen sie vorgehen zu können, benötigt das Erzbistum konkrete Vorwürfe von Opfern. Zwei Priester unterliegen einem öffentlichen Zelebrationsverbot, einer davon ist nicht mehr im Dienst, der andere wurde in den Ruhestand versetzt. Diese beiden Fälle liegen der Glaubenskongregation vor.
Quelle: Erzbistum Köln
Endbericht
Sexueller Missbrauch, physische und psychische Gewalt am Collegium Josephinum, Bad Münstereifel Eine wissenschaftliche Aufarbeitung mit und für Betroffene. Endbericht, Köln im Juli 2017, Claudia Bundschuh

11.9.2017 Geplant war, eine groß angelegte Studie über jahrzehntelangen Missbrauch von Schülern am erzbischöflichen Konvikt "Collegium Josephinum", Bad Münstereifel, öffentlich vorzustellen. Die Projektleiterinnen, Prof. Claudia Bunschuh und RA Bettina Janssen, berichteten von Drohanrufen. Nun wurde die öffentliche Vorstellung der Studie mit Informationen für Betroffene zum Abschlussbericht abgesagt, weil der Schutz und die Integrität der primär Betroffenen nicht garantiert werden könne. Bereits zu Beginn der Studie setzte Gegenwehr besonders von jüngeren Ehemaligen des Konvikts ein - sie hätten nur gute Erfahrungen im Josephinum gemacht und sähen sich, ihre Schule, Lehrer und Erzieher einem pauschalen und falschen Verdacht ausgesetzt.
Quelle: ksta.de

11.9.2017 Nach Ansicht von Hans Zollner, SJ, Mitglied der Päpstlichen Kinderschutzkommission, haben die Menschen in Australien jegliches Vertrauen in die Kirche verloren.
Quelle: thetablet.co.uk

10.9.2017 Interview von Christoph Fleischmann mit Daniel Pittet über sein Buch "Pater, ich vergebe euch".
Quelle:
www1.wdr.de
9.9.2017 Die Staatsanwaltschaften Oldenburg und Hannover haben das Verfahren gegen einen Priester (74) aus Lohne  wegen des Verdachts sexuellen Missbrauchs von Kindern eingestellt. Der Priester war verdächtig, Jugendlichen pornographische Abbildungen gezeigt zu haben und jugendpornographische Schriften verbreitet zu haben. Nun wurde auch die kirchliche Voruntersuchung eingestellt, weil keine nachweisbaren kirchenrechtlichen Straftatbestände vorlägen. Eine Meldung an die Glaubenskongregation ergeht folglich nicht. Dennoch müsse das Bistum "ein deutlich unangemessenes Verhalten des Priesters gegenüber den betreffenden Kindern und Jugendlichen" konstatieren. Der Priester wurde in den Ruhestand versetzt und darf auf dem Gebiet der Pfarrei St. Gertrud in Lohne keine priesterlichen Tätigkeiten mehr ausüben.
Quelle: nwzonline.de
s. auch kreiszeitung.de  und kirche-und-leben.de vom 22.12.2016
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5.9.2017 Das Netzwerk Überlebender von Priestern (SNAP) und das Center for Constitutional Rights (CCR) übermittelten de UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes einen Bericht, in dem dargelegt wird, dass der Heilige Stuhl den am 1.9.2017 fälligen Bericht über die Fortschritte im Kampf gegen sexuellen Missbrauch in der Kirche nicht vorgelegt hat. Barbara Dorris, Geschäftsführerin von SNAP, sieht darin einen Hinweis, dass die kirchlichen Beamten den Prozess nicht ernst genommen haben. Außerdem habe die Kirche keine der Empfehlungen des UN-Ausschusses für Kinderrechte umgesetzt.
Quelle: snapnetwork.org
Ausführlicher Bericht

1.9.2017 In Hessen wurden 2016 2930 Fälle akuter oder latenter Kindesgefährdungen gemeldet. Gegenüber 2015 ist dies ein Anstieg von über 14 %. In 52% der Fälle handelte es sich um Vernachlässigung, bei 5% wurden Anzeichen sexueller Gewalt festgestellt.
Quelle: hessenschau

31.8.2017 Hans Zollner, SJ, Mitglied er Päpstlichen Kinderschutzkommission, berichtet, dass Die Glaubenskongregation jährlich mit 400-500 Anzeigen wegen sexuellen Missbrauchs durch katholische Priester zu bearbeiten hat und nur 10 Mitarbeiter hat. Es fehle an ausgebildeten Kirchenrechtlern, nicht am Willen, mehr Personal einzustellen. Ca 2000 Fälle liegen derzeit unbearbeitet bei der Glaubenskongregation.
Quelle: catholicleader.com.au


31.8.2017 Papst Franziskus hatte einen kurzen Kontakt mit Missbrauchsopfern aus der italienischen Kommune Forteto. Der Vorsitzende des Opferverbands von Forteto, Sergio Pietracito, sieht das Treffen als Anerkennung für den Kampf der Opfer an. Ihre Anzeigen seien „jahrelang als nahezu surreal abgetan worden“. Er erhoffe sich von der Begegnung auch, dass das Interesse des Papstes für andere ein Zeichen sei, „die Aufmerksamkeit für das Geschehene weiter wachzuhalten und die Opfer weiter zu unterstützen“.
Quelle: religion.orf.at

31.8.2017 Der australische Priester Ridsdale war bereits 1993 zu 23 Jahren Haft verurteilt worden. Nun wurde er wegen weiterer sexueller Übergriffe gegenüber Kindern/Jugendlichen zu weiteren 11 Jahren Haft verurteilt. Ridsdale hat zwischen 1961 und 1988 insgesamt 65 Kinder/Jugendliche sexuell missbraucht. Er wurde vor seiner Suspendierung 1993 immer wieder von der Kirche gedeckt und in neue Pfarreien versetzt. Medienberichten zufolge soll Pell in seiner Funktion als ranghöchster Kardinal Australiens bei der Versetzung seines früheren Mitbewohners Ridsdale in neue Gemeinden geholfen haben. Ein Neffe Ridsdales, der  von dem Priester im Alter von elf Jahren missbraucht worden sein soll, vertraute sich 1993 Pell an. Dieser soll ihm Schweigegeld geboten haben.
Quelle: religion.orf.at  kath.de

31.8.2017 "Das Werk", eine katholische Gemeinschaft, muss seine Statuten ändern. 2014 hatte Doris Wagner in einem Buch von sexuellem Missbrauch während einer Beichte berichtet. Der beschuldigte Priester gestand und wurde an eine zentrale Stelle in der Kurie nach Rom versetzt. Er wurde Abteilungsleiter in der Glaubenskongregation. Auch andere Mitglieder erhoben Vorwürfe. Die neuen Statuten sehen ein Generalkapitel vor. Die Ordensleitung muss gewählt werden. Bisher wurde sie vom innersten Zirkel, dem "Familienrat", auf Lebenszeit bestimmt. Mit der Einrichtung eines Generalkapitels ist der innere Zirkel entmachtet.
Quelle: vorarlberg.orf.at, s.a. orf  vorarlberg.orf  Die Zeit
24.8.2017 Britische Behörden, u.a. die katholische Kirche, verweigerten bislang ca 700 Missbrauchsopfern Entschädigungszahlungen mit der Begründung, die Opfer hätten dem Missbrauch zugestimmt.
Quelle: Independent  epochtimes

23.8.2017 Die Päpstliche Kinderschutzkommission steht vor einer Neustrukturierung. Überlegt wird, ob alle Opfer aus der Kommissionsarbeit entfernt werden (Peter Saunders wurde bereits suspendiert, Marie Collins trat zurück, weitere Mitglieder, die selbst Opfer waren, gibt es nicht) und stattdessen ein Beirat aus Opfern installiert werden soll, der von der Kommission gehört werden soll. Ein Ausschuss der Kinderschutzkommission soll das Vorhaben prüfen. Peter Isely, ein Gründungsmitglied von SNAP, vermutet, dass die Überlegung der Umstrukturierung der Kinderschutzkommission helfen soll, Konflikte mit den Opfern zu vermeiden. Fr. Thomas Doyle kommentiert: "What would they do? Would they have any power? Would they have any influence? Would anyone listen to them? Would they just be a panel that exists in name only?...It sounds to me as if that idea is something that was conjured up to make the appearance that they're taking it seriously and doing something, while in fact it's simply another smoke and mirrors production." Doyle beurteilt die bisherige Tätigkeit der Päpstlichen Kinderschutzkommission: "Nach drei Jahren bin ich mir nicht sicher, dass sie etwas getan haben, was wirklich sinnvoll ist."
Quelle: ncronline.org

21.8.2017 In Brisbane, Australien, wurde ein katholischer Ordenspriester der La Salle-Brüder zu acht Jahren Gefängnis verurteilt. Er hat zwischen 1978 und 1983 in einem Waisenhaus neun Kinder sexuell missbraucht.
Quellen: orf.at   couriermail.com.au

17.8.2017 Im Herder-Verlag erschien das Buch von Daniel Pittet: "Pater, ich vergebe Euch! Missbraucht, aber nicht zerbrochen“ auf deutsch. Der Autor beschreibt darin, wie ihn ein katholischer Priester, Kapuzinerpater und Jugendpfarrer zwischen 1968-1972 vergewaltigte. Der Kapuziner hat mehr als 20 Kinder missbraucht. In den 1990er Jahren gab es Ermittlungen, die wegen Verjährung eingestellt wurden. 2012 wurde der Pater in einem weiteren Verfahren zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Nach der Veröffentlichung von Pittets Buch im Februar 2017 - also 5 Jahre nach seiner Verurteilung - wurde er dann aus dem Klerikerstand und dem Kapuzinerorden entlassen. Papst Franziskus kündigt im Vorwort des Buches an, er werde hart gegen Missbrauch und dessen Vertuschung vorgehen - dies gelte auch für Bischöfe oder Kardinale, die Täter schützten.
Quelle: religion.orf.at
17.8.2017 Nach Einschätzung von Terres des Hommes nimmt Kindesmissbrauch per Webcam immer heftigere Züge an. Zahlen nennt das BKA nicht, die Dunkelziffer sei hoch.
Quelle: stern.de

17.8.2017 Roman Polanski wird eine zweite Vergewaltigung einer 16-Jährigen vorgeworfen, die jedoch verjährt ist.
Quelle: stern.de

16.8.2017 Nach knapp zwei Jahren liegen nun die Ergebnisse der Studie vor, die den Missbrauchsvorwurf gegen den verstorbenen Hildesheimer Ex-Bischof Heinrich Maria Janssen und den Umgang des Bistums mit Missbrauchsvorwürfen gegen den Haupttäter am Berliner Canisius-Kolleg mit mehr als 100 Opfern, Peter R., SJ, untersuchte. Das Bistum Hildesheim äußerte sich nicht zu den Ergebnissen der Studie. Erst Anfang oder Mitte Oktober sollen sie veröffentlicht werden. Der jetzige Bischof Norbert Trelle ist verantwortlich für den Umgang des Bistums gegen den Alt-Bischof und gegen Pater Peter R. Der Bischof wird Anfang September 75 Jahre alt - er reicht dann beim Papst sein Rücktrittsgesuch ein. Die Veröffentlichung der Studie fiele also in eine Zeit, in der der jetzige und verantwortliche Bischof Trelle möglicherweise nicht mehr im Amt ist.
Quelle: kreiszeitung

16.8.2017 Die Vizepräsidentin des australischen katholischen "Truth, Justice an Healing Council" sagt, die katholische Kirche (Australiens) sei nicht willens zu Reformen und sich zu verändern: "I fear there's a view that once the royal commission reports, and the publicity around what will be a fairly dire report all dies down, that life will go back to what it was. ...I don't see any sign that the lessons have been truly learned to the point where the institution of the Church is being questioned by those who've got the ability to change it."
Quelle: mmc-news

16.8.2017 In der Diskussion um die Aufhebung des Beichtgeheimnisses bei Kindesmissbrauch gibt Wunibald Müller zu bedenken, dass das Beichtgeheimnis ein ebenso schützenswertes Gut ist wie es das Gewissen von Priestern ist. Er weist darauf hin, dass ein Priester einem Täter auch auferlegen kann, sich um Hilfe zu bemühen und dem Priester verbindlich zu erklären, dass er Hilfe gesucht hat. Der Priester könne den Beichtenden auch darauf hinweisen, dass er außer Stande ist, das Beichtgeheimnis zu wahren, wenn der Beichtende sich keine Hilfe holt.
Quelle: domradio.de
14.8.2017 Triggergefahr! Wer nicht den Moralvorstellungen der katholischen Kirche entsprach, etwa unverheiratete Frauen, die schwanger wurden, wurden ausgegrenzt, weggesperrt, misshandelt und ausgebeutet. Auch ihren unehelich geborenen Kindern widerfuhr Schreckliches. Wie war es möglich, dass jahrzehntelang über dieses Unterdrückungssystem geschwiegen wurde? Ein Gespräch mit Irland-Korrespondent Martin Alioth.
Quelle: srf.ch

14.8.2017 Die australische königliche Missbrauchskommission fordert, das Beichtgeheimnis aufzuheben, wenn jemand sexuellen Missbrauch beichtet. Das Nichtanzeigen von sexuellem Kindesmissbrauch in Institutionen soll zu einem strafrechtlich relevanten Vergehen gemacht werden. Dies gelte auch für Informationen, die im Beichtgespräch erhalten wurden. Hintergrund dieser Forderung ist, dass bei den Anhörungen der Kommission sichtbar wurde, dass kath. Priester sexuellen Missbrauch beichteten und weiterhin Kinder missbrauchten. Der Vorsitzende der katholischen Kirche Australiens, Erzbischof Denis Hart, Melbourne, sagte, die Kirche werde sich diesen Empfehlungen widersetzen.
Quelle: katholisch.de  kirche-und-leben.de

12.8.2017 Kardinal Barbarin räumt Fehler im Umgang mit Missbrauchsfällen ein. Er erklärte, der Priester habe 2007 beteuert, seit 1991 sei nichts mehr vorgefallen. Daher habe der Kardinal den Priester im Amt belassen. Aktenkundig wurden keine weiteren Vorwürfe. Kardinal Barbarin und sechs weitere Personen sind am 19.9.2017 zu einer Anhörung vor Gericht geladen. Kläger sind zehn Opfer eines Priesters aus der zweiten Hälfte der 80er Jahre. Sie werfen Barbarin Nichtanzeige sexueller Übergriffe vor. Bereits 2016 war ermittelt worden wegen Nichtanzeige - die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren ein, da es keine Hinweise auf eine Straftat gegeben habe.
Quelle: kna  katholisch.de

10.8.2017 Eine der wenigen Reaktionen auf den Abschlussbericht der Regensburger Domsaptzen stammt vom Kreiskomitee der Katholiken Coesfeld. Es sei nicht ausreichend, wenn Bischöfe zur vermeintlichen Wiedergutmachung Gelder bereitstellten. "Wir sind Teil dieser Kirche, wir tragen mit an der Verantwortung und erleben, wie immer mehr Menschen der Kirche den Rücken kehren; daran leiden wir. Wir erwarten, dass sich die Bischöfe in Deutschland einhellig auf die Seite der Opfer stellen und alles tun, damit das, was geschehen ist, sich nie wiederholen kann “, sagte der Vorsitzende des Kreiskomitees Gerhard Schmitz.
Quelle: azonline.de
Kommentar: Laut hörbar ist das Schweigen der Bischöfe in Deutschland zum Abschlussbericht der Domspatzen.

9.8.2017 Missbrauch in der Kirche: Der Fall Timmerbeil
Quelle: ndr  s. auch: Michael Räuber: Geteilte Hölle
9.8.2017 In der Dominikanischen Republik hat ein katholischer Priester den Mord an einem sechzehnjährigen Messdiener gestanden. Mit dem Mord wollte er jahrelangen sexuellen Missbrauch an dem Jungen verschleiern.
Quelle: katholisch.de

8.8.2017 Gegen den ehemaligen Pfarrer von Freisen läuft die im Mai 2016 eingeleitete kirchenrechtliche Voruntersuchung noch immer. Erst danach wird das Verfahren an die Glaubenskongregation gegeben.
Quelle:
saarbruecker-zeitung.de  saarbruecker-zeitung.de  focus.de

8.8.2017 Der Fonds Sexueller Missbrauch im familiären Bereich (FSM) wird über die ursprünglich 3-jährige Antragsfrist hinaus weitergeführt.
Quelle: bmfsfj.de

8.8.2017 An den Universtitäten in Australien ist sexuelle Belästigung Alltag. Eine Umfrage unter 30.000 StudentInnen belegt, dass die Hälfte der Befragten innerhalb des letzten Jahres mindestens einmal sexuell belästigt wurde. Die Hälfte der Belästigungen fanden im universitären Kontext statt, Frauen wurden doppelt so häufig Opfer wie Männer. Jede zehnte Studentin erfuhr in den letzten zwei Jahren sexuelle Gewalt. Nur wenige Opfer meldeten die Übergriffe bei den Universitäten oder Behörden. Zeugen schwiegen meist. Den Universitäten war der Ruf ihrer Institution wichtiger als die Betroffenen.
Quelle: nzz.ch

5.8.2017 Kritische Anmerkungen zum Abschlussbericht Regensburger Domspatzen
Quelle: regensburg-digital

4.8.2017 Vier Mitglieder der katholischen Sekte "Associazione Cattolica Cultura ed ambiente", der Vorsitzende Pietro C. und drei Frauen, die ihm weibliche Missbrauchsopfer rekrutierten, wurden wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch Minderjähriger auf Sizilien verhaftet. Pietro C., dem Leiter ("Erzengel") wird vorgeworfen, mindestens sechs weibliche Minderjährige zu sexuellen Handlungen gezwungen zu haben. Die Taten könnten sich über 25 Jahre erstrecken. Auch der Gründer der Organisation, der renommierte Priester Stefano S., SJ, Exorzist, der als "spiritueller Sohn" des heilig gesprochenen Padre Pio gilt, soll in die Missbräuche verwickelt gewesen sein. Die Sekte ist eine zivilrechtliche Organisation. Ein Priester der Diözese habe Katechesen in der "Assoziazione" angeboten, jedoch nichts bemerkt.
Quelle: katholisch.de


4.8.2017 Gegen den ehemaligen Bischof von Phoenix, Arizona, Thomas O'Brien, liegt eine Anzeige wegen sexuellen Missbrauchs vor. Er soll zwischen 1977 und 1982 einen Jungen in Pfarreien von Phoenix und Goodyear sexuell missbraucht haben. Er beteuert seine Unschuld. Bischof Thomas O'Brien trat 2003 zurück, nachdem er nach einem Verkehrsunfall mit einem Toten Fahrerflucht begangen hatte. Außerdem hat er eingeräumt, Priestern die Arbeit mit Minderjährigen erlaubt zu haben, obwohl er von Missbrauch durch diese Priester wusste.
Quellen: New York Times  nzz.ch
4.8.2017 Pater Justin Wachs wurde 2014 in Sioux Falls, South Dakota, von einer Pfarreiangestellten angeklagt, sie sexuell belästigt zu haben. Daraufhin wurde er nach Rom versetzt - in die Behörde, die sexuellen Missbrauch in der Kirche untersucht. Er sei von einem Kardinal im Vatikan angefordert worden. Von dort kam er im Februar mit Kardinal Burke nach Guam, um als Schriftführer an der Untersuchung gegen Bischof Apuron teilzunehmen, dem sexueller Missbrauch mehrerer Messdiener vorgeworfen wird.
Quelle: pacificnewscenter.com 
keloland.com
2.8.2017 Der ehemalige katholische Pfarrer von Braunsbedra, Bistum Magdeburg, ist wegen des Besitzes kinderpornografischer Schriften zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung verurteilt worden. Er unterliegt einem Ausbildungs- und Beschäftigungsverbot mit Jugendlichen.
Quelle: mz-web.de


1.8.2017 Die Theologin Marianne Heimbach-Steins sagt, der Druck der Medien auf die Kirche bei der Aufdeckung von kirchlichen Missbrauchsfällen werde weiterhin gebraucht. Kirche sei auf das kritische Potential der Öffentlichkeit angewiesen, um sündhafte Strukturen aufzudecken und zu überwinden. Innerkirchlich seien bis heute "Abwehrreaktionen" festzustellen, die die Tiefe der Krise leugneten oder herunterspielten.
Quelle: kna-news

1.8.2017 Auf den Philippinen wurde ein katholischer Geistlicher verhaftet. Ihm wird vorgeworfen, ein 13-jähriges Mädchen mehrfach sexuell missbraucht zu haben. Er hatte das Mädchen durch einen Zuhälter "gebucht".
Quelle: ibtimes.co.uk

31.7.2017 Burkhard Schäfers fragt im Deutschlandfunk, ob die katholische Kirche wegen des Priestermangels beim geistlichen Nachwuchs nicht so genau hinschaue. Anlass für die Frage ist die Diakonenweihe eines Seminaristen im Bistum Eichstätt, der zuvor wegen antisemitischer Aussagen im Bistum Bamberg und wegen Uneinsichtigkeit das dortige Priesterseminar verlassen musste.
Josef Schuster, der Präsident des Zentralrats der Juden, sagt: "Man sollte bei der Frage ihres Gedankengutes prüfen, inwieweit sie dazu geeignet sind, um andere Menschen zu führen. Denn was so von der Kanzel über Jahrhunderte gepredigt wurde, gerade im Verhältnis von Christentum zu Judentum, und zu welchen Folgen dies geführt hat, das sollte man bei all solchen Entscheidungen unbedingt mit im Auge behalten." Der zuständige Bischof Hanke sagt, der junge Mann habe sich bewährt und eine zweite Chance verdient.
Quelle: dlf

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28.7.2017 CiG kommentiert den Abschlussbericht der Regensburger Domspatzen: "... das Ungeheuerliche, das ans Licht gekommen ist, trifft die Kirche ins Mark. Ihre Selbstüberhöhung als etwas Hehres, Ideales, Sakrosanktes ist die eigentliche Ursache für den systematischen Missbrauch von Macht von seinen Anfängen bis zu seiner Aufklärung. Ein System, das sich absolut setzt, hat keine Kontrollmechanismen, seine Lenker sind früher oder später überfordert. Leider verhalten sich die Bischöfe in ihrer Gesamtheit angesichts dieser Verbrechen in der Öffentlichkeit auffällig ruhig, verlieren sich lieber in Fragen der Wiederverheiratung Geschiedener und deren Zulassung zur Eucharistie anstatt für alle vernehmbar das nahezu unermessliche Unrecht zu benennen. Ihre Aufgabe wäre es, endlich damit anzufangen, das theologische Verständnis der „sancta ecclesia“ von einer klerikalistischen Ideologie zu befreien."
Quelle: CiG

28.7.2017 Deutsches Jugendinstitut: "Schluss mit Schweigen!"
Quelle: dji

28.7.2017 Christian Feldmann kommentiert: "Die Veröffentlichung des Berichts [über Gewalt und sexuellen Missbrauchbei den Regensburger Domspatzen] ist nun der sichtbarste Beweis dafür, dass sich in der konservativen Diözese endgültig etwas verändert hat. Die Opfervertreter – jahrelang frustriert und verärgert von den Aussagen seines Vorgängers – lobten Voderholzers ehrliches Engagement. Besonders aufgefallen war ihnen, dass der Bischof bei jeder Sitzung des Krisenstabs dabei gewesen war, ohne die Verhandlungen zu beeinflussen. Alexander Probst, Autor der Streitschrift 'Von der Kirche missbraucht', sagt: 'Wir haben etwas erreicht, von dem wir jahrelang geträumt haben. Es sind nicht allein die Worte, die Voderholzer wählt, sondern die Art, wie er sie sagt. Auch der Bischof hat Narben davongetragen.'
Quelle: Zeit.de

28.7.2017 Kardinal Müller kann nicht erkennen, dass nicht nur die Täter Verantwortung für sexuellen Missbrauch haben, sondern auch die Kirche als Institution. Sehr wohl jedoch sieht er einen koordinierten Angriff säkularer Medien auf die Kirche, der auf die Abschaffung des Zölibates zielt. Mit Betroffenen spricht er nicht.
Quelle: Zeit.de

27.7.2017 In einem Kommentar zu den Machtkämpfen im Vatikan heißt es: "Der Prozessbeginn [gegen Kardinal Pell] markiert einen negativen Höhepunkt im Pontifikat Jorge Bergoglios. Papst Franziskus muss sich vorwerfen lassen, auf dem Gebiet des sexuellen Missbrauchs sowie bei den Wirtschaftsreformen im Vatikan – zwei der wichtigsten Themen seiner Agenda – einen Misserfolg an den anderen zu reihen. Pell, der stellvertretend für das päpstliche Scheitern in beiden Themenkomplexen steht, ist bei weitem nicht der einzige Stachel im Fleisch des Papstes."
Quelle: mittelbayerische.de

27.7.2017 In einem namentlich nicht gekennzeichneten Kommentar zu den Reaktionen auf den Abschlussbericht des Sonderermittlers bei den Regensburger Domspatzen heißt es: "Heute aber zeigen die Reaktionen auf den Bericht über die Vergehen bei den 'Regensburger Domspatzen' , wie sehr sich der Druck im Kirchenkessel inzwischen verflüchtigt hat und wie behände bestimmte Küchenchefs den Deckel lüften, um weiter Dampf entweichen zu lassen.

Genau betrachtet, wäre das schon 2010 absehbar gewesen. Keine Organisationen funktioniert dauerhaft nach der Logik von Zerknirschung und Selbstkasteiung – auch und gerade die Kirche nicht, in der Menschen Halt und Heimat suchen. Irgendwann wünschen sich die meisten, dass der „Vulkankrater, aus dem plötzlich eine gewaltige Schmutzwolke herauskam, alles verdunkelte und verschmutzte“ (Papst Benedikt XVI.), endlich zu speien aufhören möge. Das ist der Moment, in dem sich Ursache und Wirkung verkehren lassen.

– Quelle: http://www.ksta.de/28078232 ©2017


"
Quelle: KStA

27.7.2017 Hedwig Herrath Beckmann, 72, hat ein Buch über ihr Leben geschrieben. Es war geprägt von seelischem und sexuellem Missbrauch, vor allem im Heim katholischer Nonnen vom Orden der göttlichen Vorsehung. Unterstützung hat sie von Bischof Felix Genn und Papst Franziskus erhalten.
Quelle: infranken.de

26.7.2017 Der Wissenschaftler Benno Hafeneger untersucht die Heime der Brüdergemeinde in Korntal und Wilhelmsdorf. Er spricht davon, dass Kirche, Staat und Eltern in der Heimerziehung der fünfziger und sechziger Jahre versagten und sagt, es habe ein "System der Gewalt" geherrscht. "Bisherige Berichte über Heime zeigen eine Verschränkung von sexualisierter, physischer und psychischer Gewalt oder auch von Medikamentenmissbrauch in Einrichtungen, die autoritär und von der Außenwelt abgeschottet waren und kaum kontrolliert wurden." Detlev Zander, ehemaliges Korntaler Heimkind, machte im Frühjahr 2014 auf Vorfälle in den Einrichtungen der Brüdergemeinde aufmerksam. Die Juristin Brigitte Baums-Stammberger hat inzwischen mehr als 40 Gespräche mit Betroffenen geführt, die von Prügeln, Medikamentenmissbrauch und Vergewaltigung berichteten. Aufarbeitungsversuche scheiterten bislang. 
Quelle: stuttgarter-zeitung.de

26.7.2017 Sarah Zerback stellt fest, dass Kardinal Pell Karriere in der Kirche machen konnte, obwohl die Vorwürfe gegen ihn schon lange bekannt sind und konstatiert, dass der Fall Pell die Widersprüchlichkeit der päpstlichen Politik zeige.
Quelle: Deutschlandfunk
Kommentar: Marie Collins sagte bereits im März 2017, Pell hätte sich
niemals im Vatikan verstecken dürfen, um zu vermeiden, für die falsche Behandlung von Missbrauchsfällen in Australien sanktioniert zu werden. Außerdem hätte er nie zu einer so hochrangigen Stellung ernannt werden dürfen und die Niederlegung seines Amtes sei viel zu spät erfolgt. Die Amtsniederlegung hätte bereits 2016 erfolgen müssen, als die australische Polizei ihre Ermittlungen wegen Missbrauchsvorwürfen begann. Kirchliche Leitlinien sehen die Amtsniederlegung vor, sobald Missbrauchsvorwürfe auftauchen, schreibt Collins und fragt, warum der Rang eines Beschuldigten einen Unterschied machen solle.  - Pell gehörte von 1990 bis 2000 der Glaubenskongregation an, die kirchliche Missbrauchsfälle weltweit bearbeitet.
26.7.2017 Kardinal Pell hat in der Prozesseröffnung durch seinen Anwalt mitteilen lassen, er sei in allen Punkten der Anklage unschuldig. Öffentlich bekannt ist lediglich, dass mehrere Männer Pell sexuelle Übergriffe in seiner Zeit als Priester im australischen Ballarat (1976-1980) und als Erzbischof von Melbourne (1996 - 2001) vorwerfen. Vor der australischen Königlichen Missbrauchskommission hatte Kardinal Pell 2016 eingeräumt, dass die Kirche in Australien Missbrauchsvorwürfe lange Zeit heruntergespielt habe. Aussagen zu seiner eigenen Rolle beim Herunterspielen von Missbrauchsvorwürfen hielt die Kommission nicht für glaubwürdig.
Eine kirchliche Untersuchung, die 2002 erfolgte und sich auf das Jahr 1961 bezog, wurde mangels Beweisen eingestellt. Der zuständige Richter sagte, er glaube Pell, dass er die Wahrheit sage und er glaube dem Ankläger, dass er die Wahrheit sage. Pell interpretierte dieses Ergebnis immer so, als wäre seine Unschuld erwiesen.
Quelle: Spiegel  stuttgarter-nachrichten.de  orf orf
Kommentar: Spätestens das kirchliche Verfahren von 2002 hätte Papst Franziskus hindern müssen, Kardinal Pell zum vatikanischen Finanzchef zu ernennen. Damals ging es um den Vorwurf des sexuellen Missbrauchs. Seit 2008 gibt es Anschuldigungen, dass Pell Missbrauchsfälle vertuscht habe. Als das Mitglied der Päpstlichen Kinderschutzkommission, Peter Saunders, eines von damals noch 2 kirchlichen Opfern in der Kommission, 2015 den Rücktritt Pells als Finanzminister forderte, musste Saunders gehen [
"Peter Saunders' Auszeit ist genau gesehen eine Suspendierung"], Pell blieb. Aber der Papst hat natürlich ein Problem: Es wird weltweit kaum einen Bischof geben, der Missbrauchsfälle nicht vertuscht hat.

24.7.2017 Nach Informationen der Redaktion von Regensburg-digital wurde der Sonderermittler Weber im Bistum Regensburg angewiesen, Betroffene sexueller und körperlicher Gewalt, die nicht bei den Domspatzen geschah, abzuweisen.
Quelle: regensburg-digital.de

24.7.2017 Informationen zur Teilnahme an einer Studie der Universität Hamburg: Versorgungssituation bei organisierter und/oder ritueller Gewalt - Befragung für Betroffene Die professionelle Begleitung von Menschen, die sexuelle Gewalt, einschließlich organisierter und/oder ritueller Gewalt erlebt haben: Die Perspektive der Behandelnden und der Betroffenen“
Quelle: limesurvey.uni-hamburg.de

24.7.2017 Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung versucht zu erklären, warum Aufklärung in der kath. Kirche so schwierig ist: "Es gehört Größe dazu, Fehler einzugestehen und sich zu entschuldigen."
Quelle:spiegel.de


23.7.2017 Hirtenwort des Bischofs von Regensburg: "...angesichts der obigen Schilderungen kann ich nur in Demut um Entschuldigung bitten. Als Bischof der Kirche von Regensburg bitte ich anstelle der Täter, von denen die meisten verstorben sind, um Vergebung und bitte, dass diese Entschuldigung von den Betroffenen angenommen werde."
Quelle: Bistum Regensburg

22.7.2017 Dr. Wolfgang Beck im "Wortz zum Sonntag": "Der lange Weg der Aufarbeitung zeigt auch, wie mühsam das Lernen bei den Verantwortlichen ist. Es wird anscheinend immer nur so viel aufgeklärt, wie wirklich unumgänglich ist. Zu sehr haben sich gerade in katholischen Kreisen Vorstellungen entwickelt, man würde der Kirche und damit dem christlichen Glauben, ja sogar der Botschaft der Bibel schaden, wenn Probleme offen beim Namen genannt werden. Allzu gerne werden bis heute Ablenkmanöver akzeptiert, bei denen es heißt: es sei eben eine Zeit gewesen, in der Schläge überall zur Erziehung gehörten. Die Täter seien eben Einzelfälle. Oder es habe doch auch bei nichtkirchlichen Einrichtungen und Parteien Pädophilie und Gewalt gegeben. Um es klar zu sagen: Das sind die üblichen Ausflüchte, um die Dramatik abzuschwächen."
Quelle: daserste.de

22.7.2017 Kardinal Müller habe immer noch nichts verstanden, sagt Joachim Frank. [Recht hat er.] Bei manchem in der Kirche habe sich ein Gefühl zwischen Überdruss und Trotz eingenistet - die Diskussion müsste doch irgendwann auch mal ein Ende haben, sagen sie. "Hat es aber nicht. Darf es nicht. Diskussion und öffentlicher Druck müssen anhalten, weil sonst diejenigen in der Kirche Oberwasser bekämen, die immer noch nichts verstanden haben. Sie halten die Welle der Empörung für unverhältnismäßig und übertrieben, haben sie von jeher als Medienkampagne gegeißelt, als böswillige Attacke auf die Kirche in destruktiver, zerstörerischer Absicht." Die Stimme dieser Sichtweise sei Kardinal Müller. Er bestreitet, verantwortlich für die Schwächen der Aufarbeitung in Regensburg zu sein und droht, gegen jeden Vorwurf der Verschleppung anwaltlich vorzugehen. Er meint, das wahre Opfer im Missbrauchsskandal sei die Kirche.
Quelle: deutschlandfunk.de

22.7.2017 Der Osservatore Romano übt in einem Leitartikel von Lucetta Scaraffia scharfe Kritik an der Berichterstattung zum Abschlussbericht der Misshandlungs- und Missbrauchsfälle bei den Regensburger Domspatzen. Die Autorin schreibt, es werde mit zweierlei Maß gemessen. Während sexistische, körperlich wie seelisch verletzende Initiationsriten in einer römischen Kaserne in den 1980er Jahren kein Medienecho und keine öffentliche Ermpörung auslösten, werde der Missbrauch bei den Domspatzen von den Medien reißerisch und tendenziös dargestellt. Zum Teil werde der Eindruck erweckt, es handle sich um 547 Fälle von schwerem sexuellen Missbrauch. Verschwiegen werde, dass die Kirche selbst den Abschlussbericht in Auftrag gegeben habe. - Die katholische Kirche werde zur Ursache allen Übels gemacht. Als Beispiel fügte sie an, dass in einer Reportage von einem lesbischen Paar berichtet werde, das die vier Kinder nicht gemeinsam adoptieren könne. Verantwortlich gemacht werde der Vatikan dafür, verschwiegen werde, dass die Gesetzgebung gleichgeschlechtlichen Paaren keine Adoption erlaube und die italienische Gesellschaft die Frage kontrovers diskutiere. 
Quelle: Radio Vatikan
Kommentar: Es sind solche Artikel, die nicht nur kirchliche Opfer nach wie vor am Sprechen hindern. Im Übrigen zeigen die Aussagen von Frau Scaraffia, dass sie immer noch nicht verstanden hat, dass die Folgen von sexuellem Missbrauch ganz ähnlich den Folgen sind, die Menschen zu tragen haben, wenn sie als Kinder über Jahre hinweg einem Terror-Regime ausgesetzt waren. Dies galt für die Regensburger Domspatzen und es galt/gilt für viele Kinder in Familien. Frau S. sollte einfach mal die Opfer-Aussagen im Abschlussbericht der Regensburger Domspatzen lesen und sich zugleich ein Kind von vielleicht 8 oder 9 Jahren oder einen Jugendlichen vorstellen. Schließlich: Der Osservatore Romano täte wahrlich gut daran, keine Kommentare abzudrucken, die die katholische Kirche als das wahre Opfer im Missbrauchsskandal darstellen. - Das Gute an diesem Bösen: Wir erfahren in diesem Leitartikel, was wir immer wieder spüren: So denken weite Teile der kirchlich Verantwortlichen noch immer über Missbrauchs- und Gewaltopfer. Das belastet Opfer - und es belastet jene MitchristInnen, die sich redlich um Missbrauchs- und Gewaltopfer mühen. Letztere gibt's nämlich auch.         

22.7.2017 Aus der kath. Kirche sind 162.000 Menschen ausgetreten, aus der evangelischen 190.000. "Wir müssen mit den Menschen reden, die sich uns (wieder) zugewandt haben und mit denen, die sich von der Kirche abgewandt haben." [Wäre ja nicht schlecht, wenn auch mit jenen geredet würde, die in der Kirche sind, also weder ausgetreten, noch zurückgekehrt sind.]
Quelle: katholisch.de

22.7.2017 Die Fürstin Gloria von Thurn und Taxis sagt, was nicht wenige denken: Auf die Frage, ob die Institution den Missbrauch bei den Regensburger Domspatzen ermöglicht habe, antwortet sie: "Das ist totaler Schmarrn. Das ist einfach richtig gemein. In jeder Schule, in jedem Sportverein gibt es dieses Phänomen und das wird es auch immer geben. Man geht gerne auf die Kirche los und das ist ein gefundenes Fressen." Sie weist auf das Sommerloch hin.
Quelle: br

20.7.2017 Mit dem zugrundeliegenden Kirchenbild, das sexuellen Missbrauch und sonstige Gewalt gegen Kinder und Jugendliche erst ermöglichte, beschäftigt sich Felix Neumann.
Quelle: katholisch.de

20.7.2017 Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung reagiert auf die Entschuldigungsforderung von Kardinal Müller: "Es tut mir für die Opfer der Gewalttaten bei den Regensburger Domspatzen außerordentlich leid, dass Kardinal Müller jetzt erneut die Chance verpasst, empathisch und mitfühlend zu reagieren." Er vermisse ein Signal der Wertschätzung und Anerkennung für die Betroffenen, denen es "maßgeblich zu verdanken ist, dass der Aufarbeitungsprozess nach jahrelangem Ringen jetzt eine positive Entwicklung nehmen konnte", so Rörig. "Das wäre auch ein wichtiges und Mut machendes Signal für alle in der katholischen Kirche, die aktuell oder zukünftig mit Aufarbeitungsprojekten betraut sind."
Die Süddeutsche formuliert: "
Entschuldigung - ein solches Wort ist weder dem greisen Ex-Domkapellmeister Georg Ratzinger noch dem früheren Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller über die Lippen gekommen. Dabei wäre eine Geste der Demut das Mindeste, was man von den beiden erwarten könnte, angesichts der Ungeheuerlichkeiten, die im Abschlussbericht zum Missbrauchsskandal bei den Regensburger Domspatzen aufgelistet werden."
Quellen: Spiegel  Süddeutsche


20.7.2017 Kardinal Müller fordert eine Entschuldigung vom Missbrauchsbeauftragten des Bundes. Es würden "Falschaussagen und falsche Informationen verbreitet, wirft Müller dem MB-Beauftragten Rörig vor. Müller habe nicht die Aufklärung bei den Regensburger Domspatzen verschleppt. Er habe "erstmals diese Aufklärungsarbeit an die Institutionen des Bistums übertragen, so dass mit der Untersuchung angefangen werden konnte, sagte Müller.
Zum Sonderermittler Weber sagte Müller: "
Wenn Rechtsanwalt Weber nun aus der Rückperspektive und dem heutigen Kenntnisstand solche Vorhaltungen macht, dann kann ich das nicht akzeptieren. Das entspricht nicht der Wahrheit." Müller sei zu einem seelsorglichen Gespräch mit Betroffenen bereit, sagte er. Er fuhr fort: "Ich darf aber feststellen, dass ich im gleichen Alter bin wie viele der Opfer. Auch ich habe so Manches erlebt in meiner Schulzeit. Ohrfeigen und Stockschläge haben wir genug bekommen – es war übrigens keine kirchliche Schule. Freilich muss ich zugeben: Sexueller Missbrauch ist noch eine ganz andere Kategorie als pädagogische Übergriffe."
Quelle: Sueddeutsche  pnp.de  domradio 

19.7.2017 Bischof Voderholzer ließ sich von seinem Bruder, der Psychiater und Klinikdirektor ist, berichten, was in Opfern von Gewalt und sexuellem Missbrauch vorgeht - zur Tatzeit und danach. Mit ca 100 Betroffenen soll der Bischof selbst gesprochen haben. Er nahm auch am Aufarbeitungsgremium der Regensburger Domspatzen teil, das sich seit Frühjahr 2016 traf und über Konsequenzen beriet.
Quelle: Domradio (Kasten links)  swp.de
Kommentar: Dieser Bischof wollte es wissen. Und das ist gut so.

19.7.2017 Kardinal Müller sieht keinen Grund für eine Entschuldigung im Kontext der Gewalt gegen Regensburger Domspatzen. Die Domspatzen seien keine Stiftung kirchlichen Rechts, sagte Müller. Er habe angeboten, die zuständigen Personen und finanziellen Mittel der Diözese Regensburg zur Verfügung zu stellen. Dafür sei ihm ausdrücklich gedankt worden. Generalvikar Fuchs hatte in der gestrigen Pressekonferenz Versäumnisse eingeräumt, und gesagt, auch Kardinal Müller sehe dies heute so. Müller hingegen sagte heute, er wisse nicht, ob von Versäumnissen die Rede gewesen sei. "Jedenfalls wurde vonseiten der Diözesanleitung alles getan, was nach dem jeweiligen Erkenntnisstand erforderlich war." Im Abschlussbericht sei lediglich von Schwächen in der noch ganz unübersichtlichen Anfangsphase die Rede gewesen. Der Bischof könne nicht "in eigener Person die operative und kommunikative Seite des Gesamtprozesses verantworten, die in die Zuständigkeit der dazu Beauftragen fällt."
Quelle: katholisch.de

19.7.2017 "Wir sind Kirche" hat den Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer aufgefordert, nach dem Abschlussbericht zu Missbräuchen bei den Domspatzen auch weitere Kircheneinrichtungen untersuchen zu lassen.
Quelle: wochenblatt.de
Kommentar: Diese Forderung ist naheliegend. Überall, wo jemand hinschaut und es wirklich wissen will, trauen sich viele Opfer zu reden: Odenwaldschule, Canisius-Kolleg, Jimmy Savile, Englischer Fußball....

19.7.2017 Über "Geduldete Gewalt" sprechen Sigrid Grabmeier, Hans Zollner und Klaus Mertes.
Quelle: Zeit

19.7.2017 Der jetzige Kapellmeister der Regensburger Domspatzen Roland Büchner fordert vom früheren Regensburger Bischof Müller eine Entschuldigung. Büchner erhebt Vorwürfe gegen seinen Vorgänger Georg Ratzinger: "Es herrschte ein System der Angst...Das muss ans Licht, auch wenn es weh tut."
Quelle: dtoday.de

19.7.2017 Drei Stimmen zur Gewalt bei den Regensburger Domspatzen: Klaus Mertes ("Man muss sich entscheiden, den Opfern zu glauben."), Sigrid Grabmeier ("Auch nachdem die Bischofskonferenz 2002 ihre Leitlinien zum Umgang mit sexueller Gewalt herausgab, ließ die Bistumsleitung unter Gerhard Ludwig Müller die Opfer allein im Kampf um ihr Recht: Für die Taten sollten sich die Täter verantworten, nicht die Kirche. Heute sind Ortsnamen wie Viechtach, Riekofen, Falkenstein, Nittenau verbunden mit Vorwürfen sexueller Gewalt durch Seelsorger. Deren Taten waren im Ordinariat bekannt, doch sie durften weiter arbeiten.") und Hans Zollner SJ, der in Regensburg aufwuchs und heute Mitglied der Päpstlichen Kinderschutzkommission ist ("Doch das Ausmaß des Verschweigens bleibt auch mir ein Rätsel.")
Quelle: zeit.de

19.7.2017 Rörig, der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, spricht von einem "System der Angst", das bei den Regensburger Domspatzen geherrscht habe und einer "kriminellen Energie". Ihm sei wichtig, sagte Rörig, dass sich Kardinal Müller bei den Opfern entschuldige, weil er jahrelang den systematischen Missbrauch an Domspatzen nur als Einzelfälle abgetan habe.
Quelle: radiovaticana.va

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19.7.2017 Die Rolle des Domkapellmeisters Georg Ratzinger wird von 124 Opfern und Zeugen geschildert: "die meisten werfen dem Papst-Bruder Gewaltexzesse vor. So soll Ratzinger "streng, perfektionistisch und jähzornig" gewesen sein, einen Buben öffentlich geschlagen haben, weil er ein Eis gegessen hatte, störende Chorknaben an den Koteletten hin- und her gezerrt haben und die Sänger als "Stimmmaterial" bezeichnet und erniedrigt haben. Laut Bericht hatten die Buben teilweise so große Angst vor Ratzinger, dass sie sich während des Singens durch Ritzen mit einem Messer an Unterarm und Oberschenkel selbst verletzten: 'Ich dachte, Gott würde die Chorstunde verkürzen, wenn ich ein Opfer brächte. Ich war elf Jahre alt', so ein Opfer." Der Bruder des ehemaligen Papstes wolle sich derzeit nicht äußern, heißt es.
Quelle: heute.at
  sueddeutsche.de/  orf
19.7.2017 Hans Zollner, SJ, Mitglied der Päpstlichen Kinderschutzkommission und des Vatikanischen Kinderschutzzentrums der Gregoriana, sagt, Kardinal Müller solle mit den ehemaligen Domspatzen sprechen, die Missbrauch erlitten haben. „Die Betroffenen von Missbrauch wünschen in erster Linie, dass sie angehört werden. Das ist das Allererste und Allerwichtigste, und für manche auch so wichtig, dass sie darüber hinaus andere Dinge wie Therapien oder Entschädigungszahlungen für sich selbst gar nicht wirklich als eine entscheidende Geste ansehen - sondern es dabei belassen, wenn sie wirklich einmal angehört werden. Das ist etwas, was ich jedem Bischof oder Provinzial bei den Fortbildungen, die ich immer wieder halte, sage und sehr ans Herz lege.“
Quelle: radio vatikan
Kommentar: "
Was wollen Sie denn noch? Wir haben Ihnen doch zugehört.“ Das war das letzte, was Udo Kaiser von der Diözese Regensburg gehört hat.  Kaiser fährt fort: „Bisher muss ich mir ja vom Bischof sagen lassen, ich würde den Ruf der Regensburger Domspatzen beschmutzen.“ Das war im Dezember 2010, als Müller Bischof von Regensburg war.
19.7.2017 Johannes-Wilhelm Rörig, Missbrauchsbeauftragter der Bundesregierung, fordert Kardinal Müller zu einer Entschuldigung bei den Opfern der Regensburger Domspatzen auf wegen der verschleppten Aufarbeitung. Rörig sagte: "Unter dem damaligen Bischof Müller wurde eine umfassende, proaktive Aufarbeitung unter Einbeziehung von Betroffenen leider versäumt. Müller hat stets von Einzelfällen gesprochen, aber die strukturellen Versäumnisse nicht untersucht. Es wäre den Betroffenen zu wünschen, dass er sich wenigstens jetzt für die verschleppte Aufarbeitung entschuldigen würde. Abwehrende Rechtfertigungsversuche, wie er sie in einem langen persönlichen Brief Ende 2016 an mich formuliert hat, sollte er sich künftig selbst ersparen."
Quelle: pnp   dlf

19.7.2017 Kardinal Müller, dessen Vertrag als Präfekt der Glaubenskongregation nicht verlängert wurde, sieht die katholische Kirche im Fall von Kindesmissbrauch zu Unrecht so scharf kritisiert. "Es ist offensichtlich, dass die katholische Kirche bei dem Thema härter angegangen wird, dass Priester a priori verdächtigt werden", sagte er dpa in Rom. "Es gibt Geistliche - Gott sei es geklagt - die solche Verbrechen begangen haben. Aber deshalb kann man nicht die anderen, nur weil sie auch Priester sind, kollektiv verdächtigen. Prozentual gesehen ist das mit Blick auf die Gesamtzahl der Geistlichen in der Welt sogar weniger als bei vergleichbaren pädagogischen Berufsgruppen - was die Straftat natürlich in keiner Weise entschuldigt und das Leiden der Opfer mindert", sagte er. Müller beruft sich auf die Leygraf-Studie, die jedoch gerade keine Aussage darüber macht, ob sexuelle Übergriffe durch katholische Geistliche häufiger als in der Allgemeinbevölkerung vorkommen (s. auch: wir-sind-kirche.de und gottes-suche). Gegen die Vorwürfe, dass Müller als Präfekt der Glaubenskongregation die Aufklärung von Missbrauchsfällen nicht genug vorangetrieben oder gar behindert habe, führt Müller an: "Es trifft einfach nicht zu, dass wir in irgendeiner Weise bei der Verfolgung solcher Straftaten nachlässig gewesen sind oder aus mangelndem Arbeitseinsatz den Abschluss eines Prozesses verschleppt hätten. Das genaue Gegenteil ist der Fall." Auch gegen Widerstände habe er eine Null-Toleranz-Linie gefahren. - Kardinal Müller beklagt sich auch darüber, dass er seine Wohnung in Rom auf eigene Kosten renovieren lassen musste.
Quellen: Passauer Neue Presse  spiegel  t-online.de
Zur Erinnerung: Menschen, die als Regensburger Domspatzen sexuellen und körperlichen Missbrauch erlebten, mussten sich mit Serienbriefen abspeisen lassen. Wer Anzeige erstattete, musste mit einer Unterlassungserklärung rechnen. 

18.7.2017 Kardinal Müller sieht bei sich keine Versäumnisse bei der Aufklärung der Missbrauchsfälle bei den Regensburger Domspatzen. "Eine "Chronologie der diözesanen Aufarbeitung von 2010 bis 2016" gibt detaillierte Auskunft über die Tatsachen, die oft weit von verbreiteten Fehlurteilen abweichen", sagte er der Deutschen Presse-Agentur in Rom, bevor der Abschlussbericht veröffentlicht wurde. "Um den Opfern zu helfen, wurden Diözesanbeauftragte bestellt, die mit einer Kommission von Experten den Anzeigen sorgfältig nachgehen." Müller verwies zudem auf einen Hirtenbrief. Darin habe er als Bischof die Opfer aufgerufen, sich zu melden.
Quelle: pnp.de   mittelbayerische.de

18.7.2017 Der Generalvikar des Bistums Regensburg, Michael Fuchs, räumte Versäumnisse bei der Aufklärung und Aufarbeitung von Übergriffen bei den Regensburger Domspatzen ein. Das Thema sei 2010 nach bestem Wissen und Gewissen angegangen worden, sei jedoch in vielem mangelhaft gewesen. Das habe eine Weiterentwicklung des Verfahrens nötig gemacht. Fuchs sagte auf Nachfrage, auch Kardinal Müller teile diese Einschätzung und sei erleichtert über die inzwischen erzielten Fortschritte.
Quelle: Radio Vatikan

18.7.2017 Ulrich Weber und Johannes Baumeister stellten in einer Pressekonferenz den Abschlussbericht über Fälle sexueller und körperlicher Gewalt bei den Regensburger Domspatzen vor. Sie machen vor allem mangelnde Kommunikation mitverantwortlich für die hohe Zahl der Opfer. Ab 2011/2012 wäre im Blick auf die Aufklärung notwendig gewesen, nicht nur die Einzelfallprüfung zu betreiben, sondern auch die strukturellen Bedingungen, die so viel Gewalt an Kindern ermöglichten. Weber sprach von 547 Opfern insgesamt, darunter 500, die körperliche Gewalt erlitten haben und 67 Opfer sexueller Gewalt. Ca 300 Opfer haben Anträge auf Entschädigung gestellt. Weber sprach von 49 Beschuldigten, 45 verübten körperliche Gewalt, 9 von ihnen verübten (auch) sexuelle Gewalt. Das Bistum Regensburg selbst hatte 2015 von 72 Opfern von Gewalt gesprochen. Zu den im Zwischenbericht genannten ca 700 Opfer sagte Weber: "Ich sehe keinen Grund, an der Gesamtopferzahl von 600 bis 700 zu zweifeln." Georg Ratzinger - so RA Weber - sei Wegschauen und fehlendes Einschreiten trotz Kenntnis der körperlichen Gewalt vorzuwerfen. Weber habe keine Erkenntnisse darüber, dass Ratzinger von sexueller Gewalt gewusst habe [der Vater von Probst hatte ihm sehr wohl sexuelle Gewalt mitgeteilt]. Kritik übte Ulrich Weber am früheren Regensburger Bischof, dem späteren Präfekten der Glaubenskongregation, in dessen Aufgabenbereich die kirchlichen Missbrauchsfälle fallen, Kardinal Müller. Dieser habe nicht das Gespräch mit den Opfern gesucht und eine "klare Verantwortung" für die "strategischen, organisatorischen und kommunikativen Schwächen" des von ihm 2012 initiierten Aufarbeitungsprozesses.
Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Rörig, wirft dem Bistum Regensburg unter dem damaligen Bischof Müller vor, mit der Aufarbeitung der Vorwürfe nicht früher begonnen zu haben. Unter Müller habe es eine "bleierne Zeit der Abwehr und Verschleppung gegeben", sagte Rörig.

Quellen: Abschlussbericht-Domspatzen.pdf  br.de  dlf  spiegel  br.de  welt.de orf  regensburg-digital  br.de  süddeutsche

18.7.2017 Im Interview sagte Prof. Dr. Harald Dreßing, der das Forschungsprojekt zu sexuellem Missbrauch in der Kirche leitet, dass die Forscher Zugriff zu den Geheimarchiven der Bischöfe haben. Personenbezogene Daten und damit personelle Verantwortlichkeiten seien jedoch nicht Gegenstand des Forschungsprojektes. Gegenstand der Forschung sei die Frage, ob es besondere Strukturen und Dynamiken gibt, die für die katholische Kirche spezifisch sind, die sexuellen Missbrauch in dieser Institution begünstigt haben, der doch, "so zeigen das ja viele andere internationale empirische Studien, in großem Maße vorgekommen ist".
Quelle: dlf

14.7.2017 In Italien wurden zuletzt rund 200 Geistliche wegen sexueller Übergriffe verurteilt und suspendiert.
Quelle: profil.at

14.7.2017 Ende 2015 soll es eine Anzeige gegen Kardinal Müller beim Kirchenanwalt (Promotor Iustitiae) des vatikanischen Strafgerichts gegeben haben. Die Anzeige liegt regensburg-digital vor und soll aus dem Umfeld des AKR (Aktionskreis Regensburg) kommen. Müller wird darin beschuldigt, mit der Wiedereinsetzung des Geistlichen Peter K. seine Aufsichtspflicht verletzt zu haben. Das Ergebnis der Anzeige ist unbekannt. Der amerikan. Jesuit Robert J. Geisinger, ist für die Anzeige zuständig. Das vatikanische Strafgericht ist der Glaubenskongregation unterstellt, dessen Präfekt Kardinal Müller war. Geisinger selbst wird die Vertuschung sexueller Übergriffe vorgeworfen.
Quelle: regensburg-digital.de
13.7.2017 "Im Jahr 2016 wurden in Deutschland insgesamt 133 Kinder unter 14 Jahren getötet. Noch mehr als im Vorjahr, meldet das Bundeskriminalamt. Die Zahlen seien alarmierend. Über 14.000 Kinder wurden demnach Opfer von sexueller Gewalt. Das sind nur die bekannten Fälle - die Dunkelziffer dürfte wesentlich höher liegen, sagen die Experten in Berlin." Täglich werden statistisch in Deutschland zwölf Kinder von Kinderärzten als misshandelt oder sexuell missbraucht identifiziert. Das betrifft jene Kinder, die überhaupt einem Arzt vorgestellt werden. "Kinderschutz und Jugendhilfe nach Kassenlage" dürfe es nicht geben, sagen Experten.
Quelle: swr 2  br  spiegel.de   dlf   general-anzeiger-bonn.de  tagesschau.de

13.7.2017 Die Zahl der von sexuellem Missbrauch im britischen Sport Betroffenen steigt weiter an. Die britische Polizei geht inzwischen von 741 Opfern und 276 mutmaßlichen Tätern aus. Die meisten davon kämen aus der Bereich Fußball.
Quelle: deutschlandfunk.de


13.7.2017 Das Rätselraten um die Gründe des Papstes für die Nichtverlängerung des Amtes von Kardinal Müller als Präfekt der Glaubenskongregation geht mangels Fakten weiter. Der Kommentator beim Domradio meint: "Dass jetzt einer, der sich eigentlich nichts zu Schulden hat kommen lassen und der auch noch in einem guten Alter ist mit 69 Jahren, nicht verlängert wird, das ist wirklich etwas Neues."
Quelle: domradio.de
Kommentar: Dass Kardinal Müller sich "eigentlich nichts zu Schulden hat kommen lassen" sehen z.B. Marie Collins. ehemaliges Mitglied der Päpstlichen Kinderschutzkommission, oder Opfer von sexuellem und körperlichem Missbrauch im Bistum Regensburg und bei den Regensburger Domspatzen anders. Collins wirft Müller vor, nicht mit der Päpstlichen Kinderschutzkommission zusammengearbeitet zu haben, die Installierung eines Tribunals für vertuschende Bischöfe verhindert zu haben ("nur ein Projekt")  und Briefe von kirchl. Missbrauchsopfern nicht beantwortet zu haben. Menschen aus dem Bistum Regensburg werfen Kardinal Müller vor, die Aufklärung der Missbrauchsfälle im Bistum Regensburg, incl. bei den Regensburger Domspatzen, verhindert oder blockiert zu haben. Unbekannt ist, ob der Papst durch dieses Verhalten des Kardinals zur Nichtverlängerung des Amtes veranlasst wurde. Unbekannt ist also auch, welchen Stellenwert die Aufklärung von kirchlichen Missbrauchsfällen für den Papst wirklich hat. 

13.7.2017 Die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen Kardinal Barbarin wurden bereits im Dezember 2016 eingestellt, wie erst jetzt durch die Französische Bischofskonferenz bekannt gemacht wurde. Barbarin war vorgeworfen, Fälle sexuellen Missbrauchs durch zwei Priester verschleiert zu haben. Die Vorwürfe bezogen sich auf die siebziger und neunziger Jahre, als Barbarin noch nicht Erzbischof von Lyon war.
Quelle: radiovaticana.va

11.7.2017 Wegen des Verdachts des sexuellen Übergriffs am Bad Godesberger AKO ermittelt die Polizei weiter gegen einen Lehrer. Eine Strafanzeige liege vor. Es gibt Hinweise auf weitere Grenzverletzungen gegenüber einer Schülerin. Schulleiter Sieburg sagte: „Es gab auch ansonsten beobachtbares [!] distanzloses Verhalten des Lehrers zu Schülern.“ 43 Eltern von AKO-Schülern fragten, ob die Schulleitung dem beschuldigten Lehrer gegenüber aktenkundig zu erkennen gegeben habe, dass sie seine Form der "Ausweitung des Schulischen ins Private" nicht billige. Das Elternschreiben geht nicht auf die Belange der mutmaßlich betroffenen Schülerin ein.
Quelle: general-anzeiger-bonn.de

7.7.2017 Um die 87 000 Menschen, mutmaßlich meist Männer, tauschten auf einer Internetplattform kinderpornografisches Material aus. Sie schicken sich Videos und Fotos zu, auf denen Kinder missbraucht werden, viele Babys sind darunter. Viele Väter boten ihre eigenen Kinder an.
Quelle: Süddeutsche  Süddeutsche

5.7.2017 Hans Zollner, SJ, sagt zu den Vorwürfen gegen Erzbischof Ladaria, den neuen Präfekten der Glaubenskongregation: "Das ist so falsch, dass ich es eigentlich nicht kommentieren will. Nur so viel: Für Täterschutz gibt es kein Indiz. Der Priester wurde laisiert, das ist die Maximalstrafe. Danach kann die Kirche ihn aber auch nicht mehr belangen. Der Rat an den zuständigen Bischof, aus dem Fall keinen Skandal zu machen, wurde von Kardinal Levada [dem zuständigen Präfekten] gegeben, nicht vom Sekretär Ladaria."
Quelle: zeit.de
Kommentar: Was zur Verteidigung von Erzbischof Ladaria vorgebracht wird, wirft ein Licht auf das oberste Ziel der Glaubenskongregation: Keinen Skandal machen! Kardinal Levada war vom 13.5.2005 bis 2.7.2012 Präfekt der Glaubenskongregation. Ihm wird vorgeworfen, nicht entschieden gegen Priester-Täter vorgegangen zu sein und Täter geschützt zu haben.


3.7.2017 Nachdem im Oktober 2016 das Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft gegen einen Pfarrer aus Pfaffenhofen, Bistum Augsburg, eingestellt wurde, wird auch kein kirchliches Strafverfahren eingeleitet. Es wurden - nach einer anonymen Anzeige - keine Beweise gefunden.
Quelle: Donaukurier  Süddeutsche

3.7.2017 Dem neuen Präfekten der Glaubenskongregation, Erzbischof Luis Francisco Ladaria Ferrer, wird von der italienischen Tageszeitung "Republicca" vorgeworfen, 2013 einen Missbrauchsfall, der ihm in der Glaubenskongregation bekannt wurde, nicht angezeigt zu haben. Dem beschuldigten Geistlichen aus Foggia wurde im Vatikan der kirchenrechtliche Prozess gemacht - er wurde aus dem Priesterstand entlassen. Nach einem Schreiben der Glaubenskongregation von 2012 (unterzeichnet von Ferrer und dem damaligen Präfekten Levada) solle der neue Status des laisierten Geistlichen keinen Skandal unter den Gläubigen verursachen. Nur wenn die Gefahr eines erneuten Missbrauchs bestehe, solle der zuständige Bischof den Fall öffentlich machen. 
Der Ex-Priester arbeitete nach seiner Entfernung aus dem Priesteramt als Jugend-Fußballtrainer und näherte sich weiteren zehn Minderjährigen.
In den italienischen Leitlinien von 2012 stand nicht, dass kirchliche Stellen die "moralische Pflicht" haben, Verdachtsfälle an staatliche Behörden zu melden. Diese Ergänzung wurde erst 2014 in die Leitlinien aufgenommen. In Italien gibt es auch keine automatische Anzeigepflicht der Kirche bei staatlichen Behörden.

Quellen: katholisch.de  kath.ch

1.7.2017 Kardinal Müller schien, nachdem seine Amtszeit als Präfekt der Glaubenskongregation nicht verlängert wurde, überrascht. Differenzen zwischen ihm und dem Papst habe es aber nicht gegeben, sagte er. Der Papst wolle aber ab sofort nur noch fünfjährige Amtszeiten zulassen und habe mit dieser Regelung bei ihm, Müller, begonnen. Der Theologe Wofgang Beinert kommentierte, es sei "eine Entlassung ins Nichts" und die Entlassung sei eine Strafe.
Quellen: allgemeine-zeitung.de  dnn.de  focus.de

1.7.2017 Der Nachfolger von Kardinal Müller wird der bisherige Stellvertreter Müllers, Kurienerzbischof Luis Francisco Ladaria Ferrer (73). Ferrer ist Jesuit und hat u.a. an der Jesuitenhochschule in St. Georgen/Frankfurt studiert. Auch die bisherigen Ämter Müllers in der Päpstlichen Kommission "Ecclesia Dei", der Päpstlichen Bibelkommission und der Internationalen Theologischen Kommission übernimmt Ferrer von Müller.
Quelle: Domradio  Radio Vatikan katholisch.de

30.6.2017 Für manche Kinder wurde die Kinderkur zu großen Schrecken. Misshandlung und sexueller Missbrauch eingeschlossen. Triggergefahr!
Quelle: zeit.de

30.6.2017 Papst Franziskus hat die Amtszeit des Präfekten der Glaubenskongregation nicht verlängert. Kardinal Müller ist ab Sonntag nicht mehr in diesem Amt. Über die Gründe der Nicht-Verlängerung wurde nichts bekannt.
Quelle: katholisch.de

Kommentar: Ich erinnere ausschnittweise daran, wie der ehemalige Bischof von Regensburg und bisherige Kardinal Müller, Chef der Glaubenskongregation, die für kirchliche Missbrauchsfälle zuständig ist, mit Missbrauchsfällen umging:
Müller selbst setzte einen
Missbrauchstäter im Bistum Regensburg wieder ein und betonte, es gebe keinen Beleg dafür, dass die Kirche Missbrauch durch Kleriker absichtlich vertuscht habe. Opfern
verweigerte er die Anerkennung  Den Vorwurf, dass die Aufklärung bei den Regensburger Domspatzen mangelhaft sei, nannte er postfaktisch. Noch im Februar 2017 sprach Müller davon, dass Missbrauch nicht systematisch vertuscht worden sei.
Die
Presseberichte über Missbrauchsfälle in der Kirche verglich er mit der
Christenverfolgung in der Antike, sprach von
Lynchjustiz, die auf dem Niveau von Hexenprozessen stehen geblieben sei, fühlte sich an eine Pogromstimmung erinnert, nannte die Berichterstattung eine "Verletzung der Menschenwürde aller katholischen Priester und Ordensleute"  und stellte die Berichterstattung über Missbrauchsfälle in die Nähe nationalsozialistischer Agitation.
Als Marie Collins die Päpstliche Kinderschutzkommission verließ, weil die Glaubenskongregation die Kommunikation verweigerte und die Arbeit der Kinderschutzkommission nicht unterstützte, wurde bekannt, dass der vom Papst gewünschte
Gerichtshof für Bischöfe  von Kardinal Müller als " lediglich ein Projekt" bezeichnet wurde - es gebe längst Möglichkeiten, Bischöfe zu sanktionieren. Den Offenen Brief von Marie Collins hat der Kardinal bis heute nicht beantwortet.

30.6.2017 Die Westschweizer Vereinigung "Groupe Sapec" weitet ihre Suche nach Opfern katholischer Kleriker auf Länder Afrikas und Südamerikas aus.
Quelle: kath.ch

30.6.2017 Derzeit wird in Augsburg gegen einen hochrangigen Zen-Priester wegen sexuellen Missbrauchs verhandelt. Der Angeklagte berichtete dabei u.a. von sexuellen Übergriffen durch einen katholischen Priester in Altötting in seiner Kindheit/Jugend.
Quelle: augsburger-allgemeine.de

Der geständige Zen-Priester wurde zu sieben Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt. 11.7.2017
Und er berichtete von sexuellen Übergriffen durch einen katholischen Pfarrer in Altötting. ...
Zen-Priester: So wütend sind die Mütter der missbrauchten Buben - weiter lesen auf Augsburger-Allgemeine: http://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg-land/Zen-Priester-So-wuetend-sind-die-Muetter-der-missbrauchten-Buben-id41891086.html

30.6.2017 Kommentare zum Fall Pell: welt.de  bernerzeitung.ch  srf.ch  nzz  domradio.de Süddeutsche
29.6.2017 Horst Hohmann berichtet vom Kesseltreiben gegen die Opferorganisation SNAP.
Quelle: imprimatur-trier.de

29.6.2017 Ein früherer katholischer Priester, der sich durch gefälschte Zeugnisse das Priesteramt in der  Erzdiözese Stettin-Camminin in Polen erschlichen hat und 2008 im Bistum Mainz laisiert wurde, muss sich vor Gericht verantworten wegen sexuellem Missbrauch, gewerbsmäßigem Betrug, Urkundenfälschung und Missbrauch von Titeln und Berufsbezeichnungen. Ihm wird ein Vergewaltigungsversuch an einer 18-Jährigen in Österreich und sexueller Missbrauch von fünf Jungen bei insgesamt über 100 Gelegenheiten vorgeworfen. Die Missbrauchstaten geschahen im Raum Mainz, in Österreich, Italien, der Schweiz, Polen und zuletzt im Landkreis Deggendorf.
Auch nach seiner Entlassung aus dem Klerikerstand war der Ex-Priester mit einem offensichtlich gefälschten Priesterausweis weiterhin als Seelsorger tätig, darunter im Landkreis Deggendorf (Bistum Regensburg), im Raum Erding (Erzbistum München), in Taufkirchen (Erzbistum München) und in der Diözese Regensburg. Im Bistum Regensburg war der Beschuldigte aushilfsweise als Seelsorger tätig - er hatte den zuständigen Pfarrer über seine Identität und seine kirchliche und strafrechtliche Vorgeschichte getäuscht.

Quelle: br.de  br.de  katholisch.de
Kommentar: Da ist ja wohl zu fragen, wie es im Fall vaganter Priester mit der Kommunikation zwischen Pfarrern und ihrem Bistum, zwischen den Bistümern (inclusive dem Herkunftsbistum des Priesters) und zwischen der Kirche und den staatlichen Behörden bestellt ist, wenn die Entlassung 2008 geschah, 2014 eine erste Warnung erging und der Ex-Pfarrer noch 2015 amtieren konnte.
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29.6.2017 Marie Collins, ehemaliges Mitglied der Päpstlichen Kinderschutzkommission schreibt in ihrem Blog: Über die Schuld oder Unschuld an sexuellem Missbrauch durch Kardinal Pell könne sie vor einer gerichtlichen Untersuchung nicht urteilen. Aber sie sei der Ansicht, dass Pell sich niemals im Vatikan hätte verstecken dürfen, um zu vermeiden, für die falsche Behandlung von Missbrauchsfällen in Australien sanktioniert zu werden. Außerdem hätte er nie zu einer so hochrangigen Stellung ernannt werden dürfen und die Niederlegung seines Amtes sei viel zu spät erfolgt. Die Amtsniederlegung hätte bereits 2016 erfolgen müssen, als die australische Polizei ihre Ermittlungen wegen Missbrauchsvorwürfen begann. Kirchliche Leitlinien sehen die Amtsniederlegung vor, sobald Missbrauchsvorwürfe auftauchen, schreibt Collins und fragt, warum der Rang eines Beschuldigten einen Unterschied machen solle.
Quellen: mariecollins.net  ncronline.org

29.6.2017 Kardinal Pell hat den Papst gebeten, sein Amt als Finanzchef des Vatikans vorübergehend niederlegen zu dürfen, um seine Unschuld  zu beweisen.
Quelle: orf

29.6.2017 Die australische Justiz hat ein Ermittlungsverfahren gegen den australischen Kurienkardinal Pell, Chef der vatikanischen Finanzbehörde, wegen Missbrauchsverdacht eingeleitet. Ihm wird australischen Medienberichten zufolge von zwei Männern vorgeworfen, sie Ende der 1970er Jahre missbraucht zu haben. Drei Männer werfen ihm vor, sich in den 80er Jahren nackt gezeigt zu haben. Eine erste Anzeige wegen Missbrauchs eines Zwölfjährigen, die 2002 auch kirchlich untersucht wurde, bezieht sich auf das Jahr 1961 (s. auch queer.de). 2002 stellte der viktorianische Richter fest, dass sowohl der Ankläger als auch der Beklagte ehrliche Zeugen seien. Pell wurde aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Am 18. Juli wird Pell nach Auskunft der Erzdiözese Sydney nach Australien kommen, um sich gegen die Vorwürfe zu verteidigen. Er wies die Vorwürfe wiederholt als "völlig unwahr und komplett falsch" zurück und sprach von einer "skandalösen Schmutzkampagne" gegen ihn. Bislang gab es keine gerichtliche Untersuchung der Vorwürfe der 1970er und 1980er Jahre.
In Australien haben sich mindestens 4440 Opfer katholischer Kleriker, Ordensfrauen und Laienmitarbeiter bei der königlichen australischen Untersuchungskommission gemeldet. Unter den Opfern ist auch ein Bischof, der als Flüchtling missbraucht wurde. Bislang hat die kath. Kirche Australiens mehr als 276 Millionen Euro als Ausgleich gezahlt.

Quelle: sueddeutsche.de

29.6.2017 Papst Franziskus hat den italienischen Priester Mauro Inzoli, wegen seiner Vorlibe für Autos "Don Mercedes" genannt, aus dem Priesterstand entlassen. Inzoli war Pfarrer und Rektor des katholischen Shakespeare-Gymnasiums in Crema und hatte eine führende Position in der Gemeinschaft "Comunione e Liberazione". Dort war er u.a. verantwortlich für die jugendlichen Mitglieder. Die Vorgeschichte: Erste Vorwürfe wurden 1999/2000 gegenüber dem zuständigen Bischof erhoben. Erst 2009 kam es zu einem kirchlichen Prozess. Im Dezember 2012 entließ Papst Benedikt Inzoli aus dem Priesterstand. Inzoli legte bei der Glaubenskongregation Einspruch ein. Im Juni 2014 nahm Papst Franziskus ihn wieder auf und verurteilte ihn zu einem "Leben in Gebet und demütiger Zurückhaltung". Die Auflage hinderte Inzoli nicht, im Januar 2015 an einer öffentlichen Tagung von Comunione e Liberazione teilzunehmen. Im Juni 2016 wurde Inzoli von einem staatlichen Gericht zu vier Jahren und neun Monaten Haft wegen sexuellen Missbrauchs von fünf Jungen in der Zeit von 2004 bis 2008 verurteilt. Ca 15 ältere Taten waren verjährt.
Quelle: kathpress.at

29.6.2017 Einem Tiroler Ordensmann wird der Missbrauch eines jugendlichen Lehrlings, dessen Chef der Ordensbruder war, vorgeworfen. Die Polizei ermittelt. Der Ordensmann wurde von der Provinzleitung des Serviten-Ordens beurlaubt.
Quelle: kleinezeitung.at

27.6.2017 Ursula Enders, Zartbitter, schätzt, dass unter Missbrauchstätern 20% weiblich sind. Seit ihrem Buch "Auch Indianer kennen Schmerz (1995) habe sich wenig für Jungen als Opfer geändert: Selbst nach 2010 sei auf politischer Ebene wenig geschehen, Beratungsstellen für Jungen sind nicht gut ausgestattet und haben keine finanzielle Sicherheit.
Quelle: focus.de

26.6.2017 Die neuen Vergewaltigungsvorwürfe gegen drei Jesuiten am AKO wird die Bonner Staatsanwaltschaft nicht verfolgen. Die mutmaßlichen Straftaten seien verjährt und der Geschädigte habe sich nicht gegenüber den Strafverfolgungsbehörden gemeldet. Bislang waren die Anschuldigungen nicht bekannt. Einer der mutmaßlichen Täter lebt noch.
Quelle: wdr


26.6.2017 Das Forschungsprojekt der Bischofskonferenz „Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“ wird bis September 2018 verlängert. Ursprünglich sollte es 2017 beendet werden. Grund der Verlängerung: Umfang und Komplexität.
Quelle: Bistum Essen

23.6.2017 Charles Scicluna bescheinigt der kath. Kirche beim Schutz von Minderjährigen vor sexuellem Missbrauch in der Vergangenheit einen amateurhaften Ansatz. Scicluna war von 2002 bis 2012 in der Glaubenskongregation für die innerkirchliche Strafverfolgung u.a. von Missbrauchstätern zuständig. - Der Leiter des Kinderschutzzentrums, Hans Zollner, SJ, forderte auf der dritten "Anglophone Safeguarding Conference 2017" mehr Schulung für kirchliches Personal und und höhere Standards beim Kinderschutz. Auf der Konferenz ging es um Zukunftsperspektiven für (kirchliche) Missbrauchsopfer, deren Begleiter und für Täter.
Quelle: domradio.de

23.6.2017 Der Primas der anglikanischen Kirche von England, Justin Welby, hat seinem Vorvorgänger George Carey nahegelegt, sein Amt als Hilfsbischof nicht mehr auszuüben. Carey wird vorgeworfen, sechs von sieben Briefen von Missbrauchsopfern oder ihren Familien nicht an die Polizei weitergeleitet zu haben. Die Anzeigen betrafen den heute 85-jährigen anglikan. Bischof von Gloucester, Peter Ball, der sexuelle Übergriffe auf mindestens 18 Minderjährige verübte.
Quelle: orf

23.6.2016 Beim Eckigen Tisch hat sich ein Betroffener gemeldet, der sagt, dass er zwischen 1980 und 1983 (10-13 Jahre alt) mehrfach Opfer schweren sexuellen Missbrauchs insbesondere durch zwei Jesuitenpatres und Opfer gefährlicher Körperverletzung durch einen dritten Pater wurde.
Quelle: Eckiger Tisch

23.6.2017 Der Schweizer Kapuziner Joel Allaz wurde am 20.5.2017 von der Glaubenskongregation mit Zustimmung des Papstes von den Ordensgelübden entbunden und aus dem Klerikerstand entlassen. Allaz wurde erstmals 1995 wegen sexuellen Missbrauchs angeklagt. Das Verfahren wurde wegen Verjhrung eingestellt. 2008 gab es eine weitere Voruntersuchung, bei der 22 Opfer identifiziert wurden - auch hier waren die Taten verjährt. Während dieser Untersuchungen benannte Allaz zwei weitere Opfer, die er von 1992 bis 1995 in Frankreich missbrauchte. Die Schweizer Kapuziner sind überrascht von der Härte, die der Ausschluss aus dem Orden bedeutet. Die Kapuziner werden weiterhin für Allaz aufkommen und er erhält Unterkunft in einem der Kapuziner-Häuser. Damit werde der Orden den Ansprüchen des Evangeliums, das Gerechtigkeit und Barmherzigkeit fordere, gerecht.
Quelle: kath.ch

21.6.2017 Bischof Hanke, Eichstätt, rechtfertigt die Diakonenweihe für den Seminaristen, der im Priesterseminar Würzburg wegen antisemitischer Witze entlassen wurde. Damals bestätigten die Gutachter dem Seminaristen eine höchst bedenkliche Grundhaltung, nicht etwa nur ein Fehlverhalten. In die Entscheidung für oder gegen die Weihe waren die Gutachter nicht einbezogen. Der Präsident des Zentralrats der Juden, Schuster, nennt die Weihe einen Persilschein, der inakzeptabel sei. Bischof Hanke begründet die Weihe damit, dass keine Heiligen geweiht werden, sondern Menschen. Auf die Frage von Journalisten, ob der Weihekandidat denn Reue zeige, zögerte der Bischof.
Man hätte die damaligen Gutachter erneut hinzuziehen müssen: Sie hätten dem "Seminaristen eine höchst bedenkliche Grundhaltung, nicht einen Ausrutscher aufgrund von jugendlichem Leichtsinn attestiert". Der nun ausgestellte "Persilschein", so Schuster, sei inakzeptabel.

Eichstätt: Eichstätter Bischof Hanke verteidigt Rückendeckung für umstrittenen Priesteranwärter - Lesen Sie mehr auf:
http://www.donaukurier.de/nachrichten/bayern/Eichstaett-Priesteranwaerter-Antisemitismus-DKmobil-Wir-weihen-keine-Heiligen;art155371,3434938#plx205238394
Quelle: donaukurier.de

17.6.2017 In einer katholischen Gemeinde in Schwalbach wird am 24. Juni ein Gedenkstein für Pascal und andere verschwundene und missbrauchte Kinder aufgestellt. Das beschlossen die Gremien im Anschluss an eine Präventionsschulung. Damit setzen sie ein Zeichen für Zugehörigkeit von Betroffenen.
Quelle: stern.de

17.6.2017 Einem 68-jährigen reformierten Pfarrer, der in den Kantonen Aargau, Solothurn und Schwyz arbeitete, wird sexueller Missbrauch vorgeworfen. Den jahrelangen Missbrauch von vier Enkelkindern (6 - 14 Jahre) gestand er; Übergriffe außerhalb der Familie bestreitet er. Er befindet sich in Untersuchungshaft.
Quelle: srf.ch

16.6.2017 Ein buddhistischer Mönch aus Augsburg hat gestanden, Kinder im Alter von vier bis dreizehn Jahren, darunter einen Flüchtling im Kirchenasyl. Ebenfalls missbrauchte er die beiden Söhne einer Frau, die nach dem Tod ihres Mannes Rat suchte und mit der er eine Beziehung hatte.
Quelle: religion.orf.at

15.6.2017 Mindestens 160 Studenten des St. Stanislaus College in Bathurst wurden von pädophilen Priestern und Mitarbeitern missbraucht. Nun will das Internat sich im Rahmen eines Gottesdienstes entschuldigen. Ehemalige Opfer sind empört, an den Ort ihres Leides zurückkehren zu sollen, um die Entschuldigung zu hören. Sie sagen:
“You would’ve thought the church and this school would have learnt the lesson, but instead they’re still disrespecting the victims. They’re still prioritising their own needs.”
Quelle: newsgrio.com

14.6.2017 Der Zwischenbericht der Unabhängigen Kinderschutzkommission liegt vor. Christine Bergmann kommentiert: "Aufarbeitung ist die Basis für eine wirkliche vernünftige Prävention. Alles was da aufgearbeitet wird, hilft Kinder künftig besser zu schützen und hilft eben auch den Betroffenen, mehr Unterstützung zu bekommen für das was sie erlitten haben und was sie benötigen, um mit den Folgen fertig zu werden."
In den Blick geraten Familienmitglieder, vor allem Mütter, als Mitwissende, die ihren Kindern nichht glauben und ihnen nicht helfen.
Wie wichtig der Gesellschaft die Unterstützung von Opfern ist, kann hier oder auch hier nachgelesen werden. Dass 13 von 16 Bundesländern sich weigern, in den für Opfer eingerichteten Fond Geld einzuzahlen, gehört zu diesem Bild.
 Quellen: aufarbeitungskommission.de  br  Zeit  katholisch.de
Kommentar: So richtig es ist, das Versagen der Mütter als Mitwissende zu beklagen, so darf darüber jedoch nicht in den Hintergrund treten, dass die Missbrauchstäter meistens männlich sind: Väter, Stiefväter, Lebenspartner der Mutter, Brüder, männliche Verwandte, Nachbarn, Priester.... Sexueller Missbrauch durch Frauen/Mütter ist kaum erforscht - die Zahlen schwanken zwischen 10 bis 25% der Missbrauchstaten.

13.6.2017 Sexueller Missbrauch ist noch immer ein Tabu. Im Gespräch mit den Experten Sabine Andresen und Johannes-Wilhelm Rörig berichten sie, dass die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs bundesweit rund 200 Betroffene sexualisierter Gewalt angehört und von 170 Betroffenen schriftliche Berichte erhalten und ausgewertet hat. Insgesamt haben sich etwa 1000 Menschen für Anhörungen bereit gefunden. Weitere vertrauliche GEspräche sind mangels Finanzen nicht mehr möglich. Das Anhörungs-Projekt endet im März 2019.
Quelle: zeit

11.6.2017 Die Marburger Erziehungswissenschaftlerin Sabine Maschke hat Jugendliche in einer repräsentativen Untersuchung nach Erfahrungen sexueller Gewalt vor allem unter Gleichaltrigen befragt. Die Sexualisierung und Pornografisierung der Alltagskultur beeinflusst Jugendliche gravierend. 18% der Jungen und 60% der Mädchen haben noch nie einen Porno angeschaut. 50% der Jugendlichen wurden schon als schwul oder lesbisch verhöhnt, in sozialen Medien sexuell belästigt, zum Opfer exhibitionistischer Handlungen. Jeder vierte hat mindestens einmal, meist öfter, körperliche sexuelle Gewalt erlebt. Vor allem Mädchen sind betroffen. Die Täter bei körperlichen Übergriffen sind meist männliche Gleichaltrige.
Quelle: Süddeutsche  Speak-Studie

11.6.2017 Die amerikanische Bischofskonferenz hat ihren Jahresbericht zu sexuellem Missbrauch vorgelegt. 2015/2016 gab es im Vergleich zu 2014/2015 einen Anstieg der Opfer um 132 % und der Täter um 59%. Der Anstieg wird erklärlich, weil in sechs Diözesen in Minnesota durch die Aufhebung von Verjährungsfristen die Zahl der Anzeigen erheblich gestiegen ist. Ohne die Bistümer von Minnesota beträgt der Anstieg bei den Opfern 9%, 7% bei den Anzeigen und 8% bei den Tätern.
Zum Bericht: usccb.org
2015 http://www.usccb.org/news/2016/16-059.cfm

11.6.2017 Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs hat zu wenig Geld und kann daher keine Anmeldungen für vertrauliche Anhörungen von Betroffenen mehr entgegennehmen. Das teilte die Kommissionsvorsitzende Sabine Andresen mit.
Quelle:
evangelisch.de
9.6.2017 Vor vier Jahren fielen drei Priesteramtskandidaten im Würzburger Priesterseminar durch antisemitische und rassistische Äußerungen auf. Nun hat der Bischof von Eichstätt einen der Priesteramtskandidaten - aus dem Erzbistum Bamberg stammend - zum Diakon geweiht.
Quelle: donaukurier.de


9.6.2017 Ermittlungen gegen den früheren Bischof von Orléans (2002-2010), André Fort (81), wegen Nichtanzeige sexueller Übergriffe wurden eingeleitet. Der emeritierte Bischof soll von sexuellem Missbrauch an Minderjährigen im Jahr 1993 durch einen für die Pfadfinder zuständigen Priester gewusst haben.
Quelle: kath.ch

9.6.2017 Die Informationen über den im Bistum Würzburg wohnenden Ruhestandspriester, dem sexueller Missbrauch in den 1990er Jahren vorgeworfen wird, stammen von Johannes Heibel, Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen und Christine Jeske, Redakteurin der Mainpost. Der Beschuldigte war zunächst im Erzbischöflichen Collegium Marianum in Neuss. Der damalige Rektor schrieb an das Priesterseminar in Trier ein Gutachten, das nicht gut ausgefallen sei. Mitte der 1980er Jahre erklärte der Regens des Trierer Priesterseminars, der Mann sei für das Amt des Priesters nicht geeignet. Bevor der Ruhestandspriester entlassen werden konnte, ging er in ein "großes Kloster" in Österreich. Das Kloster fragte nicht in Trier nach dem Grund für das Verlassen des Priesterseminars. Anfang der 1990er Jahre gab es nach Aussage eines Informanten vor der ewigen Profess Bedenken, die aber der damalige Probst und Novizenmeister nicht beachteten. Nach der Profess missbrauchte der Beschuldigte einen Ministranten - die Anklage wurde klosterintern geregelt. Der mutmaßliche Täter bat um Entbindung von seinem Gelübde, verließ das Kloster, wohnte aber einige Jahre in einer klostereigenen Wohnung in Wien. 1996 weihte ihn ein griechisch-katholischer rumänischer Bischof. Heute sagt das rumänische Bistum, der Mann sei dort nicht bekannt und werde nicht als ordinierter Priester geführt. Im Bistum Eichstätt wurde die Übernahme des Priesters abgelehnt. Darauf ging er ins Bistum Basel in eine Pfarrei - vermittelt durch einen ehemaligen Mitstudenten im Trierer Priesterseminar. In der Pfarrei entstanden wohl "böse Gerüchte (Bruch des Zölibats, unkorrektes Verhalten gegenüber Jugendlichen); das Zeugnis, das die Schweizer Pfarrei ausstellte, sei jedoch sehr positiv gewesen. Seit 2000 war er im Bistum Würzburg angestellt.
Quelle: mainpost.de
Kommentar:
Offensichtlich informierten die beteiligten kirchlichen Stellen einander nicht bzw. nur begrenzt über Eignung und Verhalten des Beschuldigten und fragten auch nicht an vorhergehenden Dienststellen nach. Und der Beschuldigte scheint auch immer neu tatkräftige Unterstützung durch Kirchenleute erhalten zu haben.
8.6.2017 In den USA überwachen weder der Staat noch die Kirche jene Priester, die Kinder und Jugendliche sexuell missbrauchten, dafür jedoch nicht vor Gericht verurteilt wurden, weil sie von der Kirche nicht angezeigt wurden. In der Regel haben sie den Kirchendienst verlassen und unterstehen keinem Bistum mehr. In staatlichen Registern von Missbrauchstätern tauchen sie nicht auf. Nicole Sotelo, Woman Healing, ermittelte im Erzbistum Chicago die Adressen von 29 der 33 noch lebenden Priester, die Missbrauchstäter waren. Fünf der Täter wohnten oder hatten im Abstand von 500 Fuß (152 m) von einer Schule oder einer Tagesstätte für Kinder gewohnt und elf in einem Abstand von bis zu 1500 Fuß (456 m).
Quelle: ncronline.org
Kommentar: Auch in den Kirchen in Deutschland, Österreich und Rumänien gibt es keine Überwachung von Priestern, die sexuellen Missbrauch begangen haben, der kirchenintern behandelt wurde. Wenn sie aus dem Priesteramt entlassen wurden, hat die Kirche keine Möglichkeit der Überwachung mehr. Wie der Fall eines Priesters im Bistum Würzburg zeigt, scheint es im Gegenteil noch immer so zu sein, dass Täter unter dem Schutz der Kirche stehen und von ihr gefördert werden (
mainpost.de).
8.6.2017 Ein im Bistum Würzburg wohnender, aber nicht im Bistum inkardinierter kath. Ruhestandspriester (55) wurde vom Bistum wegen sexuellen Missbrauchs bei der Staatsanwaltschaft angezeigt. Die Vorgeschichte, soweit sie den Presseberichten zu entnehmen ist: Der Beschuldigte soll Anfang der 90er Jahre als Mitglied einer österreichischen Ordensgemeinschaft in einem Kloster an einem 15- oder 16-jährigen Ministranten Missbrauch begangen haben. 1996 wurde der Beschuldigte in Rumänien zum Priester geweiht. Von 1998 bis 2000 war er in der Schweiz als Kaplan tätig. Zwischen 2000 bis 2002 arbeitete er im Bistum Würzburg. Bei seiner Anstellung in Würzburg lagen eine positive Beurteilung des rumänischen Bischofs, eine ausführliche positive Beurteilung durch seine Schweizer Dienststelle und ein Führungszeugnis ohne Eintrag vor.
2002 zeigte sich der Priester selbst wegen sexuellen Missbrauchs eines 11-Jährigen an. Er wurde zu zehn Monaten auf Bewährung verurteilt. Die Glaubenskongregation entschied, dass der Geistliche nach Abschluss einer Therapie nicht wieder in der ordentlichen Seelsorge eingesetzt werde.
Quellen: Bistum Würzburg   SZ   kath.de  br  abendblatt.de 


7.6.2017 Es gibt Hinweise, dass der sexuelle Missbrauch von Kindern in Einrichtungen der Korntaler Brüdergemeinde auch in der evangelischen Gemeinde von Ditzingen bekannt gewesen sein kann. Der Pfarrer der Korntaler Brüdergemeinde hat möglicherweise Jungen missbraucht - dies bestätigen zwei mutmaßliche Opfer.
Im Anschluss an einen Bericht des swr, Report Mainz am 30.5.2017 haben sich nach Auskunft von Detlev Zander, der 2014 von Gewalt berichtet, 26 Opfer gemeldet. Damit begann die Aufklärung. Nach dem Bericht gestand die Brüdergemeinde erstmals, dass es sich um ein System der Gewalt gehandelt habe. Bislang hatte die Brüdergemeinde von Einzelfällen gesprochen.

Quelle: Leonberger Kreiszeitung

7.6.2017 Der Sonderermittler bei den Regensburger Domspatzen wird seinen Bericht in der 2. Juliwoche vorstellen. Der ursprünglich geplante Termin der Veröffentlichung der Untersuchungsergebnisse hat sich wegen der Datenfülle und dem Qualitätsanspruch verschoben. Außerdem gingen zahlreiche weitere Informationen ein, darunter auch neue Opfermeldungen. Im Oktober 2016 hatten sich 422 mögliche Opfer gemeldet.
Quelle: Mittelbayerische


2.6.2017 Corey Taylor wurde - wie Ozzy Osbourne, Carlos Santana und Axl Rose - als Kind vergewaltigt und spricht darüber.
Quelle: ze.tt

2.6.2017 Ein heute 62-Jähriger beschuldigt den verstorbenen Erzbischof Felixberto C. Flores, ihn vor mehr als 50 Jahren an der Cathedral Grade School sexuell missbraucht zu haben. Flores war der Vorgänger des beurlaubten Erzbischofs von Guam, Apuron, der im Vatikan auf seinen Prozess wegen Kindesmissbrauchs wartet. Flores ist neben Apuron und dem ehemaligen Bischof von Saipan der dritte Kirchenführer von den Marianen, die des sexuellen Missbrauchs beschuldigt werden. Der Bischof von Saipan, emeritus Tomas Camacho wird ebenfalls vor dem Bezirksgericht von Guam beschuldigt.
Quelle: guampdn.com

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2.6.2017 In Guam gibt es inzwischen 72 Opfer, die sich zu erkennen gegeben haben. Als Täter benannte der zuletzt Anzeigende den Priester Cepeda, der bereits von fünf anderen Opfern als Täter benannt wurde.
Quelle: ns1.pacificnewscenter.com

1.6.2017 John Crowley, der Direktor des australischen St. Patrick's College in Ballarat, in dem Studenten missbraucht wurden, sagte, es genüge nicht mehr, mit sorgfältig ausgewählten, aber hohlen Worten, gebrochenen Versprechungen und leeren Gefühlen auf die Opfer zu reagieren. Der Test der Echtheit des Bedauerns sei das Handeln der Kirchenverantwortlichen. Die königliche australische Missbrauchskommission spricht u.a. von dreihundert identifizierten "Christlichen Brüder", die 1015 Kinder und Jugendliche missbrauchten.
Quelle: townsvillebulletin.com.au

30.5.2017 Den ca 20.000 australischen verurteilten Missbrauchstätern, die ihre Strafe abgesessen haben, soll der Pass abgenommen werden, um sie daran zu hindern, im Auslang Kinder zu missbrauchen. Zuletzt war vermehrt registriert worden, dass verurteilte und entlassene australische Täter Opfer in asiatischen Entwicklungsländern suchten.
Quelle: sueddeutsche.de

30.5.2017 Über die Auflärung der körperlichen, seelischen und sexuellen Gewalt in Heimen der Korntaler Brüdergemeinde. Der Verdacht, dass Kinder an Paten zu sexuellem Missbrauch ausgeliehen wurden, wird geprüft.
Quelle: ardmediathek.de

30.5.2017 Ursprünglich erhielten die irischen Sisters of Charity die Lizenz für den Betrieb einer Geburtsklinik in Dublin. Der Staat wollte den Schwestern 300 Millionen Euro für den Bau geben, der in den Besitz des Ordens übergehen sollte. Die Sisters of Charity gehören zu den Betreibern der früheren Magdalenenheime, in denen bis in die 90er Jahre des 20. Jhs. Frauen misshandelt, missbraucht und ausgebeutet wurden und Kinder misshandelt, zum Teil zur Adoption in die USA verkauft, zum Teil in einer Sickergrube "begraben" wurden. Der Orden hatte sich zu Entschädigungen bei Missbrauchsfällen verpflichtet, kam aber seinen Zahlungen nur unvollständig nach - statt der verabredeten 5 Millionen Euro zahlte der Orden lediglich 13 % aus. Nach vielfältigem öffentlichem Protest (Rückzug eines Gynäkologen, Petition mit 100.000 Unterschriften, zwei Demonstrationen) haben sich die Ordensfrauen aus der Geburtsklinik zurückgezogen.  
Quelle: orf

29.5.2017 G.R.Pafumi, Vertreter der "Victims Speak Database/VictimsSpeakDB.org" spricht von 75 Missbrauchsfällen alleine in Guam. Involviert sind 70 Opfer und 15 Kleriker. Im September 2016 wurde die Verjährungsfrist für Missbrauchsanzeigen in Guam aufgehoben.  Es wird erwartete, dass der Vatikan ein Urteil über den u.a. des sexuellen Missbrauchs und der Vertuschung angeklagten Bischof von Guam, Apuron im Juni fällen wird. Es wäre der erste Prozess dieser Art im Vatikan. Bislang gab es kein einziges Urteil gegen einen Bischof.
Quelle: guampdn.com

28.5.2017 Literaturhinweis für KatholikInnen: Christiane Florin: Der Weiberaufstand. Im Klappentext steht: "Es geht mir um die kleinen NAdelstiche, die ganz selbstverständlichen Benachteiligungen, nur weil das Gegenüber eine Frau ist. Würde man so handeln, weil das Gegenüber eine dunkle Hautfarbe hat, dann wäre man Rassist. Handelt und redet man so, weil das Gegenüber eine Frau ist, was ist man dann? Katholisch."
Quelle:  randomhouse.de s. auch Streitgespräch

23.5.2017 Kardinal Barbarin, Lyon, muss erneut vor Gericht. Ihm wird erneut Nichtanzeige sexueller Übergriffe bei Gericht vorgeworfen. Die Anzeige richtet sich u.a. auch gegen Pierre Durieux, Kommunikationsdirektor von Kardinal Barbarain; Regine Maire, verantwortlich für Opfer von Priestern; Maurice Gardès, Erzbischof von Auch; Pater Xavier Grillon, den Vorgesetzten von Preynat, der 70 Kinder und Jugendliche missbrauchte; Thierry Brac de la Perrière, Bischof von Nevers und Monsignor Luis Ladaria, Sekretär der Glaubenskongregation. Zehn Opfer eines Priesters des Bistums Lyon haben die Klage eingereicht. Die Staatsanwaltschaft hatte 2016 Ermittlungen wegen einer anderen Anschuldigung wegen Nichtanzeige gegen Kardinal Barbarin eingestellt.
Quelle: katholisch.de  lefigaro.fr

22.5.2017 Bis zu 300.000 Kinder wurden in Spanien ihren Müttern direkt nach der Geburt weggenommen mit der Information, sie seien gestorben. Dann wurden diese Kinder verkauft. Beteiligt an dem Kinderhandel waren Ärzte, Notare und die katholische Kirche. Bereits 2011 gab es Informationen an die Presse (ARD-Studio Madrid) gegeben worden, geschehen ist nichts. Ärzte mit politischen Freunden und "Kräfte der katholischen Kirche" hätten dafür gesorgt, dass es nie zu größeren Ermittlungen kam. Nur gegen eine Nonne wurde ermittelt, sie starb, ehe sie hätte aussagen können. Der Kinderhandel begann in den 1930er Jahren unter Franco und wurde bis in die 1990er-Jahre praktiziert.
Quelle: tagesschau.de

17.5.2017 Die Staatsanwaltschaft Hildesheim hat das Bistum Hildesheim scharf kritisiert, weil es gestern die Öffentlichkeit darüber informierte, dass es neben kirchlichen Ermittlungen gegen einen Lehrer der Hildesheimer Marienschule auch ein Verfahren der Anklagebehörde gebe. Dem Lehrer wird sexueller Missbrauch vorgeworfen. Das Bistum sagte, man habe die Öffentlichkeit angemessen und zeitnah informieren wollen. Die Staatsanwaltschaft nannte dies nicht hilfreich für die Ermittlungen, wenn informiert werde, bevor die Staatsanwaltschaft zu Vernehmungen vorgeladen habe. Aus dem Fehlen eines Lehrers und einer Schülerin könne das zu Nachfragen führen. Auch Eltern kritisierten, der Zeitpunkt der Bekanntgabe trage Unruhe - gerade während der Abiturprüfungen - von außen in die Schule.
Quelle: ndr.de

17.5.2017 Kardinal Pell muss mit einer Anklage wegen Missbrauchsvorwürfen rechnen. Das bestätigte die Polizei im australischen Bundesstaat Victoria. Pell wird vorgeworfen, in den 1970er und 1980er Jahren mehrere Jugenliche sexuell belästigt zu haben. Der Kardinal weist die Vorwürfe als "völlig unwahr und komplett falsch" zurück. In Australien hat die Kirche inzwischen an mehrere tausend Opfer mehr als 276 Millionen Euro gezahlt.
Quelle: orf


16.5.2017 Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen einen Lehrer der katholischen Hildesheimer Marienschule wegen des Verdachts von sexuellem Missbrauch Schutzbefohlener. Im Gespräch mit dem Bistum habe der Beschuldigte gestanden, sexuell übergriffig gewesen zu sein. Er wurde fristlos entlassen und erhielt Hausverbot. Das Bistum stellte Strafanzeige. Der zuständige Bischof Trelle ist bestürzt, dass trotz intensiver Präventionsarbeit eine Jugendliche Opfer wurde.
Quelle: ndr.de

15.5.2017 Ein neues Buch "Cardinal: The Rise and Fall of George Pell" von Louiste Milligan wirft dem vatikanischen Finanzchef, dem australischen Kardinal Pell, neben Vertuschung auch den Missbrauch von zwei Chorkindern vor. Pell wurde im Oktober 2016 von der Königlichen australischen Kommission gehört, bislang jedoch nicht angeklagt. Das Buch soll auch neue EInzelheiten enthalten. Das Büro des Kardinals spricht von einer "skandalösen Schmutzkampagne".
Quelle: religion.orf.at

14.5.2017 Papst Franziskus berichtet von einem Gespräch mit Marie Collins, die die Päpstliche Kinderschutzkommission verlassen hat. Er stimmt ihrem Protest zu, dass viele Missbrauchsfälle verspätet behandelt wurden. Man habe den juristischen Rahmen in der Kirche erst schaffen müssen, das habe viel Zeit gekostet, erklärte der Papst. Außerdem gebe es nicht ausreichend Mitarbeiter, die ausgebildet seien, sich damit zu befassen, auch das ein Problem. - Der Papst wies bei der Frage nach einer Einigung mit den Piusbrüdern darauf hin, dass es auch noch Probleme gebe, zum Beispiel den sexuellen Missbrauch durch Mitglieder der Bruderschaft.
Quelle: Radio Vatikan
13.5.2017 Papst Franziskus spricht von einem Rückstand von 2.000 Missbrauchsfällen, die im Vatikan auf Bearbeitung warten. Es werde mehr Mitarbeiter geben, fügte er hinzu.
Quelle: abcnews.go.com
11.5.2017 Anfang April hat das schwedische Fernsehen von vier Angehörigen der Piusbruderschaft berichtet, die zwölf Minderjährige über Jahrzehnte missbrauchten.
Quelle: katholisch.de

10.5.2017 Ein Priester der Pius-Bruderschaft wurde in Frankreich wegen Vergewaltigung zu 16 Jahren Haft verurteilt. RV sagt nichts über die Opfer.
Quelle: radiovaticana.va

9.5.2017 Der Eckige Tisch hat die Gespräche mit den AKO-Verantwortlichen ausgesetzt und wartet auf eine öffentliche Darstellung des Kollegs über den Sachverhalt. Zudem fordert der Eckige Tisch, die derzeit vakante Stelle des Ako-Rektors für drei Jahre mit einer kirchenfremden Person zu besetzen, die Kompetenzen im Präventionsbereich hat.
Quelle: generalanzeiger bonn.de


8.5.2017 Im Provolo-Institut in Verona leben taubstumme Kinder. Sie werden u.a. von katholischen Priestern betreut. 2011 wurden mehrere Priester des Instituts wegen sexuellen Missbrauchs angezeigt. Vier von ihnen wurden sanktioniert. Andere wurden in weitere Provolo-Institute nach Südamerika (Mendoza und La Plata) versetzt: Corradi, Ricardo Giménez, Jorge Luis Morello, Justo José Ilarraz, Luis Brizzio, Rubén Pardo, Osvaldo Ramírez, Félix Alejandro Martínez, Alejandro Squizziatto Raul del Castillo und José Rohr. Corradi tauchte 2014 in einem Provolo-Institut in Argentinien auf. Der Vatikan unternahm nichts. Ende 2016 wurden Corradi und ein weiterer Priester des Instituts wegen des Vorwurfs sexuellen Missbrauchs verhaftet. Mindestens 24 Kinder sagten gegen die Priester Corradi und Horavio Corbacho und drei weitere Männer aus. Zwei Nonnen sollen die Täter geschützt haben. Nun wurde eine der beiden Nonnen verhaftet. Inzwischen hat der Vatikan beteuert, er schütze die Kinder vor sexuellem Missbrauch und eine vatikan. Kommission geschickt, die den Fall untersucht.
Quelle: washingtonpost.com   stern.de   badische-zeitung.de

6.5.2017 Im Aloisiuskolleg in Bad Godesberg gibt es einen neuen Missbrauchsfall. Einem Lehrer wird Übergriffigkeit gegenüber einer Schülerin vorgeworfen. Er wurde bis zum Sommer beurlaubt und wird nicht an das Kolleg zurückkehren. Unbekannt ist, und ob ggf. wo er weiterarbeiten wird. Der Pressesprecher der Bezirksregierung sagte, das Kolleg habe die Schulaufsicht informiert. Nach Kenntnis der Bezirksregierung hat das Kolleg neben dienstrechtlichen Konsequenzen auch Strafanzeige gegen den Mitarbeiter erstattet. Der bisherige Direktor, Pater Siebner, ließ die Frage des Generalanzeigers offen, ob Strafanzeige erstattet worden sei und weshalb.
Quelle
: general-anzeiger-bonn.de

3.5.2017 Kardinal Marx sagte der Zeit, dass es für die Kirche und ihn selbst ein "schmerzhafter Lernprozess" gewesen sei, "vor allem und in allem von der Perspektive der Opfer her zu denken und zu handeln". "Für mich persönlich möchte ich ausdrücklich festhalten, dass ich heute und leider erst im Nachhinein erkenne, dass ich intensiver hätte nachfragen müssen", sagte er. Hintergrund seiner Äußerung ist der mehrfache Missbrauch eines heute 32-Jährigen, der im Bistum Trier von einem Priester mehrfach missbraucht wurde. Gegen denselben Priester lagen sieben weitere Anzeigen vor. Alle Verfahren wurden wegen Verjährung eingestellt. Das Bistum nahm 2006 keinen Kontakt zum heute 32-jährigen Opfer auf.
Quelle: epochtimes.de
Kommentar: So viele Entschuldigungen - und keinerlei Konsequenzen! Und: Kennt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz nicht seine Heilige Schrift, die eine Einübung in die Perspektive derer ist, die unter die Räuber gefallen sind?

2.5.2017 Der Aufklärungsbericht über Missbrauchsfälle bei den Regensburger Domspatzen verzögert sich weiter. Der Grund liege darin, dass weitere Informationen eingingen.
Quelle: Domradio

1.5.2017 Bischof Robert Cunningham, Diözese von Syrakus, NY, glaubt, dass Jungen, die sexuell missbraucht werden, mit dem 7. Lebensjahr verantwortlich für ihr Handeln seien. Mit sieben Jahren beginnt in der katholischen Kirche das Alter, in dem Kinder Gut und Böse erkennen können.
Quelle: countercurrentnews.com

1.5.2017 Johannes-Wilhelm Rörig, Bundesbeauftragter für sexuellen Missbrauch, lobt die Präventionsarbeit der katholischen Kirche und kritisiert die Aufarbeitung: "Lange war offenbar der Institutionenschutz wichtiger als der Kinderschutz. Oft wurden die Taten Einzeltätern zugeschrieben, aber die strukturelle Komponente nicht gesehen. Heute investiert die katholische Kirche viel in Prävention, mit der Aufarbeitung tun sich viele kirchliche Einrichtungen aber noch schwer. Wir haben dies unter anderem bei der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals bei den Regensburger Domspatzen gesehen. Es war wohltuend, endlich zu erleben, wie nach bleiernen Jahren die neue Bistumsleitung Verantwortung übernommen hat. Das und der Umgang mit den Betroffenen auf Augenhöhe sind beispielgebend und zeigen, dass es für Aufarbeitung nie zu spät ist."
Quelle: Kirche und Leben

27.4.2017 Johannes Siebner, SJ, wurde zum Oberhaupt der deutschen Jesuiten gewählt. Er war bislang Rektor des Bonner Aloisius-Kollegs. Er forderte eine weitere Aufarbeitung der Missbrauchsfälle am Aloisius-Kolleg und nannte gründliche Aufarbeitung einen zentralen Aspekt guter Prävention.
Quelle: Domradio

26.4.2017 Interview über die neue katholische Einheitsübersetzung mit Dr. Katrin Brockmöller.
Quelle: katholisch.de

22.4.2017 Gegen einen Priester aus Lohne ist auch ein zweites Verfahren wegen des Besitzes von Kinderpornografie eingestellt worden. Ein erstes Verfahren war bereits zuvor eingestellt worden.
Quelle: nwzonline.de

20.4.2017 In Dublin hat der Staat den "Sisters of Charity" eine Lizenz für den Betrieb einer Geburtsklinik gegeben und staatliches Geld in Höhe von 300 Millionen Euro für den Bau, der in den Besitz des Ordens übergeht. Die Sisters of Charity gehören zu den Betreibern der ehemaligen Magdalenenheime, in denen Frauen misshandelt, missbraucht und ausgebeutet wurden. Bislang kam der Orden seinen Verpflichtungen zu Entschädigungszahlungen bei Missbrauchsfällen nur unvollständig nach. Statt der vor 15 Jahren verabredeten Entschädigungssumme von 5 Millionen Euro wurden bis jetzt nur 2 Millionen gezahlt. Opferverbände sind empört. Mehr als 50.000 Menschen haben eine Petition unterzeichnet, um die Lizenz- und Geldvergabe zu verhindern.
Quelle: katholisch.de

18.4.2017 Magnus Striet stellt die richtigen Fragen und versucht redliche Antworten - mehr dazu in seinem Buch "Gottes Schweigen"
Quelle: Deutschlandfunk

Frohe Ostern allen, die hier vorbeischauen! Dass die Hoffnung auf Leben, Gerechtigkeit und Frieden neue Nahrung bekommt!

16.4.2017 Der in der Schweiz bekannte und anerkannte Reformpädagoge Jürg Jegge (73) wird in einem Buch von seinem Schüler Markus Zangger (59) des sexuellen und psychsischen Missbrauchs beschuldigt. Er hat den Missbrauch gestanden. Nun distanziert sich auch die von ihm gegründete Stiftung "Märtplatz" von ihm. Die sozialpädagogische Institution verhilft 18- bis 25-jährigen Menschen mit Startnachteilen zum Einstieg ins Berufsleben.
Quelle: blick.ch

16.4.2017 In einem Elite-Internat haben zwölf Lehrer zwischen 1963 bis 2010 Schüler und Schülerinnen sexuell missbraucht. Die Täter durften an der Schule bleiben oder wurden an andere Schulen versetzt oder kündigten. Kein einziger Fall wurde der Polizei gemeldet.
Quelle: tagesschau.de

14.4.2017 Ein Mann hatte Vorwürfe gewalttätiger und sexueller Übergriffe gegen zwei Patres in einem Salesianer-Internat in Österreich in den 1970er Jahren vorgebracht. Der eine mutmaßliche Täter ist tot, der zweite arbeitet in einer Ordensschule in Essen. Der Orden drohte dem mutmaßlichen Opfer mit einer Gegenklage. Nun hat sich ein zweiter Mann gemeldet, der von Misshandlungen in den 1980er Jahren berichtet.
Quelle:religion.orf.at

Gründonnerstag 2017: Allen, die hier vorbeischauen, wünsche ich gute Kartage und Frohe Ostern!

12.4.2017 In Spanien wurde nun der Priester Roman Martinez Velazquez vom Vorwurf sexuellen Missbrauchs freigesprochen. Die Staatsanwaltschaft hatte usrprünglich neun Jahre Haft gefordert. Nun zog sie die Klage gegen Martinez zurück, weil es fehlende Beweise und Widersprüche in den Aussagen des mutmaßlichen Opfers gab. Juan Pedro Oliver, Vorsitzender der spanischen Vereinigung für Kinderrechte (Prodeni), wies darauf hin, dass viele Missbrauchsopfer nun vor einer Anzeige zurückschrecken werden.
Quelle: domradio.de

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12.4.2017 Ein viertes Ermittlungsverfahren gegen den ehemaligen Freisener Pfarrer M. wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch hat die Staatsanwaltschaft wegen Verjährung eingestellt. Das Bistum Trier ermittelt jedoch in zwei Verdachtsfällen kirchenrechtlich. Der Beschuldigte, 63, hat seit einem Jahr Kontaktverbot mit Minderjährigen und darf keine Messe feiern. Der damalige Bischof von Trier, Reinhard Marx, wusste von den Missbrauchsvorwürfen.
Quelle: sr.de

7.4.2017 In Österreich sollen Personen, die in Heimen des Bundes, der Länder und der Kirche missbraucht und/oder misshandelt wurden, bei EIntritt ins Regelpensionsaltern bzw. ab Pensionsantritt eine monatliche Zahlung von 300 Euro erhalten. Ab Juli sollen die Auszahlungen beginnen.
Quelle: kathpress.at

7.4.2017 Der 57-jährige französische Bischof von Dax, Hervé Gaschinard, trat zurück wegen einer "unangemessenen Haltung" gegenüber Jugendlichen. Ein Bistumssprecher sagte, es handle sich in keinem Fall um sexuelle Akte oder Übergriffe.
Quelle: epochtimes

6.4.2017 Alfonso Miranda Guardiola, Generalsekretär der Mexikanischen Bischofskonferenz, hat erstmals öffentlich wiederholtes Fehlverhalten von Bischöfen im Umgang mit sexuellem Missbrauch von Minderjährigen durch Priester bekannt. Als Ursache benannte die Bischofskonferenz eine "klerikale Struktur von Machtmissbrauch". Die Kirche in Mexiko bitte um Vergebung für die Verbrechen, nehme die volle Verantwortung dafür auf sich und fordere eine Bestrafung der Täter. Vertreter von Opfern erwarten, dass den Worten auch Taten folgen. 
kath.net berichtet von Schätzungen, dass mindestens 1.000 Kinder in Mexiko von Priestern missbraucht wurden. Alleine zwischen 2006 und 2016 gab es SNAP zufolge 500 Anzeigen gegen Priester.

Quelle: Radio Vatikan

5.4.2017 Der Missbrauchstäter vom Canisius-Kolleg, der Jesuit Peter R., soll vor ein Kirchengericht kommen. Ihm wird der sexuelle Missbrauch von ca 100 Kindern und Jugendlichen vorgeworfen, 60 von ihnen haben sich seit 2010 gemeldet. Da es bislang keine zurechenbare Aussagen gibt, sucht das Berliner Kirchengericht Zeugen, die sich namentlich melden. - Bislang wurde gegen Peter R. wegen eines Falles ermittelt - er musste 4000 Euro Strafe zahlen - an die Kirche - und ihm wurde die Ausübung des Priesteramtes untersagt. Das von ihm missbrauchte Mädchen wurde weder gehört noch informiert.
Quelle: welt.de

5.4.2017 Auch Jean-Claude Périsset, früherer Nuntius u.a. in Deutschland, war als Offizial des Bistums mit dem "Fall Joël Allaz" befasst. Er versprach dem Opfer, dass Allaz versetzt und seiner pastoralen Aufgaben enthoben werde. Allaz wurde tatsächlich nach Grenoble versetzt, wo er allerdings weiterhin als Priester tätig war und weiterhin Kinder missbrauchte. Perisset erstattete keine Strafanzeige und leitete auch kein kanonisches Verfahren ein. Strafrechtlich ist die Begünstigung verjährt. Der heute zuständige Bischof von Lausanne, Genf und Freiburg, Charles Morerod, meint, der Fall sei auch kirchenrechtlich verjährt. Nach Ansicht von Joseph M. Bonnemain, Offizial im Bistum Chur und Sekretär des Fachgremiums "Sexuelle Übergriffe im kirchlichen Umfeld" der Schweizer Bischofskonferenz hingegen könne man nicht von einer kirchenrechtlich verjährten Handlung sprechen. Begründung: Das Versäumnis von Perisset sei kirchenrechtlich nicht als Straftat einzustufen. Erst seit einem Jahr können Bischöfe, die eine Abklärung unterlassen, kirchenrechtlich belangt werden.
Quelle: kath.ch
5.4.2017 Der Papst hat den irischen Priester John Kennedy zum neuen Leiter der Disziplinarabteilung der Glaubenskongregation berufen. Er ist der Nachfolger des Mexikaners Pedro Miguel Funes Diaz. Die Disziplinarabteilung ist u.a. für kirchenrechtliche Prozesse gegen Missbrauchstäter zuständig.
Quelle: orf

27.3.2017 In israelischen ultraorthodoxen Gemeinden kam es zu sexuellem Missbrauch. 22 mutmaßliche Täter wurden verhaftet. Unter Aufsicht von Rabbinern seien die mutmaßlichen Sexualstraftaten von Gemeindemitgliedern untersucht worden. Die mutmaßlichen Täter wurden beraten, wie sie die Taten vor den Behörden geheimhalten. Ihnen wurde eine "Behandlung" auferlegt. Die dutzenden Opfer hätten keine Behandlung erhalten.
Quelle: religion.orf.at

27.3.2017 Das Münchner Institut für Praxisforschung und Projektberatung (IPP) will im Auftrag des Bistums Hildesheim weitere Erkenntnisse über Missbrauchsvorwürfe gegen den früheren Bischof Janssen und den inzw. pensionierten Priester Peter R. suchen. Es hat einen Aufruf an mögliche Opfer sexueller Gewalt im Bistum Hildesheim gestartet. Peter R. war Haupttäter am Canisius-Kolleg und von 1982 bis 2003 in Göttingen, Hildesheim, Wolfsburg und Hannover-Mühlenberg eingesetzt.
Das IPP will auch den Umgang des Bistums mit Missbrauchsvorwürfen untersuchen. Betroffene können sich bis zum 13.4.2017
melden: aufruf@ipp-muenchen.de und telefonisch von Montag bis Freitag zwischen 9 und 12 Uhr unter (0152) 34 70 68 30.
Quelle: ndr.de
Laut KNA leitet das Kirchengericht Berlin ein Verfahren gegen einen Ex-Jesuiten ein.

27.3.2017 Die päpstliche Kinderschutzkommission ist in Rom erstmals ohne Vertreter von Missbrauchsopfern zusammengetreten. Man werde neue Wege finden, um sicherzustellen, dass Betroffene auch künftig die Arbeit der Kommission prägen würden.
Quelle: Domradio  Radio Vatikan

27.3.2017 Pater Zollner, Päpstliche Kinderschutzkommission, berichtet in einem vierseitigen Interview, wie schwer es im Vatikan ist, zeitnah und persönlich Schreiben von Missbrauchsopfern zu beantworten.
Quelle: Radio Vatikan

26.3.2017 Ein Opfer von Pater Berthold spricht in der Sendung "Wenn der Priester übergriffig wird".
Quelle: srf.ch

26.3.2017 Peter Saunders, ehemaliges Mitglied der Päpstlichen Kinderschutzkommission, kritisiert den Papst, der Bischöfe, die Missbrauchsfälle vertuscht haben im Amt lässt bzw. neu ins Bischofsamt beruft (Barros, Chile). Saunders ist seit einem Jahr "beurlaubt" - an anderer Stelle heißt es suspendiert -, weil er sich nicht an die vereinbarte Verschwiegenheit gehalten habe. "Ich habe fast 40 Jahre geschwiegen - jetzt rede ich!" - das hat Saunders von Anfang an klar gemacht. Saunders hatte Medien von einem Priester erzählt, von dem er in der Kommission erfahren habe, dass er offenkundig ein Täter sei.
Quelle: br


23.3.2017 Der Abschlussbericht über sexuelle und sonstige Gewalt bei den Regensburger Domspatzen wird im Mai erwartet. Grund für die Verzögerung sind "zahlreiche ergänzende Informationen", die in den vergangenen Wochen und Monaten eingegangen seien, sowohl von bereits bekannten als auch neuen Opfern.
Quelle: domradio

23.3.2017 In der Gregoriana fand heute ein Kongress der Päpstlichen Kinderschutzkommission und des Kinderschutzzentrums der Gregoriana statt unter dem Titel "Safeguarding in Homes und Schools. Learning from exexpererience wordlwide". Kardinal O'Malley wies darauf hin, dass die Opfer und Überlebenden von sexuellem Missbrauch an die erste Stelle gehören. Er erkannte, dass die Bemühungen um Evangelisierung keine Wirkung haben, wenn das Vertrauen der Menschen verloren ist.
Kardinal Müller, Präfekt der Glaubenskongregation, nahm nicht an der Konferenz teil.
Quelle: lastampa.it  reuters.com  cruxnow.com


23.3.2017 In der französischen Dokumentation von "Cash Investigation" vom 21.3.2017 wird behauptet, die katholische Kirche schütze Missbrauchstäter durch ein System der Versetzungen. Als Beispiel wird der Priester Joannes Rivoire genannt, der in Frankreich unbehelligt lebe, obwohl seit 1998 in Kanada wegen sexuellen Missbrauchs nach ihm gefahndet wird. Der Vorwurf der Dokumentation richtet sich auch gegen engste Vertraute des Papstes, u.a. Kardinal Müller, und den Papst selbst (Storni, Grassi).
Experten sagen, viele der Fälle seien bekannt. Guillaume Goubert, La Croix, kritisiert, dass niemand untersucht habe, welche Fälle neu seien. Auch der Sprecher der Bischofskonferenz, Olivier Ribadeau Dumas, bemängelte, dass keine neuen Fakten bekannt geworden seien. Allerdings scheint die Dokumentation Fälle zu zeigen, auf die die französische Justiz inzwischen reagiert hat, nachdem die Orden den Aufenthalt ihrer Mitglieder den Behörden meldeten. Der Sprecher der Bischofskonferenz betonte, dass - anders als die Aussagen in der Dokumentation - heute kein Bischof mehr im Amt sei, der Missbrauchsfälle vertuscht habe.

Quelle: katholisch.de   la-croix.com  domradio.de 22.3.2017

22.3.2017 Vom zynischen Umgang mit Missbrauchsopfern im Bistum von Kardinal Timothy Dolan. Opfer sollen per Vertragsunterschrift ihr künftiges absolutes Stillschweigen erklären und dürfen keine weiteren gerichtlichen Schritte gegen das Bistum unternehmen. Dem Kardinal liegt nach Aussage von Opferverbänden an einer schnellen Einigung mit Missbrauchsopfern, weil der "Child Victims Act" für New York bereits 2017 zur Abstimmung kommen kann, der mehr Rechte für Opfer vorsieht. "Geld und Ansehen der Kirche haben für Seine Eminenz absolute Priorität."
Quelle: imprimatur

1/2017 Paul Glotter beschreibt den intransparenten Umgang mit Missbrauchsfällen im Vatikan, die Missachtung der Opfer in kirchlichen Prozessen und die Folgenlosigkeit für die verantwortlichen Bischöfe, die vertuschten.
Quelle: imprimatur

22.3.2017 Geistliche Gemeinschaften und Säkularinstitute im Bistum Münster haben sich über Geistlichen Missbrauch informiert. Schwester Katharina Kluitmann, Franziskanerin und Psychologin, beschrieb Geistlichen Missbrauch als "Sammelbegriff für Formen emotionalen und/oder Machtmissbrauchs im Zusammenhang des geistlichen, religiösen Lebens, vor allem in Formen der Begleitung wie Beichte oder ,Seelenführung‘ sowie in Gemeinschaften und Gemeinden."
Quelle:
bistum-muenster.de

21.3.2017 Seit den 1960er Jahren sollen 25 französische Bischöfe, von denen fünf bis heute im Amt seien, 32 Priester, die Kinder/Jugendliche missbrauchten, geschützt haben. Dies berichtet eine Dokumentation von "Cash Investigation". Betroffen sind 339 mutmaßliche Opfer - die meisten von ihnen wurden nach dem Jahr 2000 missbraucht. (2001 wurde Bischof Pierre Pican von Bayeux zu drei Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt, weil er den Missbrauch eines Kindes durch einen Priester nicht angezeigt hatte. Damals sprachen die französischen Bischöfe davon, künftig alle Fälle der Staatsanwaltschaft zu melden.) 228 unter ihnen waren Kinder und Jugendliche unter 15 Jahre. 28 der 32 Priester wurden lediglich versetzt und sind noch immer im Dienst. Unter den der Vertuschung verdächtigen Bischöfe sind Kardinal Barbarin, Lyon (er soll 5 mutmaßliche Priester-Täter geschützt haben, wurde von einem staatlichen Gericht freigesprochen); Erzbischof Jean-Luc-Bouilleret, Besancon; Bischof Marc Aillet, Bayonne; Bischof Yves Le Saux, Le Mans und Mgr. Bernard Fellay, Pius-Bruderschaft.
Zur Sprache kommt in der Dokumentation auch, dass Papst Franziskus als Erzbischof von Buenos Aires versucht habe, Pater Julio Cesar Grassi - Gründer der
„Happy Children’s Foundation“ - und Erzbischof Storni in Schutz zu nehmen. Beide sind inzw. wegen sexuellen Missbrauchs zu 15 bzw. 8 Jahren verurteilt worden.
Die Dokumentation konzentriert sich vor allem auf einen bislang unbekannten Fall in Lyon - dort soll "Vater Didier", in den 1990er Jahren verurteilt wegen sexuellen Missbrauchs eines Dutzends Kinder, bis 2016 im Dienst gewesen sein.

Bislang scheinen weniger als 0,5% der französischen Priester des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen beschuldigt zu werden. In den USA geht man von 4 (und mehr) % aus, in Australien sind 7% der Priester Missbrauchstäter.
Die französische Bischofskonferenz sollte an einer Fernsehdebatte im Anschluss an die Dokumentation teilnehmen. Sie lehnte ab, weil die " Interviewmethoden ethische Standards nicht respektierten" (!) und die Sendung sich mehr mit Anschuldigungen als dem Willen zur Erklärung beschäftigte.
Quelle: katholisch.de  lemonde.fr   en.rfi.fr    france24.com  francesoir.fr  katholisch.de
vgl. die im Januar 2017 veröffentlichten Täterzahlen (222 Opfer; 4 % seit 2000) der Bischofskonferenz.

21.3.2017 In Irland untersucht eine Kommission mittlerweile 18 Mutter-Kind-Heime, die von katholischen Ordensschwestern geleitet wurden und in denen zwischen 1922 und 1998 Mütter und Kinder untergebracht wurden. Es scheint ein echtes Interesse an der Aufklärung der Geschichte der Mütter und ihrer Kinder in den Heimen zu geben. Zuletzt hatte ein Massengrab von 800 Kinderleichen in einer Sickergrube eines Mutter-Kind-Heimes die Republik erschüttert.
 Quelle: sueddeutsche.de

20.3.2017 Der sizilianische Priester Don Fortunato Di Noto, Organisation Meter, veröffentlicht jährlich einen Bericht über Kindesmissbrauch. In diesem Jahr weist er auf wächsende Pädopornografie im Internet hin. Insbesondere im Darknet sei eine erhöhte Aktivität festzustellen. Zudem habe der Missbrauch von Neugeborenen enorm zugenommen.
Quelle: de.radiovaticana.va   katholisch.de

18.3.2017 Bishof Lawrence Persico, Bistum Erie, veröffentlicht die Namen der Priester, die ihr Priesteramt wegen Verfehlungen nicht mehr ausüben dürfen. Die Art der Verfehlung wird nicht benannt. Persico meint, es sei das Recht der Gläubigen, Entlassungen zu erfahren.
Quelle: goerie.com

18.3.2017 Die Zahl der Opfer sexueller Gewalt ist zwischen 2011 und 2016 von 12,6 auf 13,9 % gestiegen. Bei den Frauen stieg die Zahl von 15,2 auf 18 %, bei Männern blieb sie mit ca 9,5 % etwa gleich. Einen signifikanten Anstieg von 4,6 % auf 6,5 % verzeichnete emotionale Misshandlung. Auch hier traf der Anstieg vor allem Frauen. 6 % der 2.500 Befragten zwischen 14 und 94 Jahren gaben körperliche Misshandlung an. Die Zahl von körperlicher Vernachlässigung ging von 28,8 % auf 22,5 % zurück. Die Studie wurde von dem Ulmer Mediziner Jörg Fegert durchgeführt.
Fegert bezeichnet die Spätfolgen von Missbrauch als dramatisch. Es gebe einen Zusammenhang zwischen der Schwere der erlebten Traumata und Suizidversuchen und selbstverletzendem Verhalten. Auch Schmerzen und körperliche Erkrankungen würden von den Betroffenen deutlich häufiger genannt.
Quellen: katholisch.de  Badische Zeitung
Kommentar: Christian Pfeiffer war noch 2014 davon ausgegangen, dass sexueller Missbrauch um etwa 2/3 zurückgegangen sei. Allerdings hatte er nur Menschen befragt, die 40 Jahre und jünger sind. Da sexueller Missbrauch aber oft erst in der Lebensmitte erinnert wird, dürfte diese Zahl wenig aussageräftig sein.

18.3.2017 Vor der königlichen australischen Untersuchungskommission klagten 1100 Menschen über sexuellen Missbrauch in der anglikanischen Kirche. [Ca 17% der Australier gehören der anglikanischen Kirche an, 25% der katholischen. 4444 Katholiken klagten über sexuellen Missbrauch durch Priester und kirchliche MitarbeiterInnen.]
Quelle: pressreader.com

17.3.2017 Weitere Opfer des Kapuziners Pater Joel gehen an die Öffentlichkeit, nachdem Daniel Pittet ein Buch über seinen Missbrauch durch Pater Joel veröffentlicht hat.
Quelle: blick.ch

17.3.2017 So gingen Staat und Kirche mit "unerwünschten" Kindern in Irland um.
Quelle: deutschlandfunk

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14.3.2017 Auf einer Tagung diskutierten Theologen und Psychologen den Umgang der kath. Kirche mit sexuellem Missbrauch. Für Hans Zollner, Mitglied der Päpstlichen Kinderschutzkommission, liegt einer der Gründe, warum das Thema in der katholischen Kirche verdrängt wird, darin, dass viele selbst sexuellen Missbrauch erlebt haben und daher dem Problem ausweichen. Das sei ein umfassendes Kirchen-Phänomen: Die meisten der jungen Frauen, die derzeit in lateinamerikanische Orden eintreten, seien vor ihrer Entscheidung ebenfalls Opfer von Missbrauch geworden. Magnus Striet wies auf die lange vertretene "perverse Logik" hin, dass alle Menschen von Geburt an sündhaft seien (Erbsündenlehre des Augustinus). Diese Sicht habe eingeschlossen, dass auch Missbrauchsopfer Sünder seien. Erst nach Auschwitz habe ein Umdenken eingesetzt hin zur Anerkennung von schuldlosem Leid und schuldlosen Opfern.
Quelle: badische zeitung


14.3.2017 Interview mit Prof. Jörg Fegert, Ulm, über die neue Studie zu sexuellem Missbrauch, die davon ausgeht, dass jede/r Siebte betroffen ist. Untersucht wurden auch die körperlichen Langzeitschäden.
Quelle: swr.de


14.3.2017 Marie Collins antwortet auf das Interview von Kardinal Müller.
1. Die Glaubenskongregation lehnte es ab, an Treffen der Arbeitsgruppoen der Päpstlichen Kinderschutzkommission teilzunehmen - man könne nur schriftlich verkehren, ließ sie die Kinderschutzkommission wissen. Erst nach einem Jahr änderte sich das.
2. Kardinal Müller spricht von "permanentem Kontakt" zwischen Kinderschutzkommission und Glaubenskongregation. Dieser Kontakt und ggf. seine Ergebnisse sind Frau Collins unbekannt.

3. Kardinal Müller sagt, ein  Mitglied der Glaubenskongregation sei Mitglied auch der Kinderschutzkommission. Gemeint ist Claudio Papale, der 2015 seine Arbeit in der Kinderschutzkommission einstellte, was die Kommission erst im Mai 2016 erfuhr.

4. Zur Einrichtung des Tribunals gegen Bischöfe, die Täter schützen, schreibt Kardinal Müller, das Tribunal sei nur ein "Projekt" gewesen, das nach Dialog zwischen verschiedenen Dikasterien von der Glaubenskongregation als nicht notwendig eingestuft wurde, da es längst Kompetenzen, Werkzeuge und Rechtsmittel in der Bischofskongregation für solche Fälle gebe (so auch Pater Zollner). An dieser Diskussion wurde die Kinderschutzkommission nicht beteiligt. Collins stellt fest, dass bislang kein Bischof offiziell und transparent sanktioniert worden sei. Sie fragt, ob es Mangel an Willen sei, wenn es nicht der Mangel an Gesetzen ist. (Zu fragen ist, warum niemand im Vatikan die öffentliche Ankündigung des Tribunals korrigierte und bereits 2015 darauf hinwies, dass gar kein Tribunal geplant war. Zu fragen ist auch, warum die Päpstliche Kinderschutzkommission überhaupt ein "Tribunal" vorgeschlagen hat, wenn doch nach Aussage von Pater Zollner bekannt war, dass es längst eine Möglichkeit gab, vertuschende Bischöfe zur Rechenschaft zu ziehen. Marie Collins wies am 9.7.2016 darauf hin, dass es auf die Umsetzung ankomme, nicht auf die Ankündigung. Catholic news berichtet am 15.3.2017: "Collins told CNS that she and other commission members were told a month or two after the Vatican announcement that the tribunal proposal "was not happening. There was absolutely no explanation" other than that the doctrinal congregation was not going to implement it.")
5. Frau Collins erinnert Kardinal Müller daran, dass die Glaubenskongregation es trotz des Wunsches des Papstes vom 28.2.2016 ablehnte, Missbrauchsopfer-Briefe zu beantworten (Schreiben der Glaubenskongregation vom 15.12.2016, entgegen einer mündlichen Zusage vom September 2016). Der Hinweis des Kardinals auf die einzuhaltende Hierarchie zeige, dass  "anachronistische, bürokratische, interne hierarchische Überlegungen"  wichtiger als die Betroffenen seien. - Die von der Kinderschutzkommission vorgeschlagenen Leitlinien zum Umgang mit kirchl. Missbrauchsfällen wurde von der Glaubenskongregation mit der Ablehnung einer Zusammenarbeit beantwortet. Da gibt es nach Ansicht von Marie Collins wohl ein besonderes Zögern der Glaubenskongregation.
6. Kardinal Müller hatte Marie Collins vorgeworfen, sie kenne die Aufgabe der Glaubenskongregation nicht und ihre Beschwerden basierten auf Missverständnissen. Collins sagt, sie habe die Zuständigkeiten der Glaubenskongregation nicht missverstanden.
7. Die Aussage von Kardinal Müller, er habe nie die Chance gehabt, sie zu treffen, widerlegt Frau Collins mit dem Hinweis auf ein gemeinsames Essen in Dublin nach ihrer Ernennung. Collins am Ende ihres Offenen Briefes: "
I would ask that instead of falling back into the Church's default position of denial and obfuscation, when a criticism like mine is raised the people of the church deserve to be given a proper explanation. We are entitled to transparency, honesty and clarity. No longer can dysfunction be kept hidden behind institutional closed doors. This only succeeds as long as those who know the truth are willing to remain silent."
Quellen: ncronline.org   katholisch.de 
religion.orf.at  Radio Vatikan
14.3.2017 Klaus Mertes, SJ, warnt die katholische Kirche vor geistlichem Missbrauch.
Quelle: kathpress.at

14.3.2017 Die päpstliche Kinderschutzkommission veranstaltet an der Universität Gregoriana ein Seminar zu Schutzmaßnahmen für Kinder. Die Veranstaltung findet am 23. März unter dem Titel „Schutzmaßnahmen zuhause und in der Schule: Lernen aus Erfahrungen weltweit“ statt und ist in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Kinderschutz an der Päpstlichen Gregoriana-Universität organisiert. Ein besonderer Fokus wird bei der Veranstaltung auf Lateinamerika gelegt.
Quelle: Radio Vatikan


12.3.2017  In Oaxaca, Mexiko wurde ein Geistlicher wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger in indigenen Gemeinden Südmexikos zu 16 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Die Kinderschutzvereinigung Foni (Foro Oaxacquen0 de la Ninez) geht von bis zu 100 Opfern aus. Der zuständige Erzbischof Chavez Botello verschleierte die Taten, schützte den Täter und suspendierte Geistliche vom Dienst, die ihren Kollegen wegen sexuellen Missbrauchs angezeigt hatten.
Quelle: amerika21.de   Dokumentarfilm
12.3.2017 Bislang war die Rede davon, dass jeder Achte in Deutschland in Kindheit oder Jugend sexuelle Gewalt erlitten hat. Eine repräsentative Umfrage unter Einwohnern ab 14 Jahren ergab, dass 13,9%, also jeder Siebte, als Minderjähriger missbraucht wurde.
Quelle: Radio Vatikan


11.3.2017 In Deutschland erlebt etwa jeder Siebte (13,9% der Bevölkerung) sexuellen Kindesmissbrauch. Das geht aus einer Studie des Universitätsklinikums Ulm hevor.
Quelle: faz.net

11.3.2017 Rob Walsh, eines der vielen Opfer von Ballarat, thematisiert ein meist unsichtbares Thema: Die vielen Selbstmorde von Menschen, die in der Kindheit sexuelle Gewalt erlebt haben und die Folgen nicht mehr tragen konnten.
Quelle: thecourier.com.au

9.3.2017 Freiburger Religionsgespräch: Unheilige Theologie. Anfragen angesichts sexueller Gewalt gegen Minderjährige in der Katholischen Kirche. Gespräch mit Pater Zollner, Harald Dreßing, Hubertus Lutterbach und Magnus Striet.
Quelle: freiburger-religionsgespraeche.uni-freiburg.de

9.3.2017 Der Freiburger Theologe Magnus Striet weist darauf hin, dass ein sakralisiertes Amtsverständnis eine "Verschwiegenheit im System" der Kirche verursacht hat, das sexuellen Kindesmissbruch begünstigt. Die Tabuisierung des Themas Sexualität im Bereich der Kirche sei noch lange nicht beendet, "jedenfalls auf der Ebene ihrer Leitung", kritisierte Striet weiter: "Und man scheint auch nicht bereit zu sein, unter dem Vorzeichen des Missbrauchsskandals über das Amts- und Kirchenverständnis auch nur nachzudenken."
Quelle: domradio.de

8.3.2017 Hans Zollner beleuchtet in "Kinderschutz in der katholischen Kirche. Reflexionen aus Theorie und weltweiter Praxis" die Situation der kirchlichen Präventionsmaßnahmen. Es geht um das Verhindern von Missbrauch. Wie mit den Opfern umgegangen wird, ist nicht im Blick.
Quelle: forum-weltkirche.de

8.3.2017 Zum alljährlichen Frauentag die alljährliche Feststellung: Es geschieht zu wenig. Frauenrechte sind nicht ohne Kämpfe durchsetzbar. 100 000 Fälle häuslicher Gewalt pro Jahr werden gemeldet. Frauenhäuser gibt es zu wenig und die vorhandenen sind oft überfüllt und müssen Schutz suchende Frauen abweisen. Bereits 2011 wurde die Istanbul-Konvention - ein völkerrechtliches Übereinkommen zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen - unterzeichnet. Handlungsbedarf sah die Bundesregierung jedoch nicht.
Quelle: tagesschau

8.3.2017 Die US-Diözese New Ulm, Minnesota, hat wegen insgesamt 101 Missbrauchsklagen und daraus entstehenden Entschädigungsansprüchen Insolvenz angemeldet. Insgesamt 14 Bistümer in den USA sind wegen Enschädigungszahlungen an Missbrauchsopfer insolvent.
Quelle: Radio Vatikan

8.3.2017 Pater Zollner benennt im Interview die Erfolge der Päpstlichen Kinderschutzkommission: Schulung von neuen Bischöfen und Vatikanpersonal, Gebetstage für Missbrauchsopfer in Australien, Südafrika, Irland und Polen und Ideen zum Apostolischen Schreiben "Wie eine liebende Mutter". Pater Zollner spricht auch von Widerstand gegen das Thema Missbrauch, bei Klerikern, aber auch Nicht-Klerikern. Manche Bischofskonferenzen haben bis heute die Anweisungen der Glaubenskongregation nicht umgesetzt. Mechanismen, die Bischofskonferenzen sanktionieren könnten, gibt es nicht. Die Frage sei, ob sich Verantwortliche der Kirche dem Thema "aktiv und aus eigener Motivation stellen oder erst dann, wenn Skandale öffentlich werden". Pater Zollner bekräftigt, dass die Stimmen der Opfer auch ohne Marie Collins repräsentiert seien.
Quelle: katholisch.de

7.3.2017 Andrea Tornielli, Vatikan-Kenner, formuliert: "Moreover, it should not be forgotten the last two Popes’ personal testimony, who repeatedly and courageously - even at the cost of creating discontent among the curia and the clergy - have met victims.
Quelle: lastampa.it
Kommentar: erübrigt sich. Die Aussage zeigt, wer in der Kirche welchen Stellenwert hat.

7.3.2017 Bislang gibt es keinen Hinweis auf mögliche Missbrauchsopfer durch einen Mitarbeiter des Bistums Limburg, gegen den wegen Konsum von Kinderpornografie ermittelt wird. Das sagte Bistumssprecher Stephan Schnelle.
Quelle: katholisch.de
Kommentar: Nun, mindestens die Kinder, deren Missbrauch sich der Bistumsmitarbeiter angeschaut hat, wurden missbraucht - und da die Filme weiterhin im Internet angeboten werden und beliebig kopiert werden können, setzt sich der Missbrauch dieser Kinder fort.

6.3.2017 "We are Church" verlangt den Rücktritt des Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal Müller, nachdem die Glaubenskongregation sich weigerte, alle Briefe von Überlebenden sexuellen Missbrauchs durch Priester zu beantworten und ein Tribunal einzurichten, das Vertuschung von Bischöfen sanktioniert. Kardinal Müller solle durch jemanden ersetzt werden, der Transparenz, Gerechtigkeit und Mitgefühl einführt.
Quelle: wir sind kirche

6.3.2017 Nachdem in einer Sickergrube eines von kath. Bon-Secours-Schwestern zwischen 1925 und 1961 betriebenen Mutter-Kind-Hauses in Tuam/Irland 796 Leichen von Föten und Kindern zwischen 0 und 3 Jahren gefunden wurden, formulieren Staat und kath. Kirche ihr Entsetzen. Der Erzbischof von Tuam, Michael Neary, zeigte sich am Sonntag schockiert von der Größenordnung des Funds. Die Vereinigung katholischer Priester Irlands (ACP) sprach von „Traurigkeit und Scham“. Als Priester seien sie Teil einer Institution, die in dieser traurigen Angelegenheit eine zentrale Rolle gespielt habe.
Der Frauenorden der Bon-Secours-Schwestern, der das Heim betrieben hatte, teilte mit, man arbeite vollumfänglich mit der Untersuchungskommission zusammen. Den Fund an sich kommentierte der Orden nicht.
Quelle: orf
Kommentar: Vermutlich gab es viele solcher Mutter-Kind-Heime, die untersucht werden sollten.

5.3.2017 Sexueller Missbrauch bei den Zeugen Jehovas wird verschwiegen. Das berichtet die Fachstelle Infosekta in Zürich. Die meisten Fälle werden nicht publik. Gründe sind das abgeschottete System und die "Zwei-Zeugen-Regel", die besagt, dass ein Opfer eine zweite Person haben muss, die die Tat mitbekommen hat. Auch die interne Gerichtsbarkeit schrecke Opfer ab.
Quelle: NZZ

5.3.2017 Kardinal Müller weist die Vorwürfe von Marie Collins an die Glaubenskongregation zurück. Es sei nicht Aufgabe der Glaubenskongregation, Briefe einzelner Opfer zu beantworten. Das sei Aufgabe der Ortsbischöfe und Generaloberen der Orden, die den Opfern näher stünden. Keine Stellung nimmt er zum Vorwurf von Frau Collins, dass die Glaubenskongregation eine Leitlinienvorlage der Kinderschutzkommission nicht an die Bischofskonferenzen weltweit versandt habe.
Quelle: katholisch.de

5.3.2017 Über den "Fall Mercedes Don Inzoli" in Italien.
Quelle: domradio

4.3.2017 Irische katholische Schwestern betrieben zwischen 1925 und 1961 in Tuam/Irland ein Heim für ledige Mütter und ihre Kinder. Nun hat die Lokalhistorikerin Catherine Corless festgestellt, dass in den 36 Jahren insgesamt 796 Begräbnisse unehelicher Kinder stattfanden - in einer Sickergrube. Eines der überlebenden Kinder, der 1951
geborene P.J.Haverty, war über sechs Jahre im Heim. Seine Mutter musste das Heim nach einem Jahr verlassen. Die Schwestern wünschten keine emotionale Bindung zwischen Mutter und Kind.
Quelle: Deutschlandfunk
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thedailybeast.com

3.3.2017 "Bischöfe seien im Grunde doch 'naive Menschen', die 'an das Gute glauben' und keine Erfahrung auf dem Gebiet der Kriminalistik hätten. Da sei es nicht leicht, sich mit solch unfassbaren Taten [Missbrauch durch kath. Priester] auseinander zu setzen." Das sagte Kardinal Müller, Präfekt der Glaubenskongregation. Er wies den Vorwurf, die Kirche ginge lax mit Missbrauchsfällen um, zurück. Er betonte auch, dass die Päpstliche Kinderschutzkommission nicht die Aufgabe habe, die Glaubenskongregation unterstützen. Diese habe ihre eigene Gerichtsbarkeit weltweit und beschäftige zehn (bislang: 8) Fachleute.
Quelle: Radio Vatikan
Kommentar: Wenn Bischöfe naive Menschen sind, erübrigt sich die Frage, ob solche Menschen die Kirche leiten können.

3.3.2017 Die Diözese Melbourne weigert sich, den Empfehlungen der königlichen australischen Missbrauchskommission zu entsprechen. Empfohlen wurde, die Entschädigungen auf die Familien von Opfern und Betreuer auszudehnen. Im kirchlichen "Melbourne Response" - eingerichtet von Kardinal Pell, dem Vertuschung vorgeworfen wird, mussten Opfer, die Entschädigungen erhalten haben, bestätigen, keine weiteren Ansprüche zu stellen. Der Bericht des Richtes Donnel Ryan empfahl 2015, diese Klausel zurückzunehmen. Die Erzdiözese hielt den Bericht ein Jahr lang zurück und lehnte die Rücknahme der Klausel ab, dass nach einer Entschädigungszahlung keine weiteren Ansprüche gestellt werden dürfen. Der Ryan-Bericht empfahl der Kirche Entschädigungszahlungen von mindestens $ 150.000. In 90 Fällen hat die Kirche ihre Entschädigungen von 75.000 $ erhöht.
Quellen : abcnet.au  news.com.au

2.3.2017 Jane Fonda berichtet mit 79 Jahren berichtet: "Ich wurde vergewaltigt, als Kind sexuell missbraucht, gefeuert, weil ich nicht mit meinem Chef schlafen wollte."
Quelle: spiegel.de


2.3.2017 Thomas Jansen stellt im Blick auf die Päpstliche Kinderschutzkommission fest: "Unabhängig vom Rücktritt Collins’ gilt die Kinderschutzkommission in ihrer heutigen Form in Rom als Auslaufmodell – ihre Erprobungszeit endet im Dezember 2017. Man brauche eine andere Konstruktion, die eine effektivere Arbeit ermögliche, heisst es. Die Kommission hat keinen eigenen Mitarbeiterapparat und bezieht ihre Informationen über Missbrauchsfälle im Wesentlichen aus den Medien. Der Posten von Collins’ wird deshalb voraussichtlich nicht nachbesetzt."
kath.ch

2.3.2017 Der Catholic Herald kommentiert den Ausstieg von Marie Collins aus der Päpstlichen Kinderschutzkommission: "Now, Collins’ departure from the Commission represents a crumbling of the façade, laying bare a disappointing truth: under Pope Francis’ watch, the global crisis caused by child abuse and its cover-up is not being confronted with the vigour that it needs. As a result, working in the Catholic Church becomes harder for all its members at all levels."
Quelle: catholicherald.co.uk

2.3.2017 Die Päpstliche Kinderschutzkommission arbeitet weiter, obwohl Marie Collins zurückgetreten ist. Das geht aus einem Interview mit Pater Zollner hervor. Pater Zollner nennt als Ursache des Rücktritts von Frau Collins, es sei "einfach zu viel geworden für sie" und die Frustrationen hätten sich über die Jahre angehäuft. Es sei ihr nicht schnell genug gegangen. Sie erwarte auch weltweit keine konsistente Antwort einiger vatikanischer Behörden.
Pater Zollner sagt, alle Kommissionsmitglieder seien
„sehr oft bzw. ständig mit Opfern von Missbrauch in Kontakt“ und mit Peter Saunders sei nach wie vor ein Missbrauchsopfer in der Kommission. [Die Mitgliedschaft von Peter Saunders ruht, seit er Kardinal Pell öffentlich kritisierte.] Pater Zollner vermutet, dass Frau Collins mit ihrer Kritik nicht die Glaubenskongregation gemeint habe, sondern "Personen oder Untersektionen von Kongregationen" [s. jedoch ein Interview mit Marie Collins, in dem sie 2/2016 "this top level" des Vatikans benennt; oder ihre Kritik am Papst, als er den chilenischen Bischof Juan Barros installierte, obwohl diesem vorgeworfen wurde, Missbrauchsverbrechen des chilenischen Priesters Fernando Karadima vertuscht zu haben.]
Marie Collins habe bemängelt, dass die Glaubenskongregation das von der Kinderschutzkommission vorgeschlagene Tribunal gegen vertuschende Bischöfe nicht eingerichtet habe. Pater Zollner widerspricht: Es habe bereits vorher ein entsprechendes Tribunal bei der Glaubenskongregation gegeben und man habe gar kein neues Gericht schaffen müsssen. Allerdings sei dieses Gericht "nicht so häufig in Anspruch genommen" worden. Inzwischen hätten sich aber einige Bischöfe selbst entlassen, weil sie wussten, dass ein Prozess auf sie zukomme.

[Da bleibt zu fragen, warum die Kinderschutzkommission dem Papst ein Tribunal/Gericht vorschlägt, das es doch längst gibt. Im Juni 2016 sagte Marie Collins, dass es auf die Umsetzung von ankomme.]
Quelle: Radio Vatikan

2.3.2017 Der Bischof von Würzburg hat nach Abschluss eines staatlichen Verfahrens, das wegen Verjährung eingestellt wurde, und eines kirchlichen Verfahrens ein erneutes Gutachten über eine Frau, die einen Priester des Bistums des sexuellen Missbrauchs beschuldigte, erstellen lassen. Die Betroffene wurde vor Erstellung des zweiten Gutachtens weder gefragt noch angehört. Klaus Laubenthal, Jurist und Missbrauchsbeauftragter des Bistums, sagt, nach staatlichem Recht könne ein neues Gutachten nur im Rahmen eines neuen Ermittlungsverfahrens erstellt werden. Der Missbrauchsbeauftragte wundert sich, dass es überhaupt möglich ist, ein Gutachten nach Aktenlage zu erstellen. Der Rechtsanwalt des Bistums in diesem Fall wurde vom Bischof beauftragt, Presseauskünfte zu geben. Er sagt, der Bischof habe sich durch das zweite Gutachten der Beschuldigerin vergewissern wollen, dass der Beschuldigte weiterhin seine priesterlichen Funktionen uneingeschränkt wahrnehmen könne.
Quelle: Mainpost
Kommentar: Warum zwei Gutachten über die Frau, die den Priester des Missbrauchs beschuldigte, erstellt wurden, um die Eignung des Priesters für seinen Dienst zu klären, jedoch kein Gutachten über den Beschuldigten, ist unerfindlich.


1.3.2017 Ein Lied zum Aschermittwoch

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1.3.2017 Marie Collins hat die Päpstliche Kinderschutzkommission verlassen. Sie nennt Gründe für ihre Entscheidung:
  • Sie spricht vom Mangel an Kooperation, vor allem durch die Behörde, die am engsten mit Missbrauchsfällen zu tun hat (gemeint ist vermutlich die Glaubenskongregation). Collins nennt das Verhalten dieser Behörde "schändlich". Zuletzt gab es eine Empfehlung für eine Änderung zugunsten von Opfern, die der Papst genehmigte, die zuständige Behörde jedoch ablehnte.
  • Gegenüber NCR begründet Collins ihren Schritt mit dem Mangel an Ressourcen, den unzureichenden Strukturen rund um das Unterstützungspersonal, die Langsamkeit des Vorgehens und den kulturellen Widerstand.
  • Sie weist darauf hin, dass das Bischofstribunal, vom Papst genehmigt, von der Glaubenskongregation verhindert wurde. - Am 5.9.2016 sollte eine weitere Initiative, die religiöse Führer (Orden) zur Rechenschaft ziehen sollte, installiert werden. Ob diese Arbeit tatsächlich angefangen hat, sei unbekannt.
  • Die Kommission hat eine Leitlinienvorlage für alle Bischofskonferenzen entwickelt - das für die Überprüfung und Versendung verantwortliche Dikasterium verweigert der Päpstlichen Kinderschutzkommission die Zusammenarbeit.
  • 2016 habe der Papst alle Abteilungen des Vatikans angewiesen, alle Korrespondenz von Opfern/Überlebenden zu beantworten. Im Januar 2017 musste Collins erfahren, dass "dieses besondere Dikasterium" (die Glaubenskongregation?) sich weigert, Opfern zu antworten. Collins nennt es "unmöglich", öffentlich von der "tiefen Besorgnis der Kirche" zu hören, und zugleich Briefe nicht zu beantworten. Dieses Verhalten sei ein Spiegelbild für den Umgang der Kirche mit der Missbrauchskrise: Mit guten Worten in der Öffentlichkeit und gegensätzlichen Handlungen hinter verschlossenen Türen.
Collins sagt, es sei verheerend, dass Männern im Vatikan andere Dinge wichtiger seien als die Sicherheit von Kindern und anfälligen Erwachsenen. Sie erinnert an die Anfänge: "When I accepted my appointment to the Commission in 2014, I said publicly that if I found what was happening behind closed doors was in conflict with what was being said to the public I would not remain. This point has come. I feel I have no choice but to resign if I am to retain my integrity."
Quelle: mariecollins.net
Kommentar: Die Mitgliedschaft von Peter Saunders ruht, Marie Collins ist gegangen - in der päpstlichen Kinderschutzkommission ist nunmehr kein einziger Vertreter/keine einzige Vertreterin, der/die die Opfer vertritt. Marie Collins gibt die Hoffnung auf, den Widerstand vatikanischer Gremien gegen Opferbelange zu verändern. Die Päpstliche Kinderschutzkommission hat mit dem Ausscheiden von Marie Collins - bei denen, die noch auf eine Umkehr der Kirchenverantwortlichen zu den Opfern hofften - jegliche Glaubwürdigkeit verloren.  

1.3.2017 "Über katholische Geistliche, die sich sexuell an Kindern vergehen, wurde in Deutschland 2010 ausführlich berichtet. In Italien ist das Thema tabu. Der bekannte Investigativ-Journalist Emiliano Fittipaldi hat nun recherchiert, wie hochrangige Kleriker Täter schützten und danach Karriere machten. Der Vatikan schweigt zu dem Buch - und auch viele Medien halten sich zurück." So urteilt Thomas Migge im DLF und zitiert Fittipaldi: "Man muss doch nur mal checken, wer in der letzten Zeit einen Karrieresprung machen konnte, um auf diese Weise aus der Schusslinie der Vorwürfe zu kommen. Allein drei der Kardinäle, die im vom Papst geschaffenen Kardinalsgremium zur Reform der Kirchenverwaltung sitzen, sind nachweislich Vertuscher pädophilen Missbrauchs. Eine ganze Menge von Mitarbeitern Bergoglios sind solche Vertuscher."
Quelle: deutschlandfunk.de

28.2.2017 Der französische Priester und Psychoanalytiker Monsignore Tony Anatrella ist Berater in den Päpstlichen Räten für Familie und Gesundheit. Noch 2016 hat er die Neu-Bischöfe über den Umgang mit Missbrauchsfällen in der Kirche instruiert und gesagt, die Bischöfe müssten keine Anzeige beim Staat erheben. Französische Bischöfe schickten Priester und Seminaristen, die homosexuell oder pädophil waren, zu Anatrella in Behandlung. 2006 tauchten die ersten Anschuldigungen von Klienten in den Therapien des Herrn Anatrella auf, er habe sie sexuell missbraucht. Inzwischen - fast 10 Jahre später - ist ein kirchenrechtliches Verfahren gegen ihn eröffnet worden.
Quelle:
lemonde.fr

26.2.2017 Kardinal Müller ist der Ansicht, dass die katholische Kirche Kindesmissbrauch durch Priester nicht systematisch vertuscht habe. Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Rörig, würdigt die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle bei den Regensburger Domspatzen und spricht davon, dass "nach den bleiernen Jahren der Abwehr und Verschleppung" jetzt endlich umfassend aufgearbeitet werde.
Quellen: religion orf  domradio.de

25.2.2017 Papst Franziskus hat die Sanktionen gegen eine Handvoll pädophiler Priester reduziert. Damit überging er die Glaubenskongregation. Marie Collins weist darauf hin, dass Papst Franziskus den Begriff "Krankheit" für Kindesmissbraucher verwendet. Von Verteidigern priesterlicher Missbrauchstäter, die mit "Barmherzigkeit" argumentieren, wird der medizinische Begriff benutzt, um in kanonischen Verfahren mildernde Faktoren einzuführen. Collins sagt - zu Recht -, dass jeder Missbraucher weiß, was er tut.
Quelle: beaumontenterprise.com
Kommentar: Barmherzigkeit ohne Gerechtigkeit ist nicht möglich. Das Signal an kirchliche Missbrauchsopfer ist eindeutig - und verheerend. Bonhoeffer würde Barmherzigkeit ohne Gerechtigkeit "billige Gnade" nennen (Nachfolge, Kap. 1).
"Billige Gnade ist die Gnade, die wir mit uns selbst haben."

25.2.2017 Vor der australischen Missbrauchskommission sagte Erzbischof Wilson zur Frage, wie Missbrauch in so großem Ausmaß geschehen konnte, ohne dass die Menschen etwas bemerkten: “Part of the difficulty that we’ve had in responding to this crisis about sexual abuse was simply based on the fact that people just didn’t know and understand what they were dealing with. I don’t think they really understood the nature of sexual abuse of children and the effect that it had on the children.” Erzbischof Fisher meinte: “I think there were people that were just like rabbits in the headlights. They just had no idea what to do, and their performance was appalling.”
Quelle: stgertrude.org


25.2.2017 Opfer sexueller Gewalt in der Laienorganisation "Sodalitium Christianae Vitae" hatten bereits 2011 im Bistum Lima, Peru, die Verbrechen und Übergriffe gemeldet. Die Ordenskongregation des Vatikans brauchte 6 Jahre, um den Anschuldigungen nachzugehen.
Quelle: wral.com

24.2.2017 Bischöfe in Australien haben vor der könglichen Missbrauchskommission gesagt, sie wollten mit gezielten Schritten künftig Missbrauch verhindern. In Australien waren 7% der kath. Priester Missbrauchstäter, also jeder 14. Priester.
Opfervertreter sind skeptisch, ob sich die "Kultur", die sich bisher durch Verschweigen und Vertuschen auszeichnete, tatsächlich geändert wird. Steven Spaner, SNAP, sagt, bislang habe man "noch keine Taten gesehen, die die Kirche und die australischen Bischöfe tatsächlich zu einer Änderung der Kultur zwingen. Barbara Dorris, SNAP, sagt: "
Kein Bischof wurde bisher dafür bestraft, dass er Täter beschützt hat. Erst wenn Kirchenoffizielle von zivilen und kirchlichen Gerichten zur Verantwortung gezogen werden und die Konsequenzen für ihre Taten tragen müssen, werden sich die Dinge ändern."
Quelle: katholisch.de

24.2.2017 Der Erzbischof von Bogotá hat sich für Fälle sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen durch Priester entschuldigt. Er versprach Null-Toleranz.
Quelle: latina-press

24.2.2017 Gegen den früheren Bischof von Bruegge, Vangheluwe, erhebt ein weiterer Mann den Vorwurf sexuellen Missbrauchs. Er sei Anfang der 70er Jahre als Messdiener missbraucht worden. Der Mann beschuldigt einen weiteren Priester, an Vergewaltigungen im flandrischen Haelbeke beteiligt gewesen zu sein. Der Anwalt des ehemaligen Bischofs teilt mit, sein Mandant weise die Behauptungen zurück. Er werde Beschwerde wegen Verleumdung einlegen. Vangheluwe trat 2010 vom Amt zurück, weil er einen Neffen über Jahre sexuell missbraucht hat.
Quelle: kath.ch

24.2.2017 In Polen wird am ersten Freitag der Fastenzeit für die Opfer sexuellen Missbrauchs durch Priester gebetet. Zugleich versteht die katholische Kirche das Gebet als Botschaft für Null-Toleranz gegenüber Pädophilen.
Quelle:
katholisch.de

24.2.2017 In einem Gespräch der königlichen australischen Missbrauchskommission sagte der Commissioner A. Murray: "We have been told in private sessions that at the moments of abuse, that the child at the time — because of what they had been taught — thought they were being abused by the representative of God, so it has immense and immediate meaning with respect to child sex abuse." Erzbischof Wilson reagierte: "That's about the most horrible thing I could ever hear. It's just awful that people could behave like that." Murray erwiderte: "We've heard that many times." -
Erzbischof Hart sagte ebenso wie seine vier Kollegen, dass der Zölibat ein Faktor bei sexuellem Missbrauch durch Priester sei. Dass der Zölibat eine Ursache sei, wollten sie nicht sagen. Einig waren sich die fünf Erzbischöfe, dass die Kirche verurteilte Täter nicht vollständig überwachen könnten.
Quelle: abc.net.au
Kommentar: Dass Erzbischof Wilson - selbst angeklagt wegen Vertuschung - noch nie gehört hat, dass kindliche und jugendliche Opfer von sexuellem Missbrauch durch Priester denken, dass sie von einem Stellvertreter Gottes missbraucht werden, bedeutet, dass dieser Bischof weder über das Amtsverständnis kath. Priester (und seine Folgen) noch über sexuellen Missbrauch von Kindern/Jugendlichen auch nur ansatzweise nachgedacht hat.

23.2.2017 Der Missbrauchsbeauftragte des Bistums Würzburg teilte dem Bischof mit, dass er das Verfahren gegen einen Priester des Bistums eingestellt habe. Ein erster Vorwurf von 2014/2015 hatte mit der Einstellung des Verfahrens geendet. Der Bischof hatte im April 2016 Unterlagen an den Missbrauchsbeauftragten gegeben, in denen ein weiterer Vorwurf erhoben wurde. Dieser Vorwurf konnte auch nach Aktenüberprüfung und nach Gesprächen mit Menschen, die als Zeugen Kenntnis über den Vorwurf hatten, aufrechterhalten werden. Der Priester ist in seinen Tätigkeiten nicht eingeschränkt.
Quelle: bistum würzburg

23.2.2017 Fünf Erzbischöfe Australiens - Sydney, Melbourne, Perth, Adelaide und Brisban - räumen "katastrophales Versagen" der Kirche im Umgang mit Missbrauchsfällen ein. Selbst der wegen Vertuschung angeklagte Erzbischof Philip Wilson, Adelaide, stimmte zu, als Gail Furness, Anwältin der königlichen australischen Kommission, sagte: "Das war ein Verbrechen, Herr Erzbischof!"
Quelle: katholisch.de


23.2.2017  Kathleen McCormack, australisches Mitglied der päpstlichen Kinderschutzkommission, sagte bei einer Anhörung vor der australischen königlichen Kinderschutzkommission, dass die finanzielle Ausstattung der weltweit arbeitenden päpstlichen Kinderschutzkommission nicht ausreichend sei: "Our budget would be what you would do in a diocese but we're dealing with the whole world." Der Neuseeländer Bill Kilgallon, Nationaldirektor für professionelle Standards in der Kirche und Mitglied der päpstlichen Kinderschutzkommission meinte: "The way the commission has been structured in terms of the support staff is inadequate."
Quelle: theage.com.au

22.2.2017 Der australische katholische Bischof von Parramatta, Vincent Long Van Nguyen, sagte vor der australischen königlichen Untersuchungskommission, er selbst sei als Erwachsener Opfer von Missbrauch durch einen Geistlichen gewesen. Nguyen war als vietnamesischer Bootsflüchtling nach Australien gekommen. Der Übergriff geschah kurz nach seiner Ankunft.
Quelle: orf  katholisch.de
Kommentar: D.i. ein mutiger Bischof, der sich als Missbrauchsopfer zu erkennen gibt. Man muss davon ausgehen, dass auch unter Priestern und Bischöfen und Kardinälen Missbrauchsopfer sind. 


20.2.2017 Der frühere Generalvikar der mexikanischen Erzdiözese Oaxaca, Carlos Franvo Perez, ist auf der Flucht vor der Polizei. Dem Priester wird die Vergewaltigung eines Jugendlichen vorgeworfen. Joaquin Aguilar Mendez, SNAP, sagt, dass es bislang in Mexiko keine Verurteilung eines Priesters gebe. Derzeit liefen über 500 Strafverfahren gegen kath. Priester in Mexiko wegen Pädophilie und Kindesmissbrauch. Lediglich im Bundesstaat Aoxaca gehe die Justiz streng vor. Letzte Woche hatte Bischof Jose Armando Alvarez Cano gesagt, laut Statistiken würden zwei Prozent des Kindesmissbrauchs durch Kirchenmitarbeiter begangen.
Quelle: radiovatikan

17.2.2017 Der frühere Chef der Schweizer Kapuziner, Ephrem Bucher, hat den Kapuziner Pater Joel über Jahre hinweg vor Strafverfolgung wegen sexuellen Missbrauchs geschützt. Anfang 2014 wurde er in das "Fachgremiums Sexuelle Übergriffe im kirchlichen Umfeld" berufen. Er wisse - Dank seines Umgangs mit dem Fall von Pater Joel - welche Fehler man nicht machen dürfe, hatte er erklärt. Nach heftigem Protest hat er nun seinen Austritt aus dem Fachgremium erklärt.
Quelle: religion.orf.at

16.2.2017 In der peruanischen Gemeinschaft apostolischen Lebens, Sodalitium Christianae Vitae, haben acht verschiedene Täter - unter ihnen der Gründer der Bewegung, Luis Fernando Figari - 19 Minderjährige und 17 Erwachsene sexuell missbraucht. Figari war bis 2010 Leiter der Organisation.
Quelle: radiovaticana.va

16.2.2017 Pater Agostino Del Pietro, Provinzial der Kapuziner in der Schweiz, will den sexuellen Missbrauch an Daniel Pittet von einer unabhängigen juristischen Kommission aufarbeiten lassen. Pittet hat ein Buch über seine Erfahrungen geschrieben.
Quelle:Radio Vatikan


16.2.2017 Die katholische Kirche in Australien hat mehr als 190 Millionen Euro an Tausende Opfer von sexuellem Missbrauch durch Geistliche gezahlt. Durchschnittlich bekam jedes Opfer ca 66.000 Euro.
Quelle: orf


16.2.2017 Der frühere Kurienkardinal Raymond Leo Burke wurde vom Vatikan nach Guam geschickt. Dort soll er die Missbrauchsvorwürfe von Roland Sondia gegen den Erzbischof von Agana, Anthony Apuron, prüfen. Insgesamt 3 Männer werfen Apuron sexuellen Missbrauch vor.
Quelle: orf.at

14.2.2017 Ephrem Bucher war früher Chef der Schweizer Kapuziner. Er deckte den in dem Buch „Ich vergebe Ihnen, Pater“ (Autor: Daniel Pittet) benannten Kapuziner Pater Joël über Jahre hinweg. Der Täter gab zu, 40 Kinder sexuell missbraucht zu haben, wurde jedoch nie zur Rechenschaft gezogen. Lediglich in Frankreich wurde er zu zwei Jahren bedingter Haft nach dem Missbrauch eines Neffen verurteilt. Der Kapuziner Ephrem Bucher, ein Studienkollege des Täters, sagte: "Ich hatte geglaubt, diese Wunden würden mit den Jahren verheilen."
Heute gehört Bucher zu den Experten des Anfang 2014 eingesetzten "Fachgremiums Sexuelle Übergriffe im kirchlichen Umfeld". Zweifel an seiner Arbeit in diesem Fachgremium, dass sexuelle Übergriffe aufdecken soll, hat er nicht: "
Ich habe eine umfassende Ausbildung zu Fragen rund um Pädophilie absolviert und weiss dank dem Fall von Pater Joël, welche Fehler man nicht machen darf."
Quellen: blick.ch  blick.ch
Eines Kommentars kann ich mich nicht enthalten: Wer einen Kollegen, der einen Serientäter geschützt hat, in ein kirchliches Gremium, das Missbrauch aufdecken soll, beruft, handelt fahrlässig. Der den Serientäter schützende Ordensobere gehört vor ein staatliches und/oder (im Fall der Verjährung) vor ein kirchliches Gericht, nicht in eine kirchliche Kommission, die Missbrauch aufdecken soll. Die Berufung eines derart vorbelasteten Mitglieds in eine kirchliche Kommission leistet dem (nicht unbegründeten!) Verdacht Vorschub, da solle weiter vertuscht werden. 

14.2.2017 Charles Morerod, Präsident der Schweizer Bischofskonferenz, antwortet auf die Frage, wie das Bistum mit dem Thema Pädophilie umgehe: "Für mich sind diese Affären ein Kreuz und ein Spuk, die uns verfolgen."
Quelle: blick.ch
Kommentar: Die Wortwahl ist fahrlässig und demütigt die Opfer.


14.2.2017 Der frühere Chef des Kapuzinerordens, Ephrem Bucher (73), deckte ülber Jahre hinweg seinen Ordensbruder Pater Joël, der 60 Kinder/Jugendliche sexuell missbrauchte. Bucher ist Mitglied des Fachgremiums der Kirche, das sexuelle Übergriffe aufdecken und verhindern soll.
Quelle: blick.ch

13.2.2017 Der Papst hat das Vorwort zu einem Buch eines früheren katholischen Priesters, der inzwischen verheiratet ist, geschrieben, der von einem kath. Priester/Pater missbraucht worden war. Das Buch trägt den Titel: „Ich vergebe Ihnen, Pater“. Es erschien auf Italienisch im Vatikanverlag LEV. Der Papst sagte, die Kirche habe die Pflicht, "sich mit besonderer Zuneigung um die Schwächsten und Verletzlichsten zu kümmern und sie zu beschützen". Sie sei verpflichtet „gegenüber Priestern, die ihre Mission verraten, und gegenüber ihren Vorgesetzten, ob Bischöfen oder Kardinälen, die sie eventuell decken, extreme Strenge walten zu lassen". Er wies auch darauf hin, dass es Missbrauchsopfer gibt, die in den Selbstmord getrieben wurden:  "Diese Toten beschweren mein Herz, mein Gewissen und das der ganzen Kirche." Die Schweizer Bischofskonferenz und die Kapuziner, denen der noch lebende Täter angehört, rufen mögliche weitere Opfer auf, sich zu melden. Bekannt ist, dass der Täter mindestens 25 Opfer hatte. Er stand dreimal vor Gericht.
Im Gespräch zwischen dem Autor Pittet und dem Papst habe der Papst während des Entstehungsprozesses eines früheren Buches von Pittet, das 2015 erschien, geäußert: "
Pädophile in Italien? Das gibt es nicht."
 
Quelle: radio vatikan  domradio  kath.ch  kath.ch (14.2.)
Kommentar: Ob der Papst ein Missbrauchsopfer
, dem Vergebung nicht möglich ist, auch unterstützen würde,  muss offen bleiben. Dass er auch an diejenigen denkt, die nicht überlebt haben, ist bemerkenswert. Dass Papst Franziskus immer noch nicht verstanden hat, dass sexueller Kindesmissbrauch durch Pädophile, aber auch durch Nicht-Pädophile (d.i. die Mehrheit der Missbrauchstäter) ubiquitär ist, ist ein Armutszeugnis. Aber in Italien gelangen erst in der letzten Zeit Informationen über Missbrauchs-Priester an die Öffentlichkeit, die ernst genommen zu werden scheinen. Die italienische Gruppe Retelabuso arbeitet seit vielen Jahren im Interesse kirchlicher Opfer in Italien. Nur: Gehör müsste sie halt finden. Bislang gibt es keinen Bericht der italienischen Bischofskonferenz über den Umgang mit Missbrauchsfällen in Italien. (s. auch faz vom 15.2.2017, S. 5)

13.2.2017 Auch zehn Monate nach der Selbstanzeige eines Pfarrers aus dem Bistum Fulda dauern die Ermittlungen noch an.
Quelle: Fuldaer Zeitung

13.2.2017 Tom Doyle, Experte für kanonisches Recht und seit Jahrzehnten in der kath. Kirche gegen sexuellen Missbrauch und für die Opfer engagiert, stellte vor der königlichen australischen Kommission fest, dass Klerikalismus eine der Hauptursachen für Missbrauch ist. Er beschreibt Missbrauch als einen Virus, der die Kirche infiziert habe und viel Schaden verursache, einschließlich geistlichem Missbrauch. Letzteren habe die Kirche noch kaum zur Kenntnis genommen.
Quelle: the conversation.com

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13.2.2017 Alexander Probst gehörte als Vertreter der Missbrauchsopfer zum Aufarbeitungsgremium im Bistum Regensburg. Jetzt hat er ein Buch über den Missbrauch bei den Regensburger Domspatzen geschrieben: "Von der Kirche missbraucht. Meine traumatische Kindheit im Internat der Regensburger Domspatzen und der furchtbare Skandal", Verlag Riva München 2017, 19,99 Euro.
Quelle: katholisch.de

13.2.2017 Der emeritierte Erzbischof Tomas Camacho, Diözese Chalan Kanoa, Nördliche Marianen, wird von einem Mann der Vergewaltigung beschuldigt. Der Kläger, Melvin Duenas, 55 Jahre, sagt, er wurde zwischen 1968 und 1974  als Messdiener missbraucht. 2006 habe er versucht, den Bischof zu kontaktieren, jedoch keine Antwort erhalten. Der Kläger berichtet, er sei auch von einem weiteren Priester aus Guam, Pater Louis Brouillard, missbraucht worden.
Quelle: pacificnewscenter.com
11.2.2017 Die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen bei der Brüdergemeinde Korntal stockt erneut. Opfervertreter, Brüdergemeinde und Mediatoren konnten sich nicht auf den Aufklärer RA Weber einigen. Man sei sich grundsätzlich einig, aber der Widerspruch einer Mediatorin gegen den einzig vorgesehenen Aufklärer verhinderte den Konsens. Die Mediatorin brachte Medienberichte ein, wonach RA Ulrich Weber in eine Korruptionsaffäre verwickelt sein könne. Weber sagte, gegen ihn werde nicht ermittelt. Im MÄrz sollen die Gespräche weitergehen.
Quelle: stuttgarter-zeitung.de

11.2.2017 Luis Fernando Figari wurde vom Papst in den Ruhestand geschickt. Ihm wurde ein Leben des Gebets in einem Kloster auferlegt und ein Kontaktverbot mit dem von ihm gegründeten Orden "Sodalitium Christianae Vitae" ausgesprochen.  Ihm wurde von vielen Opfern sexueller und psychischer Missbrauch vorgeworfen. Opfer hatten sich Gerechtigkeit und eine exemplarische Verurteilung erhofft.
Quelle: latina-press.com

11.2.1017 Der Bischof des Bistums Wollongong, Australien, Peter Ingham, sagt zu den Ergebnissen der Untersuchung von Missbrauchsfällen durch kath. Geistliche in Australien: „Es besteht kein Zweifel, diese Ergebnisse werden die Kirche in Australien noch für Generationen erschüttern. Die Geschichte unserer Kirche wird und muss dieses Kapitel enthalten. Es darf nicht geleugnet oder verdrängt werden.“
Quelle: radiovaticana.va

9.2.2017 Papst Franziskus bezeichnete Kindesmissbrauch als "Krankheit". Nur wenn wir überzeugt seien, Kindesmissbrauch sei eine Krankheit, könnten wir das Problem auch lösen, sagte er vor Generaloberen. Weiter sagte er, oft seien spätere Täter früher selbst Opfer sexueller Gewalt geworden. Er nannte es "ein Werk des Teufels", wenn Priester oder Ordensleute in Missbrauchsfälle verwickelt seien.
Quellen: Domradio 
Kommentar: Dem Papst sind Fachleute zu wünschen, die ihn besser beraten, damit er nicht Verbrechen Krankheit nennt, Opfer als künftige Täter beschuldigt und im übrigen den Teufel am Werk sieht.   

9.2.2017 Ein Mitarbeiter des Limburger Bischofs Bätzing steht im Verdacht, kinderpornografisches Material auf einem Computer gespeichert zu haben. Hinweise auf Opfer gebe es bislang nicht. Der Verdächtige habe in seiner jetzigen Stelle keinen beruflichen Kontakt zu Kindern und Jugendlichen gehabt, wohl aber in einer früheren Stelle. Das Bistum biete dem Verdächtigen therapeutische und seelsorgliche Hilfe an, teilte der Bistumssprecher mit.
Quelle: swr  hessenschau  tagesanzeiger 
diakone.de
8.2.2017 Egbert Schmoll hat den "SchuldUnSühne. Der Prozess gegen die Abtei Wettingen-Mehrerau" neu aufgelegt.
Quelle: egbert-schmoll.com

7.2.2017 Im Bistum Neapel hat ein Mann den Vorwurf erhoben, 1989 von einem Religionslehrer missbraucht worden zu sein. 2010 bat er um ein Gespräch mit dem zuständigen Erzbischof Crescenzio Sepe gebeten, das nicht gewährt wurde. 2011 sprach er mit einem Weihbischof des Bistums. 2014 informierte er den Papst. Danach habe das Erzbistum Untersuchungen eingeleitet. Bis Juli 2015 erhielt das mutmaßliche Opfer keine Information über den Stand der Ermittlungen. Das mutmaßliche Opfer drohte daraufhin, sich vor dem Sitz des Erzbistums zu erschießen, wurde angezeigt, verlor seine Arbeit. Das Erzbistum erklärte, die Vorwürfe hätten im GEspräch mit dem mutmaßlichen Opfer, dessen Psychiater und dem Beschuldigten nicht bestätigt werden können. Mit dem beschuldigten Priester habe man sich auf eine Auszeit in einem Kloster verständigt. Das mutmaßliche Opfer habe sich einem psychiatrischen Gutachten verweigert, die Glaubenskongregation habe das Verfahren wegen unzureichender Anhaltspunkte eingestellt.
Quelle:
katholisch.de  napoli.repubblica.it

7.2.2017 Pater Th. Doyle wurde vor der königlichen Kommission in Australien, die Missbrauchsfälle in Institutionen aufklärt, angehört. Er sagte, die Kath. Kirche habe bis heute nicht die Tiefe der spirituellen Schäden verstanden, die sexueller Kindsmissbrauch durch Priester bei den Opfern und ihren Familien anrichtet.
Bis heute gebe es nichts, was die Kirche anbietet, das mit dem spirituellen Schaden umgehen helfen könne und Unterstützung, Trost und Hilfe sein könne.
Quelle: geelongadvertiser.com.au
Kommentar: Nach wie vor ist unverständlich, warum es kein Nachdenken über eine Theologie und Pastoral gibt, die Betroffenen Trost und Hilfe sein könnte. Kirche wendet sich - zu Recht! - der Aufklärung der Vergangenheit zu (na ja, halbherzig) und - zu Recht! - der Prävention zu. Sie fragt aber nicht nach dem Heil derer, die Opfer geworden sind. Doyle stellt fest: "
There seems to be no ability to even ask the proper questions."
6.2.2017 Die in Melbourne zuständige Staatsanwaltschaft hat von der Polizei Beweismaterial erhalten, das belegen soll, dass Kardinal Pell zwischen 1978 und 2001 als Priester in Ballarat und später als Erzbischof von Melbourne mehrere Jungen sexuell missbraucht habe. Die Staatsanwaltschaft soll prüfen, ob die Belege für eine Anklage ausreichen.
Quelle: katholisch.de

6.2.2017 Die königliche australische Kommission, die seit 2013 sexuellen Missbrauch in religiösen Einrichtungen untersucht, kommt zu dem Ergebnis, dass in den vergangenen 30 Jahren 7 % der katholischen Priester und Ordensmänner in Australien Kinder sexuell missbrauchten. Es ist von ca 1880 kirchlichen Tätern die Rede, die identifiziert werden konnten und weiteren nicht-identifizierten 500. Insgesamt sind ca 1265 Priester unter den Tätern. Die Täter hatten 4.444 (bekannte) Opfer. Die Verbrechen geschahen in mehr als 1000 verschiedenen katholischen Einrichungen Australiens. Das Durchschnittsalter der Jungen, die Opfer wurden, lag bei elfeinhalb Jahren, bei den Mädchen betrug es zehneinhalb Jahre. Die Zahl der Selbstmorde unter den Opfern ist unbekannt. Durchschnittlich vergingen 33 Jahre, bis die Opfer Meldung machen konnten. Wenn sie erzählten, wurden ihnen oft nicht geglaubt, meistens wurden sie auch noch bestraft.
40,4 % der Barmherzigen Brüder wurden zwischen 1950 und 2010 des sexuellen Missbrauchs bezichtigt und 22 % der
„Christian Brothers“. In einigen Diözesen waren 15% der Priester Missbrauchstäter.
Der Vatikan weigerte sich, der austral. Kommission Dokumente zur Verfügung zu stellen.
Quelle: tagesschau.de  Radio Vatikan  faz  srf.ch  businessinsider.com.au  taz.de orf
Zum Vergleich: 2004 wurden 4% aller amerikanischen kath. Priester wurden in der John-Jay-Studie (S.4) zwischen 1950 und 2002 des sexuellen Missbrauchs beschuldigt. Spätere Studien gehen von 5-6% aus.


4.2.2017 Der Kirchenrechtler Norbert Lüdecke hat die Leitlinien aller 27 deutschen Bistümer zum Umgang mit sexuellem Missbrauch angeschaut und festgestellt, dass bei mehr als der Hälfte der dt. Bistümer zweifelhaft sei, ob Regelungen auf der Grundlage der Leitlinien erlassen wurden. Damit sei unklar, ob sie überhaupt in Kraft gesetzt seien. Bischofskonferenzen können den Vatikan um entsprechende Gesetzgebungskompetenz bitten, um die Leitlinien in allen Bistümern in Kraft zu setzen. Dies geschah in den USA.
Zudem bezeichnete Lüdecke als problematisch, dass die Akten von kirchlichen Voruntersuchungen nach Abschluss des Verfahrens im Geheimarchiv verschlossen werden. Im Fall eines neuen Missbrauchsbeauftragten könne dieser bei einer Anzeige nicht mehr überprüfen, ob der Angezeigte bereits in einem anderen Fall auffällig geworden war.

Quelle: katholisch.de


3.2.2017 In Padua wurde ein Priester suspendiert, dem Begünstigung von Prostitution und häusliche Gewalt vorgeworfen wird. Er soll eine seiner mehr als ein Dutzend Geliebten zum Gruppensex mit ihm und anderen Männern gezwungen haben und die Szenen gefilmt haben; unter den Beteiligten sollen auch zwei weitere Geistliche sein. Der Papst ermutigte den Bischof, Claudio Cipolla, den Priester zu suspendieren.
Quelle: tagesspiegel.de

2.2.2017 Der Vorsitzende des australischen katholischen "Rates für Wahrheit, Gerechtigkeit und Heilung", Francis Sullivan, kündigt an, dass die Öffentlichkeit ein schreckliches Bild über das Ausmaß des Missbrauchs von Kindern durch kath. Priester erhalten wird. Dabei sei bekannt, dass es viele Opfer gibt, die sich nicht gemeldet haben. Er geht davon aus, dass die Untersuchung [der australischen königlichen Missbrauchskommission] weltweit erstmals Aufschluss gibt über das Ausmaß des Missbrauchs in der kath. Kirche.
Quelle: theaustralian.com.au

2.2.2017 Eine Psychologin erklärt, warum sexuelle Gewalt in der Familie nach wie vor ein Tabuthema ist und fordert Ausbildung für LehrerInnen und ErzieherInnen und Unterstützung für Fachberatungen. Gewalt in der Familie sei noch immer ein Stigma, damit könne man keine Wahlen gewinnen.
Quelle: taz.de
1.2.2017 Im "Fall Alexandra W.", die einen Missbrauch durch einen hochrangigen Mitarbeiter des Bistums Würzburg angezeigt hatte, wird derzeit nicht weiter ermittelt. Ein mögliches zweites Opfer hat sich nicht gemeldet. Der Missbrauchsbeauftragte des Bistums, Prof. Laubenthal, weist darauf hin, dass auch abgeschlossene Untersuchungen eine neue Wendung nehmen können. Er berichtet, dass er in über hundert Verfahren nur dreimal von Falschbeschuldigungen ausgehen musste.
Quelle: mainpost.de

31.1.2017 Die meisten Opfer sexuellen Missbrauchs werden in ihren Familien missbraucht. Die Unabhängige Kommission des Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung hört Betroffene an. 700 BEtroffene haben sich für eine Anhörung durch die Kommission entschieden.
Die Kommission fordert eine Änderung des Opferentschädigungsgesetzes, so dass auch Opfer sexuellen Missbrauchs davon profitieren können. Der unabhängige Beauftragte Rörig, spricht von einem "Trauerspiel", weil das Thema auch in dieser Legislaturperiode nicht auf der Agenda gestanden hätte.
Quelle: br.de  domradio.de

30.1.2017 Im Bistum Osnabrück gab es in den letzten 70 Jahren 28 Missbrauchs"fälle" (= Opfer?). Als Täter waren 16 Geistliche des Bistums Osnabrück, 2 Geistliche des Erzbistums Hamburg und weitere Personen beteiligt. Über die Zahl der Opfer wurde nichts bekannt. An 17 Personen hat das Bistums Geld gezahlt. Neben der Ärztin Witschen-Hegge wurde Antonius Fahnemann, ehemaliger Präsident des Landgerichts Osnabrück, neu ernannt. Dem Bistum ist die Unabhängigkeit der Ansprechpartner wichtig.
Quelle:
noz  domradio

Buchhinweis: Hanya Yanagihara: Ein wenig Leben

28.1.2017 Sexueller Missbrauch in England
Quelle: NZZ

27.1.2017 Wenn Missbrauch in der Kirche stattfinde, komme zum physischen und psychischen Trauma auch ein spirituelles Trauma hinzu. Diese geistliche Dimension sei bislang in der Kirche völlig übersehen worden. Das sagte der Jesuitenpater Zollner, Mitglied der päpstlichen Kommission für den Schutz von Minderjährigen und Leiter des Kinderschutz-Zentrums der Gregoriana. Eine geistliche Person werde mit der Kirche identifiziert. Geschehe durch sie ein Missbrauch, dann stehe dahinter noch eine weitere Dimension, denn sie repräsentiere Gott. Opfer von Missbrauch seien in Gefahr einer "spirituellen Verwundung", die den Glauben zerstören könne. Dies sei vielen in der Kirche nicht klar. Es gebe "keine Theologie angesichts des Missbrauchs".
Quelle: kathpress
Kommentar: Nun, dem Thema der spirituellen Verletzungen durch sexualisierte Gewalt durch Priester ist in dem Buch "Damit der Boden wieder trägt" (erschienen 2016) ein ganzes Kapitel (S. 121-134) gewidmet.
In diesem Buch werden biblische Anknüpfungspunkte durchgängig benannt. Richtig ist, dass vielen in der Kirche die spirituellen Verwundungen, die sexualisierte Gewalt durch Priester, aber z.B. auch durch (christliche) Väter anrichtet, nicht klar sind und dass es theologisches Nachdenken über Glauben angesichts des Missbrauchs braucht.

24.1.2017 In der katholischen Kirche Frankreichs gab es 222 Opfer sexuellen Missbrauchs durch katholische Priester. Derzeit sind 9 Kleriker in Haft wegen sexuellen Missbrauchs (2010 waren es ebenfalls 9); 37 haben ihre Strafe verbüßt (2010: 45) und 26 (2010: 51) sind angeklagt. Mehr als 60% der Anschuldigungen beziehen sich auf die Zeit vor 1970, 35% geschahen zwischen 1970 und 2000 und 4% seit 2000.
Quelle: La Croix

24.1.2017 Im Interview mit der swp sagt Pater Zollner, dass es weiterhin innerhalb der katholischen Kirche Widerstand gegen die Aufklärung von sexueller Gewalt durch Priester gibt. In Afrika und Asien seien die Standards zum Umgang mit Missbrauchsfällen noch gar nicht angekommen.
Quelle: swp.de

24.1.2017 Im engsten Umfeld des Papstes sind Vertuscher sexuellen Missbrauchs. So u.a. Kardinal Oscar Rodriguez Maradiaga, Honduras. Er brachte zwischen 2002 und 2003 eine Zeit lang einen von Interpol wegen Kindesmissbrauch gesuchten Priester unter. Heute ist er Koordinator des Kardinalsrates, der die Kurienreform durchführen soll. Noch immer schützen Bischöfe lieber die Täter, als zur Aufklärung von Verbrechen beizutragen.
Weitere hochrangige Mitglieder des Vatikans, denen Vertuschung vorgeworfen wird, sind: Kardinal Pell; der chilenische K
ardinal Francisco Javier Errazuriz (Mitglied im neunköpfigen Kardinalsrat; Vertuschung im Fall des Serientäters Fernando Karadima); Kardinal Godfried Danneels.
Quellen: Badische Zeitung  Badische Zeitung  m.mainpost.de

23.1.2017 Die französische Bischofskonferenz hat einen Leitfaden zum Umgang mit Missbrauch durch kath. Priester herausgegeben und zugleich Zahlen veröffentlicht. 37 Kleriker haben ihre Strafe verbüsst, 9 seien derzeit inhaftiert und gegen 26 Priester laufe ein gerichtliches Verfahren. Vor 2000 sei die Zahl der Verfahren doppelt so hoch gewesen. Bei der Bischofskonferenz meldeten sich 222 Opfer, von denen über die Hälfte vor 1970 missbraucht wurden. 35% der Aussagen bezögen sich auf Fälle zwischen 1970 und 2000 und  nach 2000 handelt es sich um vier Prozent.
Quelle: katholisch.de

22.1.2017 Der Bischof von Würzburg bedauert das große Versagen Einzelner im Inneren der Kirche und das damit übergroß verursachte Leid von ganzem Herzen: "Ich kann mich dafür nur entschuldigen, mich den Opfern zuwenden und präventiv für eine bessere Zukunft arbeiten." Das sagte er bei einem Neujahrsempfang.
Quelle: br.de

22.1.2017 Interview des Spiegel mit dem Investigativ-Journalisten Fittipaldi über Vertuschung von Kindesmissbrauch im Vatikan.
Quelle: spiegel.de

21.1.2017 Der Rechtsanwalt Weber, der die Aufklärung der Gewalt bei den Domspatzen übernommen hat, wird voraussichtlich auch die Gewalt, die Mitglieder der Korntaler Brüdergemeinde in Konrtal und Wilhelmsdorf ausübten, aufklären.
Quelle: schwaebische.de

21.1.2017 Der Film Freistatt ist hier zu sehen.

20.1.2017 Die Tele-Evangelistin Paula White, eine evangelikale Frontfrau, vertritt ein Wohlstandsevangelium, dessen Kernsatz lautet: Je reicher du bist, desto mehr liebt dich Gott. Das passt zu Trumps Weltbild, das er u.a. in seinem Buch "Warum wir reich sein wollen" dargelegt hat. Trump lässt sich von White beraten.
Quelle: ref.ch

20.1.2017 Ein Bericht über Missbrauch in Nordirland ist erschienen. Er berichtet auch von der Verantwortung von Kardinal Brady für das Vertuschen der Verbrechen des Norbertiners Brendan Smyth.
Quelle: theguardian.com
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20.1.2017 Die NZZ berichtet, dass seit dem Amtsantritt von Papst Franziskus 1200 Anzeigen wegen sexueller Gewalt durch Priester aus aller Welt bei der Glaubenskongregation eingegangen seien. Was mit den Anzeigen geschehe, sei unklar, weil sie als streng geheim behandelt werden. "In den meisten Fällen dürfte rein gar nichts unternommen worden sein", vermutet die NZZ.
Quelle: NZZ


19.1./20.1.2017 Der Jesuitenpater Hans Zollner, Mitglied der päpstlichen Kinderschutzkommission, bescheinigt dem Buch des Journalisten Fittipaldi ein gutes Anliegen, aber Recherchefehler. Zollner wirft dem Buch vor, in seiner BEstandsaufnahme im Jahr 2014/Anfang 2015 stehen zu bleiben und keine Dokumente für seine Behauptungen vorzulegen. Er berufe sich lediglich auf das, was bereits bekannt sei. Zum Fall Pell sagte Zollner, Fittipaldi beziehe sich auf Vermutungen und unbewiesene Anschuldigungen - eine Anklage gegen Pell gebe es nicht, die Vorwürfe seien unbewiesen. Die Vorwürfe gegen die Kinderschutzkommission seien gegenstandslos. Diese Kommission habe sehr viel bewegt, z.B. 70-80 Schulungen von Verantwortlichen durchgeführt, die neuen Bischöfe bei ihrer Einführung instruiert. Zudem habe der Papst zwei Briefe an die Bischöfe geschrieben (2.2.2015; 28.12.2016) und sie an das erinnert, was bei kirchl. Missbrauchsfällen vorgeschrieben sei. Das Problem sei, dass die Bischöfe sich manchmal selbst nicht mit der kirchlichen Rechtsprechung auskennen oder sie verschleppen oder nicht weiter verfolgen. Der Papst habe den Bischöfen Kirchenstrafen angedroht, wenn diese der Rechtsprechung nicht folgen. Einige Bischöfe seien ja auch schon abgesetzt worden.
Auf die Frage, ob die Aufklärung nicht einer unabhängigen Stelle statt der Glaubenskongregation übertragen werden solle, antwortet Zollner, die Bischöfe hätten schon jetzt die Vorschrift, Missbrauchsfälle von Priestern den staatlichen Behörden zu melden, soweit die Gesetze des jeweiligen Landes dies vorschreiben. Insofern sei garantiert, dass es "eine externe, komplett außerhalb der Kirche liegende Instanz" gebe.
Auf zwei Schwächen der Kirche weist Zollner hin: Es brauche eine klarere, stringentere und transparentere Prozessordnung und es fehle an Kirchenstrafrechtlern.
Zollner sieht die Gefahr, dass die ungenau recherchierten Dinge jenen Leuten, die gegen Transparenz und Null-Toleranz seien, die Rechtfertigung lieferten, das Buch und die Inhalte nicht ernst zu nehmen.

Auf die Fälle angesprochen, in denen in Italien Missbrauchstäter erneut in der Seelsorge eingesetzt wurden bzw. nach einer Laiisierung wieder ins Priesteramt eingesetzt wurden, verweist Zollner auf die Glaubenskongregation, die Auskunft geben könne.
Quelle: domradio.de 
katholisch.de
19.1.2017 Sergio Cavaliere, Opferanwalt von zehn Opfern sexuellen Missbrauchs durch katholische Priester, nennt den Papst "scheinheilig". Er begründet diesen Vorwurf so: Er vertrete ein Opfer des Taubstummen-Instituts Provolo, Verona, in dem Priester taubstumme Kinder missbrauchten. Don Nicola Corradi sei 2011 beim Vatikan angezeigt worden. 2014 seien dieselben Täter in einer Taubstummen-Schule in Argentinien aufgetaucht. Einer der Betroffenen habe Papst Franziskus bei einer Generalaudienz einen Brief überreicht, in dem stand, dass die Männer weiter unbehelligt in Aurgentinien arbeiteten. Passiert sei nichts. 2016 wurden Corradi und andere Täter wegen Kindesmissbrauch verhaftet.
Quelle: rundschau-online.de  generalanzeiger

19.1.2017 Filmbeitrag: Macht und Ohnmacht: Missbrauch in der katholischen Kirche
Quelle: Bayrischer Rundfunk


19.1.2017 Im englischen Fußball sind 248 Vereine von sexuellem Missbrauch betroffen. 526 Opfer haben sich gemeldet, 184 Verdächtige wurden identifiziert.
Quelle: www.11freunde.de

18.1.2017 In einem Interview soll Papst Franziskus gesagt haben, dass ca 2% der katholischen Priester pädophil seien. Unter ihnen seien auch Kardinäle. Der Papstsprecher Lombardi wies diese Information des Journalisten Eugenio Scalfari umgehend zurück. Das Interview sei nicht autorisiert, Scalfari habe dem Papst diese Aussage in den Mund gelegt. Der Papst habe nicht von pädophilen Kardinälen gesprochen.
Quelle: focus
Kommentar: Nun, logisch wäre zu sagen: Wenn 2% der Priester (in Australien sind es 7%!) pädopohil sind, und Kardinäle aus den Reihen der Priester ernannt werden, dann muss man davon ausgehen, dass auch unter den Kardinälen Missbrauchstäter sind.

18.1.2017 Ein Erzieher wurde zu zweieinhalb Jahren Haft und 5 Jahren Berufsverbot wegen des sexuellen Missbrauchs von Mädchen zwischen 3 und 6 Jahren. Eltern werfen der Trägerin, der evangelischen Kirche vor, unangemessen reagiert zu haben. So habe sie dem Erzieher noch ein gutes Arbeitszeugnis ausgestellt, nachdem das Strafverfahren bereits eingeleitet worden war. Die Kirche begründet dies mit der Furcht vor einer arbeitsrechtlichen Klage durch den Täter. Die Anwältin der Opfer sagt, die Kirche habe erst reagiert, als die Eltern nachfassten.
Quelle: rbb-online.de

16.1.2017 In seinem neuesten Buch wirft der italienische Journalist Fittipaldi den italienischen Bischöfen vor, sie vertuschten nach wie vor sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen. Seit 2006 seien mehr als 200 Priester in Italien wegen Sexualdelikten verurteilt oder angeklagt worden. Die Skandale seien auch von hohen Prälaten an der Seite von Papst Franziskus verheimlicht worden - derstandard.at/2000050817876/Journalist-prangert-Vatikan-wegen-Missbrauchsskandalen-an Die Skandale seien auch von hochrangigen Prälaten an der Seite von Papst Franziskus verheimlicht worden. Italienische Bischöfe sollen wegen Missbrauchs verurteilte oder verdächtige Priester erneut in der Seelsorge eingesetzt haben. Bei der Glaubenskongregation seien zwischen 2013 und 2015 insgesamt 1200 Anzeigen wegen Kindesmissbrauch eingegangen. dass zwischen 2013 und 2015 aus den verschiedenen Weltdiözesen 1.200 Anzeigen wegen Kindesmissbrauchs durch Geistliche bei der Glaubenskongregation im Vatikan eingetroffen seien. - derstandard.at/2000050817876/Journalist-prangert-Vatikan-wegen-Missbrauchsskandalen-an dass zwischen 2013 und 2015 aus den verschiedenen Weltdiözesen 1.200 Anzeigen wegen Kindesmissbrauchs durch Geistliche bei der Glaubenskongregation im Vatikan eingetroffen seien. - derstandard.at/2000050817876/Journalist-prangert-Vatikan-wegen-Missbrauchsskandalen-an
Fittipaldi veröffentlicht auch, was bekannt ist: Ein
Priester, der 2016 von der italienischen Justiz in erster Instanz zu vier Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt worden und unter Benedikt XVI. laisiert worden sei, soll unter Papst Franziskus wieder in den Priesterstand aufgenommen worden sein. Die Glaubenskongregation habe dem entsprechenden Einspruch des Geistlichen stattgegeben. Der Vatikan habe sich geweigert, der italienischen Justiz die Beweise in diesem Fall vorzulegen, er habe sich auf das "päpstliche Geheimnis" berufen. In einigen der 20 Fälle, die 2016 in Italien zu Verurteilungen der Priester geführt habe, soll die Kirche keine kirchenrechtlichen Verfahren eingeleitet haben.
Der Journalist kritisiert auch, dass der Papst den australischen Kardinal George Pell zum Finanzchef des Vatikan ernannte, obwohl in Australien gegen ihn Ermittlungen wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern liefen. Ein Sprecher von Pell nannte die Arbeit von Fittipaldi "schäbig". Er verkünde falsche Anschuldigungen und erwähne nicht die Maßnahmen Pells gegen Missbrauch.
Auch an Kardinal Oscar Rodriguez Maradiaga,
dem Koordinator des Rats, der Papst Franziskus bei der Kurienreform unterstützen soll, übte er Kritik. Maradiaga hatte erklärt, er sei bereit, ins Gefängnis zu gehen, um nicht einem seiner Priester zu schaden, auch wenn der Vorwurf Pädophilie sei. Fittipaldi schreibt, dass es in den kulturell katholisch geprägten Ländern Italien, Spanien und Südamerika schwer sei, sexuellen Missbrauch von Priestern zu benennen, weil es eine Selbstzensur der Medien gebe und die Opfer voller Scham seien. Eine Anfrage des Guardian nach einer Stellungnahme des Vatikans zu dem Buch Fittipaldis wurde nicht beantwortet.

Quelle: domradio.de  theguardian.com

15.1.2017 Buchhinweis Michael Räuber: Geteilte Hölle
Nach jahrzehntelangem Schweigen kam 1997 und 2010/11 ein besonders schwerer Fall psychosexueller Gewalt eines katholischen Geistlichen an Kindern in einer Diasporagemeinde Mecklenburgs während der DDR-Diktatur zur Sprache: Christen, die in der katholischen Gemeinde Zusammenhalt fanden, um sich der Übergriffe des atheistischen Staates auf ihr christliches Leben und ihren Glauben zu erwehren, hatten sich diesem angesehenen Geistlichen anvertraut und wurden genau von diesem „Pastor“ über Jahre manipuliert und geblendet, dass es scheinbar niemanden auffiel, dass er über Jahre Kindern unter dem Deckmantel, sie zu erziehen, zu religiös verbrämten, perversen und sadistischen Ritualen missbrauchte. Ein Betroffener hat sich in einem autobiografisch geprägtem Roman genau damit auseinandergesetzt und so das Erlebte aufgearbeitet:
Eine Rezensentin schreibt: "Auf knapp dreihundert Seiten gelingt es dem Autor, eine in vielfacher Hinsicht fesselnde Geschichte zu zeichnen. Mit einem ausgeprägten Gefühl für den Spannungsbogen und sprachlich gewandt verwebt er verschiedene Ebenen miteinander: Auf der einen Seite die Lebens- und Liebesgeschichte einer jungen Ärztin in den 1960er Jahren der DDR, wo der Stasi alles kontrolliert, auf der anderen Seite die langjährigen brutalen Verbrechen eines katholischen Priesters an vielen Schutzbefohlenen seiner Gemeinde. Erschreckende Zusammenhänge werden evident. Sie illustrieren die unheilvolle Dynamik des bis heute Unfassbaren: Wie kann es sein, dass brutalste Gewalt, auch in sexueller Form, über lange Jahre ausgeübt wird, ohne dass der Täter gestoppt geschweige denn belangt wird? Welche (Macht)Strukturen ermöglichen und begünstigten solche Taten? Welches Verständnis von Klerus, welche Bedürfnisse der Gläubigen sind bedeutsam? Und vor allem: Was heißt das für die Betroffenen, und zwar ein Leben lang?
Auf feine, unaufdringliche Art und Weise schafft der Autor in diesem autobiografisch geprägten Werk zweierlei. Er bietet zum einen eine spannende Romanhandlung an, auf einer anderen Ebene beschäftigt er die Leser genau mit diesen weiterführenden Fragen. Ein Zeugnis auch von fundierter Verarbeitung eigenen Leids. Und ein Buch, das lange im Gedächtnis bleibt."
Dieser Rezension kann ich nur hinzufügen: Es lohnt, dieses Buch zu lesen.

14.1.2017 Kardinal Sean Patrick O'Malley, Erzbischof von Boston und Präsident der Papstlichen Kommission für den Schutz von Minderjährigen, wurde in die Glaubenskongregation berufen.
Quelle: Radio Vatikan

14.1.2017 Ein Gespräch über sexuelle Gewalt in einer Freikirche. (Triggergefahr)
Quelle: bibeltv.de

11.1.2017 Robert Werner weist auf Schwachstellen der neuen Regelungen zur "Entschädigung" von minderjährigen Opfern massiver körperlicher Gewalt in bischöflichen Knabenseminaren, kirchlichen Schulen, Heimen und ähnlichen Institutionen des Bistums Regensburg hin: Es gibt keine neutrale Anlauf- und Beratungsstelle, die materielle Anerkennung wird durch das Bistum entschieden, die finanziellen Leistungen werden nicht erhöht und eine wissenschaftliche Begleitung der Aufarbeitung und die Erforschung der gewalttätigen Strukturen sind nicht vorgesehen.
Quelle: Regensburg-digital

11.1.2017 Im Interview mit Francesco Zanardi, dem Gründer der italienischen Organisation „Rete L’abuso“, wird deutlich, wie Missbrauchsopfer kath. Kleriker die Aufklärung und Aufarbeitung in Italien erleben: staatliche Behörden ziehen es oft vor, nicht zu ermitteln. Ein zu siebeneinhalb Jahren verurteilter Priester verbrachte 3 Jahre im Gefängnis, ein Jahr im Hausarrest und danach wurde er bei Sozialdiensten eingesetzt. Die letzten eineinhalb Jahre der Strafe wurden ihm erlassen. Zanardi weist darauf hin, dass der Vatikan Prälat Wesolovski im Vatikan versteckte und ihn damit der Gerichtsbarkeit der Länder, in denen er Kinder missbraucht hatte, entzog. Der Vatikan erweckte den Anschein, Wesolovski sei verhaftet, aber wenige Monate danach bewegte er sich wieder frei.
Zanardi selbst hatte sich im eigenen "Fall" an den Bischof gewandt, der jedoch bedrohte ihn durch Hinweis auf die Selbstmordgefährdung des Täters.
Nach Einschätzung von Zanardi wolle die kath. Kirche das Problem nicht angehen und kümmere sich nur um aufsehenerregende Fälle, vertusche ansonsten weiterhin. Briefe der Organisation
"Rete L’abuso" an die Kirche im Namen zahlreicher Opfer seien nie beantwortet worden.
Quelle: netzfrauen.org

11.1.2017 Michael Räuber hat den Roman "Geteilte Hölle" mit autobiografischen Zügen über sexuellen Missbrauch in der Kirche geschrieben.
 Quelle: ndr.de

9.1.2017 Das Bistum Regensburg hat nun ein Projekt gestartet, um körperliche Übergriffe kirchlicher Mitarbeiter aufzuarbeiten. Das Projekt soll eineinhalb Jahre durchgeführt werden. Ansprechpartner ist Dr. Andreas Scheulen (Tel.: 0911/4611226, info@kanzleischeulen.de, Antrag hier. Die Regelung gilt nicht nur für die Regensburger Domspatzen, sondern für alle Betroffenen im Bistum Regensburg (z.B. Kloster Metten, Bischöfliches Knabenseminar Obermünster, Kloster Rohr, Kinder- und Jugendhilfezentrum Schrobenhausen).
Quelle: wochenblatt.de  br

3.1.2017 Der Priester Mauro Inzoli, jahrzehntelanger Vorsitzender von "Comunione e Liberazione", wurde von einem italienischen Gericht des sexuellen Missbrauchs von  acht Kindern für schuldig befunden - weitere 15 Fälle waren verjährt. Er wurde zu vier Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Papst Benedikt XVI hatte Inzoli 2012 laiisiert. Papst Franziskus hat ihn 2014 wieder in den Priesterstand eingesetzt und zu einem Leben der Demut und des Gebets eingeladen. Im Januar 2015 trat Inzoli öffentlich auf einer Konferenz über die Familie in der Lombardei auf. Möglicherweise haben sich Freunde Inzolis - Kardinal Coccopalmerio und Monsignor Pio Vito Pinto (Roma Rota) für ihn bei Papst Franziskus eingesetzt.
Quelle: theweek.com
diocesidicrema.it

3.1.2017 Im Bistum Osnabrück hat ein Kaplan, führendes Mitglied der Christengemeinschaft, ab etwa 1990 über ca 3 Jahre hinweg eine zu Beginn 13- oder 14-Jährige sexuell missbraucht. Ende der 90er Jahre, mit 21 Jahren, vertraut sich das Opfer einer Nonne an. Die meldet sich beim Bistum, ohne jedoch von Missbrauch zu sprechen. Das Bistum geht von einer "Affäre" des Kaplans mit einer erwachsenen Frau aus, fragt nicht nach dem dem Alter des Opfers zu Beginn des der vermeintlichen "Affäre". Das Bistum konfrontiert den Kaplan mit dem vermeintlichen Zölibatsvergehen, das dieser eingesteht. Weitere Folgen für den Kaplan gibt es nicht. Erst 2010 meldet sich das Opfer beim Bistum. Nun spricht das Bistum von sexuellem Missbrauch. Das Bistum zeigt den Pfarrer an, weil er die zugesagte Selbstanzeige nicht tätigte. Die Staatsanwaltschaft stellt das Verfahren ein, weil Gewalt nicht nachgewiesen werden könne. Eine zweite junge Frau klagt eine Vergewaltigung des Priesters an, zieht ihre Anzeige dann jedoch zurück. Ein Kirchengericht verurteilt den Täter zu drei Jahren Arbeit bei einem Kirchenhistoriker, unter Kürzung der Bezüge und verbietet ihm Kinder- und Jugendseelsorge, die Beichtvollmacht und kirchliche Leitungsämter. Heute, sagt der Bistumssprecher, würde man bei der ersten Meldung an das Bistum anders handeln.
Quellen: ndr.de
s. auch wikipedia 2010 faz.net,
2011 ndr  2013 Bistum Osnabrück

2.1.2017 Papst Franziskus hat am 29.12.2016, dem "Fest der unschuldigen Kinder", das an den Kindermord in Betlehem erinnert, vom Weinen der Kirche gesprochen angesichts des sexuellen Missbrauchs durch Priester: "Diese Sünde beschämt uns. Personen, welche die Verantwortung für die Sorge um Kinder hatten, haben ihre Würde zerstört. Wir beklagen das zutiefst und bitten um Vergebung“, sagte er. Er spricht konkret von der Sünde der unterlassenen Hilfe, der Sünde des Wegsehens und der Sünde des Machtmissbrauchs. Er fordert die Bischöfe auf, ihren Einsatz zu erneuern, dass so etwas nie wieder vorkommen könne und spricht von „null Toleranz auf diesem Gebiet“.
Quelle: Radio Vatikan  katholisch.de
Kommentar: Die Worte des Papstes könnten Glauben finden, wenn es nicht nach wie vor Missbrauchstäter selbst in der Glaubenskongregation - und wohl nicht nur dort - gäbe und wenn nicht Bischöfe und andere Kirchenverantwortliche nach wie vor im Amt wären, die Missbrauchsfälle vertuscht, Täter geschützt und Opfer alleine gelassen haben.
Zu widersprechen ist dem Papst in seiner Formulierung "
Personen, die die Verantwortung für diese Kinder hatten, haben ihre Würde zerstört", denn nicht die Würde der Opfer wurde zerstört, sondern das Gefühl für ihre eigene Würde.


2.1.2016 Ein Rückblick auf die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle im Bistum Regensburg und eine kritische "Würdigung" des bis 2012 verantwortlichen Bischofs Müller, heute Kardinal und Chef der Glaubenskongregation durch Robert Werner.
Weitere Quellen: regensburg-digital,
Darstellung des Bistums vom 7.12.2016 Kommentar von Alfred Gassner zur Darstellung von Generalvikar Fuchs

1.1.2017 Bei der Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs der Bundesregierung haben sich inzwischen 460 Opfer gemeldet, die im familiären Bereich missbraucht wurden.
Quelle: wirtschaft.com

1.1.2017 Die Botschaft von Papst Franziskus zum 50. Weltfriedenstag





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