Denkt an die Gefangenen, als ob ihr selbst mit ihnen im Gefängnis wärt. Denkt an die Misshandelten, als müsstet ihr ebenso leiden wie sie. (Hebr. 13,3)







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Letzte Änderung: 17.10.2017
 
Frühere Nachrichten Missbrauch 2017


17.10.2017 Florian Breitmeier weist im Interview über das Gutachten des IPP darauf hin, dass die katholische Kirche ein Problem mit ihrer "Verantwortung nach unten" hat und dass es keinerlei Institutionen in der kath. Kirche gibt, die ggf. korrigierend eingreifen könnten. Er beobachtet auch eine mangelnde Fehlerkultur und fragt, was dazu führt, dass ein Weihbischof/Missbrauchsbeauftragter und Personalchef eines Bistums nicht in der Lage ist, gegenüber Vorgesetzten seine Überforderung zu erklären.
Daniel Deckers, FAZ, kommentiert, dass eine "institutionelle Selbstgewissheit" keine Hildesheimer Besonderheit sei, vielmehr tief oder gar unauslöschlich in der kath. Amtstheologie verwurzelt ist. "
Nichts ist im Umgang mit Tätern so falsch wie „pastorale Loyalität“, nichts macht so blind für das Leid der Opfer wie der Drang, Schaden von der Institution Kirche fernzuhalten. Es spricht für die Kirchenoberen in Hildesheim, dass sie ihr Handeln von unabhängiger Seite haben überprüfen lassen. Die Ergebnisse sprechen nicht nur gegen sie, sondern gegen die Kirche als Ganzes."
Quelle: Deutschlandfunk

17.10.2017 Der Eckige Tisch nimmt Stellung zum Gutachten des IPP - Bistum Hildesheim - und nennt das Gutachten "Eine Dokumentation jahrzehntelangen Versagens".
Quellen: eckiger-tisch.de  katholisch.de  

16.10.2017 Die Bischöfe in Deutschland zeigen sich betroffen über das Missbrauchsgutachten des Bistums Hildesheim.
Quelle: Domradio  katholisch.de  Radio Vatikan 

*16.10.2017 Das Bistum Hildesheim veröffentlicht das Gutachten zu Missbrauchsfällen, nennt Versäumnisse und gibt Empfehlungen für die Zukunft. Der Missbrauchsbeauftragte der Bischofskonferenz nimmt Stellung dazu. Dem Gutachten des IPP zufolge tragen Verantwortliche des Bistums Hildesheim und des Jesuitenordens eine Mitverantwortung am sexuellen Missbrauch von Kindern in den vergangenen Jahrzehnten. Die Gefährdung von Kindern sei von Bistum und Jesuitenorden "wissentlich in Kauf genommen worden", heißt es in dem Gutachten, das von gravierenden Versäumnissen spricht. Im Fall des Priesters Peter R., dem elf Fälle sexualisierter Gewalt im Bistum Hildesheim nachgewiesen wurden, werfen die Münchener Experten dem Bistum ein "Muster des Wegschauens" vor. Peter R. stand im ZEntrum der sexuellen Gewalt im Canisius-Kolleg mit über 100 Opfern. Der Jesuitenorden habe den Täter loswerden wollen und das Bistum Hildesheim habe ihn inkardiniert. Laut IPP waren dem Bistum sechs Fälle sexualisierter Gewalt im Zeitraum von 1989-1997 durch Peter R. bekannt. Inzwischen wurden ihm elf Fälle nachgewiesen. Das Gutachten formuliert: "Der damalige Umgang des Bistums Hildesheim mit diesen Fällen ist von einem Muster der Naivität, Verantwortungslosigkeit und unklaren Kommunikation geprägt." Vor allem lasteten sie dem Bistum an, den Priester nach intern bekannt gewordenen Missbrauchsfällen immer wieder in andere Gemeinden versetzt zu haben, ohne über den tatsächlichen Grund zu informieren.
Der Missbrauchsvorwurf gegen den 1988 verstorbenen Hildesheimer Ex-Bischof Heinrich Maria Janssen lässt sich laut Gutachten nicht mehr abschließend aufklären.
Quellen:
bistum-hildesheim.de   NDR  Spiegel

16.10.2017 Der Livestream zum Gutachten Bistum Hildesheim ist unter https://www.bistum-hildesheim.de/ erreichbar, bzw. unter https://www.youtube.com/watch?v=16RJW9gEQnc  oder beim NDR
14.10.2017 Am Montag, 16.10. um 11 Uhr wird das Bistum Hildesheim das Gutachten zu den Missbrauchsvorwürfen gegen den verstorbenen Bischof Heinrich Maria Janssen und den pensionierten Priester Peter R. (Canisius-Kolleg) vor.
Quelle: NDR

12.10.2017 Der Mitarbeiter der Vatikanbotschaft in Washington, der Kinderpornografie in einem kirchlichen Computer in Kanada heruntergeladen und verbreitet hat, wird mit Haftbefehl gesucht. Er hält sich im Vatikan auf, soll jedoch nicht ausgeliefert werden. Der Vatikan soll die Überstellung mit Verweis auf die diplomatische Immunität abgelehnt haben. Das vatikan. Pressemant reagierte nicht auf die Bitte um eine Stellungnahme.
Quelle: katholisch.de


11.10.2017 In Leipzig war die zweite öffentliche Anhörung zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs in der DDR. Für die Expertise wurden 250 Fälle gesichtet und 150 genauer ausgewertet, sagte Mitautorin Stefanie Knorr. Die Expertise sei jedoch nur ein Anfang. „Es muss weiter gearbeitet werden, sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen gehört zu den weißen Flecken in der Wahrnehmung der DDR-Geschichte“. Corinna Thalheim, Vorstandsvorsitzende der Betroffeneninitiative "Missbrauch in DDR-Heimen" sagt, dass sexuelle Gewalt in den Heimen der DDR noch kaum Beachtung finde. Sie fordert eine Gleichstellung mit anderen Opfern des DDR-Regimes.
Quelle: Sächsische Zeitung  bmfsfj.de  Eine Frau berichtet - Triggergefahr!

11.10.2017 Am Rheinbacher Konvikt der Pallottiner gab es Anfang der 1960er Jahre mindestens drei Fälle des sexuellen Missbrauch. Ein Täter soll sein Opfer im Jahr 2009 mit 50.000 Euro abgefunden haben. Das geht aus einer eidesstättlichen Erklärung des inzwischen verstorbenen Opfers hervor. Der Provinzial habe das Geld im Gegenzug zu einem „Stillschweigen über die Sachverhalte des Vergleichs“ gezahlt. Der Opferverteter Prof. Becker sagt, der Betroffene habe diese notarielle Vereinbarung als Schweigegeld verstanden. Der Pallottiner Norbert Possmann bestätigte den Sachverhalt, will die Zahlung aber anders verstanden wissen: Es sei nicht üblich und auch damals nicht üblich gewesen, Geld zu zahlen und Schweigen zu vereinbaren. Dies sei nur in diesem einen Fall geschehen, man habe sich auf Anraten des Anwaltes auf diesen Passus geeinigt. „Ich wollte, dass die Leute reden und den Tätern die Macht über sie nehmen“, so Possmann weiter.
Quelle: Generalanzeiger
Kommentar: Wie soll das gehen: Jemand will, dass die Opfer reden und erlegt zugleich Schweigen auf?

11.10.2017 Vier Wochen nach (!) der Veröffentlichung des Berichts über Missbrauchsfälle am Collegium Josephinum in Bad Münstereifel hat das Erzbistum Köln einen Geistlichen, der zuletzt im Rhein-Sieg-Kreis tätig war, wegen früherer sexueller Übergriffe aus dem Dienst genommen. Der Pressesprecher des Erzbistums sagte, dass unter Verdacht auf Missbrauch stehende Priester mitunter noch viele Jahre seelsorgerisch tätig sein, liege daran, dass man zunächst den Hinweisen nachgehe. Erst wenn die Hinweise konkret genug seien, seien personalrechtliche Konsequenzen möglich, die aber bestimmte Voraussetzungen erfüllen müssten.

Quelle: Generalanzeiger  Rundschau online

10.10.2017 Vor zehn Jahren wurde der Prozess gegen zwei Männer in dem bayerischen 200-Seelen-Dorf Eschenau (Unterfranken) wegen Kindesmissbrauchs eröffnet. Der eine Beschuldigte beging Selbstmord, der andere wurde zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Die Opfer, ihre Familien und die Menschen, die sich mit ihnen solidarisch zeigten, wurden beschimpft, verachtet, bedroht, des Rufmords beschuldigt, mit "Haus- und Hofverbot" belegt. Viele von ihnen zogen fort. Heute sind die Gräben noch immer da, obwohl Mediatoren eingeschaltet wurden. Der Bürgermeister stellt fest: "Nach zehn Jahren muss ich leider sagen, dass es mir und uns allen nicht gelungen ist, die sogenannten Opferfamilien wieder so im Dorf zu integrieren, dass auch deren Leistung – und es war eine mutige Leistung, das damals publik zu machen – dass das von allen honoriert wird. Es gibt viele, die das mutig fanden, die das mir auch sagen, die das auch die Familien spüren lassen, aber es ist doch noch ein Graben da, der noch nicht ganz zugeschüttet ist.“ Der Bürgermeister sagte, er habe versucht, die Menschen zu bewegen, wieder auf die Opfer und ihre Familien zuzugehen. Das aber sei schwierig.
Quelle: br.de

9.10.2017 Der Hollywood-Produzent Harvey Weinstein hat mutmaßlich über Jahre hinweg wiederholt Frauen sexuell belästigt und sich in mindestens acht Fällen außergerichtlich mit ihnen auf eine Entschädigung geeinigt. Bemerkenswert sind die Leserbriefe zu dem Artikel über Harvey Weinstein. Sie erklären, warum Frauen noch immer schweigen, statt über die sexuelle Gewalt zu sprechen und Anzeige zu erstatten.
Quelle: welt.de

7.10.2017 In Argentinien wurden seit 2002 bislang 66 kath. Priester wegen sexueller Missbrauchsvergehen angeklagt. Neun wurden verurteilt.
Quelle: batimes.com.ar

7.10.2017 Bischof Ackermann, Missbrauchsbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz, sagt, die Prävention sei weiterhin Chefsache. Aber es gebe Ermüdungserscheinungen. Die Kirche habe eine große Lerngeschichte hinter sich.
Quelle: radiovaticana.va
Kommentar: Die Lerngeschichte der kath. Kirche, d.h. ihrer VertreterInnen, aber auch der Gläubigen an der Basis, reicht nach meiner Erfahrung nicht sehr weit. Bislang war es nicht einmal möglich, in Deutschland den vom Vatikan empfohlenen Gebetstag für Missbrauchsopfer durchzuführen. Wenn überhaupt, dann sind bei den Kirchenleitenden Opfer von Klerikern im Blick, noch gar nicht im Blicke sind jene MitchristInnen und Mitmenschen, die in ihren Familien oder im Nahbereich sexuell missbraucht wurden. Ich denke, sie müssen wahrgenommen werden, wenn Kirche von einer "Lerngeschichte" sprechen will. Dass es in Deutschlad auch nicht den vom Vatikan empfohlenen Gebetstag für Missbrauchsopfer gab, müsste eigentlich nachdenklich machen. Darüber hinaus sind es nicht die Bischöfe, die beurteilen können, ob für die Opfer, die keine Prävention mehr erreicht, genug Hilfreiches getan wurde. Nur: Sie müssten gefragt werden.Das geschieht m.W. jedoch nicht oder nur ausnahmesweise.   

6.10.2017 In der "Erklärung von Rom" hat der Weltkongress "Child Dignity in the Digital World" vom 3.-6.10. an der Gregoriana in Rom folgende Institutionen aufgefordert, alles zum Schutz von Kindern zu tun: Führungspersönlichkeiten weltweit, Führer der Weltreligionen, Parlamente in der Welt, Führungskräfte in IT- Unternehmen, Gesundheitsminister und Leitungsmitglieder von NGOs, Regierungsbehörden, Zivilgesellschaft und Strafverfolgungsbehörden, medizinische Einrichtungen, Regierungen und private Institutionen, Gesetzgebungsorgane, private Unternehmen weltweit. Sie müssen über Schwere und Ausmaß von Missbrauch und Ausbeutung informieren und Führungspersönlichkeiten zum Handeln auffordern, Gesetze effektiver gestalten, neue Technologien entwickeln, die die Verbreitung von Missbrauchsbildern im Internet bekämpfen, Hilfen für minderjährige Missbrauchsopfer stärken und Behandlungsprogramme - auch im Dunklefeld -  verbessern, Strafverfolgungsorganisationen müssen ihre Zusammenarbeit erweitern, medizinisches Fachpersonal verbessern, Forschung intensivieren, Kinder und Jugendliche zum verantwortungsvollen Umgang mit dem Internet befähigen.
Quelle: childdignity2017.org

6.10.2017 Kardinal Luis Antonio Tagle, Erzbischof von Manila und Präsident von Caritas Internationalis, fordert mit Blick auf die Kindheit einen Kulturwandel in Asien, eine "ernsthafte Auseinandersetzung mit der Kindheit und der Würde des Kindes". Auf den Philippinen hätten die meisten Missbrauchsfälle einen familiären Bezug. Außerdem forderte Tagle, die Stimme der Opfer hörbarer zu machen.
Quelle: Radio Vatikan
s. auch Die Hölle von St. Philomena


6.10.2017 Unter der Überschrift "Kirche strebt Führungsrolle bei Kinderschutz an" berichtet das Internetportal katholisch.de, dass der Papst beim Kongress "Child Dignity in the Digital World" gesagt habe, man habe das Thema in den eigenen Reihen tabuisiert und vertuscht. Mittlerweile zeige sich die Kirche jedoch sensibilisiert und bemühe sich, eine internationale Führungsrolle beim Schutz von Kindern einzunehmen.
Quelle: katholisch.de

6.10.2017 Bei der Papst-Audienz des Kongresses der Gregoriana "Child Dignity in the Digital World" nannte der Papst drei Wege, um die durch das Internet vermittelten Missbrauchsmöglichkeiten anzugehen: 1. Müsse man die Schwierigkeiten sehen und nicht unterschätzen; zweitens dürfe man nicht nur von technischen Lösungen Hilfe erwarten und drittens dürfe das Internet nicht als eine Welt ohne Regeln und ohne Grenzen angesehen werden. Die Kirche, sagte der Papst, habe aus ihren Fehlern gelernt und fühle sich daher besonders stark verpflichtet, sich für den Schutz Minderjähriger und ihrer Würde im Inneren der Kirche, in der Gesellschaft und in der ganzen Welt einzusetzen.
Quelle: Radio Vatikan   press.vatican.va   https://www.youtube.com/watch?v=yYTlpv4Aw00

6.10.2017 Das Amtsgericht in Melbourne hat festgestellt, dass das gegen Kardinal George Pell vorgelegte Beweismaterial die Eröffnung einer Anhörung - terminiert auf 5. März 2018 - rechtfertige. Am Ende der Anhörung wird nach ca 4 Wochen entschieden werden, ob es zu einem Hauptverfahren kommt. Pell wird sowohl die Vertuschung von Missbrauchsfällen als auch sexueller Missbrauch von männlichen Jugendlichen vorgeworfen. Pell war eine zentrale Figur im Bistum Ballarat - sowohl als jemand, der an der Vertuschung beteiligt war als auch als jemand, der gegen sexuellen Missbrauch kämpfte. 2002 war Pell von einem Kirchengericht der Erzdiözese Melbourne aus Mangel an Beweisen von dem Vorwurf, einen Jungen sexuell missbraucht zu haben, freigesprochen worden. Pell bestreitet die Vorwürfe.
Quelle: kath.ch  orf  domradio  katholisch.de

5.10.2017 Marie Collins, eheamliges MItglied der Päpstlichen Kinderschutzkommission, die aus Frust über die Behinderung der Arbeit zurückgetreten ist, äußert sich besorgt über die Umstrukturierungspläne der Kommission. Opfer sollen in Zukunft nicht mehr Mitglieder der Kinderschutzkommission sein, sie sollen in ein Beratungsgremium ausgelagert werden. Collins ist besorgt, dass die Überlebenden dann nur noch gehört werden, wenn die Kommission es für angebracht hält. Die sonstige Arbeit würde dann ohne Zutun von Überlebenden stattfinden.
Darüber hinaus schlägt Collins vor, dass die Kommission befugt werden sollte zu prüfen, wie der Vatikan die Empfehlungen der Kommission nach ihrer Genehmigung durch den Papst umsetzt. Besorgt ist Collins auch darüber, dass das Vatikanische Büro der Kommission bei der Entscheidungsfindung eine zu große Rolle spielen könne.
Quelle: ncronline.org


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