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Sexuelle Gewalt in der katholischen Kirche 2020

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25.11.2020 Dr. Barbara Haslbeck beschreibt wichtige Erkenntnisse über spirituellen und sexuellen Missbrauch an erwachsenen Frauen in der Kirche, die sich in den 23 Berichten von Erfahrungen von Frauen in der Kirche zeigen: Spiritueller und sexueller Missbrauch sind eng verbunden - Missbrauch ist immer ein Machtgeschehen und kann jede Frau in der Kirche treffen - das Erzählen davon ist Widerstand gegen die Strategien der Täter und Täterinnen, Widerstand gegen das Trauma und Widerstand gegen die Stretegien von Tätern und Täterinnen. Es gilt: "Wer verantwortlich ist für Prävention und Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in der Kirche, findet hier eine wichtige Sehhilfe."

Quelle: feinschwarz.net


25.11.2020 Karl Haucke wurde als Kind jahrelang von einem Pater missbraucht. Ihm und anderen Betroffenen wurde Aufklärung versprochen. Doch nun soll eine lang ersehnte Studie geheimgehalten werden. Haucke fühlt sich erneut benutzt. Er ist sich sicher, dass das Vorgehen Der Bistumsspitze im Erzbistum Köln  eine bewusst verfolgte Taktik war. Aus Protest verlassen er und andere Betroffene den Beirat. Der Kirchenrechtler Thomas Schüller kommentiert: "Aber das ist schon an Dreistigkeit, an dunklen Machenschaften kaum zu überbieten, was das Erzbistum Köln da gerade abliefert. Und man wird es ihnen nachweisen können und man kann es ihnen nachweisen."

Quelle: dw


25.11.2020 Der Kirchenrechtler Thomas Schüller kritisiert den Umgang von Kardinal Woelki und Generalvikar Markus Hofmann, Erzbistum Köln, mit den kirchlichen Missbrauchsopfern: "Der Missbrauch von Missbrauchsopfern in diesem Fall ist ruchlos, schändlich und unentschuldbar... Die hierfür Verantwortlichen müssen ihren Hut nehmen.“ Sie seien vor allem daran gescheitert, „dass die noch lebenden Verantwortlichen für Vertuschung im Erzbistum Köln voneinander genau wissen und jeder weiß, dass wenn einer fällt, alle anderen mit abstürzen“.

Quelle: Kirche und Leben


24.11.2020 Nachdem das Bistum Aachen - anders als das Erzbistum Köln - ein Gutachten zu sexueller Gewalt von Klerikern veröffentlicht hat, fordern Laienverbände, u.a. die kfd, vom Bistum einen klaren Zeit- und Maßnahmenplan.

Quelle: www1.wdr.de


24.11.2020 Ulrich Waschki, Geschäftsführer und Chef­redakteur der Verlagsgruppe Bistumspresse in Osnabrück, kommentiert angesichts des Täterschutzes in drei Bistümern durch elf Bischöfe: "Die stetigen Beteuerungen und allgemeinen Schuld­anerkenntnisse aber werden schal, wenn sie nicht konkret werden. Dieses Desaster aus nicht eingelösten oder gebrochenen Aufklärungsversprechen und leeren Schuldeingeständnissen muss ein Ende haben. Wann endlich übernimmt ein Amtsträger spürbar Verantwortung und tritt zurück?"

Quelle: Kirche und Leben


24.11.2020 Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, kritisiert Kardinal Woelki, Köln: „Es deutet vieles darauf hin dass Kardinal Woelki mit Blick auf Betroffenenbeteiligung, Transparenz und Unabhängigkeit von Aufarbeitung einen massiven Fehler begangen hat“, sagte er und fährt fort: "Wenn man Transparenz verspricht und dann nicht einhält, steht der Verdacht erneuter Vertuschung im Raum."

Quelle: kirche-und-leben.de


23.11.2020  Eine Betroffene berichtet über ihren Weg.

Quelle: br.de


23.11.2020 Die fünf Bistümer in Nordrhein-Westfalen - Aachen, Essen, Köln, Münster, Paderborn - wollen ihre Präventionsmaßnahmen gegen sexualisierte Gewalt wissenschaftlich untersuchen lassen. Die Ausschreibung ist hier nachzulesen.

Quelle: Domradio


23.11.2020 Ein ehemaliger Generalvikar von Lugano soll zwölf Jahre lang eine Frau in seiner Wohnung gefangen gehalten haben. Er wurde verhaftet. Das Bistum sagt den Behörden volle Kooperation zu. Der Geistliche bestreitet alle gegen ihn erhobenen Vorwürfe.


23.11.2020 Den katholischen Bischöfen und den übrigen Verantwortlichen in den Diözesen geht es nach den zahlreichen Missbrauchsfällen in der Kirche nun darum, das Vertrauen der Gläubigen zurückzugewinnen. Dazu braucht es Ehrlichkeit und Konsequenzen, glaubt Julia Knop. Sie sagt: "... Vertrauen ist keine rechtliche, sondern eine Beziehungsfrage. Man kann es nicht einfordern. Es wird geschenkt oder entzogen. Einmal verspielt, ist es schwer zurückzugewinnen. Ob die Gläubigen einem heutigen Amtsträger zutrauen, dass er künftig sein Hirtenamt gut ausüben und rückhaltlos für die leibliche, seelische und geistige Integrität der ihm Anvertrauten Sorge tragen wird, kann ihm keine übergeordnete Behörde attestieren. Das können ihm nur die Gläubigen selbst sagen. Sie zu fragen wäre ein echter Vertrauensbeweis."

Quelle: katholisch.de


22.11.2020 Ein Kommentar von Florian Breitmeier über die Missbrauchsaufklärung im Erzbistum Köln, ein Interview über geistlichen Missbrauch mit Dr. Doris Reisinger und die Thematisierung von Klerikalismus durch Bischof Dieser, Aachen.

Quelle: www1.wdr.de


21.11.2020 Im Jahr 1958 wurde der Stadtpfarrer von Sigmaringen, Erzbistum Freiburg, wegen sexualisierter Gewalt an Kindern zu 3 Jahren Haft verurteilt. Er hat mehr als 50 Kinder missbraucht, 23 Eltern erstatteten Anzeige. Luise Leininger, Trägerin des Bundesverdienstkreuzes, erhielt 169 Unterschriften zur Unterstützung des Pfarrers. "Gute Katholiken" waren diejenigen, die den Täter unterstützten. Die anderen waren "schlechte Katholiken". Zur Verhandlung war lediglich die regionale Presse zugelassen.

Quellen: pressreader.com   spiegel.de


21.11.2020 Thomas Schüller, Kirchenrechtler, beobachtet, dass auch viele Gläubigen und ihre offiziellen verbandlichen Organisationen (z.B. das ZdK) dieses Thema eher verschämt ausschweigen. Schüller fragt: "Hat jemals ein geschundenes Opfer von sexueller Gewalt in der Kirche vor der Vollversammlung des ZdK gesprochen?"

Quelle: feinschwarz.net


20.11.2020 Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken überstimmt das eigene Präsidium und erklärt sexualisierte Gewalt zu einem "strukturellen Problem" der Kirche. Die Debatte ist mit voller Wucht zurück, meint Annette Zoch. Einer Mehrheit der Mitglieder des ZdKs gelang es, gegen den Willen von Präsident Thomas Sternberg eine Änderung der Tagesordnung durchzusetzen. Das Thema sexualisierte Gewalt sollte zuerst angesprochen werden, nicht erst am Abend. Tim-O. Kurzbach vom Diözesanrat im Erzbistum Köln, sagte, das Thema sexualisierte Gewalt sei bislang von Laien lieber verdrängt worden.

Quelle: Süddeutsche


20.11.2020 Die evangelische Kirche in Nordrhein-Westfalen will - gemeinsam mit der Lippischen Landeskirche, der Evangelischen Kirche im Rheinland und mit der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe - die Anerkennungszahlungen für kirchliche Betroffene durch eine neu zusammengesetzte unabhängige Kommission festlegen lassen. Die Zahlungen sollen sich an Schmerzensgeld-Tabellen orientieren. Die westfälische Kirche beteiligt sich an einer Studie der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) über die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen.

Quelle: domradio.de


20.11.2020 Florian Breitmeier, NDR, kommentiert die unsägliche Situation der katholischen Kirchenleitung in Köln. U.a. stellt Breitmeier fest, dass Kardinal Woelki zumindest Informationen und Einschätzungen des Gutachtens der Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl gekannt haben muss, "obwohl er nicht müde wurde zu betonen, er werde vom Inhalt des Gutachtens erst bei dessen Veröffentlichung erfahren." Breitmeiers Fazit: "Der Umgang mit Fällen sexualisierter Gewalt ist für die Glaubwürdigkeit der katholischen Kirche das zentrale Thema. Wenn sie hier scheitert, Betroffene hinhält, billig abspeist, für eigene Zwecke instrumentalisiert, Gutachten unter Verschluss hält, sich juristisch mit sich selbst beschäftigt, dann scheitert die Kirche als Institution insgesamt. Dann kann die katholische Kirche mit Blick auf ihre Glaubwürdigkeit einpacken. Dann endet auch der Synodale Weg, bevor er richtig begonnen hat. Der Reformprozess, den die Deutsche Bischofskonferenz als Reaktion auf den Missbrauchsskandal gemeinsam mit den Laien ins Leben gerufen hat. Aber ruhende Ehrenämter und folgenlose Schuldbekenntnisse werden nicht ausreichen, wenn nach wie vor so viele Fragen im Raum stehen: in Hamburg, in Köln und andernorts."

Quelle: NDR


20.11.2020 Der Erzbischof von Hamburg, Dr. Stefan Heße, hat sich in einem Schreiben an die Bischofskongregation im Vatikan gewandt. Er informiert über die aktuelle Situation, wird die irgendwann vorliegenden Untersuchungsergebnisse über den Missbrauchsfall Pfarrer A., mit dem Heße als Personalverantwortlicher im Erzbistum Köln befasst war, nach Rom schicken und bittet, dass die Bischofskongregation die Auswirkungen auf sein Amt als Hamburger Erzbischof prüft.

Quelle: Domradio


20.11.2020 „Am liebsten nicht mehr dran denken“ – das scheint die Strategie in vielen kirchlichen Prozessen zu sein. Die Theologin Johanne Rahner wirft den Blick auf den Umgang mit den Traditionsbeständen der Kirche. Wo sie besonders betont werden, werden sie meist deformiert und missbraucht – gerade auch in den aktuellen kirchlichen Debatten. In solcher Tradition entsteht eine Häresie der Vergesslichkeit, in der die eigene Pluralität negiert werden muss.

Quelle: feinschwarz.net


20.11.2020 Enrico Radice, ehemaliger Rektor des "Preseminario San Pio X" bestreitet, von Anschuldigungen wegen sexualisierter Gewalt gewusst zu haben. Vielmehr hätten sich ein mumaßliches Opfer und ein Zeuge einen Missbrauch aus wirtschaftlichem Interesse ausgedacht. Dem Priester Radice wird vorgeworfen, den Hauptangeklagten trotz der Missbrauchsvorwürfe geschützt und dessen Priesterweihe gefördert zu haben. Radice soll auch Ermittlungen behindert haben. Das Opfer habe die Taten zwischen 2009 und 2010 dem Rektor gemeldet, dieser habe aggressiv reagiert und das Opfer bedrängt, so dass die Misshandlungen weitergingen. Der Rektor bestreitet das. Im November 2019 warfen drei weitere ehemalige Präseminaristen Priestern ebenfalls sexuelle Belästigung vor.

Quelle: katholisch.de


20.11.2020 Kardinal Reinhard Marx, Erzbistum München, hat die Katholische Integrierte Gemeinde (KIG) in der Erzdiözese München und Freising aufgelöst. Das Erzbistum prüft außerdem „weitere Schritte zur Aufarbeitung". Bereits 2005 gab es ein Gutachten, das kirchenrechtswidrige Praktiken der Gruppierung monierte. Zuletzt hatte sich der emeritierte Papst Benedikt XVI. in der „Herder Korrespondenz" von der Katholischen Integrierten Gemeinde distanziert.

Quelle: erzbistum-muenchen.de


20.11.2020 Das Zentralkomitee der Dt. Katholiken (ZdK) hat einen Antrag verabschiedet, in dem es bedauert, nicht schon vor 2010 das Thema Missbrauch in den Blick genommen zu haben und es bekennt, dass auch das ZdK das Leid der Betroffenen oft nicht an sich herangelassen habe. Zudem fordert das ZdK, das Gutachten der Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl vollständig offen zu legen und die Ergebnisse zugänglich zu machen.

Laut Faz stand in einem ersten Entwurf noch: "Im Prozess der Aufarbeitung bewegt sich das Zentralkomitee der deutschen Katholiken loyal an der Seite der Deutschen Bischofskonferenz."

Quelle: antrag.zdk.digiv.de

Kommentar: Es ist bitter, aber wahr: Wer an der Seite der Bischofskonferenz steht, steht nicht an der Seite der Betroffenen.


20.11.2020 Das Erzbistum Köln lehnt die Bitte des Bistums Münster ab, das Sondergutachten der "Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl" zum Fall A. jetzt zu veröffentlichen. Dem Bistum Münster ist nur eine Ausarbeitung vom 1.8.2019 bekannt. Das Sondergutachten war von den Bistümern Köln, Münster und Essen in Auftrag gegeben worden.

Vor ziemlich genau einem Jahr, am 23.11.2019 sagte Kardinal Woelki: "Wir müssen die Zusammenhänge gründlich aufklären. Es liegt auf der Hand, dass Personen hier ihrer Verantwortung nicht gerecht geworden sind und Kinder und Jugendliche wissentlich einer erheblichen Gefährdung ausgesetzt haben. Deshalb will ich schon jetzt alle Betroffenen um Vergebung bitten. Ich schäme mich für das, was hier geschehen ist."

Quelle: Kirche und Leben


19.11.2020 Der Hamburger Erzbischof Heße lässt sein Amt als Geistlicher Assistent des Zentralkomitees der deutschen Katholiken ruhen. Nicht der Präsident des Zentralkomitees, sondern die Arbeitsgemeinschaft der katholischen Organisationen Deutschlands, die 125 katholische Organisationen vertritt, hatte ihn aufgefordert, sein Amt ruhen zu lassen. Heße sagte, es sei ihm ein großes Anliegen, dass sexueller Missbrauch aufgearbeitet werde, nur die Wahrheit mache frei. Jegliches Vertuschen schließt Heße für sich persönlich ausdrücklich aus.

Quelle: Süddeutsche


19.11.2020 Die Evangelische Hochschulgemeinde Köln veröffentlicht das Positionspapier der Katholischen Hochschulgemeinde Köln: "Wir wollen glaubwürdig bleiben." Das Erzbistum Köln hat nämlich die Internetseite der Katholischen Hochschulgemeinde (KHG) Köln gesperrt. Grund sei anhaltende Kritik an der kirchlichen Sexualmoral und am kirchlichen Lehramt. Die Theologin Julia Knop sagt, gerade eine solche Reaktion zeige, wie berechtigt die Forderungen der Studierenden sind. Das Positionspapierlege "ganz massiv den Finger in die Wunde der Situation im Erzbistum Köln".

Quellen: esgkoeln.de  kirche-und-leben.de


19.11.2020 Das Buch Erzählen als Widerstand. Berichte über spirituellen und sexuellen Missbrauch an erwachsenen Frauen in der katholischen Kirche wurde heute in einer Pressekonferenz vorgestellt. Es zeigt an 23 Berichten von Frauen - Ordensfrauen, Kirchenmitarbeiterinnen, Engagierte, Studentinnen und Pfarreiangehörige -, dass spiritueller und sexueller Missbrauch eng verbunden sind und auch erwachsene Frauen trifft. Nach Einschätzung des KDFB gibt es eine hohe Dunkelziffer an in der Kirche missbrauchten Frauen. Die Mitherausgeberin Barbara Haslbeck kommentiert: "Es ist erschütternd wahrzunehmen, wie das Spirituelle hier ein dämonisches Gesicht bekommt. Täter benutzen Spirituelles, um die Übergriffe anzubahnen und zu rechtfertigen.” Die Regensburger Pastoraltheologin Ute Leimgruber stellt fest: „Wenn zum Beispiel der Täter gleichzeitig der Exerzitienleiter der Betroffenen ist, kann man nicht von Begegnung auf Augenhöhe zwischen den beiden Personen sprechen. Das Buch zeigt: Missbrauch ist alltäglich, weil Machtverhältnisse alltäglich sind.” Frauen in der Kirche sind einer "doppelten Asymetrie" ausgeliefert: Frauen gegenüber Klerikerm und Frauen gegenüber Männern.

Quelle: vaticannews.va


19.11.2020 Im Mai 2020 trat Propst Bernhard Backovsky von Stift Klosterneuburg zurück. Am 21.10.2020 wurde der Kurienbischof Josef Clemes als päpstlicher Delegat bestimmt. Nun begründet der Vatikan diese Maßnahme: "Das Dekret begründet den Einsatz eines päpstlichen Delegaten mit der Feststellung, dass der ehemalige Propst Bernhard Backovsky die Situation rund um den von Mitgliedern und ehemaligen Mitgliedern des Stiftes begangenen Missbrauch nicht angemessen gehandhabt hat."

Quelle: ORF


19.11.2020 Das Bistum Münster stellt fest, dass der Priester A. im Erzbistum Köln inkardiniert war und daher die Verantwortung für die Aufarbeitung der Missbrauchstaten beim Erzbistum Köln liegt. Das Bistum Münster hat sämtliche Akten zum Fall A. 2019 nach Köln geschickt und fordert das Erzbistum Köln auf,  das Sondergutachten der Kanzlei Westphal Spilker Wastl zum Fall A. "unmittelbar" zu veröffentlichen. Bis heute wurde das Bistum Münster nicht über mögliche weitere Erkenntnisse in der Angelegenheit des Pfarrers A. informiert, kann also auch - entgegen dem Hinweis des Erzbistums Köln (Quelle 2)- keine Fragen beantworten.

Soweit Pfarrer A. im Bistum Münster gearbeitet hat und Verantwortliche aus dem Bistum Münster benannt wurden, haben diese schon im November 2019 nach Veröffentlichung durch das Erzbistum Köln reagiert - mit einem Schreiben vom 22.11.2019 von Bischof Genn, in dem auch die Betroffenen in den Blick kamen (!), mit einem Infoabend in Westerkappeln am 21.11.2019 und am 28.11.2019 in Recklinghausen.

Quelle: Kirche und Leben


19.11.2020 Als "jahrzehntelange Aneinanderreihung schwerer Fehler" hat der Kölner Kardinal Woelki den Umgang mit einem zweimal wegen Missbrauchs verurteilten Priester bezeichnet. Kommentar: Der Erzbischof benutzt Passivformen, die es erlauben, die handelnden Personen nicht zu benennen: Es ist nicht gehört worden, es ist verheimlicht worden, es ist nicht ausreichend informiert worden, es ist nicht bestraft worden...

Quelle: Domradio


19.11.2020 Der emeritierte Bischof Mussinghoff sagte: "Ich fühlte mich überfordert - vor allem mit Opfergesprächen." Hier offenbart ein Bischof, dass er mit der Sorge um Seelen überfordert war. Das ist ungefähr so, als würde eine Friseurin sagen: "Ich fühlte mich überfordert - vor allem mit Haareschneiden." So kommentiert Detlef Esslinger und zitiert Hans Zollner, der das Kinderschutz-Zentrum an der Päpstlichen Universität Gregoriana leitet: "Ich glaube, dass wir bei Weitem noch nicht so weit sind, dass man sagen kann, die katholische Kirche hat verstanden, welches Leid die Institution über die Betroffenen gebracht hat."

Quelle: sueddeutsche.de


19.11.2020 Im Skandal um sexualisierte Gewalt in der katholischen Kirches geraten offenbar der Hamburger Erzbischof Stefan Heße und der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki unter Druck. Betroffene werfen Woelki jetzt „Missbrauch von Missbrauchsopfern“ vor. Offensichtlich wurde Kardinal Woelki bereits im Frühjahr 2019 bekannt, dass der frühere Personalchef des Erzbistums Köln, Heße, und weitere ehemalige Verantwortliche von Woelki informiert wurden, dass sie sich „in mehrerer Hinsicht rechtswidrig“ verhalten hätten. Bereits Mitte September 2020 gab das Erzbistum ein Gegengutachten in Auftrag. Die Aufkündigung der Zusammenarbeit mit der "Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl" war von langer Hand geplant. Der Betroffenenbeirat jedoch wurde "überrumpelt" und "unter Druck gesetzt".

Quelle: DLF


18.11.2020 Pfarrer A. missbrauchte Kinder und wurde zweimal verurteilt. Die Kirche setzte ihn über Jahrzehnte weiterhin als Seelsorger ein. Ende 1963 wurden erste Vorwürfe bekannt, 2019 wurde ein kirchenrechtliches Verfahren durch Kardinal Woelki eingeleitet. Es waren 9 Bischöfe und zwei Personalchefs, die später Bischöfe wurden, die den Täter schützten: Erzbischof Josef Frings, Erzbischof, später Kardinal Joseph Höffner; Hauptabteilungsleiters Seelsorge-Personal, der heutige Erzbischof von Hamburg; Bischof Heinrich Tenhumberg, Münster; Bischof Reinhard Lettmann, Münster; der damalige Generalvikar und spätere Erzbischof von Hamburg Werner Thissen; Kardinal Joachim Meisner; Weihbischof Stefan Zekorn, Münster; Bischof Hubert Luthe; Bischof Felix Genn, Essen und Münster; Bischof Overbeck, Essen.

Quelle: zeit.de


18.11.2020 Der von der unabhängigen staatlichen Untersuchungskommission zu Kindesmissbrauch in England und Wales (IICSA) vorgestellte Missbrauchsbricht wirft Kardinal Nichols, Vorsitzender der Bischofskonferenz, Versäumnisse im Umgang mit Missbrauchsfällen vor. Zwar habe der Erzbischof von Westminster um Entschuldigung gebeten, jedoch keine persönliche Verantwortung übernommen. Medienberichte habe er zu unterbinden versucht und lange abgelehnt, ein mutmaßliches Opfer zu treffen. Versäumnisse sieht die Untersuchungskommission auch beim Vatikan und dem Papstbotschafter, Erzbischof Edward Adams, die der Bitte um Informationen nicht nachgekommen seien. In England und Wales gerieten 931 Geistliche, Ordensleute und Laien von 1970 bis 2015 in Missbrauchsverdacht. Mehr als 3.000 Fälle wurden angezeigt. Nur 177 Täter angezeigt, in 133 Fällen kam es zu einer Verurteilung. Auch nach 2015 habe es jährlich ca 100 Anschuldigungen gegeben.

Quellen: vaticannews.va

Link zum Bericht


18.11.2020 Der Vorstand der Gesellschaft Katholischer Publizisten (GKP) hat sich für eine Veröffentlichung der Kölner Untersuchungsergebnisse zum sexuellen Missbrauch ausgesprochen. Er solidarisiert sich mit den Betroffenen, die, wie die Öffentlichkeit auch, einen Anspruch auf die Wahrheit hätten und nicht zum zweiten Mal zu Opfern gemacht werden dürften.

Quelle: gkp.de


18.11.2020  Der Essener Bischof Overbeck hat als erster deutscher Bischof eingestanden, persönliche Schuld für den Einsatz eines Missbrauchspriesters in seinem Bistum zu tragen. "Ich habe Schuld auf mich geladen... Ich habe die Verantwortung am Anfang meiner Zeit als Bischof nicht richtig wahrgenommen. Ich hätte die Unterlagen lesen müssen, um dann Konsequenzen daraus zu ziehen." Von Rücktritt sprach Bischof Overbeck nicht. Er sagte: "Verantwortung zu übernehmen heißt für mich lernen. Das halte ich in diesem Fall für angemessen. Es kann andere Fälle geben, da müsste ich vielleicht andere Zeichen setzen."

Als unverständlich bezeichnet Overbeck, dass Anfang 2010, als alle Missbrauchstäterakten durchgeschaut wurden, kein Handlungsbedarf im Fall von Pfarrer A. gesehen wurde.

Quellen: katholisch.de

Untersuchungsbericht über den Einsatz des Ruhestandsgeistlichen A. im Bistum Essen - axis Rechtsanwälte GmbH  Köln, 12.11.2020

Brief des Bischofs an die Gemeinde, in der der Ruhestandsgeistliche ab 2001  tätig war.

24.11.2019 Bischof Overbeck besucht die Gemeinde, in der der Ruhestandsgeistliche 2001-2015 tätig war.


18.11.2020 Ein weiteres Mitglied des Betroffenenbeirates im Erzbistum Köln, der Mitbegründer des Betroffenenbeirates, Patrick Bauer,  tritt zurück. Das Gremium ist nicht mehr beschlussfähig. Bauer begründet seinen Rücktritt mit der mangelnden Fürsorge im Umgang mit den teils schwer traumatisierten Betroffenen von sexueller Gewalt. Er habe ohne Erfolg diese Fürsorge immer wieder bei der Bistumsleitung angemahnt.

Im Interview sagt das bisherige Mitglied des Betroffenbeirats Haucke: "Ich halte das [den Umgang von Kardinal Wölki und anderen mit dem Betroffenenbeirat] heute für eine gezielte Irreführung" und fährt fort: "Aber die Erkenntnisse müssen toxisch sein aus Sicht des Erzbistums. Sonst würden sie sich nicht derart der Kritik der Öffentlichkeit und dem Zorn vieler Betroffener aussetzen, um das zu unterdrücken. Das bisherige Mitglied Bauer plädiert dafür, die Münchener Untersuchung zu veröffentlichen.

Quellen: www1.wdr.de   sueddeutsche.de


18.11.2020 Ein Sondergutachten der "Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl" wirft dem früheren Kölner Kardinal Höffner vor, gegen Pfarrer A. (87) kein kirchenrechtliches Verfahren eingeleitet zu haben und ihn nach einer Verurteilung wegen fortgesetzter Unzucht mit Kindern in der Seelsorge eingesetzt zu haben. Auch Höffners Nachfolger, Kardinal Meisner, habe von den Verbrechen gewusst und pflichtwidrig auf jegliche Sanktionierung kirchlicherseits und auf Maßnahmen zum Schutz gefährdeter Minderjähriger verzichtet zu haben. Pfarrer A. war auch im Bistum Münster eingesetzt und ab 2002 Ruhestandsgeistlicher im Bistum Essen. - Die Kölner Anwaltskammer kritisiert die andauernde Verschwiegenheitsverpflichtung der "Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl", die das Erzbistum der Kanzlei auferlegt hat. Es sei zu prüfen, ob die veröffentlichte Kritik der Strafrechtsprofessoren Jahn und Streng und das neue Gutachten von Gercke die Kanzlei Westpfahl...  "in ihren eigenen Rechten verletzt".

Quelle: katholisch.de


18.11.2020  Michael Schenk beschuldigt einen inzwischen verstorbenen Beueler Pfarrer des sexuellen Übergriffs. Er hofft auf Klärung möglicher weitere Fälle und fordert ein Ende des institutionellen Machtmissbrauchs im Erzbistum: "Erst wenn die Kirche tief bereut und bekennt, dann kann ich verzeihen."

Quelle: ga.de


17.11.2020 Wilton D. Gregory, Erzbischof von Washington, sagt angesichts des McCarrick-Berichtes: „Für einen Priester kann es kein schlimmeres Versagen geben – außer vielleicht, so ein Verhalten bei anderen mitzubekommen, aber nichts dagegen zu tun.“ Nie wieder dürfe es so weit kommen, dass Opfer sich nicht trauten, auszusagen, weil sie den geballten Machtapparat der Kirche gegen sich hätten. (vgl. jedoch die Ereignisse im Erzbistum Köln)

Quelle: vaticannews


Buch-Hinweis: Gefährliche Seelsorge? Geistiger und geistlicher Missbrauch


17.11.2020 Slawomir Oder, Postulator im Heiligsprechungsverfahren für Papst Johannes Paul II., hält Papst Johannes Paul II. für unschuldig an der kirchlichen Karriere des Missbrauchstäters McCarrick, denn er habe vor dessen Ernennung zum Erzbischof von Washington mehr über McCarrick erfahren wollen, sei jedoch von ihm belogen worden. Der McCarrick-Bericht belege schwarz auf weiß, dass erst 2017 glaubwürdige Anschuldigungen öffentlich wurden.

Quelle: katholisch.de


16.11.2020 Bischof Dieser, Bistum Aachen, sagte, das Gutachten der "Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl" sei der Anfang der Aufarbeitung. Entscheidend sei der Perspektivwechsel hin zur Betroffenenperspektive. Damit dies gelinge, müssten die vielfältigen Formen von Klerikalismus erkannt und überwunden werden. Ein Betroffenenbeirat solle gegründet werden und eine unabhängige Kommission eingerichtet werden, die die Aufarbeitung aktiv begleiten solle. Auf die Betroffenen will das Bistum proaktiv zugehen und bittet, erfahrenen MIssbrauch zu melden unter www.missbrauch-melden.de. Bis zum 20.11.20 ist eine Hotline (0241-452 225) eingerichtet. Transparent will das Bistum die Öffentlichkeit informieren: www.bistum-aachen.de/aufarbeitung.

Quelle: Bistum Aachen

GUTACHTEN BISTUM AACHEN

Kommentar: Bischof Hemmerle war es kurz vor seinem Tod im Januar 1994 immerhin möglich, zu den Betroffenen zu fahren und mit ihnen zu sprechen. Das geschah in einer Zeit, von der andere Bischöfe sagen, sie hätten nichts über sexualisierte Gewalt und dessen Folgen gewusst. Hemmerle zeigt: Auch andere Bischöfe hätten wissen können, was die sexualisierte Gewalt anrichtet - wenn sie denn gewollt hätten.


16.11.2020 Die Bundesverbände der Pastoral- und Gemeindereferentinnen und -referenten fordern vor dem Hintergrund der Ereignisse im Erzbistum Köln eine ehrliche und schonungslose Aufklärung aller Missbrauchsfälle im Bereich der katholischen Kirche. Der Umgang des Erzbistums Köln mit der Aufklärung schadete der Glaubwürdigkeit auch des Synodalen Weges. Daher rufen die Verbände den Synodalen Weg auf, Stellung zu beziehen.

Quelle: Kirche und Leben


16.11.2020 Bischof Dieser, Aachen, bat Altbischof Heinrich Mussinghoff (80) und dessen früheren Generalvikar Manfred von Holtum (76), einen "persönlichen Prozess der Selbstreflexion" über ihren Umgang mit Missbrauchsfällen zu beginnen. Er appellierte an die früheren Führungskräfte der Diözese, auf juristische Schritte gegen das Gutachten zu verzichten und die Perspektive der Opfer einzunehmen. Dieser wies seinen Vorgänger im Amt auch darauf hin, dass das Gutachten nicht die Lebensleistung Mussinghoffs und von Holtums bewerte, sondern ihren Umgang mit dem Thema sexueller Missbrauch.

Quelle: Kirche und Leben


16.11.2020 Kardinal Gulbinowicz, Alterzbischof von Breslau, ist gestorben. Im November hatte ihm der Vatikan wegen sexueller Gewalt gegen einen Minderjährigen Gottesdienste und die Nutzung der Bischofsinsignien untersagt und als posthum abzuleistende Strafe die Trauerfeier und die Beisetzung in der Kathedrale ausgeschlossen.

Quelle: domradio


16.11.2020 Christiane Florin kommentiert "das Schweigen der Laien" angesichts der Nichtveröffentlichung der Studie im Erzbistum Köln. Betroffene fühlten sich wieder missbraucht – und Laienverbänden falle es schwer, für die Opfer Partei zu ergreifen. Sowohl die Bischofskollegen des Kölner Erzbischofs schweigen als auch das Zentralkomitee der Katholiken. Florin sagt: "Sollte jemand Partei für die Kölner Betroffenen ergreifen, könnte das als feindlicher Angriff auf den Amtsbruder aufgefasst werden. ... Es gilt vielen Laien als Ekelthema. Die Betroffenen stören nicht nur die da oben, sie stören auch an der Basis. Und deshalb funktioniert das System."

Quelle: DLF


16.11.2020 Die katholische Kirche in Polen erlebt eine Vertrauenskrise. 65,7 Prozent der Polen sind der Meinung, die Kirche spiele eine negative Rolle im öffentlichen Leben. Zu dieser Vertrauenskrise tragen auch Vorwürfe gegen den Krakauer Kardinal Stanislaw Dziwisz bei, der fast 40 Jahre lang Privatsekretär des polnischen Papstes Johannes Paul II. war. Dziwisz wird vorgeworfen, sexuellen Missbrauch in der Kirche gedeckt und die Opfer im Stich gelassen zu haben. Der polnische Nachrichtensender TVN24 weist darauf hin, dass Dziwisz sowohl McCarrick als auch den Gründer der Legionäre Christi, Degollado, gestützt habe, obwohl er von beiden wusste, dass sie sexualisierte Gewalt gegen Minderjährige verüben. Kardinal Dziwisz weist alle Vorwürfe zurück. - Der Vorsitzende der polnischen Bischofskonferenz, Erzbischof Stanislaw Gadecki, verteidigt Papst Johannes Paul II.: "Der Fall des ehemaligen Kardinals McCarrick ist auch ungerecht für den heiligen Johannes Paul II., der von ihm zynisch betrogen wurde." Piotr Studnicki, Leiter des Büros für Kinder- und Jugendschutz, spricht davon, dass  das Nichtaufklären der ganzen Kirche geschadet hat.

Quelle: katholisch.de


16.11.2020  Der neue Sprecher des Beauftragtenrates zum Schutz vor sexualisierter Gewalt in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Christoph Meyns, wünscht sich eine intensive Beteiligung Betroffener, um Missbrauchsfälle aufzuarbeiten.

Quelle: evangelisch.de


15.11.2020 Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche sagt im Blick auf die Aufklärung und Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in Einrichtungen der evangelischen Kirche, Gründlichkeit gehe vor Schnelligkeit. Bisher hat die EKD ca 7,4 Millionen Euro an materiellen Leistungen an Betroffene gezahlt. Die Zahlungen orientieren sich an vergleichbaren Schmerzensgeldern.

Quelle: sueddeutsche.de


14.11.2020 Der Regensburger Kirchenhistoriker Klaus Unterburger fordert, dass der Vatikan sich bei Heiligsprechungen Zeit nehmen solle. Im Fall von Johannes Paul II. sei zu fragen, ob dieser heilig gesprochene Papst nicht ein Stück weit im Blick auf die Skandale des sexuellen Missbrauchs weggesehen habe. Zudem sei die hohe Zahl von Papst-Heiligsprechungen "eine Form der Selbst-Sakralisierung". 

Quelle: katholisch.de

Kommentar: Papst Johannes Paul II. (1978-2005) hat auch die Anzeigen gegen Maciel Marciel Degollado, den Gründer der Legionäre Christi, nicht ernst genommen. 1978 und 1989 schrieb der amerikanische Psychologieprofessor Juan Vaca, früher selbst Präsident der Legionäre, an den Papst und berichtete von seinem Missbrauch. Eine Antwort erhielt er nicht. 1999 (oder 1997) reichten 20 ehemalige Seminaristen eine Anzeige im Vatikan ein. Die folgende Untersuchung wurde 2002 wieder abgebrochen und erst 2005 wieder aufgenommen. Es geht also nicht nur um den Fall des ehemaligen Kardinals McCarrick, bei dem Papst Johannes-Paul II. weggeschaut hat. 


14.11.2020 Das Dekanat der Katholisch-Theologischen Fakultät in Tübingen hat Hinweise auf mögliche Übergriffe in den letzten zehn Jahren erhalten. Betroffene können sich an die Gleichstellungsbeauftragte und den Dekan wenden.

Quelle: swr


13.11.2020 Die Auseinandersetzung um die Rolle von Papst Johannes Paul II. im Umgang mit Missbrauchsfällen, vor allem im Umgang mit dem inzwischen laisierten Kardinal McCarrick geht weiter. Polnische Bischöfe verteidigen den polnischen Papst Johannes Paul II. Der Vorsitzende der Polnischen Bischofskonferenz, Erzbischof Stanislaw Gadecki, sagt, Papst Johannes Paul II. sei von McCarrick betrogen worden. Außerdem hätten die US-amerikanischen Bischöfe den Papst vor der Nominierung von McCarrick zum Erzbischof von Washington nicht richtig informiert.

Quelle: katholisch.de


13.11.2020 Neben dem BDKJ fordert auch der Vorstand des Diözesanrates der Katholiken im Erzbistum Köln, dass die Täter und Vertuscher endlich klar benannt werden. Diese Forderung wurde bereits am 4.10.2018 beschlossen - auf eine Antwort von Erzbischof Woelki und der gesamten Bistumsleitung wartet der Diözesanrat noch immer. Die besondere Sorge des Diözesanrates gilt den Betroffenen. Der Betroffenenbeirat müsse gestärkt werden.  Die juristische Ebene ersetze nicht die moralisch-ethische Verantwortung, sagt der Diözesanrat.     

Quellen: diözesanrat.de   honnef-heute


12.11.2020 In Polen wird die Kritik am ehemaligen Papstsekretär Kardinal Stanislaw Dziwisz, Krakau, lauter. Der Abgeordnete Bartlomiej Sienkiewicz nennt den 81-Jährigen einen "Betrüger und Menschen mit doppelten Gesicht". Dziwisz habe Missbrauchstäter geschützt.

Quelle: katholisch.de


12.11.2020 Das Bistum Passau sucht Bewerber*innen für den geplanten unabhängigen Betroffenenbeirat. Wer die Mitglieder auswählt, ist nicht bekannt.

Quelle: bistum-passau.de


12.11.2020 Annette Zoch und Matthias Drobinski beschreiben die jahrzehntelange "systemische Verantwortungslosigkeit" im Bistum Aachen. Die Verursacher sexueller Gewalt wurden geschützt, nicht die Betroffenen. Zoch und Drobinski konstatieren, dass die Kirche auf der falschen Seite stand.

Quelle: Süddeutsche


12.11.2020 Matthias Drobinski kommentiert die Veröffentlichung des Berichts der "Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl" über den Umgang mit Betroffenen im Bistum Aachen. Drobinski registriert den Perspektivwechsel hin zu den Betroffenen und betont, dass der Bericht die systemische Verantwortungslosigkeit mit konkreten Namen (unter vielen anderen Bischof Mussinghoff) verbindet. Zwar würde Bischof Mussinghoff Fehler zugeben - aber keinesfalls persönliche Schuld eingestehen. Die Veröffentlichung des Berichts im Bistum Aachen ist ein "mutiger Schritt" des jetzigen Bischofs Dieser und des Generalvikars Frick. Im Erzbistum Köln wird ein gleichartiges Gutachten der "Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl" nicht veröffentlicht. Drobinski vermutet als Motiv dafür, dass die Kölner Verantwortlichen unfähig sind zu sagen: Ich habe Fehler gemacht. Ich übernehme die Verantwortung dafür.

Quelle: sueddeutsche


12.11.2020 Karl Haucke, zweiter Sprecher des Beirats von Betroffenen sexualisierter Gewalt im Erzbistum Köln hat sein Amt niedergelegt und wird den Betroffenenbeirat verlassen. Er fühlt sich instrumentalisiert für das Interesse der Verantwortlichen im Erzbistum Köln, das Gutachten der "Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl" nicht zu veröffentlichen.

Thomas Schüller, Kirchenrechtler, spricht von einer „gezielten Desinformation der Öffentlichkeit” bei der die Opfer sexueller Gewalt „zum zweiten Mal instrumentalisiert werden, um kirchenpolitisch Schaden vom Erzbistum Köln abzuwenden”.

Quelle: katholisch.de   www1.wdr.de

Kommentar: Das Erzbistum Köln gibt mit seinem Umgang mit dem Betroffenenbeirat an jene Betroffenen, die prüfen, ob sie sich in ihrem Bistum zum Betroffenenrat melden wollen, das Signal: Meldet euch lieber nicht, es droht ein erneutes Benutzt-Werden.


12.11.2020 Nachdem im November der staatliche Untersuchungsbericht über Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche von England und Wales veröffentlicht wurde, haben sich die Bischöfe bei allen Opfern und Überlebenden entschuldigt. Kardinal Nichols, Erzbischof von Westminster, wird vorgeworfen, er habe keine persönliche Verantwortung übernommen und kein Mitgefühl mit den Opfern gezeigt. Das Ansehen der Kirche sei ihm wichtiger gewesen. Der Bericht dokumentiert von 1970 bis 2015 über 900 Beschwerden wegen 3.000 Missbrauchsfällen gegen mehr als 900 Betroffene. In dieser Zeit gab es 177 Strafverfahren und 133 Verurteilungen. Seit 2006 wurden der Kirche jährlich über 100 Anschuldigungen gemeldet. Die Bischöfe werden aufgefordert, darauf hinzuwirken, dass das kirchliche Gesetzbuch Kindesmissbrauch als Verbrechen einstuft, nicht als Verstoß gegen das 6. Gebot. Der Bericht kritisiert, dass der Vatikan nur begrenzt Informationen bereitstellte - in der Regel lediglich bereits öffentlich bekannte Fälle.

Quelle: katholisch.de


12.11.2020 Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) im Erzbistum Köln kritisiert Kardinal Woelki für den Umgang mit der von ihm in Auftrag gegebenen Missbrauchsstudie. Der Erzbischof und sein Generalvikar Markus Hofmann hätten „innerhalb eines Jahres durch ihr Handeln das Vertrauen vieler Betroffener von sexualisierter Gewalt in der katholischen Kirche erneut zerstört“, erklärt der BDKJ und fordert Kardinal Woelki zum Rücktritt auf.

Quelle: Kirche und Leben   BDKJ


12.11.2020 Thomas Schüller, Kirchenrechtler, nennt das Gutachten des "Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl" für das Bistum Aachen den "Goldstandard". Er "bewertet das Gutachten als 'qualitativ präzise' und 'fachlich hochwertig'. Er kommentiert „Hinter diesen Bericht wird kein Bistum zurückgehen können, und jeder weiß jetzt, welche Angst das Erzbistum Köln umtreibt, verzweifelt den für Köln erstellten Bericht mit allen Kräften nicht der Öffentlichkeit zu übergeben.“

In der MHG-Studie, die Missbrauchsfälle von 1934 bis 2016 untersuchte, war von 86 Betroffenen und 55 Beschuldigten die Rede. Die Kanzlei "Westpfahl Spilker Wastl fand von 1965 bis 2019 81 Priester (darunter 2 Diakone) als Täter und 175 Betroffene.

Quelle: KStA


12.11.2020 Das Gutachten der Kanzlei "Westpfahl Spilker Wastl" "Sexueller Missbrauch Minderjähriger und erwachsener Schutzbefohlener durch Kleriker im Bereich des Bistums Aachenim Zeitraum 1965 bis 2019 - Verantwortlichkeiten, systemische Ursachen, Konsequenzen und Empfehlungen" kann auf der Kanzlei-Seite nachgelesen werden.

Quellen: westpfahl-spilker.de

zeit.de   Süddeutsche  FAZ  Pressekonferenz


11.11.2020 Moritz Bauer denkt über das problematische Narrativ "Reinheit der Kinder/kindliche Unschuld" im Kontext der Missbrauchskrise nach und stellt fest: "Die Kirche blockiert durch eine ausbleibende ernsthafte Reflexion und hierauf basierende Revision ihrer Sexualmoral eine adäquate Aufarbeitung des Missbrauchsgeschehens. Wie das thematisierte Beispiel der kindlichen Unschuld zeigt, scheint eine wissenschaftliche Reflexion jedoch dringend geboten."

Quelle: feinschwarz.net


11.11.2020 Der Skandal um sexuellen Missbrauch in der polnischen katholischen Kirche erreicht immer höhere Kreise. Mit Kardinal Dziwisz steht nun ein enger Vertrauter von Papst Johannes Paul II. unter Vertuschungsverdacht.

Quelle: dw.com


11.11.2020 Ein Priester des Erzbistums Köln war in drei Bistümern - Köln, Münster und Essen - tätig, auch nachdem er 1972 erstmals, 1988 ein zweites Mal wegen sexualisierter Gewalt an Minderjährigen verurteilt wurde. Bis 2019 war er im Dienst. Nun, nach 48 Jahren, nimmt die Glaubenskongregation das Verfahren an sich.

Quelle: katholisch.de


11.11.2020 Nachdem der Vatikan seine Untersuchung über den McCarrick-Fall veröffentlicht hat, äußern US-amerikanische Bischöfe ihre Trauer und ihr Bedauern. Drei Päpste ließen trotz ihres Wissens McCarrick gewähren. Auch die Ortsbischöfe in den USA schritten nicht oder nicht ausreichend deutlich ein. Eines der Opfer von McCarrick, Robert Ciolek, äußert seine Enttäuschung, wie wenig sich die Kirchenführer für die Aussagen der Betroffenen interessiert haben. Ciolek fragt: "Hätte das nicht wichtig sein müssen für eine Kirche, die moralische Führung beansprucht?"

Quelle: katholisch.de


10.11.2020 Das Bistum Münster hat mit bestehenden Betroffenengruppen die Beteiligung Betroffener an der Aufklärung kirchlicher Missbrauchsfälle beraten und wird im Dezember zu einem Treffen der Betroffenen einladen, die Interesse an einer Mitarbeit haben. Die Betroffenen werden also ihre eigenen Vertreter wählen - anders als in anderen Bistümern, in denen die Mitglieder der Betroffenenräte von der Kirche ausgewählt werden.

Quelle: kirche-und-leben.de


10.11.2020 Die Polnische Bischofskonferenz erwartet, dass der Vatikan die Vertuschungsvorwürfe gegen Kardinal Stanislaw Dziwisz, der von 1978 bis 2005 Privatsekretär von Papst Johannes Paul II. war, prüft. In der Reportage "Don Stanislao. Das andere Gesicht von Kardinal Dziwisz" wird Dziwisz beschuldigt, Hinweise auf sexualisierte Gewalt gegen Kinder durch Marcial Maciel Degollade und den früheren Kardinal McCarrick ignoriert und vertuscht zu haben. In der Reportage wird auch gesagt, McCarrick habe 1988 für eine Privataudienz mit Papst Johannes Paul II. 10.000 Dollar an Dziwisz gezahlt. Sein Opfer war bei der Papstaudienz im Juli 1988 dabei, er sollte den damaligen Erzbischof von Newark entlasten.

Quelle: katholisch.de   tagesschau, 11.11.2020


10.11.2020 Die Stadt Breslau/Wroclaw prüft, ob sie dem polnischen Kardinal Henryk Gulbinowicz die Ehrenbürgerwürde aberkennen will. Gulbinowicz wird des sexuellen Missbrauchs eines Minderjährigen und der Zusammenarbeit mit dem früheren kommunistischen Geheimdienst beschuldigt.

Quelle: katholisch.de


10.11.2020 Ein vatikanischer Untersuchungsbericht über den ungehinderten Aufstieg des ehemaligen Kardinals McCarrick liegt vor. Eine wichtige Entscheidung geschah in der Ernennung zum Erzbischof von Washington und damit zum Kardinal. Zwar rieten der damalige Nuntius in Washington, Gabriel Montalvo, und der Leiter der Bischofskongregation, Giovanni Battista Re, davon ab, McCarrick in die US-Hauptstadt zu versetzen, weil es Gerüchte gab. Die "Gerüchte" waren in einem Brief von Kardinal O'Connor, Erzbischof von New York, datiert vom 28.10.1999, an den Apostolischen Nuntius zusammengefasst und erreichten auch Papst Johannes Paul II. (Bericht S. 5 ff). Im August 2000 beteuerte McCarrick gegenüber dem päpstlichen Privatsekretär Stanislaus Dziwisz, niemals sexuelle Beziehungen mir irgendeiner Person gehabt zu haben. Johannes Paul II., der den Brief erhielt, glaubte McCarrick. Als 2005 erneut Anschuldigen wegen sexueller Ausbeutung Erwachsener auftauchten, forderte Papst Benedikt XVI. den Rücktritt McCarricks und nahm ihn 2006 an. Ein offizielles Verfahren wurde nicht eröffnet, weil es bis dahin keine Anschuldigungen wegen Missbrauchs Minderjähriger gab. McCarrick wurde mündlich und schriftlich ermahnt und ihm wurde ein zurückgezogenes Leben auferlegt. Rom duldete jedoch, dass der Kardinal weiterhin reiste. Im SOmmer 2017 tauchten konkrete Missbrauchsbeschuldigungen Minderjähriger auf. Der Vatikan eröffnete ein Verfahren, McCarrick wurde zunächst aus dem Kardinalsstand, später aus dem Klerikerstand entlassen. Es ist unbekannt, ob unabhängige Experten am der Untersuchung und dem Bericht beteiligt waren.
Quellen: vatican.va  katholisch.de


10.11.2020 Die Evangelische Kirche in Deutschland sieht sich bei der Missbrauchsaufarbeitung auf einem guten Weg. Betroffene sehen das anders. Kerstin Claus bemängelt, dass es oft gar keine Aufklärung gebe. Aufarbeitung könne nur auf der Basis von Aufklärung geschehen. Aufklärung schaut nach den begünstigenden Faktoren; nach denen, die nicht hingeschaut haben, die Täter geschützt haben. In diese Aufarbeitung müssten Betroffene gleichberechtigt einbezogen werden, die Deutungshoheit dürfe nicht bei der Kirche liegen. Ihrer Einschätzung nach sind die Betroffenen im evangelischen Setting (Jugendarbeit, Konfirmation) älter als die in der katholischen Kirche Betroffenen. Dann ist es eben nicht "die erste misslungene Liebesbeziehung", sondern sexualisierte Gewalt. Bislang habe die EKD keine Strukturen geschaffen, damit sich Betroffene in unabhängigen Stellen melden können. Notwendig sei in beiden Großkirchen, dass Betroffene nicht emotionalisiert und damit marginalisiert werden ("Ich verstehe ja, dass Sie das belastet!"), sondern "in ihrer Expertise, in ihrer Kenntnis auch um Täterstrategien wahrgenommen werden."

Quelle: Domradio


10.11.2020 Klaus Mertes verurteilt die Nichtveröffentlichung des Kölner Gutachtens über den Umgang der Bistumsleitung des Erzbistums Köln mit Missbrauchsfällen. Zum Umgang des Erzbistums mit dem Betroffenenrat sagt Mertes: „Es ist dieselbe Konstellation, in der die Missbrauchstäter nachträglich zu ihren Opfern sagen: 'Ihr habt doch selbst gewollt und mitgemacht.' Genau diesen Text müssen sich die Betroffenen nun wieder anhören.“ Er plädiert für die Unabhängigkeit der Betroffenenvertreter, weil vom Bischof - wie in Köln - ausgewählte Mitglieder schon strukturell nicht auf Augenhöhe seien. Mertes fragt: „Und jetzt will eben diese Institution den Opfern als Erwachsenen wieder vorschreiben, was sie sagen dürfen und was nicht?“ Das nennt er „auf absurde Weise gruselig“. (Dem ist nichts hinzuzufügen!)

Quelle: Kirche und Leben


9.11.2020 Die Bild-Zeitung zitiert aus einem vertraulichen Sondergutachten der "Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl" für die (Erz-)Bistümer Köln, Münster und Essen vom 1.8.2019. Die Zeitung schreibt, dass dem damaligen Personalchef Heße 2008 ein Verdachtsfall bekannt wurde, über den er den Missbrauchsbeauftragten des Erzbistums Köln nicht informierte. 2008 wandte sich ein mutmaßlicher Betroffener an das Erzbistum Köln und informierte über einen Geistlichen, der 1972 wegen Missbrauchs von Kindern zu einer Haftstrafe verurteilt wurde. Der mutmaßliche Täter habe bereits Anfang der 1960er Jahre in einem Kindergarten massive sexuelle Übergriffe begangen. 1973 ging der Beschuldigte ins Bistum Münster, wurde 1988 zu einer Bewährungsstrafe wegen sexualisierter Gewalt an Minderjährigen verurteilt, kehrte 1989 als Altenheimseelsorger ins Erzbistum Köln zurück und war von 2002 bis 2015 in Bochum-Wattenscheid tätig.

Ein Sprecher von Erzbischof Heße sagte, der damalige Missbrauchsbeauftragte des Erzbistums Köln habe den damamligen Generalvikar D. Schwaderlapp über den Vorfall informiert. Der mutmaßlich Betroffene sagte, Heße habe gesagt, es lägen keine Beschwerden über den mutmaßlöiochen Täter vor. Der Sprecher von Erzbischof Heße sagt, Heße und der damamlige Missbrauchsbeauftragte des Erzbistums hätten mündlich und schriftlich die längere Gefängnisstrafe des Priesters angesprochen.

Quelle: Domradio


9.11.2020 Joachim Frank berichtet unter dem Titel "Das kalte Herz der Kirche", was Michael Schenk erlitten hat - zunächst im Missbrauch durch katholische Priester, schließlich in der Verweigerung von Gerechtigkeit im klerikalen System. Sein "Fall" zeigt, wie empathielos und brutal Opfer in Köln unter dem 2017 gestorbenen Meisner behandelt wurden – und wie sich das bis in die Gegenwart auswirkt.

Quelle: Frankfurter Rundschau


9.11.2020 Sowohl die katholische Kirche in Polen als auch die regierende Pis-Partei verschärfen ihre Hassrhetorik. 2015 galt der Hass den Flüchtlingen, inzwischen richtet er sich gegen queere Menschen. Die katholische Kirche schürt den Hass gegen die LGBTQ-Community, um von ihrem Missbrauchsskandal abzulenken.

Quelle: fr.de


9.11.2020 Pater Mertes ist sehr irritiert darüber, wie die Kölner Bistumsleitung in ihrem bisher gescheiterten Bemühen um rechtliche Aufklärung mit dem Betroffenenbeirat umgeht.

Quelle: Kölner Stadtanzeiger


9.11.2020 Tilmann Kleinjung hat im Anschluss an die Synode der EKD den Eindruck, dass die evangelische Kirche jeden Fehler der katholischen Kirche noch einmal wiederholen will.

Quelle: katholisch.de


9.11.2020 Sowohl in der evangelischen als auch in der katholischen Kirche kommt die Aufklärung der Missbrauchsfälle an ihre Grenze. Zur EKD-Synode war der Betroffenenbeirat zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in der Kirche nicht eingeladen - vorgeblich, um zu verhindern, dass die Synode in ihrer digitalen Form dem Anliegen der Betroffenen nicht gerecht werden könne. Inzwischen hat die evang. Kirche erkannt, dass auch sie ein Problem mit sexualisierter Gewalt hat. 881 Fälle sind bekannt. Eine wissenschaftliche Studie wird erst jetzt begonnen - in drei Jahren soll sie abgeschlossen sein. Weder gibt es einheitliche Aufarbeitungsstandards noch einheitliche Regeln zur Auszahlung von Anerkennungsleistungen. Der Betroffenenbeirat hat sein Veto gegen die Musterordnung eingelegt, weil dort vorgesehen ist, dass Betroffene nur dann Anerkennungsleistungen erhalten, wenn sie institutionelles Versagen nachweisen können.

Der Beauftragtenrat zum Schutz vor sexualisierter Gewalt weist darauf hin, dass "grundlegende Strukturen und Instrumente" geschaffen wurden. Betroffene kritisierten die bislang geleistete Aufarbeitung. Es sei kaum etwas geschehen und Betroffene seien bislang zu wenig einbezogen worden.

Auch die katholische Kirche taugt nicht als Vorzeigemodell. Zuletzt wurde ein Gutachten, das Vertuscher im Erzbistum Köln benennen sollte, vom Erzbistum Köln einkassiert und der Betroffenenbeirat in Mithaftung genommen, ohne das Gutachten selbst zu kennen. Annette Zoch kommentiert: "Eine unerträgliche Konstellation. So setzt sich der Missbrauch fort, nur in anderer Form." Inzwischen sei deutlich, dass die Institutionen Missbrauch nicht selbst aufklären können. Gefordert seien wirklich unabhängige Ausklärungskommissionen, die vom Staat mandatiert werden.

Quellen: Süddeutsche   katholisch.de


9.11.2020 Die Untersuchungen zum Umgang mit Missbrauchsanzeigen im Bistum Aachen durch die Münchener "Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl" sollen am 12.11. vorgestellt werden. Altbischof Heinrich Mussinghoff (Bischof von 1995 bis 2015) und der frühere Generalvikar Manfred von Holtum (1997 - ?) kritisieren das Gutachten, weil sie unberechtigte Schuldzuweisungen erwarten und fürchten, dass das Verfahren nicht fair sei. Von Holtum sagte, er könne die Einwände der Strafrechtler gegen die Kölner Untersuchung nachvollziehen. Das Gutachten für Aachen dürfe aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht veröffentlicht werden. Die Protokolle der mit Mussinghoff und von Holtum geführten Gespräche seien "unzulänglich und sehr fehlerhaft", sagen beide Geistlichen. Von Holtum gestand, „dass wir damals wenig Erfahrung hatten im Umgang mit Missbrauchsfällen“. Mussinghoff fühlte sich vor allem mit Opfergesprächen überfordert: "Ich hätte mir nicht zugetraut, sachgemäß mit ihnen zu sprechen. Ich würde das auch keinem Bischof raten." Er hat den 2017 verstorbenen Personalchef Heiner Schmitz mit den Missbrauchsfällen beauftragt.

Dass ein Bischof auch anders handeln konnte, zeigt Bischof Hemmerle (1975–1994). Er sprach mit Opfern und konnte die Schuld der Kirche, auch die eigene Schuld, erkennen.

Bislang hält das Bistum Aachen an der Veröffentlichung des Gutachtens der "Kanzlei Westpfahl  Spilker Wastl" fest.

Quelle: vaticannews


9.11.2020 Auf der interdisziplinären Fachtagung "Gefährliche Seelenführer? Geistiger und geistlicher Missbrauch" fordert Bischof Timmerevers: "Nach einem Jahrzehnt des Lernens über Ursachen und kirchlich-strukturelle Blindheit beim Umgang mit dem sexuellen Missbrauch, hat die Kirche die große Verantwortung im missbrauchsempfindlichen Feld der Seelenführung die Perspektive der Betroffenen endlich ernst zu nehmen."

Quelle: katholisch.de


8.11.2020 "Wertvolles Vertrauen habe man bei den Betroffenen verloren", so die Klage des Kardinals. Doch Vertrauen verloren hat auch er, nicht nur unter Bischöfen. Der Missbrauch des Betroffenenbeirates durch den Kardinal, um sich vor der Rache derer zu retten, die er nicht davonkommen lassen wollte, ist an Ruchlosigkeit kaum zu überbieten." So kommentiert Daniel Deckers unter dem Titel "Ruchloser Kardinal" die Entscheidung des Kölner Erzbischofs, Kardinal Woelki, die Untersuchung von Vertuschung im Erzbistum Köln durch die Münchener "Kanzlei Westpfahl, Spilker, Wastl" nicht zu veröffentlichen.

Quelle: FAZ


8.11.2020 Der Kölner Erzbischof Kardinal Woelki verteidigt die Entscheidung, dass ein neuer Gutachter die Missbrauchsstudie für das Erzbistum Köln erstellt. Er verspricht, dass es ihm um eine "ehrliche Anerkennung des Leids der Betroffenen" und eine "wirksame Prävention von sexueller Gewalt in unserem Bistum" gehe. Bereits 2018 hatte Kardinal Wölki gesagt: "Nur, wenn wir ehrlich und aufrichtig sind, wird uns wieder Vertrauen geschenkt werden."

Quelle: katholisch.de


8.11.2020 Über sexuelle Gewalt in der katholischen Kirche wurde in den letzten Jahren viel berichtet. Aber auch in Gemeinden und Institutionen der evangelischen Kirche kam es zu Missbrauch von Kindern und Jugendlichen – nur ist darüber viel weniger bekannt. Ein Feature von Christoph Fleischmann.

Quelle: www1.wdr.de


6.11.2020 Michael Schenk, ehemals katholischer Priester, wurde als Junge jahrelang schwer sexuell von Priestern des Kölner Erzbistums missbraucht. Als er sich beim Erzbistum meldet, erfährt er Kälte und Unbarmherzigkeit.

Quelle: ksta.de

Kommentar: Die neue Untersuchung des Umgangs mit Missbrauchsanzeigen im Erzbistum Köln wird sich - anders als die Studie der "Kanzlei Westpfahl, Spilker, Wastl" - auf juristische und kirchenrechtliche Gesichtspunkte beschränken. Damit allerdings lässt sich kaum abbilden, was Betroffene in der katholischen Kirche immer wieder beklagen: Kälte, Ignoranz, Unbarmherzigkeit, Gleichgültigkeit....


6.11.2020 Der Vatikan wird am 10.11. den Bericht über den früheren Kardinal McCarrick veröffentlichen. Dort soll auch stehen, was Kircheninstitutionen über die Vorwürfe wussten und wie die Entscheidung zur Sanktionierung ablief. Äußerungsrechtliche Bedenken werden nicht vorgetragen. McCarrick wird Macht- und sexueller Missbrauch, u.a. an Minderjährigen vorgeworfen.

Quelle: Domradio


6.11.2020 Das höchste indische Gericht hat die Fortsetzung des Prozesses gegen den katholischen Bischof Mulakkal ermöglicht. Dem suspendierten Bischof wird die Vergewaltigung einer Nonne vorgeworfen. Riju Kanjookaran von der katholischen Laienorganisation "Save Our Sisters" (SOS) sagte, dies sei die letzte juristische Möglichkeit für den Beschuldigten gewesen, einem Prozess zu entgehen.

Quelle: kathpress.at


6.11.2020 Der Vatikan hat Disziplinarstrafen gegen den des sexuellen Kindesmissbrauchs beschuldigten polnischen Kardinal Henryk Gulbinowicz (97) verhängt. Er darf nicht mehr zelebrieren, nicht an öffentlichen Veranstaltungen teilnehmen, die Bischofsinsignien nicht mehr nutzen und nach seinem Tod darf es keine Trauerfeier in der Kathedrale geben. Dort darf er auch nicht beigesetzt werden. Zudem muss er eine Spende an die Sankt-Josef-Stiftung zahlen, die kirchliche Betroffene unterstützt. Der Vatikan nennt keine konkreten Vergehen des Kardinals. Allerdings hat der Breslauer Dichter Karol Chum den Kardinal im Mai 2019 des sexuellen Missbrauchs beschuldigt. Der Anwalt des Kardinals drohte im Mai 2019 mit juristischen Schritten und der Kardinal wies die Anschuldigungen zurück.

Quelle: katholisch.de


5.11.2020 Björn Gercke, Gutachter der neuen Untersuchung zum Umgang mit Missbrauchsfällen im Erzbistum Köln befürwortet eine Veröffentlichung der Studie der "Kanzlei Westpfahl, Spilker, Wastl", zeitgleich mit der Veröffentlichung seiner eigenen Studie: "Dann können sich alle ein Bild machen. Wenn dies in irgendeiner Form äußerungsrechtlich möglich sein sollte, würde ich dies im Sinne von Transparenz begrüßen."

Quelle: domradio.de


5.11.2020 Maria 2.0 bietet den Führungskräften der Erzdiözese Köln am 6. November in Köln auf dem Roncalliplatz und am 7. und 8. November vor dem Amts- und Wohnsitz von Kardinal Woelki in der Kardinal-Frings-Straße ein Beichtmobil an. Dort können sie sich zu ihrer Schuld im Umgang mit Missbrauchsfällen bekennen.

Quelle: neuesruhrwort.de  Domradio


5.11.2020 Patrick Bauer, bisheriger Sprecher des Betroffenenbeirats im Erzbistum Köln, hat den Beirat verlassen. Die Hälfte der Beiratsmitglieder war nicht einverstanden damit, dass er im Nachgang zur Beiratssitzung vom 29.10.2020 gesagt hat, das Gutachten der Münchener "Kanzlei Westpfahl, Spilker, Wastl" solle veröffentlicht werden. Bauer sagt, er habe das Vertrauen des Gremiums nicht mehr. Im 2018 gegründeten Beirat, dessen Mitglieder vom Erzbistum Köln ausgewählt wurden, waren ursprünglich 10 Betroffene. Eine/r verließ den Beirat im Sommer und ein weiteres Mitglied ging im Anschluss an die letzte Beiratssitzung am 29.10.

Quelle: katholisch.de


5.11.2020 Der Jugendpastor der sektenähnlichen Mettlacher Glaubensgemeinschaft "Gemeinde ohne Mauern" wurde zu vier Jahren Haft verurteilt. Unter dem Deckmantel von Aufklärung oder von Heilungsprozessen hat er zwei Mädchen sexualisiert misshandelt.

Quelle: Saarbrücker Zeitung


5.11.2020 Ein Mitglied der Initiative Ehemaliger Johanneum Homburg ist aus einem Mediationsversuch mit dem Orden der Hiltruper Herz-Jesu-Missionare ausgestiegen, weil es während der Mediation die Ankündigung einer Unterlassungsklage erhielt. Dem Betroffenen wird unterstellt, er hätte öffentlich Lügen zum Nachteil des Ordens verbreitet. Dies treffe nicht zu, sagt der Betroffene und berichtet, dass zwei Terminvorschläge für ein persönliches Treffen vom Provinzial Dr. Kleer ignoriert wurden.

Quelle: initiative-ehemaliger-johanneum-homburg.de


5.11.2020 Missbrauchsermittlungen der Staatsanwaltschaft Paderborn gegen einen Priester des Erzbistums Paderborn wurden "aus Zweifelsgründen" eingestellt. Die kirchenrechtlichen Voruntersuchungen gehen weiter.

Quelle: domradio.de

4.11.2020 Der Fachanwalt Eberhard Reinecke nimmt Stellung zum endgültigen Rückruf des Missbrauchsstudie des Kölner Erzbistums. Die Kanzlei Höcker/Köln und RA Lehr, Kanzlei Redeker, Bonn, haben dies beurteilt. Reinecke urteilt: "Beide Kanzleien sehen eine wesentliche Aufgabe darin, die Veröffentlichung von Skandalen insbesondere dabei eine personalisierte Berichterstattung mit Namensnennung zu unterbinden." Die Kanzlei Höcker hat sich den Markennamen "Höcker-Rufwächter" patentieren lassen.

Auch die Aussage des Strafrechtlers Matthias Jahn sei fragwürdig. Jahn hatte gesagt: „Die namentliche Erwähnung von Verantwortungsträgern könne zudem bei Mängeln zivilrechtliche Klagen nach sich ziehen.“ Reinecke kommentiert: "Die ganze Diskussion verwundert deswegen umso mehr, weil es keinen gesellschaftlichen oder gar staatlichen Anspruch darauf gibt, dass eine vom Bistum veröffentlichte Studie „gerichtsfest“ zu sein hat (was das auch immer ist)."

Nach Ansicht Reineckes kann sehr wohl auch dann berichtet werden, wenn kein Verfahren mehr geführt werden kann. Alleine die Namensnennung in diesen Fällen verletze zumindest höhere Würdenträger nicht in ihrem Persönlichkeitsrecht.

Quelle: blog-rechtsanwael.de


4.11.2020 Der Vatikan hat den Warschauer Kardinal Kazimierz Nycz beauftragt zu untersuchen, ob der frühere Danziger Erzbischof Slawoj Leszek Glodz (75) Maßnahmen gegen sexuellen Kindesmissbrauch vernachlässigt hat.Nach Einschätzung von Beobachtern deutet das darauf hin, dass die Vorwürfe gegen Glodz nicht offenkund haltlos sind. Im Oktober 2019 hatten 16 Priester aus dem Erzbistum Danzig dem päpstlichen Botschafter in Warschau mitgeteilt, dass Erzbischof Glodz Anzeigen wegen sexueller Belästigungen gegen Priester vertuscht habe. Der Beschuldigte weist die Vorwürfe zurück. - 2019 hatten Opfer sexuellen Missbrauchs durch katholische Priester 24 amtierenden und ehemaligen Bischöfen Vertuschung vorgeworfen. Sie beschuldigten den Krakauer Erzbischof Marek Jedraszewski, den früheren Posener Erzbischof Juliusz Paetz und die amtierenden Bischöfe Jan Tyrawa (Bromberg/Bydgoszcz), Jozef Gorzynski (Ermland), Andrzej Dziuba (Lowicz), Jacek Jezierski (Elbing/Elblag), Jan Watroba (Rzeszow) und Andrzej Czaja (Oppeln/Opole).)

Quelle: katholisch.de


3.11.2020 Das Bistum Münster bietet kirchlichen Missbrauchsbetroffenen im Bistum Münster Unterstützung bei der Antragstellung auf Anerkennungszahlungen an, um "seelische Belastungen"  zu vermeiden.

Quelle: katholisch.de


3.11.2020  Dr. Doris Reisinger sagte anlässlich der Verleihung des Christine-Schenk-Preises 2020, dass wir unseren Bischöfen und dem Papst nicht vertrauen können, dass sie sich mit den schrecklichen Verbrechen des Missbrauchs in der Kirche befassen. Sie weist darauf hin, dass die gleichzeitige Betonung von Gewissen und Gehorsam ein Widerspruch ist.

Quelle: novenanews.com


3.11.2020 Das Erzbistum Köln beantwortet Fragen rund um die Untersuchung der Handhabung von Missbrauchsfällen im Erzbistum Köln, die bei der Pressekonferenz am 2.11. nicht beantwortet wurden. Die Fragen und Antworten werden nach jeweils vorliegenden Informationen laufend aktualisiert.

Quelle: kommunikation.erzbistum-koeln.de

Einige Fragen beantwortet das Erzbistum Köln bislang nicht:

  • Warum wurde vom Erzbistum ein Gegengutachten in Auftrag gegeben, wenn das Erzbistum das Münchener Gutachten gar nicht gekannt hat? Und wer genau hat das Gegengutachten in Auftrag gegeben?
  • Wie können Vertreter des Erzbistums (zusammen mit der Kanzlei Redeker) am 19.2. und 4.3. Gespräche mit der Münchener Kanzlei führen, wenn das Erzbistum doch das Gutachten gar nicht kennt? Auch die Kanzlei Redeker erhält das Gutachten erst am 6.3. Wie kann die Kanzlei Redeker am 19.2. und 4.3. Gespräche über ein Münchener Gutachten führen, das sie erst am 6.3. erhält?
  • Das Münchener Gutachten wurde "vom Auftraggeber" den Gegengutachtern vertraulich als passwortgeschütztes PDF-Dokument zur Verfügung gestellt. "Auftraggeber" sowohl des Münchener Gutachtens als auch des Gegengutachtens war das Erzbistum Köln. Hat also das Erzbistum Köln entgegen anderer Aussagen Zugang zum Münchener Gutachten gehabt?[in der Aktualisierung vom 4.11.2020, abgerufen am 5.11. um 9 Uhr, wird diese Frage geklärt: Die Gegengutachter erhielten das Dokument über die Kanzlei Redeker, die es von der Münchener Kanzlei erhalten hatte.]
  • Dass nur Stichproben untersucht wurden, gehörte zum Auftrag an die Münchener Kanzlei. Liegt es nicht im freien Ermessen eines Gutachters, die Auswahl der Stichproben zu bestimmen?
  • Der Auftrag an die Münchener Kanzlei galt der Untersuchung des Handelns von Verantwortlichen nach kirchenrechtlichen und staatlichen Vorgaben, aber auch "im Blick auf das Selbstverständnis der Kirche", ging also über kirchen- und strafrechtl. Gesichtspunkte hinaus. Warum wird vom Gegengutachten kritisiert, dass die Münchener Kanzlei ihrem diesbezüglichen Auftrag nachgekommen ist?
  • Zum Auftrag der neuen Untersuchung sagte das Erzbistum bei der Pressekonferenz, es sei derselbe Auftrag, der auch an die Münchener Kanzlei ergangen sei. Andererseits heißt es, das Gutachten von Jahn/Streng betrachtet dabei primär die rechtliche Einordnung nach dem Straf- und Kirchenrecht. Vom Abgleich des Handelns der Verantwortlichen mit dem Selbstverständnis der Kirche ist nicht die Rede. Ist es also doch ein anderer Auftrag?
  • Von wem hat die Kanzlei Redeker im August Teile und später das ganze Münchener Gutachten erhalten? Von der Münchener Kanzlei oder vom Bistum?
  • Der neue Gutachter erhielt erste Interventionsakten am 22.09.2020 und das komplette Münchener Gutachten am 02.10.2020. Das Gegengutachten war bereits am 22.9. oder am 2.10. in Auftrag gegeben. In beiden Fällen konnte der Betroffenenbeirat keine Stellung beziehen, weil er erst in der Sitzung vom 29. mündlich und am  30.10. schriftlich vom Gegengutachten und dem neuen Auftrag erfuhr. Das Münchener Gutachten kannte/kennt der Betroffenenbeirat nicht.
  • Und ganz nebenbei erfährt man noch Interessantes: In der MHG-Studie war 2018 von 135 Opfern und 87 beschuldigten Klerikern die Rede. Wann die im Vergleich zur MHG-Studie 156 weiteren Beschuldigten und die 251 weiteren Betroffenen (plus 312 Verdachtsmeldungen) bekannt wurden, ist nicht erkennbar.

3.11.2020 Der Historiker Thomas Großbölting leitet ein Forschungsprojekt für das Bistum Münster zum Umgang mit Missbrauchsfällen. Er hält die Aufarbeitung des Missbrauchs in der katholischen Kirche durch Juristen - wie im Erzbistum Köln - für unzureichend, weil Juristen lediglich die Rechtmäßigkeit oder die Rechtswidrigkeit prüfen. Für das Forschungsprojekt des Bistums Münster kündigt Großbölting an, Verantwortlichkeiten von "relativen Personen der Zeitgeschichte" - Bischöfe, Generalvikare, Personalchefs - in seinem Gutachten klar zu benennen, gegebenenfalls verbunden mit eigenen Einlassungen der Betreffenden. Standards dafür seien bereits zum Beispiel im Stasi-Unterlagengesetz etabliert, in dem die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen gewahrt wurden und zugleich das Aufklärungsinteresse berücksichtigt wird.

Quelle: Presseportal


3.11.2020 Der emeritierte Erzbischof von Krakau, Kardinal Stanislaw Dziwisz, ehemaliger Privatsekretär von Papst Johannes Paul II., sagt, nicht er habe Missbrauch vertuscht, sondern sein Kollege, der emeritierte Bischof von Bielsko-Zywiec, Tadeusz Rakoczy. Zuletzt hat die Erzdiözese Lodz auf Bitten des Vatikans ein Verfahren gegen den Bischof von Lowicz, Andrzej Dziuba, eingeleitet. Dziuba hatte gesagt, er habe es versäumt, auf Missbrauchsvorwürfe gegen Kleriker in seiner Diözese zu reagieren.

Quelle: katholisch.de


3.11.2020 Das Mitglied des Betroffenenbeirates des Erzbistums Köln, Winfried Ponsens, hat seinen Rücktritt aus dem Beirat bekannt gegeben. Er sagte: "Ich war wie vor den Kopf gestoßen, dass plötzlich der Betroffenenbeirat der Einstampfung eines Gutachtens zustimmt, das er selbst nicht gelesen hat." Von dem Gegengutachten habe der Betroffenenbeirat nicht einmal etwas gewusst. Es gehe nicht, ein Gutachten zur Vertuschung zu vertuschen. Er habe jedes Vertrauen verloren, dass ein kirchlich eingesetzter Betroffenenbeirat wirklich etwas  bewegen könne. Der Beirat sei nicht von Betroffenen berufen, sondern von der Kirche ausgewählt. Posens hofft, dass die Politik in die Aufarbeitung eingreife. Der Sprecher des Beirats, Patrick Bauer, bedauert, dass er den Vorgang der Zustimmung zum Vorgehen des Erzbistums nicht unterbrochen habe, indem der Beirat keinen Beschluss fasst. Bauer appelliert an das Erzbistum, völlige Transparenz herzustellen und das Gutachten der Kanzlei Westpfahl offenzulegen, muss dies jedoch noch mit den anderen Beiratsmitgliedern abstimmen.

Quellen: noz.de   Neues Ruhrwort


2.11.2020 Der Jesuit Ansgar Wucherpfennig sagt, im Blick auf die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche müssten bestehende patriarchale Strukturen in der Kirche aufgebrochen und deren biblische Begründung kritisch hinterfragt werden. Seine Diagnose: "In der katholischen Kirche hat sexualisierte Gewalt einen theologisch spirituellen Wurzelgrund in männlich-väterlichen Dominanzmustern." Soll der Glaube auch heute die Botschaft beinhalten, dass der Gott des Lebens die MÄchte des Todes besiegt habe, dann müssten biblische Schriften und theologische Traditionen patriarchatskritisch verstanden werden.

Quelle: katholisch.de


2.11.2020 Die Kirchenhistorikerin Alexandra von Teuffenbach weist die die Vorwürfe der Schönstätter Marienschwestern zurück, ihre Sammlung von Archivfunden über den Gründer Josef Kentenich sei einseitig. Das Archiv der Marienschwestern sei für wissenschaftliche Forschung verschlossen. Von Teuffenbach berichtet, dass die von ihr dokumentierten Aussagen und ähnliche Fälle in keiner Veröffentlichung der Schönstatt-Bewegung erwähnt werden. Unterlagen darüber müsse es geben, weil die ausgetretenen Schwestern ihren Austritt schriftlich begründen mussten. Anders als in der Stellungnahme des Schönstatt-Generalpräsidiums dargestellt sei die Veröffentlichung rechtlich zulässig. Das Generalpräsidium hatte behauptet, dass niemand befugt sei, Zeugenaussagen zu veröffentlichen. Zeugen unterlägen bezüglich ihrer eigenen Aussagen nicht der Geheimhaltungspflicht, sagt von Teuffenbach. Sie fragt auch, wie der Generalpräsident der Schönstattbewegung, Catoggio, sagen könne, dass die Aussagen im Seligsprechungsprozess "in ihrer Bedeutung ausgewertet und ernst genommen" wurden, wenn eine solche Bewertung doch nur den zur Geheimhaltung verpflichteten Beteiligten am Seligsprechungsverfahren möglich sei.

Quelle: katholisch.de


2.11.2020 Das Gutachten über den Umgang mit Missbrauchsfällen im Erzbistum Köln, sei nicht gerichtsfest und im Ganzen misslungen, ließ Kardinal Woelki auf einer Pressekonferenz ausrichten. Der mit einer neuen Untersuchung beauftragte Kölner Strafrechtsexperte Björn Gercke sagte, es ginge nicht darum, Missstände zu vertuschen. Die neue Untersuchung werden weit umfassender ausfallen: Es gehe um 243 Beschuldigte, 312 Verdachtsmeldungen und 386 Betroffene. Der Kirchenrechtler Thomas Schüller warf Kardinal Woelki vor, sich hinter Anwälten zu verstecken. Es ginge um zwei konkurrierende Anwaltskanzleien, die alte Rechnungen beglichen: „Dieses infame Trauerspiel, was das Erzbistum Köln abliefert, dient der Desinformation der Öffentlichkeit", sagte Schüller und die Verantwortlichen für die Vertuschung sollen gedeckt werden. 

Quelle: aachener-zeitung

Kommentar: In der MHG-Studie war 2018 von 135 Opfern und 87 beschuldigten Klerikern die Rede. Wann die im Vergleich zur MHG-Studie 156 weiteren Beschuldigten und die 251 weiteren Betroffenen bekannt wurden, ist nicht erkennbar.


2.11.2020 Im Kölner Erzbistum ist das neue Missbrauchsgutachten bereits in Arbeit. Auf einer Pressekonferenz des Erzbistums war kein Verantwortlicher des Bistums dabei, der adäquat Auskunft hätte geben können. Der Chefredakteur von Domradio.de Ingo Brüggenjürgen hat den Eindruck, dass die Journalisten sich fragen, ob das Erzbistum die Wahrheit sagt. Sie wollten genau wissen, "wer was wann und zu welchem Zeitpunkt gewusst hat. Wer hat welche Akten gehabt? Wer hat wann welchen Auftrag erteilt?" Interessant zu wissen wäre für die Journalisten, wann der neue Arbeitsauftrag vergeben wurde und ob bereits zur Sitzung mit dem Betroffenenbeirat alles vom Erzbistum entschieden worden war. Zudem wollten die Journalisten wissen, wie der Auftrag an die Kanzlei "Westpfahl Spilker Wastl" aussah im Vergleich zum neuen Auftrag an Kölner Strafrechtsexperte Björn Gercke. Das Erzbistum sagte, beide Gutachten hätten genau den gleichen Auftrag erhalten. Gegen die Veröffentlichung des Gutachtens der Kanzlei "Westpfahl Spilker Wastl" sprächen juristische Bedenken, die dem Erzbistum vor die Füße fallen könnten. Vom Betroffenenbeirat war niemand auf dieser Pressekonferenz. Brüggenjürgen berichtete, dass bei den Journalisten ein großer Vertrauens- und Glaubwürdigkeitsverlust gegenüber dem Erzbistum Köln festzustellen war.

Quelle: Domradio


2.11.2020 "Gefährliche Seelenführer? Geistiger und geistlicher Missbrauch" ist Thema einer digitalen Veranstaltung der Deutschen Bischofskonferenz, der Katholische Akademie des Bistums Dresden-Meißen und der Sächsische Landesärztekammer.


2.11.2020 Der Kölner Strafrechtsexperte Björn Gercke, der nun anstelle der Kanzlei "Westpfahl Spilker Wastl" die Untersuchung im Erzbistum Köln durchführen soll, hat den Auftrag, "Rechtsverstöße von Bistumsverantwortlichen zu identifizieren - auf Basis eines juristischen Gutachtens und nicht nach moralisch-ethischen Maßstäben." (Die Kanzlei "Westpfahl..." hatte den Auftrag, eine "umfassende Bewertung des Handelns der Bistumsverantwortlichen" vorzunehmen, die nicht auf die bloße Rechtmäßigkeitskontrolle beschränkt war.)

Dem Betroffenenbeirat war zur Sitzung lediglich der Tagesordnungspunkt "Weitergang der unabhängigen Untersuchung" ohne nähere Information bekannt geworden. Erst nach der Sitzung sei dem Sprecher des Betroffenenbeirats, Patrick Bauer, klar geworden, dass es dabei "Dinge gab, die nicht gut gelaufen sind". Inzwischen möchte der Sprecher des Betroffenenbeirats Transparenz herstellen und plädiert für die Veröffentlichung der Studie.  Diese Position ist noch nicht mit dem Betroffenenbeirat abgestimmt. Das Münchener Gutachten selbst liegt dem Betroffenenbeirat nicht vor.

Ein Mitglied des Betroffenenbeirats, das aus dem Beirat austreten will, sagte, das Erzbistum habe den Betroffenen-Beirat über den Tisch gezogen. Nun sei man das Feigenblatt des Kardinals dafür, dass ein kritisches Gutachten nicht das Licht der Welt erblicke.

Quellen: katholisch.de   www1.wdr.de


2.11.2020 Der vom Erzbistum Köln neu beauftragte Gutachter für die Untersuchung zu sexuellem Missbrauch hat vor, die systemischen Defizite des Erzbistums und persönliche Verantwortlichkeiten zu untersuchen. Dabei sollten verantwortliche Personen "möglichst konkret" benannt werden. Das will er bis zum 18.3.2021 leisten.

Quelle: deutschlandfunk.de


2.11.2010 Christiane Florin berichtet von den Ungereimtheiten der Untersuchung des Erzbistums Köln. Ihr Fazit: Sie erkennt keinen echten Willen zur Aufklärung der Missbrauchsfälle in der katholichen Kirche.

Quelle: deutschlandfunk.de


2.11.2020 Die Kanzlei "Westpfahl Spilker Wastl" weist darauf hin, dass die vom Generalvikariat des Erzbistums Köln beauftragten Gutachter in ihrer Ausarbeitung von einem falschen Sachverhalt ausgehen. Auftrag des Erzbistums sei eine umfassende Bewertung des Handelns der Bistumsverantwortlichen gewesen, nicht etwa beschränkt auf die bloße Rechtmäßigkeitskontrolle. Derzeit wartet die Kanzlei auf die Antwortdes Erzbistums, ob Einwände dagegen bestehen, dass Betroffene (Betroffenenbeirat?) das Gutachten erhalten. Bislang sei den Betroffenen die Untersuchung nicht bekannt.

Quelle: westpfahl-spilker.de/

s. auch sueddeutsche.de


2.11.2020 Harald Dreßing weist in der Diskussion um die nicht-veröffentlichte Kölner Untersuchung darauf hin, dass nicht bekannt ist, ob die Münchener Kanzlei Westpfahl eine Studie oder ein Gutachten angefertgit hat. Eine Studie wird von den Forschenden mit wissenschaftlichen Methoden erstellt, publiziert und in der Fachwelt diskutiert. Ein Gutachten hingegen beurteilt Einzelfälle. Dabei können äußerungsrechtliche Bedenken entstehen: Handelt es sich bei den Einzelfällen um Personen der Zeitgeschichte, an denen die Öffentlichkeit ein berechtigtes Interesse hat, so kann ein Gutachten veröffentlicht werden. Nicht jedoch darf ein Gutachten über Personen, die nicht wichtig für die Zeitgeschichte sind, veröffentlicht werden. Bisher ging es um üäußerungsrechtliche Bedenken. Nun jedoch geht es im Gutachten über die Untersuchung der Münchner Kanzlei gar nicht mehr um äußerungsrechtliche Bedenken, sondern um methodische Probleme des Gutachtens. Die Gutachter, die die Untersuchung begutachtet haben, werfen der Münchener Kanzlei vor, dass sie nicht nur strafrechtliche und kirchenrechtliche Kriterien anlegten, sondern auch ethisch-moralische Grundsätze prüften. Nach Ansicht Dreßings müsste nun aber genau untersucht werden, ob die Verantwortlichen über straf- und kirchenrechtliche Verfehlungen hinaus auch moralisch-ethische Verfehlungen begangen haben. Für die Verantwortung im moralisch-ethischen Sinn brauche es jedoch keine Untersuchung. Die Prüfung dieser Fragen geschehe im Gewissen eines jeden Menschen. Die in den letzten Jahrzehnten Verantwortlichen müssten ihr eigenes Gewissen befragen und schließlich sagen, ob sie im moralisch-ethischen Sinn Fehler gemacht haben. Das Bekenntnis der Fehler sei ein erster Schritt. Schließlich sei in der katholischen Kirche häufiger vertuscht worden als in anderen Institutionen. Dann müsse auch jemand die Verantwortung dafür übernehmen.

 Quelle: DLF


1.11.2020 Matthias Drobinski kommentiert die Nichtveröffentlichung des Kölner Missbrauchsberichts. Es gehe Kardinal Wölki darum, die verstorbenen Kardinäle Joseph Höffner und Joachim Meisner und ihre noch lebenden Generalvikare und Personalchefs, von denen einer heute Erzbischof von Hamburg ist, Stefan Heße, zu schützen. Drobinskis Fazit: "Es hat das alte System gesiegt. Institution und Amtsträger müssen unantastbar bleiben. Was im Umgang mit den Missbrauchsbetroffenen rechtlich und kirchenrechtlich nicht zur Strafe führt, muss schon irgendwie in Ordnung gewesen sein....Wieder einmal sind die Betroffenen der sexuellen Gewalt die Opfer. Den Betroffenenbeirat des Erzbistums über den Tisch zu ziehen und ihn ein Gutachten kritisieren zu lassen, das er selber nicht kennt, war eine infame Aktion. Man sollte die Mitglieder das weggesperrte Gutachten lesen lassen - und sehen, welche Meinung sich diese dann bilden."

Quelle: sueddeutsche.de


1.11.2020 Christoph Fleischmann kommentiert die Kündigung des Gutachtens, das die Kanzlei  "Westpfahl Spilker Wastl" für das Erzbistum Köln erstellt hat. Die Gutachter des Gutachtens monieren, dass die Kanzlei sich nicht auf die nach kirchlichem und staatlichem Recht sanktionierbaren Tatbestände konzentriert hätten. Fleischmann fragt, ob wir nicht wissen wollten, "wie man insgesamt mit Missbrauchsbeschuldigungen umgegangen ist: war man menschlich, auf Seiten der Opfer oder hat man – juristisch vielleicht unangreifbar – beschuldigte Priester gedeckt, aber mit verheerenden Folgen für weitere Menschen, die zu neuen Opfern der Priester wurden"? Es gehe doch darum zu erfahren, ob die Kirchenhierarchen ihren eigenen Ansprüchen genügt haben. Wenn es nur noch darum gehe zu schauen, ob die Standards des  juristischen und kirchlichen Strafrechts sicher als Rechtsverletzung nachgewiesen werden können, dann werde "die Latte viel zu niedrig" angelegt.

Quellen: www1.wdr.de, ab min. 12; christoph-fleischmann.de


1.11.2020 Offensichtlich hatte Kardinal Wölki doch nicht den gesamten Betroffenenbeirat auf seiner Seite bei der "einvernehmlichen" Entscheidung, das Gutachten der Kanzlei "Westpfahl Spilker Wastl" zu kündigen. Laut Twitter  hat einer der Beiräte wegen dieser Entscheidung den Betroffenenbeirat verlassen. - Zudem wurden die Akten von der Kirche nicht von sich aus und auch nicht am 14.4.2019 der Staatsanwaltschaft übergeben, sondern erst am 14.4.2020 und erst auf Anforderung der Staatsanwaltschaft hin. Diese Korrektur der ursprünglichen Pressemeldung "wurde mit der zuständigen Staatsanwaltschaft abgestimmt".

Quelle: erzbistum-koeln.de


1.11.2020 Bestandsaufnahme zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in der Evangelischen Kirche im

Zeitzeichen.net


30.10.2020 Der Generalpräsident der Schönstatt-Bewegung, Pater Juan-Pablo Catoggio, hat an die Schönstatt-Bewegung einen Brief geschrieben. Er schreibt, dass es weitere gründliche Studien brauche, um das Werk Kentenichs zu prüfen. Zudem weist er darauf hin, dass die Zeugnisse über Kentenich nur den für den Seligsprechungsprozess verantwortlichen Personen bekannt waren und dass viele der im Buch von Alexandra von Teuffenbach aufgeführten Dokumente zu den geheimen Akten des Seligsprechungsprozesses gehörten. Die Anschuldigungen, die in den veröffentlichten Unterlagen dokumentiert sind, widersprechen den sehr positiven Erfahrungen mit der Person und der Botschaft Pater Kentenichs.

Quelle: schoenstatt.de


30.10.2020 Das Erzbistum München fordert die Kanzlei "Westpfahl Spilker Wastl" zu einer Stellungnahme auf, nachdem das Erzbistum Köln die bei dieser Kanzlei in Auftrag gegebene Studie gekündigt hat. Die Kanzlei war Anfang des Jahres vom Erzbistum München mit einer zweiten Untersuchung beauftragt worden. Das Erzbistum München erwartet "ein rechtssicheres, methodisch einwandfreies und belastbares Gutachten".

Quelle: welt.de


30.10.2020 Das Bistum Aachen will den Opfern sexualisierter Gewalt durch Kleriker unbürokratisch die neu vereinbarten Zahlungen zur Anerkennung ihres Leids zukommen lassen. Im November will das Bistum die im Sommer 2019 begonnene Studie zum Umgang der Bistumsverantwortlichen mit Missbrauchsfällen von 1965 bis 2019 veröffentlichen. Die Studie wurde von der Münchner Anwaltskanzlei "Westpfahl Spilker Wastl" durchgeführt. Anders als das Erzbistum Köln scheint das Bistum Aachen der Kanzlei zu vertrauen. Die Kanzlei hatte bereits 2010 eine Studie im Erzbistum München durchgeführt, die lediglich als Kurzfassung veröffentlicht wurde.

Quelle: domradio.de


30.10.2020 Die Münchner Kanzlei Westpfahl Spilker und Wastl veröffentlicht eine "Pressemitteilung zur Pressemitteilung des Erzbistums Köln von heute Mittag zu unserer unabhängigen Untersuchung zu sexuellem Missbrauch". Die Kanzlei schreibt, dass sie erst heute zwischen 13 und 14 Uhr durch die Pressemitteilung des Erzbistums Köln erstmals informiert wurde über das Gutachten zu methodischen Standards und über zwei äußerungsrechtliche Stellungnahmen. Bislang habe die Kanzlei ausschließlich von angeblichen, nicht näher spezifizierten äußerungsrechtlichen Problemstellungen gehört. Die Kanzlei könne zum jetzigen Zeitpunkt nicht umfassend Stellung zu dem Gutachten und äußerungsrechtlichen Mitteilungen Stellung nehmen, zumal das Erzbistum Köln ausdrücklich mitgeteilt hat, dass die Kanzlei weiterhin zur Verschwiegenheit verpflichtet sei.

Aus Sicht der Kanzlei könne das Gutachten jederzeit veröffentlicht werden und dem Betroffenenbeirat weitergegeben werden. Jederzeit stehe die Kanzlei dem Betroffenenbeirat für Gespräch, Erläuterungen und Rückfragen zur Verfügung.

Quelle: westpfahl-spilker.de


30.10.2020 Die Münchner Kanzlei Westpfahl Spilker und Wastl wies die Vorwürfe des Erzbistums Köln zurück. "Aus unserer Sicht kann das Gutachten jederzeit veröffentlicht werden, um der Öffentlichkeit die Möglichkeit zu geben, sich selbst ein umfassendes Bild zu machen", teilte die Kanzlei mit. Weitere Stellungnahmen würden zu gegebener Zeit erfolgen. - Thomas Schüller, Kirchenrechtler, spricht von einem "Super-Gau für das Erzbistum Köln und alle involvierten Beteiligten". Die Kritik an dem Münchner Gutachten sei nur juristisch bewertbar, wenn man es im Wortlaut nachlesen könne. "Auf dem Rücken der Opfer werden gutachterliche Fechtereien inszeniert, die die Aufklärung von Verantwortlichkeit im Erzbistum Köln verschleppen und verzögern. Ein dunkler Tag für das Erzbistum Köln und den Kölner Kardinal Woelki und ein bitterer Tag für die Opfer."

Quelle: Zeit.de   faz


30.10.2020 Die angekündigte Studie des Erzbistums Köln durch die Kanzlei Westpfahl-Spilker-Wastl, die auch die Namen von Verantwortlichen für Vertuschung nennen sollte, wird nicht weitergeführt. Ein Gutachten über die Mängel der Studie liegt inzwischen vor. Stattdessen soll eine vollständige Neufassung durch den Kölner Strafrechtsexperten Prof. Dr. Björn Gercke erstellt werden. Sie soll bis zum 18. März (2021?) veröffentlicht werden.

Quelle: katholisch.de

Kommentar: Nun ja, was soll man dazu noch sagen? Wie konnten Kardinal Wölki  oder der Generalvikar vermuten, dass die Studie nicht belastbar sei, wenn sie doch - nach eigener Aussage - die Studie gar nicht kennen? Das Erzbistum teilt in einer Pressemitteilung nämlich mit: "Nach wie vor bleibt dabei sichergestellt, dass weder Kardinal Woelki, noch Generalvikar Dr. Hofmann oder anderen Verantwortungsträgern des Erzbistums, der Inhalt des Berichts vorab bekannt wird."


 30.10.2020 Die Deutsche Bischofskonferenz ruft die Katholik*innen zu einem Gebetstag für Missbrauchsbetroffene zwischen dem 15. und 22.11. auf.


30.10.2020 Im Gerolsteiner ehemaligen bischöflichen Internat kam es seit Bestehen bis 1983 zu verschiedenen Gewaltformen. Beschuldigt wurden acht männliche Fachkräfte, unter ihnen auch drei inzwischen verstorbene Priester, die nacheinander das Internat leiteten. Nachdem der Zwischenbericht inzwischen vorliegt, bitten die Forscher*innen Betroffene, sich zu melden. Meldungen sind bis Ende Mai 2021 möglich.

Quelle: katholisch.de


29.10.2020 Der Kölner Erzbischof, Kardinal Woelki, sagte am 16.11.2018 bei einer Sitzung des Diözesanpastoralrats, dass es möglich sei, dass ihm in der noch nicht veröffentlichten Studie über Missbrauch im Erzbistum Köln vorgeworfen werden könne, an Vertuschungen von Missbrauch beteiligt gewesen zu sein. In diesem Fall müsse das "Domkapitel eben neu wählen", d.h. dass er dann zurücktreten würde. Im Fall eines früheren Wuppertaler Pfarrers hat das Erzbistum inzwischen eingeräumt, den Vatikan nicht informiert zu haben. Der Kirchenrechtler Thomas Schüller spricht von einem "offenkundig rechts- und pflichtwidrigen Verhalten der Kölner Akteure". Neben den unmittelbar Zuständigen kämen auch weitere Verantwortliche in den Blick, so Schüller: "Hier ist zunächst an Woelki zu denken, der als Regionalbischof für den Nordteil des Erzbistums zuständig war."

Das Erzbistum Köln bestätigt den Inhalt der Aussage Wölkis, nicht jedoch den Wortlaut und fügt hinzu, dass Weihbischöfe keine Verantwortung tragen für die Personalführung, das Seelsorge-Personal und den Umgang oder die Aufarbeitung von Verdachtsfällen sexualisierter Gewalt.

Quelle: news.feed-reader.net  katholisch.de


28.10.2020 Dr. Bernd Biberger, Generaldirektor und Sr. M. Aleja Slaughter, Generaloberin der Schönstätter Marienschwestern, wehren sich gegen die Darstellung von sexuellem Missbrauch und Machtmissbrauch ihres Gründers Kentenich durch die Kirchenhistorikerin Alexandra von Teuffenbach: "Aussagen – auch wenn sie archiviert sind – stellen noch keine Fakten dar. Die Glaubhaftigkeit von Aussagen sowie eventuelle Motive, die zu einer Aussage führten, bedürfen einer umfassenden Untersuchung. Gründliche historische Forschung hat die verschiedenen Aspekte und Sichtweisen sowie den Gesamtkontext zu berücksichtigen, bevor sie zu einer Bewertung kommt. Die vorliegende Dokumentation lässt diese Arbeitsweise vermissen."

Quelle: s-ms.org


28.10.2020 In einem ehemaligen Kinderheim des Paritätischen Wohlfahrtverbandes in Feldafing soll es zu schwerer sexualisierter Gewalt und zu Misshandlungen gekommen sein. Der Verband richtete einen Beirat mit Experten und Verbandsvertretern ein, in dem auch Betroffene beteiligt werden sollen. Ebenfalls soll ein externes Aufarbeitungsteam beauftragt werden.

Quelle: br.de


28.10.2020 Im Bistum Hildesheim gibt es gegen einen katholischen Priester, der vor Jahrzehnten eine Jugendliche sexuell missbrauchte, weitere Vorwürfe. In zwei Füällen handelt es sich möglicherweise um grenzverletzendes Verhalten gegen volljährige Personen. Der Geistliche ist bis zur Klärung der Vorwürfe beurlaubt. Der Beschuldigte hat eine jungen Frau in den 1980er-Jahren sexuell missbraucht. Er hat ihr Geld gezahlt und einen Entschuldigungsbrief geschrieben. Staatsanwaltliche Ermittlungen wurden wegen Verjährung eingestellt. Die Glaubenskongregation wies das Bistum darauf hin, dass ein kirchenrechtliches Verfahren nicht möglich sei, da die Betroffene mit 16 Jahren kirchenrechtlich als Erwachsene gilt (CiC can 1395 § 2), auf die die kanonische Schutzaltersgrenze nicht mehr zutrifft.

Quelle: NDR


28.10.2020 Von September 2019 bis September 2020 wurden den Missbrauchsbeauftragten des Bistums Würzburg sieben Vorwürfe zu sexualisierter Gewalt gegen Minderjährige oder zu Grenzüberschreitungen gemeldet. Vier Priester werden des Missbrauchs von Kindern verdächtigt. Zwei von ihnen sind bereits tot, einer wurde suspendiert. Die Vorwürfe gegen einen vierten Priester ließen sich nicht erhärten. Ein Laienmitarbeiter steht unter Missbrauchsverdacht, einen Laienmitarbeiter und einem weiteren Priester werden Grenzüberschreitungen vorgeworfen. Seit September 2019 haben fünf Betroffene Anträge auf Leid-Anerkennungszahlungen gestellt. An vier Betroffene wurden 15.000 Euro gezahlt, über einen Antrag ist noch nicht entschieden.

Quellen:  Bistum Würzburg   sueddeutsche.de


27.10.2020 Der Interventionsbeauftragte des Bistums Aachen, Helmut Keymer, berichtet von seiner Arbeit. In den kommenden Wochen will das Generalvikariat des Bistums ein Gutachten über das Ausmaß an sexuellem Missbrauch veröffentlichen.

Quelle: kirchenzeitung-aachen.de


27.10.2020 Die Staatsanwaltschaft Ingolstadt leitet kein Ermittlungsverfahren gegen einen Domkapitular des Bistums Eichstätt ein. Eine kirchenrechtliche Voruntersuchung läuft derzeit noch. Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, gegen einen ihm im Vatikan (2001-2008) unterstellten Geistlichen mehrfach sexuell übergriffig geworden zu sein. Der Domkapitular weist die Vorwürfe zurück. Vrstöße gegen das Zölibatsversprechen werden kirchenrechtlich nur geahndet, wenn sexuelle Handlungen durch Gewalt oder Drohungen erzwungen werden. Ob Abhängigkeitsverhältnisse auch ins Gewicht fallen, ist nicht bekannt.

Quelle: Domradio


26.10.2020 Die Visitation der Katholischen Integrierten Gemeinde durch das Erzbistum München-Freising ist abgeschlossen. Konsequenzen werden geprüft.Eine kirchenrechtliche Auflösung kann nur durch den Erzbischof von München, Kardinal Marx, erfolgen.

Alle Mitglieder der KIG sind ausgetreten und haben sich damit der Visitation entzogen. Vertreter der Gemeinde lehnten eine Stellungnahme ab. Der "Förderkreis2 der KIG hat Ende September seine Selbstauflösung angekündigt. Die KIG sieht sich als Opfer bösartiger Verleumdungen. Einige Personen suchen derzeit nach einer neuen rechtlichen Form.

Quelle: neuesruhrwort.de  Domradio


26.10.2020 Der Kirchenrechtler Thomas Schüller nennt die monatelange Verzögerung der Veröffentlichung der Missbrauchsstudie im Erzbistum Köln ein "Trauerspiel". Das Erzbistum teilt mit, dass die Veröffentlichung noch dauere. Eine weitere Kanzlei prüfe nun die Voraussetzungen für die identifizierbare Nennung der früheren Verantwortungsträger.

Quelle: evangelisch.de


26.10.2020 Alexandra von Teuffenbach legt eine Dokumentation über den Machtmissbrauch von Josef Kentenich, Gründer der Schönstattschwestern, über den von ihm initiierten und geförderten Personenkult und über seine Grenzüberschreitungen vor. Sie schreibt vor allem aus der Perspektive der Betroffenen. Der Trierer Historikerkommission, die im Auftrag des Bistums Trier die diözesane Phase zum Seligsprechungsverfahren betrieb, lagen diese Kenntnisse vor. Sie beendete 2007 ihre Arbeit, ohne die Aussagen so vieler Frauen über ihren Missbrauch durch Kentenich zu berücksichtigen und ohne ein Ergebnis.

„Vater darf das!“ Eine Archivdokumentation. Sr. M. Georgina Wagner und andere missbrauchte Schönstätter Marienschwestern. Eingeleitet und zusammengestellt von Alexandra von Teuffenbach, Bautz Verlag, Nordhausen 2020, Isbn 978-3-95948-494-7

Quellen: katholisch.de   br.de

schoenstatt.org: hier wird versucht, wissenschaftliches Arbeiten durch Phantasien über die Psyche der Forscherin unglaubwürdig zu machen.

Am 1.7.2020 hatte das Generalpräsidium des internationalen Schönstattwerkes die Darstellung zurückgewiesen. Der Vorsitzende des Generalpräsidiums, Pater Juan Pablo Catoggio, hatte u.a. geschrieben: "Bekannt ist, dass im Rahmen der kirchlichen Prüfung des Schönstattwerkes in den 1950er Jahren von einigen Personen gegenüber Vatikanischen Behörden Anklagen gegen den Schönstatt-Gründer erhoben wurden, die alle in der 14-jährigen Exilszeit des Gründers bearbeitet und entkräftet wurden. Auch im Rahmen des im Jahre 1975 eröffneten Seligsprechungsverfahrens wurden diese Themen erneut aufgegriffen und geklärt, und alle in irgendeiner Form als relevant erscheinenden Dokumente und Zeugenaussagen den zuständigen kirchlichen Autoritäten zugänglich gemacht."


25.10.2020 Der frühere Papst Benedikt XVI. hat sich von der Katholischen Integrierten Gemeinde (KIG) distanziert. Als Erzbischof von München, Präfekt der Glaubenskongregation und als Papst unterstützte er sie. Inzwischen bescheinigte das Erzbistum München der KIG den Missbrauch von Mitgliedern und sektenähnbliche Strukturen. Kardinal Ratzinger schreibt, er sei "über manches im Innenleben der IG nicht informiert oder gar getäuscht worden".  Mitglieder berichten, dass unter der Leiterin Traudl Wallbrecher eine geistliche Diktatur geherrscht habe, dass Beziehungen und Ehen gestiftet und getrennt wurden auf Anweisung der Gemeindeversammlung. Diese habe auch entschieden, wann ein Paar Kinder bekommen sollte und welche Berufe ergriffen werden sollten. Einkommen und Erbschaften mussten der Gemeinde übergeben werden. Wer nicht gehorchte, wurde mit Kontaktabbruch bestraft.

Quellen: Süddeutsche   br.de - Bericht einer Aussteigerung 20.11.2019


Zwei interessante Vorträge aus katholischer Perspektive:

Hans Joachim Sander: Die Zukunft des Christentums in Europa

Thomas Schüller: Wege der Kirche in die Zukunft der Menschen


24.10.2020 Maria Voce, Präsidentin der Fokolarini, hat die Rücktritte von Bernard Bréchet, Claude Goffinet und Henri-Louis Roche angenommen. Sie waren für die Fokolar-Bewegung in Frankreich bzw. in Westeuropa zuständig. Hintergrund der Rücktritte scheint "das Schweigen oder die jahrelange mangelnde Initiative seitens verschiedener Leitungsvertreter" im Umgang mit einem Missbrauchstäter und seinen Opfern zu sein. Nun soll ein unabhängiges Gremium die Vorgänge untersuchen. Die Rücktritte der Mitverantwortlichen sollen gewährleisten, dass die Untersuchungen in vollem Umfang und transparent umgesetzt werden können.

Quellen: vaticannews.va  fokolar-bewegung.de


24.10.2020 Der Kirchenrechtler Thomas Schüller wirft Kardinal Joachim Meisner, Erzbistum Köln, vor, 2010 keine Anzeige bei der Glaubenskongregation in einem Missbrauchsfall gemacht zu haben. Aufgabe des damaligen Personalchefs und heutigen Erzbischofs von Hamburg, Stefan Heße, wäre es ebenso wie Aufgabe des beauftragten Kirchenrechtlers gewesen, den Bischof zu unterrichten. Heße wiederum hätte die Anhörung des beschuldigten Pfarrers protokollieren müssen und - nach der Aussageverweigerung der mutmaßlichen Opfer - Nachforschungen im sozialen Umfeld des Priesters und seiner mutmaßlichen Opfer anstellen müssen.

Quelle: katholisch.de


23.10.2020 Die Deutsche Bischofskonferenz hat eine "Rahmenordnung zum Ausschreibungs- und Besetzungsverfahren sowie zur Aufwandsentschädigung für die strukturelle Beteiligung von Betroffenen" erstellt. Die Betroffenen sollendie Prozesse zur Aufarbeitung in den Diözesen und den Austausch der Kommissionen auf Diözesanebene begleiten.

Quellen: DBK  katholisch.de


23.10.2020 Das Erzbistum München-Freising wird das Geld für die Anerkennungsleistungen für Opfer von sexuellem Missbrauch aus dem Vermögen des Erzbischöflichen Stuhls nehmen, nicht aus der Kirchensteuer. Die Verwaltung plant dafür maximal 2,5 Millionen Euro ein.

Zur Erinnerung: Die Westpfahl-Studie von 2010 hatte die Zeit von 1945 bis 2009 untersucht und 159 Priester (plus 17 mehr) und 15 Diakone gefunden, die"auffällig" geworden waren. Die Zahl der Opfer wurde nicht ermittelt. Die MHG-Studie untersuchte den Zeitraum von 1946 bis 2014 und fand 94 beschuldigte Priester und vier beschuldigte Diakone. Auch hier blieb die Zahl der betroffenen Minderjährigen unbekannt.

Quelle: sueddeutsche.de


22.10.2020 Die Suche nach der Wahrheit über einen Missbrauchsfall im Erzbistum Köln geht weiter. Bizarr - wenngleich durchaus üblich - scheint die Aussage zu sein, dass es gar keinen Missbrauch gegeben haben kann, weil der Beschuldigte gar kein Geständnis abgelegt habe. Das sei aus den Notizen zu ersehen, die wiederum unleserlich seien. Wenn es also gar keinen Missbrauch gegeben hat, kann dem damaligen Personalchef Heße natürlich auch keine Vertuschung vorgeworfen werden. Warum dann jedoch eine unterlassene Meldung eines Unschuldigen an die Glaubenskongregation eine Pflichtwidrigkeit sein soll, ist schleierhaft, denn der beschuldigte Priester habe seine drei minderjährigen Nichten ja gar nicht missbraucht.

Quellen: domradio.de  erzbistum-koeln.de   katholisch.de


22.10.2020 Der Kirchenrechtler Thomas Schüller fordert Erzbischof Wölki auf, das Gutachten über die Missbrauchsfälle und deren Vertuschung im Erzbistum Köln, zeitnah zu veröffentlichen. „Der kaum noch zu stoppende Glaubwürdigkeitsverlust der katholischen Kirche wird weiter Fahrt aufnehmen und zu einem rasenden Legitimationszerfall ungeahnten Ausmaßes führen, wenn Bischöfe nicht die persönliche Verantwortung für das übernehmen, was sie in ihrem beruflichen Leben getan beziehungsweise unterlassen haben“, sagte Schüller. Er weist darauf hin, dass Erzbischof Heße, Hamburg, wohl einschätzen könne, "ob er mit dieser gravierenden Belastung aus seiner Kölner Zeit als Personalchef auf Dauer Erzbischof der Hamburger Diözese bleiben kann“. Schüller verweist darauf, dass auch andere amtierende Bischöfen von ihrer Vergangenheit eingeholt werden.

Quelle: Aachener Zeitung


22.10.2020 Der Leiter des Kirchengerichts im Erzbistum Köln, Günter Assenmacher, soll laut "Zeit" Dienstpflichten verletzt haben, weil er die Meldung eines Missbrauchsfall an den zuständigen Kardinal Meisner und an die Glaubenskongregation pflichtwidrig unterließ. Das Erzbistum Köln bestätigte die Unterlassung der Meldung an die Glaubenskongregation (durch wen?), sieht jedoch keine explizite Verantwortung von Assenmacher.

Quelle: Zeit   katholisch.de 22.10.2020


21.20.2020 Der vom Bistum Trier vor einem Jahr eingerichtete Ausschuss hat seinen Zwischenbericht zu Gewalt am ehemaligen bischöflichen Internat Albertinum (1945 bis 1982), Gerolstein, vorgelegt. Acht männliche Mitarbeiter - unter ihnen drei katholische Priester - sollen körperliche, psychische und/oder sexuelle Gewalt gegen die Schüler ausgeübt haben. 32 Berichte von Schülern liegen den Ausschussmitgliedern vor. Bischof Ackermann berichtet, dass es schon vor Jahren Hinweise auf Gewalt im Internat gegeben habe, "man" habe aber erst 2018 erkannt, dass es sich nicht um Einzelfälle gehandelt habe.

Quelle: swr.de


21.10.2020 Der Fall des Erzbischofs Heße wird von R. Löbbert und G. Löwisch dargestellt.

Quelle: Zeit


20.10.2020 Tanten, Omas, Nachbarinnen und besonders häufig: die eigene Mutter. Immer wieder sind Frauen an Kindesmissbrauch beteiligt. Über einen blinden Fleck in der Gesellschaft.

Quelle: Süddeutsche


20.10.2020 Dr. Doris Reisinger erhält den Christine-Schenk-Preis 2020 für junge katholische Führungspersönlichkeiten. Herzlichen Glückwunsch!

Quelle: futurechurchnews.org


20.10.2020 Der katholische Theologe Georg Essen, Berlin, sagt, der Missbrauch und dessen Vertuschung durch Amtsträger sei "eine Beschädigung des katholischen Selbstverständnisses, von der wir noch nicht wissen, wie wir weiter damit umgehen können". Das gebe der Missbrauchskrise "ein dramatisches Ausmaß". Der Kirche drohe "ein Legitimationszerfall, wie wir ihn bislang noch nicht kannten".

Quelle: domradio.de


19.10.2020 Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße räumt gegenüber der Bildzeitung ein, dass sein Namenskürzel unter einer rechtswidrigen Anweisung steht. Die Anweisung vom 3.11.2010 (!) lautet:

„Aus einer Gesprächsnotiz über ein Telefongespräch geht hervor, dass Pfarrer U. im Generalvikariat in einem Gespräch alles erzählt hatte. Es sollte über dieses Gespräch jedoch bewusst kein Protokoll angefertigt werden, weil befürchtet wurde, dass dies dann beschlagnahmefähig wäre. Aus diesem Grund sollten nur handschriftliche Notizen existieren, die notfalls vernichtet werden könnten. Herr Prälat Dr. Heße gibt zu diesem Vorgehen sein Einverständnis.“ Quelle: Aktenzeugnis des Erzbistums Köln vom 19. Dezember 2018

Hinweis: In den ab 1.9.2010 gültigen Leitlinien heißt es: Das Gespräch wird protokolliert. Das Protokoll soll von allen Anwesenden unterzeichnet werden."

Quelle: Bild-Zeitung


18.10.2020 In einem wissenschaftlichen Projekt will das Bistum Würzburg klären, wie Kirchenverantwortliche mit Missbrauchsfällen umgegangen sind. Ergebnisse sollen 2025 vorliegen.

Quelle: Domradio


18.10.2020 Interview mit Christina Zühlke, WDR 5 zum Film: Missbraucht! Wann nennt die Kirche endlich Namen?






16.10.2020 Im Bereich Mecklenburg des katholischen Erzbistums Hamburg wurde begonnen, Personalakten von ca 200 Priestern, die zwischen 1945 und 1989 dort tätig waren, zu sichten. Sieben Interviews mit Betroffenen wurden vereinbart. Noch bis Jahresende soll die ehemalige Bistumsleitung durch Wissenschaftler*innen der Universität Ulm unter Leitung der Psychiaterin Manuela Dudeck befragt werden. Erzbischof Heße hatte 2018 einen Beirat eingerichtet, der die Wissenschaftler beauftragte. Grund für die Untersuchung ist eine Häufung von Missbrauchsfällen durch Kleriker im mecklenburgischen Bereich des Erzbistums Hamburgs. Dort wurden 17 Priester bekannt, die 54 Minderjährige missbrauchten. Einer der Hauptverdächtigen ist der verstorbene Priester Hermann-Josef Timmerbeil, der die Pfarrei Neubrandenburg zwischen 1946 und 1975 leitete.

Quelle: Domradio


16.10.2020 Das Amtsgericht Jülich hat beschlossen, das Verfahren gegen einen katholischen Pfarrer wegen eines sexuellen Übergriffs nicht zu eröffnen, weil es "eine überwiegende Wahrscheinlichkeit" für einen Freispruch sehe. Die Staatsanwaltschaft Aachen legte gegen diesen Beschluss Beschwerde ein. Der Beschuldigte war im Oktober 2019 angeklagt worden und von seinen Ämtern freigestellt worden. Der kirchliche Interventionsbauftragte der Diözese Aachen, Helmut Keymer, hat vor, Gespräche mit dem Betroffenen, dem Beschuldigten und den Verantwortlichen in der betroffenen Gemeinde zu führen.

Quelle: domradio.de


Quelle: augsburger-allgemeine.de


15.10.2020 Das Amtsgericht Jülich wird kein Hauptverfahren gegen Pfarrer K. einleiten. Das Bistum Aachen leitet die Voruntersuchung für ein Kirchenrechtsverfahren ein. 

Quelle: bistum-aachen.de


14.10.2020 Das Strafgericht des Vatikanstaates hat einen Prozess gegen einen damaligen Schüler des "Preseminario San Pio X" für angehende Priester, Gabriele Martinelli, eröffnet. Der Beschuldigte soll als Minderjähriger zwischen 2007 und 2012 einen ein Jahr jüngeren Mitschüler zu sexuellen Handlungen gezwungen haben. Dem früheren Rektor des Seminars Enrico Radice wird vorgeworfen, trotz der Verwürfe die Weihe des Beschuldigten zum Priester gefördert und Ermittlungen behindert zu haben. Bereits 2013 seien anonyme und nicht anonyme Hinweise eingegangen. In der folgenden Untersuchung seien keine Bestätigungen gefunden worden.

Quelle: Domradio


14.10.2020 Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße verantwortete 2012 eine Broschüre, in der die Gläubigen darüber informiert wurden, dass 2008 im Erzbistum Köln ein Hinweis auf einen Verdachtsfall einging, der Beschuldigte jedoch verstorben sei. In den seit 2012 vergangenen Jahren habe es lediglich einen Fall gegeben, der strafrechtlich geahndet wurde. In drei weiteren Fällen stellte die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen ein. In der MHG-Studie ist 2018 von 87 beschuldigten Priestern die Rede.

Erzbischof Heße beschreibt diese Lüge folgendermaßen: "Die Broschüre ist aus heutiger Sicht ein erster, aber misslungener Versuch, mit dem Thema Missbrauch umzugehen. Es ist sicher ein Versäumnis, dass nicht alle damals bekannten Fälle aufgeführt worden sind."

Quelle: Kirche und Leben

Zeit.de, Artikel von  Raoul Löbbert und Georg Löwisch


 14.10.2020 Der Erzbischof des Erzbistums Hamburg, Stefan Heße, soll 2010 als Leiter der Personalabteilung des Erzbistums Köln einen Priester, der über Jahre hinweg seine drei Nichten sexuell missbrauchte, der staatlichen und der kirchlichen Strafverfolgung entzogen haben. Die Bild-Zeitung berichtet, dass es eine handschriftliche Gesprächsnotiz vom 3.11.2010 über ein Telefonat gebe. Inhalt der Notiz sei, dass der beschuldigte Pfarrer U.im Generalvikariat alles erzählt habe, dass jedoch "bewusst kein Protokoll angefertigt werden, weil befürchtet wurde, dass dieses beschlagnahmefähig wäre. Aus diesem Grund sollten nur handschriftliche Notizen existieren, die notfalls vernichtet werden könnten. Prälat Dr. Heße gibt zu diesem Vorgehen sein Einverständnis.“

Erzbischof Heße bestreitet gegenüber der Bild-Zeitung, an der Vertuschung des Falles beteiligt gewesen zu sein.

Der Beschuldigte wurde 2010 beurlaubt, soll jedoch bereits seit dem 22. Juni 2011 wieder in der Seelsorge eingesetzt worden sein. 2014 wurde er in Wuppertal zum stellvertretenden Stadtdechanten gewählt. Erst im April 2019 wurde er erneut beurlaubt. Erst dann wurde der Fall dem Vatikan gemeldet.

Quellen: faz.net   welt.de


13.10.2020 In der FAZ stand eine Glückwunschanzeige für den Erziehungswissenschaftler Hartmut von Hentig zu seinem 95. Geburtstag. Dort wurde von Hentig als "Freund und Kollege" und als "Lehrer und großen Anreger" gepriesen. Von Hentig hat 2016 in seinem Buch "Noch immer mein Leben" sechs Jahre nach dem Tod des Haupttäters der Odenwaldschule, Gerold Becker, versucht, Beckers Ehre zu retten und den Opfern eine Mitschuld an ihrem Missbrauch zu geben. Dies kritisiert der Passauer Strafrechtsprofessor Dr. Holm Putzke. Zu den Gratulant*innen gehörten u.a. Rita Süssmuth und Klaus Hurrelmann. 

Quelle: hpd.de


13.10.2020 Papst Franziskus hat Kardinal Pell zu einem halbstündigen Gespräch empfangen. Vergessen scheint nach dem Freispruch wegen sexuellem Missbrauch - aus Mangel an Beweisen -  die Feststellung der australischen königlichen Missbrauchskommission, dass Pell in seiner Zeit als Priester und Erzbischof von dem „unangemessenen Verhalten von Klerikern gegenüber Kindern in den 1970er und 1980er Jahren“ gewusst habe  und den Vorwürfen nicht nachgegangen war.  Das stellte 2017 die königliche australische Missbrauchskommission fest. 2016 hatte Pell pauschal Fehler eingestanden.

Quelle: sueddeutsche.de


12.10.2020 Carola Moosbach, der Initiative seit ihren Anfängen verbunden, hat ein neues Buch geschrieben: Johann Sebastian Bachs Töchter. Historischer Roman, St. Benno-Verlag, Leipzig.Interview mit Carola Moosbach am 12.10.2020


11.10.2020 Christiane Florin fordert im Interview mit Doris Reisinger, dass Frauen ihre Erfahrungen mit Kirche aufschreiben sollen. Ihr Appell richtet sich vor allem auch an Frauen, die 80 und 90 Jahre alt sind. Damit solle verhindert werden, dass die Kirchengeschichte eine "Männergeschichte" bleibe.

Quelle: kathpress.at   Interview mit Christiane Florin 13.10.2020


11.10.2020 Über den Zwischenbericht des Bistums Mainz zu sexualisierter Gewalt durch Kleriker und Kirchenmitarbeiter*innen

Quelle: www1.wdr.de ab min. 13


10.10.2020 Zwei Missbrauchsbetroffene aus dem Bistum Luxemburg erzählen.

Quelle: wort.lu


9.10.2020 Interview mit Christiane Florin zu Kardinälen und Bischöfen in Deutschland, die über ihre Beteiligung an der Vertuschung sexuellen Missbrauchs lügen.

Quelle: DLF


9.10.2020 Hans Zollner, SJ, fragt, warum die Kirche zwar bei den einzelnen Katholiken anmahne, Fehler zu bekennen, zu bereuen und wiedergutzumachen. Zugleich schaffe sie es als Institution nicht, eigene Fehler öffentlich zu bekennen und zu bereuen. Weltweit werde in vielen Ortskirchen die Missbrauchsproblematik verleugnet und die Aufarbeitung verleugnet. Bischof Ackermann verweist auf die geplante Einführung einer kirchlichen Verwaltungsgerichtsbarkeit. Matthias Katsch, Sprecher des Eckigen Tisches, nenntz die Kirche ein autoritäres System mit "organisierter Verantwortungslosigkeit". Bislang habe in Deutschland noch kein Bischof Verantwortung für Vertuschung und Versagen übernommen. Jörg Fegert beklagt die große Sprachlosigkeit der Kirche bei Fragen der Sexualität und sexueller Ausbeutung. Er schlägt vor, Schweigekartelle aufzudecken, indem analysiert werde, welcher Bischof wem in seiner akademischen und kirchlichen Laufbahn verpflichtet gewesen sei.

Quelle: Domradio


8.10.2020 Carola Moosbach, der Initiative seit ihren Anfängen verbunden, hat ein neues Buch geschrieben: Johann Sebastian Bachs Töchter. Historischer Roman, St. Benno-Verlag, Leipzig.


8.10.2020 Das Bistum Speyer plant die Gründung eines Betroffenenbeirates, der die Aufarbeitung kritisch begleiten soll und Hinweise für Prävention geben soll.

Quelle: Bistum Speyer


8.10.2020 Die Kirchenrechtlerin Myriam Wijlens fordert, dass sexueller Missbrauch durch katholische Kleriker im Kirchenrecht nicht mehr als Verletzung des Zölibats, sondern als Verletzung der Menschenwürde von Kindern verstanden und geahndet werden soll. Ermöglicht werden müsse die Anhörung und Beteiligung der Opfer in kirchlichen Verfahren möglich werden. Und Richtern und Beschuldigten müsse Zugang zu bisher getroffenen Entscheidungen ermöglicht werden. Nur so können die Verfahren fair sein. Wijlens kritisierte fehlende Aus- und Fortbildung des Personals in den Kirchengerichten. Der Vatikan jedoch habe inzwischen dazugelernt und sei vorangegangen. Die Umsetzung in den Ortskirchen hingegen dauere zu lange. In Deutschland werde die Frage nach der persönlichen Verantwortung und möglichen Rücktritten von Bischöfen und Ordensoberen, die Täter gedeckt haben, gerade erst gestellt. Zudem sei noch offen, ob Schadensersatz nicht auch für das Vertuschen geleistet werden müsse. - Die Kölner Strafrechtsprofessorin Frauke Rostalski kritisierte eine mangelnde Bereitschaft von Staatsanwaltschaften, bei kirchlichen Fällen hart zu ermitteln.

Quelle: Domradio


8.10.2020 Der Hamburger Historiker Thomas Großbölting leitet das Team, das Missbrauchsfälle im Bistum Münster aufarbeiten soll. Er stellt fest, dass derzeit die Persönlichkeitsrechte von Verantwortlichen für den Umgang mit kirchlichen Missbrauchsfällen und die Persönlichkeitsrechte von Missbrauchstätern Vorrang vor dem Aufklärungsinteresse haben. Verantwortungsträger beriefen sich immer stärker auf Persönlichkeitsrechte, um öffentliche Aufklärung zu verhindern. Es fehle in diesem Bereich an eindeutiger Rechtsprechung. Großbölting appellierte an die Politik und die Bischöfe, für rechtliche Klarheit zu sorgen, auch im Bereich kirchlicher Archiv-Vorschriften. Der Bochumer Kirchenhistoriker Wilhelm Damberg bemerkte, dass in Deutschland der Datenschutz als Vorwand diene, um Aufklärung und die Nennung von Namen zu verhindern.

 Quelle: Domradio

7.10.2020 Rechtsanwalt Ulrich Weber hat im Auftrag des Bistums Mainz in persönlichen Kontakten und Prüfung von Dokumenten und Archivdaten Missbrauchsfälle ermittelt. In einem heute vorgestellten Zwischenbericht geht er von 273 Beschuldigten und 422 Betroffenen aus. In der MHG-Studie waren 53 Täter und 169 Opfer ermittelt worden.  Der Abschlussbericht über Missbrauchsfälle im Bistum Mainz, der die Zeit von 1945 bis 2019 umfasst, soll Anfang 2022 vorliegen. Der Großteil der Vorfälle fiel in die Amtszeiten von Kardinal Volk (1962 bis 1982) und Kardinal Karl Lehmann (1983 bis 2016). Versetzungen oder Bistumswechsel von Klerikern entschied der amtierende Bischof.

Bischof Kohlgraf versprach im Blick auf den Abschlussbericht: "Wir werden uns der Frage stellen, was solches Fehlverhalten für das Leben der Kirche heute bedeutet, für unsere Präventionsarbeit, aber auch für die historische Einordnung und Erinnerung an Menschen, die früher im Bistum gearbeitet und Verantwortung getragen haben."

Quellen: Bistum Mainz   saarbruecker-zeitung.de  katholisch.de   swr

Kommentar: Kardinal Lehmann sagte im Spiegel am 13.3.2006: "In meiner Diözese Mainz sind es in den 19 Jahren, in denen ich Bischof bin, insgesamt vielleicht drei oder vier Fälle gewesen. Eine bundesweite Übersicht gibt es nicht. Nochmals: Wir haben das Problem nicht in diesem Ausmaß. Warum soll ich mir den Schuh der Amerikaner anziehen, wenn er mir nicht passt?"


7.10.2020 Das Erzbistum Freiburg sucht Betroffene kirchlicher sexualisierter Gewalt, die bereit sind, im Betroffenenbeirat mitzuarbeiten.

Quelle: Domradio.de


5.10.2020 Joachim Frank sagt, dass die Katholik*innen mit Recht erwarten dürfen, dass die Bischöfe das Geld für die "Anerkennungszahlungen" an kirchliche Missbrauchsbetroffene nicht aus der Kirchensteuer genommen werden dürfen. Er schlägt vor, dass die Bistümer Immobilien - z.B. Priesterseminare, aus denen die späteren Täter hervorgingen - verkaufen. Oder sie könnten 1000 Euro von ihrem ungefähr zehnmal höheren Monatsgehalt nehmen.  Damit würde aus der Betroffenheitsrhetorik eine Betroffenensymbolik.

Quelle: katholisch.de


3.10.2020 Heribert Prantl kommentiert das Verhalten der katholischen Bischöfe in Deutschland: Die Entschädigungszahlungen an die Opfer sind "nicht wenig, aber auch nicht sehr viel. Vor allem aber geht das nicht einher mit einem umfassenden, schmerzhaften, radikalen Bekenntnis der Verantwortlichen dazu, welches Unrecht sie den Opfern angetan haben. Dies ist es, was die Opfer in erster Linie wollen. Keinen deutschen Bischof hat das Leid der Opfer so umgetrieben, dass es ihn zum Rücktritt gedrängt hätte. Die Leitung der katholischen Kirche in Deutschland findet keine Schuld bei sich. Es geschieht nicht mehr überall, aber noch viel zu häufig: Es wird vertuscht, wie sehr vertuscht wurde. Vertuschung zeigt sich selbst in den Betroffenheits- und Schamritualen, in denen Bischöfe von ihrem Schmerz sprechen und um Entschuldigung bitten. Die Reue ist routiniert, sie ist wortreich, aber nicht tatkräftig."

Quelle: sueddeutsche.de


2.10.2020 Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße sagt, er habe als Generalvikar im Erzbistum Köln alle Missbrauchsfälle Kardinal Meisner vorgelegt. Kardinal Meisner wiederum zeigte sich Ende März 2015 ahnungslos: "Nichts geahnt! Nichts geahnt! Wissen Sie, ich habe mir das doch nicht vorstellen können."

Quelle: zeit.de

2.10.2020 Im Bundesstaat New York trat 2019 ein Gesetz in Kraft, das Opfern von sexuellen Übergriffen das Recht gibt, Fälle auch nach Jahrzehnten noch anzuzeigen. In der Diözese Rockville Centre wurden mehr als 200 Klagen eingereicht. Nun hat die Diözese Konkurs angemeldet.

2.10.2020 Kardinal Barbarin leidet darunter, zum öffentlichen Symbol für Pädophilie geworden zu sein. Das hat er in einem Buch beschrieben.

2.10.2020 Weitere Analysen der MHG-Daten ergaben, dass das katholische System der Vertuschung deutlich ausgeprägter war als in anderen Institutionen. Und es zeichnet sich ab, dass der Anteil katholischer Priester, die Jungen missbrauchten, auch nach der Zulassung von Mädchen zum Ministrantendienst 1994 mit 77 Prozent vor 1994 versus 78 Prozent nach 1994 stabil geblieben ist.
Quelle: herder.de

1.10.2020 Helga Kohler-Spiegel findet in Lukas 1,26-38 - Verkündigung der Geburt Jesu - die Berufung von Maria zur Prophetin. Alle Elemente der Gattung Berufung sind vorhanden: Ansprache des Propheten durch Gott oder einen Boten Gottes; Erschrecken des Menschen, Antwort des Menschen; Auftrag; Widerspruch des Beauftragten; Zeichen zur Bestätigung; Bejahung des Auftrags durch den Berufenen.

1.10.2020 Der Freiburger Erzbischof Burger legt einen Zwischenbericht der Kommission "Macht und Missbrauch" vor. Demnach wurden bisher 40 - 50 Befragungen durchgeführt. Für weniger als zehn Personen wurde eine fortlaufende Überprüfung empfohlen. Das Erzbistum will einen Betroffenen-Beirat einrichten und eine neue Kommission "Unabhängige Kommission für sexuellen Missbrauch" soll eingerichtet werden. 
Quelle: swr

1.10.2020 Lisa Scharnagel kommentiert den Beschluss der Bischofskonferenz über Anerkennungszahlungen an kirchliche Missbrauchsbetroffene: "Wenig ist nicht genug".
Quelle: cicero

1.10.2020 Die (Erz-)Bistümer Bamberg, München und Freising, Augsburg, Eichstätt, Passau, Würzburg, Speyer wollen zeitnah Kommissionen zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche einrichten. Das Bistum Regensburg, das ebenfalls zu den bayerischen Bistümern zählt, geht einen eigenen Weg. Die angemessene Beteiligung Betroffener sei nach wie vor schwierig. Die Bistümer beraten derzeit über die Möglichkeit, einzelne Betroffene in mehreren Kommissionen zu haben.
Quelle: gmx.net

1.10.2020 Das Institut für Prävention und Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt (IPA) hat sich mit einem Trägerverein eine neue Struktur gegeben. Es soll kirchennah bleiben, aber unabhängig von der Kirche handeln. Dem Kuratorium gehören zehn Vertreter aus Kirche, Politik und Wissenschaft an, u.a. der Unabhängige Beauftragte der Bundesregierung, die Theologin Karlijn Demasure. Vorsitzender ist der Kölner Rechtsanwalt Stefan von der Linde, sein Stellvertreter ist Bischof Ackermann. 

30.9.2020 Gegen einen Pfarrer aus Steinfurt, Bistum Münster, sind staatsanwaltschaftliche Ermittlungen eingestellt worden. Wegen neuer Vorwürfe, die dem Bistum bekannt wurden, wird nun eine kirchenrechtliche Voruntersuchung eingeleitet.


29.9.2020 Das Bistum Münster will Leid-Anerkennungszahlungen für kirchliche Missbrauchsbetroffene nicht aus Mitteln der Kirchensteuer zahlen, sondern aus den Finanzen des Bischöflichen Stuhls.

28.9.2020 Ein katholischer Pfarrer aus Schalksmühle, Bistum Essen, wurde wegen Beschaffung und Besitz von Darstellungen sexueller Ausbeutung von Kindern vom Amtsgericht Lüdenscheid verurteilt. Nun beginnt das kirchenrechtliche Verfahren.
Quelle: come-on.de

28.9.2020 Peter Otten macht einen Vorschlag, wie Weihnachten 2020 gefeiert werden könnte. "Warum nicht so, dass sich die Sterndeuter unserer Tage – die Bischöfe und amtlichen Verantwortungsträger, die in den Verbrechen sexualisierter Gewalt an unzähligen Kindern ihrer Verantwortung nicht gerecht geworden sind – endlich aufraffen. Sie könnten Weihnachten vor der Krippe niederfallen und dem göttlichen Kind huldigen. Und zwar so: 'Ja, ich wars. Ich hätte Verantwortung tragen müssen und habe es nicht getan.' Und dann könnten jeder das, was er hinzulegen hat hinlegen. Und sagen: 'Mit Gold und Geld will ich das unermessliche Leid, dass die Kinder und Jugendlichen erfahren haben wieder gut machen. Wie Jesus will ich jeden Überlebenden und jede Überlebende fragen: Was kann ich dir tun? Ich werde ihre Antwort hören und ohne zu zögern entsprechend handeln.'"

28.9.2020 Bericht von einem Mann, der Opfer seiner Frau wurde.

26.9.2020 Robert Köhler, Sprecher des Vereins Ettaler Misshandlungs- und Missbrauchsopfer" schlägt vor, dass Bischöfe, die Missbrauchstäter neu eingesetzt haben, so dass die Täter erneut aktiv werden konnten, auf ihre Ämter verzichten sollten. Im Fall der Vertuschung durch Bischöfe, sollte die Bischofsweihe als ungültig betrachtet werden.

25.9.2020 Inge Tempelmann gibt Anstöße zu einer Kirche, die sich im Blick auf die Missbrauchs-Problematik als lernende Organisation versteht.

25.9.2020 Karl Hauke, Mitglied des Betroffenenbeirates im Erzbistum Köln, kritisiert die Beschlüsse der Deutschen Bischofskonferenz zu "Schmerzensgeldzahlungen" für Missbrauchsbetroffene: "So kann man mit Betroffenen nicht umgehen", sagt Hauke.
Quelle: Domradio

25.9.2020 Harald Dreßing (MHG-Studie) und andere Forscher*innen haben untersucht, ob das System der Vertuschung in der Kirche bei sexuellem Missbrauch mit anderen Institutionen vergleichbar ist. Die Analyse von 67 Priester-Akten und 52 Vertretern anderer Institutionen zeigen, dass bei 27 Prozent der angeklagten Kleriker Kolleginnen und Kollegen versuchten, die Taten zu verharmlosen, In der Vergleichsgruppe geschah dies nur bei 15 Prozent. Bei 52 Prozent der Kleriker gab es Hinweise auf eine formelle institutionelle Verharmlosung oder Vertuschung. In der Vergleichsgruppe war dies nur bei 3 bzw. 6 Prozent der Täter der Fall. Dreßings Fazit: "Diese Erkenntnisse legen nahe, dass Verantwortliche in der katholischen Kirche Vorwürfen gegen Kleriker wegen eines sexuellen Missbrauchs von Kindern oder Jugendlichen zumindest in der Vergangenheit umfassender als Vertreter anderer Institutionen verharmlost und vertuscht haben."

25.9.2020Das Erzbistum Köln will die Studie zum internen Umgang mit sexuellem Missbrauch weiterhin veröffentlichen. Neben der Aufarbeitung solle auch die Rolle der damaligen und heutigen Verantwortlichen - Personalchefs, Generalvikare, Bischöfe - geklärt werden. Allerdings müsse die Untersuchung noch rechtlich abgesichert werden. Erzbischof Heße, früher Generalvikar in Köln, hatte Einspruch gegen die Veröffentlichung eingelegt, weil ihm in der Studie vorgeworfen wurde, in sechs Missbrauchsfällen nicht richtig gehandelt zu haben. Heße bestreitet die Vorwürfe und sagte, die Studie sei unsorgfältig. Ein Zeitpunkt der Veröffentlichung ist derzeit nicht absehbar.

25.9.2020 Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, lobte die Bischofskonferenz für die getroffenen Regelungen zu Leid-Anerkennungs-Zahlungen, weil mit den vereinbarten Standards die Aufarbeitung in den Bistümern endlich vorankomme. Er sagt jedoch, dass die Grenze von 50.000 Euro bei Fällen schweren sexuellen Missbrauchs als "ungerecht und nicht akzeptabel" anzusehen sei: "Ich hoffe, dass die Bischöfe die Deckelung nicht aus Sparsamkeitsgründen getroffen haben, denn hier ist Sparsamkeit fehl am Platz."
Quelle: Domradio

24.9.2020 Interview mit einer betroffenen Frau aus dem Bistum Trier, in deren Fall der ehemalige Bischof Stein der Vertuschung beschuldigt wird. Das Bistum Trier gewährt derzeit der Betroffenen keine Akteneinsicht. Der Kirchenrechtler Thomas Schüller kommentiert das Verhalten des Bistums Trier, dessen Bischof der Missbrauchsbeauftragte der Dt. Bischofskonferenz ist.
Quelle: ardmediathek.de  ab min. 10

24.9.2020 Dem Krakauer Kardinal Stanislaw Dziwisz - einem Vertrauten von Papst Johannes Paul II. - wirft der Priester Isakowicz-Zaleski (64) vor, seine Hinweise auf sexuellen Kindesmissbrauch in der Kirche ignoriert zu haben. Dziwisz bestreitet das und fordert eine Untersuchungskommission. Isakowicz-Zaleski sagt, er habe im April 2012 ein Schreiben an Dziwisz persönlich übergeben, in dem er mehreren Priestern hauptsächlich sexualisierte Gewalt an Jungen vorwarf. Zudem wirft Isakowicz-Zaleski dem ehemaligen Bischof von Bielsko-Zywiec, Tadeus Rakoczy vor, Missbrauchsverbrechen eines Pfarrers vertuscht zu haben.
Quelle: Domradio

24.9.2020 Tilmann Kleinjung stellt fest, dass die katholische Kirche in Deutschland reich ist. Dennoch konnte sich die Bischofskonferenz nicht durchringen, kirchlichen Missbrauchsbetroffenen höhere Summen zu zahlen, die auch die Folgen der Verbrechen berücksichtigen und das Leid durch die Vertuschungen von Verbrechen durch Personalverantwortliche, Generalvikare und Bischöfe. Kleinjungs Fazit: "So haben es die Bischöfe verpasst, einen großen Schritt auf die Betroffenen von Missbrauch zuzugehen. Sie hätten sich mehr leisten können."
Quelle: ARD

24.9.2020 Florian Breitmeier kommentiert den Beschluss der Bischofskonferenz zu den Leid-Anerkennungs-Zahlungen an Missbrauchsopfer: "Vertrauensbildende Maßnahmen sind das nicht. Wieder einmal hat die katholische Kirche eine große Chance verpasst, ein unmissverständliches Zeichen zu setzen."
Quelle: NDR

24.9.2020 Christoph Strack berichtet vom einheitlichen Kurs der deutschen Bischöfe gegenüber kirchlichen Missbrauchsopfern. Sein Fazit: "Das ist nicht viel, aber besser als gar nichts."
Zugleich berichtet er von einer Feier anlässlich des 70. Jahrestags von Kardinal Angelo Sodano. Sodano hatte in der Ostermesse 2010 vom "Geschwätz des Augenblicks" gesprochen, durch das der Papst sich nicht irritieren lassen solle. Gemeint war die Thematisierung von sexueller Gewalt gegen Minderjährige durch katholische Priester.

Quelle: dw


24.9.2020 Im Bistum Limburg  wurde ein ambitioniertes Aufklärungsprojekt zum Thema sexueller Missbrauch angegangen, in dem – mit Zustimmung des Bischofs – sogar die Namen der Vertuscher genannt werden. Doch Opfer sexueller Gewalt kritisieren, dass sie bei Aufklärungsprozessen der Kirche oft nur pro Forma eingebunden sind.
Quelle: DLF

24.9.2020 Die Bistümer Hamburg, Hildesheim und Osnabrück wollen Aufklärung und Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch gemeinsam voranbringen. Sie werden eine entsprechende Kommission und einen Betroffenenbeirat einrichten.

24.9.2020 Bischof Ackermann sagt im Interview, dass die Bischofskonferenz nicht über Rücktritte von Verantwortlichen nachgedacht wurde. Er weist darauf hin, dass es in allen 27 Bistümern unabhängige Kommissionen zur Aufarbeitung geben wird, deren Ergebnisse seien abzuwarten. Auf die Frage nach Rücktritten von Verantwortlichen sagt Ackermann: "Wir haben in der Kirche eine andere Kultur als in der Politik. Wer zurücktritt, vollzieht zwar ein großes Symbol und macht den Weg frei für einen Nachfolger, aber gleichzeitig ist er dann auch aus der Verantwortung heraus. Wir wollen in der Kirche aber Verantwortung übernehmen und uns der Aufarbeitung stellen."

Quelle: katholisch.de


24.9.2020 Die Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz hat entschieden, dass es für kirchliche Missbrauchsopfer ein einheitliches Verfahren für Leid-Anerkennungs-Zahlungen geben soll, das sowohl Opfer von Bistumspriestern als auch Opfer von Ordensleuten umfasst. Die Höhe der Zahlungen orientiert sich an den in Deutschland üblichen Schmerzensgeldzahlungen mit der Obergrenze von 50.000 Euro. Festgelegt werden die Zahlungen durch ein zentrales und unabhängig besetztes Gremium.

23.9.2020 Das Bistum Fulda hat bisher 73.000 Euro an kirchliche Missbrauchsopfer in "Anerkennung des Leids" ausgezahlt. Es habe 116 Betroffene im Bistum gegeben - die MHG-Studie sprach noch von 75 Betroffenen - inzwischen sind also 41 weitere kirchliche Missbrauchsopfer hinzugekommen.

Im Bistum Limburg wurden bislang 192.000 Euro als Leid-Anerkennungszahlung an kirchliche Missbrauchsopfer gezahlt. Seit dem Jahr 2010 seien 40 Anträge auf Geldzahlungen eingegangen - allen wurde stattgegeben. Laut einer MHG-Folgeuntersuchung gab es im Bistum Limburg 46 Fälle von sexuellem Missbrauch durch Kleriker. In der MHG-Studie wurden 85 Betroffene genannt. 

Im Bistum Mainz wurden 341.000 Euro als Leid-Anerkennungszahlungen für ca 64 kirchlich Betroffene gezahlt. In der MHG-Studie war von 169 Opfern die Rede.
Quelle: hessenschau

23.9.2020 Die Veröffentlichung der Studie des Erzbistums Köln war kurz zuvor abgesagt worden. In dieser Studie wurde u.a. von dem heutigen Hamburger Bischof Stefan Heße, der zuvor im Erzbistum Köln Personalchef (2006 - 2012) und Generalvikar (2012-2015) war, gesagt: "Dieser Befund gestattet die Schlussfolgerung, dass es sich bei den Unzulänglichkeiten, einschließlich fehlender Opferfürsorge, nicht um Einzelfälle handelt, sondern um regelmäßig wiederkehrende, durchgängig festzustellende Mängel in der Sachbehandlung von Missbrauchsfällen basierend auf einer indifferenten, von fehlendem Problembewusstsein geprägten Haltung des Dr. Heße gegenüber Fällen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger durch Kleriker." Nun nimmt Erzbischof Heße Stellung zu diesem Urteil und sagt: "Ich habe erst im Laufe der Zeit gemerkt, wie tief der Abgrund ist, in den wir schauen. Ich persönlich nehme für mich in Anspruch, dass ich meine Verantwortung wahrgenommen und nicht vertuscht habe. Ich habe immer hin- und nicht weggeschaut. Ob ich immer alles gesehen und richtig gemacht habe, ist eine andere Frage. Es sind Fehler passiert und sicher auch mir." Heße sagt auf die Frage: "Haben Sie Schuld auf sich geladen?": " Schuld nein, Mitverantwortung ja." Heße weist darauf hin, dass Missbrauchsfälle "am Ende im Miteinander" entschieden wurden.
Kommentar:  Auch der frühere Freiburger Erzbischof Zollitsch, zugleich ehemaliger Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, sagte: "Ich war stets eingebunden in die Gemeinschaft der katholischen Kirche und ich habe nie alleine für mich entschieden, sondern es ist eine gemeinsame Entscheidung". Kein einziger Bischof - mit Ausnahme von Kamphaus, Limburg - sagt: Ich bin schuldig geworden, habe Täter geschützt, bin verantwortlich für weitere Opfer und habe Opfer im Stich gelassen. Ohne diese Einsicht und ohne dieses Bekenntnis wird es kaum noch möglich sein, den kath. Kirchenverantwortlichen Vertrauen entgegenzubringen.

22.9.2020 Der Theologe und Kirchenrechtler Norbert Lüdecke fürchtet, dass die Kirche auf Zeit spielt. Als Motiv vermutet er entweder "kaltes Kalkül oder sträfliche Fahrlässigkeit". "Wer wissen und handeln wollte, der konnte das seit über 30 Jahren", sagt er, denn in Deutschland sei spätestens seit den 1990er-Jahren  das Wissen um die Missbrauchsproblematik vorhanden.
Quelle: hr-inforadio

21.9.2020  Hans Zollner, SJ, kritisiert den Umgang der katholischen Kirche mit Missbrauchsvorwürfen. Er fordert den Rücktritt von Verantwortlichen.

22.9.2020 Führende Kirchenleute in München, Essen und Rom - unter ihnen der verstorbene Essener Kardinal Franz Hengsbach und der emeritierte Kardinal Friedrich Wetter aus München, vielleicht auch Erzbischof Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI. - haben einen als Sexualtäter verurteilten Priester über Jahre geschützt und seine Opfer ignoriert. Der Umgang der Kirchenverantwortlichen mit dem Straftäter Peter H. ist eine Geschichte ihres Versagens.

21.9.2020 Das Bistum Trier beabsichtigt - wie bereits im Februar 2020 - Vertuschungsvorwürfe gegen den früheren Bischof von Trier, Bernhard Stein (1904-1993), zu klären. Inzwischen lägen HInweise vor, wonach Bischof Stein von sexuellen Übergriffen eines Priesters wusste, kein Strafverfahren einleitete und den Priester versetzt und teilweise befördert habe.  Eine im Juni "angedachte Kommission" zur Aufarbeitung von Missbrauch im Bistum soll weitere Erkenntnisse bringen. Die Betroffenen-Initiative missbit fordert zudem einen symbolischen Akt öffentlicher Verantwortungsübernahme, indem der in der Trierer Altstadt liegende Bischof-Stein-Platz in "Platz der Menschenwürde" umbenannt wird.

20.9.2020 Kardinal Wölki will in der diesjährigen Vollversammlung der katholischen Bischofskonferenz die Anliegen kirchlich Betroffenen einbringen.Dazu gab es Kontakte mit dem Betroffenenbeirat des Erzbistums Köln. Der Betroffenenbeirat hatte zuletzt kritisiert, dass mit der Vereinbarung aller Bistümer mit dem Unabhängigen Beauftragten der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs der Kirche immer noch ein "gewaltiges Mitspracherecht" eingeräumt werde, dass es keine bundesweite Aufarbeitungskommission geben werde, dass den Betroffenen keine Akteneinsicht zugesagt wurde, dass die Regelungen nicht für Orden  gelten. Der Betroffenenbeirat erinnerte daran, dass das Bemühen um Aufarbeitung nicht "von der Notwendigkeit der Entschädigungen im mittleren sechststelligen Euro-Bereich für lebenslange Missbrauchsfolgen und für die strukturelle Ermöglichung des Missbrauchs" ablenken dürfe. Der Betroffenenbeirat mahnte Transparenz bei der Auswahl der Mitglieder der Aufarbeitungskommissionen in den Bistümern an, Akteneinsicht für Betroffene und verbindliche Zeitvorgaben.

18.9.2020 Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Bätzing, möchte, dass die Anerkennungszahlungen an kirchliche Missbrauchsopfer "nicht weiter" aufgeschoben werden. Bis Ende des Jahres sollte es ein System geben, so dass die Betroffenen die Zahlungen auch erhalten können.

Quelle: Domradio


18.9.2020 Im Bistum Trier gibt es neue Vertuschungsvorwürfe gegen den 1993 verstorbenen Bischof Berhard Stein. Ein Pfarrer soll in einer Dorfschule im heutigen Kreis Vulkaneifel Dutzende Kinder missbraucht haben. Dem Bischof gegenüber habe er den Missbrauch zugegeben. 1970 wurde der Pfarrer an das Offizialat Trier versetzt, 1977 erhielt er eine eigene PFarrei im Kreis Trier-Saarburg.

Quelle: swr


16.9.2020 Die Universität Paderborn sucht für eine Studie Zeitzeugen, die als Minderjährige sexuelle Gewalt durch katholische Geistliche erlebt haben oder die von sexuellen Übergriffen Kenntnis hatten. Betroffene und Zeugen können sich telefonisch unter 0 52 51 60 44 32 oder per E-Mail an christine.hartig@uni-paderborn.de wenden.

Quelle: rp-online.de


16.9.2020 Matthias Katsch, Opferinitiative Eckiger Tisch, erwartet mehr Unterstützung von Missbrauchsbetroffenen durch Kirchen und Politik. Dazu zählt er u.a. Unterstützung zur Selbstorganisation, zur Selbsthilfe, zum Austausch und zur Vernetzung Betroffener. Er nennt auch eine Einrichtung, die Betroffenen die beste mögliche Therapie und Beratung vermittelt, Wissen bündelt, Fortbildungen für Therapeuten und Berater anbietet und Räume schafft, wo Opfer sich nicht lange erklären müssen, um Unterstützung zu finden.

Quelle: Domradio


11.9.2020 Missio hat in einer nicht-repräsentativen Umfrage bei 101 kirchlichen Einrichtungen in Afrika, Asien und Ozeanien erhoben, dass ca zwei Drittel der Befragten aus 19 Ländern, dem Thema "Missbrauch von Ordensschwestern durch Priester" eine hohe bis sehr hohe Bedeutung beimessen. Das Hilfswerk kündigte die Einrichtung eines Büros an, das Präventionsmaßnahmen koordinieren soll.

Quellen:  missio-hilft.de   Kirche und Leben  dw


11.9.2020 Nicole Dittmer spricht mit Doris Reisinger über Missbrauch an Ordensschwestern.

Quelle: srv.deutschlandradio.de


9.9.2020 In Queensland, Australien, hat der Staat den Schutz des Beichtgeheimnisses bei sexualisierter Gewalt abgeschafft. Die katholischen Bischöfe protestierten dagegen.

Quelle: katholisch.de


9.9.2020 Der Stadtdekan von Frankfurt, Johannes zu Eltz, fordert die katholischen Bischöfe auf, freiwillig auf ihre Macht zu verzichten und sich eine neue Verfassung zu geben.

Quelle: zeit.de


8.9.2020 Die Benediktiner-Mönche der Abtei Downside in England verlassen nach massiven Missbrauchsskandalen das Kloster, weil sie an der Schuld leiden, die ihre Mitbrüder und Lehrerkollegen auf sich geladen haben. Vor den Problemen wollen sie nicht davonlaufen, aber an einem anderen Ort neu anfangen.

Quelle: kirche-und-leben.de


8.9.2020 Ruben Schneider weist auf die massiven psychischen und körperlichen Schäden hin, die die systematische Stigmatisierung und Viktimisierung bei Homosexuellen auslöst. Er fordert eine Korrektur der katholischen Lehre.

Quelle: feinschwarz

s. auch: Polens Bischöfe wollen Therapie für Homosexuelle fördern


7.9.2020 Michel Mulloy, der zum Bischof von Duluth in Minnesota ernannt wurde, trat noch vor seiner Weihe zum Bischof zurück. Er wird glaubwürdig der sexualisierten Gewalt beschuldigt, begangen an einem Minderjährigen in den 1980er Jahren. Der Papst nahm den Rücktritt an. Im Bistum Duluth wurden bisher 37 katholische Priester der sexualisierten Gewalt an Minderjährigen beschuldigt, 125 Betroffene erhielten Entschädigungszahlungen.

Quelle: katholisch.de


7.9.2020Der Interventionsbeauftragte des Bistums Münster, Peter Frings, wurde zum ersten Mal (!) in eine katholische Gemeinde, in die KAB St. Paulus, eingeladen, um von seiner Arbeit zu erzählen. Unter anderem berichtet er von seinen Gewissenskonflikten, z.B. im jüngsten Fall aus Borghorst, in dem ein ehemaliger leitender Pfarrer des sexuellen Missbrauchs beschuldigt wurde. Und er weist darauf hin, dass nicht nur Kleriker Mitwisser waren, sondern auch Gemeindemitglieder.

Quelle: wn.de

4.9.2020 Ein zweiter Mann wirft in einer eidesstattlichen Versicherung einem Eichstätter Domkapitular vor, ihn während seiner Tätigkeit im Vatikan zu sexuellen Handlungen gezwungen zu haben. Weitere Zeugen bestätigen nach Angaben der Anwälte des ersten Beschuldigers den Verdacht, "dass Verantwortungsträger in Rom und Eichstätt eine Strafverfolgung des Prälaten, wider besseres Wissen und über Jahre hinweg, verschleppt und seine mutmaßlichen Taten vertuscht haben". Der Beschuldigte wies die Anschuldigungen zurück. Er lässt seine Aufgaben ruhen.

Quelle: Domradio


4.9.2020 Das gedenkort.net hat eine Unterschriftenaktion "Sexualisierte Gewalt in der katholischen Kirche: So billig dürfen sie nicht davon kommen!" gestartet.

Quelle: weact.campact.de


4.9.2020 Im Evangelischen Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg wurden Ende Juli von fünf Personen sexualisierte Gewalt durch einen ehrenamtlichen Mitarbeiter der Evangelischen Kirchengemeinde Brügge/Lösenbach und vormals des CVJM Lüdenscheid-West e.V. gemeldet. Der Beschuldigte hat Selbstmord begangen. Inzwischen haben sich weitere Betroffene gemeldet. Die Gewalt umfasst mehrere Jahrzehnte und hat sich vermutlich auch nach 2000 noch ereignet.

Quelle: come-on.de


3.9.2020 Die katholische Kirche in Deutschland gehe energisch gegen sexualisierte Gewalt vor, meinen 29 % der Deutschen. Fast die Hälfte der Befragten teilt diese Ansicht nicht. Unter den Katholiken sind 47 Prozent der Meinung, die katholische Kirche gehe nicht energisch gegen sexualisierte Gewalt vor, 32 % sehen das anders.

Quelle: Domradio


3.9.2020 Zwölf VertreterInnen Betroffener werden im Betroffenenbeirat der EKD an der Prävention, Aufarbeitung und Hilfen bei sexualisierter Gewalt beteiligt. Sie arbeiten ab Mitte September in Zusammenarbeit mit dem Beauftragtenrat zum Schutz sexualisierter Gewalt in der evangelischen Kirche mit.

Quelle: Domradio


2.9.2020 Ein katholischer Priester aus dem Main-Kinzig-Kreis, Bistum Fulda, wurde rechtskräftig wegen des Besitzes von Darstellungen sexueller Ausbeutung von Kindern zu einem Jahr Gefängnis mit Bewährung verurteilt. Die Ausübung priesterlicher Tätigkeiten bleibt ihm untersagt, ein kirchenrechtliches Verfahren wurde eingeleitet.

 Quelle: Domradio


1.9.2020 Dr. Hannah A. Schulz, Therapeutin und Theologin, weist darauf hin, wie geistlichem Missbrauch vorgebeugt werden kann: Durch Begrenzung von Macht und das Vermeiden von Fundamentalismen.

Quelle: Domradio


 1.9.2020 Der Film "Kindesmissbrauch im Sport und Spitzensport" zeigt die Vertuschungsmechanismen, die bereits aus der katholischen Kirche bekannt sind.


30.8.2020 Nach der Veröffentlichung der Umfrage der Deutschen Ordensobernkonferenz zu Missbrauchsfällen in den Ordensgemeinschaften nehmen folgende Personen Stellung:

Schwester Kluitmann, Vorsitzende der DOK

Matthias Katsch

Karl Haucke, Sprecher des Betroffenenbeirats im Erzbistum Köln


27.8.2020 Die nach der Öffnung des vatikanischen Archivs bekannt gewordenen Dokumente zur apostolischen Visitation des Schönstattwerks und des Gründers Josef Kentenich, die das Pontifikat von Papst Pius XII. (1939–1958) umfassen, waren nicht Gegenstand des Seligsprechungsverfahrens. In den Dokumenten ging es um Vorwürfe geistlichen Missbrauchs und eines Falles von sexuellem Missbrauch durch Kentenich. Der Seligsprechungsbehörde lagen lediglich die Aussagen Kentenichs zu den Vorwürfen vor.

Quelle: herder.de  katholisch.de


27.8.2020 Gegen die Verurteilung eines katholischen Priesters wegen sexuellen Missbrauchs einer zu Beginn des Missbrauchs zwölfjährigen Ministrantin hat der Verurteilte aus dem Bistum Würzburg Rechtsmittel eingelegt.

Quelle: katholisch.de


26.8.2020 Ein Jahr nach der Gründung des Instituts fürPrävention und Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt verlässt der Leiter, Oliver Vogt, das Institut.

Quelle: Domradio


26.8.2020 Die Deutsche Ordensobernkonferenz hat eine anonyme Befragung zu Missbrauchsfällen in den 392 Ordensgemeinschaften zu sexuellem Missbrauch durchgeführt. 291 Gemeinschaften antworteten, in ihnen leben heute 88 Prozent der Ordensmitglieder. In 100 der 291 (34 %) gab es Missbrauchsmeldungen. 1412 Personen, die als Minderjährige missbraucht wurden, meldeten sich. 654 Ordensmitglieder wurden beschuldigt; männliche Beschuldigte sind "stark überrepräsentiert". In 88 Fällen wurde die Staatsanwaltschaft eingeschaltet, in 907 nicht, in 417 Fällen wurde dazu keine Angabe gemacht. 522 der Beschuldigten sind bereits tot, 37 traten aus ihrem Orden aus. Derzeit leben also in den Orden noch ca 95 Täter*innen.

65 Frauen- und 14 Männergemeinschaften gaben an, dass auch in den Gemeinschaften Betroffene sind. Bei Frauen aus 36 Gemeinschaften geschah der Missbrauch häufiger im außerkirchlichen, bei  10 der 14 Männergemeinschaften, die Angaben dazu machten, geschah der Missbrauch im kirchlichen Kontext. Weitere 18 der 65 jeweiligen Ordensgemeinschaften geschah den Betroffen Missbrauch sowohl im kirchlichen als auch im nicht-kirchlichen Kontext. Derzeit leben also in den Orden noch ca 95 Täter*innen.

Quellen: orden.de    aachener-zeitung


21.8.2020 Der frühere Bischof von Wheeling-Charleston, Michael Bransfield, hat 400.000 Dollar an das Bistum zurückgezahlt, die er in seiner Amtszeit veruntreut hatte. Er ist jedoch der Ansicht, dass seine Aufwendungen korrekt waren. Mit den Geldern finanzierte er auch Geldgeschenke an junge Priester, die er sexuell belästigt hat. Nun sagt er, es sei niemals seine Absicht gewesen, Priester und Seminaristen sexuell zu belästigen und er bedauere, "wenn etwas, das ich gesagt oder getan habe, ein solches Gefühl bei anderen ausgelöst hat."

Quelle: katholisch.de


20.8.2020 Von 148 Missbrauchsfällen in bayerischen Bistümern kam ein Fall vor Gericht. Der beschuldigte Priester wurde zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und vier Monaten und einer Geldstrafe von 1.200 Euro verurteilt. Er hat eine anfänglich 12-Jährige sexuell missbraucht, die für den Kaplan schwärmte.

Quelle: katholisch.de


18.8.2020 Auch in der katholischen Lungenheilanstalt der Caritas für Kinder "Maria Grünewald" wurde der Einfluss von Contergan über ein Jahr lang an kranken Kindern getestet. Die Kinder erhielten Überdosen. In Stuttgart verabreichte ein Kinderarzt Contergan auch zwei Wochen alten Säuglingen, die als unruhig und verhaltensgestört (!) beschrieben wurden. Dies geschah zu einer Zeit, als es längst Hinweise auf die Schädlichkeit des Medikaments gab.

Quelle: swr.de/report


17.8.2020 Christoph Fleischmann bespricht das Buch von Johannes Heibel, "Telefonat mit einem Priestertäter. Ein verurteilter Pfarrer gibt sich als Pastoralreferent aus". Heibels Engagement in der Aufklärung des Falles Pfarrer W. wird immerhin im Aufarbeitungsbericht des Bistums Limburg gewürdigt. Fleischmann konstatiert: "Das Gespräch [mit dem Priestertäter] ist ein lebhafter Ausweis von W.s [des Täteres] Nicht-Begreifen oder kirchlich gesprochen: von seiner Unbußfertigkeit." Fleischmann konstatiert, dass die zentrale Botschaft von Schuld und Vergebung extrem unglaubwürdig wird "angesichts von Geistlichen, die sich nicht zu ihrer Schuld stellen können, die augenscheinlich nicht an die heilbringende Wirkung von Schuldbekenntnis und tätiger Reue glauben, obwohl sie diese anderen anempfehlen – oder die meinen Schuld könne im stillen Kämmerlein mit Gott bearbeitet werden ohne die Opfer der bösen Taten einzubeziehen. Die Botschaft von Schuld und Vergebung wird entbehrlich, wenn sie die Hörer*innen nicht motivieren kann anders mit Schuld umzugehen als es die meisten ohnehin tun: abstreiten, kleinreden, relativieren." Bereits in der Zusammenfassung des Limburger Aufarbeitungsberichtes hatte es geheißen: „Auch hier zeigt sich die mangelnde Verantwortungsübernahme für die Taten. […] Keiner der Beschuldigten scheint das Ausmaß seines verübten Missbrauchs zu erkennen. […] An Empathiefähigkeit mangelte es den Akten nach wohl allen Beschuldigten.“ Fleischmann erinnert auch an Bischof Kamphaus, der als einziger der Verantwortlichen von seiner persönlichen Schuld sprach.

Erinnert sei auch an die Einschätzung von Raymond de Souza, dass katholische Jorunalisten und katholische Priester und Gläüubige nicht umhin können festzustellen, dass Bischöfe nicht die Wahrheit sagen. Das Gift bischöflicher Unehrlichkeit untergrabe die Glaubwürdigkeit der Bischöfe

 Quelle:  christoph-fleischmann.de


14.8.2020 Der pensionierte Bischof Howard J. Hubbard von Albany, N.Y., wird zum fünften Mal des sexuellen Missbrauchs beschuldigt. Der Missbrauch soll an einem heute 55-Jährigen von 1974-1976  verübt worden sein, als der Kläger Messdiener war. Erstmal wurde Hubbard 2004 beschuldigt und freigesprochen.

Quelle: ncronline.org


14.8.2020 Papst Franziskus hat den Rücktritt von Erzbischof Slawoj Leszek Glodz, 75, Bistum Gdansk-Danzig, angenommen. Glodz wird vorgeworfen, Priester des Erzbistums schikaniert und unter Druck gesetzt zu haben und zu Missbrauchsfällen durch polnische Geistliche geschwiegen zu haben. Gläubige haben Papst Franziskus aufgefordert, den Rücktritt von Glodz zu veranlassen, weil er seine moralische Glaubwürdigkeit verwirkt habe.

Quelle: orf


13.8.2020 Der ehemalige chilenische Bischof Francisco José Cox ist tot. Er starb, bevor die Staatsanwaltschaft in Chile ihre Ermittlungen wegen sexuellen Missbrauchs abgeschlossen hat. Gegen Cox gab es seit den 1970er Jahren Missbrauchsvorwürfe. 1997 wurde er mit 63 Jahren in den Ruhestand versetzt. Er war seit den 1970er Jahren immer wieder des Missbrauchs beschuldigt worden, wurde 1997 ohne Angabe von Gründen in den Ruhestand versetzt und lebte seit 2002 in Vallendar bei den Schönstattpatres. 2004 missbrauchte er dort einen 17-Jährigen, obwohl ihm der Kontakt zu Minderjährigen verboten war.

Quelle: katholisch.de


12.8.2020 Inzwischen tauchte im Fall Kentenich die Abschrift eines Briefs des Münsteraner Bischofs Joseph Höffner vom 24. Januar 1965 an "einige deutsche Bischöfe" auf, in dem Höffner schreibt: "Der Heilige Stuhl hat die einschränkenden Bestimmungen, denen H. H. Kentenich und das Schönstattwerk bisher unterstanden, aufgehoben." Bislang war ein Schreiben von Kardinal Ratzinger vom 2.4.1983 (!) bekannt, in dem Ratzinger als Präfekt der Glaubenskongregation eine Rehabilitierung Kentenichs zurückweist.

Quelle: katholisch.de

Kommentar: Dass ein Schreiben von 1965 die Aussagen eines Schreibens von 1983 aufheben soll, verstehe ich nicht.


11.8.2020 Ein Priester aus Sacramento, Mitglied des Saint Joseph's Battalion, hat im Hochgebet für den emeritierten statt für den aktuellen Papst gebetet. Er wurde exkommuniziert. Ihm wird zugleich spiritueller und sexualisierter Missbrauch vorgeworfen. Die Einzelheiten können triggern.

Quellen: Domradio  catholicherald.co.uk


11.8.2020 Der Fall Kentenich - in die unklare Kommunikation zwischen dem Vatikan und der Schönstatt-Gemeinschaft war auch Kardinal Errazuriz involviert, dem Vertuschung sexuellen Missbrauchs in Chile vorgeworfen wird.

Quelle: katholisch.de


10.8.2020 Erinnerung an sexualisierten und spirituellen Missbrauch von Ordensfrauen durch katholische Priester und Ordensmänner, der mindestens seit 1994 in schrecklichen Einzelheiten von der Ordensfrau O'Donohue bekannt gemacht wurde.

Quelle: peacefmonline.com


9.8.2020 Die Kirchenrebellinnen - Maria 2.0

Quelle: tvspielfilm.de


Filmtipp: Luna Born: Missbraucht - und dann dem System Kirche ausgesetzt: Die Geschichte von Luna Born


7.8.2020 Anfang Juli wurde in der Kirchengemeinde Rosengarten ein Fall sexuellen Missbrauchs durch Pastor Jörg D. öffentlich gemacht, der sich in der Zeit von 1988 bis 1997 in Nenndorf ereignet hat. Die Betroffene berichtet unter dem Pseudonym Katarina Sörensen davon. Nicht ausgeschlossen kann werden, dass sich der Pastor in der Kreuzkirchengemeinde Nenndorf oder seinen anderen Wirkungsstätten, der Johanneskirchengemeinde in Tostedt (Landkreis Harburg) sowie dem Kirchenkreis Wolfsburg, an weiteren Mädchen und jungen Frauen vergangen hat. Die Gemeinden setzen sich mit dem Missbrauch auseinander.

Quelle: kreiszeitung-wochenblatt.de


6.8.2020 Dem bisherigen Pfarrer von Peter und Paul, Bühl, Erzbistum Freiburg, wirft ein Mann sexuelle Grenzverletzung und sexuellen Missbrauch zu Beginn der 90er Jahre vor. Der Beschuldigte war damals Internatsseelsorger in der Heimschule Lender in Sasbach. Nun fand eine Abschiedsveranstaltung für den Pfarrer statt, in der die vielen Verdienste des beschuldigten Pfarrers gewürdigt wurden.

Quelle: BNN


6.8.2020 Im Bistum Münster beschuldigt ein Priester seinen früheren Vorgesetzten, einen früher leitenden Priester im Kreis Steinfurt wegen sexueller Übergriffe. Bereits Ende 2018 habe er das Bistum Münster informiert, das jedoch nicht reagierte. Nun hat der Priester Anzeige erstattet, die der Staatsanwaltschaft Münster jedoch noch nicht vorliegt.

 Quelle: Domradio

6.8.2020 Hier ist nachzulesen, wie der Schönstatt-Gründer Kentenich geschützt wird, bis heute.

Quelle: Tagespost


6.8.2020 Im Anschluss an die MHG-Studie haben die Staatsanwaltschaften in Bayern Ermittlungs- oder Vorermittlungsverfahren gegen 148 katholische Priester der bayerischen Bistümer (Erzbistum München-Freising, die Bistümer Augsburg, Würzburg, Bamberg, Regensburg, Passau, Eichstätt, Teile des Bistums Fulda) aufgenommen. 139 Verfahren wurden eingestellt. Ein juristisches Verfahren läuft derzeit noch.

Quelle: katholisch.de


5.8.2020 Im Bistum Fulda wurde ein katholischer Priester zu einem Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung wegen des Besitzes von kinder- und jugendpornografischem Material verurteilt. Das Bistum beurlaubte den Priester Anfang des Jahres, als es von den Ermittlungen erfuhr.  Zudem wurde der Geistliche vom Amtsgericht Gelnhausen der Nötigung und Beleidigung, die in den Sozialen Medien im Kontakt mit einer Minderjährigen geschahen, für schuldig befunden. Bereits 2004 war der Pfarrer wegen sexueller Beleidigung zu einer Geldstrafe auf Bewährung verurteilt worden.

Quelle: katholisch.de


4.8.2020 Der Religionswissenschaftler Michael Blume spricht im DLF-Gespräch mit Christian Röther über Verschwörungsmythen als religiöses Phänomen.

Quelle: DLF


3.8.2020 Das Bistum Regensburg erhöht seine Zahlungen an kirchliche Missbrauchsopfer und setzt damit die  im Frühjahr 2020 beschlossenen Grundsätze der "Weiterentwicklung des Verfahrens zur Anerkennung des Leids" um.

Quelle: katholisch.de


3.8.2020 Archivfunde belegen, dass der des Missbrauchs beschuldigte Schönstatt-Gründer Kentenich nie rehabilitiert wurde. Dies ist einem Schreiben des damaligen Präfekten der Glaubenskongregation, Joseph Ratzinger, an den Generalrektor der Pallottiner, Pater Ludwig Münz, aus dem Jahr 1982 zu entnehmen.  Ratzinger schrieb u.a.: ""Die Glaubenskongregation ist nicht der Meinung, dass die Beanstandungen, die der Apostolische Visitator seinerzeit an Lehre und Tätigkeit P. Kentenichs machte, ein bedauerlicher Irrtum gewesen seien und auf falschen Informationen beruhten." Kardinal Alfredo Ottaviani soll 1971 als Präfekt der Glaubenskongregation Kentenich um Verzeihung gebeten haben für alles, was ihm angetan worden sei.

Quelle: katholisch.de

Kommentar: Warum das Bistum Trier ein Seligsprechungsverfahren einleitet für einen Mann, der des Machtmissbrauchs und des sexuellen Missbrauchs glaubwürdig beschuldigt wurde, ist unverständlich. Ebenso unverständlich ist, warum eine Historikerkommission bis 2007 das Seligsprechungsverfahren betrieben hat, obwohl doch bereits 1982 von der Glaubenskongregation festgestellt wurde, dass Kentenich seine Macht missbraucht hat.


30.7.2020 Der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller kritisiert die "Instruktion zur pastoralen Umkehr der Pfarreien". Sie zeichne ein restauratives Priesterbild, lasse die mitbestimmende Gemeinde hinter sich, verknüpfe sakrale Macht mit autoritativer Gewalt im Priesterberuf, die ursächlich für sexualisierte Gewalt gegen Minderjährige durch Kleriker erkannt sei. Der Papst sende ständig Doppelbotschaften.

Quelle: katholisch.de


30.7.2020 Gegen den ehemaligen Kardinal McCarrick gibt es neue Vorwürfe. Er soll in seinem Strandhaus in den frühen 1980er Jahren nicht nur mindestens einen Minderjährigen missbraucht haben, sondern auch der "Boss" einer Priestergruppe gewesen sein, die Kinder und Jugendliche in sein Strandhaus brachten. Ein mutmaßliches Opfer beschuldigt neben McCarrick einen weiteren Priester, ihn als Elfjährigen 1978 durch Grooming gefügig gemacht zu haben und McCarrick zugeführt zu haben. Dieser Priester war damals Schulleiter einer High School der Christian Brothers. Beschuldigt werden auch vier weitere Diözesanpriester und ein Ordensmann. Mindesten sieben weitere, identifizierte Minderjährige sollen Opfer von McCarrick gewesen sein.

Quelle: Tagespost


29.7.2020 Antje Niewisch-Lennartz, Richterin, gehört zur Expertengruppe „Wissen teilen – Unabhängige Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt im Bistum Hildesheim“. Sie berichtet, dass der Umgang mit Tätern auch in schlimmen Fällen von Verurteilungen zu mehrjähriger Haft durch brüderliche Zuwendung gekennzeichnet war, den Opfern gegenüber jedoch durch das Fehlen jeder empathischer Fürsorge. Es gab keine persönliche Befassung mit den Opfern, die tauchten gar nicht auf. Niewisch-Lennartz weist darauf hin, dass der Umgang mit den Beschuldigten eine Herausforderung werde. Zwar seien fast nie die Darstellungen der Opfer zu bezweifeln, aber die Beschuldigten können nicht als Täter benannt werden, wenn sie nicht verurteilt wurden. Die Studie wird die Beschuldigten nicht namentlich benennen - das sei in der Verantwortung des Bistums.  Derzeit werden die Erfahrungen kirchlicher Mitarbeiter*innen im Bistum Hildesheim zum Umgang mit Missbrauchsfällen per Fragebogen erhoben.

Quelle: kiz-online.de


29.7.2020 Der Staat überlässt den Kirchen die Aufarbeitung kirchlicher Missbrauchsfälle. Es fehlt der politische Wille, die Aufklärung in die Verantwortung des Staates zu legen.

Quelle: deutschlandfunk.de


28.7.2020 Bischöfin Fehrs weist den Vorwurf zurück, dass die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in der evangelischen Kirche schleppend verläuft. Die evangelische Kirche habe einen anderen Ansatz als die katholische Kirche. Zuerst sollen alle Maßnahmen standardisiert werden. Die 2019 beschlossene Gewaltschutzrichtlinie regelt u.a. die Schutzkonzepte in Gemeinden, die Einrichtung unabhängiger Kommissionen zur individuellen Aufarbeitung, die Einrichtung von Präventions- und Meldestellen. Betroffene seien bei allen Maßnahmen - so auch beim Elf-Punkte-Plan und der wissenschaftlichen Studie - einbezogen.  

Quelle: sueddeutsche.de


28.7.2020 Der Theologe Georg Essen beschreibt die Instruktion uzur pastoralen Umkehr der Gemeinden" so:  Sie "will ein Machtwort sein, das ist sehr deutlich. Rom will das Konzept in der Hand haben. Aber eigentlich ist es ein Papier der Hilflosigkeit." Für Essen ist das eigentliche Ärgernis der Instruktion ihre Klerikerfixiertheit und der fehlende Bezug zu weltkirchlichen Nöten. Einerseits ermuntere der Papst, an die Ränder der Kirche zu gehen und Strukturen zu verflüssigen. Wenn Christen das dann tun, komme aus der Zentrale Roms der Gegenschlag. Das geltende Kirchenrecht müsse geändert werden. Dass in Deutschland Bischöfe der Instruktion widersprochen haben, nennt Essen einen notwendigen Tabubruch, schätzt jedoch, dass der Widerspruch nicht gehört wird. Die Durchsetzungseffizienz Roms nehme immer weiter ab. Die katholische Kirche wähle nach dem Ende der Volkskirche das Dasein als Sekte.

Quelle:  deutschlandfunk.de


28.7.2020 Bei Kinderkuren wurden in den 1960er Jahren bis in die 1980er Jahre hinein Kinder mit Medikamenten ruhiggestellt. Der Ablauf in den Einrichtungen sollte ungestört funktionieren. Unbekannt ist, in wie vielen der rund 1000 Kinderheime das geschah. Unbekannt ist auch, welche Folgen dies für die Kinder hatte. Im Mai beschlossen die Sozialminister der Länder, die Geschehnisse in den Kurheimen aufzuarbeiten. Aufklärung über das, was den Kindern in den Kuren geschah, soll ein im Mai von den Sozialministern beschlossenes Forschungsprojekt bringen.

Quelle: tagesschau.de


26.7.2020 Der BDKJ - die Dachorganisation katholischer Jugendverbände in Deutschland, richtet eine Kommission zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt ein. Vergangene Taten sollen aufgeklärt werden und das Leid der Betroffenen soll anerkannt werden.

Quelle: Domradio


25.7.2020 Thomas Schüller, Kirchenrechtler, kommentiert die vatikanische "Instruktion zur pastoralen Umkehr der Gemeinden": "Jetzt trauen sich wenigstens die reformorientierten Bischöfe, Rom wirklich die Rote Karte zu zeigen und die Stirn zu zeigen. Wohin das führt, ist noch offen."

Quelle: DLF


24.7.2020 Der frühere Nuntius Luigi Ventura muss sich wegen sexueller Übergriffe vor einem Strafgericht in Paris verantworten. Insgesamt klagen vier Männer ihn an des sexuell übergriffigen Verhaltens gegenüber erwachsenen Männern.

Quelle: katholisch.de


24.7.2020 Im Erzbistum Freiburg wurde ein katholischer Priester suspendiert. Ihm wird sexueller Missbrauch, begangen in den 1990er Jahren, vorgeworfen. Bevor er nach Abschluss des Verfahrens wieder eingesetzt werden kann, muss er sich einer psychiatrischen Begutachtung unterziehen. Das Ordinariat bittet, keine Spekulationen anzustellen - aus Rücksicht auf die Opfer.

Quelle: evangelisch.de


23.7.2020 Gegen den ehemaligen Kardinal McCarrick gibt es neue Vorwürfe. In den 1980er Jahren soll er in einem Strandhaus in Sea Girt, New Jersey, einen "Sex Ring" unterhalten haben, d.h. Minderjährige zum Missbrauch an andere Kleriker vermittelt zu haben. Eine entsprechende Anklageschrift hat Jeff Anderson, Opfer-Anwalt, bei Gericht eingereicht.

Quelle: katholisch.de


22.7.2020 Bischof Kohlgraf, Mainz, kommentiert die "Instruktion zur pastoralen Umkehr der Pfarreien" so: "Und zum anderen sorge ich mich um die vielen (noch) Engagierten. Bald werden sie genug davon haben, wenn ihr Engagement nur misstrauisch beäugt und von oben herab bewertet wird." Bischof Bode, Osnabrück, spricht von einer in der Instruktion sichtbar werdenden "Umkehr zur Klerikalisierung". Kardinal Wölki, Köln, hingegen sieht die Instruktion als Handreichung für den richtigen Weg der katholischen Kirche.

Der Kirchenrechtler Thomas Schüller kommentiert am 25.7.2020 die Instruktion und Reaktionen von deutschen Bischöfen.


20.7.2020 Der Vatikan hat "Die Instruktion zur pastoralen Umkehr der Pfarreien" veröffentlicht: Pfarreien dürfen weder von einem Team noch von Laien geleitet werden.

Quelle: vaticannews

Kommentar: Da ist mit Regina Laudage-Kleeberg nur noch zu fragen: "Warum, liebe geweihte Klerus-Kongregationsmitglieder, fällt Ihnen nicht auf, dass Sie bei dem Versuch, die eigene Macht zu erhalten, Ihre Macht immer weiter einbüßen?"

Der Kirchenrechtler Thomas Schüller spricht von einem "durch und durch klerikalen Papier".

Zur Erinnerung: Klerikalismus ist als eine der Ursachen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger durch Kleriker bekannt. Von "pastoraler Umkehr" kann ich nichts finden.


18.7.2020 Mindestens drei Frauen aus der Landeskirche Sachsen wurden im Alter von elf bis 15 Jahren Opfer eines Kantors eines Kinderchores in Pobershau in den 1990er-Jahren. Öffentlich bekannt wurden die Fälle 2018, als sich der Vater einer Betroffenen an den Pfarrer wandte. Der Pfarrer schwieg nicht, suchte Hilfe bei einer Beratungsstelle der AWO und erhielt empörte Reaktionen und Briefe, die die sexuellen Übergriffe verharmlosten und dem Pfarrer vorwarfen, er stelle einen beliebten Kantor vor ein Tribunal. Die Gemeinde ist gespalten. Der Kantor wurde 2019 suspendiert.

Quelle: sonntag-sachsen.de


16.7.2020 Der Vatikan hat - wie im Februar 2019 auf dem Anti-Missbrauchsgipfel beschlossen - ein Handbuch herausgegeben, in dem die Schritte von der Meldung eines Missbrauchsfalls durch einen Kleriker bis zum kirchenrechtlichen Urteil festgelegt sind. Diese "Gebrauchsanleitung" soll dem einheitlichen Vorgehen bei Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche dienen.

Quelle: cruxnow.com


15.7.2020 Die EKD hat eine Fachstelle "Sexualisierte Gewalt" eingerichtet. Ihre Aufgabe ist, bestehende Maßnahmen zu verstärken, die Aktuere noch umfassender zu vernetzen und auf Dauer Vorkehrungen und Strukturen gegen sexualiusierte Gewalt zu schaffen. Auch die Umsetzung des Elf-Punkte-Plans soll die Fachstelle begleiten. 

Quelle: evangelisch.de


15.7.2020 In Polen gibt es Vertuschungsvorwürfe gegen den Bischof von Kalisz, Edward Janiak und Missbrauchsvorwürfe gegen den Weihbischof Jan Szkodon ,73, Bistum Krakau. Szkodon werden sexuelle Übergriffe auf ein damals 15-jähriges Mädchen vor mehr als 20 Jahren vorgeworfen. Es ist der erste kirchliche Strafprozess gegen einen Bischof, der der sexuellen Belästigung beschuldigt wird. Szkodon weist die Vorwürfe zurück.

Quelle: domradio.de


14.7.2020 Katholische Geistliche und mutmaßliche Opfer werfen der Kirche in Peru die Vertuschung von Missbrauchsfällen vor. Priester aus Huamachuco und Geschädigte hätten mehr als 40 Schreiben an peruanische Kirchenleute geschrieben. Die Anschuldigungen seien nur schleppend oder gar nicht aufgeklärt worden.Die Briefe richteten sich auch an die Erzdiözese Trujillo. Das Erzbistum sagt, es habe stets sofort auf die Vorwürfe reagiert. Seit 1999, als Erzbischof Hector Miguel Cabrejos Vidarte das Bistum übernahm, habe es jedoch keinen einzigen Vorwurf gegeben.

Quelle: katholisch.de


14.7.2020 Das Erzbistum München will Betroffene, die im Kontext des Studienseminars Sankt Michael in Traunstein, Gewalt erlebten, anhören. Dem 2018 verstorbenen Münchner Weihbischof Engelbert Siebler wird vorgeworfen, Internatsschüler misshandelt zu haben. Auch sexueller Missbrauch wird ihm von einem früheren Schüler, der sich 2016 an das Erzbistum wandte, vorgeworfen. Aus Sicht des Erzbistums seien die Vorwürfe jedoch unkonkret und lückenhaft gewesen, weshalb man den damals noch lebenden Weihbischof nicht mit ihnen konfrontierte. Generalvikar Christoph Klingan und die Amtschefin des Ordinariats, Stephanie Herrmann, betonen, dass der Staat in der Pflicht sei, einheitliche Regelungen für die Aufklärung vorzugeben, wenn auch nach dem jetzigen Bemühen des Erzbistums noch Misstrauen bleibe. Hiltrud Schönheit, Vorsitzende des Katholikenrats in der Diözese, mahnt Aufklärung auch im Fall des Piusheims, Landkreis Ebersberg an, wo frühere Heimkinder von Missbrauch und Prostitution berichten. Sie wünscht sich eine "proaktive Aufklärung" - die Kirche müsse von sich aus auf potenziell Betroffene zugehen. Im Ordinariat lehnt man das wegen der Gefahr des Generalverdachtes ab. Inzwischen wartet die Erzdiözese auf den zweiten Westpfahl-Bericht, der auch Namen von Verantwortlichen Beschuldigten und Tatorten nennen soll und veröffentlicht werden soll. Besonders interessant dürfte seinm, ob der von 1977 bis 1082 amtierende Erzbischof Ratzinger über die Vertuschung von Missbrauch informiert war.

Quellen: Domradio   Süddeutsche

14.7.2020 Die Kentenich-Biografin Schwester Dr. D. Schlickmann nimmt Stellung zu den Vorwürfen gegen den Gründer von Schönstatt.

Quelle: katholisch.de

Zusammenfassung der bisherigen Diskussion: kiz-online.de


13.7.2020 Das Erzbistum München und Freising will im Herbst 2020 eine unabhängige Kommission zur Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch einrichten. Sie soll sich auch um Vorgänge in kirchlichen Heimen kümmern und entscheiden, um welche Heime es gehen soll. Der Aufarbeitungskommission soll auch das erweiterte Gutachten einer externen Anwaltskanzlei zur Verfügung stehen, das auf der nicht öffentlichen Untersuchung von 2010 aufbauen wird. Die Anwaltskanzlei wird Fälle bis 2019 untersuchen.

Quelle: katholisch.de


13.7.2020 Die indische Franziskanerin Lucy Kalappura hatte im September 2018 an einer Veranstaltung teilgenommen, auf der die Verhaftung von Bischof Franco Mulakkal wegen Vergewaltigung einer Nonne gefordert wurde. Daraufhin wurde sie im August 2019 wegen angeblicher Verstöße gegen ihre Gelübde - Armut und Gehorsam - aus dem Orden ausgeschlossen und aus dem Kloster ausgewiesen. Der Vatikan bestätigte den Ausschluss. Kalappura weigert sich, das Kloster zu verlassen. Nun hat sie - nachdem eine erste gerichtliche Anordnung von der Polizei nicht befolgt wurde - Polizeischutz erhalten, weil der Franziskanerinnenorden und zwei Priester "Schläger" angeheuert haben sollen, die sie gewaltsam aus dem Kloster entfernen sollen.

Quelle: kathpress.at


11.7.2020 Seit dem 14.5.2020 haben sich in der EKD weitere 97 Missbrauchsbetroffene gemeldet, so dass nun 867 Betroffene in der EKD bekannt sind. Nun wurde bekannt, dass der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung der Evangelischen Kirche in Deutschland mit dem Abbruch der offiziellen Gespräche zur Missbrauchsaufarbeitung gedroht hat. Danach habe der von Bischöfin Fehrs geleitete EKD-Beauftragtenrat eingelenkt und versprochen, bis Ende September einen Entwurf für eine gemeinsame Vereinbarung zu präsentieren.

Quelle: katholisch.de


10.7.2020 Raymond de Souza, katholischer Priester, stellt fest, dass die Missbrauchskrise der katholischen Kirche katholische Journalisten gelehrt hat, nicht davon auszugehen, dass das, was ihnen Bischöfe und Diözesen erzählen, auch wahr ist. Das Gift bischöflicher Unehrlichkeit untergrabe die Glaubwürdigkeit der Bischöfe auch in den Augen der Priester. Die Wiederherstellung der Glaubwürdigkeit der Bischöfe nennt de Souza ein "Generationenprojekt".

Quelle: catholicherald.co.uk


10.7.2020 "Katharina Sörensen" - Pseudonym - berichtet von Übergriffen durch einen evangelischen Pastor.

Quelle: ndr.de


10.7.2020 In einer evangelischen Kirchgemeinde in Pobershaus bei Marienberg, Erzgebirge, kam es in den 1990er Jahren zu sexuellen Übergriffen. Bekannt wurden vie Übergriffe 2019. Die weitere notwendige Aufarbeitung übernehme eine Kommission mit externen Experten.

Quelle: evangelisch.de


9.7.2020 Hildegunde Keul über gefährliche Heilsversprechen, religiöse Deutungsmuster und die Vergöttlichung von Gerold Becker im Kontext der Odenwaldschule, die ein Gewaltsystem erlaubten, dem Hunderte Minderjährige zum Opfer fielen.

Quelle: feinschwarz.net


8.7.2020 Die Theologin Alexandra von Teuffenbach - Dogmatikerin und Kirchenhistorikerin - fordert das Schönstattwerk auf, die Akten zum Fall Kentenich zu veröffentlichen. (Vorsicht - Triggergefahr)

Quelle: katholisch.de


7.7.2020 In den evangelischen Kirchen in Niedersachsen wurden seit 1945 ca 140 Fälle von sexuellem Missbrauch an Kindern und Jugendlichen bekannt; 123 betreffen die Hannoversche Landeskirche. Die Opfer waren zu fast 90 Prozent Heimkinder, die in Einrichtungen der Diakonie untergebracht waren. Seit 1998 seien die Täter aus dem Dienst entfernt worden, wenn die Kirchenleitungen informiert waren.

Quelle: nwzonline.de


11.7.2020 Seit dem 14.5.2020 haben sich in der EKD weitere 97 Missbrauchsbetroffene gemeldet, so dass nun 867 Betroffene in der EKD bekannt sind. Nun wurde bekannt, dass der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung der Evangelischen Kirche in Deutschland mit dem Abbruch der offiziellen Gespräche zur Missbrauchsaufarbeitung gedroht hat. Danach habe der von Bischöfin Fehrs geleitete EKD_Beauftragtenrat eingelenkt und versprochen, bis Ende September einen Entwurf für eine gemeinsame Vereinbarung zu präsentieren.

Quelle: katholisch.de


10.7.2020 In einer evangelischen Kirchgemeinde in Pobershaus bei Marienberg, Erzgebirge, kam es in den 1990er Jahren zu sexuellen Übergriffen. Bekannt wurden vie Übergriffe 2019. Die weitere notwendige Aufarbeitung übernehme eine Kommission mit externen Experten.

Quelle: evangelisch.de


10.7.2020 "Katharina Sörensen" - Pseudonym - berichtet von Übergriffen durch einen evangelischen Pastor.

Quelle: ndr.de


9.7.2020 Hildegunde Keul über gefährliche Heilsversprechen, religiöse Deutungsmuster und die Vergöttlichung von Gerold Becker im Kontext der Odenwaldschule, die ein Gewaltsystem erlaubten, dem Hunderte Minderjährige zum Opfer fielen.

Quelle: feinschwarz.net


8.7.2020 Die Theologin Alexandra von Teuffenbach - Dogmatikerin und Kirchenhistorikerin - fordert das Schönstattwerk auf, die Akten zum Fall Kentenich zu veröffentlichen. (Vorsicht - Triggergefahr)

Quelle: katholisch.de


7.7.2020 In den evangelischen Kirchen in Niedersachsen wurden seit 1945 ca 140 Fälle von sexuellem Missbrauch an Kindern und Jugendlichen bekannt; 123 betreffen die Hannoversche Landeskirche. Die Opfer waren zu fast 90 Prozent Heimkinder, die in Einrichtungen der Diakonie untergebracht waren. Seit 1998 seien die Täter aus dem Dienst entfernt worden, wenn die Kirchenleitungen informiert waren.

Quelle: nwzonline.de


7.7.2020 Dem 1985 verstorbenen früheren Frankfurter Stadtdekan Monsignore Walter Adlhoch wirft eine Frau vor, sie 1979 im Kontext ihrer Erstkommunion vergewaltigt zu haben. Im Abschlussbericht des Bistums Limburg steht auch, dass die Frau 1979 von dem Beschuldigten zu einem Schwangerschaftsabbruch genötigt worden sei. Ein mit Adlhoch befreundeter Arzt habe die Abtreibung vorgenommen.

Quellen: fnp   hessenschau


6.7.2020 Die Statuten und der Führungsstil der geistlichen Laiengemeinschaft "Memores Domini" wird von einem päpstlichen Delegaten überprüft. Bislang gibt es nur eine unzureichende Trennung von persönlichem "Forum internum" (Beichte, Geistliche Begleitung, therapeutische Situationen) und der Leitung oder anderer Angelegenheiten der Gemeinschaft. Die mangelnde Trennung gilt als ein Anzeichen geistlichen Missbrauchs.

Quelle: katholisch.de


6.7.2020 Pfarrer Zurkuhlen, Bistum Münster, darf ein Jahr nach seiner Verharmlosung von sexuellem Missbrauch wieder Gottesdienste feiern. Das Bistum teilt mit, er habe sich beim Bischof und bei Betroffenen entschuldigt. Betroffene widersprechen: Der Pfarrer habe sich beim Bischof entschuldigt, nicht jedoch bei Betroffenen.

Quelle: www1.wdr.de


5.7.2020 Das Bistum Trier hat die „Gemeinsame Erklärung über verbindliche Kriterien und Standards für eine unabhängige Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche in Deutschland“ in Kraft gesetzt. Betroffene, die im Betroffenenbeirat mitarbeiten wollen, können sich bis 31.8.2020 beim Generalvikar des Bistums melden. Die Auswahl der Mitglieder des Betroffenenbeirates geschieht durch eine/n Vertreter/in des Bischofs, eine/n Vertreter/in aus der Fachpraxisd und eine/n Vertreter/in aus der Wissenschaft.

Quelle: paulinus.de


4.7.2020 Gespräch mit Christiane Florin über ihr Buch "Trotzdem!"

Quelle: ksta.de


4.7.2020 Bislang mehr als 100.000 Menschen haben in einer Petition an Papst Franziskus gefordert, dass Kardinal Pell aus dem Priesteramt entlassen wird. Von sexuellem Missbrauch wurde Pell freigesprochen, dass er Missbrauchsfälle in Australien vertuscht hat, hat er pauschal bei einer Anhörung durch die Königliche Australische Missbrauchsuntersuchung eingeräumt.

Quelle: katholisch.de


3.7.2020 Melanie Ploch berichtet über die Diskussion zur Aufarbeitung kirchlichen Missbrauchs in der katholischen Kirche in Polen. Zu beobachten sind ähnliche Abwehr-Strategien von Bischöfen, wie sie auch aus anderen Ländern bekannt sind.

Quelle: katholisch.de


2.7.2020 Gemeinsam mit der Landeskirche Hannover will eine Frau ihren Missbrauch durch einen evangelischen Pastor, der inzwischen gestorben ist, öffentlich machen. Der Missbrauch geschah in den 1980 und 1990er Jahren in einer Kirchengemeinde in Seevetal im Kirchenkreis Hittfeld. Mit der Öffentlichmachung sollen weitere Betroffene ermutigt werden, sich zu melden. Wenn es zwischen 1971 und 1986 in Wolfsburg zu sexualisierter Gewalt durch den Pastor kam, mögen sich die Betroffenen melden. Der Beschuldigte arbeitete ab September 1971 bis Oktober 1972 in der St. Marien-Gemeinde (heute: Nordstadtgemeinde), danach bis MÄrz 1986 Pastor der Stephanusgemeinde in Detmerode. Zugleich war er Kreisjugendpastor uned Religionslehrer an der Volksschule 15, später an der Erich-Kästner-Schule. Am 1.4.1986 wechselte er in den Kirchenkreis Hittfeld.

Quellen: evangelisch.de   wolfenbuetteler-zeitung.de

Interview mit der Betroffenen, 6.7.2020


2.7.2020 Im Stift Klosterneuburg findet derzeit eine apostolische Visitation statt. Der Grund ist der Umgang mit einem Missbrauchstäter, der von der Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch und der Mainpost-Journalistin Jeske aufgedeckt wurde. Ein neuer Probst soll nach dem Rücktritt des bisherigen erst nach Abschluss der Visitation gewählt werden.

Quelle: profil.at


2.7.2020 In der katholischen Kirche wurden im Juni 2020 verbindliche Kriterien und Standards für eine unabhängige Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche in Deutschland mit dem Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig verabredet. In der evangelischen Kirche gibt es bisher lediglich eine Absichtserklärung - Letter of Intent - dass es für alle Landeskirchen unabhängige Aufarbeitungskommissionen geben soll, die Melde-, Anlauf- und Beschwerdestelle sein sollen und auch die quantitative Dimenseion sexualisierter Gewalt in der EKD erfassen soll. Die 2019 angekündigten Aufarbeitungsstandards gibt es bislang nicht. Die EKD hat sich auf die Einrichtung eines Betroffenenbeirates und ein Forschungsprojekt konzentriert.

Kerstin Claus, evangelisches Mitglied des Betroffenenrates beim UBSKM, kritisiert, dass eine Studie den Betroffenen hier und heute nicht helfe.Die Studie analysiere Problemlagen, sie zeige keine Problemlösungen. Völlig offen sei zudem, ob die Studien HAndlungsempfehlungen aussprechen werden und ob diese dann auch umgesetzt werden. Die Evangelische Kirche verweist auf ihre „unabhängige ‚Zentrale Anlaufstelle .help‘ für Betroffene.“ Claus stellt fest, dass diese Anlaufstelle nichts anderes tue, als Betroffene an die zuständige kirchliche Stelle vermittle. Wer sich an "help" wende, könne von den kirchlichen Strukturen "überrumpelt" werden.

Quelle: deutschlandfunk.de


2.7.2020 Papst Franziskus hat Gonzalo Arturo Bravo Salazar (57) zum Bischof von San Felipe ernannt. Missbrauchsopfer und Laienvertreter kritisieren die Ernennung, weil Bravo versucht habe, Missbrauchsfälle zu vertuschen und mutmaßlichen Opfern Schweigegeld anzubieten. Bravo ist Nachfolger von Cristian Contreras Molina (73), gegen den die Staatsanwaltschaft wegen angeblicher sexueller Übergriffe auf einen volljährigen Mann Ermittlungen eingeleitet hatte. Contreras bestritt die Vorwürfe. Zudem sei Bravo ein Vertrauter von Bischof Gonzalo Duarte, gegen den ehemalige Priesterseminaristen Vorwürfe erheben, er habe Missbrauchsfälle vertuscht. 

Quelle: Domradio


2.7.2020 P. Juan Pablo Catoggio,Präsident des Schönstatt-Werkes, schreibt, dass die Vorwürfe gegen den Gründer, P. Kentenich, in der Exilszeit von Kentenich überprüft worden seien und entkräftet wurden. Auch im Kontext des 1975 eröffneten Seligsprechungsverfahren seien die Vorwürfe erneut aufgegriffen und geklärt worden. Weder wäre das Exil beendet noch eine Unbedenklichkeitserklärung zur Eröffnung des Seligsprechungsverfahrens ausgesprochen worden, wenn es Zweifel an der moralischen Integrität von Kentenich gegeben hätte. 

Die Darstellung der Tagespost hingegen sieht völlig anders aus. Siehe auch hier.

Quelle: schoenstatt.de


1.7.2020 Der Psychologe und Missbrauchs-Experte Heiner Keupp sagt, die katholische Kirche habe Vertrauen auf Jahrzehnte hin verloren. Zuerst sei eine Änderung der Priesterausbildung notwendig und dass viele Kirchenvertreter "insgesamt ihren merkwürdigen elitären Sonderstatus reflektieren, diese Art von abgehobener Selbstgerechtigkeit". Das Vorgehen im Bistum Limburg sei gut, weil das Bistum proaktiv handelte und nicht erst auf Anstöße von außen gewartet hat.

Quelle: katholisch.de


1.7.2020 Für den Gründer der Schönstatt-Bewegung  Josef Kentenich läuft seit 1975 ein Seligsprechungsprozess. Nun wird bekannt, dass Schwestern der von Kentenich gegründeten Marienschwestern Vorwürfe systematischen Machtmissbrauchs und sexuellen Missbrauchs in einem Fall gegen Kentenich erhoben haben. Dies geht aus Dokumenten aus der Amtszeit von Papst Pius XII. (1939-1958) hervor. Vatikanische Visitatoren stufen die Vorwürfe als glaubwürdig ein. Kentenich werde in den Berichten um 1950 als hochgradig manipulativ und die Schwestern in ihrer Gewissensfreiheit planmäßig behindernd beschrieben. Der Vatikan schickte Kentenich 1951 ins US-amerikanische Exil. Paul VI. hat ihn 1965 rehabilitiert.

Quelle: katholisch.de


1.7.2020 Dr. Gabriel Dy-Liacco, Psychotherapeut, Professor an der Divine Mercy University in Virginia und Gründungsmitglied der Päpstlichen Kommission für den Schutz von Minderjährigen, weist darauf hin, dass die katholischen Kirchenführer anfangen, dass Missbrauchsthema besser zu verstehen, aber noch einen langen Weg vor sich haben. Wesentlich präsenter als der Kinderschutz sei die Umweltenzyklika "Laudato si" . Dy Liacco sagt, dass Tätern mehr Ressourcen zur Verfügung stehen als Überlebenden. Die meisten Diözesen hätten Programme für Jugend-, Familien- und Lebenspastoral, aber "wir haben dies nicht für Opfer, weder für klerikalen Missbrauch noch für jede andere Art von Missbrauch". - Erzbischof Charles Scicluna von Malta betonte die Notwendigkeit, den Opfern wirklich zuzuhören und sie über Verfahren zu informieren.

Quelle: cruxnow


30.6.2020 Forscher, die den sexuellen Missbrauch Minderjähriger durch kath. Priester in der Kirche Meckenburg untersuchen, führen nun erste Gespräche mit Betroffenen und rufen weitere Betroffene auf - vor allem aus Dömitz, Neubrandenburg, Gadebusch, Tessin, Waren, Grevesmühlen, Neustadt-Glewe und Neustrelitz -, sich zu melden. Bislang waren 17 Priester bekannt, die im mecklenburgischen Teil des heutigen Erzbistums Hamburg des Missbrauchs beschuldigt werden. 54 Personen haben sich gemeldet. Quelle: svz.de


30.6.2020 Über 600 polnische Katholik*innen haben in "La Repubblica" in einer ganzseitigen Anzeige den Papst aufgefordert, dafür zu sorgen, dass die polnischen Bischöfe Maßnahmen gegen Kindesmissbrauch ergreifen. Der Vatikan reagierte: Papst Franziskus sei über das Anliegen informiert und bete für diejenigen, die die Anzeigte erstellten. Zudem müsse die ganze Kirche müsse alles ihr Mögliche tun, "damit das kanonische Recht angewandt wird, die Fälle von Missbrauch aufgedeckt werden und die dieser schweren Verbrechen Schuldigen bestraft werden".

Quelle: katholisch.de


30.6.2020 Ricarda Menne fordert eine "Theologie der Macht". Es helfe nichts, Macht als Dienst zu verbrämen: "Aber Macht wird nicht dadurch weniger, dass man leugnet, sie zu haben. Im Gegenteil." Menne zitiert den Soziologen Stephen Turner: "Die Tabuisierung von Machtverhältnissen ist zugleich ein Kennzeichen von deren Stabilität."

Quelle: katholisch.de


28.6.2020 Missbrauchter Glaube: Corona-Falschinformationen in Kirchen. Ein Blick in die religiöse Szene und ihren Umgang mit der Corona-Pandemie.

Quelle: br.de

s. auch:  Wie Esoteriker Falschinformationen verbreiten


28.6.2020 Matthias Katsch beschreibt und bewertet die Missbrauchsaufklärung in der katholischen Kirche. Im Blick auf das Erzbistum München und vielleicht auch auf das Bistum Regensburg vermutet er, dass die Aufklärung so zögerlich und unvollständig und intransparent geschieht, um das Bild des früheren Papstes Ratzinger nicht zu beschädigen. Zuletzt waren Gewaltvorkommisse aus dem Erzbischöflichen Studienseminar Traunstein (s. auch hier)im Blick, für das Ratzinger in den Siebziger- und Achtzigerjahren als Erzbischof von München und Freising die Verantwortung hatte. Katsch weist auch auf das Piusheim in Ebersberg hin,

Quelle: Süddeutsche


26.6.2020 Die Diözese Springfield hat den von Peter A. Velis, Richter i.R., vorgelegten Bericht veröffentlicht, in dem er seine Untersuchung einer Klage wegen sexuellen Missbrauchs durch den verstorbenen Bischof von Springfield, Christopher J. Weldon, dokumentiert. Er befindet die Aussage des Betroffenen als "eindeutig glaubwürdig" und stellt fest, dass das Bistum dem Betroffenen gegenüber lange Zeit versagt hat. Der verstorbene Bischof wird in die Liste der glaubwürdig beschuldigten priesterlichen Missbrauchstäter aufgenommen.

Quelle: ncronline.org


26.6.2020 Matthias Alexander Schmidt macht darauf aufmerksam, dass in der Aufarbeitung kirchlicher Missbrauchsfälle weder Täter noch Opfer unabhängig sind. Der Beitrag kirchlicher Opfer ist für die Aufarbeitung einerseits unerlässlich, andererseits dürfen sie nicht zu Richtern gemacht werden. Umgekehrt dürften die Bischöfe nicht die letzte Verantwortung für die Zusammensetzung der Kommissionen haben, wenn diese unabhängig sein sollen.

Quelle: kath.de


26.6.2020 Die katholische Kirche haben 272.771 Mitglieder verlassen. Bei der evangelischen Kirche gab es 197.207 Austritte.

Daniel Deckers kommentiert: "Nur wurde mit einer derartigen Explosion erst in einigen Jahren gerechnet und dann auch nur in den schlimmsten Szenarien. Nun aber wird 2019 als das Jahr in die Annalen eingehen, in dem die Ahnung zur Gewissheit geworden ist: Die Erosion der Institution Kirche ist auch durch noch so ambitionierte Reformen nicht aufzuhalten, ja vielleicht ist sie nicht einmal mehr zu verlangsamen. Gegen den 'Synodalen Weg' als solchen spricht das nicht. Doch ob er je zum Ziel führt, ist einer wachsenden Zahl von Christen gleichgültig. Kirche ist für sie schon lange vor „Corana“ irrelevant geworden."

Quelle: FAZ


6.6.2020 Heiner Keupp, Professor em. für Sozial- und Gemeindepsychologie, benennt Schwachstellen des Limburger Aufklärungsprojektes und kritisiert u.a., dass noch immer zu viele der Projektbeteiligten kirchennah sind. In der Beteiligung Betroffener an der Aufklärung haben die Kirchen noch einen schmerzlichen Lernprozess vor sich. Nun müssten glaubhafte Strukturen aufgebaut werden, um verlorenes Vertrauen vielleicht wieder aufzubauen. Kirchenvertreter müssten ihren "merkwürdigen elitären Sonderstatus reflektieren, diese Art von abgehobener Selbstgerechtigkeit". Zudem müsste jeder, der sich bei der Kirche meldet, einen juristischen Beistand bekommen, "denn es ist ein ganz harter schwieriger Weg, Gehör zu finden".

Quelle: fr.de


26.6.2020 Ein katholischer Priester aus Schalksmühle, Bistum Essen, wurde zu einer Bewährungsstrafe von zehn Monaten wegen des Besitzes von Darstellungen sexueller Ausbeutung von Kindern. Er wurde suspendiert.

Quelle: www1.wdr.de


25.6.2020 Bischof Ackermann, Trier, hat die Gemeinsame Erklärung für eineunabhängige Aufarbeitung unterzeichnet und rief zur Mitwirkung im zu gründenden Betroffenenbeirat auf. Dem Beirat sollen fünf Personen angehören. Meldungen an den Bischöflichen Generalvikar sind bis 31.8.2020 möglich. Ausgewählt werden die Betroffenen durch ein Gremium, dem ein/e Vertreter/in des Bischofs und aus der Fachpraxis und aus der Wissenschaft angehören. In der Aufarbeitungskommission, die von Oktober 2020 bis längstens 2026 arbeiten soll, sollen auch die Strukturen identifiziert werden, die sexuellen Missbrauch ermöglichten oder erleichterten und die Aufdeckung erschwerten. Verantwortlichkeiten sollen benannt werden. Ob auch die für Vertuschung Verantwortlichen benannt und veröffentlicht werden, ist der Meldung nicht zu entnehmen.

Quelle: bistum trier


25.6.2020 Papst Franziskus hat für das polnische Bistum Kalisz einen apostolischen Administrator ernannt, Erzbischof Grzegorz Rys, Lodz. Bischof Edward Janiak wird Vertuschung von Missbrauchsfällen vorgeworfen. Derzeit untersucht der Vatikan die Vorwürfe.

Quelle: cruxnow


25.6.2020 Die US-Provinz der Maristen hat die Namen von 46 Priestern und Brüdern veröffentlicht, die des sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen beschuldigt werden. Untersucht wurden 2.500 Akten von Priestern und Brüdern, die bis 1950 zurückreichen. 32 der Beschuldigten sind gestorben. 

Quelle: kathpress.at


24.6.2020 Die Theologin Claudi Nothelle setzt sich damit auseinander, ob die Kirche in Zeiten der Pandemie systemrelevant gewesen sei und fragt, für welches System sie denn relevant sein wolle. Sie plädiert dafür, dass Kirche Systemsprengerin sein müsse, die weiterschaue und denke, im besten Sinn des Wortes transzendent (grenzüberschreitend) sei: "Genau dort liegt die Chance der Kirche: den Finger in die Wunde legen, die Missstände benennen und gleichzeitig verweisen auf den, der immer größer ist als wir. ... Wenn Kirche, wenn Christinnen und Christen in diesem Sinne systemsprengend sind, dann sind sie am Ende doch relevant für das System. Oder noch viel besser: relevant für die Menschen."

Quelle: katholisch.de


23.6.2020 Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Rörig, weist die Kritik von Klaus Mertes an der bisherigen Aufarbeitung von Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche zurück. Mertes hatte u.a. bemängelt, dass die Bischöfe stets vorgeprescht seien und dann die Orden "eingeladen" hätten, dem vorgegebenen Weg zu folgen - es habe keine eichte Mitwirkungsmöglichkeit der Orden gegeben. Rörig sagt, ein Ordensvertreter sei bei den Verhandlungen dabei gewesen. Heute beginnen eigenständige Verhandlungen mit der Deutschen Ordensoberenkonferenz.

Quelle: katholische-sonntagszeitung.de


22.6.2020 Vor zwei Wochen noch hatte ein Staatsanwalt aus Wyoming mitgeteilt, sie eröffne kein Verfahren gegen Bischof Hart, weil die Beweise nicht ausreichend seien. Mindestens sieben Männer beschuldigen Hart des sexuellen Missbrauchs. Nun hat die Staatsanwaltschaft doch einer erneuten Überprüfung der von der Polizei empfohlenen Anklage zugestimmt.

Quelle: ncronline.org


22.6.2020 Die EKD bessert nun doch nach Hinweisen des Bundesbeauftragten für Missbrauch in Sachen Aufarbeitung nach und richtet unabhängige Aufarbeitungskommissionen ein.

Quelle: ekd.de


22.6.2020 Interview mit Bischöfin Fehrs: „Wir mussten erst lernen, angemessen mit Betroffenen umzugehen“


22.6.2020 Im Erzbistum Freiburg ermittelt die Polizei gegen einen Priester aus dem Raum Bühl wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger. Dabei geht es um zwei Fälle aus den 1990er Jahren. Der Pfarrer erhielt ein Zelebrationsverbot.

Quellen: BNN  Badisches Tagblatt


22.6.2020 Klaus Mertes, SJ, hält die bisherigen Anstrengungen der katholischen Kirche in Deutschland zur Aufarbeitung der kirchlichen Missbrauchsfälle für unzureichend. Trotz vieler Bemühungen sei es der Kirche bisher nicht gelungen, eine unabhängige Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch und dessen Vertuschung so auf den Weg zu bringen, "dass sie auch von der Öffentlichkeit als unabhängig anerkannt wird". Dieser Eindruck bleibe auch, weil die Zusammensetzung der geplanten diözesanen AUfarbeitungskommissionen letztlich durch die Bischöfe erfolge. Mertes plädiert für eine unabhängige staatliche Kommission.

Quellen: katholisch.de

Beitrag in der Herderkorrespondenz


22.6.2020 Die katholischen Bischöfe und die Bundesregierung haben eine Vereinbarung zur Missbrauchsaufarbeitung in der kath. Kirche unterschrieben.

Quelle: katholisch.de


21.6.2020 Christoph Fleischmann erinnert, dass Bischof Bätzing höhere Zahlungen an kirchliche Missbrauchsopfer ablehnte, weil diese erhebliche Prüfverfahren voraussetzten und fragt:"Will man den Betroffenen Prüfungen ersparen oder der Kirche hohe Ausgaben?" In staatlichen Verfahren zur Opferentschädigung werde zwar geprüft, aber es werden auch staatliche Entscädigungen gezahlt, die zeigen, dass die Kirchen eigentlich viel höhere Summen zahlen müssten.

Denkbar sei, dass Kirchen als Körperschaften des öffentlichen Rechts für Verbrechen, die Geistliche begingen, in Amtshaftung genommen werden können und vom Staat oder anderen Behörden in Regress genommen werden könnten.

Ein Mann berichtete, dass sein Missbrauchsvorwurf vom Erzbistum Köln anerkannt wurde. Als er um eine Bestätigung dieser Anerkennung bat, um sie im OEG-Verfahren einzubringen, wurde ihm mitgeteilt, es gebe eine solche "offizielle Bestätigung" nicht.

Quelle: christoph-fleischmann.de


21.6.2020 Kardinal Pell will sein Gefängnistagebuch veröffentlichen. Sein Verleger, der Jesuitenpater Joseph Fessio, will das Tagebuch zu einem "spirituellen Klassiker" machen und bittet um Spenden.

Pell war zunächst wegen Kindesmissbrauch verurteilt, dann freigesprochen worden. Dass er Missbrauchsfälle vertuscht hat, hat er pauschal zugegeben. Vorwürfe sexuellen Missbrauchs gegen Pell waren bereits 2002 vor einer Untersuchungskommission der Erzdiözese Melbourne verhandelt worden – Pell wurde damals aus Mangel an Beweisen freigesprochen.
Quelle: cruxnow


20.6.2020 Der polnische Journalist Tomasz Sekielski spricht im Interview über den Umgang der polnischen katholischen Bischöfe mit kirchlichen Missbrauchsfällen und stellt fest, dass die Mehrheit der Bischöfe auf Zeit spielt: Keine Kommentare, keine Antworten, keine Entschuldigungen. Die polnische kirchliche Hierarchie reagiere wie Deutschland, Irland, die USA Anfang oder Mitte der 90er Jahre. Bemerkenswert jedoch sei, dass ein polnischer Bischof, Primas Erzbischof Polak, einen anderen Bischof - Bischof Janiak - beim Vatikan melde. Die Opfer jedoch "stoßen an eine Wand des Unverständnisses, der Gleichgültigkeit und oft des Spotts."

Quelle: zdf


19.6.2020 Zwei Frauen sprechen von ihren Erlebnissen mit katholischen Priestern. Als sie die Taten in den (Erz-) Bistümern Würzburg und München melden, verzweifeln sie fast an der Reaktion der Kirche.

Quelle: sueddeutsche.de


19.6.2020 Buchhinweis: Johannes Heibel: "Telefonat mit einem Priestertäter. Ein verurteilter Pfarrer gibt sich als Pastoralreferent aus." Dokumentiert wird der Fall des verurteilten Sexualstraftäters Pfarrer W., dessen Fall auch im Abschlussbericht des Bistums Limburg und bei der Vorstellung des Berichtes (ab min 31) erwähnt wird.


18.6.2020 Ab Oktober 2020 bis 2023 lässt die evangelische Kirche durch einen unabhängigen Forschungsverbund Ursachen und Folgen sexualisierter Gewalt in der EKD untersuchen. Betroffene werden beteiligt, der 12-köpfige Betroffenenbeirat soll im Laufe des Sommers ernannt werden. Die weitere Zusammenarbeit von EKD und Unabhängigem Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs ist vorgesehen.

Quelle: evangelisch.de   katholisch.de


17.6.2020 In der katholishen Kirche in Polen streiten die Bischöfe, die dem Vatikan Vertuschung von Missbrauchsfällen melden mit denen, die darin einen Schaden für die Kirche sehen. Ein Beschuldigter, Bischof Janiak, verurteilt Bischof Polak, der sich mit den Filmemachern von zwei Filmen über sexuellen Missbrauch durch Kleriker getroffen hat:  "Ich brauche nicht hinzuzufügen, dass sie die Feinde der Kirche sind und von welchen niederen Motiven sie getrieben werden."

Quelle: cruxnow


17.6.2020 In der französischen katholischen Kirche wurden mindestens 3.000 Kinder seit 1950 Opfer sexuellen Missbrauchs durch ca 1.500 Kirchenvertreter. Das ergab die Untersuchung einer unabhängigen Kommission. Bei einer Opferhotline waren 2019 ca 5300 Anrufe eingegangen.

Die Kommission beschäftigte sich auch mit Missbrauch in Orden und stellt fest, dass ein Drittel der erwachsenen Opfer Seminaristen und angehende Ordensmitglieder sind. Die meisten Menschen, die sich gemeldet haben, sind über 50 Jahre alt; zwei Drittel Männer. Mehr als die Hälfte der Fälle geschah zwischen 1950 und 1970, ein Drittel zwischen 1970 bis 1990 und 13,5 Prozent zwischen 1990 und 2019.

Quellen: orf   Domradio


17.6.2020 Nach Missbrauchsvorwürfen gegen einen katholischen Priester der Diözese Würzburg hat das Amtsgericht Bad Kissingen die Anklage zugelassen. Dem Geistlichen wird sexueller Missbrauch an einem Mädchen in zwei Fällen vorgeworfen. Die Tat(en) soll(en) im Landkreis Bad Kissingen geschehen sein und vor 10 Jahren begangen worden sein.

Quelle: web.de


16.6.2020 In Indonesien wurden mindestens 56 kirchliche Missbrauchsfälle bekannt. Bislang gibt es kein Verfahren im Umgang mit den Betroffenen. Obwohl mit "Vos Estis Lux Mundi" ein Kirchengesetz vorliegt, das jede Diözese bis Juni 2020 verpflichtet, ein Meldesystem zu schaffen, sei dies in Indonesien bislang nicht geschehen, sagte die Vorsitzende der Indonesischen Katholischen Frauen, Justina Rostiawati. Es sei nötig, das Bewusstsein dafür in den katholischen Diözesen und unter den Pfarrern noch zu schaffen.Der Gerichtsvikar der Diözese Bogor, Yohanes Driyanto, wies darauf hin, dass nicht viele Priester das kanonische Recht beherrschen. Mangels Unterstützung - so die Vermutung - werden viele Fälle nicht gemeldet.

Quelle: thejakartapost.com


16.6.2020 Ein Jägersburger Jugendgruppenleiter der Evangelischen Kirche in der Pfalz hat zwischen 2009 und 2011 einen Jugendlichen sexuell missbraucht, der zu Beginn der Taten 11 Jahre alt war. Der Beschuldigte war geständig und wurde zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zu 4.000 Euro Geldbuße verurteilt. Sein Amt im Presbyterium hat er abgegeben. Vom Land Baden-Württemberg wurde er als Lehrer suspendiert.

Quelle: saarbruecker-zeitung


16.6.2020 In der Schweiz wurde ein zu fünf Jahren Haft verurteilter Priester der Piusbruderschaft verhaftet. Er war in Belgien 2017 wegen Missbrauchs eines neunjährigen Jungen zwischen 2010 und 2011 in einem Brüsseler Internat der Piusbruderschaft verurteilt. Statt die Haft anzutreten, ging der Priester im Schweizer Kanton Wallis in den Ruhestand. Nach Medienberichten hatte es administrative Probleme bei der Übergabe der Daten von Belgien an die Schweiz verhindert, dass der Verurteilte seine Strafe verbüßen musste.

Quelle: Domradio


16.6.2020 In Indien wurden zwei Priester des Bistums Tellicherry, Kerala, wegen des Vorwurfs, Frauen der Gemeinde sexuell missbraucht zu haben, suspendiert. Die Kirche leitete Ermittlungen ein, nachdem Telefonate und Videos der sexuellen Aktvitäten der beiden Geistlichen in den Sozialen Medien bekannt wurden. Derzeit steht Bischof Mulakkal wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung einer Nonne vor Gerichte. In Kerala wurde im März ein Priester wegen der Vergewaltigung eines Mädchens zu lebenslanger Haft verurteilt. In Indien ist der Missbrauch von Ordensfrauen durch etliche Priester seit Jahrzehnten ein offenes Geheimnis. Erst im Februar 2020 hatte sich die Bischofskonferenz zur Null-Toleranz-Politik bekannt. Bereits 2015 gab es einen solchen Beschluss, der aber nie bekannt gemacht wurde. Die Theologin Virginia Saldanha wirft dem Klerus vor, Opfer zum Schweigen zu bringen.

Quelle: Domradio

15.6.2020 Nach Missbrauchsfällen in Lügde, Bergisch-Gladbach und zuletzt nach bundesweiten Razzien, die öffentliches Aufsehen erregten, wird eine Erhöhung des Strafmaßes diskutiert. Ecpat Deutschland weist darauf hin, dass für die Prävention und den Schutz der Betroffenen entscheidend die Vernetzung und Sensibilisierung von Kinderschutz-Akteuren - Fachkräfte aus Kinderschutz, Beratungsstellen, dem Gesundheitswesen, der Strafverfolgung und der Justiz - sei. Ecpat sieht Missbrauchsabbildungen als Fälle von Handel mit Kindern - diese Fälle müssten sowohl juristisch als auch gesellschaftlich entsprechend geahndet werden.

Quelle: ecpat.de


15.6.2020 Das Bistum Trier hat Mitte April der Staatsanwaltschaft Saarbrücken einen Verdachtsfall auf sexuellen Missbrauch von Kindern durch einen katholischen Priester mitgeteilt. Die Behörde informierte, dass die Verdachtslage diffus sei, weil sich die mutmaßlich Geschädigte nicht äußern wolle und die Zeugenvernehmung bislang keine Aufklärung gebracht habe.

Quelle: sr.de


15.6.2020 Das Aufarbeitungsprojekt des Bistums Limburg „Betroffene hören – Missbrauch verhindern“ enthält in der schriftlichen Fassung auch die Dokumentation der Fälle. Dieser Teil wurde nicht im Internet veröffentlicht, kann jedoch im Bischöflichen Ordinariat Limburg von der Öffentlichkeit eingesehen werden. Die Positionen der noch lebenden Personalverantwortlichen zu den Missbrauchsfällen hingegen sind auch im Internet einsehbar. Bischof Kamphaus, Generalvikar Franz Kaspar und Personaldezernet Helmut Wanka werden als Verantwortliche benannt, die sich dem Schutz der Institution verpflichtet fühlen. Weil sie nicht als Privatpersonen handelten, sondern in Ausübung ihrer Ämter als „relative Personen der Zeitgeschichte“ (Burgsmüller), war es möglich, ihre Namen zu nennen.

In der gedruckten wie in der Online-Version enthalten sind jedoch die Stellungnahmen der noch lebenden Personalverantwortlichen des Bistums zu den Missbrauchsfällen, von denen sie Kenntnis erlangten. Bei der Nennung der Namen dieser Herren, die sich zum Teil bis in die jüngste Vergangenheit hinein ohne Rücksicht auf die Gewaltopfer allein dem Schutz der Institution verpflichtet fühlten, wähnt sich das Bistum rechtlich auf der sicheren Seite. Bischöfe wie Franz Kamphaus, Generalvikare wie Franz Kaspar und Personaldezernenten wie Helmut Wanka handelten schließlich nicht als Privatpersonen, sondern in Ausübung ihrer Ämter als „relative Personen der Zeitgeschichte“ (Burgsmüller).

Das Limburger Aufarbeitungsprojekt geht weiter als das Projekt des Erzbistums Köln. Dies war kurz vor seiner geplanten Veröffentlichung zurückgezogen worden, weil "mehrere Geistliche, die sich mutmaßlich Fehlverhalten zuschreiben lassen mussten, allen voran der vormalige Kölner Personalchef und heutige Hamburger Erzbischof Stefan Heße" Anwälte sprechen ließen. "Deren Drohkulisse aus diskussionswürdigen Behauptungen über die Verletzung von Persönlichkeitsrechten und Datenschutzerfordernisse verfehlte ihre Wirkung nicht. Mitte März wurde die Veröffentlichung der Kölner Studie auf unbestimmte Zeit verschoben.

Quelle: faz.net


15.6.2020 Die Berliner Pflegekinder-Studie zeigt, dass es auch in Berliner Jugendämtern über Jahrzehnte, von von 1973 bis 2003, ein pädophiles Netzwerk gab - die Jugendämter gaben mindestens zehn Pflegekinder die die Obhut des Sexualstraftäters Fritz H. Selbst der Tod eines behinderten Pflegekindes 2001 führte nur zu zwei Aktenvermerken.

Hauptverantwortlich ist der inzwischen verstorbene Pädagogikprofessor Hartmut Kentler, der sich für die Legalisierung von Sex mit Minderjährigen einsetzte. Kentler kannte den Sexualstraftäter Fritz H. persönlich und schrieb Gutachten in dessen Sinn. Kentler war jedoch nicht alleine: „Dass es ein Netzwerk quer durch die wissenschaftlichen pädagogischen Einrichtungen, insbesondere der 1960er- und 1970er-Jahre gab, in dem pädophile Positionen akzeptiert, gestützt und verteidigt wurden.“ Zu diesem Netzwerk gehörten das Pädagogische Zentrum Berlin, das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, die Freie Universität und das Pädagogische Seminar Göttingen. Verbindeunen zwischen dem Pädagogischen Zentrum und der Odenwaldschule in Hessen sind nachweisbar. Mitarbeiter der Jugendämter und der Senatsverwaltung seien Teil dieses Netzwerks gewesen.

Quelle: deutschlandfunk.de


13.6.2020 Bischof Gustavo Zanchetta werfen zwei erwachsene Seminaristen sexuellen Missbrauch vor. Nachdem er von seinem Bischofsamt von Oran, Argentinien, zurückgetreten war, wurde er von Papst Franziskus auf den eigens für ihn geschaffenen Posten eines Assessors in der Güterverwaltung beschäftigt. In Argentinien läuft derzeit mit Verzögerungen durch die Corona-Pandemie ein Verfahren gegen Zanccetta. Bis zum Abschluss dieses Verfahrens ruht das kirchenrechtliche Verfahren. Nun bestätigt der Direktor der Pressestelle des Heiligen Stuhls, Matteo Bruni, dass "während er [Zanccetta] den argentinischen Justizbehörden natürlich weiterhin zur Verfügung stand, konnte [Bischof] Zanchetta seinen Dienst wieder aufnehmen, was die Ermittlungen in keiner Weise behindert".

Quelle: cruxnow


13.6.2020 Live-Stream aus dem Bistum Limburg, 13.6., 13-14 Uhr: Abschlussveranstaltung "Betroffene hören- Missbrauch verhindern"

Statement einer Betroffenen, die am Projekt "Betroffene hören - Missbrauch verhindern" mitgearbeitet hat.

Abschlussbericht Bistum Limburg

Faz.net 14.6.2020


12.6.2020 Die Staatsanwaltschaft eröffnet kein Verfahren gegen Bischof Joseph Hart, Diözese von Cheyenne, weil die Beweise nicht ausreichend seien. Erste Anschuldigungen bei der Staatsanwaltschaft gab es 2002, die nach zwei Monaten abgeschlossen wurden, ohne dass ein Verfahren eröffnet wurde.

Die Familie eines Opfers wandte sich erstmals 1992 mit Anschuldigungen gegen Hart an kirchliche Amtsträger. Ein erstes kirchliches Verfahren begann 2010 und blieb ohne Ergebnis. Seit 2019 liegt ein zweites Verfahren im Vatikan. Mehrere Männer, mindestens sieben, beschuldigen Hart des sexuellen Missbrauchs.

Quelle: cruxnow


12.6.2020 Triggergefahr: "Als Schüler sucht Franz Kurz Hilfe bei einem Mönch - doch der missbraucht ihn. Später gelobt der Orden, den Pater von Jugendlichen fernzuhalten - doch er bricht sein Versprechen. Jetzt räumt der Oberste der Franziskaner-Minoriten fundamentale Fehler ein." Ein Betroffener berichtet.

Quelle: Süddeutsche


11.6.2020 Online-Tagung der Universität Frankfurt/Main am 5.6.2020: "Machtkritik durch Theologie"


10.6.2020 Paul Deselaers erinnert an Erich Zenger: Ein Glücksfall für Theologie und Kirche.

Quelle: feinschwarz.net


10.6.2020 Matthias Katsch stellt sein Buch vor: Damit es aufhört: Vom befreienden Kampf der Opfer sexueller Gewalt in der Kirche

Quelle: youtube.com


10.6.2020 Dem Bistum Limburg wird am Samstag in der Frankfurter Paulskirche die Ergebnisse des Projektes "Der Beginn von Ehrlichkeit" vorgestellt. 70 Expert*innen haben den Umgang mit sexuellem Missbrauch im Bistum analysiert und Vorschläge entwickelt, "wie systemische Faktoren künftig ausgeschlossen und Missbrauchstaten möglichst verhindert werden können". Ob dabei auch Täternamen genannt werden, ist unbekannt. Die Veranstaltung wird live gestreamt, die Ergebnisse werden im Internet veröffentlicht.

Quellen: bistumlimburg.de  domradio.de
Kommentar: Wenn der Untertitel "Beginn von Ehrlichkeit" stimmt, dann ist dies das öffentliche Eingeständnis, dass es bislang keine Ehrlichkeit bei der Aufklärung kirchlich-katholischer Missbrauchsfälle gab. Die Erfahrungen Betroffener aus dem Kontext der katholischen Kirche sprechen genau dafür. Und wenn sie nicht ausdrücklich belogen wurden, so wurden sie Opfer der "reservatio mentalis". Die Mentalreservation wurde z.B. im Vertrag mit Christian Pfeiffer angewandt. Ihm wurde versprochen, dass er Zugang zu allen kirchlichen "rechtlich verfügbaren" Dokumenten erhielte. Pfeiffer musste davon ausgehen, dass damit alle Dokumente gemeint waren. Die Bischöfe hingegen wussten, dass damit die Akten der bischöflichen Geheimarchive ausgeschlossen waren. Und dies sind genau jene Akten, die u.a. Sexualstraftaten enthalten, die nicht in den Personalakten, sondern eben im bischöflichen Geheimarchiv stehen.

Can. 489 — § 1. In der Diözesankurie muß es außerdem ein Geheimarchiv geben, wenigstens aber einen eigenen Schrank oder ein eigenes Fach im allgemeinen Archiv, das fest verschlossen und so gesichert ist, daß man es nicht vom Ort entfernen kann; in ihm müssen die geheimzuhaltenden Dokumente mit größter Sorgfalt aufbewahrt werden.

§ 2. Jährlich sind die Akten der Strafsachen in Sittlichkeitsverfahren, deren Angeklagte verstorben sind oder die seit einem Jahrzehnt durch Verurteilung abgeschlossen sind, zu vernichten; ein kurzer Tatbestandsbericht mit dem Wortlaut des Endurteils ist aufzubewahren.

Can. 490 — § 1. Nur der Bischof darf den Schlüssel zum Geheimarchiv haben.

§ 2. Während der Sedisvakanz darf das Geheimarchiv bzw. der Geheimschrank nur im Falle wirklicher Notwendigkeit vom Diözesanadministrator selbst geöffnet werden.

§ 3. Aus dem Geheimarchiv bzw. Geheimschrank dürfen keine Dokumente herausgegeben werden.


10.6.2020 Dem 2018 verstorbenen Weihbischof Engelbert Siebler, Erzbistum München und Freising, werfen Schüler des kirchlichen Studienseminars Sankt Michael in Traunstein Misshandlungen vor. Ein Schüler wirft ihm sexuellen Missbrauch vor. Siebler war von 1976 bis 1985 Direktor des Studienseminars. Das Ordinariat erfuhr 2016 von den Vorwürfen, konfrontierte den Weihbischof jedoch nicht, da die Darstellung lückenhaft gewesen sei. 

Quellen: Süddeutsche   katholisch.de   Thomas Pfister   Angst unterm Kreuz


10.6.2020 Peter Otten erinnert an Juliana von Lüttich, die auf dem Mond einen dunklen Fleck sah, den sie als Mangel in der Kirche entdeckte: Die Bedeutung der Eucharistie, die nach 40 Jahren zum Fronleichnamsfest führte. Otten entdeckt andere blinde Flecken: "Opfer sexueller Gewalt in der Kirche vermissen, dass Bischöfe sich zu ihrer persönlichen Verantwortung bei der Vertuschung von Verbrechen sexueller Gewalt bekennen und sagen: Ich wars. Ein blinder Fleck. Neben konsequenter Aufarbeitung dieser Verbrechen vermissen sie auch eine finanzielle Entschädigung für das, was sie erlitten haben. Ein blinder Fleck. Frauen vermissen die konsequente Gleichberechtigung der Geschlechter in der Kirche – in allen Ämtern und auf allen Ebenen. Ein blinder Fleck. Menschen erklären ihren Austritt aus der Kirche und vermissen, dass sie vermisst werden. Ein blinder Fleck."

Quelle: katholisch.de


8.6.2020 Der Betroffenenbeirat des Erzbistums Köln kritisiert an der Vereinbarung zwischen der Bischofskonferenz und dem Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung zur Aufarbeitung kirchlich-katholischer Missbrauchsfälle, dass Forderungen der Betroffenen nicht erfüllt wurden. Die Kirche unterwerfe sich dem Anschein nach der Kontrolle durch die demokratisch verfasst Gesellschaft, aber ihr werde "nun auch amtlich abgesegnet ein gewaltiges Mitspracherecht eingeräumt". Zudem gebe es keine bundesweite Aufarbeitungskommission, da jedes Bistum ihr Aufarbeitungssetting selbst gestalten könne.Auch eine Garantie, dass sich alle Bistümer beteiligen, gebe es nicht. Zwar werde Akteneinsicht erwähnt, nicht jedoch ausdrücklich den Betroffenen zugesichert. Es werde der Eindruck erweckt, die Vereinbarung gelte für die gesamte katholische Kirche, die Orden jedoch seien nicht einbezogen. Der Betroffenenbeirat kritisiert auch, dass Ergebnisse erst in fünf Jahren vorliegen sollen. Er fordert Transparenz bei der Auswahl der Kommissionsmitglieder, verbriefte Akteneinsicht für Betroffene und verbindliche Zeitvorgaben für den Start, den Tagungsrhythmus und die Präsentation der Ergebnisse. Der Beirat wies auch daraufhin, dass Aufarbeitung ohne Entschädigung wie ein Geständnis ohne Folgen sei.

Quelle: katholisch.de


7.6.2020 Pater Georges Finet (1898-1990), dem Mitbegründer der "Foyers de chrité", einer privaten Vereinigung von Gläubigen päpstlichen Rechts, werfen Frauen vor, dass er sie als Minderjährige und junge Frauen bei der Beichte sexuell missbraucht habe. Das ergab eine unabhängige Untersuchung. Auch andere "Väter" und Mitglieder der Foyers haben sich als Missbrauchstäter erwiesen. Zunächst hatten 26 Frauen Vorwürfe erhoben, sie seien als zumeist ehemalige Schülerinnen im Alter von zehn bis 14 Jahren missbraucht worden. Inzwischen erheben fast 50 Frauen Vorwürfe.
Quellen:
la-croix.com   rfi.fr


5.6.2020 Wie predige ich sensibel in Zeiten potentieller Traumata? Christine Lungershausen gibt Anregungen für die Predigt in und nach der Krise.

Quelle: feinschwarz.net


5.6.2020 Im Bistum Osnabrück wird am 1. Juli 2020, 9 - 13 Uhr, der Fachtag "Über Macht muss man reden" mit Pater Stefan Kiechle SJ online stattfinden. Anmeldung ist erforderlich über https://www.lwh.de/fachtagmacht

Quelle: bistum.net


4.6.2020 Bischof Nicholas Di Marzio, Brooklyn, wird von einem zweiten Mann des sexuellen Missbrauchs beschuldigt. Das mutmaßliche Opfer war sechs Jahre alt. Die Taten sollen sich in den 70er Jahren ereignet haben. Di Marzio weist die Anschuldigungen zurück. Die kirchlichen Untersuchungen soll Kardinal Timothy Dolan, Erzbischof von New York, vornehmen, der nach eigenen Worten ein guter Freund von Di Marzio ist.

Quelle: vaticannews.va


4.6.2020 Unter Leitung der Kirchenhistorikerin Nicole Priesching untersucht die Universität Paderborn im Auftrag des Erzbistums Paderborn den kirchlichen Umgang mit Missbrauchsfällen zwischen 1941 und 2002, den Amtszeiten der Erzbischöfe Jaeger und Degenhardt. Untersucht werden sollen der Umfang des Missbrauchs, die Gewalterfahrungen Betroffener und die Folgen für ihre Lebenswege. Uneingeschränkter Aktenzugang sei zugesichert worden. Ein Beirat Betroffener soll eingerichtet werden. Die Arbeit begann im Februar 2020, die Ergebnisse sollen in drei Jahren in Buchform vorliegen.

Quelle: katholisch.de


2.6.2020 Die Düsseldorfer Ambulanz "Kein Täter werden" kann nach Aussagen von Andrej König, Psychologie-Professor an der FH Dortmund, auch nach sechs Jahren keinen empirischen Beweis für einen Therapieerfolg vorlegen. Der Sexualmediziner Till Amelung geht von 20 Prozent Rückfallquote aus und berichtet, dass Männer während oder nach der Therapie erzählen, dass sie ein Kind sexuell missbrauchen. Die Therapeuten informieren das Jugendamt nur dann, wenn die Täter einverstanden sind. Ansonsten werde versucht, Angehörige zu veranlassen, Täter und Opfer zu trennen.

Inzwischen sei die Therapie verändert worden. Zudem solle ein externer Gutachter den Erfolg untersuchen und frühestens 2023 seinen Bericht vorlegen.

Quelle: www1.wdr.de


2.6.2020 Nach der Veröffentlichung des Dokumentarfilmes "Das Versteckspiel" hat der Vatikan den Erzbischof Posen, Stanislaw Gadecki, beauftragt, die Vertuschungsvorwürfe gegen seinen Kollegen, Edward Janiak, Bischof von Kalisz, zu untersuchen. In Polen sind zwischen 1990 und 2018 insgesamt 382 Geistliche als Täter und 625 Opfer bekannt geworden.

Quelle: orf


2.6.2020 Im Bistum Würzburg hat die Staatsanwaltschaft Schweinfurt Klage gegen einen katholischen Pfarrer eingereicht. Dem Beschuldigten wird sexueller Missbrauch eines Mädchens vorgeworfen. Die Taten sollen ca zehn Jahre zurückliegen und sich im Landkreis Kissingen ereignet haben. Bislang schweigt der Beschuldigte.

Quelle: br


2.6.2020 Ab 1. Juni 2020 bietet das Bistum Augsburg kirchlichen Missbrauchs- und Gewaltopfern individuell festgelegte Einmalzahlungen bis zu 75.000 Euro an. Insbesondere seien monatliche Zahlungen vorgesehen, wenn Betroffene ihren Lebensunterhalt nicht selbst bestreiten können. Finanziert werden die Zahlungen aus dem Vermögen des Bischöflichen Stuhls. Zudem werden Kosten für Therapie und Paarberatungen übernommen. Geplant sind die Einrichtung einer Stelle für "Begleitung und Begegnung" und eines "Sachwalters", der Ansprechperson für Betroffene sein solle. Begleitpersonen und Ansprechpersonen werden vom Bischof ernannt. Sie dürfen in keinem kirchlichen Arbeitsverhältnis stehen. der ernannte Bischof Maier begründete das Vorgehen damit, dass den Betroffenen eine Perspektive eröffnet werden solle.

Nicht erkennbar ist, ob auch Betroffene zu den Entscheidungsträgern gehören. Auch die Unterscheidung zwischen Anerkennungszahlungen und Hilfen zum Lebensunterhalt ist nicht erkennbar.

Quellen:  Bistum Augsburg  domradio.de


1.6.2020 Im Schweizer Bistum Lugano wurde ein katholischer Priester verhaftet. Ihm wird sexueller Missbrauch, den er vor fünf oder sechs Jahren begangen haben soll, vorgeworfen. Von seinen kirchlichen Aufgaben wurde er entbunden.

Quelle: vaticannews


30.5.2020 Das Bistum St. Cloud, Minnesota, zahlt in einen Fonds für kirchliche Missbrauchsopfer 22,5 Millionen Dollar ein. Vereinbart zwischen Bistum und Opfern wurde auch die Veröffentlichung aller glaubwürdig des Missbrauchs beschuldigten Geistlichen. Das Bistum wird als viertes Bistum in Minnesota Konkurs anmelden.

Quelle: vaticannews.va


29.5.2020 Nachdem der Film "Das Versteckspiel" Premiere hatte, forderte der Primas von Polen, Wojciech Polak, den Priesterrat des Bistums Kalisz auf, für den dortigen Bischof Edward Janiak eine Loyalitätserklärung zu unterschreiben. Die Mitglieder des Priesterrates lehnten die Unterschrift ab. Janiak wird in dem Film vorgeworfen, er habe mehrere Missbrauchsfälle im Bistum Kalisz vertuscht.

Quelle: Deutsche Welle


26.5.2020 Das Bistum Görlitz wird zusammen mit dem Erzbistum Berlin und dem Bistum Dresden-Meißem eine gemeinsame Aufarbeitungskommission berufen.

24.5.2020 Auch in den fünf Bistümern in NRW - Paderborn, Köln, Essen, Aachen, Münster - gibt es wie in den bayerischen Bistümern noch keine konkreten Pläne für die Einrichtung der beschlossenen Aufarbeitungskommissionen. In den Bistümern, in denen bereits Untersuchungen stattfinden, wird geprüft, ob sie den Auftrag der Aufarbeitungskommissionen schon erfüllen.

Quelle: Aachener Zeitung


24.5.2020 Die Königliche Australische Kommission hatte der katholischen Kirche von Australien 86 Punkte zur Erneuerung der kirchlichen Leitungsstrukturen vorgelegt. Die Kirche will im November den Bericht besprechen, den Experten rund um den ehemaligen Richter und Vorsitzenden des "Truth, Justize an Healing Council" Neville Owen erarbeitet haben. Der Bericht liegt der australischen Bischofskonferenz vor, ist jedoch nicht öffentlich. Nach Medienrecherchen empfiehlt der Bericht den Bischöfen, ihre Beschlüsse nicht mehr allein zu treffen, sondern zusammen mit entsprechend ausgebildeten Laien, die auch die Entscheidungen der Bischöfe überprüfen sollen. Nicht zuletzt bei den Finanzen sehen die Experten Handlungsbedarf. So sind bislang kirchliche Wohltätigkeitsorganisationen von einer umfassenden Berichtspflicht ausgenommen. Zudem hat die Kirche den Wert ihrer Besitzungen bisher als zu gering angegeben, um weniger Zahlungen an Missbrauchsopfer leisten zu müssen.


24.5.2020 Der Film Das Versteckspiel von Tomasz Sekielski wurde in Polen in dern ersten drei Tagen von fünf Millionen Menschen gesehen. Er thematisiert die Frage, ob sich seit dem ersten Dokumentarfilm "SAG ES NIEMANDEM" von 2019 in der polnischen katholischen Kirche zum Umgang mit Missbrauchsfällen etwas geändert habe und konstatiert, dass es keine Änderung gab. Nach wie vor werden Betroffene abgewimmelt und Täter lediglich versetzt. Weder werden Anschuldigungen an die Staatswanwaltschaft weitergegeben, noch wird ein kirchenrechtliches Verfahren eingeleitet. Darüber hinaus leiten Staatdswanwaltschaften Akten an die Kurie weiter und verzögern Ermittlungen.


24.5.2020 Kerstin Claus kritisiert die EKD und stellt fest, dass die geplante Forschung noch keine Aufarbeitung ist, die Betroffenen helfen könnte. Lediglich im geplanten Betroffenenbeirat der EKD auf Bundesebene ist die Teilnahme Betroffener vorgesehen. Die Empfehlung der EKD für die Landeskirchen in der Gewaltschutzrichtlinie sieht eine Betroffenenbeteiligung nicht vor. Ohne Beteiligung Betroffener wurde bereits entschieden, dass Geldleistungen individuell gezahlt werden sollen.

22.5.2020 Film Freistatt. Triggergefahr

22.5.2020 Missbrauchsopfer der katholischen Kirche in Frankreich können sich bis zum 31.10.2020 bei der Aufklärungskommission melden. Die Frist wurde wegen der Pandemie-Krise um fünf Monate verlängert. Der Bericht soll im Herbst 2021 veröffentlicht werden. Der Kommission gehören 22 Mitglieder an; finanziert wird sie mit 3 bzw. 3.5 Millionen Euro. Bislang erhielt die Kommission 5.000 Anrufe und 1.500 ausgefüllte Fragebogen. Die meisten mutmaßlich Betroffenen sind über 50 Jahre alt, zwei Drittel sind männlich. Über die Hälfte der Fälle geschahen zwischen 1950 und 1970, ein Drittel zwischen 1970 und 1990 und 13,5 Prozent zwischen 1990 und 2019.
Quelle: Domradio
21.5.2020 Der Theologe Thomas Hieke erklärt in seinem neuen Buch (Hieke/Konrad Huber: Bibel falsch verstanden), wo die Bibel falsch verstanden wird: "Um eine fundamentalistische Bibelauslegung halten zu können, darf man nicht umblättern, weil man dann andere Texte findet, die das wieder relativieren."
Quelle: DLF

19.5.2020 Erich Garhammer kommentiert die Unterschrift von Kardinal Müller unter das Schreiben von Carlo Maria Vigano: Kardinal Müller befeuert krude Weltverschwörungstheorien: "Er fügt damit der Kirche immensen Schaden zu, weil inTeilen der Öffentlichkeit seine Position als offizielle Stellungnahme der Kirche wahrgenommen wird. Die Distanzierung von dieser Position kann nicht deutlich genug ausfallen."

18.5.2020 Film: "Die Geheimnisse der Akten" - erste Einblicke in die Handlungen von Pius XII. während der Hitlerzeit.

18.5.2020 In Polen verweigern weite Teile von Kirche und Justiz echte Aufarbeitung kirchlicher Missbrauchsfälle. Auch in einer von Polens Parlament am 30.8.2019 beschlossenen Gründung einer staatlichen Untersuchungskommission geschah bislang nichts.
Die Glaubenskongregation hat erst acht Monate nach einer Anzeige Ende Mai 2019 die Vorwürfe gegen Bischof Jan Szkodoń zu untersuchen begonnen.
Quelle: Süddeutsche  

17.5.2020 Nach dem bei YouTube veröffentlichten Film "Das Versteckspiel" - einem Dokumentarfilm (engl. Untertitel) über Kindesmissbrauch durch katholische Priester in Polen - will der Primas, Erzbischof Polak, die Vorwürfe durch den Vatikan prüfen lassen. In dem Film wird der Bischof Edward Janiak, Kalisz, beschuldigt, nichts gegen einen Priester unternommen zu haben, der Kinder sexuell missbraucht habe. Janiak ist weiterhin Bischof. Die Kurie von Kalisz sagte zur Entlastung Janiaks, die Eltern eines der im Film dargestellten Opfer hätten nicht das richtige Verfahren befolgt.Der Film stammt von Tomasz Sekielski, der bereits 2019 mit dem Film "Sag es niemandem", der mehr als 23 Millionen mal angeschaut wurde, Aufsehen erregte.

Quellen: vaticannews epochtimes


14.5.2020 Bislang gibt es 770 Betroffene sexualisierter Gewalt, die sich bei der evangelischen Kirche gemeldet haben. Der Beauftragtenrat will noch vor der Sommerpause Studien in Auftrag geben, die weniger das Ausmaß von Missbrauch untersuchen, sondern missbrauchsbegünstigende Strukturen untersuchen sollen. Erfasst werden sollen alle kirchlichen Berufsgruppen und neben Missbrauch an Minderjährigen auch Missbrauch von Erwachsenen, Behinderten und anderen Schutzbefohlenen. Kerstin Claus, Mitglied im Betroffenenbeirat der Bundesregierung, kritisiert, dass an der Entscheidung über Entschädigungszahlungen Betroffene nicht beteiligt werden. Die Kommissionen, die über Entschädigungen entscheiden, gehören Mediziner, Psychotherapeuten und Sachverständige an.

Quelle: br


14.5.2020 Die Staatsanwaltschaft Freiburg teilt mit, dass sie in 236 kirchlichen Missbrauchsfällen im Erzbistum Freiburg tätig wurde. Bei 139 Fällen gab es keine Ermittlungen, weil die Täter tot sind. 97 Fälle wurden weiterverfolgt: gegen 52 Personen und gegen 11 Unbekannte wurden Ermittlungen eingeleitet. Hinzu kamen 34 Verfahren, die die Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe nach Freiburg überwies.

Bereits im Anschluss an die MHG-Studie gab es für 1946 - 2014 190 Fälle. Dabei wurden 50 Verfahren eingestellt (31 verjährte Fälle, 9 Fälle ohne strafrechtlich relevantes Verhalten; 5 Beschuldigte starben, 5 waren bereits verurteilt.) 11 Fälle wurden an andere Staatsanwaltschaften übergeben. Derzeit gibt es noch ein Verfahren. Alle anderen Verfahren im Kontext der MHG-Studie sind abgeschlossen.

Quelle: Domradio


13.5.2020 Anselm Neft: Von bösen Mächten wunderbar geborgen. Über den Glauben an Verschwörungstheorien.


13.5.2020 Bislang halten sich die katholischen Bistümer mit konkreten Plänen zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche zurück. Das ergab dine dpa-Umfrage unter den sieben Bistümern in Bayern.

Quelle: welt.de


11.5.2020 Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung Rörig fürchtet, dass sich in der Zeit der Ausgangsbeschränkungen wegen der Pandemie viele von Missbrauch betroffene Kinder keine Hilfe holen können. Der BKA-Präsident Münch berichtete, dass 2019 112 Kinder getötet wurden und mehr als 4000 Kinder misshandelt wurden. 2018 wurden 136 Kinder getötet. Sexuelle Gewalt gegen Kinder stieg um neun Prozent auf 15.936. Mehr als 12.000 Fälle von Herstellung und Verbreitung von Darstellungen sexueller Ausbeutung von Kindern wurden bekannt. Das ist ein Anstieg von 65 Prozent.

Quelle: evangelisch.de   youtube.com   riskid.de


11.5.2020 Generalvikar Pfeffer, Essen, wünscht sich mehr deutliche Worte gegen einen Aufruf von Erzbischof Vigano, Kardinal Müller, dem ehemaligen Bischof von Hongkong und anderen und beklagt, dass sich der Widerspruch in Grenzen halte. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz hatte am 10.5.2020 gesagt: "Die Deutsche Bischofskonferenz kommentiert grundsätzlich keine Aufrufe einzelner Bischöfe außerhalb Deutschlands. Allerdings füge ich hinzu, dass sich die Bewertung der Corona-Pandemie durch die Deutsche Bischofskonferenz grundlegend von dem gestern veröffentlichten Aufruf unterscheidet.“Quelle: katholisch.de


11.5.2020 Joachim Frank kommentiert den Aufruf von Erzbischof Vigano, Kardinal Müller, dem ehemaligen Bischof von Hongkong und anderen: "Welche Freiheit ist das, die existenzielle Gefahren leugnet, unkalkulierbare Risiken in Kauf nimmt und sich über die Opfer hinwegsetzt, die bisher schon gebracht wurden? Es ist die Freiheit der Ignoranz. Es ist aber auch die Freiheit, die nach Kants Definition dort endet, wo die Freiheit des anderen beginnt. Schauerlich, dass Kirchenmänner – hochrangige Kirchenmänner – den geistlosen Querdenkern und Verschwörungstheoretikern argumentativ Schützenhilfe leisten."

Quelle: katholisch.de


9.5.2020 Die EKD will mit übergreifenden Studien zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt ab Oktober beginnen. Untersucht werden sollen etwa Täterstrukturen und Auswirkungen des sexuellen Missbrauchs auf die Biografie Betroffener. Auch eine Metastudie ist geplant. Die Studien sollen im Oktober 2023 abgeschlossen sein. Die Sprecherin des Beauftragtenrats der EKD, Bischöfin Fehrs plädierte dafür, dass Gründlichkeit vor Schnelligkeit gehen solle. Zwischenergebnisse sollen mit dem noch zu bildenden Betroffenenbeirat diskutiert werden. Derzeit laufen die Auswahlgespräche mit Betroffenen.

Quelle: evangelisch.de


8.5.2020 Nun werden Verschwörungserzählungen auch von katholischen Bischöfen weitergegeben, von Erzbischof Vigano, Kardinal Müller, dem ehemaligen Bischof von Hongkong, Kardinal Joseph Zen Ze-kiun, dem ehemaligen Erzbischof von Riga, Kardinal Janis Pujats. Ob auch Kardinal Sarah das Manifest unterschrieben hat, ist zwischen Vigano und Sarah umstritten. Vordergründig geht es den Autoren um die Bewahrung von Freiheitsrechten, u.a. der Religionsfreiheit in der Pandemie. Sie beschuldigen "fremde Mächte", "supranationalte Einheiten", eine "Politik der drastischen Bevölkerungsreduzierung", und Mächte, die eine Weltregierung schaffen wollen. Auch vor strukturellem Antisemitismus scheuen sie nicht zurück.

Immerhin widerspricht ein Generalvikar, Klaus Pfeffer, den katholischen Verschwörungserzählern.

Quelle: katholisch.de


8.5.2020 Papst Franziskus hat den Rücktritt des Weihbischofs der US-amerikanischen Erzdiözese Cincinnati, Joseph Binzer (65) angenommen. Binzer wird vorgeworfen, seinem Vorgesetzten, Erzbischof Dennis Schnurr, Vorwürfe über unangemessenes Verhalten eines Priesters gegenüber Minderjährigen verschwiegen zu haben. Bereits vor Monaten war er als Personalchef suspendiert worden. Gründe für die Annahme des Rücktritts teilt der Vatikan nicht mit.

Quellen:  orf   NCR


7.5.2020 Der im Dezember beurlaubte Propst von Duderstadt, Bistum Hilfesheim, ist von seinem Amt zurückgetreten. Ein Zusammenhang mit dem laufenden kirchenrechtlichen Verfahren wegen sexuellen Missbrauchs bestehe nicht. Dem Propst warf eine Frau im November 2019 vor, sie in den 1980er Jahren im Alter zwischen 15 und 18 Jahren missbraucht zu haben.

Quelle: katholisch.de


7.5.2020 Die Piusbruderschaft in den USA will sexuellen Missbrauch untersuchen lassen. Betroffene fordert sie auf, sich an einen Priester oder ein sonstiges Mitglied zu wenden. Anlass für die Untersuchung war eine Veröffentlichung der ultrakonservativen Website "Church Militant", die Missbrauchsfälle bei der Piusbruderschaft öffentlich machte. Die Bruderschaft will einen unabhängigen und ständigen Ausschuss zur Überprüfung von Missbrauch einrichten.

7.5.2020 Der Bericht der australischen Königlichen Missbrauchskommission hat die Untersuchungsberichte zum Fall Pell inzwischen freigegeben. Dort wird gesagt, Pell habe in seiner Zeit als Priester und als Weihbischof vom massenhaften Kindesmissbrauch durch katholische Geistliche gewusst. Spätestens 1973 habe Pell von den Taten Ridsdales gewusst. Er habe dafür gesorgt, dass "Gerede darüber" vermieden werde.Die Missbrauchskommission geht auch davon aus, dass Pell von Bischof Mulkearns weder vorsätzlich noch unabsichtlich getäuscht wurde. Den Vorwurf eines Neffen von Ridsdale, Pell habe ihm Schweigegeld angeboten, hält die Missbrauchskommission nicht für wahr. Pell bestreitet die Vorwürfe.
Quelle: katholisch.de


6.5.2020 Johann Pock weist darauf hin, dass in der Pandemie wenig von Seelsorge die Rede ist. Sie aber ist das Kerngeschäft der Kirche. "Seelsorge hat hier vor allem mit dem Aufmerksamwerden zu tun, wo jene Menschen sind, die Hilfe brauchen – und eben nicht nur mit dem Warten, dass sich jemand von sich aus rührt und kommt (so wichtig es ist, dass Menschen auch wissen, wohin und an wen sie sich wenden können!). Das Nachfragen ist dabei möglicherweise verbunden mit der Erfahrung der Abweisung; aber dennoch: SeelsorgerIn sein heißt hier, sich auszusetzen und auch mit Ablehnung der angebotenen Hilfe zu rechnen."

Quelle: theocare

5.5.2020 Die katholische Kirche und sexualisierte Gewalt - Die Blockade der Bischöfe. Ein Feature von Gaby Mayr im DLF Kultur.

3.5.2020 Florian Breitmeier kommentiert die gemeinsame Erklärung zur Aufklärung sexueller Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche und sieht dabei nicht nur die Kirche, sondern auch den Staat in der Pflicht. Breitmeier weist darauf hin, dass entscheidend sein wird, "ob bei der Aufarbeitung und der geplanten Veröffentlichung der Ergebnisse der Persönlichkeitsschutz von Tätern und Vertuschern mit Verweis auf das kirchliche Datenschutzgesetz absolut gilt oder nicht".
Quelle: ndr.de

29.4.2020 Daniel Deckers und Thomas Jansen machen darauf aufmerksam, dass die Bischöfe dafür gesorgt haben, dass ihnen in der Aufklärung kirchlicher Missbrauchsfälle niemand allzusehr hineinredet, denn der Unabhängige Beauftragte für Fragen des Kindesmissbrauchs errörtert mit dem jeweiligen Bischof in einem "Verständigungsprozess" (2.1.), ob eine bestehende Kommission den Anforderungen genüge. Die Gemeinsame Erklärung gilt nicht für Ordensgemeinschaften.
Quelle: faz

29.4.2020 Die Bistümer Aachen, Essen, Hamburg, Köln, Limburg, Mainz, München, Münster und Paderborn haben bereits unabhängige Studien initiiert. Im Bistum Hildesheim wird lediglich der Zeitraum 1957 bis 1982 untersucht. In diesem Zeitraum war Heinrich Maria Janssen Bischof, dem selbst sexueller Missbrauch vorgeworfen wurde. Im Erzbistum Köln wurde eine Veröffentlichung gestoppt, weil eine "identifizierbare Darstellung der Verantwortlichen" Rechtsstreitigkeiten zur Folge haben könnte.
Im Bistum Essen wird das Institut nur dem Auftraggeber Namen nennen, nicht jedoch der Öffentlichkeit. Das Bistum wird Verantwortliche für Vertuschung "nach Maßgabe des Rechts zur Verantwortung ziehen.
Im Bistum Mainz hat der Rechtsanwalt Ulrich Weber "im Rahmen des rechtlich Möglichen" freie Akteneinsicht. Derzeit werden Kriterien dazu erarbeitet. Im Bistum Münster wird eine juristische Absicherung mit Blick auf Persönlichkeitsrecht angestrebt. Man könne nie ausschließen, dass sich jemand gegen eine Veröffentlichung wehren wird, jedoch solle das Risiko einer Klage ausgeschlossen oder minimiert werden. In der Diözese Limburg gibt es eine Art "Wahrheitskommission". Drei Experten unter Kontrolle der Rechtsanwältin Claudia Burgsmüller werden dem Bistum Empfehlungen geben, wie es mit Einzelfällen umgehen sollte.
Quelle: Domradio

29.4.2020 Die katholischen Bischöfe in Deutschland haben sich mitschuldig am II. Weltkrieg gemacht, weil sie kein eindeutiges Nein sprachen, sondern weil die meisten Bischöfe den Willen zum Durchhalten stärkten. Das ist das Ergebnis einer kirchlichen Untersuchung zur Rolle der dt. Bischöfe in der Hitlerzeit. Die Untersuchung ist unter dem Titel „Deutsche Bischöfe im Weltkrieg“ veröffentlicht.
Quelle: orf

29.4.2020 Wir sind Kirche kommentiert die Erklärung zur Missbrauchsaufarbeitung: "Vage Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Schneckentempo"

29.4.2020 Im Bistum Fulda soll in den kommenden Monaten die Erklärung über verbindliche Kriterien und Standards für eine unabhängige Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche in Deutschland durch Gegenzeichnung von Bischof Gerber zur Grundlage für die Aufarbeitung werden. Zudem soll eine Arbeitsgruppe eingesetzt werden, die Schritte der Gegenzeichnung und der Umsetzung vorbereitet.
Quelle: bistum-fulda

28.4.2020 Die katholische Bischofskonferenz hat nach 18-monatigen Verhandlungen Standards einer unabhängigen Aufarbeitung, die von Bischof Ackermann und Johannes-Wilhelm Rörig, dem Unabhängigen Beauftragten der Bundesregierung unter Mitwirkung Betroffener erarbeitet wurden, zugestimmt. In allen Bistümern sollen Kommissionen gebildet werden, die Betroffene anhören kann, Akteneinsicht bekommen soll und regelmäßig über ihre Arbeit berichten soll. Zusammengesetzt werden sollen die Kommissionen aus Betroffenen, unabhängigen Fachleuten und Kirchenleuten. Kirchenleute dürfen nicht die Mehrheit in den Kommissionen haben. Letztentscheidend für die Besetzung der Kommission ist der Bischof. U.a. haben die Kommissionen die Aufgabe, die Vernetzung Betroffener zu unterstützen. Verpflichtend ist die unabhängige Aufarbeitung jedoch erst, wenn ein Bischof sie für sein Bistum unterschreibt und veröffentlicht. Ein Termin, bis wann die Kommissionen eingerichtet sein müssen, wird nicht genannt. - In der evangelischen Kirche gibt es bislang keine entsprechende Vereinbarung.
Ob auch die Namen von Tätern und Vertuschern genannt werden oder ob deren Veröffentlichung den kirchlichen und staatlichen Datenschutzverordnungen widerspricht, ist der Erklärung nicht zu entnehmen.

Quellen: br   Wortlaut der Erklärung über verbindliche Kriterien und Standards für eine unabhängige Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche in Deutschland


27.4.2020 Das Erzbistum Hamburg hatte 18 Akten zu mutmaßlichen Missbrauchsfällen an die Staatsanwaltschaften weitergegeben. Inzwischen sind die staatlichen Ermittlungen weitgehend eingestellt. Lediglich in einem Fall prüft die Staatsanwaltschaft noch einen "Teilaspekt". In den anderen Fällen lag entweder Verjährung vor oder es bestand kein hinreichender Tatverdacht.

Quelle: Domradio


27.4.2020 Nun sind die Akten der australischen Königlichen Missbrauchskommission zum Fall des Kardinals Pell freigegeben. Sie waren verschlossen, solange der Prozess gegen Pell noch lief. Pell war vom Vorwurf des sexuellen Missbrauchs freigesprochen worden, weil ihm keine Taten nachgewiesen werden konnten. Pell wird weiterhin Vertuschung sexuellen Missbrauchs vorgeworfen. Vor der Missbrauchskommission hatte Pell eingeräumt, er habe den Unschuldsbeteuerungen beschuldigter Priester geglaubt. Die Veröffentlichung der Akten könne zu neuen Klagen wegen Behinderung der Justiz führen, vermuten Missbrauchsexperten.
Quelle: Domradio

27.4.2020 Dem Thema "Glaube und Aberglaube in der Corona-Krise" widmet sich Gunter Prüller-Jagenteufel.

26.4.2020 Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung Rörig fordert die katholischen Bischöfe in Deutschland anlässlich der morgigen Sitzung des Ständigen Rates der DBK zu einer entschlossenen und unabhängigen Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch in ihren Bistümern auf. Zu den Standards der Aufarbeitung gehöre auch, die Regeln der Veröffentlichung zu Beginn der Aufarbeitung klar und verbindlich festzulegen. Dazu liegt eine gemeinsame Erklärung der Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung und der Dt. Bischofskonferenz vor. Christian Weisner, Wir sind Kirche, weist darauf hin, dass die Kirche - wie beim Piusheim im Erzbistum München - immer erst auf Nachfrage und auf Anstoß aus der Politik reagiere, nie von sich aus handle.
Quellen: radio-bamberg   Domradio

April 2020 Die Psychotherapeutin Michaela Huber bietet im Rahmen der "stern-Seelsorge" ihre Hilfe an. Sie berichtet über die Auswirkungen der Krise auf die Seele – und über die Hilfsaktion des stern.
Quelle: stern.de

24.4.2020 Der Kirchenhistoriker Hubertus Wolf hat mit seinem Team in den inzwischen freigegebenen Archivbeständen des Vatikans ein bislang vertuschtes Dokument gefunden, das das Wissen von Pius XII. (1939-1958) um die Judenvernichtung belegt. Papst Paul VI. hatte vier jesuitische Professoren beauftragt, alle Akten des Heiligen Stuhls von 1939 bis 1945 durchzuarbeiten und in den elf Bänden der "Actes et Documents" zu sammeln. Dr. Sascha Hinkel fand ein bislang unbekanntes Dokument, das belegt, dass der Heilige Stuhl Informationen einer jüdischen Organisation über die Ermordung von 500.000 Juden innerhalb eines halben Jahrs in der Ukraine hatte. Diese Informationen wurden von dem ukrainischen katholischen Erzbischof Andrej Szeptyzkyj bestätigt. Kardinal Angela Dell-Acqua wiederum wollte verhindern , dass Papst Pius XII. gegen die Ermordung hunderttausender Juden öffentlich protestierte und stellte die voneinander unabhängigen Zeugnisse von Juden und von dem ukrainischen Erzbischof als unglaubwürdig hin, indem er schrieb, dass man Juden ohnehin nicht trauen könne und auch den orientalischen Katholiken nicht, weil sie zu Lügen und Übertreibungen neigten. Nach Einschätzung Wolfs wurde damit ein Schlüsseldokument gefunden, das eindeutig antisemitisch ist und die Hintergründe aufzeigt, warum Pius XII. nicht öffentlich gegen den Holocaust protestierte. Die elf Bände der "Actes et Documents" lösen den Zusammenhang auf, in dem die Akten im Archiv liegen.

Quelle: Kirche und Leben


23.4.2020 Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs fordert eine umfassende und unabhängige Aufarbeitung der Heimerziehung in der Bundesrepublik und der DDR. Noch immer falle es der Gesellschaft, vor allem auch den Trägern der Heimerziehung in Deutschland schwer, sich ihrer Verantwortung zu stellen. In Heimen waren von 1945 bis Mitte der 79er Jahre ca 800.000 Kinder und Jugendliche untergebracht, 500.000 in der DDR. Die Kommission fordert ein Konzept für Ausgleichszahlungen, das die verhinderten Lebenschancen, Rentenansprüche und Pflege berücksichtigt.

Quelle: evangelisch.de


22.4.2020 Die Deutsche Ordensobernkonferenz (DOK) wollte ursprünglich die Ergebnisse einer internen Erhebung ohne wissenschaftlichen Anspruch zum Ausmaß sexuellen Missbrauchs in Ordenseinrichtungen Anfang 2020 vorlegen. Wegen der Pandemie verzögert sich die Öffentlichmachung. Im Mai 2019 hatte die DOK einstimmig beschlossen, die Zahl der Missbrauchsopfer, die Zahlungen in Anerkennung des Leids zu ermitteln, Personalakten zu durchsuchen, Studien zu Schutzkonzepten und zu Ansprechpartnern zu planen. Die DOK vertritt ca 13 450 Ordensfrauen und 3550 ORdensmänner in fast 1600 Klöstern.


19.4.2020 Hier berichten Betroffene von ihren Erfahrungen mit Gewalt und Missbrauch im Piusheim, Erzbistum München.
Quelle: spiegel.de

18.4.2020 Die italienische Kinderschutzorganisation "Meter" berichtet, dass Internetaktivitäten im Kontext von Pädokriminalität während des Lockdowns stark zugenommen haben.Der Präsident von Meter, DiNoto sagte, dass allein im März und Anfang April die Datenströme um 40 % angestiegen seien.
Quelle: vaticannews.va
17.4.2020 Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung vermisst ein "starkes Signal" von Kardinal Marx angesichts der Vorwürfe von sexuellem Missbrauch, Gewalt und Prostitution im Piusheim. Kardinal Marx wolle eine unabhängige Aufklärung, sagte sein Sprecher Bernhard Kellner. Rörig hingegen sagt, Marx habe kein starkes Signal gesetzt. Er, Rörig, habe gehofft, Marx werde im Vorfeld der Zusammenkunft des Ständigen Rates Ende April 2020 ein klares Signal für die Schaffung unabhängiger diözesaner Aufarbeitungskommissionen setzen.
Quelle: Domradio
15.4.2020 Vorsicht Triggergefahr! Über ritualisierten sexuellen Missbrauch und organisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen:

14.4.2020 Der australische Kardinal Pell rechnet mit neuen Anklagen, weil er "Opfer eines Trends", den Anklägern zu glauben, sei. Jede Anklage werde als reine Wahrheit angesehen. Das sei ungerecht und unangebracht.

Quelle: Domradio

Kommentar: Tatsache ist, dass Kardinal Pell bislang jedes Mal mehr Glauben gefunden hat als einer seiner Ankläger. Bereits 2002 wurde er mangels Beweisen von einer Untersuchungskommission der Erzdiözese Melbourne vom Missbrauchsvorwurf freigesprochen.


12.4.2020 Bischof Wilmer stellt fest, dass durch das Streamen von Eucharistiefeiern eine Engführung des Glaubens sichtbar wird: "Es kann auch nicht sein, dass wir nur auf die Eucharistie fixiert sind! Natürlich ist sie wichtig, aber das Zweite Vatikanische Konzil sagt, der Herr ist nicht nur gegenwärtig in der Eucharistie, sondern auch in den Heiligen Schriften, im Lesen der Bibel, und wir sollten das Wort Jesu ernst nehmen, wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen. Wir können uns zusammensetzen auch über das Internet, auch über die modernen Medien, um dies zu tun." Außerdem weist er darauf hin, dass "wir das Eckige, Kantige in unserem Glauben rundgeschliffen haben. Die Wahrheit ist, dass wir Gott in eine Schachtel gepresst haben, eine rote Schleife drumgebunden haben und denken: Wir haben es. So ist er, das ist mein Bild. Und das geht nicht! Auch die Ereignisse jetzt zeigen, das Leben ist unberechenbar und vor allem, Gott bleibt ein Geheimnis."
Quelle: DLF

12.4.2020 Der Vorsitzende der Bischofskonferenz Bätzing nennt die Vertuschung kirchlicher Missbrauchsfälle einen "kolossalen Fehler". Man müsse bedenken, dass die damalige Perspektive ohne das heutige Wissen auskommen musste." Aus heutiger Perspektive ist es gar nicht mehr zu begreifen, dass Betroffene nicht gehört und Täter geschützt wurden", sagte er.

Quelle: Domradio

Kommentar: Wenn Kleriker bis vor wenigen Jahren auch nicht die Folgen sexualisierter Gewalt gekannt haben, so hätten sie doch den Paulusbrief an die Korinther*innen (1 Kor 6,9) kennen müssen, in dem Paulus "Knabenschändern" das Erbe des Reiches Gottes verwehrt. Sie hätten auch die Vorschrift der der Synode von Elvira (Abs. 71), ca 306 n.Chr., kennen können: "Diejenigen [Kleriker], die Jungen sexuell missbrauchen, können auch dann nicht kommunizieren, wenn der Tod naht."


12.4.2020 Ostersonntag. Jetzt ist die Zeit zu entscheiden, was wichtig ist und was unwichtig ist und zu klären, ob unser Leben auf Sand gebaut ist oder ob es in allen Erfahrungen auf den Gott des Lebens vertrauen kann. Frohe Ostern!

11.4.2020 Der Tübinger katholische Theologe Peter Hünermann, 91, berichtet aus seinem Leben als Theologe. Hervorheben möchte ich nur zwei seiner Beobachtungen: Die Corona-Pandemie konfrontiert eine ganze Gesellschaft mit ihrer Sterblichkeit und mit der Erfahrung, dass entscheidende Dinge nicht in der Hand der Gesellschaft liegen. Diese Erfahrung wird - auch mit künftig zu erwartenden weiteren Pandemien - prägend sein. Dies stellt die Gesellschaft vor Fragen, die in der Moderne neu sind. Aufgabe der Theologie wäre es, diese Grenzerfahrung aufzuarbeiten. (bis min 5) - Hünermann erfuhr bereits in den 40er Jahren des 20. Jhs. von Pädophilie unter Geistlichen (min 10)
Quelle: swr.de

10.4.2020 Karfreitag: Bischof Wilmer: Warum leiden?
8.4.2020 Der ehemalige Chorknabe, der gegen Kardinal Pell ausgesagt hat, akzeptiert den Freispruch Pells. Er weist darauf hin, dass dieses Urteil dazu führe, dass viele Sexualdelikte an Kindern ungestraft bleiben. Der Freispruch hat vorausgesetzt, dass die"Gewichtung des Systems" zugunsten des Angeklagten höher war als die Glaubwürdigkeit des Opfers. In Missbrauchsfällen an Kindern sei es schwierig, die Taten zweifelsfrei nachzuweisen.
Quelle: orf

8.4.2020 Die bayerischen Behörden haben schon seit Jahren Hinweise auf möglichen sexuellen Missbrauch in dem ehemaligen katholischen Piusheim in Baiern bei München. Bei der regionalen Anlauf- und Beratungsstelle für ehemalige Heimkinder in Bayern meldeten sich zwischen 2012 und 2018 insgesamt 28 frühere Bewohner des Erziehungsheimes. Der Leiter des Landesjugendamtes, Hans Reinfelder, konnte nicht differenzieren, ob die Meldungen nur das Piusheim oder auch andere Heime betrafen. Auch beim Eckigen Tisch meldeten sich neun mutmaßlich Betroffene oder Zeugen.

Quelle: sueddeutsche.de


8.4.2020 Der Council of woman kommentiert den Freispruch mangels Beweisen von Kardinal Pell: "Wir respektieren die Entscheidung des Gerichts, erkennen aber gleichzeitig an, dass ein unzureichender Beweis für einen Schuldspruch an sich noch kein Beweis für die Unschuld ist."

Quelle: voicesoffaith.org


8.4.2020 Burkhard Jürgens stellt im Domradio fest, dass das Oberste Gericht im Fall Pell nicht geprüft hat, ob Pell unschuldig ist, sondern nur, ob ihm die Schuld nachgewiesen werden kann. Ob die kircheninterne Untersuchung durchgeführt wird, ist derzeit unbekannt.

Quelle: Domradio

7.4.2020 Nach 18 Jahren haben die katholischen Bischöfe Japans eine Missbrauchsstudie veröffentlicht. Untersucht wurde der Zeitraum von 1950 bis in die 2010er-Jahre. Der Bericht zeige nur die Spitze des Eisbergs, sagte der Erzbischof von Nagasaki. Gezeigt wurde, dass die Bischöfe und Ordensoberen ihre Nachfolger nicht über Missbrauchsfälle informierten. Zudem seien die Akten unvollständig oder fehlten. Die Studie fand 15 Missbrauchsfälle. Sechs Opfer waren weiblich, sieben männlich, bei zwei Opfern ist das Geschlecht unbekannt. Die Opfer waren zwischen 6 und 17 Jahre alt. Sieben der Täter waren japanische Priester, sieben waren ausländische Priester, einer war ein japanischer Missionar. Zwei der Täter wurden susspendiert, acht wurden innerhalb von Japan oder ins Ausland versetzt. Über die weiteren fünf Täter liegen keine Informationen vor.

7.4.2020 Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, wäre erleichtert, "wenn Kardinal Reinhard Marx für das Erzbistum München-Freising jetzt die Chance ergreift und noch vor Ostern ein starkes Signal pro Aufarbeitung sendet" zu den Vorgängen im Piusheim in Baiern bei München. Eine unabhängige Aufklärung durch externe Experten und unter Beteiligung von Betroffenen müsse in Gang gesetzt werden.
Quelle: katholisch.de  

7.4.2020 Anthony Fischer, Pells Nachfolger als Erzbischof von Sydney, wertete den Freispruch Pells als Sieg für die Kirche. Der Prozess gegen Pell sei eine "Verfolgungsjagd" gewesen. Zur Erinnerung: Erzbischof Fischer hatte 2008 beim Weltjugendtag Missbrauchsopfern vorgeworfen, sie störten die gute Stimmung des Weltjugendtages.
Quelle: Zeit

7.4.2020 Kardinal Pell wurde vom obersten Gericht Australiens vom Vorwurf sexuellen Missbrauchs in fünf Fällen freigesprochen. Seine Haftstrafe wurde aufgehoben. Die Entscheidung der sieben Richter war einstimmig.
Pell drohen weitere, zivilrechtliche Klagen wegen Missbrauchs Jugendlicher. Möglich sind auch weitere strafrechtliche Verfahren wegen Meineids und Behinderung der Justiz.
Der Vatikan begrüßte den Freispruch für Kardinal Pell. Die australische Bischofskonferenz gab zu erkennen, dass die Entscheidung des Gerichts von den einen begrüßt wurde und für andere niederschmetternd war. Viele Juristen nahmen die Entscheidung des High Court mit Verwunderung auf. Ben Mathews, Jura-Professor an der Technischen Universität von Queensland, kommentierte: "In dieser Berufung vor dem High Court ging es nicht darum, ob Pell die Straftaten begangen hat. Es ging darum, ob die Mehrheit der (drei) Richter des Berufungsgerichts in Melbourne bei der Zurückweisung von Pells Berufung einen Fehler hinsichtlich der Art der korrekten Rechtsgrundsätze oder ihrer Anwendung gemacht haben." Letztlich habe das Gericht den Behauptungen über mangelnde Tatgelegenheit einen höheren technischen Rechtsstatus verliehen als der Aussage des Opfers.

Quellen: Domradio  katholisch.de


6.4.2020 In dem im Januar 2018 begonnenen kirchlichen Verfahren gegen einen ehemaligen Pfarrer aus Freisen, Bistum Trier, wurde nun ein vierter Zeuge gehört. Mögliche Zeugen, die zu den Lebensumständen Betroffener etwas mitteilen könnten, haben sich auf ein Anschreiben von 2019 nicht gemeldet. Eine neue Anfrage erfolgte. Der Beschuldigte wird befragt, wenn die Zeugenaussagen vorliegen.


5.4.2020 Im Kontext eines Gerichtsprozesses wurden gegen das ehemalige Jugenddorf Piusheim, Baiern bei München, Vorwürfe von massivem sexuellen Missbrauch, Gewalt und Prostitution bekannt. Die Staatsanwaltschaft München II hat Vorermittlungen gegen einen früheren Erzieher und einen damals angehenden Priester aufgenommen. Ob die Angaben belastbar sind, muss sich noch zeigen. Das Erzbistum München-Freising bestätigte, dass ihr seit 2010 neun Verdachtsfälle gemeldet wurden. In zwei Fällen seien Anerkennungszahlungen geleistet worden. In einem Fall sei es um einen namentlich nicht bekannten Priester gegangen. In der Öffentlichkeit bekannt wurde nur ein Fall. Christian Weisner, "Wir sind Kirche", warf der Kirche vor, noch immer mehr am Schutz der eigenen Institution interessiert zu sein als an der Benennung konkreter Täter und Vertuscher und an der Aufdeckung der Vertuschungsstrukturen.Quellen: merkur.de   br   ARD

3.4.2020 Der Erzbischof der kolumbianischen Erzdiözese Villavicencio, Monsignore Oscar Urbina, hat 19 Ordensmänner suspendiert. Ihnen wird sexueller Missbrauch vorgeworfen. Der Autor eines Buches über Pädophilie in Kolumbien, Juan Pablo Barrientos, weist darauf hin, dass diese Ordensleute in Italien, in San José des Guaviare in Südostkolumbien und in den Vereinigten Staaten tätig waren.
Der Vatikan spricht von 15 suspendierten Priestern. Das ist etwa ein Zehntel des kolumbianichen Klerus.
Quelle: elpais

2.4.2020 Das Oberste Gericht Australiens enscheidet am 7.4.2020, ob Kardinal Pell seine Haftstrafe antreten bzw. fortsetzen muss. Inzwischen tauchten neue Missbrauchsvorwürfe gegen Pell auf. Ein 53-Jähriger berichtete dem Sender ABC, Pell habe ihn sexuell missbraucht, als er in einem Waisenhaus in Ballarat war. Im Juni 2019 hatte außerdem ein Mann eine zivilrechtliche Klage gegen Pell eingereicht mit dem Vorwurf, Pell habe in den 80er Jahren als Leiter der Schulabteilung des Bistums Ballarat sexuellen Missbrauch von Schülern durch einen pädophilen Ordensmann vertuscht.

1.4.2020 Nur kurz suchte die Katholische Fakultät der Universität Bonn einen Priester, der Exegese des Neuen Testaments lehren sollte. Die Hochschule forderte "einschlägig qualifizierte Frauen nachdrücklich zur Bewerbung" auf. Inzwischen hat sie die Stellenanzeige wieder geändert:-(


1.4.2020 Die Bistümer Limburg, Mainz und Fulda werden Entschädigungszahlungen an kirchliche Opfer sexueller Gewalt nicht aus Kirchensteuereinnahmen nehmen.
Quelle: faz

31.3.2020 Kathrin Brockmüller, Katholisches Bibelwerk, schaut auf die ägyptischen Plagen, die biblisch-apokalyptische Literatur einerseits und das Corona-Virus andererseits und stellt fest, dass Gott nicht straft. Brockmüller erinnert daran, dass biblische Texte in ihrem historischen und literarischen Kontext zu verstehen sind.
Quelle: Domradio

29.3.2020 Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Rörig, fürchtet, dass wegen der Corona-Krise sexuelle Gewalt gegen Kinder und häusliche Gewalt zunimmt. In den Ländern, in denen die Ausgangssperre schon länger besteht, habe die häusliche Gewalt deutlich zugenommen. Wer in der Nachbarschaft Verdacht auf Gewalt oder sexuellen Missbrauch habe, solle direkt professionellen Rat suchen bei Polizei, Jugendämtern und anderen Beratungsangeboten.

Quelle: Domradio

"Nichts erschüttert – historisch betrachtet – den Glauben so tief wie Leid, Not, Tod und Gewalt. Theologisch lassen die Erzählungen der Heiligen Schrift und auch die Geschichte der Kirche erkennen, dass nie so viel Neues im Glauben gelernt werden kann, wie im Ringen mit dem Leid. Auch Jesus selbst hat durch Leid den Gehorsam gelernt (Hebr 5,8)."

24.3.2020 "Die Gottesfrage und die Gottesklage haben immer ihr Recht. Nicht zu hinterfragen ist momentan hingegen, dass soziale – besser gesagt: physische – Distanzierung, Quarantäne und Ausgangssperren in der gegenwärtigen Situation zwischenmenschliche Akte der Nächstenliebe sind." Dr. Till Magnus Steiner weist darauf hin, wie in Zeiten der Bibel mit Pandemien umgegangen wurde.
Quelle: dei-verbum.de
24.3.2020 Die Polizeiliche Kriminalstatistik für 2019 verzeichnet eine Steigerung bei der Verbreitung von Missbrauchsdarstellungen um 65 % (12.262 Fälle). Kindesmissbrauch stieg um 11 Prozent (13.670 Fälle). Die Verbreitung, der Besitz und die Herstellung jugendpornografischer Schriften stieg um 24 % (1.991 Fälle).
Quelle: taz

23.3.2020 In Spanien wurden Fälle von Männergewalt gegen Frauen bekannt. Experten gehen davon aus, dass dieAusgangssperre zu vermehrter Gewalt gegen Frauen und Kinder führt. Kinderschützer warnten bereits vor einer Zunahme von Kindesmissbrauch.
Quellen: Domradio   dw.com

21.3.2020 In Taizé haben drei Brüder fünf Minderjährige sexuell missbraucht. Zwei der Täter sind gestorben. Der dritte muss nun das Dorf verlassen. Der Prior, Frère Alois, habe ihn dazu aufgefordert. Wegen seines fortgeschrittenen Alters wohne aber ein Bruder bei ihm, und andere begleiteten ihn "in diesem Abschnitt seines Lebens". Frère Alois sagte, ihm sei bewusst, wie viel die Brüder von Taizé diesem nun ausgeschlossenen Bruder verdankten: "Dies ist für uns ein tiefer Schmerz." Gegen den Bruder gibt es mehrere glaubhafte Aussagen, die an die Untersuchungsbehörden weitergeleitet wurden.

19.3.2020 Drobinski, Matthias/Urban, Thomas haben eine Biografie von Johannes Paul II. vorgelegt. Dort schreiben sie, dass der größte Fehler von Papst Johannes Paul II. (1978-2005) der Umgang mit der Missbrauchskrise war. "Unter dem Strich war für ihn eine starke, unverwundbare Kirche wichtiger als der Blick auf die Opfer", so Drobinski.

19.3.2020Der frühere katholische Priester Bernard Preynat hat Berufung gegen das Urteil wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger eingelegt. Er hatin den 80er und 90er Jahren Dutzende Kinder sexuell missbraucht und die Taten gestanden. In Lyon wurde er zu fünf Jahren Haft verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte acht Jahre gefordert.

18.3.2020 MissBIT, die Initiative kirchlicher Missbrauchsopfer im Bistum Trier, will mit Informationen an die Öffentlichkeit gehen. Sie wirft Bischof Ackermann vor, bis heute Täter in seinem Bistum zu schützen. Im Bistum Trier gebe es 42 Priester, von denen Bischof Ackermann wisse, dass sie Täter seien und die noch immer aktiv im Kirchendienst sind, z.T. in der Jugendarbeit.
Zudem hat die Initiative Belege, dass der frühere Bischof Stein in mindestens einem Fall einen Täter geschützt hat.
Quelle: 5vier.de

17.3.2020 Die Wiesbadener Rechtsanwältin Claudia Burgsmüller hat die Aufgabe, als externe Prozessbeobachterin beim Aufklärungsprojekt im Bistum Limburg - mit acht Teilprojekten und 70 Teilnehmenden - zu fungieren. Die Projektgruppe "Personalakten" legte Ende 2019 einen ersten Zwischenbericht vor. Der Zwischenbericht wurde (von wem?) dem Zugriff der anderen Projektgruppen wieder entzogen. Burgsmüller erreichte, dass der Zwischenbericht allen anderen Gruppen wieder zugänglich gemacht wurde, weil die dort präsentierten Fälle mit einer Fülle von Informationen aus den Akten dargestellt seien, die für die Fragestellungen aller einzelnen Teilprojekte von entscheidender Bedeutung sein könnten, begründete Burgsmüller ihr Vorgehen. - Einen zweiten Schwerpunkt ihrer Aufgabe als externe Prozessbeobachterin sieht sie darin, die Interessen der Betroffenen in den Vordergrund zu stellen. Bislang hätten die kirchlichen Opfer im Bistum Limburg keine Beteiligung eingefordert. Die Projektgruppen müssten den Opfern eine Anhörung anbieten und etwa die Idee einer Interessengruppe vermitteln. Auch die Rolle von Frauen als „Mitwisserinnen und Unterstützerinnen von beschuldigten Priestern“ dürfe nicht verschwiegen werden.

17.3.2020 In den USA können Betroffene über den "Catholic Bishops Abuse Reporting Servie" Missbrauchsvorwürfe gegen Bischöfe gemeldet werden. Die Meldungen werden an den zuständigen Erzbischof weitergeleitet bzw. an die nächsthöhere kirchliche Instanz, wenn es Vorwürfe gegen den Erzbischof gibt. Zugleich erhält ein nichtkirchlicher Experte die Meldung. Nach einer ersten Prüfung gehen die Berichte an den Nuntius, der über eine förmliche Untersuchung entscheidet. Findet eine Untersuchung statt, geht das Ergebnis an den Vatikan, der es überprüft und das weitere Vorgehen beschließt.

Quelle: vaticannews


17.3.2020 Hildegund Keul fragt sich, wie es sein kann, dass 38 % der Kleriker, die Minderjährige missbraucht hatten, zwar beichteten, aber nur 9,1 % Reue zeigten.
Quelle: feinschwarz.net
17.3.2020 Benjamin Leven meint, die Kirchenmänner, die Missbrauchsfälle vertuschten, könnten doch zu ihren Fehlern stehen: "Wer nicht an Gedächtnisverlust leidet, weiß, was er konkret getan und was er unterlassen hat. Er weiß, ob er seiner Verantwortung gerecht geworden ist. Es wäre darum ein Zeichen von Größe, jetzt öffentlich dazu zu stehen – und wenn nötig, die Konsequenzen daraus zu ziehen. Das gilt übrigens nicht nur für Kirchenmänner aus dem Erzbistum Köln."

16.3.2020 Der frühere Priester Bernard Preynat wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt. Er hat über zwei Jahrzehnte Dutzende Kinder sexuell missbraucht.

16.3.2020 Der Kriminologe Prof. Christian Pfeiffer hat von der Bundesregierung die Rückholung der Missbrauchsakten aus dem Vatikan und von der Bischofskonferenz Schadensersatz für kirchliche Missbrauchsopfer auch für lebenslange Verdienstausfälle und die Zulassung unabhängiger Forschung verlangt.
Quelle: hpd

15.3.2020 Im Bistum Münster informiert die Gemeinde St. Martinus, Greven, dass der Priester  F. G., gestorben 2008, dem Bistum als Missbrauchstäter bekannt ist. F.G. war von 1976 bis 1982 Rektoratsverwalter in Schmedehausen und auch im Stadtgebiet von Greven tätig. Zu den Tatorten und der Anzahl der Betroffenen macht das Bistum aus rechtlichen Gründen keine Angaben. Der Sachverhalt wird in allen Gemeinden des Bistums, in denen F.G. tätig gewesen ist, an diesem Wochenende bekannt gegeben.
Quelle: Münstersche Zeitung

13.3.2020 Die katholische Kirche in Polen verliert zunehmend das Vertrauen der Katholik*innen.
Quelle: NZZ

13.3.2020 Raoul Löbbert kritisiert die "Weiterentwicklung des Verfahrens zur Anerkennung des Leids" der Deutschen Bischofskonferenz. Er stellt fest, dass die möglichen Folgeschäden sexuellen Missbrauchs durch Kleriker von der neuen Regelung nicht berücksichtigt werden. Dass die Betroffenen bei einer Entschädigungszahlung die Tat und ihre Auswirkungen nachweisen müssten, widerspricht der Argumentation des Papiers, das die unabhängige Arbeitsgruppe vorgelegt hatte. Dort heißt es, dass es nach dem Vorbild des 'sozialen Entschädigungsrechts' genüge, dass die Angaben zum Tathergang glaubhaft sind. Als "besonders perfide und zynisch" wertet Löbbert das Argument der Vergleichbarkeit mit dem Schmerzensgeld anderer Gruppen, da die in Deutschland zuerlkannten Schmerzensgelder "zuweilen als zu gering in der Kritik stehen", wie Bischof Bätzing sagte. So werde die mangelnde Bereitschaft anderer Institutionen, mehr als nötig zu zahlen, zum Maßstab des eigenen Handelns. Löbbert kritisiert auch die Verweigerung der Solidarität der Laien und Kirchensteuerzahler mit den kirchlich Betroffenen.
Quelle: Zeit.de

12.3.2020 Das Oberste Gericht Australiens hat nach zwei Anhörungen zur Berufung gegen die Verurteilung von Kardinal Pell die Entscheidung über die Annahme der Berufung auf einen späteren Zeitpunkt vertagt.
Quelle: vaticannews
12.3.2020 Der Kölner Generalvikar Dr. Markus Hofmann nennt die Gründe, die dazu führten, dass die Vorstellung der Missbrauchsstudie des Erzbistums Köln verschoben wurde. Seine Schlussfolgerung: "Ich bin nach wie vor überzeugt davon, dass wir mit dieser Untersuchung, bei allen Widrigkeiten, die sich jetzt zeigen, einen wichtigen Beitrag zur schmerzhaften aber notwendigen Aufarbeitung leisten. Hier werden neue Maßstäbe der Aufklärung gesetzt, und das ist auch nötig, um die Kirche wieder glaubwürdig und zukunftsfähig zu machen."
Quelle: domradio.de
Kommentar: Dem Generalvikar geht es am Ende um die Glaubwürdigkeit und Zukunftsfähigkeit der  katholischen Kirche. Solange die Glaubwürdigkeit der Kirche Ziel der Aufarbeitung ist, steht noch immer "die Kirche" im Mittelpunkt. Es müsste zuallererst um die Betroffenen gehen, um nichts anderes. Dann würde sich die Frage nach der Glaubwürdigkeit der Kirche erübrigen.

12.3.2020 Harald Dreßing, verantwortlich für die MHG-Studie, sagt, dass rechtliche Fragen im Vorfeld einer Untersuchung, in der auch Namen Verantwortlicher genannt werden sollen, geklärt sein müssen. Die in Auftrag gegebenen Untersuchungen der (Erz-)Bistümer Köln, Essen, Limburg, Mainz, Münster und München seien nicht einheitlich in den Bistümern und erfolgten nach nicht näher definierten Regeln. Zudem seien sie nicht interdisziplinär besetzt mit Juristen, Kriminologen, Soziologen, Ärzten und Psychologen. Die Politik sei hier gefordert.
Im Anschluss an die MHG-Studie sei es möglich gewesen, die anonymisierten Fälle der MHG-Studie auch im Blick auf die Netzwerke der Verantwortlichen zu untersuchen. Für jeden Beschuldigten müssten nun auch die Akten durchgesehen werden von den Personen, die Personalverantwortung hatte. Dazu gehörten nicht nur Personalakten, sondern auch Sitzungsprotokolle von Personalkonferenzen. Dann wären die Netzwerke erkennbar.
Quelle: DLF

11.3.2020 Der australische Bischof Christopher Saunders, Diözese Broome, ist am 10.3.2020 zurückgetreten. Gegen ihn ermittelt die Polizei seit ca 18 Monaten wegen mutmaßlicher Sexualdelikte, u.a. gegen zwei junge Männer. Bischof Saunders weist die Anschuldigungen zurück.
Quelle: stern.de   cna

11.3.2020 Im Erzbistum Paderborn sollen die Missbrauchsfälle zwischen 1941 und 2020 aufgearbeitet werden.Beauftragt wurde die Kirchenhistorikerin Nicole Priesching. Untersucht werden sollen die Strukturen, die Missbrauchstaten durch Kleriker begünstigt oder ihre Aufdeckung verhindert haben. Im Erzbistum Paderborn waren es bis ca 2015 (MHG-Studie) mindestens 197 Betroffene und 111 beschuldigte Kleriker. Seither sind weitere Täter bekannt geworden.

Quelle: Domradio


11.3.2020Die Reaktionen kirchlicher Missbrauchsopfer auf die Verschiebung der Veröffentlichung der Studie im Erzbistum Köln sind unterschiedlich. Der BEtroffenenbeirat des Erzbistums Köln zeigt Verständnis, der Eckige Tisch fordert, dass nach der VerschiebungDie Aufklärung und Aufarbeitung nicht der Täterorganisation überlassen werden dürfe.
Quelle: Domradio

11.3.2020 Der peruanische Kardinal Pedro Barreto ist der Meinung ist, dass Gemeinschaft "Soldalitium Christianae Vitae (SCV)" aufgelöst werden sollte. Er weist darauf hin, dass es im kanonischen Recht klare Regeln für den Umgang mit missbrauchenden Geistlichen gebe, jedoch fast nichts für Laien oder Laienbewegungen. Zwei Gründern der Gemeinschaft wurde sexueller Missbrauch vorgeworfen: German Doig Klinge (2001 verstorben) und Luis Fernando Figari, der "aus gesundheitlichen Gründen" in den Ruhestand ging. Bereits 2011 wurden die Verbrechen dem peruanischen Bistum Lima gemeldet.
Quelle: cruxnow.com

11.3.2020 Josef Haslinger hat in seinem Buch "Mein Fall" seinen Missbrauch durch Patres des Sängerknabenkonvikts Zwettl dargestellt. U.a. berichtet er, dass er dreimal vor unterschiedlichen kirchlichen Kommissionen erzäühlen musste, was ihm gechah und schließlich aufgefordert wurde, als Schriftsteller seine Geschichte aufzuschreiben. Haslinger berichtet, dass es bislang kein Bestreben im Konvikt Zwettl gebe, konsequent aufzuarbeiten. Bislang sei auch niemand der verantwortlichen Geistlichen auf ihn zugekommen. Aber erst, wenn die Kirche sich "dieser Sünde" stelle, könne sie wieder an die Zukunft denken. Nach seinem Austritt aus der katholischen Kirche sei ein "liturgischer Phantomschmerz" geblieben, den er aushalten müsse.
Quelle: domradio.de

10.3.2020 Raimund Neuss kommentiert die verschobene Missbrauchstudie im Erzbistum: "Auch die Kirche muss sich an die deutsche Rechtsordnung halten, und zwar auch dann, wenn es um den Schutz Beschuldigter geht. Umso lauter muss man fragen, wo denn alle geblieben sind, die im Erzbistum Köln während der letzten drei, vier Jahrzehnte Personalverantwortung getragen haben. Ein großer Teil von ihnen lebt noch und wäre durchaus in der Lage, sich zu äußern. Ein einziger von ihnen, der frühere Personalchef Robert Kümpel, hat bisher die Größe gehabt, an die Öffentlichkeit zu gehen und Versäumnisse einzugestehen. Bei anderen Herren muss das Erzbistum offensichtlich eher Unterlassungsklagen fürchten. Und das in einer Kirche, die das Schuldbekenntnis an den Anfang jeder Messfeier stellt"

10.3.2020 Daniel Deckers kommentiert die Absage der geplanten Veröffentlichung der Ergebnisse einer unabhängigen Untersuchung zu Missbrauchsfällen im Erzbistum Köln: "Potentielle Mittäter haben die Kölner Bistumsleitung mit juristischen Winkelzügen und Drohungen derart unter Druck gesetzt, dass der fertige Bericht nicht, wie seit Monaten geplant, am Donnerstag veröffentlicht wird. Formaljuristisch mag vielleicht alles mit rechten Dingen zugehen. Doch moralisch ist die Vorstellung einfach nur unerträglich, dass Kleriker, die ihren Teil dazu beitrugen, dass sich ihresgleichen an Kindern und Jugendlichen auf schwerste Weise versündigen konnten, und überdies Täter womöglich auch noch vor staatlicher Strafverfolgung schützten, sich nun hinter dem Vorgang des Rechtsstaates verstecken (können)."

Quelle: faz

Nachtrag: Daniel Deckers schreibt in der FAZ, 15.6.2020, S.8: "Mehrere Geistliche, die sich mutmaßlich Fehlverhalten zuschreiben lassen mussten, allen voran der vormalige Kölner Personalchef und heutige Hamburger Erzbischof Stefan Heße, ließen Anwälte sprechen. Deren Drohkulisse aus diskussionswürdigen Behauptungen über die Verletzung von Persönlichkeitsrechten und Datenschutzerfordernisse verfehlte ihre Wirkung nicht. Mitte März wurde die Veröffentlichung der Studie auf unbestimmte Zeit verschoben."


10.3.2020 Zwei Tage vor der geplanten Veröffentlichung der Ergebnisse einer unabhängigen Untersuchung zu Missbrauchsfällen im Erzbistum Köln, teilt das Erzbistum mit, dass "nicht alle für eine Veröffentlichung relevanten rechtlichen Fragen abschließend geklärt werden" konnten. Die identifizierbare Darstellung von Verantwortlichen müsse rechtlich so abgesichert sein, dass sie nicht angreifbar sei. Wann die Untersuchung nun veröffentlicht werden solle, ist nicht bekannt.

Quelle: katholisch.de

10.3.2020 Der Sozialpsychologe Heiner Keupp hält es für notwendig, kirchliche Verantwortliche klar zu benennen, die Missbrauch vertuscht haben. Die Betroffenen hätten ein Recht zu erfahren, „was die Kirche gemacht oder eben nicht gemacht hat“. Zudem müssten kirchliche Institutionen ihre "eigene Geschichte so ergründen, dass sie verstehen, was in ihrem eigenen Haus los ist." Keupp erwartet vom Erzbistum München und Freising, dass nicht wieder nur ein paar Zahlen veröffentlicht werden, sondern dass die Vorgänge klar benannt werden. Er wies auf das Bistum Hildesheim hin, dort haben sich Betroffene gemeldet, die bisher nicht geredet haben, weil sie gesehen haben, dass eine neue Bereitschaft zur Aufklärung da ist. Im Bistum Hildesheim sei Transparenz in hohem Maß hergestellt worden - das erwartet Keupp auch in München.
Keupp kritisiert die neuen Regelungen zu Zahlungen von Schmerzensgeld für Opfer sexuellen Missbrauchs durch katholische Geistliche: "50.000 Euro sind für einen Menschen, der sein Leben lang unter den Taten leidet und schwere biografische Nachteile hinnehmen musste, zu wenig, ganz eindeutig."

Quelle: Neues Ruhrwort   Domradio


9.3.2020 Die Mexikanische Bischofskonferenz hat informiert, dass die Befragungen mutmaßlicher kirchlicher Missbrauchsbetroffenen durch Erzbischof Scicluna und Pater Jordi Bertomeu wegen des Corona-Virus verschoben wurde. Inzwischen gab die Nuntiatur eine E-Mail-Adresse bekannt, über die Betroffene sich an den Nuntius in Mexiko, Erzbischof Franco Coppola, wenden könnten.
In Mexiko gab es seit 2010 insgesamt 426 Gerichtsverfahren gegen katholische Kleriker, 271 Klagen wegen Kindesmissbrauch, 155 wegen anderer Vergehen, u.a. dem Konsum von Darstellungen sexueller Ausbeutung von Kindern.
253 Gerichtsverfahren seien abgeschlossen, 173 noch anhängig. In den vergangenen Jahren wurden 217 mexikan. Geistliche aus dem Klerikerstand entlassen.
Quelle: Domradio

8.3.2020 Das Erzbistum Freiburg hat einem katholischen Pfarrer Gottesdienstverbot erteilt. Er war vor 20 Jahren wegen sexuellen Missbrauchs von drei Kindern zu einer dreieinhalbjährigen Gefängnisstrafe verurteilt worden. Seit seiner Freilassung arbeitet er in einer kirchlichen Verwaltung. Er hatte die Auflage, keine Kontakte zu Minderjährigen aufzunehmen. Da in einzelnen Gottesdiensten Kinder dabei waren, hat der Bischof dem Pfarrer nun verboten, öffentliche Gottesdienste zu feiern. Die Arbeitsgruppe, die den Umgang mit sexuellem Missbrauch durch Kirchenmitarbeiter im Erzbistum Freiburg untersucht, fand Hinweise, dass die Personalakte des Priesters unvollständig ist, bzw. dass im Nachhinein Seiten entfernt worden sein könnten.
Quelle: katholisch.de  swr

8.3.2020 Das Münchener Institut für Praxisforschung und Projektberatung (IPP) sucht Menschen, die im Bistum Essen sexualisierte Gewalt durch Geistliche oder sonstige Haupt- und ehrenamtliche Mitarbeitende des Bistums erlitten haben. Kontakt: Aufruf@ipp-muenchen.de mit Angabe des Namens und einer Telefonnummer. Oder telefonische Meldung vom 10.3.-9.4., dienstags 15-18 Uhr, donnerstags 9-12 Uhr. Tel. 0151/457 298 12.
Außerdem suchen die Wissenschaftler Betroffene, die die Studie in einem Begleitgremium unterstützen wollen. Bislang sind in dem Gremium Wissenschaftler und Vertreter des Bistums. Kontakt: begleitgremium@ipp-muenchen.de
Quelle: lokalkompass.de
8.3.2020 Maria 2.0, kfd, KDFB haben am Weltfrauentag für eine geschlechtergerechte Kirche demonstriert. Sie forderten auch die Zulassung von Frauen zu allen Weiheämtern und die Aufhebung des Pflichtzölibats. Die Demonstationen fanden in Münster, Xanten, München, Hadamar, Köln, Hamburg, Hildesheim und Stuttgart statt. Unter dem Motto "Wir sind die Veränderung!"  wurde unter anderem in Österreich, Italien, Australien, den Philippinen, Kenia und den USA demonstriert. Voices of Faith" und "Catholic Women's Council" (CWC - mit KDFB, kfd, Maria 2.0) koordinierten die Aktionen.

Die Initiative "Maria 1.0" rief zum Rosenkranzgebet auf.

Quelle: katholisch.de

8.3.2020 Der Interventionsbeauftragte des Bistums Münster, Peter Frings, sagt, Betroffene im Bistum Münster müssten nicht mit Misstrauen rechnen. Es melde sich keiner, nur um Aufmerksamkeit zu erhalten. Bisher haben 210 Betroffene aus dem Bistum einen Antrag auf Anerkennung des Leids gestellt.Über 95 % der Anträge würden anerkannt.

Quelle: azonline

7.3.2020 Im Interview von Christoph Fleischmann mit Bischof Bätzing, dem neuen Vorsitzenden der Bischofskonferenz, sagte Bischof Bätzing, die Bischofskonferenz habe sich für Anerkennungszahlungen, deren Höhe sich nach dem Schmerzensgeld richte, entschieden, um die andernfalls nötigen "erheblichen Prüfungskontexte" für Betroffene zu vermeiden. Viele Betroffene seien mit diesen Angeboten, wo es nicht nur um Geldleistungen, sondern um therapeutische Maßnahmen, um Begleitung, um Gespräch gehe, "eigentlich im Frieden". Mit der getroffenen Entscheidung sei auch die institutionelle Anerkennung verbunden, "die wir mit diesem System von Anerkennung übernehmen". Christoph Fleischmann stellt fest, dass Schmerzensgeld im staatlichen Bereich auch einen Nachweis verlange und fragt, warum die Bischofskonferenz nicht die Reduktion der Nachweispflicht für materielle Schäden beschlossen habe. Dies wäre eine außergewöhnliche Entscheidung in unserem Rechtssystem, antwortet Bischof Bätzing; so große Summen - 300.000 bis 400.000 Euro - könne man nicht auf der Grundlage einer niedrigen Plausibilitätsprüfung zahlen, das sei nicht vermittelbar. Fleischmann kommentiert: "Das wäre großzügig."Bischof Bätzing möchte den Begriff großzügig vermeiden und Christoph Fleischmann stellt fest, dass diese Summen für die Betroffenen nur angemessen wären.
Quelle: www1.wdr.de
6.3.2020 Die angekündigten Maßnahmen der deutschen Bischöfe zur Missbrauchsaufarbeitung könnten konkreter sein, meint der Leiter des Instituts für Prävention und Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt (IPA), Oliver Vogt. "„Aus Sicht der Betroffenen hat sich nach meiner Einschätzung nichts geändert“", sagte er.

Quelle: vaticannews


6.3.2020 Die vatikanische Untersuchung mexikanischer kirchlicher Missbrauchsfälle wurde verschoben. Der offizielle Grund ist die Corona-Epidemie. Grund könnte auch der Widerstand einiger Bischöfe gegen die Untersuchung durch Erzbischof Charles Scicluna und Pater Jordi Bermoeu sein, wie Quellen in Mexiko vermuten. Beobachter aus Mexiko und aus dem Vatikan teilten Crux mit, dass sie schätzen, dass ca 50 % der mexikanischen Bischöfe Missbrauchsvorwürfe falsch behandelt haben.
Quelle: Cruxnow.com

6.3.2020 Die Geschichte der Mädchen von Rochdale - und das Versagen der Behörden. Trggergefahr.

6.3.2020 Das Bistum Essen hat beim Münchener Institut für Praxisforschung und Projektberatung eine weitere Missbrauchsstudie in Auftrag gegeben. Untersucht werden sollen die Missbrauchsfälle seit der Gründung des Bistums Essen, 1958. Die Studie soll klären, was zu Missbrauch führte, wie mit den Fällen umgegangen wurde; Aktensichtung und Interviews mit Tätern und Personalverantwortlichen sind vorgesehen.
Die Wissenschaftler riefen Betroffene von sexuellen Übergriffen auf, sich bei den Forschern zu melden. Interviews mit ihnen sollen in die Auswertung einfließen. Die Studie soll auch zeigen, wie sich Missbrauchsfälle auf Pfarreien ausgewirkt haben. Daher werden die Wissenschaftler*innen auch mit Gemeindemitgliedern sprechen. In der MHG-Studie wurden 85 Opfer und 60 beschuldigte Kleriker bekannt. Ob Verantwortliche für Vertuschung benannt werden, ist unbekannt.

Quellen: Domradio, 28.2.2020, Domradio


6.3.2020 Johannes- WIlhelm Rörig, Missbrauchsbeauftragter der Bundesregierung hat das neue Modell der Zahlungen an kirchliche Missbrauchsopfer grundsätzlich positiv gewertet. Allerdings erfülle ihn der Blick in die Rechtsprechung zur Höhe von Schmerzensgeldern der staatlichen Gerichte mit Sorge. Zudem müssten die Auszahlungen schnell erfolgen und die Spruchpraxis großzügig sein, um das individuelle Leid der Betroffenen angemessen abzubilden. Eine Deckelung nach oben dürfe es wirklich nicht geben.

Quelle: Domradio.de


6.3.2020 Papst Franziskus hat das Rücktrittsangebot von Kardinal Barbarin angenommen. Barbarin war in zweiter Instanz vom Vorwurf der Vertuschung (Fall Preynat) freigesprochen worden. Ein erstes Rücktrittsgesuch hatte Papst Franziskus nicht angenommen. Barbarin sah nach eigener Aussage für sich im Bistum Lyon keine Perspektive mehr.

Quelle: Domradio


5.3.2020 Bischof Charles Morerod, Diözese Lausanne, Genf und Freiburg, wird vorgeworfen, den Vorwürfen von sexuellem Missbrauch in seinem Bistum nicht genügend nachgegangen zu sein. Nun lässt er im "Fachgremium Sexuelle Übergriffe im kirchlichen Umfeld" der Schweizerischen Bischofskonferenz (SBK) sein Amt ruhen.

Quelle: Luzerner Zeitung


5.3.2020 Bei einem Thementag in Dresden zu sexuellem Missbrauch Schutzbedürftiger in der Kirche sagte der Psychologe Hans Zollner, die Kirche als Ganze befinde sich derzeit in einer Situation, die der von traumatisierten Menschen ähnele. Traumatisierte blendeten bedrohliche Erlebnisse aus und zahlten dafür den Preis eingeschränkter Lebendigkeit, fühlten sich oft innerlich gelähmt und mutlos und wüssten nicht, wie das Leben weitergehen solle. Bischof Timmerevers sagte, der Synodale Weg könne helfen, das Gefühl der Ohnmacht, in der sich viele Bischöfe befänden, zu durchbrechen.

Quelle: Tag des Herrn


5.3.2020 Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, zeigte sich erleichtert, dass die Bischöfe endlich einen konkreten Vorschlag zur Fortentwicklung der Anerkennungsleistungen an kirchliche Missbrauchsopfer gemacht hätten. Das Modell gehe in die richtige Richtung, werde "für viele Betroffene aber enttäuschend sein", sagte Rörig.

Kritik am neuen Modell der deutschen Bischöfe zur Wiedergutmachung bei sexuellem Missbrauch kommt von der Opfer-Initiative "Eckiger Tisch". Sie bezeichnet die angekündigte Weiterentwicklung der Anerkennungszahlungen als "mutlos" - sie bedeute ein Versagen der Bischöfe.

Quelle: katholisch.de

Florian Breitmeier, NDR, weist darauf hin, dass die Schmerzensgeldzahlungen zwar den Missbrauch durch Kleriker im Blick haben, jedoch keine Verantwortungsübernahme erkennen lassen für das Vertuschen durch Kirchenverantwortliche, das oft zu erneuter Traumatisierung führte. - Matthias Drobinski, Süddeutsche, kommentiert die Entscheidung der Bischofskonferenz zu Recht so: "Ja, die katholische Kirche zahlt mehr als bisher und mehr als andere Institutionen, in denen Missbrauch geschah und geschieht. Aber es hat doch der Kleingeist den heiligen Geist besiegt. Mit Halbmut aber ist die Krise der Kirche nicht zu überwinden."

Tilmann Kleinjung, BR, kommentiert: "... wenn die Kirche bei der Entschädigung der Opfer an ihre Schmerzgrenze gegangen wäre, wäre das ein starkes Signal der Versöhnung gewesen. Das bleibt nun aus. Das ist eine vertane Chance. All die klugen Entscheidungen, die die Bischofskonferenz in Mainz gefasst hat, geraten so in den Schatten der Zahlenangaben."

Matthias Krause: Die Kirche Kirche könnte Milliardenentschädigung an Missbrauchsopfer leicht verkraften 3.3.2020

Jörg Ziercke, Vorsitzender des Weißen Rings, sieht die katholische Kirche in einer Vorbildrolle bei der Entschädigung von Missbrauchsopfern. Mit den Vorschlägen für Entschädigungszahlungen könne sie den Druck erhöhen, "dass auch andere Bereiche der Gesellschaft sich um solche Lösungen zu kümmern haben." Auf eine gesamtgesellschaftliche Lösung solle sie nicht warten.Eine Entschädigung kirchlicher Missbrauchsopfer von 400.000 Euro hält Ziercke für angemessen. Im Vergleich zum neuen Sozialen Entschädigungsrecht erhielten Opfer mit einem Entschädigungsgrad von 30 bis 40 eine monatliche Rente von 400 Euro. Dieser unterste Grad werde bei sexuellem Missbrauch an Kindern überschritten. Eine Entschädigungssumme von 300.000 Euro reiche für 62,5 Jahre. Da es sich um einen Entschädigungseintritt in jungen Jahren handle, sei dieser Betrag "sogar eher zu niedrig angesetzt".

Quelle: neue-kirchenzeitung.de, 23.1.2020


5.3.2020 Die Bischofskonferenz hat Anerkennungsleistungen für kirchliche Missbrauchsopfer beschlossen, das sich am oberen Bereich der in Deutschland üblichen Schmerzensgeldzahlungen bewegt, d.h. die Zahlungen liegen in der Regel zwischen 5.000 und etwa 50.000 Euro. Nach oben seien die Anerkennungszahlungen offen. Einen Anspruch auf Anerkennungsleistungen gibt es nicht. Ein unabhängiges Gremium werde auf der Grundlage einer Plausibilitätsprüfung entscheiden. Bis zum Herbst 2020 sollen Details und Verfahrensfragen geklärt sein.

Die unabhängige Arbeitsgruppe der Bischofskonferenz hatte im September 2019 vorgeschlagen, sich an der staatlichen Opferentschädigung mit monatlichen Zahlungen von 500 Euro zu orientieren und daher entweder eine Pauschalsumme von 300.000 Euro oder gestaffelte Einmalzahlungen von 40.000 bis 400.000 Euro zu zahlen. 

Quelle: katholisch.de


3.3.2020 In Mexiko ermittelt die katholische Kirche gegen 271 Priester wegen Kindesmissbrauch. Die Zahl der Opfer ist unbekannt. Im Februar 2019 waren 152 Priester wegen Kindesmissbrauchs suspendiert.

Quelle: time.com


3.3.2020 Die Deutsche Bischofskonferenz hat einen neuen Vorsitzenden: Bischof Georg Bätzing, Limburg.

Quelle: katholisch.de


3.3.2020 Der Dipl.-Kfm. Matthias Krause hat sich mit der Finanzsituation der dt. Bistümer beschäftigt und stellt fest, dass die Bistümer aus den Überschüssen von zwei Jahren Missbrauchsopfer entschädigen könnten - wenn sie wollten.


3.3.2020 Papst Franziskus hat das Rücktrittsgesuch des Weihbischofs vom Bistum Buffalo, USA, Edward Grosz, 75, ohne Nennung von Einzelheiten angenommen. Das Bistum wird seit Monaten von einem Missbrauchsskandal erschüttert, in den auch Grosz verwickelt sein soll. Erst im Dezember hatte der Papst den Rücktritt von Bischof Malone, 73, angenommen. Auch gegen ihn gab es Vorwürfe, er sei in Sachen Missbrauchsaufklärung nachlässig vorgegangen.
Quelle: kathpress

2.3.2020 Erzbischof Charles Scicluna und Jordi Bertomeu sind vom 20. - 27.3. in Mexiko. Dort wollen sie die Kirchenführung im Kampf gegen sexuellen Missbrauch Minderjähriger unterstützen und diejenigen anhören, die mit ihnen Kontakt aufnehmen wollen. Der in Mexiko gegründete Orden der Legionäre Christi hatte Missbrauch von 175 Minderjährigen durch 33 Priester zugegeben, aber einige Opfer beschwerten sich über mangelnde Aufarbeitung durch den Vatikan.
Quelle: NZZ

2.3.2020 Ihre Arbeitsweise und erste Ergebnisse der Studie über Missbrauchsfälle im Bistum Münster stellen die Forscher, u.a. Prof. Thomas Großbölting, Neuere und Neueste Geschichte am Historischen Seminar der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU), am 11.3.2020, 18 Uhr im Hörsaal S1 des Schlossplatz 2, Münster, vor.
Quelle: myscience.de
1.3.2020 Eine Frau berichtet von ihrem mehrere Jahre anhaltenden Missbrauch durch einen evangelischen Pfarrer, der mit 17 Jahren begann. Zwei Jahre nach dem Tod des Geistlichen konnte die 46-Jährige über ihre Erlebnisse sprechen. Es dauerte Jahre, bis sie in der Kirche Ansprechpartner fand. In der Hannoverschen Landeskirche erlebte sie, wie unprofessionell mit ihr umgegangen wurde. Den Landesbischof Ralf Meister hatte sie um eine Stellungnahme gebeten - sein Vorzimmer reagierte nach Monaten mit dem Hinweis, der Landesbischof sei zu beschäftigt, sich der Sache anzunehmen. Andere Kirchenleute reagierten jedoch mit Interesse und Empathie.
Quelle: weserkurier

29.2.2020 Die Diözese Buffalo, US-Bundesstaat New York, hat als 15. Bistum in den USA Insolvenz angemeldet. 2018 hatte das Bistum eine Namensliste von 42 Priestern veröffentlicht, denen sexueller Missbrauch vorgeworfen wird. Eine Whistleblowerin aus dem Bischofsbüro sagte, die korrekte Zahl sei mehr als doppelt so hoch. Der damals amtierende Bischof Richard Malone trat im Dezember 2019 von seinem Amt zurück. Ihm wurde Vertuschung vorgeworfen. Der Opferverband "Survivors Network of those Abused by Priests" kritisierte den Insolvenzantrag, weil damit die laufenden und geplanten Vernehmungen bei Schadensersatzklagen gestoppt werden. Die Diözese wolle damit das Ausmaß des Missbrauchs geheim halten.

Quelle: evangelisch.de


29.2.2020 Im Bistum Würzburg ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen sexuellen Missbrauchs gegen einen Gemeindepfarrer. Das Bistum erteilte dem Priester Berufsverbot. Generalvikar Keßler informierte die Gemeinde. Das Bistum leitete eine kirchenrechtliche Voruntersuchung ein. Unbekannt ist, ob der Missbrauchsvorwurf eine/n Minderjährige/n oder Erwachsenen betrifft.

Quelle: br


29.2.2020 Der Gesandte des Vatikans, der die Legionäre Christi reformieren sollte, erklärte den Orden 2014 für "gereinigt". Papst Franziskus jedoch sagte, dass Opfer anderer Legionärspriester sich gemeldet haben, was darauf hindeute, dass eine Kultur des Missbrauchs weit über Maciel Degollados Verbrechen hinausging und eine Vertuschung auf hoher Ebene durch Vorgesetzte, die noch immer an der Macht sind, mit sich brachte. 
Die Legionäre könnten zwar nicht leugnen, dass Maciel den Orden gegründet habe, aber "man könne ihn nicht mehr als ein nachzuahmendes Beispiel für Heiligkeit betrachten" - das dürfte ein Hinweis darauf sein, dass einige Legionäre immer noch Fotos Degollados, des Gründers, aufbewahren und seine Schriften lesen, weil sie ihn für einen lebenden Heiligen halten.
Der Missbrauchsskandal bei den Legionären verunreinigte das Vermächtnis von Johannes Paul II., da er und seine Unterstützer Beweise, die dem Vatikan seit den 1940er Jahren vorlagen, ignorierten.
Quelle: apnews

29.2.2020 "Reagiert die Institution, in der der Missbrauch geschah, mit Offenheit, Zuwendung, Empathie und der Bereitschaft, eigene Fehler einzugestehen und den entstandenen Schaden für die Opfer so weit als möglich einzugrenzen, so öffnet sich für diese eine Tür zum Leben. Reagiert die Institution jedoch mit Abwehr, mangelndem Willen zur Umkehr und sogar Diskreditierung der Opfer, so potenziert sie die destruktiven Machtwirkungen, die der Missbrauch längst in Gang gesetzt hat." Das sagt Prof. Hildegund Keul in der Herderkorrespondenz:"Die Schuld der Vertuscher. Theologisch gesehen ist Missbrauch in der Kirche die Verweigerung einer Gotteserfahrung."
Quelle: Herderkorrespondenz 3/2020, S.6

28.2.2020 "Ich habe den Eindruck, dass wir als Kirche nicht wirklich an die Sündenvergebung glauben.“ Diese Bilanz zieht der vatikanische Kinderschutz-Experte und Jesuit Hans Zollner. Im Blick auf den Missbrauch gebe es nicht genug ehrliche Reue, zu wenig klares Bekenntnis und zu wenig Bereitschaft zur Wiedergutmachung, wie sie in der Beichte gefordert seien. „In allen drei Bereichen sind große Lücken zu finden“, sagte Zollner. Er weist auf Zahlen des Europarates hin, nach denen 20 % aller Kinder und Jugendlichen sexualisierte Gewalt erleben. Am Beispiel der sechs Diözesen in Pennsylvania zeigte Zollner auf, dass zwischen 1950 und 2014 301 Priester mehr als 1000 Minderjährige missbrauchten und in dieser Zeit 35 amtierende Bischöfe 60 Jahre lang die Missbrauchstaten vertuschten.

28.2.2020 Das Bistum Essen hat beim Münchener Institut für Praxisforschung und Projektberatung eine weitere Missbrauchsstudie in Auftrag gegeben. Untersucht werden sollen die Missbrauchsfälle seit der Gründung des Bistums Essen, 1958. Die Studie soll klären, was zu Missbrauch führte, wie mit den Fällen umgegangen wurde, Aktensichtung und Interviews mit Betroffenen (?), Tätern und Personalverantwortlichen sind vorgesehen. In der MHG-Studie wurden 85 Opfer und 60 beschuldigte Kleriker bekannt. 
Quelle: Domradio

28.2.2020 Hörspiel von Christoph Fleischmann: "Der ehrliche Bischof. Eine Erzählung zur Missbrauchsaufarbeitung in der Kirche" mit Wolf Aniol, Regie Helga Matthea. Sendezeit: Sonntag, WDR 3, 8.30 Uhr; WDR 5, 13.30 Uhr.
Quelle: www1.wdr.de
27.2.2020 Vor dem Treffen der katholischen Bischöfe fordert die Betroffeneninitiative "Eckiger Tisch", kirchliche Opfer sexuellen Missbrauchs rasch finanziell zu entschädigen. Die Auswertung veröffentlichter Bilanzen der dt. Bistümer zeige, dass die meisten Bistümer "seit Jahren finanzielle Überschüsse erwirtschafteten". Die Ordensgemeinschaften, die erklärten, sie seien von der Zahlung angemessener Entschädigungen überfordert, müssten ihre Bilanzen offenlegen, fordert der Eckige Tisch.
Quelle: evangelisch.de

27.2.2020 Die Legionäre Christi wollen den Kampf gegen Missbrauch "energisch fortsetzen". Das hat das Generalkapitel der Legionäre beschlossen. Dem Generalkapitel gehören 66 Legionäre an, unter ihnen mehr als ein Dutzend, die zur alten Garde des Gründers Maciel, eines Serientäters, gehören. Offensichtlich ist der 2017 gestorbene Kirchenrechtler De Paolis nicht gegen die vorgesetzten Ordensmitglieder vorgegangen, die Täter schützten. Auch gegen den neuen Vorsitzenden John Connor gibt es Vertuschungsvorwürfe.

Bereits Ende 2019 hatten die Legionäre von 33 Priestern der Gemeinschaft seit 1941 berichtet, die mindestens 175 Minderjährige sexuell missbraucht hatten. Christian Borgogno, ein früherer Priester der Gemeinschaft, kritisierte, dass die Legionäre versuchen, "die Schuld auf wenige zu konzentrieren und den Rest des Ordens weißzuwaschen".

Quelle: kathpress.at

27.2.2020 Die Erzdiözese München und Freising will Fälle sexuellen Missbrauchs und körperlicher Gewalt von 1945 bis 2019 neu aufarbeiten und auch die Namen von Verantwortlichen nennen. Geklärt werden soll auch, wie Joseph Ratzinger als Kardinal von 1977 bis 1982 mit Missbrauchsfällen umging. Beauftragt wurde die Anwaltskanzlei Westpfahl, Spilker, Wastl, die bereits das Gutachten von 2010 erstellt hat. Für 2010 bis 2019 sollen Vorwürfe gegen alle hauptamtlichen Mitarbeiter der Diözese prüfen, also auch Ordensangehörige im Auftrag der Erzdiözese, Kirchenmusiker, Mesner. Offen ist, ob auch Namen von Tätern veröffentlicht werden.
Im Erzbistum München wurden in der Untersuchung von 2010 159 Priester auffällig, 26 von ihnen wurden verurteilt. Bei 17 weiteren sei davon auszugehen, dass sie strafbare Sexualdelikte verübten. Zwei wurden wegen körperlicher Gewalt verurteilt, bei 36 weiteren finden sich Nachrichten über Gewalttaten in den Akten. 46 Opfer erhielten seit 2010 Zahlungen in Anerkennung des Leids.
Quelle: Süddeutsche
Kommentar Süddeutsche: Längst überfällige Aufklärung
Recherchen von Correctiv 19.2.2020

27.2.2020 Der Vatikan will die vor einem Jahr auf dem Antimissbrauchsgipfel angekündigten "Task Forces" vorstellen. Sie sollen Bischofskonferenzen weltweit bei der Erarbeitung oder Aktualisierung von Leitlinien zum Kinderschutz unterstützen.

Quellle: Domradio


27.2.2020 Im Bistum Osnabrück gibt es Ansprechpartner für geistlichen Missbrauch, die Theologin Dr. Julie Kirchberg und den Pastoralreferenten Ludger Pietruschka.
Quelle: Bistum Osnabrück

26.2.2020 Die Theologin Hildegund Keul sagt, Vertuschung sei eine Versündigung an den Opfern und ein Menschenrechtsverbrechen. Sie fordert die katholische Kirche zu umfassender Aufarbeitung von Vertuschung und Entschädigung der Opfer auf. In der aktuellen Debatte werden die verheerenden Folgen des Vertuschens vernachlässigt. Im Umgang mit Betroffenen könnten "Lebenschancen vergrößert oder eben zerstört" werden. Sie weist darauf hin, dass unbekannt sei, wie viele Missbrauchsbetroffene Suizid begingen.
Quelle: kathpress.at

25.2.2020 Hermann Häring: "Da gilt weder Mann noch Frau“ – Zum Ausschluss der Frauen aus den kirchlichen Kernfunktionen
Quelle: hjhaering.de

25.2.2020 Prof. Thomas Großbölting, Leiter der Studie zu sexuellem Missbrauch im Bistum Münster, beklagt die z.T. schlechte Aktenlage der Diözese. Zudem habe er bei seinen Untersuchungen wenig "Sensibilität für die Betroffenen" festgestellt. Die Fürsorge des Bistums galt den Beschuldigten bzw. Tätern. Die Personalkonferenz wollte den Beschuldigten ermöglichen, weiter Priester zu sein. Wer jeweils Mitglied in der Personalkonferenz war, wird nicht mitgeteilt. Die Forscher haben Zugang zu allen Archiven, Personal- und Sachakten. Laut MHG-Studie gab es im Bistum Münster mindestens 450 Betroffene und 138 Beschuldigte zwischen 1946 und 2014.
Quelle: Domradio

25.2.2020 Papst Franziskus hat eine Videobotschaft an die Aufklärer sexuellen Missbrauchs durch Kleriker geschrieben. Er ermutigt das Kinderschutzzentrum der Päpstlichen Universität Mexikos (Ceprome), die Aufklärungsarbeit "auch bei Drohungen gegen Leib und Leben fortzusetzen."
Quelle: kathpress.at

23.2.2020 Marco Politi berichtet vom Widerstand gegen Papst Franziskus durch "klerikale Nationalisten" und "Ultrakonservative".
Quelle: DLF

23.2.2020 In Monthey, Bistum Sitten, wurde eine Gedenktafel für kirchliche Opfer sexuellen Missbrauchs angebracht. Sie soll an das Leid der Betroffenen erinnern. Der Ort wurde gewählt, weil sexuelle Übergriffe durch einen Ordensmann in Monthey stattgefunden haben. Jean-Marie Fürbringer, Vizepräsident der Westschweizer Opferhilfegruppe Sapec, betonte, die Opfer hätten das Recht auf Wissen, das Recht auf Gerechtigkeit, das Recht auf Wiedergutmachung und das Recht auf die Garantie, dass alles getan werde, damit solche Verbrechen sich nicht wiederholten. Ein Betroffener berichtete von den Übergriffen, die ihn jeden Tag verfolgten. Bis vor drei Jahren plagten ihn Schuldgefühle, obwohl er selber nichts getan habe. 
Das Bistum geht von fünfzehn Priestertätern von 1958 bis 1992 aus, vier der Täter leben noch, arbeiten aber nicht mehr. Die Fälle sind verjährt. 2019 wurde ein weiterer Fall von 1962 bekannt. Betroffen sind mehrere Dutzend Opfer.

Quelle: kath.ch


22.2.2020 Gegen den Pfarrer Peter H., der vom Erzbistum Essen ins Erzbistum München wechselte, hat die Staatsanwaltschaft München II ein Vorermittlungsverfahren aufgenommen. Da gehe es um einen Vorfall aus dem Jahr 2008 im Raum Tölz. Peter H. hat im Bistum Essen mindestens acht Minderjährige missbraucht, möglicherweise fünf weitere. Im Raum Ebersberg wurde er wegen neun Fällen verurteilt, in Garching gab es mindestens drei Missbrauchsfälle. Bis heute gehört H. dem Klerikerstand an und erhält Bezüge von der Kirche.

Quelle: pnp


22.2.2020 Jean Vanier (gest. 2019), Gründer der Arche, hat nach einem internen Bericht mindestens sechs Frauen sexuell missbraucht. Die Übergriffe geschahen von 1970 bis 2005. Weitere Opfer schließt der Bericht nicht aus. Vaniers Verhalten ist vergleichbar den sexuellen Übergriffen gegenüber Frauen, die auch von seinem geistlichen Mentor, dem Priester Thomas Philippe begangen wurden. Vanier habe Philippes Taten über Jahre gedeckt.

Quelle: cruxnow.com  katholisch.de


21.2.2020 Matthias Katsch zählt auf, was Betroffenen fehlt: "Wir brauchen so etwas wie ein Opfergenesungswerk – die Möglichkeit für Betroffene, sich helfen zu lassen, ohne dass jede und jeder Einzelne das mit seinem Hausarzt diskutieren muss." Weiter fehlen eine unabhängige Aufarbeitung und die Klärung der Entschädigungen. Es müsse normaler werden, über sexualisierte Gewalt zu reden, dann werde auch mehr aufgedeckt und die Räume für Täter würden kleiner werden. Noch immer gebe es nicht mehr Fachberatungsstellen, keine unabhängige Beratungsstelle für Betroffe im kirchlichen Raum. Wenn kirchlich Betroffene das Recht auf Akteneinsicht einfordern, wird sich zeigen, ob die Abschaffung des päpstlichen Geheimnisses in Missbrauchsfällen wirksam wird.

Quelle: Badische Zeitung


20.2.2020 Vor der UNO haben drei hörgeschädigte ehemalige Schüler aus Italien und Argentinien dem Papst Völkerrechtsverletzung vorgeworfen - er habe Missbrauchstaten vertuscht und die Verantwortlichen geschützt. ECA (Ending Clergy Abuse) spricht von bis zu 300 Opfern in drei Schulen. 2016 wurden zwei Priester zu bis zu 45 Jahren Geängnis verurteilt, zwei Verfahren sind noch nicht abgeschlossen. Der Vatikan habe sich 2017 geweigert, den Anwälten Betroffener Zugang zu Beweisen zu ermöglichen.

Quelle: kath.ch


20.2.2020 Die Diözese Harrisburg hat 2019 an 106 Betroffene sexueller Gewalt durch katholische Kleriker 12.1 Millionen US-Dollar gezahlt. Nun hat die Diözese Insolvenz angemeldet. Inzwischen gibt es sechs neue Klagen.

Quelle: n-tv.de


19.2.2020 Die Staatsanwaltschaft Mainz hat die Ermittlungen gegen einen katholischen Priester des Bistums Trier, der einem Jungen Geld gegen Sex angeboten hatte, eingestellt.

Rhein-Hunsrück, 19.02.2020, 11:43 Uhr
Katholischer Pfarrer aus Rhein-Hunsrück-Kreis bot 14-Jährigem Geld für Sex: Ermittlungen eingestellt
Es ging der Mainzer Staatsanwaltschaft nicht darum, ob der katholische Geistliche „moralisch verwerflich“ handelte oder nicht, als er den Jungen am Mainzer Hauptbahnhof ansprach und ihm Geld für Sex anbot. Der Pfarrer hatte das sogar zugegeben. Aber das sei nur eine „Vorbereitungshandlung“ gewesen.

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https://www.rhein-zeitung.de/ar.1953631

Rhein-Hunsrück, 19.02.2020, 11:43 Uhr
Katholischer Pfarrer aus Rhein-Hunsrück-Kreis bot 14-Jährigem Geld für Sex: Ermittlungen eingestellt
Es ging der Mainzer Staatsanwaltschaft nicht darum, ob der katholische Geistliche „moralisch verwerflich“ handelte oder nicht, als er den Jungen am Mainzer Hauptbahnhof ansprach und ihm Geld für Sex anbot. Der Pfarrer hatte das sogar zugegeben. Aber das sei nur eine „Vorbereitungshandlung“ gewesen.

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Quelle: Rheinzeitung


19.2.2020 Die Grazer Dogmatikprofessorin Gunda Werner sagt, Papst Franziskus habe ein veraltetes Frauenbild in seinem Schreiben „Querida Amazonia". Sie sieht darin einen Widerspruch zum Menschenrechtsengagement des Papstes. Das globale Armutsproblem hänge untrennbar mit der ungerechten Verteilung der Güter und der strukturellen Benachteiligung von Frauen zusammen. „Querida Amazonia" leiste vor allem jenen Kräften Vorschub, die der Gleichberechtigung der Geschlechter den Kampf ansagen.

Quelle: vaticannews


19.2.2020 Der frühere Papst Benedikt ließ erklären, dass es bei seinem Besuch des Münchner Weihbischofs Heinrich von Soden-Fraunhofen weder eine Begegnung noch ein Gespräch mit dem Priester H. gegeben habe. Von einer solchen Begegnung hatte "Frontal 21" berichtet. H. war auch nach einer Verurteilung wegen Kindesmissbrauchs in der Seelsorge des Erzbistums München eingesetzt worden. Er wurde nicht aus dem Klerikerstand entlassen. Georg Gänswein erklärte wörtlich im Namen Benedikts: „Es trifft zu, dass er im Jahr 2000 den Weihbischof besucht hat, weil er schwer krank war.“ Aber er habe „H. nie persönlich getroffen“. Während des Besuchs beim Weihbischof wurde „nicht über H. gesprochen¡, erinnere sich Ratzinger. „Dass H. in der Gemeinde lebte, in der von Soden weilte, war bekannt“, sagte Gänswein demnach. „Alles andere weiß Benedikt nicht mehr.“

Quellen: Domradio   Neues Ruhrwort


19.2.2020 Ein Mann aus Bottrop will die katholische Kirche auf 500.000 Euro Schadenersatz verklagen. Er wurde in den 1970er Jahren von einem Priester des Bistums Essen sexuell missbraucht. Der Täter wurde wegen ersten Missbrauchsvorwürfen nach Essen versetzt und von dort aus später nach Bayern geschickt. Die Bistümer Essen und München sprechen von mindestens 28 Missbrauchsfällen. Das Bistum Essen schließt nicht aus, dass es weitere Betroffene gibt. Der Priester lebt als freier Mann in München.

Quelle: www1.wdr.de


18.2.2020 Bei den amerikanischen Pfadfindern haben sich knapp 2000 Betroffene sexueller Gewalt gemeldet. Die Dachorganisation hat Insolvenz angemeldet.

Quelle: Süddeutsche


18.2.2020 Am 8. März ruft "Voices of Faith" Katholikinnen auf zu Versammlungen unter dem Motto: "Steht auf für Gleichberechtigung in der katholischen Kirche!"

Quelle: voicesoffaith.org


18.2.2020 Hans Zollner sagte ein Jahr nach dem Anti-Missbrauchsgipfel im Vatikan: "Wenn ich die gesamte Kirche anschaue, die Abläufe anschaue, die Zuständigkeiten, wie wir organisiert sind, dann haben wir ein riesiges Defizit in der Klarheit der Zuständigkeiten und dessen, wofür jemand geradestehen muss." Zollner fordert, dass Betroffene auch beim systemischen Bearbeiten der Verbrechen einbezogen werden müssten. Wichtig sei, dass Verantwortungsträger sich mit Betroffenen auseinandersetzten. Auch die Theologie habe noch nicht ausreichend darauf reagiert, dass die Kirche als Institution im Kern ihrer Botschaft vom Missbrauch betroffen sei.

Quelle: Domradio


18.2.2020 Der aus dem Priesteramt entlassene Ex-Kardinal McCarrick soll als Erzbischof von Washington ca eine Million Dollar an das "Institut des fleischgewordenen Wortes" gegeben haben. Dessen Gründer Carlos Miguel Buela wurde 2016 wegen sexuellen Fehlverhaltens mit Seminaristen verurteilt. Inzwischen wird auch gegen das Institut ermittelt, dem vorgeworfen wird, im ultrakonservativen Dunstkreis Sympathien für die ehemalige Militärjunta Argentiniens zu haben. McCarrick soll dem Institut geholfen haben, seine Aktivitäten in den USA auszuweiten.

Quelle: domradio


18.2.2020 Der Priester des Bistums Essen, H., der wegen Missbrauchs von zehn minderjährigen Jungen verurteilt worden war, wurde anschließend im Erzbistum München seit Januar 1980 wieder in der Seelsorge beschäftigt. Noch während seiner Bewährungszeit wurde er von 1986 bis 2008 in Garching an der Alz auch in der Kinder- und Jugendarbeit eingesetzt. Dort soll es zu weiteren Missbrauchstaten gekommen sein. Das ergaben Recherchen von Frontal21 und dem Recherchezentrum CORRECTIV. Der Priester soll in Bottrop, Essen, Grafing und Garching an der Alz insgesamt mindestens 28 minderjährige Jungen sexuell missbraucht haben, teilten das Bistum Essen und das Erzbistum München-Freising mit.

Josef Ratzinger, der emeritierte Papst Benedikt, soll eine engere Verbindung zu dem verurteilten katholischen Priester gehabt haben als bislang bekannt ist. 2010 hatte der frühere Generalvikar Gruber  die Verantwortung für den Einsatz des Priesters in der Seelsorge im Erzbistum München übernommen.

Quelle: zdf.de   t-online.de   katholisch.de   SZ


17.2.2020 Der Sohn von Yolanda Martínez wurde als Zwölfjähriger von dem Priester Vladimir Reséndiz Gutiérrez, einem Priester der Legionäre Christi, in einer Schule der Legionäre in Gozzano, Italien, sexuell missbraucht. Martínez rief Kardinal Valasio De Paolis, den vom Vatikan mit der Reinigung des Ordens der Legionäre beauftragten Vatikanbeamten an und berichtete ihm vom Umgang der Legionäre mit dem "Missbrauchsfall" ihres Sohnes. Die Legionäre hatten der Familie des Betroffenen 15.000 Euro angeboten, wenn der Sohn seine Aussage vor der Staatsanwaltschaft Mailand zurückziehen würde. De Paolis versicherte Yolanda Martínez, dass dieses Vorgehen in Italien üblich sei. Die Ankläger der Legionäre behaupten, dass Anwälte und Priester der Legionäre versuchten, die Justiz zu behindern und die Familie von Martínez zu erpressen. Sie wollten damit strafrechtliche Ermittlungen gegen den Priester Vladimir Reséndiz Gutiérrez beenden. Offensichtlich ist der 2017 gestorbene Kirchenrechtler De Paolis nicht gegen die vorgesetzten Ordensmitglieder vorgegangen, die Täter schützten. Auch Täter meldete er nicht den staatlichen Behörden; er weigerte sich, diejenigen, die zur alten Garde Maciels gehörten, abzusetzen und die Vertuschung der Verbrechen Maciels zu untersuchen. Der ehemalige mexikanische Priester Alberto Athié, der sich seit mehr als 20 Jahren für die Opfer sexuellen Missbrauchs durch den Klerus einsetzt, darunter auch für die Opfer der Legionäre, beschrieb das Vorgehen der Legionäre so: "Sie versuchen immer, die Opfer zu kontrollieren, sie kleinzuhalten, zu diffamieren und sie der Übertreibung zu beschuldigen." Wenn sie die gewünschte Kontrolle nicht erreichten, versuchten sie, die Eltern zu kaufen oder zum Schweigen zu bringen. Wenn auch dies nicht funktioniere, gingen sie vor Gericht und täten alles, um den Fall zu gewinnen, sagte Athié. Inzwischen kommen Opfer der Legionäre an die Öffentlichkeit und berichten über die Kultur der Legionäre, die auf Geheimhaltung und Vertuschung beruhe.

Quelle: apnews.com


17.2.2020 Opferverbände konstatieren, dass der Papst seit dem Anti-Missbrauchsgipfel vor einem Jahr wenig erreicht habe. Anne Barrett Doyle, Bishop Accountability, sagte: "Was die Bischöfe dazu bringt, etwas zu tun, sind schlechte Schlagzeilen, nicht die Verbrechen des Missbrauchs." Der Opfervertreter des Eckigen Tisches, Matthias Katsch, stellte fest, dass die Konkordate zwischen dem Vatikan und Staaten noch immer einen angemessenen Zugriff des Staates auf kirchliche Akten verhindern. Die Aufhebung des Päpstlichen Geheimnisses bei Kindesmissbrauchsfällen hingegen sei ein Fortschritt. Mängel sieht Katsch in der Unabhängigen Aufarbeitung und in der Entschädigungsfrage. Die Vertreter der Opferverbände fordern, dass die vatikanischen Akten über Missbrauchsfälle unabhängigen Stellen zugänglich gemacht werden.

Quelle: dw.com


16.2.2020 "Die Vertreibung der Frauen aus den Machtpositionen ist der Kirche gelungen. Die Entsexualisierung des Menschen kann ihr nicht gelingen", schreibt Heribert Prantl und bescheinigt der katholischen Kirche die "totale Unfähigkeit zur Reform" und Unheil, das durch "zölibatären Zwang" angerichtet wurde.

Quelle: sueddeutsche.de


15.2.2020 Die Kirchenrechtlerin Myriam Wijlens macht darauf aufmerksam, dass Kleriker, die einen Missbrauchsvorwurf gegen einen Mitbruder untersuchen, möglicherweise nicht objektiv sein können.

Quelle: Domradio


14.2.2020 "Im Herbst stellten die Bischöfe ein milliardenschweres Entschädigungsmodell für Missbrauchsopfer vor. Jetzt stellt sich heraus: In allen wesentlichen Punkten rudert die Kirche zurück." Raoul Löbbert berichtet unter dem Stichwort: "Revolution der Mutlosigkeit".

Quelle: Zeit


14.2.2020 Im Erzbistum Paderborn wurden 32 neue mutmaßliche Missbrauchsfälle im Jahr 2019 gemeldet. 29 Beschuldigte wurden namentlich bekannt, 9 weitere - bislang unbekannte Beschuldigte - sind inzwischen verstorben. Sieben Geistliche leben noch, sind aber nicht mehr aktiv im Dienst. Die Anschuldigungen betreffen die Jahre zwischen 1969 und 2019.

Quelle: radiohochstift


13.2.2020 Viele Fälle von Missbrauchsverdacht aus den Bistümern Mainz, Limburg und Fulda können inzwischen nicht mehr strafrechtlich verfolgt werden. Die meisten Fälle seien verjährt oder Verdächtige seien inzwischen verstorben.

Quelle: domradio


13.2.2020 Der Westschweizer Bischof Morerod fürchtet, dass in den Diözesanarchiven weitere Missbrauchsfälle durch Priester liegen. Zum Fall des Priesters F. berichtete Morerod, dass ihm das Alter des Betroffenen verheimlicht worden sei. Der Beschuldigte habe von einem Erwachsenen gesprochen. In den Fall involviert seien auch der Generalvikar Rémy Berchier und der Geistliche Nicolas Betticher. Sie sollten mit den Resultaten der ausstehenden Untersuchung des Falls F. konfrontiert werden, um zu klären, was dem Bischof verheimlicht wurde. Auch der ehemalige Archivar solle zur Rechenschaft gezogen werden. Morerod sagte, die Archive befänden sich in einem desaströsen Zustand. So würden Dokumente zum Fall F. vermisst. Morerod berichtete von einer "wachsenden Omerta" bei den Priestern. Die Neuen Geistlichen Gemeinschaften machten Wachsamkeit erforderlich, wenn sie sich als Gruppen in den Pfarreien absondern.

Quelle: kath.ch


13.2.2020 SWR 2- Forum mit Christiane Florin, Martin Lohmann und Jörg Vins über das Papstschreiben "Querida Amazonia".


13.2.2020 Gegen den in der letzten Woche neu ernannte Leiter der Legionäre Christi, John Connor, gibt es den Vorwurf, er habe sexuellen Missbrauch vertuscht. Die Legionäre Christi haben den Vorwurf zurückgewiesen und Ihr Vorgehen öffentlich gemacht. Ein Ordensmitglied wurde von zwei Frauen im November 2017 des emotionalen Missbrauchs beschuldigt. Connor habe den Beschuldigten suspendiert. Ein behandelnder Psychologe habe festgestellt, dass keine "ernstzunehmende Gefahr" von dem Beschuldigten ausgehe. Daraufhin sei der Priester in den Dienst zurückgekehrt. Im Oktober 2019 wurde er erneut von einer Frau des emotionalen Missbrauchs beschuldigt. Connor habe ihn daraufhin in eine therapeutische Einrichtung überwiesen, wo er heute noch sei.

Quelle: katholisch.de


12.2.2020 Das Frauenbild des Papstes zeigt sich in "Querida Amazonia", dem Schreiben im Anschluss an die Amazonas-Synode: "99. In Amazonien gibt es Gemeinschaften, die lange Zeit hindurch sich gehalten und den Glauben weitergegeben haben, ohne dass dort – manchmal jahrzehntelang – ein Priester vorbeigekommen wäre. Dies ist der Präsenz von starken und engagierten Frauen zu verdanken, die, gewiss berufen und angetrieben vom Heiligen Geist, tauften, Katechesen hielten, den Menschen das Beten beibrachten und missionarisch wirkten. Jahrhundertelang hielten die Frauen die Kirche an diesen Orten mit bewundernswerter Hingabe und leidenschaftlichem Glauben aufrecht. Mit ihrem Zeugnis haben sie uns alle bei der Synode angerührt. 100.  Dies ist eine Einladung an uns, unseren Blick zu weiten, damit unser Verständnis von Kirche nicht auf funktionale Strukturen reduziert wird. Ein solcher Reduktionismus würde uns zu der Annahme veranlassen, dass den Frauen nur dann ein Status in der Kirche und eine größere Beteiligung eingeräumt würden, wenn sie zu den heiligen Weihen zugelassen würden. Aber eine solche Sichtweise wäre in Wirklichkeit eine Begrenzung der Perspektiven: Sie würde uns auf eine Klerikalisierung der Frauen hinlenken und den großen Wert dessen, was sie schon gegeben haben, schmälern als auch auf subtile Weise zu einer Verarmung ihres unverzichtbaren Beitrags führen. 101.  Jesus Christus zeigt sich als der Bräutigam der Eucharistie feiernden Gemeinschaft in der Gestalt eines Mannes, der ihr vorsteht als Zeichen des einen Priesters. Dieser Dialog zwischen Bräutigam und Braut, der sich in der Anbetung vollzieht und die Gemeinschaft heiligt, sollte nicht auf einseitige Fragestellungen hinsichtlich der Macht in der Kirche verengt werden. Denn der Herr wollte seine Macht und seine Liebe in zwei menschlichen Gesichtern kundtun: das seines göttlichen menschgewordenen Sohnes und das eines weiblichen Geschöpfes, Maria. Die Frauen leisten ihren Beitrag zur Kirche auf ihre eigene Weise und indem sie die Kraft und Zärtlichkeit der Mutter Maria weitergeben. Auf diese Weise bleiben wir nicht bei einem funktionalen Ansatz stehen, sondern treten ein in die innere Struktur der Kirche. So verstehen wir in der Tiefe, warum sie ohne die Frauen zusammenbricht, so wie viele Gemeinschaften in Amazonien auseinandergefallen wären, wenn es dort keine Frauen gegeben hätte, die sie aufrechterhalten, bewahrt und sich ihrer angenommen hätten. Hier wird sichtbar, was ihre spezifische Macht ist."

Quelle: vaticannews.va


12.2.2020 Zehn Jahre Arbeit mit Betroffenen. Dr. Barbara Haslbeck reflektiert über Schwieriges und Gelingendes in der Arbeit von und mit Betroffenen.

Quelle: feinschwarz.net


11.2.2020 Der Kölner Generalvikar Markus Hofmann kündigte für den 12. März 2020 die Veröffentlichung einer unabhängigen Untersuchung an. Auch Namen von Erzbischöfen, Generalvikaren und Personalverantwortlichen sollen genannt werden, wenn sie sich persönlich schuldig gemacht haben. Wenn sie aus heutiger Sicht falsch, aber nach damaliger Kenntnislage richtig gehandelt haben, werde man das differenziert bewerten müssen, sagte der Generalvikar.

Quelle: rundschau-online.de  


11.2.2020 Die Wissenschaftlerin Esther Klees fordert, sexuellen Missbrauch durch Geschwister genauer zu erforschen. Dazu gebe es bislang keine tragfähige Untersuchung. Der Geheimhaltungsdruck sei hoch, weil sich die Eltern mitverantwortlich für den Missbrauch fühlten.

Quelle: evangelisch.de

11.2.2020 Roland Juchem schaut auf Erreichtes und Nicht-Erreichtes ein Jahr nach dem Anti-Missbrauchsgipfel im Vatikan. In Kenia erlaubten die Bischöfe Sexualkundeunterricht in der Schule, Präventionsmaßnahmen und Fortbildungsprogramme in Gemeinden und Bistümern. In Italien werde noch viel unter den Teppich gekehrt. Das Kinderschutzzentrum der Gregoriana hat mehr als 100 Teilnehmer aus 46 Länder im Studiengang "Safeguarding" ausgebildet. Für den Vatrikanstaat wurde ein Erlass zum Schutz von Minderjährigen und schutzbefohlenen Personen herausgegeben. Eine Handreichung, wie Bischöfe bei Verdachtsfällen vorgehen sollen, fehlt noch immer. Auch von der "Task Force" ist keine Rede mehr - sie sollte in weniger gut ausgestatteten Ortskirchen Hilfseinsätze gegen Missbrauch und Vertuschung leisten. Auch die angekündigte Statistik über Verfahren in der Glaubenskongregation, wurde bislang nicht vorgelegt.

Quelle: katholisch.at


11.2.2020 Eine Frau wirft Weihbischof Jan Szkodon, Krakau, vor, sie vor 20 Jahren mit 15 Jahren sexuell missbraucht zu haben. Der Beschuldigte weist die Beschuldigung zurück. Die päpstliche Nuntiatur in Warschau hat ein Verfahren eingeleitet. Die Staatsanwaltschaft Krakau hat das Verfahren wegen Verjährung eingestellt, jedoch festgestellt, dass die Schilderung der Frau "mit hoher Wahrscheinlichkeit" zutreffen.

Quelle: Domradio


11.2.2020 Ob und wie Missbrauchsopfer in der Evangelischen Kirche in Deutschland finanziell entschädigt werden sollen, ist umstritten. Betroffenenvertreter kritisieren das Verfahren als intransparent und ungerecht. Eine Studie gibt es in der evangelischen Kirche nicht. Derzeit sind 785 Fälle bekannt. Kerstin Claus sagt, dass für die EKD und die Landeskirchen bisher nur Diakonie und Heimkinder im Blick waren. Erst langsam kommen auch Missbrauchsfälle im gemeindlichen Kontext zu Tage.

Quelle: DLF


10.2.2020 "Kein System heilt sich selbst. Es braucht eine Vielfalt von Kompetenzen und Perspektiven", sagt Prof. Dr. Julia Knop über den Start des Synodalen Weges.

Quelle: theologie-aktuell.uni-erfurt.de


10.2.2020 Bischof Morerod, Schweiz, Bistum Lausanne-Genf-Fribourg, weist den Vertuschungsvorwurf zurück. Morerod hat u.a. eine interne Untersuchung angeordnet, die prüfen wird, welchen Inhalt das Dossier zum Priester P.F. hatte und ob darin auch ein Brief des Opfers an den Bischof war. In einem Radiointerview nannte Bischof Morerod auch den Namen des Opfers, das sich eine Anzeige gegen den Bischof überlegt.

Quellen: Domradio  kath.ch


10.2.2020 Der in zweiter Instanz nun vom Vorwurf der Missbrauchsvertuschung freigesprochene Kardinal Barbarin will nicht weiter der Erzdiözese Lyon vorstehen. Die Entscheidung liegt beim Papst.

Quelle: katholisch.de


8.2.2020 Besprechung des Buches der Herausgeber Remenyi, Matthias, Schärtl, Thomas, Nicht ausweichen. Theologie angesichts der Missbrauchskrise, Regensburg , 2019 durch den Leiter der Kirchlichen Arbeitsstelle für Männerseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz, Andreas Heek.

Quelle: feinschwarz.net


7.2.2020 Die 13 von der Staatsanwaltschaft Frankenthal untersuchten Verdachtsfälle sexuellen Missbrauch im Bistum Speyer wind abgeschlossen. Alle Verfahren wurden entweder wegen Verjährung oder wegen Nicht-Vorliegen einer Straftat nach staatlichem Recht eingestellt. - Die übrigen 23 Fälle aus dem Bistum Speyer liegen bei den Staatsanwaltschaften Landau, Kaiserslautern und Zweibrücken.

Quelle: swr


6.2.2020 Bischof Morerod, Schweiz, Diözese Lausanne-Genf-Fribourg, sagt, er habe 2011 kein Dossier über den suspendierten Pfarrer der Kathedrale von Fribourg gehabt, lediglich ein Blatt, auf dem dokumentiert sei, dass ein Gespräch zwischen dem Beschuldigten und dem Ankläger stattgefunden habe, jedoch der Inhalt des Gesprächs nicht vorgekommen sei. Bischof Morerod habe 2011 nicht nachgefragt. Auch als der Beschuldigte ihm 2016 on einer "einmaligen sexuellen Beiziehung mit einem Erwachsenen berichtete, habe er nicht nach dem Alter des "Erwachsenen" gefragt. "Es war sicher ein Fehler, ihn dies nicht zu fragen", sagte der Bischof.

Quelle: srf.ch


5.2.2020 Der Pfarrer der Kathedrale von Fribourg, Schweiz, soll 1998 in Morges, einer früheren Gemeinde des Pfarrers, einen damals 17-Jährigen sexuell belästigt haben. Der zuständige Bischof der Schweizer Diözese Lausanne-Genf-Fribourg, Charles Morerod, hat den Beschuldigten während der Ermittlungen von seinem kirchlichen Amt ausgeschlossen. Bereits Ende 2019 gab es Vorwürfe von sexueller Belästigung von einem Pfarrer in der Westschweiz, die der Beschuldigte als "reine Diffamierung" zurückwies. Der Tages-Anzeiger berichtet, Bischof Morerod habe seit 2011 das Missbrauchs-Dossier gehabt, aber erst reagiert, als er mit Recherchen konfrontiert wurde. Weder der Bischof noch der beschuldigte Priester äußerten sich.

Quelle: fm1today.ch   srf.ch


5.2.2020 Vatikansprecher Matteo Bruni sagte, Erzbischof Gänswein sei nicht suspendiert worden. Vielmehr habe er einen veränderten Aufgabenschwerpunkt - er konzentriere sich bis auf weiteres auf seine Aufgabe als Privatsekretär von Kardinal Ratzinger.

Quelle: orf


5.2.2020 Papst Franziskus soll Erzbischof Georg Gänswein auf unbestimmte Zeit beurlaubt haben. Gänswein, der auch Privatsekretär des früheren Papstes Benedikt XVI. ist, bleibe Präfekt des Päpstlichen Hauses, werde jedoch freigestellt. "Die Tagespost" vermutet, dass der Hintergrund dieser Entscheidung die "unglücklich gelaufene" Präsentation des Zölibat-Buchs von Kardinal Sarah sei. Zudem wolle Gänswein mehr Zeit für Benedikt XVI. gewinnen.

Quelle: katholisch.de

Bischof


4.2.2020 Der Blogger "skydaddy" beschreibt, wie der Missbrauchsskandal hätte verlaufen können, wenn Journalisten ihren Job"  gemacht hätten.


4.2.2020 "There is general mistrust and suspicion on cardinals and bishops. This is not just happening in U.S. and Australia — the level of trust on bishops is below zero. And this has devastated an institution that is built on trust and faith." Das sagte P. Zollner, der der Päpstlichen Kinderschutzkommission angehört und das Kinderschutzzentrum der Gregoriana leitet. Er sei "erstaunt", wie die eine Bischofskonferenz die gleichen Fehler wiederhole, die die andere gemacht habe, sagte er. Als einen der Gründe nannte er den Klerikalismus unter Klerikern, aber auch unter Nichtklerikern.

Quelle: ncronline.org


4.2.2020 Der Kirchenrechtler Norbert Lüdecke erinnert im Kontext des Synodalen Weges daran, dass es in der katholischen Kirche für Gläubige keinen hierarchiefreien Raum gebe. Dies hätten Maria 2.0 und andere, "die um ihrer Würde als Lai*innen willen auf eine Teilnahme am 'Synodalen Weg' verzichten",  durchschaut.

Quelle: feinschwarz.net


4.2.2020 Der Historiker Dr. Thomas Schnitzler, Opferinitiative missbit, recherchierte die Rolle des ehemaligen Trierer Bischofs Bernhard Stein (1967–1980) und wirft ihm Vertuschung im Fall des Priesters Alfred S. vor. S. war 1968 Kaplan in St. Bonifatius, Trier. Eine Frau aus Gerolstein, dem vorherigen Dienstort von S., informierte den Offizial über 15malige unzüchtige Handlungen an ihrem 1953 geborenen Sohn. Ein Prälat erfuhr bereits 1966 davon, der Beschuldigte gab dem Prälaten gegenüber sechs Übergriffe zu. Der Offizial schrieb am 23.3.1968 Bischof Stein, dass die Taten von Alfred S. nicht ungesühnt bleiben dürften. Bischof Stein übergab am 1.7.1968 dem Täter die Pfarrei St. Maximin in Bettingen, Dekanat Bitburg. Alfred S. missbrauchte weitere Kinder; von 20 Opfern ist die Rede. Die Initiative fordert die Umbenennung des Bischof-Stein-Platzes in Trier. Bischof Ackermann sieht keine Anhaltspunkte für ein Mitverschulden von Bischof Stein, sagt jedoch eine unabhängige Aufklärung zu und meint, für eine Umbenennung des Platzes sei es zu früh.

Quelle: swr   katholisch.de


4.2.2020 Elisabeth Mette, frühere Präsidentin des Bayerischen Landessozialgerichts, sucht im Auftrag des Bistums Augsburg weitere Opfer aus dem Kinderheim Reitenbuch. In dem Kinderheim sollen von 1956 bis 1983 drei Geistliche, ein Nachbar und Ordensschwestern übergriffig geworden sein. Bislang haben sich 15 Jungen und ein Mädchen als Opfer körperlicher Gewalt bis hin zu "regelrechten Prügelattacken", aber auch von sexuellem Missbrauch bekannt. Tatorte waren das Pfarrhaus und ein Bienenhaus. Auch ehemalige Zöglinge des Marienheims in Baschenegg bei Ustersbach sind aufgerufen, sich zu melden. Kontakt: Tel: 0821/3166-8393, Email:  projektgruppe.reitenbuch@bistum-augsburg.de.

Quelle: br.de


4.2.2020 Der Gründer des Ordens der Gemeinschaft "Miles Christi" (Soldat Christi), Roberto Juan Yannuzzi, wurde aus dem Klerikerstand entlassen. Ihm wird vorgeworfen, gegen erwachsene Seminaristen übergriffig geworden zu sein. CNA zitiert Papst Franziskus: Der Papst habe die Entlassung aus dem Klerikerstand verfügt, "wegen Verstößen gegen das Sechste Gebot mit Erwachsenen, der Absolution des Komplizen [!] sowie des Amtsmissbrauchs". Yannuzzi gründete den "ausgesprochen konservativen" Orden 1994 in Argentinien. Ziel des Ordens, dem Kleriker, Ordensleute und Laien angehören, ist die "Rechristianisierung unserer Kultur".

Quelle: katholisch.de


4.2.2020 Der "Eckige Tisch Bonn" (ETB) wirft dem Aloisiuskolleg (AKO) in Bad Godesberg vor, auch zehn Jahre nach dem Bekanntwerden des Missbrauchsskandals die Vorfälle nicht ausreichend aufgearbeitet zu haben und nötige Konsequenzen nicht gezogen zu haben. Der Adressat des Offenen Briefes des ETB, Pater Löwenstein, SJ, sieht das anders.

Quelle: rundschau-online.de


4.2.2020 Der Vatikan hat eine weitere Untersuchung des Verhaltens von US-Bischof Michael Hoeppner angeordnet. Dem Bischof wird vorgeworfen, u.a. ein mutmaßliches Opfer unter Druck gesetzt zu haben, seine Missbrauchsvorwürfe gegen einen Priester zurückzunehmen. Erzbischof Bernard A. Hebda, Erzdiözese St. Paul und Minneapolis, wurde mit der Untersuchung nach den Vorgaben von "Vos estis Lux Munid" beauftragt. Bereits Ende Oktober 2019 wurden die Ergebnisse einer ersten Untersuchung an die Bischofskongregation weitergeleitet.

Quelle: de.catholicnewsagency.com


4.2.2020 Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen gegen den Leiter des Pastoralverbundes Willebadessen-Peckelsheim, Erzbistum Paderborn, wegen sexuellen Missbrauchs wegen Verjährung eingestellt. Das kirchenrechtliche Ermittlungsverfahren wird fortgesetzt. Der Beschuldigte bleibt beurlaubt. Die Vorwürfe seien der Interventionsbeauftragten, Dr. Petra Lillmeier, vor dem 16.1.2020 bekannt geworden, der Beschuldigte wurde am 16.1.2020 gehört.

Quelle: westfalen-blatt.de


3.2.2020 Die katholischen Frauenverbände kfd, KDFB, SKF und kfb aus dem deutschsprachigen Raum haben ein gemeinsames Positionspapier verabschiedet. Sie fordern eine geschlechtergerechte katholische Kirche. Dazu gehört der Zugang von Frauen zu allen Diensten und Ämtern in der Kirche.

Quelle: frauenbund.de


3.2.2020 Tilmann Kleinjung stellt fest, dass die Perspektive der (kirchlichen) Missbrauchsopfer auf der ersten Sitzung des Synodalen Weges "weitgehend fehlte". Zentrale Fragen haben die Bischöfe im Vorfeld nicht geklärt: Die unabhängige Aufarbeitung und die Entschädiguzng kirchlicher Opfer.

Claudia Nothelle kommentiert, dass die Probleme  offen ausgesprochen wurden. So hat Mara Klein aus Halle vom Verein von Tätern und der strukturellen Sünde gesprochen und ihrer Hoffnung, gemeinsam daraus ausbrechen zu können.

Quelle: katholisch.de   katholisch.de


3.2.2020 Bischof Ackermann erwartet eine "schnelle Einigung" zur Entschädigung kirchlicher Missbrauchsopfer.

Quelle: domradio


1.2.2020 Zwei ehemalige Heimkinder des Josefsheims in Ludwigsburg-Hoheneck berichten von sexuellem Missbrauch durch einen Pfarrer.
Quelle: Stuttgarter Nachrichten


31.1.2020 Bischof Voderholzer, Regensburg, bezweifelt die Wissenschaftlichkeit der MHG-Studie und fordert weitere vergleichende Studien, die prüfen sollen, ob es einen kausalen Zusammenhang zwischen katholischen Besonderheiten (Priesterzölibat, Sexualmoral) und sexuellem Missbrauch gebe. Mehrere Redner*innen wiesen die Fundamentalkritik des Bischofs zurück.

Quelle: domradio.de


31.1.2020 Nach dem Freispruch von Kardinal Barbarin wegen des Vorwurfs der Nichtanzeige sexuellen Missbrauchs muss Papst Franziskus das Rücktrittsgesuch Barbarins als Erzbischof von Lyon entscheiden. Papst Franziskus werde die Entscheidung "zu gegebener Zeit" treffen, sagte der Pressesprecher Matteo Bruni.

Quelle: vaticannews


30.1.2020 Der Kirchenrechtler Norbert Lüdecke, Bonn, kritisiert die Debatte um Entschädigungen für Missbrauchsopfer aus Kirchensteuermitteln: "Mit der "Parole 'Entschädigung aus Kirchensteuern' wird eine Diskussion darüber provoziert, wer welche Verantwortung hat. Bis das dann ausdiskutiert ist, redet keiner mehr über Entschädigung. Nein, solch mieses Spiel mit der Zeit der Betroffenen darf nicht länger funktionieren." Zudem warnte Lüdecke vor einer "Komplett-Entschuldung" der Laien. "Aber zu behaupten, der Laienstand als solcher stehe hier rein und ohne jede moralische Mitverantwortung da, bedeutet erneut Entschuldung auf Kosten der Betroffenen - die übrigens nicht irgendwelche Fremden, sondern meist katholische Mitlaien sind." Auch "Ermittler mit Beißhemmung", "Staatsanwälte mit Verfolgungsnachsicht" und "Journalisten mit mangelndem Verständnis für das katholische Kirchensystem und/oder geringem Recherche-Elan" seien Laien gewesen. "Die Frage nach der Mitverantwortung der Laien entlastet nicht die Bischöfe, sondern muss Teil der bislang noch nicht einmal begonnenen Aufarbeitung sein."

Quelle: katholisch.de


30.1.2020 Das Bistum Hildesheim bietet unter dem Titel: „Wissen teilen“ Gespräche mit Obfrau Antje Niewisch-Lennartz über die Arbeit der unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt an am kommenden Mittwoch, 5. 2. 15 bis 18 Uhr in Duderstadt. an. Eingeladen sind alle Menschen mit Anliegen und Fragen zum Thema sexualisierte Gewalt.

Quelle: stadtradio-goettingen.de


30.1.2020 Das Bistum Münster überprüft bei 18 Priestern, die Minderjährige missbraucht haben, die eingeleiteten Maßnahmen. Bei drei der Geistlichen wurden unklar formulierte Verbote öffentlicher Gottesdienste präzisiert. In vier weiteren Fällen hole das Bistum derzeit externen Rat ein. In zwei weiteren Fälle seien noch kirchengerichtliche Verfahren anhängig. Erst danach würden Entscheidungen zu Konsequenzen gezogen. Bei einigen hochbetagten Geistlichen gebe es keinen Handlungsbedarf, weil sie nicht mehr öffentlich zelebrierten. Insgesamt gebe es Missbrauchsvorwürfe gegen 57 lebende Priester. Darunter fallen auch Fälle, die nicht bewiesen werden konnten. Dann gebe es auch keine Dekrete.

Quelle: Domradio


30.1.2020 Am 27.1. wurde in den USA eine neue, unabhängige Datenbank mit fast 6.000 Priestern, die des Missbrauchs beschuldigt werden, gestartet von der gemeinnützigen Nachrichtenredaktion ProPublica, die Machtmissbrauch untersucht. Sie wurde nach dem Bericht der Grand Jury in Pennsylvania begonnen. Seither haben zahlreiche Diözesen eigene Listen angeklagter Priester veröffentlicht. ProPublica fand, dass zahlreiche Missbrauchstäter nicht aufgeführt wurden. 178 Listen existieren, 41 Diözesen und Dutzende Orden haben bislang keine Listen veröffentlicht. Professor Faggioli, Universität Villanova, rät zur Vorsicht, weil die Datenbank u.a. nicht zwischen Missbrauch Minderjähriger und anderen Fällen sexuellen Fehlverhaltens unterscheidet.
Ein pikanter Fall, der auch in Deutschland so passieren könnte, wird geschildert. Larry Giacalone beschuldigt 2017 den Priester Richard Donahue, Boston, des sexuellen Missbrauchs. Das Erzbistum entschädigte Giacalone mit 73.000 US-Dollar wegen körperlicher Misshandlung und körperlichen und emotionalen Verletzungen, veröffentlichte aber nicht den Namen des Täters. Auf Nachfrage von ProPublica wurde der Name aufgenommen - in die Liste der "unbegründeten Fälle". Mitchell Garabedian, Rechtsanwalt, der Hunderte Missbrauchsfälle bearbeitete, sagte: "Einem Opfer eine beträchtliche Geldsumme zuzusprechen, aber zu behaupten, dass der Angeklagte kein Pädophiler ist, ist eine Beleidigung der eigenen Intelligenz."
Quelle: cruxnow


30.1.2020 Der ehemalige Personalchef des Erzbistums Köln von 1984 bis 1996, Domkapitular Robert Kümpel, wirft früheren Verantwortlichen und sich selbst einen zu laxen Umgang mit Missbrauchstätern vor. Er sagte, das die Personalkonferenz des Bistums in vielen Punkten anders hätte handeln können. Zur Personalkonferenz gehören der Erzbischof, die Weihbischöfe, der Generalvikar und weitere Verantwortliche. Zweimal habe Kümpel vorgeschlagen, Täter in den Ruhestand zu versetzen. Das habe ihm ein nachsichtiges Lächeln seiner Kollegen eingebracht. Zudem seien jahrelang keine kirchenrechtlichen Strafprozesse in die Wege geleitet worden. Das Erzbistum Köln lässt derzeit die Personalakten untersuchen. Die Ergebnisse sollen im März veröffentlicht werden.

Quelle: katholisch.de


301.2020 Der Mitbegründer der amerikanischen Willow Creek Community Church und Mentor des Pastors Bill Hybels, Gilbert Bilezikian, wird beschuldigt, eine langjährige Mitarbeiterin in den Achtzigerjahren sexuell bedrängt zu haben. Die Gemeinde räumte am Dienstag Fehler ein.

Quelle: pro-medienmagazin.de


30.1.2020 Das Berufungsgericht in Lyon hat Kardinal Barbarin vom Vorwurf der Nichtanzeige sexueller Übergriffe freigesprochen. Der Staatsanwalt begründete seine Entscheidung mit Zweifeln: Die Verurteilung des Kardinals wegen Nichtanzeige des Priesters Preynat, der mindestens 70 Kinder missbrauchte, wäre eine zu "weitreichende Auslegung" des Rechts gewesen. Die Zivilparteien im Prozess, unter ihnen neun Opfer, haben durch ihre Anwälte mitteilen lassen, dass sie den Prozess in der nächsten Instanz weiter verfolgen.

Quelle: katholisch.de   NZZ


29.1.2020 Der neue Bischof von Augsburg, Bertram Meier, hat vor wenigen Wochen eine Kommission zur Untersuchung von Jahrzehnte zurückliegenden Missbrauchsfällen in zwei Kinderheimen im Kreis Augsburg eingesetzt. Ihm sei die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle ein wichtiges Anliegen, ebenso wie Prävention. Im Bistum Augsburg sei auch bisher nichts verdrängt worden, sagte der Bischof.

Quelle: idowa.de


29.1.2020 Giovanni Nerbini, Bischof von Prato in Italien, hat zugesagt, mit den staatlichen Behörden zusammenzuarbeiten, die gegen fünf Priester, drei Ordenspriester und einen Ordensbruder der "Discepoli dell'Annunciazione" wegen sexuellen Missbrauchs von zwei Minderjährigen ermitteln. Unter den Beschuldigten ist auch Don Giglio Giglioli, der Gründer der Gemeinschaft. Die Ordensgemeinschaft wurde vor zehn Jahren gegründet. Sie versammelte mehrere junge Menschen aus verschiedenen Teilen der Welt, die Ordenspriester werden wollten. Die Vereinigung war von der Diözese Prato genehmigt worden, wurde jedoch im Dezember 2019 vom Vatikan aufgelöst, nachdem in zwei Untersuchungen Probleme aufgedeckt wurden und Mitglieder der Gruppe flohen.

Im Domradio (30.1.2020) werden die drei Ordenspriester und der Ordensbruder nicht genannt. Dort ist von "fünf Priestern" die Rede.

Quellen: avvenire   ncronline.org   gonews.it


29.1.2020 Zur Erinnerung: KDFBGEISTLICHER UND SEXUELLER MISSBRAUCH –
BUCHPROJEKT ZU ERFAHRUNGEN VON FRAUEN.
Einsendesschluss ist der 15.3.2020


29.1.2020 Das Bistum Augsburg will Missbrauchsfälle in Josefsheim Reitenbuch in Fischach und  im Marienheim Baschenegg in Ustersbach aufklären. Ein Mann berichtete im Herbst 2019, dass er vor über 40 Jahren im Josefsheim jahrelang sexuell missbraucht wurde durch einen Geistlichen. Aus dem Marienheim sind bislang keine Vorfälle bekannt. Das Gremium, das die Vorgänge in den Kinderheimen untersuchen soll, wird geleitet von Elisabeth Mette, ehemalige Präsidentin des Bayerischen Landessozialgerichts. U.a. arbeitet auch Manfred Prexl mit, ehemaliger Vorsitzender Richter des Münchner Oberlandesgerichtes, der im Heim in Donauwörth zahlreiche Fälle aufdeckte.

Quelle: Süddeutsche


28.1.2020 WDR-5-Tagesgespräch: Missbrauch - handelt die Kirche angemessen?  u.a. mit dem Kirchenrechtlicher Thomas Schüller.


28.1.2020 Ehemalige Schüler des Bonner Aloisiuskollegs werfen den Jesuiten mangelnde Aufarbeitung vor. Nur ein Teil der Übergriffe sei in den wissenschaftlichen Berichten von 2011 und 2013 berücksichtigt. Unberücksichtigt seien Ereignisse, die nach Erscheinen der Berichte bekannt wurden. Zudem fehle die Untersuchung von körperlicher und seelischer Gewalt und von Suiziden. Betroffene seien auch nicht an der Überarbeitung des Präventionsleitfadens beteiligt worden. Den früheren Rektor Theo Schneider bezeichnen die früheren Schüler als "Vertuscher und Mitwisser". Johannes Siebner, Provinzial der deutschen Jesuitenprovinz, wikes den Vorwurf, der ORden stelle sich nicht seiner Verantwortung, zurück. Siebner räumte jedoch ein, dass Aufarbeitung und Prävention noch nicht am Ende seien. Er wolle jedoch konkrete Schritte nicht in der Presse erörtern, sondern im direkten Gespräch. Siebner rief die Mitglieder des Eckigen Tisches auf, die 2018 abgebrochenen Gespräche mit dem Orden wieder aufzunehmen. Am Aloisiuskolleg und dem dortigen Pro-Seminar gab es mindestens 60 Betroffene und 23 Beschuldigte, darunter 18 Jesuiten.

Quelle: katholisch.de


30.1.2020 Pater Johannes Siebner, Provinzial der deutschen Jesuitenprovinz, tritt dem Vorwurf entscheiden entgegen. Man stelle sich Verantwortung und Aufarbeitung.

Quelle: Domradio


28.1.2020 Pater Mertes sagt, dass Missbrauch in der Kirche auch im Jahr 2020 noch möglich ist. Er erlebe das derzeit sehr konkret, wolle aber nicht darüber sprechen. Nach wie vor gebe es die "geistlichen Missbrauchssysteme, in denen schwerwiegende Übergriffe auf die Freiheit und die Autonomie der Mitglieder stattfindet. Zum Teil manchmal vor den Augen der Öffentlichkeit, auch der kirchlichen, einschließlich der Hierarchie."

Quelle: Domradio


28.1.2020 Die dt. Bischöfe bitten um Gelduld bei der Bearbeitung der "komplexen Themen", die die MHG-Studie in Gang setzte. Beispielhaft nannten sie

  • ein verbindliches überdiözesanes Monitoring für die Bereiche der Aufarbeitung, Intervention und Prävention,
  • unabhängige Aufarbeitung, bei der auch geklärt werde, wer über die Täter hinaus institutionell Verantwortung für das Missbrauchsgeschehen in der Kirche getragen habe und
  • Fortentwicklung des Verfahrens zur materiellen Anerkennung erlittenen Leids.
  • Standardisierung in der Führung der Personalakten von Klerikern
  • Schaffung kirchlicher Strafgerichte und einer kirchlichen Verwaltungsgerichtsbarkeit an.

Einen konkreten Zeitplan gibt es nicht.

Quelle: katholisch.de   dbk.de

Kommentar: Bereits am 27.9.2018 benannte die Bischofskonferenz diese zu bearbeitenden Punkte. Der Ständige Rat der Bischofskonferenz hat am 20.11.2018  "... den Anspruch an Konsequenz, Transparenz und Dringlichkeit bekräftigt und drängt auf eine entschlossene Durchführung."


28.1.2020 Zehn Jahre Missbrauchsskandal

3.1.2020 Radio Revue: "Kirche, was tust du? 10 Jahre Missbrauchsskandal und kein Ende

Isabel Fannrich-Lautenschläger sagt, die Bilanz vieler Betroffener und Aufklärer ist bitter.

Matthias Katsch: "Aber gleichzeitig ist es für uns Betroffene schier unerträglich, dass wir nach zehn Jahren immer noch darauf warten, dass die Aufarbeitung wirklich Hand und Fuß bekommt.

Matthias Drobinski: "Die tatsächliche Aufarbeitung der Gewalttaten steht aber auch zehn Jahre nach dem ersten Artikel in der Morgenpost immer noch am Anfang, das ist der Skandal im Skandal."

Johannes-Wilhelm Rörig: Auch im Jahr 2020 werde in Deutschland beim Thema sexuelle Gewalt "ohrenbetäubend geschwiegen".

Schleppender für mehr Schutz von Kindern - Deutsche Welle

Interview mit Klaus Mertes

Johannes-Wilhelm Rörig, UBSKM

Tilmann Kleinjung: Den Betroffenen gegenüber wirkt die Bitte der Bischöfe um Geduld zynisch. Auch im Blick auf die Frage, welcher Bischof für die Vertuschung verantwortlich war, bitten die Bischöfe um Geduld: "Und so entsteht der Eindruck, dass manchen Oberhirten das Ansehen der Institution und die Reputation der Amtsträger immer noch wichtiger sind als schonungslose Aufklärung."

Jörg Vins: fürchtet, dass der Synodale Weg in der Gefahr steht, einmal mehr die Opfer aus den Augen zu verlieren und auf die Außenwirkung der Kirche fixiert zu bleiben.


28.1.2020 Dr. Wolfgang Rothe, Priester der Diözese St. Pölten, ehemaliger Subregens des Priesterseminars der österreichischen Diözese St. Pölten und jetzt Pfarrvikar in München, wirft Bischof Klaus Küng einen versuchten sexuellen Übergriff im Jahr 2004 vor. Der emeritierte Bischof Küng weist den Vorwurf "aufs Schärfste" zurück. Rothe nimmt dazu Stellung und berichtet vom Ergebnis staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen: Die zuständige Staatsanwaltschaft St.Pölten habe die der Anzeige zugrunde liegenden Vorfälle als „versuchte Vergewaltigung“bewertet, stellte das Verfahren jedoch wegen Verjährung ein.

Quelle: ots.at


28.1.2020 Karl Hauke berichtet von seinem vier Jahre dauernden Missbrauch durch einen Pater des Collegium Josephinums in Bonn. Heute engagiert er sich für Betroffene, u.a. im Betroffenenbeirat des Erzbistums Köln.

Quelle: www1.wdr.de


28.1.2020 Der Schauspieler Kai Moritz kommentiert zehn Jahre Aufarbeitung in der katholischen Kirche: "Es gibt kein wirkliches Selbsthinterfragen: Sie leuchten in die Betten der Menschen hinein, um Kontrolle auszuüben. Sie selbst blicken aber nicht in ihre dunklen Ecken."

Quelle: br.de


27.1.20020 Um den bei einem Flugzeugabsturz zusammen mit seiner Tochter umgekommenen ehemaligen Basketball-Superstar Kobe Bryant trauern auch US-Bischöfe. Hier können Sie nachlesen, wie das Opfer einer mutmaßlichen Vergewaltigung von 2003 durch Bryant in der Presse behandelt wurde. Das Verfahren wurde eingestellt, es kam zu einer zivilrechtlichen Einigung. Bryant sagte anlässlich der Einstellung des Verfahrens: "Obwohl ich wirklich glaube, dass diese Begegnung zwischen uns einvernehmlich war, erkenne ich jetzt an, dass sie diesen Vorfall nicht so sah und sieht, wie ich es tat. Nach Monaten der Überprüfung der Entdeckung, des Anhörens ihres Anwalts und sogar ihrer persönlichen Aussage verstehe ich jetzt, wie sie sich fühlt, dass sie nicht in diese Begegnung eingewilligt hat."

Quelle: thinkprogress.org


27.1.2020 Der Schriftsteller Josef Haslinger, berichtet in seinem Buch "Mein Fall", dass er von drei Lehrern, u.a. von seinem damaligen Religionslehrer Pater Pater Gottfried Eder (1937-2014) in den 1960er Jahren im Internat des Stiftes Zwettl, einer Außenstelle von Stift Heiligenkreuz, sexuell missbraucht wurde. Der zuständige Abt Maximilian Heim von Heiligenkreuz hatte bereits 2011 von einem anderen Opfer des Paters aus dem Internat des Stiftes Zwettl gehört. Der beschuldigte P. Gottfried Eder wies 2011 alle Vorwürfe zurück. Da er bereits seit 2008 nicht mehr in der Seelsorge eingesetzt war und bereits ein Pflegefall gewesen sei, wurde er nicht von seinen priesterlichen Diensten entpflichtet. Jedoch seien umgehend alle in der Rahmenordnung der kath. Kirche Österreichs vorgesehenen Schritte eingeleitet worden. Der Abt von Stift Heiligenkreuz nahm Kontakt mit Haslinger auf, vom Stift Zwettl gab es keine Kontaktaufnahme.

Quelle: kathpress.at   Interview 31.1.2020


27.1.2020 Anlässlich der heutigen Sitzung des Ständigen Rates der Deutschen Bischofskonferenz, an dem alle (Erz-)Bischöfe teilnehmen, benennen Matthias Drobinski und Annette Zoch die unterschiedlichen Ansichten der Bischöfe im Blick auf die Frage nach der Entschädigung kirchlicher Missbrauchsopfer.

Quelle: Süddeutsche


25.1.2020 Der Vatikan sicherte mehr Hilfe für Ordensfrauen zu, die ihre Ordensgemeinschaft verlassen haben oder verlassen mussten. Diese Frauen erhalten bisher weder Begleitung noch Unterstützung. Manche landeten in der Prostitution. Papst Franziskus habe in Rom eine Anlaufstelle für Ordensschwestern geschaffen. Der für Ordensgemeinschaften zuständige Kurienkardinal Joao Braz de Aviz berichtete, dass Oberinnen teils Ausweisdokumente zurückgehalten haben, um Schwestern am Verlassen des Ordens zu hindern. Brav de Aviz spricht davon, dass in vielen Frauengemeinschaften Angst herrsche.

Quelle: Domradio.de


25.1.2020 Der Unabhängige Beauftragte der Bundesregierung und der Beauftragte der DBK verständigten sich darauf, dass die kath. Kirch in Deutschland ihre Akten zu sexuellem Missbrauch von Minderjährigen für externe Experten öffnen. Zunächst müssen sich alle 27 dt. kath. Bischöfe schriftlich zu einer unabhängigen und transparenten Aufarbeitung verpflichten. In jeder Diözese soll eine siebenköpfige Kommission, die überwiegend mit externen Experten und mit Betroffenen besetzt ist, den Missbrauch aufklären und Strukturen offenlegen, die Missbrauch ermöglichten. In fünf Jahren soll ein vorläufiger Abschlussbericht vorliegen. Am 27.1.2020 soll der Ständige Rat der DBK den Fahrplan besprechen. Dem Ständigen Rat gehören alle 27 (Erz-)Bischöfe an.

Quelle: orf


23.1.2020 Jörg Ziercke, Vorsitzender vom Weißen Ring, sieht die katholische Kirche in einer Vorbildrolle bei der Entschädigung von Missbrauchsopfern. Mit den Vorschlägen für Entschädigungszahlungen könne sie den Druck erhöhen, "dass auch andere Bereiche der Gesellschaft sich um solche Lösungen zu kümmern haben." Auf eine gesamtgesellschaftliche Lösung solle sie nicht warten.Eine Entschädigung kirchlicher Missbrauchsopfer von 400.000 Euro hält Ziercke für angemessen. Im Vergleich zum neuen Sozialen Entschädigungsrecht erhielten Opfer mit einem Entschädigungsgrad von 30 bis 40 eine monatliche Rente von 400 Euro. Dieser unterste Grad werde bei sexuellem Missbrauch an Kindern überschritten. Eine Entschädigungssumme von 300.000 Euro reiche für 62,5 Jahre. Da es sich um einen Entschädigungseintritt in jungen Jahren handle, sei dieser Betrag "sogar eher zu niedrig angesetzt".

Quelle: neue-kirchenzeitung.de


23.1.2020 Matthias Katsch, Sprecher der Betroffeneninitiative "Eckiger Tisch", beklagt die mangelhafte Unterstützung von Missbrauchsopfern durch das Zentralkomitee der deutschen Katholiken. In den letzten zehn Jahren habe es keine Demonstrationen oder andere Zeichen der Unterstützung durch Laien gegeben. Die fehlende Solidarität mit Opfern sexuellen Missbrauchs sei ein gesamtgesellschaftes Problem. Auch die Politik scheue sich bis heute, sich mit der Kirche anzulegen.

Quelle: katholisch.de


23.1.2020 Im Bistum Speyer wurden neun neue Missbrauchsfälle gemeldet, zwei von ihnen geschahen 2019. Die vier tatverdächtigen Priester, die zwischen 1960 und 1987 die Verbrechen verübten, sind verstorben. Zu den Tatverdächtigen gehören fünf kirchliche Mitarbeiter*innen. Ein Täter wurde verurteilt, sechs Verfahren wurden eingestellt, zwei Verfahren sind noch nicht abgeschlossen.

Seit 1946 gab es 114 Verdachtsfälle mit 97 Beschuldigten und 194 Betroffenen. 74 Verdachtsfälle, in denen Beschuldigte nicht verstorben sind, wurden der Staatsanwaltschaft gemeldet. 54 Verfahren wurden eingestellt, in 13 Fällen kam es zur Verurteilung, Einstellung des Verfahrens oder einer Geldstrafe. Fünf Verfahren sind noch nicht abgeschlossen. Das Bistum zahlte Anerkennungsleistungen an 55 Betroffene in Höhe von 325.000 Euro.

Quelle: bistum-speyer.de


23.1.2020 Das Erzbistum Ottowa stützt sich auf jahrzehntealte Verträge mit Versicherungen, in denen verabredet wurde, dass die Versicherung "jederlei Kosten" in Bezug auf Missbrauchsfälle tragen müsse. Die Versicherungen sagen, bei kriminellen Vergehen handle es sich um absichtliche Taten, die von den Verträgen nicht gedeckt werden. Nun hat das Erzbistum Ottawa drei Versicherungsgesellschaften verklagt, weil sie bereits gezahlte Entschädigungen nicht erstatten.

Quelle: katholisch.de


23.1.2020 Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, erwartet bis zum Sommer eine Einigung der katholischen Bischöfe in der Entschädigungsfrage für Missbrauchsopfer. Die Summe müsse dabei für die Betroffenen akzeptabel sein. Zudem erwartet Rörig, dass die Bischöfe sich im Frühjahr auf gemeinsame Standards der Aufklärung festlegen. Die Aufarbeitungskommissionen und die Betroffenen müsste unmittelbare Rechte auf Akteneinsicht erhalten. IKm Blick auf Rücktrittsforderungen sagte Rörig, die Kirche müsse sich die Frage stellen, ob jemand im Amt bleiben könne, der maßgeblich zur Vertuschung beigetragen und Aufklärung verhindert habe.

Quelle: katholisch.de


22.1.2020 Das Erzbistum Paderborn hat eine Strafanzeige gegen einen Pfarrer aus dem Kreis Höxter wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch gestellt. Der Pfarrer, der zuletzt in Willebadessen eingesetzt war, wurde beurlaubt. Die angezeigte Tat liege längere Zeit zurück.

Quelle: Domradio


22.1.2020 Steffen Zimmermann kommentiert die Tatsache, dass fast alle staatsanwaltlichen Ermittlungen gegen des sexuellen Missbrauchs verdächtige Kleriker in Bayern eingestellt wurden: "Trotzdem – oder gerade deswegen – erwächst der Kirche aus dieser Tatsache eine große Verantwortung. Gerade weil das strafrechtliche Instrumentarium aufgrund der Verjährung – an der die Kirche durch das jahrzehntelange Vertuschen der Missbrauchsfälle in ihren Reihen eine erhebliche Mitschuld trägt – nicht greift, muss sie umso mehr selbst glaubwürdig und transparent für eine Aufklärung der abscheulichen Taten und eine angemessene Entschädigung der Opfer sorgen. Viel ist in dieser Hinsicht schon passiert – aber längst noch nicht genug!"

Quelle: katholisch.de


21.1.2020 Papst Franziskus hat einen Ruhestandspriester des Bistums Würzburg wegen sexuellen Missbrauchs aus dem Klerikerstand entlassen. Der Priester stammte aus der rumänischen griechisch-katholischen Diözese Oradea. Im Jahr 2000 bis 2002 war er Pfarradminstrator einer Pfarrgemeinde im Bistum Würzburg. Dort missbrauchte er einen elfjährigen Schüler und erhielt eine Bewährungsstrafe, wurde suspendiert und durfte nicht mehr als Priester tätig sein. 2017 ergaben Recherchen von Johannes Heibel, Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen, dass der Priester sich bereits 1993 in Österreich an einem 16-Jährigen vergriffen hatte, was dem Bistum Würzburg nicht bekannt war.

Heibel fand auch Ende 2018 heraus, dass sich der Ruhestandspriester in der Nähe seines Wohnortes gegenüber Jugendlichen distanzlos verhalten habe. Anfang 2019 meldete sich ein weiterer Betroffener aus Klosterneuburg bei Heibel. Heibel bedauert, dass die involvierten Bistümer ihn bei der Aufdeckung nicht unterstützt haben. Das müsse sich ändern, wenn die Kirche ernsthaft und glaubwürdig Aufarbeitung betreiben wolle, sagte Heibel.

Quelle: Mainpost


20.1.2020 Der französische Priester Preynat fiel erstmals mit 14 oder 15 Jahren dem Leiter eines Prä-Seminars für künftige Priester als pädophil auf. Dennoch wurde er 1972 zum Priester geweiht. Von den Verbrechen Preynats erfuhr Kardinal Renard 1978. Ab 1982 wusste Kardinal Albert Decourtray davon, nachdem er von Eltern informiert wurde. Weitere Beschwerden erhielt Decourtry 1985 und 1991. 2001 wurde Preynat vom Kardinal von Lyon, damals Louis-Marie Bille, vorgeladen. Der Kardinal wollte wissen, ob die Taten noch strafrechtlich verfolgt werden könnten und schickte Preynat zu einem Anwalt. Seit 2002 hat Kardinal Barbarin davon wissen müssen. Preynat war bis 2015 in einer Pfarrei auf dem Land bei Lyon im Dienst.

Quelle: cruxnow


20.1.2020 Der seit August 2007 als Pfarradministrator in der katholischen Kirchengemeinde in Steinau-Marborn arbeitende katholische Priester (52) des Bistums Fulda wurde wegen Besitzes der Darstellungsexuellen Kindesmissbrauchs von allen Ämtern beurlaubt. Zuvor war er in der Kirchengemeinde Romsthal tätig. Dem Bistum Fulda wurde die Beschuldigung bekannt durch eine Information der Staatsanwaltschaft Hanau. Bereits 2004 war der Beschuldigte wegen sexueller Beleidigung mit einer Geldstrafe auf Bewährung belegt worden. Er sei "unter Auflagen" in Marborn eingesetzt worden. Im Herbst 2019 hatte Bischof Gerber im Rahmen der Begleitung des Pfarrers ein erneutes psychologisches Gutachten in Auftrag gegeben, um die getroffenen Regelungen zu überprüfen. Auch in diesem Kontext habe der Pfarrer nicht auf das laufende Verfahren der Staatsanwaltschaft hingewiesen.

Quelle: katholisch.de


20.1.2020 Zehn Jahre, nachdem der Vatikan den Orden der Legionäre Christi durch den Kurienerzbischof Velasio De Paolis auf dem „Weg der Reinigung“ begleitete, sprechen Kritiker davon, dass Kurienerzbischof De Paolis sich vor fast einem Jahrzehnt geweigert habe, einen Priester - Fernando Martínez Suárez -, der die damals ca achtjährige Ana Lucia Salazar (und mindestens sechs andere Kinder) missbrauchte, und die Vorgesetzten, die seine Verbrechen vertuschten, zu bestrafen. Viele von denen, die vertuscht haben, seien bis heute im Amt. De Paolis soll ausdrücklich gesagt haben, es werde keine Hexenjagd geben, und die Konsequenz sei, dass der Missbrauch und seine Vertuschung ungestraft blieben", sagte Pastor Christian Borgogno, ein ehemaliger Priester der Legion. Eine Reform sei so unmöglich gemacht worden. Am derzeitigen Generalkapitel in Rom nehmen mehr als ein Dutzend Legionäre (von 66) teil, die noch zur alten Garde des Gründers Maciel, eines Serientäters, gehören. Auch die mexikanische Bischofskonferenz hat inzwischen ihr Schweigen über die Legionäre beendet und verurteilt das Versäumnis der Legion, "einen konkreten Akt der Gerechtigkeit oder der Wiedergutmachung für die Opfer" zu setzen. Der Erzbischof von Monterrey - einer Hochburg der Legion - prangert das "verbrecherische Schweigen" der Legionäre und die Behandlung der Opfer an.

Derzeit findet das Generalkapitel der Legionäre in Rom statt. Die Themen stehen noch nicht fest. Es werde aber zweifellos um Prävention und um "präventive Aufarbeitung" gehen. Was "präventive Aufklärung" ist, wird nicht berichtet.

Quelle: startribune.com


19.1.2020 Kardinal Timothy Dolan, New York, ermittelt auf der Grundlage von "Vos estis lux mundi" gegen Bischof Nicholas DiMarzio, Brooklyn wegen sexuellen Missbrauchs. DiMarzio wird vorgeworfen, als Priester in den 70er Jahren einen Messdiener mehrfach missbraucht zu haben. Der Beschuldigte weist die Vorwürfe zurück. DiMarzio war selbst als Missbrauchsermittler im Bistum Buffalo tätig, wo der dortige Bischof, Richard Malone, im Dezember zurücktrat, weil er nachlässig mit der Aufklärung kirchlicher Missbrauchsfälle umgegangen sei.

Quelle: katholisch.de


19.1.2020 Christian Pfeiffer, dessen Missbrauchsstudie der kath. Kirche scheiterte, kritisiert, dass es für die Täter kaum strafrechtliche Konsequenzen gab. Er fordert den Rücktritt von Kardinal Marx vom DBK-Vorsitz und sagt, Marx habe eine ehrliche, transparente Aufklärung des Skandals verhindert. In Bayern haben die Staatsanwaltschaften eineinhalb Jahre nch Veröffentlichung der MHG-Studie in keinem einzigen Fall Anklage erhoben. Lediglich vier Ermittlungen laufen in Bayern (München, Bamberg, Nürnberg) noch, einige wenige Fälle wurden an Staatsanwaltschaften außerhalb Bayerns weitergegen, alle anderen zu den Akten gelegt. DBK-Sprecher Matthias Kopp weist die Vorwürfe Pfeiffers zurück. Pfeiffer sagte: "Die Bischofskonferenz hatte uns damals im Vertrag Forschungsfreiheit garantiert. Aber im Auftrag von Marx hat dann eine Münchner Anwaltskanzlei für die Bischofskonferenz einen neuen Vertragsentwurf erarbeitet, der Zensur bedeutet hätte. Diesen Machtanspruch der Kirche konnten wir nicht akzeptieren. Deswegen war als erstes sein Bistum München-Freising aus der Zusammenarbeit ausgestiegen. Danach folgte Regensburg. Als wir den Zensur-Vertrag endgültig nicht unterschreiben wollten, beendete die Bischofskonferenz das Projekt. Aber bereits vorher hatte Kardinal Marx die erwähnte Anwaltskanzlei damit beauftragt, die Missbrauchsakten seiner Diözese zu analysieren. Auf diese Weise wurde verhindert, dass unser Forschungsprojekt klären konnte, wie der damalige Papst Benedikt früher als Erzbischof von München und Freising mit Tätern und Opfern umgegangen war."

Quelle: Neue Presse  Süddeutsche  tag24.de


18.1.2020 Klaus Mertes, SJ, sieht auch zehn Jahre nach Bekanntwerden des Skandals um massenhaften sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche „eine harte Verweigerungsfront, die das alles gar nicht will und die Aufklärung als Kampagne gegen die Kirche deutet“. Die Kirche als Ganze sei noch nicht gewonnen für die Aufklärungsarbeit. Dies sei ein Teil des Problems un der Grund, dass die Aufklärung des Skandals nach wie vor stocke.


17.1.2020 Klaus Mertes spricht sich für ein Drittes Vatikanisches Konzil aus. Sexueller Missbrauch durch Kleriker sei ein gesamtkirchliches Problem, Geldzahlungen dürften daher auch nur dann aus Mitteln der Kirchensteuer geleistet werden, wenn es eine Beteiligung der Kirchensteuerzahler an dem Prozess der Versöhnung oder der Klärung der Beziehung zu den Opfern gebe. Opfer - so Mertes - wollen ihre Beziehung zur Institution klären. Entweder wollen sie zur Institution zurückkehren, mit ihrer Geschichte und ohne Verbot, ihre Geschichte erzählen zu dürfen. Oder sie wollen klären, dass sie definitiv nichts mehr mit der Institution zu tun haben wollen. Mertes warnte, die Anerkennung und Entschädigung von Opfern auf Geldleistungen zu beschränken, weil Geldzahlungen nicht wirklich Frieden bringen werden.

Quelle: DLF


17.1.2020 Matthias Katsch, Sprecher der Initiative "Eckiger Tisch", die sich für Betroffene sexualisierter Gewalt in der katholischen Kirche einsetzt, hält Entschädigungszahlungen seitens der katholischen Kirche in sechsstelliger Höhe je Opfer für angemessen. Die deutsche Kirche sei die reichste der Welt. Sie könne mit angemessener Entschädigung ein Zeichen setzen, dass sie Verantwortung übernehme. Damit wäre sie nicht nur Teil des Problems, sondern auch Teil der Lösung. Eine gesamtgesellschaftliche Einigung anzustreben würde bedeuten, keine Lösung zu finden.

Quelle: NDR


17.1.2020 Das Bistum Speyer hat ca 325.000 Euro Anerkennungszahlungen geleistet und für Therapiekosten von Missbrauchsbetroffenen ausgegeben. 60.000 Euro davon wurden von Tätern gezahlt, 265.000 Euro aus dem Bistumshaushalt. Seit 2010 gab es 28 Verdachtsfälle, fünf der Beschuldigten waren Priester, 23 Beschuldigte waren kirchliche Mitarbeiter*innen (Erzieherinnen, Pfleger, ehrenamtliche Betreuer).

Quelle: pilger-speyer.de


17.1.2020 Bischof Oster, Passau, ermutigt zur Teilnahme am Betroffenenbeirat der DBK.

Quelle: Bistum Passau


17.1.2020 Der Staatsanwalt fordert acht Jahre Haft für den ehemaligen katholischen Priester Bernard Preynat, dem vorgeworfen wird, in den 1980er Jahren Dutzende Kinder sexuell missbraucht zu haben. Das Urteil ist für den 16.3.2020 vorgesehen.

Quelle: wort.lu


16.1.2020 Die slowenische Initiate "Es reicht", Dovolj.je, wirft der katholischen Kirche in Slowenien systematische Vertuschung kirchlicher Missbrauchsfälle vor und fordert den Laibacher Erzbischof und Vorsitzenden der slowenischen Bischofskonferenz, Staisly Zore zum Rücktritt auf. Außerdem fordert sie die Auflösung der kirchlichen Kommission, weil diese "inkompetent und untätig" sei. Igor Vovk kritisiert, dass Empfehlungen lediglich auf dem Papier blieben. Die slowenische Bischofskonferenz wies die Rücktrittsforderung als "unberechtigt" zurück. Erzbischof Zore sei ein entschlossener Befürworter des Schutzes der Kinder. - Die seit knapp einem Jahr tätige Initiative sammelte bisher 38 Aussagen von Opfern, die Missbrauchsvorwürfe gegen insgesamt 22 Geistliche erhoben haben. Einige Fälle wurden entsprechend behandelt, andere weiterhin ignoriert.

Die slowenischen Bischöfe verteidigen ihr Vorgehen bei der Aufarbeitung und Prävention von Missbrauchsfällen in der Kirche mit Nachdruck. Der Bischof von Murska Sobota, Peter Stumpf, drohte im Fall eines Rückzugs von Erzbischof Zore mit seinem eigenen Rücktritt. Die Bischöfe würden in Sachen Missbrauchsaufarbeitung „ihr Bestes geben“, könnten aber „keine Wunder wirken“, sagte er.

Quelle: kleinezeitung.at  vaticannews.va, 17.1.2020


16.1.2020 Für Matthias Katsch ist nicht vorstellbar,  "dass die Bischöfe in ihrer Gesamtheit für das System aus Missbrauch und Vertuschung keine Verantwortung tragen." Es gehe bei sexualisierter Gewalt in der Kirche, "um ein ganzes System, an dem man mitgewirkt und das man aufrechterhalten hat. Auch hier wäre eben die Frage, ob nicht so ein kollektives Angebot an den Papst, das Amt zurückzulegen, so wie das die chilenischen Bischöfe 2018 gemacht haben."

Katsch bedauert das Schweigen der Kirchenmitglieder und der Mitgliedervertretung. Im Blick auf Entschädigungszahlungen für kirchliche Missbrauchsbetroffene schlägt er vor, dass auch die Kirchensteuer ein Element sein könne, um einen Ausgleich zwischen kirchlichen Körperschaften und Gruppierungen zu schaffen. Katsch meint, Kirche sei nicht nur Teil des Problems sexueller Missbrauch, sie habe auch die Chance, Teil der Lösung zu sein im Kampf gegen sexuelle Gewalt und deren Überwindung.

Quelle: DLF


16.1.2020 Zehn Jahre Missbrauchsskandal in katholischer Kirche „Ein Pfarrer tut so etwas nicht. „Es ist ja mit den Opfern noch immer kaum was passiert. Jedes Jahr zwei Mal auf der Bischofskonferenz wird drüber geredet, geredet, geredet, geredet. Manchmal werden sogar Dinge genannt, die man den armen Opfern jetzt endlich Gutes tun könnte. Zuletzt haben sie von 300.000 bis 400.000 Euro geredet. Und danach kommt das große Schweigen“, sagt Ana Carola Pasquay, die viele Jahre lang Betroffenen zuhörte.

Quelle: DLF


15.1.2020 Der katholische Priester Preynat hat sexuelle Übergriffe auf Jungen zwischen sieben und 15 Jahren in einem Zeitraum von 20 Jahren gestanden. Die Opfer-Anwältin Emmanuelle Haziza sagte, der Priester sei einer der größten Sexualverbrecher der Region von Lyon. Preynat gibt zu, hunderte Kinder angefasst zu haben. Zehn Opfer treten in dem Verfahren als Zivilkläger auf. Kardinal Barbarin wurde in erster Instanz schuldig gesprochen, den Täter jahrelang gedeckt zu haben. Barbarin hat Einspruch gegen das Urteil eingelegt. Es soll am 30.1.2020 gesprochen werden.

Quelle: orf


15.1.2020 Einem seit 2003 im Ruhestand befindlichen Priester des Bistums Trier hat die Glaubenskongregation dauerhaft verboten, seinen priesterlichen Dienst öffentlich auszuüben oder sich in der Öffentlichkeit als Kleriker zu präsentieren. Der Priester hat sich in der ersten Hälfte der 1980er Jahre des sexuellen Missbrauchs an zwei Minderjährigen in Koblenz schuldig gemacht. Er hat gestanden. Inzwischen hat sich eine weitere betroffene Person gemeldet; eine neue kirchenrechtliche Voruntersuchung wurde eingeleitet.

Quelle: Bistum Trier


15.1.2020 Fernando Martínez Suárez, Priester der Legionäre Christi, wurde von der Glaubenskongregation aus dem Klerikerstand entlassen, weil er zwischen 1991 und 1993 sechs Mädchen im Alter von 6 bis 11 Jahren sexuell missbraucht hat. Weiterer Misshandlungen im Jahr 1969 wird er beschuldigt,  darunter der Misshandlung eines Jungen im Alter von vier bis sechs Jahren. Martinez wurde selbst 1954 im Alter von 15 Jahren vom Gründer der Legionäre Christi sexuell missbraucht. 1964 wurde er zum Priester geweiht.

Quelle: cna  kathpress


15.1.2020 In der Evangelischen Kirche des Rheinlands wurden seit 2003 gegen 29 Pfarrer*innen wegen sexuellen Missbrauchs ermittelt. Neun Verfahren wurden eingestellt, sechs sind noch anhängig, in 14 Fällen kam es zu einem Urteil. Seit 2012 haben sich bei der Kommission 20 Betroffene gemeldet, die sieben Pfarrer, 13 Jugendmitarbeiter, Dieakone und haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter*innen beschuldigten. Die Evangelische Kirche im Rheinland will verbindliche Regeln zum Schutz vor sexualisierter Gewalt festlegen.

Quelle: rp-online.de


14.1.2020 Im Bistum Hildesheim sind die Missbrauchstaten eines Priesters verjährt. Der Beschuldigte wurde beurlaubt. Nun prüft ein unabhängiger RIchter, ob ein kirchenrechtliches Verfahren eingeleitet werden kann.

Quelle: NDR


14.1.2020 Der Beauftragte der Bundesregierung für sexuellen Missbrauch, Rörig, ermahnt die Kirchen, gegenüber Betroffenen schnell zu Entscheidungen zu kommen. Strukturen für die Aufarbeitung müssten geschaffen werden, Betroffene mit starken Rechten ausgestattet werden und die Frage von Entschädigungen müssten geregelt werden. Verstanden hätten die Kirchen, dass Aufarbeitung ohne die Betroffenen nicht möglich sei. Noch immer gebe es Widerstände und Vertreter in der Kirche, die "den Mantel des Schweigens immer noch nicht in den Mülleimer der Geschichte geworfen haben". Wenn der Ständige Rat der Bischofskonferenz sich Ende Januar mit Entschädigungsfragen beschäftige, müssten die Bischöfe Farbe bekennen. Klaus Mertes lobte die Präventionsarbeit der kath. Kirche. Die Betroffeneninitiative "Eckiger Tisch" warf der kath. Kirche Verzögerungstaktik vor. Teile der Kirche fingen bereits wieder an, Widerstände zu organisieren.

Quelle: evangelisch.de


14.1.2020 Klaus Mertes, SJ, berichtet, dass die persönlichen Angriffe in der Kirche sein Vertrauen zu den "leitenden Personen und zu den Kreisen, die bis heute gegen mich agieren, dauerhaft schwer beschädigt" haben. Mertes sieht in höheren Zahlungen die Versuchung, dass die Kirche dann meinen könne, sie habe die Sache hinter sich und dann Ruhe. Das wäre ein Freikauf, eine Ablass-Logik. Für problematisch hält er auch, dass die Bischöfe die Forderungen von Betroffenen nach Entschädigung schweigend zur Kenntnis genommen haben und "hintenrum" beschwichtigend sagen, dass es zu so hohen Zahlungen nicht kommen werde. Dadurch entstünde auf Betroffenenseite die Hoffnung, dass tatsächlich in der Höhe der Vorschläge gezahlt werde. Das führe zu einer tiefen Enttäuschung bei den Betroffenen.

Quelle: rbb24.de


14.1.2020 Kardinal Josef Ratzinger hat sich von der Autorschaft des Buches "Des profondeurs de nos coeurs", das von dem Kurienkardinal Robert Sarah herausgegeben wurde, distanziert. Erzbischof Gänswein informierte, dass er auf Bitten von Kardinal Ratzinger Kardinal Sarah gebeten habe, beim Verlag die Entfernung von "Namen und Bild Benedikts XVI." zu veranlassen. Auch die Unterschrift Benedikts XVI. unter die Einführung und die Schlussfolgerungen des Buches solle gestrichen werden, weil er diese nicht mitverfasst habe. Den Text über das Priestertum habe Ratzinger im Sommer 2019 geschrieben und Kardinal Sarah zur freien Verfügung gegeben in dem Wissen, dass er in einem Buch erscheinen solle. - Kardinal Sarah hingegen sagt, Ratzinger habe am 19.11.2019 ein vollständiges Manuskript erhalten, das "wie wir vereinbart hatten, den Einband, eine gemeinsame Einleitung und Schlussfolgerung, den Text von Benedikt XVI. und meinen eigenen Text enthält".

Papst Franziskus hat laut Eugenio Scalfari, Ex-Chefredakteur von "La Repubblica" die Diskussion kommentiert mit den Worten, in einer Organisation mit hunderten Millionen Personen gebe es immer jemanden, der mit etwas nicht einverstanden sei. Der Papst habe die Initiative um Kardinal Sarah nicht ernst genommen (16.1.2020).

Quelle: katholisch.de


13.1.2020 Die peruanische Journalistin Paola Ugaz hat in ihrem Buch "Half Monks, Half Soldiers" über die Laienvereinigung Sodalitium Christianae Vitae, dessen Gründer Mitglieder der Vereinigung sexuell missbrauchte, geschrieben. Nun wird sie von der Vereinigung SCV und der Vereinigung nahestehenden Gruppen mit Klagen überzogen. Ending Clergy Abuse, ECA, nimmt zugunsten von Ugaz Stellung: "Im Fall des Missbrauchs von Klagen gegen Paola Ugaz ist es klar, dass es nicht darum geht, Gerechtigkeit zu suchen, sondern sie zum Schweigen zu bringen." Auch Erzbischof Carlos Castillo, Lima, sagte, dass "anstatt die Wahrheiten in Missbrauchsfällen aufzuklären", Ugaz' Ankläger wollten die Wahrheit verdecken. Unterstützt wird Ugar auch von der Interamerikanischen Pressevereinigung, der Nationalen Vereinigung für Journalisten, dem Institut für Presse und Gesellschaft, dem peruanische Presserat und dem Komitee zum Schutz der Journalisten und dem Nuntius in Peru, Erzbischo Nicola Girasoli.
Quelle: cruxnow


13.1.2020 Kardinal Josef Ratzinger, der emeritierte Papst Benedikt XVI., hat sich gegen eine Aufweichung des Pflichtzölibats für römisch-katholische Priester ausgesprochen. Papst Franziskus hatte im Kontext der Amazonas-Synode eine Diskussion über die Ehelosigkeit von Priestern angestoßen und will in Kürze in enem Schreiben Stellung beziehen. Kommentatoren werten die Aussagen Ratzingers als "Grenzüberschreitung" und vermuten, dass Benedikt "in seiner Schwäche instrumentalisiert wird" (Püttmann). Christian Weisner, WsK, kommentiert: "Das ist eine Kirchenspaltung, zu der er ganz entschieden und in ganz unverantwortlicher Weise beiträgt." Der Theologe Massimo Faggioli spricht von einem unglaublichen Vorgang: "Benedikt XVI. belehrt seinen Nachfolger (...), wie man Papst zu sein hat" und fürchtet, dass es in der kath. Kirche ein Lager mit dem Ex-Papst und eines mit dem aktuellen Papst gebe. Daniel Deckers, FAZ, meint, dass der frühere Papst dem jetzigen Papst Franziskus offen in den Rücken falle. Damit sei der Geist der Kirchenspaltung aus der Flasche: "Die Saat der Selbstzerstörung, die in dem Beharren Benedikts auf dem Titel 'papa emeritus' angelegt war, ist nach sieben Jahren aufgegangen." Ingo Brüggenjürgen, Chefredakteur vom Domradio meint: "Ich denke, er wird von seinem Umfeld vorgeschoben, vielleicht auch in gewisser Weise missbraucht." Der Pressesprecher Bruni des Vatikans reagierte auf die Aussagen Ratzingers mit Zitaten von Papst Franziskus zum Pflichtzölibat: "Ich persönlich meine, dass der Zölibat ein Geschenk für die Kirche ist ... Ich bin nicht damit einverstanden, den optionalen Zölibat zu erlauben...Es würden nur einige Möglichkeiten bleiben in entlegensten Gebieten wie den Pazifischen Inseln." Und: bei "pastoraler Notwendigkeit" müsse "der Hirte an die Gläubigen denken".

Quelle: zeit.de


12.1.2020 Bischof Genn, Münster, hat einen ehemaligen Halterner Kaplan (79) in den Ruhestand geschickt. Dem ehemaligen Kaplan wird sexueller Missbrauch vorgeworfen.

Quelle: halternerzeitung.de


11.1.2020 Matthias Katsch von der Opferinitiative "Eckiger Tisch" stellt fest, dass die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche in Deutschland noch lange nicht beendet ist. Es fehle die systematische Aufarbeitung durch Experten, die Zugang zu allen Akten haben und Zeugen befragen dürfen. In der Frage von Entschädigungszahlungen gebe es keinen Fortschritt. Eine staatliche Wahrheits- und Gerechtigkeitskommission zur Kirche sei nicht durchsetzbar gewesen. Was Hilfe, Unterstützung, Beratung und Entschädigung angehe, sei "wenig bis nichts passiert", kritisierte Katsch. Die Kirche müsse klären, ob die für systematisches Verheimlichen verantwortlichen Kirchenleitenden weitermachen können. Katsch erinnert an die chilenischen Bischöfe, die dem Papst kollektiv ihren Rücktritt angeboten haben. Dies wäre auch in Deutschland eine Möglichkeit der Erneuerung.

Quelle: katholisch.de   Domradio.de


11.1.2020 Klaus Mertes, SJ, vermutet, dass noch viel an Vertuschung von Missbrauchsfällen in der Kirche herauskommen wird. Entschuldigungen der Bischöfe reichen nicht aus, sie müssten im Fall der Fälle zurücktreten, wenn sie vertuscht haben, sagt Mertes. "Und sie müssen die systemischen Ursachen angehen. Solange sie sich nur bewegen, weil das Kirchenvolk Druck macht, sind sie nicht bei der tätigen Reue angelangt." Im Blick auf Entschädigungen wünscht Mertes, dass sie von einer unabhängigen Institution festgelegt werden - weder von Bistümern, noch von Orden, noch von Opferverbänden. Nicht in Ordnung findet Mertes, dass die Bischöfe, die zur Höhe der Forderungen schweigen, sich neben die Opfer stellen und gemeinsam mit ihnen dem Kirchenvolk die Solidaritätsfrage stellen. Zudem sieht Mertes die Gefahr, dass Kirchenverantwortliche die Frage der Opfer nach Gerechtigkeit auf Geld reduzieren. Dabei gehe es auch um die Beziehung der Opfer zur Kirche.

Quelle: pressreader.com


11.1.2019 Antonius Kock, Selbsthilfegruppe Rhede, legt eine Einschätzung des "Betroffenenrates bei der Deutschen Bischofskonferenz" vor, die ich teile. (EK)

Quelle: selbsthilfe-rhede


11.1.2020 Die im Bistum Münster mit der Untersuchung der kirchlichen Missbrauchsfälle beauftragte Historikerkommission hat derzeit 140 Fälle von Tätern vorliegen. Die Kommission will einen Beirat mit bis zu acht Mitgliedern bilden, in dem Betroffenenvertreter mitarbeiten. Martin Schmitz, Rhede, www.selbsthilfe-rhede.de gehört dazu. Er ist erstaunt, dass die Kirche so tue, als "würde jetzt alles vom Himmel fallen. Die Fälle sind alle bekannt, und die Verantwortlichen wissen darum", sagt er.

In der MHG-Studie war von 138 Klerikern die Rede, bei denen es Hinweise auf Beschuldigungen des sexuellen Missbrauchs gegeben habe. Das Bistum sprach im September 2018 davon, dass es bei 41 weiteren Priestern ernstzunehmende Hinweise auf Missbrauchstaten gibt, die aber juristisch nicht verurteilt wurden - zum Teil, weil sie schon tot sind.

Quelle: die-glocke.de


10.1.2020 Sexuelle Gewalt hinterlässt über Generationen hinweg ihre Spuren. Fast eine Million deutsche Frauen wurden am Ende des Zweiten Weltkriegs vergewaltigt. Die Kinder und Enkel der Opfer leiden bis heute unter den Folgen.

Quelle: NZZ   Triggergefahr


10.1.2020 Bis Juli 2019 waren im Bistum Agana, Guam, mehr als 220 Missbrauchsfälle durch katholische Kleriker bekannt. Inzwischen haben 280 Betroffene Klage erhoben.

Quelle: loopnauru.com


10.1.2020 Klaus Mertes glaubt, dass die Thematik sexuellen Missbrauchs durch Kleriker und die Vertuschung bzw. Blindheit der kirchlichen Leitungsebene im Blick auf Verantwortung die Kirche zu einem "echten Turnaround" führt. Allerdings nur, wenn die Kirche "begreift, dass es im innersten Kern der Sendung der Kirche schädlich bis zerstörerisch wirkt, wenn sie nicht in der Lage ist, Kinder vor Tätern und Vertuschung zu schützen. Die Täter brechen ja nicht einfach von außen in die Kirche ein, sondern kommen aus dem Innersten der Kirche, tragen in ihr Verantwortung und repräsentieren. Deswegen, glaube ich, ist die Missbrauchsgeschichte ein Signal und ein Fanal an die Kirche, umzudenken im Sinne der biblischen Buße und Umkehr." Das Argument, der Missbrauchsskandal werde kirchenpolitisch genutzt, um z.B. die Abschaffung des Zölibats durchzusetzen, sei ein "ungeheuerliches Totschlagargument" - vor allem, wenn es von Bischöfen komme.

Quelle: domradio


9.1.2020 Christiane Florin kommentiert das magere Ergebnis des Aufklärungswillens der katholischen Kirchenleitung: "Schon 2010 beteuerten die Bischöfe, an der Seite der Opfer zu stehen. Tatsächlich haben sie auf Zeit gespielt, während die Verjährungsuhr gnadenlos tickte. Das Thema Entschädigung, eine der frühen Forderungen von Opferverbänden, wird erst jetzt angegangen. Für die Betroffenen waren die vergangenen zehn Jahre, sollten sie den bischöflichen Beteuerungen geglaubt haben, besonders bitter. Für die Kirchenleitung hat sich die Zeitschinderei gelohnt. Niemand musste wegen Missbrauchs oder Vertuschung zurücktreten, kein hochrangiger deutscher Kleriker steht vor Gericht. Der Staat macht keinen Druck. Die katholische Kirche hat schon gar keine moralische Fallhöhe mehr, aus der sie abstürzen könnte. Für manche ist das ein komfortabler Zustand."

Quelle: Deutschlandfunk


9.1.2020 Matthias Katsch, Eckiger Tisch, sagt, die Aufarbeitung der kirchlichen Missbrauchsfälle beginne erst jetzt. Er hoffe, dass die Bischöfe im Frühjahr der unabhängigen und transparenten Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch nach einheitlichen Kriterien zustimmen werden. Erst dann könnten unabhängige Forscher in die Archive der Bistümer gehen und Verantwortliche benennen - was bisher noch nicht passiert sei. Katsch bilanziert seinen zehnjährigen Kampf um Aufklärung in dem Buch "Damit es aufhört." Es wird am 14. Januar erscheinen - rechtzeitig vor dem 10. Jahrestag der Aufdeckung des Skandals am Berliner Canisius-Kolleg am 28. Januar 2010.

Christian Weiser, Wir sind Kirche, sagt, dass die konkrete Aufarbeitung noch immer fehle. Es sei unendlich traurig und schmerzhaft, dass die Kirche so langsam lerne. Ihr moralischer Autoritätsverlust und der erlittene Schaden seien enorm. Er schätzt, dass es Jahrzehnte dauern werde, bis sich die Kirche wieder davon erholt habe.

Quelle: allgemeine-zeitung.de


9.1.2020 Kirchliche Missbrauchsopfer und Experten beklagen, dass es auch 10 Jahre nachdem der Missbrauchsskandal an die Öffentlichkeit kam, noch immer keine unabhängige Studie gibt, die Zugriff zu den Archiven hat und Täter und Mitwisser benennt. Die Vertuschungen bleiben weiterhin im Dunkeln. Bischof Ackermann sagt, die Aufklärung sei ein fortlaufender Prozess, daher sei eine vorläufige Bilanz zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich. MissBiT, die Trierer Betroffenengruppe, hat Christian Pfeiffer eingeladen, der die mangelnde Transparenz für das Scheitern der ersten Studie verantwortlich macht. In der nachfolgenden MHG-Studie konnten die Forscher keine Originalakten einsehen - Kirchenmitarbeiter schickten ihnen ausgefüllte, anonymisierte Fragebögen. Weitere Forschung sei nötig, sagen die Forscher. Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Rörig, sagt, dass noch lange nicht alle 27 Bistümer mit der umfassenden Aufarbeitung begonnen haben. Selbst in Mainz, Münster und Limburg, wo weitere Aufarbeitungsprojekte angekündigt wurden, gibt es bislang kein abgestimmtes Vorgehen. Für Frühjahr 2020 ist geplant, dass die Bistümer einer transparenten Aufarbeitung nach einheitlichen Kriterien zustimmen sollen.

Im Dezember 2019 wurde angekündigt, dass ein Betroffenenbeirat der Deutschen Bischofskonferenz künftig "auf die Finger schauen soll". Allerdings wird der Betroffenenrat nicht von Betroffenen gewählt. Interessierte können sich bis zum 7.2. melden.

Quelle: tagesschau


8.1.2020 Ein Vikar, Bistum Münster, soll Anfang 1983 in Neuscharrel einen damals neunjährigen Jungen missbraucht haben. Die Mutter habe die Kirchenverantwortlichen vor Ort informiert. Daraufhin kam der Geistliche ins Dinklager Benediktinerinnenkloster, Anklage wurde nicht erhoben. Anschließend war er sechs Monate in einer Suchtklinik, bevor er in Stromberg eingesetzt wurde. Die Laisierung wurde ihm nahegelegt und 1985 wurde er laisiert. Die Akte liegt derzeit bei der Kommission der Uni Münster. Für eine Bewertung der innerkirchlichen Vorgänge sei es zu früh.

Quelle: wn.de


7.1.2020 Unter dem Titel "Wer Kleriker sät, wird Klerikalismus ernten!" reflektiert Judith Müller die pastorale Praxis und fragt: "Wie spricht die Kirche in ihren (Amts-)Strukturen von Gott? Wie kommt Bewegung in ein erstarrtes System? Wie kann es mit dem Amt in der Kirche weitergehen?" Ihre kurzgefasste Schlussfolgerung: "Die Kirche kann und darf – und sie muss deshalb auch – die Strukturen entwickeln, die der Verkündigung des Evangeliums in der Welt von heute dienlich sind. Wer nur nachdenkt, kommt immer zu spät. Es ist Zeit zum 'Vormachen'“.

Quelle: feinschwarz.net


6.1.2019 Das Meinungsforschungsinstitut forsa befragte zum Institutionen-Ranking 2.505 Menschen. Dabei sagten 36 %, sie hätten großes Vertrauen in die evangelische Kirche. 14 % der Befragten bekundeten großes Vertrauen in die katholische Kirche.

Quelle: katholisch.de


4.1.2020 Gary Fields, Juliet Linderman und Wong Maye-E machen darauf aufmerksam, dass die Kirche wenig dazu getan hat, um Opfer sexuellen Missbrauchs zu identifizieren und zu erreichen. Gerade farbige Überlebende haben wenig Ressourcen, um sich bei der Kirche zu melden. Zugleich gehören sie wie Minderheiten auch - zu der am meisten gefährdeten Gruppe, die sexualisierte Gewalt erlebt. So wurden priesterliche Missbrauchstäter vor allem in wirtschaftlich benachteiligte Gebiete geschickt. Darauf weist Brian Clites, Professor an der Case Western Reserve University in Cleveland hin.

Quelle: apnews.com


3.1.2020 Radio Revue: "Kirche, was tust du? 10 Jahre Missbrauchsskandal und kein Ende.


2.1.2020 "Jede Gewalt an der Frau ist eine Schändung Gottes, der von einer Frau geboren wurde", denn "im Schoß einer Frau haben sich Gott und die Menschheit verbunden, um sich nie mehr zu trennen." Das sagte Papst Franziskus. "Daran, wie wir den Leib der Frau behandeln, erkennen wir den Grad unserer Menschlichkeit."

Quelle: Katholisch.de

Kommentar: Gewalt gegen Frauen kann auch strukturelle Gewalt sein. Da hat die katholische Kirche viel zu tun, die strukturelle und sonstige Gewalt gegen Frauen im eigenen Haus zu verändern.  


1.1.2020  Robert J. Goldberg, 61, beschuldigt den Jesuiten Donald McGuire, ihn ab dem elften Lebensjahr sexuell missbraucht und wie einen Sklaven behandelt zu haben. McGuire missbrauchte den Jungen mehr als 1.000 mal in unterschiedlichen Staaten der USA, aber auch in Europa, auch in Deutschland und Österreich, während er Exerzitien abhielt. Erste Vorwürfe kamen kurz nach der Priesterweihe 1961 aus Deutschland. Daraufhin zog ihn der darüber informierte Jesuitenorden ab und übergab ihm einen Lehrauftrage an der Loyola Akademie. Dort belästigte er Studenten, die später Klagen einreichten. McGuire hatte enge Kontakte zu Mutter Teresa von Kalkutta, die sich 1994 für ihn einsetzte und meinte, die Vorwürfe seien unwahr.
Nach einer weiteren Klage 2002 beschränkten die Jesuiten McGuires Dienst auf die Erzdiözese Chicago. Im Jahr 2003 wurde die erste von mehreren Klagen gegen McGuire und seine Jesuitenoberen eingereicht. Er wurde verurteilt und starb 2017 im Gefängnis.

Quelle: ncronline.org


1.1.2020 "In Australien gibt es einen Fall in einer Ordensgemeinschaft, die behinderte und psychiatrische Patienten betreut. Dort haben sich vierzig Prozent der Brüder des Missbrauchs schuldig gemacht. Vierzig Prozent!" Das berichtet Karlijn Demasure und plädiert für eine Art Befreiungstheologie, "die Strukturen anprangert und den Opfern eine Stimme gibt." Demasure empfiehlt eine "Theologie des Kindes".

Quelle: kath.ch

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