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Aufbruch oder Abbruch? – Wohin treibt die katholische Kirche?

Die ARD-Sendung am 15.5.2012, 0.15 Uhr – 1.00 Uhr (immerhin 600-tausend Zuschauer, und 9,4 % Marktanteil zu dieser späten Stunde!), griff im Vorfeld des Mannheimer Katholikentages die Frage auf, wie die Stimmung in den katholischen Kirchengemeinden in Deutschland bei den Menschen aussieht. Auch in meine Pfarrei, St. Peter in Bruchsal, kamen Herr Bernd Seidl, swr, Kirchenredaktion, und Kameraleute. Sie interviewten Bernhard Köhler, der darauf hinwies, dass Änderungen in der derzeitigen Lage der kath. Kirche von der Basis angestoßen werden müssen, wenn sie geschehen sollen. In einem weiteren Interview-Teil wurde ich gefragt, welche Erfahrungen ich mit meiner, der kath. Kirche, im Blick auf den Umgang mit Gewaltopfern gemacht habe. Hier das Transskript:


25.3.2012

Herr Bernd Seidl: Aufbruch also vor allem von unten? Wie schwer es ist, in der Kirche etwas zu verändern, weiß Erika Kerstner. Vor wenigen Tagen hat sie das Bundesverdienstkreuz bekommen. Die Grundschul- und Religionslehrerin moderiert eine Selbsthilfegruppe für Gewaltopfer, die Interesse am christlichen Glauben haben. 500 Frauen und 2 Dutzend Männer gehören inzwischen dazu¹. In mehr als 500 Briefen und Mails an bischöfliche Stellen hat sie auf das Leid der Opfer aufmerksam gemacht. Die Hälfte davon blieb unbeantwortet – auch nachdem 2010 der Missbrauch in den Schlagzeilen war. Die katholische Kirche hat sich inzwischen strengere Richtlinien gegeben. Reicht das alles aus? Herr Alois Glück: Alles, was wir jetzt führen, auch der Dialogprozess, den die Bischofskonferenz ja als Antwort gesucht und ausgerufen hat, gäbe es nicht ohne die Erschütterungen des Jahres 2010, ohne das Erschrecken über den Missbrauch und hier ist was wesentlich Positives dann passiert, nämlich dass dann die Opfer in den Mittelpunkt gerückt sind.  Kirche ist nicht Selbstzweck. Der einzige Maßstab für kirchliches Handeln ist das Evangelium zu vermitteln. Weder Ämter noch Strukturen … kann Selbstzweck sein. Es ist alles nur hinzuordnen auf die Frage: Wie gelingt es, das Evangelium in die heutige Zeit, für die Menschen in der heutigen Welt zu vermitteln?
Herr Erzbischof Zollitsch: Ich glaube, wir haben damals unsere Aufgaben gemacht, die anstanden, die Dinge angepackt und wir dürfen jetzt auch schauen, wie geht der Weg in die Zukunft? Denn man lebt nicht in der Vergangenheit, sondern man lebt von dem, was uns Jesus Christus als Botschaft und Verheißung geschenkt hat. Und in dieser Verheißung machen wir uns fest und deswegen gehen wir den Pilgerweg gemeinsam in der Kirche. Aber wir wissen auch, es ist viel stärker der hörende Weg, der dienende Weg und es ist auch ein Stück Demut, die uns gut tut, damit wir spüren, wir sind für die Menschen da, nicht für uns und wir wollen dienen und wollen damit uns auf den Weg von Gott weisen lassen und das ist Teil dieser Erneuerung.
EK: Ich denke, ich kann gut anerkennen, dass die katholische Kirche sich bemüht. Wir haben den Missbrauchsbeauftragten, wir haben viele öffentliche Äußerungen. Allerdings muss ich zur Kenntnis nehmen, dass – das ist mein Eindruck – die Kirchenleitungen noch nicht verstanden haben, wie schrecklich Traumatisierung durch Menschengewalt ist. Die Entschuldigungen kamen ohne die Opfer aus. Sie wurden in Kameras gesprochen, sie wurden in Mikrofone gesprochen. Sie wurden nicht zu den Betroffenen gesprochen. Ich hatte die Hoffnung, jetzt schauen sie hin, wo sind unsere Strukturen mit schuld, wo ist unser Umgang mit Macht mitbeteiligt daran, dass Täter in der katholischen Kirche unterkommen konnten und dass sie dort auch geschützt wurden. Ich hatte gedacht – und so hatte ich den Erzbischof Zollitsch in seiner Dialogoffensive auch verstanden -, jetzt können wir endlich darüber sprechen – über Pflichtzölibat, über Beteiligung von Frauen an Entscheidungen und auch an den Weiheämtern, wie gehen wir in der Kirche mit Macht um, wie binden wir ungeweihte Menschen, Laien, in die Kirche ein und ich musste dann feststellen nach der ersten Einladung zu diesem Dialog wurden ganz schnell die Pflöcke wieder eingeschlagen: “Darüber, darüber, darüber und darüber dürfen wir aber nicht reden.”


¹ Das ist ein Missverständnis: Ich bin seit 2000 mit etwa 500 Betroffenen in Kontakt gekommen. Einige von ihnen sind in der Mailingliste.

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