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Dämmerung

noch steckt mir

das Grauen der Nacht

in den Schuhen.

 

Noch weiß ich nicht

wie das gehen soll

das Loslassen

und das Nach-Vorne-Schau'n

 

Komm Engel !

Komm mir entgegen,

entreiß mir die Schuhe,

die schweren

und beflügel mich !

 

Verwandle die Wüsten

in blühende Gärten,

damit ich finde den Apfelbaum...

 

Unter seinem Schatten

möchte ich tanzen

 

Paula Kahlo (Pseudonym), 2005  

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Mit Gott auf der Bank am See

14.4.2019

ich links, Gott rechts, dazwischen zwei menschbreit Luft

zwei dicke Menschen, dicke Frauen, richtig dicke Frauen

ich schweige, Gott schweigt

ich denke, Gott schweigt

unsichtbar, lautlos, kein Wort, kein Gefühl

trotzdem Gott

ein scheuer Blick nach rechts: Leere

was nützte es mir, du wärest da

was nützte es mir, dir zu vertrauen

darf ich so fragen

was, wenn ich dir glaube und du bist wieder nicht da

wenn Schmerzen mir die Sinne vernebeln, Verzweiflung und Angst das Leben zerstören

und du bist wieder nicht da

wenn ich die Scherben und Wunden, den Ekel, die Scham und Schuld spüre, für das, was andere mir antaten und du bist nicht da

verstummen, versteinern

ich links, du rechts, Gott, du und dein Schweigen

ist das Beziehung Gott

ist das Liebe

ist das dein „ich bin da"

ich links ...

Amseln singen, Lärchen zwitschern, Autos rauschen, Glocken in der Ferne, ein Fisch schnappt nach Fliegen

Gott rechts ...

© CL

 

Cordelia Edvardson: So ist das

hardiktuteja auf Pixabayhardiktuteja auf Pixabay"Wir, die wir schon sehr früh, vielleicht schon im Mutterleib, aus dem Schoß des Lebens fielen. Wir lernen niemals mit leichtem und doch festem Schritt zu gehen wie jene, die wissen, daß sie festen Boden unter den Füßen haben. Wir bringen es nie fertig, uns treiben, uns vom Rhythmus des Stroms tragen, uns wiegen zu lassen von Ebbe und Flut. Wir kommen stets aus dem Takt, wie schlechte Tänzer stolpern wir über eigene und fremde Füße. Wir können auch keine Umwege machen, unsere selbstauferlegte Sisyphusarbeit befiehlt uns, jedes Hindernis zu nehmen, jeden Stein auf dem Weg aufzuheben – aber natürlich ekeln wir uns dabei vor Kellerasseln und schaudern vor den Gebeinen der Toten. Doch unserer Aufgabe, Schmutz bei uns und anderen aufzuspüren und über die sauber gekratzten Zeichen der Vergangenheit nachzudenken, bleiben wir treu.

Wir finden nie eine dauernde Bleibe. Ist es Morgen, sehnen wir uns nach der barmherzigen Dunkelheit des Abends, und am Abend fürchten wir die schwitzenden Alpträume der Nacht. Mögen wir uns auch mit der Rüstung des Willens – und dem Schild häufig recht ansehnlicher Fähigkeiten – panzern oder uns die bunte Narrenkappe aufsetzen und lustig mit unseren Schellen klingeln, wir wissen dennoch, unsere Siege können andere täuschen, aber nie uns selber. Der Ausgang des Zweikampfs steht fest.

Es muß auch gesagt werden, daß wir nicht ermüden. Hartnäckig klammern wir uns an das Schürzenband des Lebens. Man schleift uns über Dornen, Disteln und scharfe Steine, der Mund wird uns verstopft mit Wüstensand, wir würden ohnehin nicht schreien, wir sind bedeckt von kleinen, infizierten Wunden, aber wir geben nicht auf. Wir sind ja so tapfer. Wir lassen nicht locker, denn wir haben gelernt, wer fällt, fällt weiter und fällt – in das Bodenlose, das namenlose Nichts."

Cordelia Edvardson, Die Welt zusammenfügen, München 1989, S.129 – 130. Die Autorin ist Auschwitzüberlebende.

Bild von Marc Hatot auf PixabayBild von Marc Hatot auf Pixabay

 

Das Kind

fiel in den Brunnen

 

Wer holt es wieder raus ?

Der Brunnen ist so tief !

 

Die Mutter nicht

der Vater nicht

Wer merkt es schon

dass es im Brunnen ist ?

 

Die Schreie bleiben unerhört

und auch das Weinen.

Das Kind verstummt

in einer Welt

der Taubheit und der Blindheit.

 

Und dennoch

und dennoch

kämpft es sich hoch

fällt wieder runter

sitzt am Boden

ohne Nahrung seine Seele

Der Engel in ihm

trocknet die Tränen

und hebt es empor.

 

Komm Engel, komm

und wälze den Stein vom Grab,

damit es wieder hell wird und warm.

Tröste das Kind und umhülle es

mit deiner Liebe ,deinem Frieden, deinem Heil ,

damit es wieder leichtfüßig

ins Grüne kann.

 

Paula Kahlo (Pseudonym), 2016

PixabayPixabay

Gefangen im Misstrauen

Gefangen in meinem Misstrauen gegenüber Gott und den Menschen

gefangen

in meiner Angst

Gefangen

in meiner Vergangenheit

in alten Gefühlen und altem Schmerz

gefangen

in füheren schlechten Erfahrungen bei menschlichen Kontakten ,

wo Vertrauen lebensbedrohlich wurde

wo ich im Sturm (auf hoher See) beinahe unterging,

wo es nichts geholfen hatte

jemanden geweckt zu haben

da dieser nicht hören und den Sturm nicht sehen wollte

und Misstrauen von da an angebracht war

um mich zu schützen

seitdem

gefangen

in der Erfahrung und dem Gefühl

von Gott und den Menschen allein gelassen worden zu sein

Gott nichts mehr zuzutrauen

der heiligen Geistkraft nichts zuzutrauen

wenn ein Lebenssturm tobt

und das Boot droht unterzugehen

gefangen

in der Erfahrung

das Gott schläft

gefangen

dass der göttliche Kern im Menschen

verschüttet ist

gefangen.

B., Listenfrau

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