Denkt an die Gefangenen, als ob ihr selbst mit ihnen im Gefängnis wärt. Denkt an die Misshandelten, als müsstet ihr ebenso leiden wie sie. (Hebr. 13,3)






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Letzte Änderung: 23.3.2017
 
Frühere Nachrichten Missbrauch 2017


23.3.2017 Der Abschlussbericht über sexuelle und sonstige Gewalt bei den Regensburger Domspatzen wird im Mai erwartet. Grund für die Verzögerung sind "zahlreiche ergänzende Informationen", die in den vergangenen Wochen und Monaten eingegangen seien, sowohl von bereits bekannten als auch neuen Opfern.
Quelle: domradio

23.3.2017 In der Gregoriana fand heute ein Kongress der Päpstlichen Kinderschutzkommission und des Kinderschutzzentrums der Gregoriana statt unter dem Titel "Safeguarding in Homes und Schools. Learning from exexpererience wordlwide". Kardinal O'Malley wies darauf hin, dass die Opfer und Überlebenden von sexuellem Missbrauch an die erste Stelle gehören. Er erkannte, dass die Bemühungen um Evangelisierung keine Wirkung haben, wenn das Vertrauen der Menschen verloren ist.
Kardinal Müller, Präfekt der Glaubenskongregation, nahm nicht an der Konferenz teil.
Quelle: lastampa.it  reuters.com  cruxnow.com

*23.3.2017 In der französischen Dokumentation von "Cash Investigation" vom 21.3.2017 wird behauptet, die katholische Kirche schütze Missbrauchstäter durch ein System der Versetzungen. Als Beispiel wird der Priester Joannes Rivoire genannt, der in Frankreich unbehelligt lebe, obwohl seit 1998 in Kanada wegen sexuellen Missbrauchs nach ihm gefahndet wird. Der Vorwurf der Dokumentation richtet sich auch gegen engste Vertraute des Papstes, u.a. Kardinal Müller, und den Papst selbst (Storni, Grassi).
Experten sagen, viele der Fälle seien bekannt. Guillaume Goubert, La Croix, kritisiert, dass niemand untersucht habe, welche Fälle neu seien. Auch der Sprecher der Bischofskonferenz, Olivier Ribadeau Dumas, bemängelte, dass keine neuen Fakten bekannt geworden seien. Allerdings scheint die Dokumentation Fälle zu zeigen, auf die die französische Justiz inzwischen reagiert hat, nachdem die Orden den Aufenthalt ihrer Mitglieder den Behörden meldeten. Der Sprecher der Bischofskonferenz betonte, dass - anders als die Aussagen in der Dokumentation - heute kein Bischof mehr im Amt sei, der Missbrauchsfälle vertuscht habe.

Quelle: katholisch.de   la-croix.com  domradio.de 22.3.2017

22.3.2017 Vom zynischen Umgang mit Missbrauchsopfern im Bistum von Kardinal Timothy Dolan. Opfer sollen per Vertragsunterschrift ihr künftiges absolutes Stillschweigen erklären und dürfen keine weiteren gerichtlichen Schritte gegen das Bistum unternehmen. Dem Kardinal liegt nach Aussage von Opferverbänden an einer schnellen Einigung mit Missbrauchsopfern, weil der "Child Victims Act" für New York bereits 2017 zur Abstimmung kommen kann, der mehr Rechte für Opfer vorsieht. "Geld und Ansehen der Kirche haben für Seine Eminenz absolute Priorität."
Quelle: imprimatur

22.3.2017 Geistliche Gemeinschaften und Säkularinstitute im Bistum Münster haben sich über Geistlichen Missbrauch informiert. Schwester Katharina Kluitmann, Franziskanerin und Psychologin, beschrieb Geistlichen Missbrauch als "Sammelbegriff für Formen emotionalen und/oder Machtmissbrauchs im Zusammenhang des geistlichen, religiösen Lebens, vor allem in Formen der Begleitung wie Beichte oder ,Seelenführung‘ sowie in Gemeinschaften und Gemeinden."
Quelle:
bistum-muenster.de

21.3.2017 Seit den 1960er Jahren sollen 25 französische Bischöfe, von denen fünf bis heute im Amt seien, 32 Priester, die Kinder/Jugendliche missbrauchten, geschützt haben. Dies berichtet eine Dokumentation von "Cash Investigation". Betroffen sind 339 mutmaßliche Opfer - die meisten von ihnen wurden nach dem Jahr 2000 missbraucht. (2001 wurde Bischof Pierre Pican von Bayeux zu drei Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt, weil er den Missbrauch eines Kindes durch einen Priester nicht angezeigt hatte. Damals sprachen die französischen Bischöfe davon, künftig alle Fälle der Staatsanwaltschaft zu melden.) 228 unter ihnen waren Kinder und Jugendliche unter 15 Jahre. 28 der 32 Priester wurden lediglich versetzt und sind noch immer im Dienst. Unter den der Vertuschung verdächtigen Bischöfe sind Kardinal Barbarin, Lyon (er soll 5 mutmaßliche Priester-Täter geschützt haben, wurde von einem staatlichen Gericht freigesprochen); Erzbischof Jean-Luc-Bouilleret, Besancon; Bischof Marc Aillet, Bayonne; Bischof Yves Le Saux, Le Mans und Mgr. Bernard Fellay, Pius-Bruderschaft.
Zur Sprache kommt in der Dokumentation auch, dass Papst Franziskus als Erzbischof von Buenos Aires versucht habe, Pater Julio Cesar Grassi - Gründer der
„Happy Children’s Foundation“ - und Erzbischof Storni in Schutz zu nehmen. Beide sind inzw. wegen sexuellen Missbrauchs zu 15 bzw. 8 Jahren verurteilt worden.
Die Dokumentation konzentriert sich vor allem auf einen bislang unbekannten Fall in Lyon - dort soll "Vater Didier", in den 1990er Jahren verurteilt wegen sexuellen Missbrauchs eines Dutzends Kinder, bis 2016 im Dienst gewesen sein.

Bislang scheinen weniger als 0,5% der französischen Priester des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen beschuldigt zu werden. In den USA geht man von 4 (und mehr) % aus, in Australien sind 7% der Priester Missbrauchstäter.
Die französische Bischofskonferenz sollte an einer Fernsehdebatte im Anschluss an die Dokumentation teilnehmen. Sie lehnte ab, weil die " Interviewmethoden ethische Standards nicht respektierten" (!) und die Sendung sich mehr mit Anschuldigungen als dem Willen zur Erklärung beschäftigte.
Quelle: katholisch.de  lemonde.fr   en.rfi.fr    france24.com  francesoir.fr  katholisch.de
vgl. die im Januar 2017 veröffentlichten Täterzahlen (222 Opfer; 4 % seit 2000) der Bischofskonferenz.

21.3.2017 In Irland untersucht eine Kommission mittlerweile 18 Mutter-Kind-Heime, die von katholischen Ordensschwestern geleitet wurden und in denen zwischen 1922 und 1998 Mütter und Kinder untergebracht wurden. Es scheint ein echtes Interesse an der Aufklärung der Geschichte der Mütter und ihrer Kinder in den Heimen zu geben. Zuletzt hatte ein Massengrab von 800 Kinderleichen in einer Sickergrube eines Mutter-Kind-Heimes die Republik erschüttert.
 Quelle: sueddeutsche.de

20.3.2017 Der sizilianische Priester Don Fortunato Di Noto, Organisation Meter, veröffentlicht jährlich einen Bericht über Kindesmissbrauch. In diesem Jahr weist er auf wächsende Pädopornografie im Internet hin. Insbesondere im Darknet sei eine erhöhte Aktivität festzustellen. Zudem habe der Missbrauch von Neugeborenen enorm zugenommen.
Quelle: de.radiovaticana.va   katholisch.de

18.3.2017 Bishof Lawrence Persico, Bistum Erie, veröffentlicht die Namen der Priester, die ihr Priesteramt wegen Verfehlungen nicht mehr ausüben dürfen. Die Art der Verfehlung wird nicht benannt. Persico meint, es sei das Recht der Gläubigen, Entlassungen zu erfahren.
Quelle: goerie.com

18.3.2017 Die Zahl der Opfer sexueller Gewalt ist zwischen 2011 und 2016 von 12,6 auf 13,9 % gestiegen. Bei den Frauen stieg die Zahl von 15,2 auf 18 %, bei Männern blieb sie mit ca 9,5 % etwa gleich. Einen signifikanten Anstieg von 4,6 % auf 6,5 % verzeichnete emotionale Misshandlung. Auch hier traf der Anstieg vor allem Frauen. 6 % der 2.500 Befragten zwischen 14 und 94 Jahren gaben körperliche Misshandlung an. Die Zahl von körperlicher Vernachlässigung ging von 28,8 % auf 22,5 % zurück. Die Studie wurde von dem Ulmer Mediziner Jörg Fegert durchgeführt.
Fegert bezeichnet die Spätfolgen von Missbrauch als dramatisch. Es gebe einen Zusammenhang zwischen der Schwere der erlebten Traumata und Suizidversuchen und selbstverletzendem Verhalten. Auch Schmerzen und körperliche Erkrankungen würden von den Betroffenen deutlich häufiger genannt.
Quellen: katholisch.de  Badische Zeitung
Kommentar: Christian Pfeiffer war noch 2014 davon ausgegangen, dass sexueller Missbrauch um etwa 2/3 zurückgegangen sei. Allerdings hatte er nur Menschen befragt, die 40 Jahre und jünger sind. Da sexueller Missbrauch aber oft erst in der Lebensmitte erinnert wird, dürfte diese Zahl wenig aussageräftig sein.

18.3.2017 Vor der königlichen australischen Untersuchungskommission klagten 1100 Menschen über sexuellen Missbrauch in der anglikanischen Kirche. [Ca 17% der Australier gehören der anglikanischen Kirche an, 25% der katholischen. 4444 Katholiken klagten über sexuellen Missbrauch durch Priester und kirchliche MitarbeiterInnen.]
Quelle: pressreader.com

17.3.2017 Weitere Opfer des Kapuziners Pater Joel gehen an die Öffentlichkeit, nachdem Daniel Pittet ein Buch über seinen Missbrauch durch Pater Joel veröffentlicht hat.
Quelle: blick.ch

17.3.2017 So gingen Staat und Kirche mit "unerwünschten" Kindern in Irland um.
Quelle: deutschlandfunk

14.3.2017 Interview mit Prof. Jörg Fegert, Ulm, über die neue Studie zu sexuellem Missbrauch, die davon ausgeht, dass jede/r Siebte betroffen ist. Untersucht wurden auch die körperlichen Langzeitschäden.
Quelle: swr.de

14.3.2017 Marie Collins antwortet auf das Interview von Kardinal Müller.
1. Die Glaubenskongregation lehnte es ab, an Treffen der Arbeitsgruppoen der Päpstlichen Kinderschutzkommission teilzunehmen - man könne nur schriftlich verkehren, ließ sie die Kinderschutzkommission wissen. Erst nach einem Jahr änderte sich das.
2. Kardinal Müller spricht von "permanentem Kontakt" zwischen Kinderschutzkommission und Glaubenskongregation. Dieser Kontakt und ggf. seine Ergebnisse sind Frau Collins unbekannt.

3. Kardinal Müller sagt, ein  Mitglied der Glaubenskongregation sei Mitglied auch der Kinderschutzkommission. Gemeint ist Claudio Papale, der 2015 seine Arbeit in der Kinderschutzkommission einstellte, was die Kommission erst im Mai 2016 erfuhr.
4. Zur Einrichtung des Tribunals gegen Bischöfe, die Täter schützen, schreibt Kardinal Müller, das Tribunal sei nur ein "Projekt" gewesen, das nach Dialog zwischen verschiedenen Dikasterien von der Glaubenskongregation als nicht notwendig eingestuft wurde, da es längst Kompetenzen, Werkzeuge und Rechtsmittel in der Bischofskongregation für solche Fälle gebe (so auch Pater Zollner). An dieser Diskussion wurde die Kinderschutzkommission nicht beteiligt. Collins stellt fest, dass bislang kein Bischof offiziell und transparent sanktioniert worden sei. Sie fragt, ob es Mangel an Willen sei, wenn es nicht der Mangel an Gesetzen ist. (Zu fragen ist, warum niemand im Vatikan die öffentliche Ankündigung des Tribunals korrigierte und bereits 2015 darauf hinwies, dass gar kein Tribunal geplant war. Marie Collins wies am 9.7.2016 darauf hin, dass es auf die Umsetzung ankomme, nicht auf die Ankündigung. Catholic news berichtet am 15.3.2017: "
Collins told CNS that she and other commission members were told a month or two after the Vatican announcement that the tribunal proposal "was not happening. There was absolutely no explanation" other than that the doctrinal congregation was not going to implement it.")
5. Frau Collins erinnert Kardinal Müller daran, dass die Glaubenskongregation es trotz des Wunsches des Papstes vom 28.2.2016 ablehnte, Missbrauchsopfer-Briefe zu beantworten (Schreiben der Glaubenskongregation vom 15.12.2016, entgegen einer mündlichen Zusage vom September 2016). Der Hinweis des Kardinals auf die einzuhaltende Hierarchie zeige, dass  "anachronistische, bürokratische, interne hierarchische Überlegungen"  wichtiger als die Betroffenen seien. - Die von der Kinderschutzkommission vorgeschlagenen Leitlinien zum Umgang mit kirchl. Missbrauchsfällen wurde von der Glaubenskongregation mit der Ablehnung einer Zusammenarbeit beantwortet. Da gibt es nach Ansicht von Marie Collins wohl ein besonderes Zögern der Glaubenskongregation.
6. Kardinal Müller hatte Marie Collins vorgeworfen, sie kenne die Aufgabe der Glaubenskongregation nicht und ihre Beschwerden basierten auf Missverständnissen. Collins sagt, sie habe die Zuständigkeiten der Glaubenskongregation nicht missverstanden.
7. Die Aussage von Kardinal Müller, er habe nie die Chance gehabt, sie zu treffen, widerlegt Frau Collins mit dem Hinweis auf ein gemeinsames Essen in Dublin nach ihrer Ernennung. Collins am Ende ihres Offenen Briefes: "
I would ask that instead of falling back into the Church's default position of denial and obfuscation, when a criticism like mine is raised the people of the church deserve to be given a proper explanation. We are entitled to transparency, honesty and clarity. No longer can dysfunction be kept hidden behind institutional closed doors. This only succeeds as long as those who know the truth are willing to remain silent."
Quellen: ncronline.org   katholisch.de  religion.orf.at  Radio Vatikan