Betroffene

Texte und Bilder von raphaela seyfert

 


 Sonnenuntergang

 © r.

sehnsucht

birg mich, o gott, in dir -
in deinen händen, an deinem herzen.

nimm mein schweigen auf in deine stille,
mein lautloses schreien in dein hören,
die trauer lass nicht ins leere gehen,
der aufkeimenden wut gib raum,
der sehnsucht begegne mit deinem trost,
lass die tränen in dir geborgen sein,
gib mut, die gefühle auszuhalten
und die bilder in mir

leg deine liebende hand auf allen schmerz...

und lass dein kind nicht los.
birg mich, o gott, in dir.

20.11.13


klage

undurchdringliches dickicht, gott,
lebensfarbiger todesfeind,
einziger grund, wenn alles zerfällt,
schweigsamer nahe-gott,

hör dein vertrauens-verletztes kind,
öffne die tür seines herzens behutsam,
lass leises leben einströmen,
unverletztes, neues, sicheres.

ich klage in deine verschlossenen Ohren,
deinen abgewandten blick,
ich hänge ausgehungert an dir,
was sonst hält?

möcht dich nie lassen,
dich beim wort nehmen,
verzweifelt wunder erwarten
und einen schimmer nur in der nacht.

 

28.11.13

Dickicht   © r.


Brücke






























   © r.

advent

herr jesus christ, ich suche nach dir,
ich klage, weine, halt mich nicht hier.
beschämt, erschüttert, im innern zerstört,
nach trost geschrien - hast du mich gehört?
warst du dabei als nichts mehr hielt?
in schmerz, in scham - hast du mitgefühlt?
hast du dein kind gesehn?
wirst du auch heut bei ihm stehn?
 
du bist die tür, die öffnet sich,
lädst ein zum Leben - ja sogar mich.
du schließt dich, wenn ich nicht weiter kann,
nimmst mein verletztes als deines an.
birgst mich in deiner sicheren hand
bist tür und tor, bist schutz und wand,
und lädst mich wieder ein
in deinen sanften schein.
 
du bist die tür, du stehst am weg
trittst ein für mich, bist sicherer steg.
du schützt und hältst und achtest auf mich,
bist da, gleich ob ich spüre dich.
du bist der weg zum leben hin,
muss nicht in die geborgenheit fliehn.
nimmst mir das dunkel nicht,
verblendest nicht mit licht.
 
herr jesus christ, du stehst bereit,
du kommst in die gebrochenheit,
sprichst leis ins dunkel meiner welt,
hast dich in meine hölle gestellt.
kommst nahe im verlorensein,
lässt dich auf meine sehnsucht ein.
gibst deinen sanften blick,
lässt mich nicht einsam zurück.


30.11.13

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Frost





















  © r.

ruf

treibholz ans ufer gespült,
leblos, herzlos, seelenlos?
blume, im ersten frost erfroren,
kalt, nicht zu retten?
wann greifst du ein, gott?
greifst du ein, gott?

gott?

was muss ich tun, damit du hörst?
wohin gehen, um dich zu finden?
was fühlen, dass du mich erträgst?
was lassen, dass du dich erbarmst?

gott?

keine antwort.
bist du trotzdem da?
bleib ich trotzdem dein kind?
kannst du mich lieben - trotzdem?

gott?

wenn du da wärst:
was machst du mit dem, was war,
dem ganzen dreck, dem unbeschreiblichen schmerz?
was machst du mit dem, was ist,
dem ekel, der sprachlosigkeit, der scham?
mit den bildern, die sich eingraben in der seele,
mit all dem unheil und der würdelosigkeit,
dem hass?

gott?

unbegreiflicher ferner gott,
ich vermisse dich so, ich brauche dich so.
ohne dich ist dieses leben nicht zu retten.
du musst doch da sein, anders geht es nicht.
wer sonst soll auffangen, was fällt,
heilen, was zerbrach, halten, was untröstlich ist?

gott?
Gott!

 

3.12.13


Schatten



























  © r.

zwei seiten

"gehts dir gut?" fragt ihr mich.
und ich sage : "ja."
ich lüge nicht.
ihr seht meine außenseite.
die zeige ich euch.
ich habe mit bedacht meine kleidung gewählt:
knallrot, frühlingsgrün, sonnengelb...
ich singe sogar, wo ich gehe und stehe.
ich lächle, lächle alle fragen hinweg.
ich bin stark, zuversichtlich, mutig.

diese fassade hält mich aufrecht.

meine innenseite?
die trägt trauer,
der bleiben worte und gesang im hals stecken,
kein lächeln - nur erschrecken.
gefühle, die ich verschweige:
der schmerz der bilder in mir,
der ekel, der überall wartet,
die peinlichkeit, so zu denken und zu fühlen,
einsamkeit inmitten von menschen,
die angst, dafür nicht stark genug zu sein,
der zweifel an mir, an dem, was war,
und - das sage ich nur ganz leise - eine abgrundtiefe wut
und hass, der keinen adressaten kennt.

die innenseite weint und weint,
liegt zerschlagen und ausgeschüttet
vor dem, der die einzige zuversicht ist.
schreit lautlos um hilfe,
weil Er zu seinem wort stehen muss.
versucht aufzustehen und zu gehen,
aber setzt nur schleichend schritt vor schritt,
um dann wieder vorm abgrund zu stehen.

und immer noch zu hoffen: dort wartet Er.
Er gibt nicht auf.

29.1.14

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nähe

Wir liegen vor dir mit unserem Gebet und vertrauen nicht auf unsere Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit. (Dan. 9,18b)

Du gott der tiefe, Du bist da.
auch wenn ich nicht mehr vor Dir stehen kann, weil ich viel zu müde bin:
Du bist da.
auch wenn ich Dir nichts zu bringen habe als meinen verzweifelten willen zu leben:
Du bist da.
auch wenn ich Deinen trost kaum erhoffen mag:
Du bist da.
auch wenn ich nicht begreifen kann, dass Du Deinen sohn in diese tiefen geschickt hast:
Du bist da.
auch wenn ich nicht verstehe, warum Er auch noch in meinen tiefen sein sollte:
Er ist da.
auch wenn ich Ihn nicht spüren kann:
Er ist da.
auch wenn ich schreie und klage und Sein licht so dunkel ist:
Er ist da.
auch wenn ich frage, was Er an mir findet, warum er nicht sag: geh weg! -
Er ist da.

gott der tiefe, ich bin nichts vor Dir.
ich komme ohne mut, ohne zuversicht, ohne etwas vorweisen zu können.
ich komme mit meinen leeren händen,
meinem vertrockneten herzen,
meinen dunklen gedanken
und all dem, was mich klein macht.
nimmst Du auch das?

ich liege vor dir, ausgeschüttet wie wasser, nicht zu fassen.
hältst Du mich trotzdem?
erinnere mich an Deine zusagen und lass mich ruhen bei dir.
lass mich atmen und leben.

 

30.1.14

Kreuz1















  © r.


Pieta





























  © r.

pieta

maria? bist du das? mit deinem kind?
jesus, geboren zum sterben?
schon in diesem neugeborenen der tod?
ja, du kennst den schmerz.
deine arme können es nicht halten.
erstarrte liebe?

verbunden seid ihr im tod,
gebunden, im leid.
hoffnung?
da ist kein blick.
dunkel, leichentücher.
keine kommunikation.

ungeborgen?
unerreichbar?
und doch liegt dein kind
in deinem schoß.
dort, wo es sein darf - auch im tod.
eingehüllt in deinen schmerz.

leben?
dieses kind, das tote -
es wird leben.
es ist selber das leben.
gegen allen anschein.
Leben!

5.3.14

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worte

gott, ich bitte dich um worte,
worte für das, was innen ist,
worte, die beschreiben und verstehbar machen,
- gar nicht so sehr, um mich mitzuteilen -
vor allem, um selbst zu verstehen.

ich bitte dich um worte für gefühle,
worte, die greifbar machen,
worte, mit denen aus mir kommt,
was in der seele schwelt,
worte, die auf den tränen schwimmen.

in mir ist ein sich immer weiter drehendes knäuel,
ein schrei, der im keim erstickt, immer wieder.
worte, die auf der zunge liegen - und sich in luft auflösen.
atem voller kalter luft, die in mich fällt
und alles erstarren lässt.

fremde worte. sprache, die ich nicht kenne.
komm, und rede für mich und zu mir.
hol mich raus aus dieser starre,
erwärme mein herz,
schenke lebendige sprache.

 

17.3.14

schweig© r.


Kreuz2

  © r.

karwoche – ein schmerzendes ja

hineingehen in die dunkle zeit
noch nicht über den horizont sehen
nur fühlen - den kleinen großen schmerz
tastend den weg suchen
den abgrund fürchten
vergessen was hält
nichts wissen - alles fürchten
ahnen dass Dein schmerz so viel gößer ist
und doch innerlich schreien
denn der eigene ist unbeschreiblich

fürwahr - Er trug –
ich aber –
geschlagen zerstört
fürwahr - Er trug –
die schläge die wut die wunden,
fürwahr - Er trug –
das was in mich drang und immer noch schmerzt
den leib sprengt den mund schließt
die gedanken sprengt
fürwahr - Er trug –
was ich nie tragen konnte
fürwahr - Er trug –
sogar den inneren tod

Er trug – fürwahr!?!

16.4.14

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Nacht

















   © r.

nachtpsalm

ferner gott, wie lange verbirgst du dich?
wie lange lässt du mich durch dieses tal gehen?
lässt mich ungetröstet, allein?
verdunkelst das leben?
lässt mich spüren, erzittern, den atem anhalten?
lässt mich hören und sehen - unaussprechliches...
wie lange soll ich das tragen?
bitte, gott!
ich habe keine kraft mehr...
möchte singen von deiner güte -
aber verstumme im elend.
möchte loben deine taten -
aber ich spüre ihre.
möchte reden von deinem licht -
doch es findet mein dunkel nicht.

lass dich spüren!
sei mir sicherer ort, verlässlicher halt
richte auf, heile!
rede in dein schweigen hinein!


23.6.14


gott,

ich kann dich nicht aus meinem herzen reißen.
du wucherst durch mein leben.
fließt durch die seele, überschwemmst sie.
immer wieder bist du da - und doch nicht.
ich halte dir dein schweigen vor,
deine abwesenheit, dass du nicht eingriffst.
ich klage dir meinen körper,
den erst sie, dann ich zerstörten.
ich werfe dir den schmerz vor die füße -
siehst du ihn denn nicht?
ich schreie dir mein unverständnis
und die trostlosigkeit ins gesicht -
so kannst du mich doch nicht lassen?

Denn so spricht der Hohe und Erhabene,
der ewig wohnt, dessen Name heilig ist:
Ich wohne in der Höhe und im Heiligtum
und bei denen, die zerschlagenen und demütigen Geistes sind,
auf dass ich erquicke den Geist der Gedemütigten
und das Herz der Zerschlagenen. Jes 57,15

wohnst du auch bei mir?
zerschlagen? ja.
geschlagen, zerstört.
verwundet, verletzt.
demütig bin ich, glaube ich, nicht.
gedemütigt vielleicht,
sicher sogar.
die seele zerkratzt,
besudelt, beschmiert, verdreckt.
ich wage kaum zu fragen,
ob du dort wohnen magst...
aber wie sonst soll ich das aushalten?
wie, gott? und wozu?


24.6.14

Engel tanzt auf Steinen
© r.

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Kaktus

© r.

mittagslob

mitten am tag - ich rufe nach dir:
du bist mein gott, begegnest du mir?
hältst du mich fest mit sanfter hand?
führst mich zurück auf sichres land?

du bist mein gott und ich bin dein,
du hörst mich doch in meinem schrei'n!
du kannst nicht schweigen, wenn alles bricht,
du willst ein leben - im osterlicht.

du wendest deinen blick mir zu.
du lässt mich atmen, leben, du!
schenkst mir den tag und sorgst für mich -
ich lass mich fallen, tief in dich.

 

25.6.14


neu anfangen.

völlig neu anfangen.
alles auf anfang. neubeginn.
neu anfangen, egal, was die väter taten.
trotz dem, was die väter taten.
was taten deine vorväter und -mütter?
neu anfangen durch vergessen?
vergessen, damit man leben kann?
kann man so leben?
vergangenes wegpacken. unauffindbar.
wirklich vergessen.
und dann leben?

irgendwann merkst du,
du hast mit der verschlossenen schachtel des puzzles gelebt
und gemeint, das bist du.
und dann packst du es aus und erschrickst über so manches teil
vielleicht auch darüber, wie viele teile es sind
oder darüber, was du erkennst.

und irgendwann viel später wirst du ein bild haben,
das heil und schön ist.
wirklich. das ist wie ostern.
Gott sagt zu dir:
was war, ich nehme es in meine hand.
ich verwandle es.

Gott sagt zu dir:
dich habe ich zum leben bestimmt.
ich sehe dich, ich bin da.
ich halte dir nichts vor -
nicht das, was du getan hast,
nicht das, was dir angetan wurde.

neu anfangen:
reingewaschen im taufwasser, kristallklar.
neu zum leben erweckt,
aus der gebrochenheit aufgerichtet,
neu leben in der gemeinschaft mit Ihm.
als versöhntes kind heimkehren ins licht.

(zu Hes 18)

26.6.14

 

Neuanfang














   © r.

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Suche













   © r.

suche

komm zu mir, mein gott und licht,

sieh mich liebend an,

nimm doch wahr und höre mich,

wenn ich nicht mehr kann.

 

bringe dir die gebrochenheit,

alles, was zerstört.

meine trauer und mein leid -

du hast es gehört.

 

weck in mir die zuversicht,

dass du mich heut trägst.

dass du meine seele nicht

aus den händen legst.

 

heile mich und gib mir mut,

birg in dir den schmerz

mach am ende alles gut,

nimm mich an dein herz.

 

lass mich hören jetzt dein wort

fürsorglich und nah.

und nimm deinen trost nicht fort,

sei doch spürbar da.

 

5.9.14


erdacht

"Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst

... weil du in meinen Augen so wert geachtet und auch herrlich bist."

 

erdacht von Dir, liebevoll, zärtlich.

erdacht, geliebt, gewollt.

 

aus der hand gegeben.

weil Du Dich beschränkst -

um der freiheit willen?

in ihre hand gegeben

auf gedeih und verderb -

bis in den tiefsten schmerz,

den abgrund der seele,

die hoffnungslosigkeit eines kindes,

die zerstörung dessen,

was Du doch liebtest.

 

Du hast doch nicht aufgehört damit???

 

hast nicht eingegriffen.

wolltest Du nicht?

konntest Du nicht?

 

warst du da?

hast du mitgelitten?

konntest Du zusehen?

hast Du ertragen, was geschah?

 

du musst es mir erklären.

irgendwann will ich es verstehen

 

was kann nach all dem heißen: wert geachtet und herrlich?

herrlich trotz allen schmutzes?

wert in aller zerstörung?

was bleibt nach aller gewalt?

 

"Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst

... weil du in meinen Augen so wert geachtet und auch herrlich bist."

 

erdacht von dir...

lass nicht zu, dass sie gewinnen.

nimm mich wieder zurück

in deine hand.

 

24.9.14

Engel2






















   © r.

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Scherbenengel



























   © r.

scherbenengel

leben

l e b e n

n  e  b  e  l

e   n   l   b   e

 

zerbrochen, zerschlagen, zerstört.

bruckstücke - vom ganzen bleibt nichts.

sie liegen in deinen händen.

verletzungsgefahr.

ich hab mir wehgetan.

mir wurde wehgetan.

 

ich sehe diese teile und ahne:

das wird nicht wieder ganz.

ich seh nicht einmal mehr, wie es war.

was es war.

mein leben?

das, was draus wurde?

das, was es hätte werden können?

welches leben bleibt schon ganz?

 

bist du vorsichtig mit dem zerbrochenen?

tust du dir auch nicht weh?

kannst du was damit anfangen?

 

du flickst gar nicht?

du machst neu?

du schickst einen engel,

dem man die narben ansieht.

er ist nicht heil.

er kennt bruchstückhaftes leben.

er kommt nicht im weißen kleid.

er kommt als der, der nahe ist,

weil er das leben kennt -

und weil er dich kennt,

der du wunder vollbringst.

 

24.9.14


wurzeln schlagen im leben

 heimisch werden.

 sicher stehen.

 ein traum.

 nein, das ist kein traum.

 manchmal spüre ich nichts von den wurzeln.

 manchmal liegen sie offen,

 angreifbar,

 verletzlich,

 aber sie sind da.

 

 neben allen kranken und verdorbenen wurzeln

 gibt es die, die tragen

 und die nicht zerstörbar sind:

 dass Einer mich erdacht hat,

 dass Er ja zu mir sagte,

 noch bevor jemand nein sagen konnte,

 dass Er es ist, der trägt -

 verläßlich,

 

 sicher,

 immer.

 

 mit diesen wurzeln kann ich

 leben.

 

1.11.14

Titelbild2015
© r.

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erblühendes leben

erste knospen nach dem langen winter.

endlich frühling.

die welt zieht vorsichtig zarte farben an.

hier und dort erstes grün.

die seele taut auf.

 

nur kurz.

eines tages friert alles wieder ein.

jeder halm, jede blüte, jeder baum

ist eingepackt in undurchdringliche eisschichten.

schön anzusehen - ohne frage.

aber nur von außen.

 

innen erstarrt das leben.

wie damals.

nichts erreicht mich.

gefangen in mir.

 

vielleicht braucht das leben einfach noch zeit?

zu reifen und zu wachsen,

zu hören und zu lernen,

zu heilen - tief innen,

um dann neu zu erblühen,

wenn die zeit reif ist.

 

1.11.14

Frost
© r.


Himmel1
















   © r.

begegnung

vom licht deines herzens beschienen.

du musst nichts sagen, jesus.

ich stehe vor dir und nehme dein licht auf.

durch die geschlossenen augen,

durch die haut ins herz.

in diesem licht zur ruhe kommen.

seine lebendigkeit aufnehmen.

ganz ich werden in gutem licht.

 

3.11.14

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komm!

"irgendwann ist es geschafft."

erlösung.

du kommst.

Advent.

 

du kommst.

bringst zurück: mich.

Zukunftsmusik.

 

warten auf das "irgendwann".

hoffen, dass es bald sein möge.

schreien nach erlösung

für mich und die vielen.

 

sehnsucht schmerzt.

trage mein innen behutsam

dorthin, wo du kommst.

so komm!

 

Heile!

Reinige!

hebe auf!

und komm!

 

11.12.14

Himmel2














   © r.


Licht   





    











 
  © r.

licht der welt 

du licht der welt
komm in meine nacht
sieh an die tränen
die geweinten und die ungeweinten
die, die nach trauer schmecken
die, die nach sehnsucht klingen
die, die nach lebenssplittern riechen
die, die gefühle an die oberfläche tragen

ich gebe das fragen und suchen nicht auf
und nicht die unbändige hoffnung des kindes
gegen alle qual
gegen alle gewalt
gegen tiefste lieblosigkeit
gegen unbeschreiblichen schmerz
und trotz des gedankens, es möge ein ende haben

du licht der welt
komm in meine nacht
mach sie nicht strahlend hell - das könnte ich nicht ertragen
komm als ein kleines licht
mit flackernder gefährdeter flamme
gib meinem blick einen ruhepunkt
und meiner seele die gewissheit
dass du kommst und siehst

...und heilst

 

22.12.14


s. und r.

das gefrorene herz brennt eiskalt
die risse knistern leise vor sich hin
wie zellophanpapier im wind

gott hört
den leisesten funken
jeden stummen schrei, der im atem erstickt
gott hört
jede einzelne träne im augenwinkel,
die den weg sucht
gott hört
jede bewegung in mir
jeden nerv, der den schmerz transportiert
gott hört

gott heilt
den zerstörten körper
verbindet die wunden
gott heilt
die gedanken
all das furchtbare, was ihr in mich eingepflanzt habt
gott heilt
die seele
lässt liebe ankommen
gott heilt

das gefrorene herz brennt eiskalt
die risse knistern leise vor sich hin
wie zellophanpapier im wind

es bricht
und jedes teil hat einen namen und eine geschichte
es klingt wie glassplitter unter ihren füßen
zermahlen bis zur unkenntnis

und doch
hörst du
heilst du
sammelst du
- uns -
in dunkler nacht
in angst und ohnmacht

du hast es versprochen
hilf heraus!
bald?

 

23.12.14

Gebrochen














   © r.

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Himmel3  









    © r.

himmel über d.

zeit zum rasten - äußerlich
und zum weitergehen - innerlich
morgens der sonne beim aufstehen zusehen
und nachts durchs verschlafene kloster streifen
nachtwächtergespräche

immer wieder der blick in den himmel
auf farbenspiele und wolkensalat
auf das, was mich von oben her erdet
stille, die trägt
gebete, in denen gott redet

zeit fürs seelenarchiv
erschütternde bilder
unbegreifliche last
todesschattental täglich
aber dort nicht allein bleiben

fassungslos
jeden tag neu
hinsehen
schmerzen ertragen
und getröstet den nächsten schritt wagen

kindertränen, die endlich geweint werden
und dem unhörbaren schrei ausdruck geben
so viel leid
und doch:
zaghaft das leben lernen

erstes kinderlachen und zerwuschelte haare
vertrauen spüren
goldschätze entdecken
"mein kind" mit dem besonderen klang des echtseins
"du bist bei mir" als anker im erinnerungsstrudel

ein mensch, der zum engel wird
ohne gott sein zu wollen
zeit, zeit, zeit
warmherzig bedacht und mit dem zeichen des kreuzes versehen
das die auferstehunghoffnung in sich birgt

30.1.2015


Anfang-Engel






























   © r.

r.

kleine, liebe r.!
so klein bist du
kaum zu verstehen
worte fehlen
dir und mir

kleine blume
durch den gefrorenen boden hindurch
ans licht gekommen
gebrochen
bevor die blüte sich entfalten konnte
lange zeit überwintert in der erde

jetzt ein neuer versuch:
erste blätter
schieben sich unaufhörlich nach außen
gezeichnet von der verletzung
die in die tiefe ging
durchzogen von narben
die neu aufbrechen
aber zum licht ausgerichtet
die knospe liebevoll gehalten

diesmal wirst du blühen
leben
lieben
atmen
und der sonne ins gesicht strahlen

ich liebe dich.

 

7.3.15

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