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Sexuelle Gewalt in der evangelischen Kirche Deutschlands 2021

2021   2020   2019   bis 2018

© pixabay, Bild von Gerd Altmann© pixabay, Bild von Gerd Altmann

30.3.2021 In den evangelischen Landeskirchen wird sexueller Missbrauch selten öffentlich. In der Nordkirche wurde bisher in 60 Fällen, in Württemberg in 145 Fällen, in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover in 120 Fällen über Zuwendungen entschieden. Eine Betroffene - Katharina Kracht, heute Mitglied des Betroffenenbeirats der EKD - wandte sich gemeinsam mit der Landeskirche Hannovers an die Öffentlichkeit. Danach meldeten sich bislang acht weitere Betroffene, die vom gleichen Täter missbraucht wurden. Oberlandeskirchenrat Rainer Mainusch sagt, dass es vermutlich noch weitere Betroffene gibt, die sich (noch) nicht gemeldet haben. Häufig gebe es in evangelischen Kontexten Mehrfachtäter. In einigen Landeskirchen ist ungeklärt, wie mit möglichen weiteren Missbrauchsfällen umgegangen werden soll, die im Anerkennungsverfahren bekannt bzw. angedeutet wurden. Das begünstigt bis heute Täter. In der Landeskirche Hannovers werden Missbrauchsfälle veröffentlicht - damit verbunden ist die Hoffnung, dass Kolleg*innen, ehren- und hauptamtliche Mitarbeiter*innen aufmerksam werden. Sie werden auch von der Landeskirche kontaktiert.

Quelle: Eulemagazin


17.3.2021 Die württembergische Landeskirche will Missbrauchsfälle in evangelischen Internaten weiter aufarbeiten. Inzwischen habe sich ca 150 Betroffene an die unabhängige Kommission der württembergischen Landeskirche gewendet. Vor wenigen Jahren gingen zudem nach einem Aufruf knapp 30 Meldungen zu sexuellen Übergriffen an den Seminaren ein. Die meisten Meldungen bezogen sich auf ein und denselben mutmaßlichen Täter. Die Studie der EKD wird heute von der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie Ulm vorgestellt. Ergebnisse sollen 2023 vorliegen.-

Quelle: t-online


9.3.2021 Katharina Kracht, Mitglied des Betroffenenbeirats der EKD, berichtet aus der Arbeit des Betroffenenbeirates. U.a. weist sie darauf hin, dass in manchen Landeskirchen Betroffene das institutionelle Versagen nachweisen müssen und Gutachten vorlegen sollen.

Quelle: Zeit

Katharina Kracht im Gespräch mit Dr. Christiane Florin


3.3.2021 Mitglieder des Betroffenenbeirats der EKD fühlen sich von der EKD nicht ernst genommen. Sie werfen ihr mangelnde Beteiligung von Opfern bei der Aufarbeitung vor und unzureichende Einbindung in Beratungen Sie beklagen fehlende Information und Partizipation. Die Ausstattung des und die Aufwandsentschädigungen seien mangelhaft. Sie fordern mehr Beteiligung, auch durch Strukturänderungen. An Sitzungen des EKD-Rates wollen sie teilnehmen. Detlev Zander sagte, über Entscheidungen werde der Beirat erst informiert, wenn sie schon gefallen seien. Die EKD widerspricht: "Der Betroffenenbeirat ist selbstverständlich an allen laufenden Entscheidungsprozessen beteiligt."

Quelle: evangelisch.de


26.2.2021 Der Beauftragtenrat der Evangelischen Kirche in Deutschland hatte mit dem Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM), Johannes-Wilhelm Rörig, und mit der Arbeitsgruppe des UBSKM "Aufarbeitung Kirchen" eine Arbeitstagung. Anwesend waren auch zwei Mitglieder des Betroffenenbeirats der EKD. Ergebnis: Die Beteiligten hoffen, noch 2021 eine "Gemeinsame Erklärung" zur Aufarbeitung in der EKD verabschieden zu können. Der NDR berichtet, dass die Gemeinsame Erklärung noch Ende des Sommers 2021 beschlossen werden kann.

Quelle: ekd.de


26.2.2021 Im Sommer 2020 wurde bekannt, dass ein ehrenamtlicher Jugendbetreuer des CVJM Lüdenscheid-West und der evangelischen Kirchengemeinde Brügge sich mindestens 30 Jahre an Jugendlichen vergangen hat. Das Presbyterium der Gemeinde hat sich nun in einem offenen Brief an die Betroffenen gewandt. Das Presbyterium anerkennt, dass es in seiner Verantwortung versagt hat und schuldig geworden ist. Es bittet aufrichtig um Verzeihung.  Die Gemeindeleitung steht Betroffenen „für einen direkten und persönlichen Austausch gerne zur Verfügung“. - Inzwischen haben sich mehr als 20 Betroffene zu erkennen gegeben.

Quelle: come-on.de


22.2.2021 Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, ruft die Kirchen auf, Unrecht in den eigenen Reihen beim Namen zu nennen und sich konsequent auf die Seite der Betroffenen zu stellen. Dies sagte er in einer gemeinsamen Passionsandacht mit dem Kölner Erzbischof Woelki und wies auf eine "ökumenische Haftungsgemeinschaft" hin.

Quelle: evangelisch.de


15.2.2021 Der unabhängige Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, fordert von der Politik mehr Unterstützung. Er sagte, die Politik mache sich den Kampf gegen sexuellen Missbrauch als vorrangiges Thema bis heute nicht zu eigen. Rörig ist irritiert, dass immer erst nach einem Skandal reagiert wird. Die Länder, die für Polizei, Justiz, Jugend, Bildung und Gesundheit zuständig sind, hätten "den goldenen Schlüssel in der Hand".

In der Aufarbeitung der Kirchen sieht Rörig weiterhin Verbesserungsbedarf. Er empfiehlt allen katholischen und evangelischen Kirchenleuten, "sich einen starken Ruck für die Aufarbeitung zu geben". Im Blick auf das Erzbistum Köln fordert Rörig, "zügig" Transparenz sicherzustellen. Die Kölner Gutachten müssten der künftigen Aufarbeitungskommission uneingeschränkt zur Verfügung stehen. Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung hofft, auch mit der EKD bald eine Vereinbarung über die Aufarbeitung zu unterzeichnen. Bislang beschäftigen sich die bestehenden Kommissionen der evangelischen Landeskirchen vor allem mit Anerkennungszahlungen. Unabhängige Aufarbeitungskommissionen müssten auch prüfen, wo vertuscht wurde, wer Verantwortung hatte, wo Missbrauch nicht unterbunden wurde und wie mit Betroffenen umgegangen wurde.

Quelle: evangelisch.de   evangelisch.de


12.2.2021 Der BR weist darauf hin, dass die evangelische Kirche noch langsamer als die katholische Kirche in der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt ist. Ein Grund liege darin, dass die evangelische Kirche über Landessysnoden organisiert ist. Kerstin Claus, Mitglied im Betroffenenrat bei der Bundesregierung, berichtet, dass sich nach den Erfahrungen Betroffener in der evang. Kirche nichts geändert habe. Nach wie vor würden Beschuldigte weiter beschäftigt - anderswo. Auch in den Unabhängigen Kommissionen, die über Anerkennungsleistungen entscheiden, sind kirchliche Mitarbeiter*innen. Noch immer gibt es keine verbindlichen und einheitlichen Standards für eine unabhängige Aufarbeitung. Der Journalist Philipp Greifenstein kritisiert mit Betroffenen, dass Aufarbeitung nicht dadurch stattfinde, dass man in der Zukunft etwas besser machen will. Es müsse geklärt werden, wer Verantwortung trage, was mit den Tätern passiere und wie damals und heute mit den Betroffenen umgegangen werde.

Quelle: br


4.2.2021 Menschen, die in ihrer Kindheit oder Jugend sexualisierte Gewalt in kirchlichen und diakonischen Einrichtungen im Bereich der rheinischen, westfälischen oder lippischen Landeskirche erlebt haben, erhalten jetzt individuelle Zahlungen. Zuständig ist die Unabhängige Kommission (UK). Das Gremium der Evangelischen Kirche im Rheinland, der Evangelischen Kirche von Westfalen, der Lippischen Landeskirche und des Diakonischen Werkes Rheinland-Westfalen-Lippe (Diakonie RWL) besteht aus sechs Mitgliedern, die über traumatherapeutische, psychologische, theologisch-seelsorgliche, pädagogische und juristische Qualifikationen verfügen.

Quelle: evangelisch-in-westfalen.de


1.2.2021 Die Synode der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) hat den Rat der Landeskirche beauftragt, ein Kirchengesetz zum Schutz vor sexualisierter Gewalt als gesetzesvertretende Verordnung in Kraft zu setzen.  Seit Ende 2019 gibt es im Bereich der EKKW eine Unterstützungskommission für Opfer sexualisierter Gewalt. Ihr wurden bis Ende 2020 zehn Fälle sexualisierter Gewalt gemeldet. Die ehrenamtlich tätige Kommission befasst sich mit strafrechtlich verjährten Fällen. Thomas Zippert, Koordinator der Kommission, schätzt die Dunkelziffer auf das zehn- bis zwanzigfache. Einige Betroffene haben selbst auf weitere Opfer hingewiesen, die sich bisher nicht gemeldet haben.

Quelle: ekkw.de

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