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In diesem Fall ist zu lernen, wo Opfer üblicherweise Unterstützung finden und wie Täter die wahren Opfer sind


Im Fall des ehemaligen Pfarrers von Uznach gibt es einige Beobachtungen zu machen, die häufig bei Missbrauch durch Kleriker in der katholischen Kirche auftauchen. Einige dieser Auffälligkeiten seien benannt:

  • Die Verbrechen gehen jahre- und jahrzehntelang (hier: 19 Jahre - mit dem Exhibitionismus vor Kindern insgesamt 29 Jahre, drei Jahrzehnte lang!).
  • Bereits 3 Jahre nach der Priesterweihe (1965) wird der Täter erstmals wegen Exhibitionismus vor Kindern verurteilt (1968/69; und 1971 erneut).
  • Es gibt mehr als ein kindliches Opfer - hier: 5.
  • Daneben gibt es auch Beziehungen zu erwachsenen Frauen.
  • Die Verbrechen sind zum großen Teil verjährt (vier von fünf).
  • Der Täter erschleicht das Vertrauen der Opfer und ihrer Umgebung.
  • Er nutzt seine Macht und sein Ansehen aus.
  • Die Eltern der Opfer glauben ihrem Kind nicht.
  • Die Eltern der Opfer stehen zum Täter.
  • Sie versuchen, eine Strafanzeige zu verhindern.
  • Das Opfer wird im Dorf wie ein Aussätziger behandelt.
  • Der Täter erhält Solidaritätsbekundungen (eintausend Briefe).
  • Das Opfer erfährt keinerlei Solidarität (0 Briefe).
  • Für den Täter wird gebetet, für die Opfer nicht.
  • Das Opfer erhält keine Unterstützung von der Kirche.
  • Der Täter wird trotz der ersten Verurteilungen wegen Exhibitionismus vor Kindern von der Kirche im Amt belassen.
  • Die Polizei will die Strafanzeige nicht entgegennehmen (erst 9 Monate später wird sie an den Untersuchungsrichter weitergeleitet!).
  • Der Täter klagt, dass sein Leben runiert sei.

Quelle: http://www.kipa-apic.ch/meldungen/sep_show_de.php?id=1170
3.7.2003: Einsamkeit war der Auslöser. Ehemaliger Pfarrer von Uznach vor Gericht
4. Juli 2003 Die Neue Zürcher Zeitung berichtet am 3.7.2003:

 
Ein 64-jähriger katholischer Priester, zuletzt in Uznach, musste sich wegen mehrfacher sexueller Handlungen an Kindern und mehrfacher Nötigung verantworten. Die Gerichtsverhandlung fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit, aber in Anwesenheit zahlreicher Medienvertreter statt. Der Angeklagte gestand, während seiner Tätigkeit als Pfarrer von Uznach zwischen 1984 und 1997 an insgesamt fünf Jungen sexuelle Handlungen vorgenommen zu haben. Vier der fünf Fälle sind verjährt.  Vor Gericht wird nur ein Fall verhandelt. Als Grund für die Übergriffe gibt der Priester sein Bedürfnis nach Nähe an. In einem Vergleich zeigte er sich bereit, 50 000 Franken Schadenersatz an den Geschädigten zu zahlen. Das Urteil wird nächste Woche bekannt gegeben. Der Staatsanwalt forderte eine Bestrafung mit fünf Jahren Zuchthaus, die Verteidigung verlangte eine Strafe von dreieinhalb Jahren.

Als der angeklagte Priester 1984 in die Pfarrei nach Uznach kam, ging eine langjährige, heimliche Beziehung zu einer Frau zu Ende. Die Frau hatte vom Angeklagten die Niederlegung seines Priesteramtes verlangt. Weil er diesen Schritt nicht vollziehen konnte, trennte sie sich von ihm. Es war nicht die erste intime Beziehung, die der katholische Priester zu einer Frau gepflegt hatte. Doch er habe immer grosse Schuldgefühle gehabt und den Bruch des Zölibatgelübdes als sehr schlimm empfunden, sagte der Angeklagte, der 1965 nach dem Theologiestudium in Freiburg zum Priester geweiht worden war.

1985 lernte er in der Jugendarbeit ein Ehepaar kennen, das für die Küche verantwortlich war. Das Ehepaar hatte drei Jungen (4, 7 und 9 Jahre alt). Bald entwickelte der Pfarrer zu dieser Familie ein enges Verhältnis. Es ergab sich immer häufiger, dass die drei Knaben im Pfarrhaus übernachteten - der Jüngste von ihnen im Bett des Angeklagten. Zu allen drei Knaben versuchte der Pfarrer ein intimes Verhältnis aufzubauen. Es begann damit, dass die Kinder dem Pfarrer den Rücken massierten. Der Älteste wies die weitergehenden Avancen des Angeklagten zurück. Mit dem mittleren und dem jüngsten Knaben kam es während vieler Jahre zu regelmässigen sexuellen Handlungen. Noch nicht vollständig verjährt sind aber einzig die Übergriffe auf den jüngsten Knaben, die bis 1997 andauerten. Laut Anklageschrift hatte der Angeklagte meist den Penis des Knaben mit dem Mund bis zum Orgasmus stimuliert.

Um den Knaben gefügig zu machen, drängte ihn der Pfarrer teilweise zum Konsum von Alkohol und überhäufte ihn mit Geschenken. Er sei sich der Tragweite seiner Handlungen nicht bewusst gewesen, sagte der Angeklagte an der Gerichtsverhandlung - dies im Gegensatz zu seinen intimen Beziehungen mit Frauen. Er habe bei den Kindern nicht in erster Linie die sexuelle Erregung gesucht, sondern ein Gefühl der Zusammengehörigkeit. Oft reiste der Pfarrer zusammen mit der Familie in die Ferien. Auch dort kam es regelmässig zu sexuellen Übergriffen, denn der Jüngste wurde stets zusammen mit dem Pfarrer in einem Zimmer einquartiert.

Der heute 22-jährige Mann, der jüngste der drei Brüder, hat noch immer grösste Mühe, die jahrelangen sexuellen Übergriffe zu verarbeiten. Vom Angeklagten sei das riesige Machtgefälle, das zwischen einem Dorfpfarrer und einem Schulbuben herrscht, rücksichtslos ausgenutzt worden, sagte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. Auch die tief religiösen Eltern gaben ihrem Kind keinen Schutz. Das zeigte sich, als sich einer der Söhne über den Pfarrer beklagte. Als Antwort sagten die Eltern laut Anklageschrift, er solle weiterhin lieb sein und dem Pfarrer den Rücken «chräbelen». Noch heute pflegen die Eltern einen guten Kontakt zum Pfarrer. Sie hatten versucht, ihre Kinder vom Einreichen einer Strafanzeige abzuhalten.

Der Geschädigtenvertreter verwies in seinem Plädoyer auf weitere Paradoxien. So sei das Opfer in Uznach wie ein Aussätziger behandelt worden, während für den Pfarrer nach dessen Inhaftierung ein Gottesdienst abgehalten worden sei. Laut eigenen Aussagen hat der Angeklagte rund tausend briefliche Sympathiekundgebungen erhalten - das Opfer laut Geschädigtenvertreter aber keine einzige. Von kirchlicher Seite habe sein Mandant bis heute kein Hilfsangebot erhalten. Aber auch die weltlichen Behörden hätten sich mit den ungeheuerlichen Vorwürfen, die sich später als wahr herausstellten, schwer getan. Neun Monate seien verstrichen, bis die Polizei die Strafanzeige an den Untersuchungsrichter weitergeleitet habe.

Der Angeklagte, der bereits vor über dreißig Jahren zweimal wegen Exhibitionismus verurteilt worden war, zeigte sich in allen Punkten geständig. Er sei bereit, jede ihm auferlegte Strafe zu verbüssen. Angesichts der Berichterstattung in den Medien laute das Urteil für ihn sowieso «lebenslänglich», denn als Mensch sei er ruiniert.
Am 09. Juli 2003 - 12:10 meldet http://www.tages-anzeiger.ch/dyn/news/newsticker/108339.html-- Newsticker Schweiz, dass das Gericht auf viereinhalb Jahre Zuchthaus für Ex-Pfarrer von Uznach anerkannt hat.
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