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Es ist zum Davonlaufen - es bleibt nur noch die Flucht

Flucht

Der Ort an dem früher Wärme und Geborgenheit waren, ist jetzt eiskalt und bedrohlich geworden; im wahrsten Sinne des Wortes lebensbedrohlich. Vertrautes muss zurückgelassen werden – Fremdes macht Angst und doch ist Flucht die einzige Möglichkeit um vielleicht zu überleben.

In unbekannten Gebieten muss versucht werden so etwas wie Normalität aufzubauen; es gibt kein Zurück mehr.
Die Gründe, welche die Flucht nötig machten, bleiben in den Seelen eingebrannt und können nie wieder ausgelöscht werden.

Sehr viele Menschen teilen diese Erfahrungen mit dem Sohn Gottes und der Sohn Gottes teilt sie mit vielen Menschen. Gott ist solidarisch mit Menschen welche Fluchterfahrungen machen mussten.

D.G.

Halskette



Die Halskette ist nicht besonders kunstvoll gearbeitet und auch nicht wertvoll. Sie ist einfach nur Modeschmuck. Für mich ist sie aber etwas ganz Besonderes: ich musste mehr als 3 Jahrzehnte warten, bis sich in mir ein Wunsch nach Schmuck entwickeln konnte. Ich brauchte sehr viel Mut um einen Laden zu betreten, mich umzuschauen, auszuwählen und die paar Euro für meine Glitzerkette zu bezahlen. Es war ein neuer Anlauf nötig, dass ich es mir erlauben konnte diese Kette um meinen Hals zu legen, mich im Spiegel zu betrachten und mit der Kette nach draußen und zu den Menschen zu gehen.

Dinge die für Teenies und junge Erwachsene eigentlich ganz normal sind, lerne und übe ich heute im Großmutteralter. Da gibt es die Angst zu „auffällig“ zu sein; plötzlich sichtbar zu werden.
Die Folgen von Missbrauch sind viel weitreichender und tiefer, als manche Menschen wissen wollen. Eine Glitzerkette ist nur ein kleiner Ausschnitt – für mich ist ihr Besitz ein großer Schritt.
D.G.
6.6.2011 Danke, D.!

Flieder2  Flieder1


Der Fliederbusch ist mit dem Eisenzaun verwachsen.
Holz und Eisen sind fest miteinander verbunden. Der Zaun hinterlässt seine Spuren am Stamm und an den Ästen. Gibt der Zaun dem Fliederbusch Halt? Er engt das Wachstum ein – der Fliederbusch ist stark genug um alleine dastehen zu können. Können die Beiden von einander überhaupt noch getrennt werden? Die einfachste Möglichkeit ist es den Flieder abzusägen. Es bleibt nur noch der Zaun und ein bisschen Brennholz.
Die Hoffnung in mir sagt: auch der Zaun kann zersägt werden – mit einer chemischen Lösung lässt sich vielleicht das Metall vom Holz trennen. Am Stamm werden noch der Trennung die Verwundungen sichtbar bleiben. Der Flieder kann sich aber in alle Richtungen entfalten.
Meine Jugendliche sagt mir: es ist unmöglich Beide zu trennen. Die Gewalt hinterlässt nicht nur ihre Spuren, sie ist fest mit mir verwachsen. Noch immer versuche ich die Hoffnung aufrecht zu halten.
Fassade1   Fassade2
Fassaden von Gebäuden werden bestaunt und fotografiert; Fassaden von Institutionen, Gruppen, Einrichtungen und Familien werden ebenfalls mit Achtung und Ehrfurcht betrachtet. Oft wird vergessen, was sich hinter solchen Fassaden verbirgt: Armut, Einsamkeit, Elend, Gewalt, Schmerz und Hoffnungslosigkeit werden nicht wahrgenommen.
Alles ist gut versteckt und getarnt hinter der schönen und glitzernden Fassade.Es braucht viel Mut hinter die Fassaden zu blicken und noch größeren Mut hinter die eigene Fassade zu schauen.