Betroffene
 
Gebete von Carola Moosbach


Gottesfinsternis
Lebendig verwundet
Sonderangebot
Anschübe
Ostern alle Tage

Kurz und fündig
Lesetipp
So ist das
Carola Moosbach Dank für die Abdruckrechte!






Gottesfinsternis  (Zum Karfreitag)

Da brach jeder Halt weg
und schien auch kein Sinn mehr
da schloss sich die Angst
wie ein Schmerz um die Seele
da war auch kein Trost mehr
die anderen lachten
und Du ganz alleine im Dunkeln

Da hab ich Dich schreien gehört
Bruder
da hab ich Dich weinen gehört
Schwester
da hab ich Dir glauben gelernt
Gott Schwester Bruder
dass Du auch mein Weinen und Schreien hörst
Carola Moosbach
Lobet die Eine, Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 2000

Lebendig verwundet  (zu Lukas 13, 10-17)
 
Gebrochenen Auges
sehe ich manches schärfer und tiefer
ins Dunkle
zerschlagenen Herzens
fühle ich über den Rand
meiner Trauer hinaus
aufrecht gehe ich auf wunden Füßen
mit Gottes Stärke im Rücken
die Seele blutet
aber nicht mehr zum Tod hin
die Schmerzen sprechen
mich in die Welt
zerbrochen
hat er mich nicht
aus dieser Wunde fließt
auch
Leben
Carola Moosbach
Himmelsspuren, Neukirchener Verlagshaus 2001
Sonderangebot    (zu Jes 43, 1)

Du hast mich ausgewählt Gott
ein Mensch zu sein
wäre ich sonst am Leben?
Du rufst mich beim Namen Gott
und wartest auf Antwort
ein Lächeln eine Frage eine Klage vielleicht
da gibt es kein falsch oder richtig
Du machst ein Angebot Gott
das weder kostenlos ist noch unverbindlich
wenn ich ablehne liebst Du mich trotzdem Du Seltsame
aber es fehlt Dir etwas
da ist dies das oder jenes
woran ich mein Herz hängen kann statt dessen
aber dann fehlt mir etwas
Du Kluge

Carola Moosbach
Himmelsspuren, Neukirchener Verlagshaus 2001

Anschübe
Weil du mich niemals aufgibst Gott
kann auch ich wieder aufstehen

weil Du Dich niemals taub stellst Gott

kann auch ich alles sagen


Noch das Schwerste nimmst Du auf

und redest es nicht schön

und zauberst es nicht klein

das wäre mir manchmal lieber

die Sorgen sickst Du zu mir zurück

aber jetzt haben sie Flügel und bewegen sich

   leichter

die Peinlichkeiten haben in Dir einen Namen

  gefunden

jetzt kann ich sie aussprechen

neue Kräfte schickst Du in meine Müdigkeit Gott

und die Dunkelheiten werden begehbar in

  Deinem Licht

So vieles traust Du mir zu

und richtest mich auf immer wieder

aus Deiner Fülle schöpfe ich Leben

und singe das Lied Deiner Ehre


Carola Moosbach, Lobet die Eine. Schweige- und Schreigebete, Grünewald 2000


Ostern alle Tage

Trotzdem wieder aufstehen
nicht jubelnd
nicht erlöst
nicht heilgezaubert
aber aufstehen

Gott etwas zutrauen
keine Allmacht
keine Heerscharen
kein Donnergetöse
aber zutrauen

Im Totenreich nicht heimisch werden
das letzte Wort nicht selber sprechen
und morgen wieder aufstehen


Carola Moosbach
Gottflamme Du Schöne, 1997

© Gütersloher Verlagshaus GmbH, Gütersloh

So ist das
Wir, die wir schon sehr früh, vielleicht schon im Mutterleib, aus dem Schoß des Lebens fielen.
Wir lernen niemals mit leichtem und doch festem Schritt zu gehen wie jene, die wissen, daß sie festen Boden unter den Füßen haben. Wir bringen es nie fertig, uns treiben, uns vom Rhythmus des Stroms tragen, uns wiegen zu lassen von Ebbe und Flut. Wir kommen stets aus dem Takt, wie schlechte Tänzer stolpern wir über eigene und fremde Füße. Wir können auch keine Umwege machen, unsere selbstauferlegte Sisyphusarbeit befiehlt uns, jedes Hindernis zu nehmen, jeden Stein auf dem Weg aufzuheben – aber natürlich ekeln wir uns dabei vor Kellerasseln und schaudern vor den Gebeinen der Toten. Doch unserer Aufgabe, Schmutz bei uns und anderen aufzuspüren und über die sauber gekratzten Zeichen der Vergangenheit nachzudenken, bleiben wir treu.

Wir finden nie eine dauernde Bleibe. Ist es Morgen, sehnen wir uns nach der barmherzigen Dunkelheit des Abends, und am Abend fürchten wir die schwitzenden Alpträume der Nacht. Mögen wir uns auch mit der Rüstung des Willens – und dem Schild häufig recht ansehnlicher Fähigkeiten – panzern oder uns die bunte Narrenkappe aufsetzen und lustig mit unseren Schellen klingeln, wir wissen dennoch, unsere Siege können andere täuschen, aber nie uns selber. Der Ausgang des Zweikampfs steht fest.

Es muß auch gesagt werden, daß wir nicht ermüden. Hartnäckig klammern wir uns an das Schürzenband des Lebens. Man schleift uns über Dornen, Disteln und scharfe Steine, der Mund wird uns verstopft mit Wüstensand, wir würden ohnehin nicht schreien, wir sind bedeckt von kleinen, infizierten Wunden, aber wir geben nicht auf. Wir sind ja so tapfer. Wir lassen nicht locker, denn wir haben gelernt, wer fällt, fällt weiter und fällt – in das Bodenlose, das namenlose Nichts.

Cordelia Edvardson, Die Welt zusammenfügen, München 1989, S.129 - 130. Die Autorin ist Auschwitzüberlebende.
Kurz und fündig

  • "Das müssen wir auch lernen: andere ihr Kreuz tragen zu sehen und es ihnen nicht abnehmen zu können. Es ist schwerer als das eigene zu tragen, aber wir kommen auch daran nicht vorbei." (Edith Stein, gest. 9.8.1942 in Auschwitz)
  • Wege entstehen dadurch, dass man sie geht. (Franz Kafka)
  • Lieber einen Knick in der Biografie als im Rückgrat. (Armin Mueller-Stahl)
  • Ein Mensch, der sich etwas auf seine Intelligenz einbildet, ist wie ein Sträfling, der mit einer großen Zelle prahlt. (Simone Weil)
  • Wenn ihnen etwas zu nahe geht, rufen sie: Das geht zu weit! (Erich Fried)
  • Gewalt lebt davon, dass sie von den Anständigen nicht für möglich gehalten wird. (Jean Paul Sartre)
 

   

Lesetipp

Am liebsten würde ich Ihnen an dieser Stelle alle Psalmen der Hebräischen Bibel vorlegen, weil ich sie als in vieler Hinsicht hilfreich erlebe. Ich wähle stattdessen nur einige wenige Verse aus - vielleicht können Sie selbst sich diese Welt zugänglich machen. Allerdings müssen Sie ein wenig Geduld mitbringen, bevor die Texte zu sprechen beginnen können und noch mehr davon, bevor sie zu trösten anfangen können. Vielleicht lassen Sie sich von der Seligpreisung des ersten Psalmverses auf diesen Weg einladen.

Selig der Mensch, der nicht folgt dem Rate der Frevler,
Der nicht auf dem Wege der Sünder geht,
noch sitzet in der Runde der Spötter;
der aber Freude hat an der Weisung Jahwes
und über seiner Weisung murmelt bei Tag und bei Nacht.
(Ps 1, 1 -  2 )

Jahwe, viele sind es, die von mir sagen:
Für die ist keine Rettung bei Gott.

Doch du, Jahwe, bist mein Schild,
du bist mein Ruhm, du erhebest mein Haupt.
(Ps 3, 3 - 4)

Den Waisen und den Bedrückten schaffest du Recht,
nimmermehr soll schrecken der Mensch, der geschaffen aus Erde.

(Ps 10, 18)

Hüte mich wie den Stern deines Auges,
im Schatten deiner Flügel beschütze mich
vor den Frevlern, die hart mich bedrängen.
(Ps 17, 8 - 9a)

Ich rufe am Tage, o Gott, und du hörest nicht;
ich rufe in der Nacht, und du hast für mich keine Antwort.
Und dennoch bist du der Heilige.

(Ps 22, 3 - 4a)

Und muss ich auch wandern im finsteren Tale.
ich fürchte kein Unheil, denn du bist bei mir.
Dein Stock und dein Hirtenstab,
die geben mir Zuversicht.
(Ps 23, 4)

Jahwe ist mein Licht und mein Heil, wen sollte ich fürchten!
Jahwe ist der Hort meines Lebens, vor wem sollt' ich bangen!
(Ps 27, 1)

Und wollten mich verlassen Vater und Mutter,
aufnehmen wird mich Jahwe.
Weise mir Jahwe, deine Pfade.
(Ps 27, 10 -11a)

Du bist meine Zuflucht, du wirst mich bewahren vor Ängsten,
mich umgeben mit Liedern der Rettung.
(Ps 32, 7)

Die gebrochenen Herzens sind, ihnen ist nahe Jahwe;
ein zerschlagen Gemüt wird er heilen.
(Ps 34, 19)

Selbst der Sperling hat gefunden ein Heim
und die Schwalbe ein Nest, darin ihre Jungen zu bergen:
Deine Altäre, Jahwe Zebaot,
du, mein Gott und mein König.
(Ps 84, 4)

Denn Jahwe entbietet für dich seine Engel,
dich zu behüten auf all deinen Wegen.
Sie sollen auf den Händen dich tragen,
dass nicht an einem Stein sich stoße dein Fuß.
Du wirst gehn über Löwen und Schlangen,
wirst niedertreten junge Löwen und Drachen.
"Sie war mir treu, so will ich sie retten;
ich will sie schützen, denn sie kennt meinen Namen"
(spricht Jahwe).
(Ps 91, 11 - 14).

(Übersetzung: "Die Bibel. Die Heilige Schrift des Alten und des Neuen Bundes", Hrsg. Von Diego Arenhoevel, Alfons Deissler und Anton Vögtle, Freiburg - Basel - Wien 1968; (c) Verlag Herder, Freiburg im Breisgau - vergr.)